n
Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham.
«mkundvnck-g: Joh. Ang. Koch, Unwerfitätr-Buchdruckmi in Marburg. Berantw-rtlich für dir Redaktion: Redakteur M. Hartman» in Marburg.
Expedition: Markt 21. — Telephon 55. VVIHUUJJvVlUll» Redaktion: Markt 21. — Telephon 55.
Jt° 121
Trscheiut täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. QuartalS-Abonnements-PreiS bei der Expedition 2 Mk., bei allen Postämtern 2,25 Mk. (exkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg., Reklamen: die Zeile 25 Pfg.
WarLurg
Donnerstag, 26. Mai 1898.
Anzeigen nehmen entgegen: die Expedition dieses Blattes, di- Annoncen- Lureaux von Haasenstein & Bögler, Frankfurt a. M., Cassel, Magde- hnrg, Wien; Rudolf Moste, Frankfurt a. M., Berlin, München, Köln; E. L. Daube & Co., Frankfurt a. R., Berti», Hannover, Paris x.
33. Jahrg.
Wähler! Arbeiter!
Wen» man in sozialdemokratischen Flugblättern liest, so möchte man glauben, die Sozialdemokraten seien die Wohlthäter der Menschheit, und ihaeu sei es zu verdanken, daß er sich überhaupt roch auf der Welt leben läßt. Alles wird in diesen Rittern getadelt, mit nichts find die Sozialdemokraten zuftieden. Aber glaubt Ihr, sie köuuen cd besser machen? Gewiß nicht!
Heute find die Arbeiter viel besser dran als früher. Das kann kein Mensch bestreiten. Die Arbeiter find fast ganz steuerftei, fie haben für ihre Kinder freie Schule, sind in Krankheitsfällen und bei Unfällen, sowie bei Jn- »alidität und im Alter gesichert und geschützt? verdanken fie das etwa der Sozialdemokratie? Nein «d dreimal nein! Die Sozialdemokraten haben gegen diese Gesetze gestimmt und alles gethan, um sie zu Hintertreiben.
Die Arbeiter, welche sozialdemokratisch wählen, ihn» dies nur zu ihrem Schaden. Ohne die sqialdemokratischen Hetzereien wäre schon manche neue -ttbefserung für die Arbeiter eingeführt und in friedlicher Uebereinkunft mit den Arbeitgebern manche Differenz ausgeglichen worden. Zu ihrem eigenen Vortheile schüren die Sozialdemokraten Haß und Zwietracht, zetteln Streiks an, durch welche »ft zahllose Familien unglücklich und elend werden. Der Arbeiter aber hat nur ein Recht und eine Pflicht fei der Sozialdemokratie:
3« zahlen und den Mund zu halte«.
;e,
‘In
Der sozialdemokratische ■ Arbeiter zahlt für die arteitaffe, für die Gewerkoereine wd allerhand andere Fonds. Er klebt fein Iarteiquittungsbuch mit Marken voll, kauft Streik- mar keu, zahlt Extra steuern, fällt bei -Dmerikauischeu Auktionen hinein — ja a rennt noch und veiiheili Flugblätter und Wahlzettel umsonst, damit für die bezahlten Agitatoren »ur ja die Kasse hübsch gefüllt bleibe.
(3586 lts,
Ht, 3.
den z» c. 2 zu
Wozu nützt aber das Zahlen?
Was nützt es dem Arbeiter, daß die Sozialdemokratie « großes Vermögen in der englischen Bank stehen hat, von dem noch niemals eine Verrechnung fer Zinsen stattfand?
4 Was hat also bis jetzt die Sozialdemokratie für die Arbeiter gethan? Was kann fie überhaupt chun? — Nichts! Große Worte und große Ta pfer- fcit im Reichstage, wo der Redner vor Strafe geschützt ist, das ist alles! Das kann aber doch Meern Menschen nützen!
Run werden einige sagen, ja die Sozialdemokraten •ölen doch aber die Berhältniffe bessern. W i e
aber »ollen fie das, mit welchen Mittel» ? Sie sollen das doch einmal deutlich sage». Bessere Berhältuiffe erstreben wir ja alle! Aber so wie die Sozialdemokraten wollen wir es nicht machen; denn diese wollen
erst alles ruinire«
uud bann wollen fie erst überlegen, wie fie das Zerstörte bester machen.
Heute können die Sozialdemokraten nicht einmal kleineGenossenschaften leiten. Eine nach der anderen verkracht! Ist es da nicht widersinnig, wenn solche Leute der Welt weiß machen wollen, sie seien im Stand, ein Staatswesen ordentlich zu leiten! O nein! Was man im Kleinen nicht kann, kann man im Großen erst recht nicht.
Wie stellen sich denn die Sozialdemokraten den Staat der Glückseligkeit vor, wie fie ib» einrichten wollen? Es soll alles „vergesellschaftlicht" werden. Das heißt, jedes Privateigenthum soll aufhöre», keine» Privatbetrieb, fein Privatver- mögev soll es geben. Der Staat soll allein Besitzer uud Arbeitgeber fein.
Der Staat aber ist alsdann die sozialdemokratische Führerschaft.
Wer da an der Krippe fitzen wird, der wird es freilich gut haben! Alle anderen aber find nichts als A n g e st e l l t e. Ob daS wirklich ein so glückseliges Dasein werden würde?
Wenn die Sozialdemokraten, die eine solche Knebelung der Arbeiter vorhaben, bann ba8 Wort Freiheit im Munde führen, so nimmt sich das komisch aus. Wie geht es in Fabriken uud Werkstätten zu, wo Sozialdemokraten kommaudiren?
Kein Arbeiter ist dort sein eigner Herr!
An allen Ecken sind Angeber und Spione, die im Solde der Sozialdemokratie stehen und die geknechteten Arbeiter mit Peitschenschlägen bei der rothen Fahne halten und fie denunziren uud drang- faliren. Das ist sozialdemokratische Freiheit!
Es ist aber mit der ganzen sozialdemokratischen Herrlichkeit übel bestellt; denn wenn die Sozialdemokraten e r n st h a f t auf ihre Grundsätze etwas gäben, so müßten sie sie doch, so weit als möglich ist, auch befolgen. Das thun fie aber nicht. Sie geben nicht gleichen Loh» an alle in ihren Parteidetriebeu. Sie geben auch nicht allen gleiche Rechte. Wir möchten einmal das Hallo hören, wenn ein „Genosse" sich gegen den Befehl eines Vertrauensmannes auflehnen würde! In den sozialdemokratischen Konsumvereinen ist die S ch i n b e r e i der Arbeiter uub bie Lohndrückerei schlimmer als in jedem anderen Betriebe. Die Sozialdemokraten sollten also doch erst einmal
(Nachdruck verboten.)
» Getrennte Sterne.
' M»l* «WMM UMVV« PI VH IM.
»Schelm!" rief ihr der Baron nach, bis fie Mend davonlief, um ihm nicht ihre anfkeimende
lfegenheit zu zeigen.
102)4 im 101)4
m 83
92% 94%
101% 101% 112
100% 97Vt
100% 99))
100^ 99% 99% 99% 98%
99 V trolle, In» u. tigste»
•eil
11-3%
96%
1(2%
97%
101%
*" Wer hat denn dem Herrn Affestor gezeigt, wie ■tt Senker davon macht? Ich! — Wer hat —*
»Um des Himmels willen, hör' auf, Marianne! Ben Du so anfängst, s» weiß ich schon, daß Du alles einzeln aufzähle» wirst, wobei Baldensteiu Vir geholfen hat. Nu» aber willst Du von ihm |tten, nicht wahr?
Marianne erröthete, sagte bann aber ehrlich:
,3a. Umgekehrt «ird's auch ganz nett fein. Beinfl Du nicht auch, Papa?"
»Gewiß, und ans wau» hast Du dir deinen «hrmeister befohlen?"
»Befohlen?" wiederholte fie sinnend. »Der läßt H nicht so mir nichts, dir nichts befehlen; ich habe * fein säuberlich gebeten, eingeladen, mir zu helfen." , »Hm, hm, Kind! Also doch jemand, der nicht * »b»e weiteres nach deiner Pfeife tanzt. Hast r* Dein Meister gefunden?"
»Iber, Papa, nach meiner Pfeife soll er auch nicht jedoch wohl mit mir, wen» andere pfeifen."
f9,. »Nun, wer hat ihm den» beigebracht, wie man 86 Blumen aufbindet, wie man fie begießt? Ich!
Roman aus der Gesellschaft von H. Waldemar.
(Fortsetzung.)
»Was, Du bemüleidest ihn, Papa? DaS ist fort, da Du doch weißt, welche Mühe ich hatte, ihn M zähmen!"
»Davon habe ich noch nichts bemerkt," lachte der Eaton, sich über das erregt werdende Mädchen löst- amüsierend.
Am gleichen Tage fand Baldensteiu sich ein, zur großen Berathung, wie er sagte; — in der That aber segnete er Marianne's Einfall, feine Hilfe zur Ausschmückung des Hauses in Anspruch zu nehmen. Dadurch war eS ihm möglich, seine kaum mehr zu bemeisterude Sehnsucht zu ftiUcn und sie wiederzusehen, an die er Tag und Nacht denken wußte, deren silberhelles Lachen ihn in den Sitzungen verfolgte und ihn derart fesselte, daß er nur mit Aufbietung aller Willenskraft den süßen Bann abschütteln und seine Gedanken auf deo Punkt konzeutrieren konnte, welcher gerade der Erledigung harrte.
Wie hatte er gekämpft gegen den holden Zauber, gegen die Lockung, immer wieder hinauSzueilen zu ihr, die ihn mit solch ungekünstelter Freunde, mit solch aufleuchtenden Blicken empfing. Aber was nützte ihm aller Kampf, alles Anrufen der Vernunft? Das Herz mit seinem mächtigen Fühlen ließ sich nicht spotten; eS ruhte, es rastete nicht, bis er, entgegen dem Verstand, sich immer wieder auf dem Wege nach Dettmarshause» befand.
Aber eins wußte er sich doch abzuringen: er ging selten allein. Immer wußte er es so eiuzurichteu, daß bald Donh, bald Dettmar mit ihm kamen, uud so gelang es ihm, ein völliges Alleinsein mit dem entzückenden Geschöpfcheu zu vermeiden. Er tränte sich und seinen guten Vorsätzen, fich zu beherrsche«, nicht; bedurfte er dieser Beherrschung doch in »»ehr denn einem Falle. Wen» Marianne ihm zum Beispiel hinter dem Rücken der anher» de» Aermel zupfte und schmollend sagte: »Warum haben Sie deu wieder mitgebracht?" »der: „Allein wäre es doch netter!" nnd waS der- gleichen Bemerkungen mehr waren, die, von ihr ganz kameradschaftlich gemeint, ihm aber das Blut rascher durch die Adern trieben nnd ihm einen Zwang anfer» legten, dem er sehr ost kaum fich zu fügen vermochte.
vor -er eigene« Thüre kehren, ehe fie die ganze Welt verbessern wollen.
So schlecht, wie fie die Sozialdemokraten machen, ist übrigens die Welt auch noch lange nicht! Den „Anklagen" und Verdächtigungen in sozialdemo- kratischen Reden und Schriften ist nicht zu glauben. Wie oft ist Bebel oder Singer im Reichstage bei der Verbreitung unwahrer Behauptungen ertappt worden!
Für diese sozialdemokratische Art, „Anklagen" zu erheben, giebt es eine ganz bestimmte Methode, nämlich
die M-th-d- Bebel.
Da wftd ein kleines Bischen Wahrheit genommen, das wird bann mit allerhand Erfindungen »nd Unwahrheiten umwickelt und mit der größten Entrüstung und mit biederem ManneSmuthe in die Menge geschleudert — das ist die „Anklage." Kein Mensch glaubt jetzt mehr an diese Schwarzfärberei.
Grabe bei diesen Wahlen aber spielt bei de» Sozialdemokraten die Lüge bie Hauptrolle. Was reben fie ba de» Leuten alles von den Konservativen vor! Danach müßten ja bie scheußlichen Konservativen bie reinen Teufel und bie allerliebsten Sozialdemokraten bie reinen Engel sein. Na, seht Euch nur diese Engel einmal näher an, wenn sie protzend und radelnd und auf die Arbeitergroschen pochend Euch Flugblätter oder Parteibefehle in die Hand drücken! Die Sozialdemokratie hat für die Arbeiter wahrhaftig noch nichts gethan. Sie hat nur Gelder erhoben uub Dienste verlangt.
Ober — hat sie etwa bie armen Genossen aus ihrem großen Vermögen unterstützt? Hat sie ben Arbeitslosen Arbeit verschafft? hat sie v o » Streiks abgerebet und für bie Arbeiterversicherung gestimmt? Nein, bas alles hat bie Sozialdemokratie nicht gethan. Sie hat nur „g e - sammelt" — Gelber für bie Parteikaffe — und Stimmen für bie Parteistatistik. Bei einer solchen politischen Thätigkeit könnten bie Arbeiter langsam verhungern, wen» nicht anbere Parteien fich ihrer annähmen.
So ist es benn auch nach wie vor her konservative» Partei bet vollste Ernst mit bet
Fortführung der Sozialreform und bem Ausbau ber Arbeiterschutzgesetzgebung. Was bis jetzt auf biefem Gebiete geschehen ist, ist hauptsächlich bem energischen Verhalten ber Konservativen zu verdanke», bie schon vor länger als zwanzig Iahten, also noch ehe die Sozialdemokraten so großspurig wie heute auftreten konnten, eine wirksame Fabrikgesetzgebung und eine strenge Sonntagsruhe gefordert haben.
Nu» war er da, allein, gekommen, uw ihr behilflich zu sein. Wie Matiauue's Auge» strahlte», ü;re Wangen glühte» 1
„Kommen Sie in die Laube, Herr Assessor; die alte Rike soll u»8 dort den Kaffee servieren," hatte sie jubelnd gesagt. „Papa, bist Du auch von bet Partie? Aber nein, Du kannst es ja nicht mit anhören, wen» man daS Todesurtheil über Deine Lieblinge spricht. Laß uns also nut allein bamit fertig werden."
„3a, ja, Kind, ich sehe schon, baß Du mich gern loS sei» willst. Assessor, verwöhnen Sie baS Mäbchen nicht zn seht; später hat wo» doppelte Last, ihr das wieder anszutreiben."
„Der Hext Assessor mich verwöhnen?" lachte Marianne lustig. Soll ich Dir sagen, wie eS bei uns zugeht? Ja? So höre. 3ch sage: Das ist furchtbar nett. Gleich heißt eS: Fräulein Marianne, Sie wissen, ich kann diese Ausdrücke nicht leiden; fie klingen so übertrieben, so unwahr. Ein andermal klaffche ich in die Hände. Mein (Sott, was ist dabei Besonderes? Aber nein, dak ist nicht vornehm, nicht ladylike. Hübsch sittsam, unbeweglich wie ein athmeu- )er Holzblock, der sich nur mit Hilfe anderer bewege» kau», llud so, siehst D», Papache», so geht's de» ganze» Tag. Nennst Du daS verwöhnen? 3ch nenne eS aber tyrannisieren, chikauiere«, intrigieren, maltraükren —'
„Aber, Fräulein Marianne!" fiel Baldensteiu der Erregte» ins Wort. Sofort verstummte fie und sah ’talb scheu, halb trotzig zu ihm auf, der am liebsten sie stürmisch geküßt hätte.
„Da siehst Du, Papa," sagte fie mit schelmischer Miene, „wenn er nm solch Gesicht macht, wird wirs chon ganz gruselig! Doch — o, da kommt Rike mit dem Kaffee!"
Die Sozialdemokratie hat ben Arbeitern bis heute nichts genutzt. Dagegen schadet sie ihnen fortgesetzt. Die Sozialreform würde weit williger und energischer fortgeführt werde», weun »icht die Sozial- demskrate» immer wieder das bis jetzt Geschehene verächtlich machten und herabsetzteu. Da wird von dem
„Bische« Sozialreform"
gesprochen. Wißt 3hr, was das für ein Bische» ist? I» ben Jahre» 1885 bis 1895 haben auf (Srunb ber Vcrficheruugsgesetze über fünfundzwanzig Millionen Personen Entschädigungen von nahezu ein und ein viertel Tausend Millionen Mark erhalten. Täglich werden für die Arbeiterverficherungen rund eine Million Mark aufgewendet. DaS ist also ein ganz ansehnliches „Bischen", und die gewerblichen Stand»., hauptsächlich diese Lasten zu tragen haben, trieben noch viel opferfreudiger fein, wenn die endlich einmal anerkennen wollten^was hier in land für fie geschieht!
Die Sozialdemokratie hindert die Arbeiterschaft an bem AuSbruck dieser Anerkennung und schädigt dadurch die Arbeiter. Doch noch weit größere» Schaden rtchtet die Sozialdemokratie an, wenn 'fie alle göttliche und weltliche Autorität untergräbt, wenn fie die Elternliebe und Dankbarkeit aus den Herzen der Kinder reißt, wenn sie die Vaterlandsliebe zerstört und den Christenglaube» verhöhnt. Diese sozialdemokratische Zerstörung betrifft die
Arbeiterfamilien
besonders schwer. Kaum hat der Vater »och Autorität über feine Kinder, kaum kann in ben Werkstätten und auf ben Arbeitsstelle» noch bie nothwenbige Disziplin aufrecht erhalte» werben. Der jugenbliche Nachwuchs verroht immer mehr »nb mehr, er hat fich schon zu einem öffentliche» Krebsschaden ausgebildet.
Das ist die Frucht der sozialdemokratische» Agitation, die nicht den Arbeitern Voitheil schafft, sondern nur deren unaufhaltsamen moralischen und materiellen Niedergang bewirkt. Die Sozialdemokratie ist keine Freundin der Arbeiterschaft, sondern ihre ärgste Feindin.
Auf Friede im Innern, auf einem geregelte» und mit Sparsamkeit verwaltete» Staatswesen, auf einem innigen christlichen Farnilienleb en, auf gegenseitigem Vertrauen und auf festem Zusammenhalt beruht gleichmäßig das Wohl der Arbeiter und der Arbeitgeber, beruht das Wohl der Ge- sammtheit des Vaterlandes.
In diesem Sinne wirkt die konservative Partei, darum wähle Jedermann, der dem Gemeinwohl ernsthaft dienen will, am 16. Juni in unserem Wahlkreise den Kandidaten der staatserhaltenden Parteien
Herr« Ge«eral i o« Bartenwerffer.
»Herr Assessor, ich empfehle Ihnen möglichste Schonung meiner Gewächshäuser. Sie werden dieselbe eher üben, als dieser Wirbelwind. Und nun überlasse ich euch euren Berathungeu. Macht eure Sache gut, daß wir Ehre einlegen."
Uud sie machten alles gut und vortrefflich, die beiden Kameraden, troßdem fie manches Scharmützel zusammen ausfochten, in denen Marianne wie stets nnterlag, denn Baldensteiu machte auch nicht einmal deu Versuch, zu ihren Gunsten auf den Sieg zu verzichten. Marianne war ein reizendes, ein liebenswürdiges Geschöpfcheu, aber fie war eigenwillig, oftmals herrisch, und beides verursachte Baldensteiu Pein, so daß er sich torgenommen hatte, fie zu bessern, zu erziehe». Und fast schien eS, als sollte es ihm gelinge». Ei» Wort, ei» Blick von ihm genügten, »m alle rebellischen Geister, die in dem kleinen Köpfchen spukte», zu beruhige», sie zur Ber- nnnft zu bringe».
Hatte »»» das jxnge Mädchen gar keine Ahnung von bem, waS ihn erfüllte uub was oft gegen seinen Willen ans seine» Ange» brach, durch seine Worte leuchtete?
Es mußte wohl nicht fein, benn sonst hätte sie nicht mit biefer köstlichen Unbefangenheit ihm begegnen können, sagte er fich immer »lebet, wenn fein Verstand jene Frage aufwarf.
Der Hochzeitsmorgen brach strahlend an. Die Sonne lachte vom Himmel herab auf die Bewohner von Dettmarshanseu. Mit der Sonne um die Wette lachten Marianne's Augen, die überall zum Rechten sah und Baldenstei» ehrliche Bewunderung entlockte, beim baSso junge, kaum bem Kindesalter entwachsene Mäbchen verrieth eine Umsicht, bie einer Zwanzigjährigen zur Ehre gereicht habe» würde.
(Fortsetzung folgt.)