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Zweck des Antrages sei nur, die Agitation fortzu- setze». Labort weist diesen Vorwurf entschieden zurück. Der Gerichtshof verwirft bett Antrag Loboris und erklärt sich für zuständig. Darauf kündigt Labori an, daß Zola und Perreux gegen diesen Gerichtsbeschluß beim CassationShofe Berufung einlegen würden. Zugleich überreicht er die Begründung des Recurses. Nach einer kurzen, aber heftigen Auseinandersetzung zwischen dem Staatsanwalt und Labori, die den Vorsitzenden veranlaßt, Labori zur Ruhe zu mahnen, verkündet der Vorsitzende, daß infolge des Einspruches der Vertheidigung die Verhandlung anfzu- heben und bis zur Entscheidung des Cassationshof e 8 zu vertagen sei. Zola und sein Vertheidiger verließen eine halbe Stunde nach Aufhebung der Sitzung das Gerichtsgebäude in dem Automobilwagen, womit sie gekommen waren. Auf der Straße fanden lebhafte Kundgebungen gegen und für Zola statt. Die zahlreiche Schutzmannschaft deckte den Wagen. Unter der lärmenden Menge befand sich auch Major Esterhazy. Die Versailler sind wüthend über Zola, weil er dies Gerichtsverfahren gegen ihn durch Einspruch auf Grund der Prozeßordnung im Keime erstickte. Die zahllosen Gastwirthe hatten sich auf vieltägige» ungeheuren Menschenandrang aus Paris durch Anmusterung von Köchen und Kellnern, besonders aber durch schamlose Verdoppelung oder Verdreifachung der Preise eingerichtet. Daß er ihnen das Spiel verdorben hat, macht sie wüthend, und wenn die Polizei sie nicht daran verhindert, werden sie sich für die Enttäuschung durch feindselige Kundgebungen zu rächen suchen. a
len Wahlversammlungen völlig zürückziehen. Das »mmt die Gegner natürlich, die staatserhalienden Parteien verkümmern ihnen dadurch die Gelegenheit, <nf die von ihnen befürworteten Ziele und die von ihnen vertretene Politik zu raisonniren und sie in bin Augen der Wählerschaft öffentlich möglichst Herunterzureiße». Die Herren bleiben unter sich, das ist ihnen wider ihre Rechnung. Und so kommen denn schon die Mittelchen, um dieser für sie fatalen Situation womöglich eine andere Wendung zu geben. So empfing unser Redakteur gestern Nachmittag aus da» Hotel Weitzel hier nachstehenden Brief:
In Versailles fand gestern das zweite Gerichtsverfahren gegen Zola statt. Der Vertheidiger ZolaS, Labori, beantragte, das Versailler Schwurgericht als unzuständig zu erklären und die Anklage vor das Pariser Schwurgericht zurückzuverweisen, da Paris der Thatort des Vergehens und der Wohnfitz Zolas sei. Der Staatsanwalt Bertrand erhob sich in heftigen Worten dagegen; der
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Nichts Neues vor Cuba! In New-Iork ist deßhalb die Stimmung der Presse keine frohe. Ein Theil beklagt die Unthätigkeit, ein anderer fürchtet, Me Kinley sei zur Aktion gedrängt worden, ehe die Vorbereitungen beendet gewesen seien. Das Publikum erkennt endlich an, daß die Bewegungen des Admirals Cervera einen bestimmten Zweck haben, und einige Sachverständige in Marinesachen glauben, daß er denselben erreiche» werde. Anch den Mangel an Schiffen des „Vizcaya"-Typus tadelt man. Wie gemeldet wird, können sich Präsident Mc Kinley, sein General-Adjutant, der Kriegssekretär und die Generäle Miles und Meritt über Dinge von großer militärischer Wichtigkeit nicht einigen. Was Cuba anlangt, so glaubt man allgemein, daß die Vereinigten Staaten sich in ihren auf eine erhebliche militärische Mitwirkung des Aufständischenführers Gomez gesetzte» Erwartungen getäuscht sehen werden. Der „Standard" meldet aus dem Lager von Thomas in der Nähe von Chickamanga vom 22. d. M.: Die Truppen leiden sehr unter dem Mangel an Zufuhr von Seiten der Behörden. Das 14. Regiment ist durch Hunger
Markurg
Mittwoch, 25. Mai 1898.
Sehr geehrter Herr!
Ich gestatte mir, Sie ergebenst zu der öffentlichen Versammlung e i n z u l a d e n, die ich Dienstag, den 24. d. M., Abends 8 Uhr im Saalbau abhalten werde. Auf der Tagesordnung steht das Thema: „Was ist staatserhaltend, reichstreu, national?" Bei dieser Gelegenheit werde ich mich besonders mit Ihrer Partei und Ihrem Blatte beschäftigen.
Hochachtungsvoll ergebenst
H. v. Gerlach.
So höflich in der Form der Brief auch gehalten ist, so lugt doch auS den Schlußzeilen, die wir in hervorragendem Druck wiedergeben, die Absicht zu deutlich hervor. Herr v. Gerlach wird es, wie in allen etwaigen künftigen solchen Fällen, zu erleben haben, daß wir seiner Einladung nicht Folge leisten. Wir kennen die Tiraden des Herrn von Gerlach gegen die Konservativen und seine Art, sich mit unserer Zeitung zu beschäftigen, aus mehrfacher Anwesenheit in seinen Versammlungen so genau, wir sind ihr in Wort und Schrift so gusführlich entgegengetreten, daß es einen Zweck nicht haben könnte, dies ferner zu thun, wollten wir nicht in unserem Blatte im Bericht darüber etwa Herrn von Gerlach indirekt zu einer gewissen Reklame verhelfen! Dies liegt uns aber fern. Unser Redakteur wird auch zu kommenden von ihm abzuhaltenden Wahlversammlungen nur die konservative, freikonservative und nationalliberale Wählerschaft einladen, und so de» Gegnern zu zwecklosen Zankereien die Möglichkeit vorenthalten. Die Gegner und die ihnen anhängende Wählerschaft in unserem Wahlkreise lassen sich ja doch p r i n e i p i e l l nicht überzeugen, uns ist für sie auch die Zeit zu schade, und anstatt in ihre Versammlungen zu gehen, halten wir es doch für viel angebrachter, in dieser Zeit lieber unserer Sache, der Sache der altbewährten staats erhaltenden Parteien zu dienen!
Im Uebrigen glauben wir auch nicht, daß in die heutige Versammlung des Herrn von Gerlach viele Konservative oder Nationalliberale gehen, oder sich gar mit ihm in Debatte einlassen werden. Auch dwfte Herr von Gerlach den allgemeinen deutschen Sprachgebrauch nicht zu ändern vermögen, wonach man unter reichstreuen, staatserhaltenden Parteien die konservative und nationalliberale zu verstehen pflegt. Es fällt bei Verwendung dieser Bezeichnung auch keinem Marburger Provinzialen ein, damit zu behaupten, daß nicht auch Angehörige anderer Parteien reichsrreu und gut nationalgesinnt sein können. Der national-soziale Berliner Aufklärer wird also, wie einst Do» Quixote, heute Abeud gegen Windmühlen kämpfen!
Umschau.
Während in Privatbetrieben der Fabrikinspektor darüber wacht, daß den Arbeitern der gesetzliche Schutz unverkürzt gewährt werde, während dort den Arbeitern also eine Instanz, bei welcher sie Beschwerde und Wünsche anbringeu können, zur Verfügung steht, ist in Staatsbetrieben Fürsorge und Kontrolle in die eine Hand der Betriebsleitung gelegt. Es wird also ganz besonders gerecht und fürsorglich verfahre» werden müssen, nm dem Wort Sr. Majestät, die Staatsbetriebe sollen Musteranstalten werden, wenigstens nicht direkt entgegen zu arbeiten. Aus Anlaß eines bedauerlichen Spezialfalles in einem größeren Staatsbetriebe, wo zwangsweise seit Jahren nicht nur Sonntagsarbeit während der Kirche, sondern auch in ganz unerhörter Weise Nachtarbeit eingeführt ist, hat infolge der Intervention von konservativer Seite der zuständige Minister nicht nur schleunigen Wandel, sondern auch Abstellung solcher ungesetzlicher Zustände für alle Zeiten zugesagt. Konservative Gepflogenheit ist es nicht, derartige Mißstände in der Oeffentlichkiit breit zu treten; denn dadurch ergiebt sich in der Regel eine Schmähung der Staatsautorität. In solchen Fällen aber ist es absolut unzulässig, dem betreffenden Ressortminister eine Schuld für derartige Mißstände aufzubürden. Die Schuld daran trägt lediglich die Betriebsleitung und im vorliegenden Falle möglicherweise der Umstand, daß einzelne Persönlichkeiten jener Verwaltung infolge ihres hohen Alters dem „laisser aller“ ju huldige» geneigt sind. Soviel uwS bekannt, ist auch am vorigen Sonnabend und Sonntag (theil- weise ohne Unterbrechung von Sonnabend früh sieben Uhr bis Sonntag mittags ein Uhr) in jenem Betriebe gearbeitet worden. Die konservative Partei wird unbedingt dafür sorgen, daß den gesetzlichen Arbeiterschutz- bestimmungen auch in dem in Rede stehenden Staatsbetriebe im volle» Umfange Respekt verschafft wird. Zugleich wird in Erwägung zu ziehen sein, ob nicht eine besondere Instanz im Staatsmini st erium zu errichten sei» möchte, an welche Arbeiter und Beamte von Staatsbetrieben ihre berechtigten Wünsche und begründeten Beschwerden zu richten im stände wären.
wähl aus?
In der Agitation für ihre Kandidaturen gehen in unserem Wahlkreise in ihrer eigenen demagogischen Art drei unserer Gegenkandidaten speziell j, den Laudstädtchen und auf den Dörfern allen übrigen Parteien voran: der gar keiner politischen Partei angehörende bisherige Vertreter des Wahlkreises, Herr Dr. Böckel, mit dem sich vor ihren Zuhörern der Taufvater einer ultra-radikalen angeblichen „Hessischen Volkspartei" und der Kandidat der als Partei noch nicht fertigen National - Sozialen meist in langen, zwecklosen Zankereien ergehen. Was derjenige hessische Bauer, der bisher in diesem Wahlkampf all' den Wähler - Versammlungen i» seinem Dorfe und in dessen Nachbarschaft bei« Lohnte, eigentlich von dieser Art des Wahlkampfes profitiren soll für seine politische Er- ketmtniß, das bleibt beim besten Willen völlig nn- eifindlich! Und so ist denn in neuerer Zeit auch der Besuch solcher Versammlungen gegen früher in feiner Zusammensetzung ein mehr und mehr anderer geworden. Außer verschiedenartigsten Anhängern der in Phrasen von „Volksfreiheit" und .Vslksrcttung" wetteifernden Kandidaten, die rnitge- bracht werden und den Stamm der Demonstranten für ihren politischen Meister zu bilden habe», ist er ein ganz anderer und selbst in auseinanderliegenden Gegenden aus sehr vielfach denselben Personen bestehender geworden; es hat sich eine verhältnißmäßig zahlreiche besondere Kategorie von Liebhabern gerade solcher Versammlungen gebildet. Man betrachtet sie mehr als Wahl-Theater, wie als Versammlungen zu politischer Belehrung.
Es ist erklärlich, daß diejenigen Männer in wserem Wahlkreise, denen ernstlich daran gelegen ist, die Wählerschaft auf dem Lande mit Dem näher Md eingehender bekannt zu machen, was zur Wohlfahrt des deutschen Reiches jetzt nach außen und innen politisch an Positivem zu geschehen hat und
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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg «nd Kirchhain.
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(Nachdruck verboten.)
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(Fortsetzung.)
Während er diese begeisterte», liebesdurchwehten Sorte sprach, hatte er die schlanke Gestalt an sich bezogen; ihr dunkles Köpfchen ruhte, Schutz suchend »b findend, an feiner breiten Brust, ihre Augen sahen zu ihm empor, ihr Munb lächelte ihm Gewährung.
Doch nur einen Augenblick dauerte ihr Selbst- ^rgeffe»,, bann riß sie sich los nnb trat weit von hm zurück.
„Nicht so, Dony, nicht so! Rauben Sie mir alchi ben letzten Rest von Fassung, nicht bie letzte Stütze: mein reines Bewußtsein, das allein mich ertrage» läßt, was ertragen werbe» muß! Leben Sie bwhl! Bergeffen Sie nicht Abrienne!"
Wir ei» Hauch dmchzstterte bas letzte Wort ben glichen Raum, als auch schon bie Thüre hinter thr zufiel.
Wie verzaubert stand Dony, sah er ihr nach mit &«» Blick gllltheißester Sehnsucht.
„Adrienne!" wiederhofte er ihr letztes Wort. •Sa8 gilt sie mir, sie und alles, was sonst auf «ben ist, gegen Dich, Du mein Alles, Du mein Stern?"
Noch trugen seine Züge den Abglanz innerer Seligkeit, während er das WaldhaüS verließ und Äffische» Schrittes der Stelle zuschritt, wo fein Roß ratet harrte.
Zwei Augenpaare folgten ihm Schritt anf_ Tritt, das eine mit dem Ausdruck maßloser Bestürzung, ~~ das andere mit dem heißwilden Feuer tödtliche» Hasses.
Ahnungslos, daß seine frühe Zusammenkunst mit
Juanita ihre Zeugen gehabt hatte, sprengte Dony der Residenz zu.
Hinter ben Büschen bes Weges, ben er »ahm, tauchte Mondega's geisterblasses, wuthverzerrtes Antlitz auf. Mil bösem Blick folgte er ber schlanken, kräftigen Gestalt beS jungen Offiziers, bann ballte er bie Faust nach bem Waldhaus unb ein grausames Lächeln verunzierte feinen hübschen Munb.
„Das sollst Du mir büße», Schlange!" zischte er, währenb er starren Blicks hinüberschaute »ach dem friedvolle» Heim. Dort aber zeigte sich nichts mehr, und er schickte auch sich zum Gehe» an.
War er nicht ben letzten Tag auf bem Bünshofe? Was hinderte ihn daran, feinem Ina gegebenen Worte untreu zu werden unb Adrienne--
Er lachte boshaft auf, aber das Lachen verstummte jäh, sei» Gesicht »ahm einen ensetzten Ausdruck an, die kleine» Ange» traten hervor aus ihren Höhlen unb abwehrend, einen dumpfen Wuthlaut ausstoßend, streckte er bie Hände aus gegen eine Gestalt, bie seitwärts bes Weges an einen Baum lehnte nnb jeder Bewegung des geschmeidigen Südländers gefolgt war, jedes Wort aus seinem Munde mit Genugthuung vernommen hatte.
Einige Minuten standen beide einander wottlos gegenüber, der eine hochaufgerichtet, flammenden Blickes, der andere enffetzt, als sähe er ein Gespenst, unb doch in trotziger Haltung, dis er, sich plötzlich besinnend, und auftaffeud, einen Schrei ausstieß wie ein verendender Hirsch und in ber Richtung des Bünshofes davon rannte, so rasch, daß ber zurückbleibende ihn aus dem Gesicht verlor.
„Mag er dahin gehen, seinem Verhängniß entrinnt er nicht!" sprach Doktor Werneck, ber stütze Spaziergänger, laut vor sich hin und tret ben Heimweg an.
Dettmarshausen war in einen Blumengarten verwandelt. Zur Schmückung des alten Hauses hatte Marianne nicht den kleinste» Theil beigetragen, sie und ihr unzerttennlicher Begleiter Baldenstein, dessen Kräfte unb Hilfe sie sich auf ganz ungenierte Weise gesichert hatte.
Als ber Hochzeitstag bestimmt war unb ihr Vater es ihr anheimstellte, ben Gärtner in Anspruch'zu nehme«, unb so viel sie wolle bie Treibhäuser zu plündern, eine Erlaubniß, die dem Baron einen erstaunten Blick und einen raschen Kuß des Töchterchens einttug, zur Belohnung, daß er diesmal wenigstens nicht hartnäckig die Kostbarkeiten seiner Gewächshäuser für sich allein behielt, da hatte sie lange nachgedacht, wie sie wohl am besten unb zweckmäßigsten bie Sache in Orbnuug bringe. Wohl fiel ihr ein, daß sie sich Rath bei ber Gräfin holen ober Dora in Anspruch nehmen könne, aber sie hatte etwas sehr Bestimmtes in ihrem Wesen, die kleine Marianne. Dazu kam das Bestreben, allein fertig zu werben, ohne frembe Beihilfe; ber Stolz trieb sie, selbst ihr Heil zu versuche», und so hatte sie ihrem Vater sehr bald erklärt, daß sie den Gärtner nicht brauche, daß derselbe ihr nur das Material bringen, im übrigen aber sie allein wirtschaften lassen solle.
Etwas bedenklich schante der Baron sein Töchterlein an. Er gedachte wohl ber schönen, herrlichen Blüthen, an benen er sich so oft erfreut unb von benen wohl viele, viele unnütz gebrochen werden würden. Aber Marianne, die Gedanken ihres Baiers von dessen jovialem Gesicht ablesend, hängte sich an seinen Arm und während sie mit ber anbern Hand zärtlich in seinem Bart traute, sagte sie:
„Sorge dich nicht nm deine Blumen, Väterchen, ich plündere nicht allzuviel, nnb mit Hilfe bes Assessors wird es mir gelingen, fo sparsam zu sein bannt, wie du nur irgend wünschen kannst."
„Mit Hilfe des Assessors? Hast Du mir nicht gesagt, baß Du ganz allein, ohne frembe Hilfe —"
„aber ber Assessor ist mir doch nicht fremd, Papa. Der ist mein guter Kamerad, mein Bruder, wenn Du willst!"
„So. Dein Bruder, Dein Kamerad?" lachte der alte Herr, die blauen, gütigen Augen voller Zärtlichkeit auf ihr stisches Gesicht heftend.
Sollte er ihr die Unbefangenheit rauben, ihr sagen, daß Baldenstein in ihr aber nicht die Schwester sähe? Sollte er ihr begreiflich zu machen suchen, wie die Well darüber dachte? Nein, nein, was ging ihn die Welt an? Hier draußen in ber köstlichen Abgeschiedenheit kamen ihre strengen Satzungen nicht in Anwendung; hier durste sich Marianne nach Herzenslust ihrer Jugend, ihrer Freiheit freiten; bald genug würde es ja auch damit aus fein.
Mit Bedauern sah er den Zeitpunkt heranrücken, sah er die Kindlichkeit aus seines Töchterchens Antlitz schwinden, bie Anmuth, bie Natürlichkeit bem steifen Zeremoniell weiche». Nimmermehr wollte er dazu beitragen, daß dies vorzeitig geschehe und so beschloß ber Baron Marianne ihren Willen zn lassen.
Sich in ihre Anschauung ber ®adje versetzend, wiederholte er:
„Dein Bruder, Dein Kamerad allerdings, Kind, einen geduldigere» könntest Du nicht ftnben. Mach' es aber nicht zu arg mit ihm, damit er nicht eines Tages ben Gehorsam verweigert."
Marianne lachte und schüttelle das Köpfchen, daß ihr bie bitten Zöpfe rechts unb links um bas Gesichtchen flogen.
„Du bist zu kostbar, Papa! Der Assessor mir ben Gehorsam verweigern! Das giebts nicht! Wen» ich nur mit biefem kleinen Finger winke, so thui er alles, was ich will." „Der Arme!" (Forts, f.)