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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

""""" Jlluftrirtes Sonntagsblatt. »y-.?-»

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spaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg., Reklamen: die Zeile 25 Pfg. Donnerstag, 9. Ium 1898. x5 J H

Zur Wahlbewegung, ii.

Ei» zweiter Kandidat mit unklarem politischen Programm ist der dem hiefigen Kreise wohlbekannte Dr. Böcke!. Als junger Mann, mit feurigem Empfinden, aber mit noch geringer politischer Er­fahrung hat er sich bei der vorigen Reichstagswahl in den Wahlkampf gestürzt und fich damals im Sturm die Herzen unserer Landbevölkerung erworben, der er Befreiung von dem fie bedrückenden jüdischen Einfluß und noch viele andere Vortyeile versprach, die er ihnen nie verschaffen konnte. Von seinem eigenen Redefluß und dem ihm gespendeten Beifall berauscht, verflieg er sich in traumhafte Utopien, bauernsreundliche Nebelbilder, die für Wirklichkeit oder erreichbare Möglichkeit genommen wurden, und die nachher natürlich in ihr Nichts verfloffen. Er trat und stand zu einer Partei, die nur der Antisemitismus, die auch anderen Parteien eigene Abneigung gegen einen übermäßigen und volksschäd­lichen jüdischen Einfluß, einigte; von ihm allein kann »ober eine politische Partei nicht leben, und ein anderes einheitliches, "widerspruchsfreies Programm hat die kleine einflußlose antisemitische oder deutschsoziale Partei nie zu finden gewußt. Bei fast allen wichtigen Fragen liefen ihre Mitglieder im Parlamente aus­einander, wenn sie überhaupt mit abstimmten, und in keinem Falle haben sie etwas Positives vorzuschlagen gewußt, daS nicht von anderer Seite schon längst in Aussicht genommen war. Enttäuscht, seiner Ohnmacht im Reichstage bewußt, auch wohl durch andere Verhältnisse bedrückt, hatte sich Herr Böckel von öffentlicher Thätigkeit zurückgezogen, und nach er­folgtem politischen Gesinnungswandel bei dem früher von ihm bekämpften Bunde der Landwirthe einen Unterschlupf gesucht und gefunden. Man hielt ihn hier für politisch tobt. Er ist aber wieder zum Leben erwacht; nun erheben sich die Gespenster der Vergangenheit gegen ihn; in seinem Herzen bekämpfen sich seine alten, demagogisch-sozialen Utopie» und seine neueren Anschau­ungen, die denen der Konservattven verzweifelt ähnlich sehen Aber weder er selber, noch seine Hörer wiffen, was sie von ihm für die Zukunft zu erwarten haben. Und so können wir bei ihm keine klareren politischen Ziele und Ideale finden, als bei seinem größten Wider­part, Herrn Bader, der auf den Fußtapfen Alt­böckels einherschrcitet, mit dessen abgeworfener Phrasenrüstung bekleidet, seinen sozialistisch-anarchisti­schen Schweif möglichst verborgen hinter fich her schleppend.

In den ländliche» Volksversammlungen, mit denen unsere Dörfer erfreut werden, erscheint zur Er­heiterung ihrer bäuerlichen Zuhörer mit Bader und Böckel in komödienhaften Redeturnieren kämpfend

(Nachdruck verboten.)

Getrennte Sterne.

Renton ans der Gesellschaft von H. Waldemar.

(Fortsetzung.)

Versetze dich nur einmal an ihre Stelle, Irene; fie mußte schweigen um ihres Kindes willen; sie mußte fich den Spott, den Hohn dieser Menschen gefallen laffen, seiner wiederholte» Herausforderung staudhalten, weil fie nicht wagte, ihn mit Adrienne allein zu laffen. Wußte fie allein ja doch, was et wat. Alles, alles mußte sie erdulden und schweige». Schließlich, fie ließ es freilich nur ahnen, opferte sie fich um der Freundschaft, der Liebe willen, die fie für unsere Tochter empfand; fie opferte fich und alles, was sie besitzt, diesem Vampyr, der bereit wat, unser« Kinde den letzten Blutsttopfeu auszusangeu. Mag Ina gefehlt haben dadurch, daß sie von Anfang an die Sache ver­schwieg, das Kind im Waldhaus unterbrachte und dieses hinter unserm Rücken besuchte, aber ich will diese Fehler nicht beschönigen und habe ihr dar­über die Vorwürfe nicht erspart, aber was will das heißen gegen das Opfer, das fie uns zu bringen gewillt war?'

«Durch Werneck's Ankunft ward eS doch über­flüssig."

»Konnte sie, konnten wir das wissen? War dies vorauszusehe» ? Mache ihr den Verdienst nicht kleiner in meinen Augen, Irene, es gelingt Dir nicht, wie auch niemand mir die herzliche Liebe, die ich für die Arme empfinde, nehmen kann. Was mit ihr wird, wenn das Kind verschwunden bleibt, Gott allein mag es wissen. Mich erfüllt diese starre Ruhe, dieser thrän en- lose Jammer mit unendlicher Sorge, und auch Du magst Du jetzt im Zorn Dir einreden, gekränkt

ein dritter Verworrenheilskandidat, der Berliner Junker von Verlach. Er begann seine politische Laufbahn als deutscher Student, geriete aber später mit seinen Bundesbrüdern in Konflikt. Auf einer Reise nach England lernte er die Genossen­schaften dieses Landes kennen, und er kehrte von da selbst als halber 'Genosse, heim, willens, schleunigst sein Vaterland nach englischem Muster zu beglücken. Nach einem weiteren Stadium christlich - sozialer Ge­sinnung hat er das Christenthum als überflüssigen Pro- grammballast bei Seite geworfen und sich als National- sozialer unter Pastor Naumanns Fittiche begeben. Er ist damit zweifellos noch nicht an das Ende feiner Entwicklung gelangt, unb unfertig, wie feine Partei, ist noch immer auch der Politiker von Gerlach. Auch als Agitator, als welcher er sich hier seine Sporen zu verdienen sucht, ist er noch nicht ausgereift; fein 'Brustton der Ueberzeugung' Hal noch etwas Be­klommenes ; die Worte 'Volksrecht,, 'Freiheit,, schallen bei ihm noch nicht volltönend genug; sein Pathos klingt noch zuweilen hohl, und er bringt es fertig, in einer Versammlung politisch ausgereifter, erfahrener Städter in einen mehr für Hinterwäldlerversammlungen geeigneten Ton zu verfallen. Aber man muß anerkennen, daß et in allen diesen Punkten das getreue Wiederspiel seines Vorbildes, Herrn Naumann, ist, auch in seinem be­ständigen Entwicklungszustande. Herr Naumann hat uns hier im Saalbau selbst gestanden, daß er eine vorn Baume der konservattven Erkenniniß abgefallene Frucht ist; er hält dies für einen Fortschritt; mit mehr Recht sieht man dann den Beginn seiner Ent- weithung. Es Md nicht immer die besten und reifsten Früchte, die von den Bäumen fallen. Herr Naumann hat in seiner hiesigen Rede sehr richtig auseinandergesetzt, baß in der konservativen Partei die reichste politische Erfahrung, die ausgedehnteste Sachkenntniß auf dem Verwaltungsgebiete zu finden sei; und doch empfahl et in unlogischer Anknüpfung die Bildung einet neuen Partei, die diese Dinge erst lernen solle. Er und sein Schüler v. Gerlach wollen die sozialen Gegensätze beseitigen; aber Herr Nau­mann verschwieg ganz, wie das geschehen soll, und Herr v. Gerlach verspricht so schöne Dinge, wie die Beistaatlichung aller Hypothekenschuldeo. ObHert v. Gerlach auch darüber nachgedacht hat, was die Ausführung dieses Fotdemiffes für einen kost­spieligen und überflüssigen Apparat erzeugen würde? Aber kühn ist die Jugend und rasch mit dem Wort. Die National - Sozialen wollen unsere Sozialdemo­kraten zu teichstteuen Staatsbürgern machen; aber nicht ihnen predigt Herr v. Gerlach sein Evangelium, weil er weiß, daß es nutzlos wäre, sondern unseren hessischen Bauern, die andere Sorgen drücken, und unseren hessischen kleinen Bürgern, die weiter nichts wollen, als daß man fie, möglichst anständig, leben läßt. Was sonst »och die im Keimzustande befindlichen

zu fein, Du fühlst genau sowie ich. Gestehe eS ein!'

Während der Graf den Arm um seine Gemahlin egte, unb diese etwas beschämt den Kopf senkte, chlüpfte Marianne, welche die ganze Zett über wie auf glühenden Kohlen gesessen, hinaus. Die Zeit verrann. Dony wollte kommen und noch hatte fie nicht Gelegenheit gefunden, die übernommene Mission zu erfülle».

Nach dem, waS sie soeben gehörte und von dem ihr vieles unklar geblieben, waren doch Jua's nähere Schicksale ihr ein Geheimniß, erschien ihre Aufgabe ihr riesengroß und es wollte sie betonten, als habe fie fich von ihrem guten Herzen übertölpeln laffen. Einen Augenblick zauderte sie. Sollte fie wirklich Ina auftuchen? Aber hatte sie nicht ihr Wort gegeben? Das mußte fie halten unter allen Umständen.'

einem Seufzer verließ fie durch eine Hinter­pforte das Hans und schritt auf dem ihr wohlbe­kannten Weg nach der Laube, wo fie In« finden sollte.

Das Herz war ihr schwer und die Beklommen- hett, die sich ihrer bemächttgt hatte, war deutlich auf dem niedlichen Gesichtchen ausgeprägt. Der Triumph, der fie auf der Herfahrt und während der Unter­redung mit Dony erfüllte darüber, daß fie zu einer Vertrauensperfon emporgeftiegen, hatte einem bangen Zagen Platz gemacht. Mußte sie nicht lächerlich er­scheinen, wenn ihre Mühe fich erfolglos erwies? Und Max Baldenstein? Was würde er sagen?

Sie lächelte in der Erinnerung an ihn.

«Nur munter vorwärts, Marianne,' würde er ihr zurufen, du hast den treuen Bundesgenoffen an beinern Herzen! Laß dieses sprechen; so kannst du nicht fehl gehen!'

National - Sozialen bieten, sind der konservative» Partei entlehnte Fetzen; ihr Wirken kann nur dahin führen, neue Sozialdemokraten zu schaffen, und ihr Ende wird fein, daß sie in der Sozialdemokratie aufgeben, da »och immer die große» Wellen die kleine» Welle» überschwemmen und unterdrücke».

Es bleibt uns noch ein Kandidat in unsere Sammlung einzufüge»: Herr Müller- Fulda. Bei chm haben wir es mit einem politisch bekannten Man», dem Angehörige» einer großen Partei, der Zenttumspartei, zu ihn». Aber die glückliche Zentrumspartei umfaßt Demokraten wie Konservative, sie ist reichstreu und polenftenndlich, national und Bismarckfeindlich, gleichzeitig philo- und antisemitisch, und ihre Politik ist die Politik des Schaukelns. Und Herr Müller ist ein würdiges Mitglied seiner Partei. Er erschien hier am Sonntag Arm in Arm mit dem Vorstände des hiesigen Freisinns des großmündigen unentwegten Eugen, und sprach im Ganzen konservativ. Herr Müller ist für aus­gedehnte Berücksichtigung der Invaliden unferer letzten Feldzüge, wie auch der konservative Herr von Sortenn)erffer, für Gehaltserhöhungen der Unterbeamten der deutschen Post« und Eisenbahnen, wie Herr von Bartenwerffer; .für gute Biwaffung und Pflege unsrer Soldaten, für sparsame Wirthschaftspolitik, Be­günstigung des Mittelstandes, Förderung der Lanb- wirthschast, immer wie der konservative Herr von Bartenwerffer. Nach seiner Wahlrede muß man Herrn Müller, für ein katholisches Gegenspiel des protestantischen Herrn von Bartenwerffer halten. Wir khun ihm darum wohl nicht Unrecht, wen» wir auch ihn zu den Undurchsichtigen rechnen, trotzdem wir wissen, daß der Freisinn der Finanzbarone und Judenschützler, der nur noch auf Krücken gehen und von Anleihen leben kann, sich freiwillig hier an seine Rockschöße gehängt hat.

I» unsrer Neberschau kommen wir zu dem be- achtenswerthen Ergebnisse, daß sämmtliche genannten Kandidaten, gleichviel welcher Richtung, mit dem Konservativismus liebäugeln. Der gemauserte Herr Bader, der grimme Gegner aller Bauernfänger, der schon den ganzen Winter bei unfern Bauern herum« reift, um sie für seine Wahl einzufangen, hat seinem phantasievollen Fronhäuser Programm einige geradezu junkerliche Nummern eingefügt; Herr Böckel ist ein Angehöriger des Bundes der Landwirthe, der bei den Konservativen seine Hauptsäulen und geistigen Führer besitzt; Herr von Gerlach erscheint als der Anhänger einer Zukunftspartei, deren Haupt sich selbst als einen untreuen Sohn der konservativen Mutterpartei hinstellt, unb auch Herr Müller sprach konservativ. Hier haben wir den roihen Faden, den wir suchten. Alle aufgetietenen Wahlkandidaten halten, »r Wahrheit gemäß, die Mehrhett unserer Wählerschaft für ausgesprochen konservattv. Und,

Es war ihr, als vernähme sie wirklich des Ge- liebten Stimme. Ihre Augen strahlten und das reizende Lächeln um ihren Mund vertiefte fich, als sie heiter ausrief:

«Vorwärts, Marianne!'

Sie traf Ina allein in der Laube. Eine Hand­arbeit lag in ihrem Schoß und darüber hatte fie die chlankeu Hände gefaster. Sie lehnte in ihrem Stuhl; !>en Kopf gegen die Rückwand der Laube gedrückt, die dunklen, tief umrandeten Augen gradeanS in den Sonnen« chein gerichtet.

Kaum, daß fie den Blick wandte, um zu sehen, wer kam; fie veränderte auch ihre Stellung nicht um Haaresbreüe, sonder» sagte nur mit dem Ton und Ausdruck einer zum Tode erschöpften:

«Du bift8, Marianne?'

,®8 wundert Dich gewiß, daß ich nicht schon gestern tarn, Ina?' versetzte Marianne und ließ fich neben der reglose» Gestalt nieder, im Stillen mit Schmerz die furchtbare Verwüstung beobachtend, welche der Kummer in dem so schönen, dunklen Gesicht voll- bracht hatte.

«Wundern? O, nein! Frohsinn paßt nicht zu mir, Kleine.'

Marianne faßte nach Jna'S Hände», löste dieselben mit sanftem Zwang und streichelte die eine Hand, welche fie erhascht hatte.

«Du sprichst von meinem Frohsinn, Jua. Slaubft denn auch Tn, daß ich nur lachen und cherzen kann? Meinst Du, daß anderer Kummer und Schmerz spurlos an mir vvrübeigehen?'

Da wandte Jua langsam den Blick ab von dem unermeßliche», im goldene» Sonnenlicht strahlende» Horizont,. beffen ewige Weilen er ergründen zu wollen chic», unb richtete bie traurigen, verschleierte» äugen auf die junge Freundin neben ihr, mit der fie an

um sie zu gewinnen, betone» sie ihre konservativen Neigungen oder behängen sich wenigstens mit einem mehr ober minder fadenscheinige» Mäntelchen von Konservativismus. Seitdem unsere Wähler Herr» Böckel in den Reichstag geschielt haben, hält matt aber unsere Konservativen für krank. Und nun kommen die Doktoren und Kurpfuscher von allen Seiten. Herr Bader mit der Klystierspritze seiner sozialistisch­freisinnig-antisemitisch-konservativen Gesinnung; Herr Böckel mit den Pillen feiner verflossenen unb gegen­wärtigen landwirthschaftlichen Überzeugungen; Herr v. Gerlach mit ben Brausepulver seiner jugendlichen, sozialen Phantasiegebilde; Herr Müller mit der trüben Milch ber Centrumspartei. Nehmen unsere konservativen Bürger unb Bauern alle bie ihnen vor­geschlagenen Rezepte ein, bann finb sie wirklich un­heilbar unb rettungslos ber Krankheit verfallen. Aber wir hoffen von ihrem gefunben Verstände, daß sie fich der ungerufenen Heilkünstler erwehren, sich ihrer rein konservativen Gesinnung rechtzeitig wieder bewußt werden, und daß ihre Wahlparole am 16. Juni ausnahmslos lauten wird: Auf zur Wahl für ben einzigen zuverlässig konservativen Wahl- fanbibaten, ben

General z. D. v. Bartenwerffer

Umschau.

DieBerliner Neuesten Nachrichten" melden: Ein notabler Politiker, welcher sich an ben Staatssekretär Grafen PosabowTky um eine gutachtliche Aeußerung über das bei ben Wahle» zu beobadjtenbe taktische Verhalte» getoenbet hatte, hat uns die von letzterem ertheüte Antwort freundlichst zur Verfügung gestellt. Bei dem hohe» Interesse, welches dieses Schriftstück auch für weitere Kreise haben dürfte, lassen wir dasselbe hier im Wortlaut folgen:

Euer Hochwohlgeboren beehre ich mich auf das gefällige Schreiben vom gestrigen Tage ergebenst zu erwidern, daß meines Erachtens die bürger­lichen Parteien über ihre Haltung bei den bevor­stehenden Wahle» nicht zweifelhaft sei» können. Die sozialdemokratische Partei hat sich nicht nur selbst in ber Oeffentlichkeit als eine revolutionäre Partei bekannt, sondern ist auch thatsächlich eine solche, da ihre Ziele in ber Beseitigung der be­stehenden Staatsordnung sowie in der Aufhebung des privaten Eigenthums, und ihre Mittel hierfür in der terroristischen Beschränkung der persönlichen Freiheit der Arbeiter bestehe». ES kann nur auf theoretischem Mißverständniß, auf politischer Kurz­sichtigkeit, oder vielleicht auch auf Mangel an Muth beruhen, wenn diese Sachlage von mancher Seite nicht erkannt ober absichtlich verdunkelt wird. Die

der Hochzeitstafel in vorübergehendem Uebermuth ba8 «du' ausgetalischt hatte.

Den Äthern zurückhaltend als fürchte sie, der erst leere, dann allmählich sicherer werdende Blick der jungen Frau könne sich wieder abwenden, saß Marianne und rührte fich nicht. Keine Muskel bewegte fich an ihr, keine Wimper zuckte. Fest, und dabei doch voll inniger Siebe, voll Vertrauen unb Theilnahme be­gegnete bas tiefblaue Augenpaar bem bunklen. Als fich aber auch bie Sterne Mariannes mit Thränen füllten, wich bie Starre aus Jua's Wesen und die Hand des jungen Mädchens krampfhaft drückend, flüsterte fie so leise, als scheue fie fich, ihre eigene Stimme zu hören:

«Ich weiß, Dein Herz ist gut und treu, Du wirst nicht so leicht verdammen, Du nicht'

«Ich danke Dir, Jua. Aber nun Du mich als treu erkanntest, mußt Du auch ohne Scheu zu mir reden. Sieh, Liebste,' Marianne rückte näher und schlang ihre» Arm um Jna'S Nacken,wenn ich als Kind Kummer hatte ober mir einbübete, ging ich zur Mutter, ober später, nachdem man diese längst hinaus« getragen, zur alten Rike, kniete vor ihr nieder und schüttete mein §erg aus. Ost war eS nicht der Mühe werth, Thränen darüber zu vergießen; für bie Eiwachsenen war mein Kummer unbegreiflich, vielleicht auch lächerlich; mir aber erschien er riesengroß, kaum zu überleben, unb demgemäß war ich auch schwer zu lösten. Hatte ich aber alles heruntergewälzt, was das kleine Herz bedrückte, bann warb es ihm leichter und wenn auch dann und wann noch die Thränen stoffen, so schaute doch der erste Sonnenstrahl bald wieder durch die Wolken unb es bauerte nicht lange, bis das Unwetter sich völlig verzogen hatte. So, grabe so mache auch Du es.

(Fortsetzung folgt.)