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hinter den Coulissen hielt, so hätte man ‘"■♦^’-lrinige Zeit über seinen wahren Werth im Un-
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noch nicht in beachteuswerthern Lichte gezeigt. Und da er sich im Wesentlichen darauf beschränkte, in Begati!)er Kritik die konservative Partei herunter zu »setzen, feine eigenen Pläne und deren Konsequenzen Jaber in begründeter Vorsicht nach sozialdemokratischer
Der Wolf im Schafspelz.
Ein Freund unseres Blattes schreibt uns:
Jetzt, an der Schwelle des Wahltags, klärt sich
Wahlkonstellation. Während noch vor 3 Wochen
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Sachlich ist dem Kandidaten schwer beizukommen, da er hier im Wahlkampf nur die Programm» annmern verwendet, von denen er sich Zugkraft verspricht. Denn wie der Verleger Bader neben einer
die verhetzende Agitation den ganzen Wahlkreis au: den Kovf zu stellen schien, hat nun die schlichte, charakterstarke Persönlichkeit des Herrn v. Barten- werffer die Wähler ans der blendenden Welt der Versprechungen und Halbwahrheiten der Kandidaten Bader, Löckel und v. Gerlach zum konservativen Wirklichkeits- finn zurückge führt. So ist denn sicher, daß der Verleger Bader trotz allen Spektakels in der Wahlschlacht Bagatelle sein wird. Seme Hohlheit wie Böckels Pslichtvergessenheit in der Mandat?ausübnng tonnten dem gesunden Sinn der hessischen Bauern und Hand- verker nicht verborgen bleiben; und zweifellos eignet er sich besser zu der possirlichen Rolle des wüthenden Hamsters als zum Reichstagsabgeordneten. Ihn oder Böckel würden darum die Hessen nur wählen, wenn sie das Bcdürfniß hätten, sich vor dem ganzen deutschen Reich zu blamiren.
Herr Göhre, der Vereinsgenosse von Gerlachs, gewiesen, der einfach erklärt: „Das Handwerk ist dem unausbleiblichen Ruin ausgeliefert". Herr von Gerlach würde viel zu ängstlich sein, um so etwas auszusprechen. Sollte er sich aber auch nicht auf den Boden dieses Satzes stellen, so muß man doch fragen, ob man einen Kandidaten wählen kann, in dessen, allerdings erst zukünftiger, Partei derartige Gegensätze vertreten werden.
Den besten Beleg, wie die „nationale" Bedeutung der National-Sozialen gewahrt wird, liefern die Nachrufe, die der „Zeit", ihrem Organ, bei ihrem Entschlafen am 1. Oktober 1897 gewidmet wurden. Außer warmen Nachrufen der demokratischen und ultramontanen Presse, w hklagt die nordschleswigsche Dänenpresse, denn wenn sie darthun wollte, daß die „guten Dänen" unter der preußischen Regierung zu leiden hätten, bann konnte sie sich auf die „Zeit" als national - knochenwrichen Zeugen berufen. Man sollte glauben, die sozialdemokratische Presse hätte beim Eingehen der „Zeit" nun erleichtert aufgeathmet, weil doch nach Hin. v. Gerlachs Marburger Spezialprogramm, die National - Sozialen die Sozialdemokratie überwinden — soll aber nicht; von dem. Keinen Mann und keinen Groschen hat die Sozialdemokratie durch die national-soziale Agitation verloren. Von ihr hat sie nichts zu fürchten, aber viel zu hoffen.
Herr v. Gerlach weiß, daß bei den königstreuen Hessen mit sozialdemokratischen Tendenzen nichts zu holen ist, deßhalb unterdrückt er sie sorgsam und tummelt sich als ein Lämmlein weiß wie Schnee in den Wahlversammlungen.
Hessische Wähler unseres Wahlkreises! Seht Euch solch' eine Sorte von Reichstags-Kandidaten an. Warum kommen sie denn, um gerade Euch die Stimmen abzufangen. Sie muffen doch namentlich unsere Landbevölkerung für herzlich wenig „helle" halten, sie verletzen wahrhaftig die Eigenliebe des hessischen Bauern, daß sie ihm zutranen, erwerbe sie wählen. Und was sagt man dazu, daß die Lehrer auf manchem Dorfe, die doch unsere Jugend erziehen sollen in christlichem, königs- und reichstreuem Sinn, dieser Vorfrucht der Sozialdemokratie, speziell Herrn von Gerlach anhangen! Er bestellt [nur den Acker der Sozialdemokratie. Die National-Sozialen, die es wie Herr von Gerlach treiben, sind halbe Sozialdemokraten. Sozialdemokraten haben dem Herrn v. Gerlach öffentlich gesagt: Warum auf halbem SEege stehen bleiben? Kommen Sie nur zu uns 1 Es ist ein Mißbrauch des hehren Wortes national, wenn sich die National-Sozialen national nenn n. Ihre freundliche Stellung zu Judenthum, Polenthum, Demokratie usw. beweist es.
Dcßhalb, hessische Wähler unseres Wahlkreises, rht es Euch an, wie einfach, schlicht und wahrhaft
laren bleiben können. Inzwischen ist jedoch auch !in wenig Vertrauen erweckender politischer
Zeitungsseele eine Versammlungsseele hat, so hat der Berliner v. Gerlach neben einem Generalprogramm fein Marburger Spezialprogramm.
Seinen Standpunkt in berfmonardjifdjen Frage beleuchten am besten die Worte aus der „Hilfe" vom 5. Januar 1896: „Der Tag wird kommen, wo die Monarchie sagt, lange genug habe ich mit den Herren von hervorragendem Besitz regiert. Wir wollen den Kaiser ehren, weil er ein Kaiser der thätigen Stände sein wird". Hier wird der Vorwurf gegen unsere Monarchie erhoben, daß die Monarchie nur mit dem Kapitalismus gehe, für die Arbeit aber kein Ver- ständniß und Herz habe. Eine solche ungerechte Ver- ftänbnifelofigfeit für das 300 jährige Wirken der Hohenzollem für das deutsche Volk ist nur noch bet der Sozialdemokratie zu finden. Und wie das Kaiserthum zur Raison zu bringt* ist, zeigt die wegen Abonnentenmangel inzwischen eingegangene „Zeit" vom 1. September 1897: „Bleibt die politische soziale und klerikale Demokratie ihrem Bündniß getreu, so bildet sie eine Macht, vor welcher der Kapitalismus und die regierenden Herren sehr bald Respekt bekommen dürften". Das günstigste, was sich aus der national-sozialen Auffassung vom monarchischen Gedanken folgern läßt, ist — die Monarchie ist ein nothwendiges liebel. 2Benn der Kandidat von Gerlach dieses offen zugestände, so wäre Alles in Ordnung; die hessischen Bauern, die des Königs Rock getragen haben, würden ihm schon am 16. Juni ihre Antwort geben. Aber statt bessert erklärt er, wenn er zu Anfang der Versammlung gefragt wirb, warum kein Hoch auf den Kaiser ausgebracht wird, das bringen die National- Sozialen am Schluffe aus, oder schützt die Gewissen und Straffreiheit der Sozialdemokratie. So etwas nennt man Mangel au Muth.
Die Stellung der National-Sozialen gegenüber der Sozialdemokratie faßte am besten Herr Göhre, der Vereinsgenosse von Gerlachs auf dem Erfurter Parteitage zusammen: „Die Sozialdemokratie ist heute ein Hort der Freiheit unseres Volkes, in der "och Ideale stecken. Arbeiterstand und Sozialdemokratie sind heute mit Recht dasselbe. Hacken Sie gegen die Sozialdemokratie los, dann hacken sie auch auf den Arbeiterstand." Und wenn Herr v. Gerlach in bet „Oberhessischen Zeitung" vom 7. Juni bementiren läßt, die Behauptung, daß er der Sozial demokratie die Unterstützung seines national - sozialen Anhangs in Aussicht ft. He, fei erfunden, so entsinnt er sich nicht mehr genau, daß er auf dem Erfurter Parteitage voriges Jahres klipp und klar erklärte, er würde unter Umständen eine sozialdemokratische Stimme abgeben. Ist das ehrlich?
Und wie wollen die National-Sozialen dem Handwerk helfen? Den praktischen Weg hat auch hier
Umschau.
Wenn wir uns in der Hoffnung nicht irre machen lassen, daß der Ausgang der jetzigen Wahl- bewegung nicht den nationalen Parteien, wohl aber den Umsturzdemagogen im Reiche eine Enttäuschung bereiten werde, so rechnen wir dabei, außer mit der gesunden Einsicht der Wähler, auch mit der Thotsache, daß bisher der Wahlfeldzug seitens der staatserhaltenden Parteien ohne größere taktische Fehler geführt worden ist. Vergebens späht die Sozialdemokratie, deren Führer im Reichstage seiner Zeit bekanntlich offen eingestanben haben, daß ihre Partei hauptsächlich von ben Fehlern der Gegner lebe, nach einer schwachen Stelle des wahlstrategischen Aufmarsches der staatstreuen Richtungen aus, wo sie den Hebel einsetzen könnten. Ihren Schlagworten, wir deren der Bader, Böckel, v. Gerlach in unserem Wahlkreise, die von allerlei düsteren Attentatsplänen der „Reaktion" gegen „das bischen" Recht utb Freiheit, das dem deutschen Volke verfassungsmäßig gewährleistet sei, zu berichten wissen, ist durch bte; prompte Widerlegung von den zuständigen Stellen die Zugkraft genommen. Ersatz dafür aber weiß man, so sagt richtig die „N. R. C.", nicht zu schaffen, weil selbst die findige Phantasie der Umsturzapostel sich als unzureichend erweist, dem deutschen Volke, gegenüber der klaren und bestimmten Sprache der Thatsachn zu Gunsten der Politik des Schutzes der nationalen Arbeit, das Tendenzmärchen von der unaufhaltsam fortschreitenden Verelendung der Massen irgendwie mundgerecht zu machen. Natürlich sind unsere öffentlichen Zustände noch recht weit von dem Ideal der Vollkommenheit entfernt, aber die gesunde Vernunft des Volkes zieht daraus nicht mit der zerstörungs- wüthigen Sozialdemokratie und ihre Vorftucht den Schluß, baß das Bestehende der Erhaltung durch die Bank nicht werth sei, sondern sagt sich, daß gerade, weil es noch so mancherlei zu bessern und auszubauen giebt, in dem neu zu wählenden Reichstag diejenigen Parteien der ausschlaggebenden Mehrheit theilbaft werden müssen, welche den guten Willen
der Kandidat der staatserhaltenden Parteien, ein national, monarchisch und christlich gesinnter, pflichttreuer Mann, dem Alles, was nach „Wahlmache" aussieht, in der Seele zuwider ist, den demagogischen Kandidaten gegenübersteht. Er hält, was er verspricht, er übt Treue in Erfüllung des Mandats. Und so geht hin und wählt am 16. Juni
Herrn General z. D. v. Bartenlverffer in Marburg
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ion i Der Berliner Kandidat v. Gerlach hat, fcw । ohne irgend eine politische Beziehung zu unserem Wahlkreise zu haben, — denn die Sozialdemokratie, die ^SHSer angeblich bekämpfen w'll, und Ostelbier gitbt es hier ja ■ I ! nicht — sich hier festgesetzt und macht nun mit allen J|Til J Mätzchen und Mittelchen morgenländischen Haustrgeists Ulli für seine Person Reklame. Zu Statten kam ihm * Anfangs der Umstand, daß kein Mensch wußte, woher
er kam und wohin er ging, denn der national» Allee II sozial Verein, dem er angehört, hat sich bisher
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ItflP ^"degang hier bekannt geworden und man kann diese Berliner Mauserungsfähigkeit nicht als ein Zeichen von Charakterfestigkeit bezeichnen, das JcIfCtf mem Hessen imponiren könnte. Noch vor 2 '/z adeb-ni- Zchren verwahrte sich der damalige Redakteur von (IN Verlach auf einem Redeabend in Berlin auf das i alle Sirte tntfdjicbtnfte gegen ben Vorwurf, er wolle bie ge- Stnna konservative soziale Bewegung ins jüdisch- Flecke n demokratische Lager hinüberziehen. Unb heute?
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bürg. Wien; Rudolt Masse, Frankfurt a. M., Berlin, München, Köln; OO.
<S. L. Daube & Co., Frankfurt a. M._ Bettln, Hannover, Paris x.
scher. (Nachdruck verboten.)
it Getrennte Sterne.
Roman ans der Gesellschaft von H. Waldemar.
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(Fortse-mtg.)
Während sie wähnte, Ina habe die Freundschaft
irtef •«> sit Füßen getreten, und sie ihr infolge dieses Jrr- 8 l" kms bittere, harte Worte sagte, auf welche Ina (2% icsi eine Silbe zu ihrer Rechtfertigung entgegnete, (6 ette diese sich bereits zu dem furchtbaren Opfer 101 weit erklärt, dessen Größe nur sie ermessen konnte,
Die Gewalt des Fiebers ließ etwas nach; es
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ton sie ganz allein kannte Mondega in seiner vollen Üebrigteit.
Dies alles zog an Adrienne vorüber, während sie
r sie auch zu schwach, um sich zu rühren, so arbeitete ihr Geist unaufhörlich und ließ sie wieder unb r die Qualen erdulden, welche sie durchlebt hatte. .Nein, — sie soll nichts hören davon," schrie plötzlich mit gellender Stimme, — „ich habe es 8t — hörten Sie nicht, Dony, — ach Dony!" Die eben noch so schrille Stimme ging in weiches ern über, ein Lächeln huschte über das geängstigte cht und gab-demselben etwas so Rührendes, daß' enne der Thränen sich kaum erwehren konnte. Aber schon wieder waren Jua's Gedanken weiter t. In rasender Schnelligkeit durchlebte sie ihre ofe Kindheit, die liebeleere Zeit, welche sie so «send dem Rittmeister geschildert; bann trat
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er ihr in den Weg und sie litt von neuem unter seiner Herrschaft.
„Sie nicht — nach Adrienne darfst du deine blutigen Hände nicht ausstrecken, sie ist zu rein — für dich! — ob ich dirs wehren kann?" Sie stieß ein grausiges Lachen aus. „Ein Wort nur, — o, ein Wort, — helft mir doch, — ich kann das Wort nicht finden, — er — er hat's genommen und nun muß ich ihm folgen, — immer dar — das Wort — barmherziger — Gott — das Wort — Hilfe, Hilfe!"
Adrienne beugte sich über die Ringende und versuchte durch sanftes Zureden deren aufgeregte Phantasie^ zu beschwichtigen; es wollte ihr nicht gelingen und schon machte sie einige Schritte nach dem Nebenzimmer, als Werneck eintrat.
Mit ernster Miene nahm er Adriennes Platz ein, beobachten Ina lange und sorgfältig und flößte ihr dann ein beruhigendes Pulver ein.
Als er dazu ihren Kopf mit dem Kiffen hochhob, schlug Ina die nächtigen Augen auf und ließ sie auf dem bärtigen Antlitz des Doktors ruhen. Es war ein leerer, irrer Blick, der selbst Werneck tief erschütterte. Gehorsam nahm die Kranke, ohne den Blick von ihm abzuwenden, die Arzeuei, dann hob sie die Rechte und streichelte Wernecks Hand, während sie lüfterte:
„Du wirst mir beisteheu! — Wenn alles vorüber ’t, dann wirst Du Adrienne, o, Adrienne sagen, — uf Dich wird sie hören, ganz gewiß, — daß die schwarze Ina es doch gut gemeint hat. Jetzt glaubt fie's nicht-" fuhr sie flüsternd fort, „der andere hat sie umgarnt, — der andere," ihre Stimme ward lauter und lauter, „siehst Du ihn, dort steht er! Herr des Himmels — sende deine Blitze — Räuber — Räuber — nehmt ihm mein Kind ab — er will es töten, — denn sein Blut — bringt ihm Geld — Geld.
— Ich kann nicht mehr — meine Glieder versagen — rettete, rettet Adrienne--"
Die furchtbare Gewalt ließ nach. Das Pulver that seine Wirkung, und noch ehe Ina das letzte Wort zu Ende gesprochen, seufzte sie tief auf unb versank in Schlaf.
„Gott sei Tank," flüsterte Werneck, sich erhebend und ans Fenster ttetend, wohin ihm nach kurzem Zögern Adrienne folgte.
Er sah in ihr liebliches, überwachtes Antlitz und schüttelte mit Besorguiß den Kopf.
„Sie halten diese Pflege nicht aus, Komteffe," sprach er leise. „Seien Sie nicht eigensinnig und lassen Sie mich für eine geschulte Wärterin sorgen."
Adrienne hob bsttend bie gefalteten Hände.
„Warum wollen Sie mir den einzigen Trost nehmen, Herr Doktor? So allein kann ich sühnen."
„Auch darin kann man zu weit gehen. WaS Sie githan haben —"
„Nicht weiter, ich bitte! Was ich an Ina ge- sündigt, weiß nur ich, aber Gott sieht meine Reue, und wenn er ein gnädiger, bamherziger Gott ist, wird er mein Werk hier mit Erfolg krönen. Glauben Sie, daß es möglich ist?"
Kindlich vertrauend, wie in früheren Zeiten, schaute sie zu dem ernsten Manne auf. Er brachte e8 nicht über sich, ihr zu sagen, daß er keine Hoffnung habe, das fliehende Leben Jua's zu erhalten. Er konnte ihr nicht die Hoffnung rauben, nicht die Zuversicht nehmen, daß es besser würde, und so sagte er:
„Ter liebe Gott vermag alles, Komtesse, wenn er es für gut findet. Glauben und hoffen Sie auf ihn, aber nehmen Sie auch demüthig hin, was er schickt."
Adrienne hatte ihn verstanden, unb es war ihr, als verließen sie die Kräfte; dann aber raffte sie sich auf und nahm ihren Platz am Bette wieder ein.
Werneck's Augen folgten ihr mit Bewunderung. „Welche Energie in dem zarten Körper;" sagte er sich. „Da bewahrheitet es sich wieder einmal, daß die Frau sich im Unglück bewährt. Wer hätte gedacht, daß das junge Mädchen, das an jenem Abend int Theater so sorglos mit den Herren ihrer Bekanntschaft scherzte und lachte, dessen ganzes Wesen den kindlichsten Frohsinn verrieth, sich kurze Zeit nachher in solch ernster Aufgabe bewähre!"
„Die Kräfte wachsen mit den Anforderungen," war sein Lieblingsausspruch, und in der That, Adrienne's Kräfte hatten zugenommen, ihre Nerven schienen von Stahl, ihre Muskeln unermüdlich. Nichts war ihr zu viel, nichts zu schwer und mit überraschender Schnelligkeit hatte sie sich in die ver- antwortungsreiche, ihr so ganz ungewohnte Aufgabe gefunden.
Und diese hatte ihrem Gesicht den Stempel auf- gedrückt.
Diese allein? Waren nicht die furchtbaren Seelenkämpfe, denen sie unterworfen gewesen, dazu geeignet, in ihr das Weib erstehen zu lassen? MondegaS Verrath, sein Raub des Kindes, sein Tod, sollte alles spurlos an ihr vorübergegangen sein, die sich doch glücklich preisen und Gott dankbar dafür sein mußte, daß er den bittersten Kelch an ihr voiübergehn ließ?
Wie sie so dasaß in dem alten Lehnstuhl, das Köpfchen hintenübergelegt, das bleiche, ernste Gesicht von der Lampe beschienen, die Häode im Schoße gefaltet unb die träumerische, blauen Augen in’8 Weite gerichtet, da machte sie auf Werneck einen unbeschreiblich rührenden Eindruck. Aber der Mensch in ihm, dessen Herz sich zu ihr hingezogen fühlte, ward in diesem Augenblick von dem Arzte übertäubt. Die durchsichtige Haut, der Glanz der Augen erweckte seine Sorge und noch einmal versuchte er, sie zu seiner Ansicht zu bekehren. (Fortsetzung folgt.)