Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
gnttf unb&daa: Zoh. Aug. Koch, UniversitätS-Buchdruck-rei in Marburg, Brrantwortlich für die Redaktion: Redaktenr M. Hartmann in Marburg.
Expedition: Markt 21. — Telephon 55. VVUmUyvVlUU* Redaktion: Markt 21. — Telephon 55.
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^arßurg
Donnerstag, 2. Juni 1898.
Anzeigen nehmen entgegen: die Expedition dieses Blattes, die Annoncen-
Bureaux von Haasenstein & Vogler, Frankfurt a. M., Cassel, Mägde- oo o.u»
bürg, Men- Rudolf Muffe, Frankfurt a. M„ Berlin, München, Köln; dd. ^Ugrg.
E. L. Daube & Co., Frankfutt a. M., Berlin, Hannover, PattS rc.
Die Steuerfreiheit des Monarchen in sozialdemokratischer Beleuchtung.
3b einer Verwaltungsstreitsache des KretsauS- fchllffes des Kreises Beeskow - Storkow gegen die Migliche Hofkammer der Königliche» Familiengüier hat das Oberverwaltungsgericht als RevisionSinstauz am Urtheil gefällt, das einem im Herzogthum Sachsen- zlltenburg verbreiteten sozialdemokratischen Flugblatte dlg Unterlage für eine äußerst gehässige Art der zgahlagitation dient. Der Sachverhalt ist in Kürze folgender:
Die Hofkammer war als Vertreterin Sr. Majestät hes Königs für daS Jahr 1896/97 von dem Ein- temmeit, welches ihr aus den im Kreise Beeskow- Storkow belegenen Königlichen Famkliengütern zufließt, seitens des KreisausschufieS zur Steuer herangezogen vorden. Die gegen diese Auflage erhobene Klage ist von dem Bezirksausschuß zu Potsdam als be- rechtigt anerkannt worden und daS Oberverwaltungs- pricht hat am 16. Februar 1898 die vom Kreis- wsschuß eingelegte Revision verworfen. DaS Erkenntniß des Oberverwaltungsgerichts geht von dem fest- Kehenden staatsrechtlichen Grundsätze auS, daß der Landesherr persönlich von jeder Steuer frei ist. siach dem ganzen Bildungsprozesse des preußischen Staates, so wird darin ausgeführt, ist der König »jemals persönlich steuerpflichtig gewesen, und durch iei» Gesetz dafür erklärt, auch nicht durch die vom Lreisausschuß angerufene Kreisordnung vom 13. Dezember 1872, bereit bezügliche §§ 9—18 sich rur auf solche Subjekte erstrecken, die an sich dem Lesteuerungsrechte unterliegen. Wäre, so heißt es Vetter, die Absicht dahin gegangen, den Monarchen — gleich den in § 14 Abs. 1 gedachte» physischen Personen — für verbunden zu erklären, mit dem twkommen aus seinem im genannten Kreise belegenen ffnmdbefitz zu den wirthschaftlicheu Bedürfniflen des ireiscs beizutrageu, so hätte dies — wie es z. B. hinsichtlich des Fiskus geschehen ist — ausdrücklich wsgesprochen werden müsien.
Auf die weitere Ausführung und Begründung tiefer Grundsätze in dem Erkenntniß deS Ober- mwaltungsgerichls kann hier nicht eingegavgen werden; 6 unterliegt jedenfalls keinem Zweifel, daß das letztere auf streng juristischem Boden steht. Um so «ivlicher muß die geschmacklose Art und Weise be- ithren, in der die Sozialdemokratie gegen daS Ober- «envaltungsgericht Stellung genommen hat. In dem kngaugs erwähnten sozialdemokratischen Flugblatt »irb behauptet, das Oberverwaltungsgericht habe die Steuerfreiheit deS Monarchen auf ein „N a turr e dj t* jvückgeführt. Dieses „Naturrecht' wird von den »lugblatt-Fabrikanten dazu ausgebeutet, um das Volk » Unverantwortlichem Maße aufzuhetzen. Der deutschen
(Nachdruck verboten.)
Getrennte Sterne.
Roman ans der Gesellschaft von H. Waldemar.
(Fortsetzung.)
.Geh mir weg, Anne-Marie. Der andere that «ch so,' gab der Wirth nuwirsch zurück und schüttelte & Hand ab, die seine Ehehälfte ihm auf die Schulter »legt.
„Der andere? Ach, D» meinst bei Kerl, bet WS nm die Zeche betrogen hat? Und den willst Al mü dem dort oben vergleichen?' sagte sie gering- Witzig, mit dem Daumen »ach der Decke zeigend. MBo ist denn dein biScheu Verstand geblieben? Oder W die Augen zngedrückt? Der ist sicher waS Bor- MueS, hat so 'ne Art, so was Kurzangebundenes! M, Du weißt ja, die haben nur die Vornehmen Wsereinen gegenüber. Aber still, da kommt er schon Mutter. Ich werd' doch nichts vergesse» haben? Mrjeh, wenn mir das passierte, bei dem! Der Wt Angen wie ein Luchs! Weiß Gott, er ist's'
, Georg trat in die WirthSstube. Der Sternen- Wtth sprang auf, aber nicht wie den ander» Gäste» pchte er sich dem junge» Man»e mit devoter Zn- Wlglichkeit. ES lag etwas in dessen Haltung, das W zwang, eine Anrede abzuwarte».
| .Ich suche die Bürgermeisterin Veronika,' begann r*»rg und hielt zögernd inne, hoffend, daß «au den Fitere» Namen, der ihm ja selbst fremb geblieben, pneu würbe. Er hatte sich nicht verrechnet.
I ,£), zu bet V'ronika Bergmüller wolle» bet F*r Graf?' fiel bie Sternenwirthin eifrig ein. „Das ? aber ein weiter Weg bei de» schlechten Wetter. Wt wohnt ganz am ander» Ende der Stadt, Herr gttf, halb im Walde. Wollen der Herr Graf nicht Vier abwarte» —*
Juristerei wird der an den Haaren herbeigezogene Vorwurf gemacht, daß fie ein „Naturrecht' nur bei hohen Personen kenne, den unteren Ständen aber die Anwendung desselben verweigere.
Daß einer Partei, welche die monarchischen Institutionen grundsätzlich bekämpft, auch das Berstandniß für den Begriff der Königlichen Hoheitsrechte abgeht, taun nicht Wunder nehme». Eine dreiste Wahllüge aber ist in der Unterstellung enthalte», daß das deutsche Richterthum mit zweierlei Maß mißt, je nachdem Vornehm oder Gering vor seine Schranken tritt. Wenn in der Sozialdemokratie ein Funke» ehrlicher Gesinnung vorhanden wäre, so würde dieselbe nicht die verfaffungsmäßigen Grundlagen der monarchischen Gewalt in demselben Augenblick als Nichtigkeiten hinstelle», wo sie andererseits für die von Niemandem bedrohten Volksrechte, wie sie die Verfaffung beispielsweise in dem allgemeinen Wahlrecht ausprägt, einen gewaltigen KriegStavz in Scene setzt. Aber so haben die „Genossen' es immer gehalten. Recht und Verfassung sind nur zu i h r e n Gunsten geschaffen; was ihren Interessen zuwiderläuft, wird dem sozialistischen Anathema preisgegeben.
Umschau.
Die „Deutsche Friedensgesellschaft hat fich daS Verdienst erworben, dem ernsten und schweren Wahlkampfe einen Tropfen herzerquickenden Humors beigemengt zu haben. Die dem Schlachtrufe der Frau von Suttner folgende und darum auch meist aus dem weiblichen Freisinn fich rekrutirende „Friedensgesellschaft', die in summa kaum so viel Mitglieder zählen dürfte, wie Reichstags Wahlkreise vorhanden find, hat einen Aufruf erlassen, worin die Mitglieder und „Ortsgruppen' aufgefordert werden, den Kandidaten die Fragen vorzulegen, ob fie bereit seien, im Fall ihrer Wahl bei jeder Gelegenheit für das Prinzip schiedsrichterlicher Schlichtung von Streitigkeiten zwischen den Völkern einzutreten. Es wäre wirklich wünschenswerth, daß diese Fragestellung vorgenommen würde; denn dadurch würde der ernste und trockene Verlauf der Wahlversammlungen auf eine Wette durch Heiterkeit unterbrochen werden. Besonders die „Friedensbestrebungen' der an der Spitze der „Friedensliga' marschirenden IankeeS dürften dabei zu einer anregenden Debatte Veranlassung geben. Davon, daß Frau von Suttner im kubanischen Kriege ihren guten Dienst angebotcn und ihren „zündenden' Ruf „die Waffen nieder' hätte erschalle» taffen ober baß irgend ein Mitglied ober eine „Ortsgruppe' bet Deutschen Friedensgesellschaft bei den Dankees bie Vorlegung bet oben erwähnten Frage »ersucht hätte, haben wir »och nichts gelesen.
„Ist bas Hans ohne Führer zu ffnben?“
Anne-Marie knickte in fich zusammen bei ber unerwarteten Unterbrechung. Sie war so gut im Zuge nnb et schien so aufmerksam zuzuhören.
Obwohl fie fich innerlich wüthenb ärgerte über ihn, war fie boch klng genug, dies im Interesse des Geschäfts zu verberge». Bon Freundlichkeit über- ließeud, entgegnete fie:
„Gewiß, Herr Graf, gewiß; immer geradeaus ' >iS zum Wald, dann sehe» Sie es schon rechts au >et Landstraße liegen, ein sehr schmuckes, niedliches Häuschen, Herr Graf.'
„Bewohnt es die Fra» Bergmüöer allein?'
»Sonst wohl, aber eben ist tne Nichte bei ihr, ein sanftes liebes Mädchen, die oft zn uns kommt, um Butter ober Eier zu kaufen, ein blaffe» Dämchen, Herr Graf, ma» sollt' nicht meinen, daß eB ein Laud- kind wär!'
„Schon gut, ich danke Ihnen!'
„Aber wollen denn der Herr Graf nichts genießen?'
Der Wirth, der fich etwas zurückgehalten, trat mit der Frage näher, als er sah, daß Georg das Zimmer verlasse» wollte.
„Jetzt nicht, am Abend. Adieu!'
Soldat vorn Scheitel bis zur Sohle, trotz des Zivils, das er trug, trat Georg auS dem Steruen- wirthshans auf die Straße, die er straffe» Ganges hinabschritt. Von dem Gasthause auS, das er verlassen, schauten die Augen der Wirthsleute wie einem Wunder ihm nach. Er beachtete es nicht; er sah überhaupt nichts, was n« ihn her war; ihn beschäftigte ganz und gar, einzig »nd allem das, was in ihm vorging.
Die letze» Ereignisse hatten »icht spurlos an ihm vorübergehe» könne». Eett et von feinem anfäug-
Keine Partei benimmt fich in dem diesmaligen Wahlkampfe so grundsatzlos wie die Sozialdemokratie. Die „wissenschaftlichen' Koryphäen der sozialdemokratischen Partei, die vielgerühmten Herren Marx und Engels, würden ihre Freude daran haben, wenn fie sähen, welche Unlauterkeit und Streberei ihre Apostel beherrscht. Das „zugkräftige' Parteiprogramm behalten die Herren in der Tasche, ihren kommunistischen Zukunftsstaat verleugnen fie und je nach der lokalen Lage, je nach der Stimmung der Wahlkreisbewohner richten fie — als wahre Streber — ihre Grundsätze ein. So manche Wetterfahne ist ein gar charakterfestes Gebilde gegen die sozialdemokratische Gefinnungstüchtig- keit und die Drehscheibe kann gegen sie als das Symbol unverrückbarer Stetigkeit gelten. Man lese die sozialdemokratischen Flugblätter: „Kautschuk, nichts als Kautschuk. Eine recht zuverlässige Partei, die trotz ihrer strammen Disziplin so kautschukartige Kundgebungen duldet. Aber man bietet alles auf, um Stimmen zu sammeln. Unter 2 Millionen sollen es diesmal nicht fein. Darum schmiegt und drückt sich die Sozialdemokratie nach allen Richtungen, nm nur Wähler zu ködern! Wenn in einem sozialdemokratischen Flugblatte gesagt wird:
„Wenn einmal dar Land nicht «ehr in den Händen freiheitsieindlicher Junker und Großgrundbesitzer, sondern in den Händen der Maffe, der freien und freiheitsliebenden Bauernschaft ist, dann wird auch die freie Arbeiterschaft in der Stadt, wenn eS zum Schutze gegen ausländische Konkurrenz vothw ndig erscheinen sollte, für einen Getreidezoll etntreten uud das theuerrre Brot um so leichter bezahlen fSnnen. je besser in Folge besten die Bauernschaft im Stande sein wird, die Erzeugniffe der Industrie und des Gewerbes kaufen und bezahlen zu können.'
so ist das doch in Anbetracht des Parteiprogramms daS Verlogenste nnb Grnribsatzloseste, was jemals von einem Parteimann vorgebracht worden ist. Man sieht aber daraus, daß die Sozialdemokratie, je „wissenschaftlicher' fie wird, fich desto mehr zur Kautschukpartei hiumausert.
Das Organ des „Bundes der Landwirthe', die „Deutsche Tageszeitung', äußert fich zu dem Vorwurf, die Abnehmer von ThomasphoSphat- m e h l seien zu Gunsten der Bundeskaffe um angeblich 20 000 Mark übervortheilt, also: Es wird ber ungeheuerliche Vorwurf erhoben, baß ber „Bund ber Laubwirthe', richtiger seine lanbwirthschastlich- techuische Abtheilung, burch unlautere Manipulationen bei der Lieferung von Thomasphosphatmehl seine Abnehmer — also die Bundesmitglieber — nm 15 Mark pro Wagen geprellt haben soll. Abgesehen davon, daß die technische Abtheilung deS Bundes selbstverständlich bei den Lieferungs - Vermittlungen für ihre Mitglieder unantastbar ehrenhaft und kaufmännisch korrekt gehandelt hat, ist es ja doch ein
lichen Vorurtheil gegen Juanita zurückgekommen und fie in ihrem wahren Werthe erkannt hatte, war es nicht anders möglich, als daß das harte Geschick, welches fie betroffen, ihn tief ergreifen mußte, — nm so mehr er wußte, welche Gefühle Dony, den er seinen Freund nannte, für die dunkeläugige, schöne junge Brasilianerin empfand. Und mehr noch. Wenn die Mnthmaßung, daß Moudega seine Hand bei dem Raube des Kir des int Spiel hatte, fich bewahrheitet, so konnte er »icht genug das Geschick preisen, welches Adrienne, seine liebliche Schwester, vor dem Los bewahrte, das ihr von jenes Mannes Sette gedroht hatte. Und welche andere Möglichkeit--
Sein Fuß stand still, zugleich mit dem förmlich jäh abreifeenben (gebauten. Er hatte über feine Betrachtungen den ganzen fich lang hinziehenben Ort passiert nnb sah, der Beschreibung der Wirthin nach zu urteilen, urplötzlich sein Ziel vor fich. Jeder Zweifel war ausgeschlossen. Aber wo» war das? Mehrere Kuder standen auf der Straße und starrten auf das Hans, als trüge fich dort etwas zu, etwas Außergewöhnliches. Sekundenlang stockte Georg'r Schritt, um dann desto schneller vorwärts zu eilen, beflügelt von der Siebe und zugleich von einer instinktiven, unbezwinglichen Angst . . .
Während ber Zug, in dem Georg BLuau saß, burch bas tosende Unwetter schnaubte, welches über die sonst so liebliche Gegend hinwüthete, suchte ein Mann in dem Walde der fich längs der Landstraße hinzog und von der Bahnlinie durchschnitten wurde, Schutz gegen den Sturm »nd die hereinbrechenden Regcnmaffeu. Anfangs fand er solchen unter einem Baum; als aber die Blitze rascher aufeinander folgten, der Donner Schlag auf Schlag unheimlich widerhallte, trieb ihn der Selbsterhaltungstrieb vorwärts, unaufhaltsam, so sehr die Last die er unter
Unding, daß überhaupt eine Bezugs Vereinigung ihre Mitglieder schädigen kann, wenn ber gesummte, aus ben Lieferungen refultirenbe Vermittlergewinn toieber denselben Mitgliedern zu Gute kommt, b. h. in bie Bunbeskasse zurückfließt, um ber Erreichung ber Bunbesziele bien ff bar gemacht zu werben. Die ganze Angelegenheit ist eine häusliche, über bie sich kein anberer Mensch ben Kopf zu zerbrechen hat, als bie Bundesmitglieder selbst. Ob ber Bundesvorstand Veranlassung nehmen wirb, auf bie Angriffe sachlich einzugehen, ist uns unbekannt, ba die Herren sich gegenwärtig auf Reisen befinden. Besondere Eile braucht er jedenfalls für solche „Richtigstellung' nicht zu entwickeln.'
Die „Kölnische Zeitung' berichtet vom 30. Mai auS Madrid: Alle Gerüchte über ein Seegefecht bei Santiago waren falsch. Vor Santiago tagen zuletzt 12 amerikanische Schiffe, wovon der größte Theil jetzt westlich abgedampst ist. Aus Hongkong wirb telegraphirt, Aquinaldo unb 15 CabecillaS schlagen bie zur Autonomie gehenden Anerbietungen Agostinos aus, vertheile» in ber Provinz Cavite unb Umgebung bie von ben Amerikanern gelieferten Waffen unb reizen die Bewohner zum Anschluß an die Iaukees auf. Indessen scheint die Lage in der Stadt Cavite nicht gut zu sein, da ttotz der Aufforderung DeweyS die Engländer Manila nicht verlassen. Die Stadt St. Thomas in der Provinz Union wurde von den Aufständische» augezündet unb 4 Spanier ermorbet. In einem zweiten Telegramm ber „Kölnischen Zeitung' aus Madrid heißt es: Vor Cardenas sind 17 amerikanische Schiffe. — General Rios telegraphirt von Dumarao (Bi-caya - Gruppe) nach Singapore, die Provinz Capiz ist pacificirt. Auf den Wiscayas unb Mindanao herrscht Ruhe. — Laut amtlicher Meldung fielen seiner Zeit in bet Schlacht bei Cavite 50 Mann, verwundet wurde» 177. — Eine Rheder-Firma in Manila erklärt sich zur Herstellung einer Verbindung von Hongkong nach Luzon gegen eine Prämie von 50 000 Duros bereit. Die Regierung hat dieses Anerbieten angenommen. — Dem „Standard' wird aus dem Lager bei Fallchnrch (Virginia) gemeldet, Präsident Mc Kinley habe am Sonnabend das 2. Aimeekorps des Freiwilligen - Heeres, aus 13 000 Mann bestehend, besichtigt. Ein bettächtlicher Prozentsatz derselben sei ohne Waffen und ganze ^Regimenter ohne Uniformen gewesen; auch ließen Richtung unb Marschsertigkeit viel zu wünsche» übrig. Der Präsident habe dem Kriegssekretär Alger und dem General Miles gegenüber geäußert, daß die Vorbereitungen zum Feldzug unvollständig seien, zumal er Nachricht habe, daß sich die Freiwilligen in Tampa und Camp Thomas in gleicher Verfaffung befänden. Der Korrespondent fügt hinzu, im Hinblick auf diese Besichtigung sei die
dem Mantel trug, ihn auch am raschen Vorwärts- schreite» hinderte.
Von seinem weiche», breitkrempige» Filzhut troff das Wasser in Strömen herab auf seinen Mantel; es verdunkelte ihm den Blick und zwang üjn wiederholt, stehen zu bleiben.
Da kam ein einzelner, verspäteter, heftiger, Wind-. stoß' derselbe riß ihm rückstchtslos den Hut vom Kopfe und Wirbelte ihn im tollen Wirbel davon, bi» er be» Mannes Blicken entschwunden war.
Er stieß einen Fluch zwischen ben fest aufeinanber gepreßten Lippe» hervor nnb seine düsteren, schwarze» Auge» sprühte» tückisch auf, währenb er eine Bewegung machte, als wollte er die Last, die er trug, von fich werfen. Dennoch that er es nicht. War e» der ihm gebliebene Rest des Gewissen», daS auch in seinem Herzen eine Stätte gefunden, als er noch gut unb ehrlich war, ber ihn vor einer neuen That zmückfchreckeu liefe?
Ein leises Wimmern zwang ihn, stehen zu bleiben, Mit ber freie» Haub lüftete er ben Mantel em wenig und lugte unter denselben, doch alles war wieder still.
Ein böser Ausdruck legte fich auf sein blaffe», übermüdete» Gesicht und in feinen Augen blitzte e» abermals tückisch auf.
„Wer hindert mich, ei» Ende zu machen? Haha, habe ich fie nicht in meiner Gewalt?'
Wieder eilte er vorwärts, taumelte fast; die Lust schien ihm schwer zu werde»; der Mantel, voll Wasser gesogen, zog mehr »nd mehr; er sah ben Zeitpunkt heraunahe», da er nicht mehr vorwärts konnte, ba er zusammen brechen mußte, hier im Walde, weitab von jeber menschlichen Hilfe, inmitten dieser Einsamkeit, vor der ihm graute.
(Fortsetzung folgt.)