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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
OnKfunb&rtag: J°h. Ang. Koch, Universitäts-Buchdruckmi in Marburg. Verantwortlich für dir Äebdtton: Rrdakt-ur M. Hartmann in Marburg.
Expedition: Markt 21. — Telephon 55. VVUmUßvVlUlU Redaktion: Markt 21. — Telephon 55.
^ch°mt täglich außer an Werktagen »ach Sonn- und Ferertagen. 7)57ni»ßl tm Anzeigen nehmen entgegen: die Expedition diese- Blattes, die Annoncen-
QuattalS-Abonnements-Prets bet der Expeditwu 2 Mk bet allen «**4 Bureaux von Haasenstein & Vogler, Frankfurt a. M., Cassel, Mägde- QQ
P° a>utern 2,2^ Mk (extt. BeMgeld). ^mertronsgebuhr. dte ge- qqq bürg, Wien; Rudolf Mosie, Frankfurt a. M., Berlin, München, Köln; 66.
spaltene Zeile oder deren Ramn IO Psg., Reklamen - die Zeile 25 Pfg. lLlMNlwelw, 18. ^ZUM 181)8. C. L. Daube & Co., Frankfurt a. R., Berlin, Hannover, Pari- k.
Zur gestrigen Reichstagswahl. .
h. Die gestrige Reichstagswahl im Wahlkreise Marbnrg-Kirchhaiu-Frankcnberg-VSHl ergab daS nachstehende vorläufige Gesammttesultat:
General z. D. v. Bartenwerffer (Ordnnngs- parteien) 2360 Stimmen.
Dr. Böckel (wild) 2836 Stimmen.
Rentier Müller-Fulda (Cenfrum) 1806 Stimmen.
Regierungsassessor a. D. v. Gerlach - Berlin (nafional-sozial) 1760 Stimmen.
Schriftsteller Bader - Marburg (wild) 1568 St.
Liebknecht-Berlin (Sozialdem.) 492 Stimmen.
Es hat also eine Stichwahl zwischen Herrn General der Infanterie z. D. v. Bartenwerffer und dem bisherigen Vertteter des Wahlkreises Dr. Böckel stattzufinden.
Den vier unterlegenen Kandidaten irgendwie Schadenfreude entgegenzubringen unterlassen wir selbstverständlich; wir haben im bisherigen Wahlkampfe uns gegen sie hinreichend ausgesprochen, das Andere für sie hat die Wahl am gestrigen Juni selbst gesagt.
Unserem Kandidaten zur Reichstagswahl, Herrn General z. D. von Bartenwerffer steht also für den Stichwahltag Herr Dr. Böckel gegenüber. Im politischen, wie persönlichen W e r t h e find diese beiden Kandidaten garnicht nebeneinander zu stellen. Auf B ö ck e l' s Seite während seiner Mandats - Jnhaberschaft eine, seine Wähler ^radezu gänzlich außer Acht lastende Pflicht- »c r g e s s e n h e i t und völlig erwiesener Mangel <n Ueberzeugungstreue. Im ganzen Auftreten des Reichstags-Kandidaten Herrn General i- D. von Bartenwerffer dagegen ausgeprägtes Pflichtgefühl, unerschütterliche Ueberzeugungstreue, Schlichtheit und Wahrhaftigkeit, kein der Agitation Anderer anhaftendes Schlagwort, keine persönliche Lerletzung des Gegners, völlige Garantie unwandelbaren Fe st haltens an der Gesinnung, die einem deutschen Manne auf bis zu den höchsten Auszeichnungen führender Lebensbahn Ehre und Gewissen vvr- schreiben!
Und nun sollen sich die Wähler unseres Wahlkreises Marburg-Kirchhain-Frankenberg-
Vöhl entscheiden, welchem von diesen beiden Kandidaten sie am Stichwahltage, dem 24. Juni, ihre Stimme geben. Wähler in Stadt und Land, wer ein deutscher Mann ist, wer zu Kaiser und Reich, zu Thron und Altar steht, wer seiner deutschen Nation zu dienen weiß und wem Gottesfurcht, Ehre und Gewissen Leitsterne sind, der weiß, was er am Stichwahltage zu thun hat: er giebt zur Ehre unseres Wahlkreises seine Stimme Herrn
General z. D. v. Bartenwerffer.
Umschau.
Die Bürgerschaft des Staates Hamburg, endlich den Engländern es nachzuthuu bestrebt, beschloß, den Senat zu ersuchen, durch den hanseatischen Bevollmächtigten nachstehenden Antrag beim Bundesrath einbringen zu lassen: „Der Bundesrathsbeschluß vom 14. Februar 1898, bett, die Einfuhr lebenden Schlachtviehs aus Dänemarkt ist in folgender Weise abzuändern: alles aus dem Ausland einzuführende Schlachtvieh ist am Einfuhrplatze in öffentlichen Schlachthäusern zu schlachten und das Fleisch daselbst nach den bestehenden Bestimmungen der Fleischschau zu unterziehen. Von einem Antrag bezüglich der Tuberculimmpfung wurde noch abgesehen.-
lieber den glücklicherweise verhälmißmästig harmlos abgelaufenen Mordversuch auf den Botschaftsrath Grafen Arco, den neuernannten Gesandten Deutschlands in Brasilien, verlautet einstweilen nur soviel, daß es sich um die Thal eines Verrückten zu handeln scheint. Gegen 5 Uhr wartete in London am 15. Juni eine Droschke vor dem Eingang zum deutschen Botschaftsgebäude, die der Graf Arco zu einem Besuche benutzen wollte. In der Straße vor dem Gebäude unv auf dem angrenzenden Platze befanden sich wie gewöhnlich einige Schutzleute. Wenige Schritte vor dem Hause ging ein unauffälliger Mann in den dreißiger Jahren, in Hellem Anzug und 'Mütze. Er war seit einer Weile rauchend in der Nähe umhergegangen, hatte auch ein paar Worte mit dem Kutscher gewechsett und sich erkundigt, ob er den Botschafter kenne, war aber nicht weiter beachtet worden. Um 5 Uhr trat Graf Arco aus der Botschaft und stieg in den Wagen. In demselben Augenblick trat der vorerwähnte Mann von der den Polizisten entgegengesetzten Seite heran, zog einen Revolver und feuerte aus nächster Nähe einen Schuß, der den Grafen Arco in den Rücken streifte. Der Graf fuhr zurück, und in demselben Augenblick knallte ein zweiter Schuß,
der ihm eine Fleischwunde an der Hüfte beibrachte. Im nächsten Augenblicke hatte der Piöltner der Botschaft den Uebelthäter ergriffen und ein Polizist stürzte herbei, auf den der Thäter schoß, ehe man ihn ent» Waffen konnte. Die letzte Kugel blieb unschädlich in der dicken Brieftasche des Konstablers stecken. Graf Arco legte dem Vorfälle so wenig Gewicht bei, daß er erst noch seinen Besuch machen wollte und daun ohne Hilfe in die Botschaft eintrat. Die ärztliche Untersuchung stellte eine Fleischwunde an der Hüfte fest Die Kugel wurde hier zunächst nicht gefunden. Die erste Kugel wär zwischen Rock und Weste stecken geblieben und fiel beim Entkleiden auf den Boden. Der sünfläufige Revolver war eine ganz billige und schlechte Waffe. Der Thäter heißt Todd, ist ein Engländer, 41 Jahre alt und Schustergeselle. Er verhielt sich nach seiner Festnehmung ganz ruhig und murmelte nur etwas in sich hinein, gab aber keine weiteren Aufschlüsse. Graf Arco, der erst seit Anfang dieses Jahres in London weilt und außerhalb der Gesellschaft von wenigen nur gekannt war, hatte den Mörder nie gesehen. Er ist auch an allen Orten, wo er bisher gewesen, unter seinen Landsleuten wie unter den Ausländern als ein so gutherziger und menschenfreundlicher Mann bekannt, daß er schwerlich einen persönlichen Feind besitzt, sodaß Rachegründc ausgeschloffen erscheinen. Graf ArcoS Befinden war am 16. d. M. Morgens so günstig und er selbst in so guter Stimmung, als unter den Umständen nur erwartet werden kann. Nachmittags ward mit Röntgenstrahlen nach dem Verbleib der $ reiten Kugel gesucht. Aus allen Kreisen wird lebhafteste Thcil- nahme bekundet. Zahlreiche Besucher sprechen auf der Botschaft vor. Massenhafte Telegramme laufen von den verschiedensten Punkten ein, wo Graf Arco im diplomatischen Dienste sich Freunde erworben ober wegen seiner hilfreichen Menschenliebe die Hochschätzung und Verehrung seiner Landsleute gewonnen hat. Die Beweggründe, die den Thäter zu seinem Mordversuche getrieben, sind einstweilen räthselhaft. Keiner von den Dienstbooten der Botschaft erinnert sich- den Mann je gesehen zu haben. In englischen Kreisen wird die Vermuthung laut, der Thäter könne sich int Hause geirrt und au8 irgend einem Grunde einem Mitglieds der amerikanischen Botschaft nachgestellt haben.
könne nicht an der Auftichtigkeit dieser Erklärung zweifeln. Das Staatsdepartement erhielt eine omt liche Mittheilung, das Gerücht, Deutschland würde die Philippinenftage aufwerfen, sei unbegründet. Die deutschen Kriegsschiffe seien zu dem alleinigen Zweck nach Manila gegangen, ihre Reichsangehörigcn und deutsches Eingevthum zu beschützen.
Durch einen gestern vom Bundesrath genehmigten Verttag mit dem Norddeutschen Lloyd in Bremen, betreffend die Unterhaltung deutscher Pvst - D a m p f s ch iffs v erb t n du n g e n mit Oft« asien und Australien, wird der Norddeutsche Lloyd verpflichtet, während eines fünfzehnjährigen Zeitraums vom 1. Januar 1899 ab folgende Pvst- Dampfschiffslinien zu unterhalten:
1. für den Verkehr mit Ostasten eine Hauptlinie von Bremerhaven oder Hamburg nach China, und zwar über einen niederländischen oder belgischen Hafen, Genna, Neapel, Port Said, Suez, Aden, Colombo, Singapore, Hongkong nach Sanghai und zurück über dieselben Häsen; eine Hauptlinie von Bremerhaven oder Hamburg nach Japan, und zwar über einen niederländischen oder belgischen Hafen, Genua, Neapel, Port Said, Suez, Aden, Colombo, Singabore, Hongkong nach Yokohama und zurück über Hiogo, Nagasaki, Hongkong und die übrigen auf der Hinfahrt angelaufenen Häfen; eine Anschlußlinie von Singapore nach dem deutschen Neuguinea- Schutzgebiet und zurück, und zwar über Batavia, sonstige Häfen des Sunda-Archipels, Berlinhafeu, Friedrich - Wilhelmshafen, Stephansort, Finschhafen beziehungsweise Langemak-Bucht, Herbertshöh und Matupi, Stephansort, Friedrich-Wilhelmshafen, Berlin- Hafen und Häfen des Sunda-ArchipelS;
2. für den Verkehr mit Australien eine Hauptlinie von Bremerhaven nach dem Festlande von Australien, und zwar über einen niederländischen oder belgischen Hasen, Genua, Neapel, Port Said, Suez, Aden, Colombo, Adelaide, Melbourne nach Sydney zurück über dieselben Häfen.
Bezüglich der chinesischen Anschlußlinie wird der Lloyd verpflichtet, auf Verlangen des Reichskanzlers die Fahrten dieser Linie über ihren Endpunkt bis Kiantschau auszudehnen.
Artikel auswärtiger Blätter, welche Deutschland die Absicht einer Einmischung auf den Philippinen zuschreiben, erwecken in Washington bei den Behö-den den Glauben, daß eine Macht im Geheimen die Vereinigten Staaten und Deutschland zu veruneinigen suche in der Absicht ihre eigenen Interessen zu begünstigen. Man erinnert an die Erklärung d e s K a i s e r s in Bezug auf die Neutralität Deutschlands und erklärt, man
Deutsches Reich.
Berlin, 16 Juni. Ihre Kaiserlichen Majestäten begaben sich heute Vormittag um 9l/2 Uhr nach Potsdam. Um 10 Uhr versammelten Se. Majestät der Kaiser im Lustgarten daselbst die Leib-Regimenter und das Lchr-Jnfanterie-Bataillon um sich, hielt eine Ansprache an die Truppen und nahm sodann die Parade ab. Se. Majestät ließ hierbei den Regimentern die neuen Auszeichnungen für die Fahnen-
Up, t satz für ifg-) kel.
«och bz«> •bett. Bl.
(Nachdruck verboten.)
Getrennte Sterne.
Roman aus der Gesellschaft von H. Waldemar.
kFortsetzNng.)
Sie hatten da« erste Hans erreicht. Es beherbergte mehrere Kranke, wie Werneck wußte. Es 601 ihm ein peinlicher Gedanke, Adrienne auch jetzt »och der Gefahr auszufetzen, die sich nicht leugnen «efc, aber sie mußte auf ihrem Posten ausharren, » man sie ablöste. Er war ja ihr zur Seite und konnte aller von ihr fern halten, was ihm schädlich rrschten.
f ,: Sie traten in die niedere Hütte, aus welcher ihnen
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, Herr» . Kauf'
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toeger 681 erstickende Luft entgegenschlug.
i Das erste, was Adrienne that, war, daß sie "e beiden kleinen Fenster öffnete, um ftische Luft «renizulaffen.
- Werneck sah dem Mädchen mit Entzücken zu, wie ue ihre Pflichten freu erfüllte. Alles, was er am Morgen angeordnet, verrichtete sie ans sich selbst, sie ' ™te eine Art, die Kinder zu behandeln, die ihm nden» Bewunderung abnöthigte, nicht jene des Verlobten । Verliebten, sondern diejenige des Arzte», der cs
tDldertsach erprobt hatte, wie segensreich eine Frauen- oft zu wirken vermag, wieviel mehr sie erreichl “1* er, trotz all seinem Wissen und feiner Erfahrung. Wortlos gehorchten die Kranken, da gab es keinen Eiderspruch; das Kleid allein, das- Adrienne hug, i^alf ihr schon zum Sieg. Sahen die ungebildeten .in dem Arzte meist nur denjenigen, der sie i Keller unter die Erde brachte, wehrten sich so- lUH $lt_ mit aller Macht gegen feine Verordnungen, so Trübten sie ohne Widerspruch, was die Schwester W. —
So wanderten sie von Haus zu Haus, eins das andere ergänzend in ihrem Liebeswerk.
Die Schwalbe hatte richtig vorhergesagt. Ehe der Abend yereinbrach, thürmlen sich dunkle Wolken am Horizont auf. Sie näherten sich rasch, verfinsterten die Sonne und überzogen in kurzer Zeit den vorher so strahlenblauen Himmel mit einer undurchdringlichen Schicht.
Beim Verlassen einer Hütte empfing das junge Paar ein heftiger Windstoß, der Staub wirbelte hoch auf und beide mußten Schutz suchen in dem einzigen Wirthshaus des Ortes.
Und hier geborgen, war es, daß Doktor Werneck Adrienne die erhaltenen Briese vorlegte. Tief ergriffen las fte das Schreiben des alten Pastors, daS lautete!
.Ungern, mein Sohn, wiffen wir Dich in dem durchseuchten Ort. Aber so wie ich Dich kenne, treibt eS Dich gerade dort, wo die G sahr am größten, Deine Pflicht als Helfer zu erfüllen. Ich entbehre Dich schwer und Dn irrst, wenn Du annimmst, daß Georg Dich ersetzen kann. Das junge Paar ist so erfüllt von seinem Glück, daS nun durch die Geburt des kleinen Albrecht noch größer geworden ist. Sie haben trotz aller Liebe, deren ich theilhastig werde, so ganz andere Interessen, wie es bei meines Schwiegersohns Stellung auch nicht anders sein kann, daß ich oft mich, recht einsam fühle. — Wann wirst Du Deinen Plan Dich hier niederzulaffen, ausführen? Wann? Das steht bei Gott, mein Junge, der allein imstande ist, die Wunde zu heilen, die Dir Adriennes Entschluß geschlagen hat Hast Du erst das überwunden, wird es Dich miebÄ hierherziehen an die Stätten Deiner Kindheit. Freilich wirst Du dem Verkehr mit den Bewohnern des Bünshofes nicht ausweichen können. Dort ist das Glück. Es herrscht
dort eitel Luft und Sonnenschein, wenigstens unter "ber Jugend, zu der ich auch Dony und sein Weib rechne, die vor einigen Tagen erst von ihrer großen, überseeischen Reise zurückgekehrt find. Der Graf und Gräfin leiden schwer unter ihres Kindes Entsagung. Ich kann es ihnen von Herzen nachfühlen. Der alte Herr ist recht gealtert Adrienne war ja auch sein Herzblatt, und wenn auch Juanita sich bemüth, ihm nach Kräften die Verlorne zu ersetzen, so scheiterte doch ihr Bemühen an der Sehnsucht, die ihn verzehrt; es gelingt ihm nicht, die Schatten zu bannen, die sich auf das ehemals so frische Männerantlitz gelegt Habe ich dafür das Kind groß gezogen, daß ein Schurke sie mir vom Herzen reißen mußte? fragte er mich kürzlich, als er gekommen war, wie er oft thut, um fein Herz bei mir zu erleichtern. — Wäre es mir vergönnt, das liebe Mädchen noch einmal zu sehen, ob es mir bann nicht gelingen würde, sie zu überzeugen, daß es wohl schön ist, im Dienste der Menschheit zu stehen, sich ihr völlig zu widmen, daß eS eine hohe Ausgabe heißt, Trost und Linderung zu bringen und Verzagende aufzurichten, daß aber vor allem ein Kind bemüht fein soll, den Eltern dadurch feinen Dank abzustatten, daß es deren Wünsche erfülle, Wünsche, die so gerechfferligt find, wie der, sie mögen heimkehren und in ihren Armen das Vergessen lernen. Da» möchte ich Adrienne agen, und ich glaube gewiß sein zu dürfen, daß sie ich meinem Wort nicht unzugänglich zeigte . . . ."
Adrienne ließ den Bries finken und brach in einen Storm von Thränen aus.
„Vater, lieber Vater!" rief sie erregt, Werneck legte den Arm um ihre Schultern und zog sie an eine Brust.
„Hier weine Dich aus, mein Herz. Und bann wollen wir beraten, auf welche Weise wir von uns
Kunbe geben. Man hofft auf Dein erscheinen nach dem Probejahr. Deshalb haben Dettmars bte Hochzeit ber kleinen Marianne soweit hinauSgeschoben, wie Dora neulich schrieb. Wi; wäre es, wenn wir bie Gelegenheit benützten, unb auch . . .?"
lieber Adrienne's Gesicht huschte ein dunkle Röthe und sie entzog sich seinem umschlingenden Arm.
„So rasch . . . meine Pflichten . . ."
„Sind das alle Deine Einwände, Geliebte, bann mußt Du meine Bitte erfüllen, benn Deine Pflichten hören auf, sobald hier die Epidemie erloschen ist. Dafür werde ich Sorge tragen/
„Ich habe mich auf ein Jahr verpflichtet/
Werneck ward ernster. Ihre beiden Hände er» fastend unb fte bantit zwingend, ihm ins Ange zu schauen, fragte er:
„Hast Du nur diese Pflichten?"
In ihren blauen Sternen leuchtete eS freudig auf, Ein Meer von Liebe strahlte ihm daraus entgegen.
„Wie magst Du fragen! Sind es aber nicht die zunächstliegenden? Darf ich über dem eigenen Glück vergessen, was ich gelobte?"
„Das sollst Du nicht, Adrienne. Welche Pflicht aber däncht Dir die süßeste?"
Sie lachte schelmisch unb halb leise auf. Dann führte sie so rasch, daß er ihr nicht wehren konnte, seine Hände, welche noch die ihren umfaßt hielten, an die Lippen und drückte auf beide einen innigen Kuß.
„Dich vergessen zu machen, daß Du um mich hast leiden müssen!" erwiderte sie demüthig.
Wie zur Bekräftigung ihrer Worte durchfuhr der erste Blitz die dunklen Wolken droben und der Donner ließ alles ringsum erbeben.
(Schluß folgt.)