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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg «nd Kirchhain. 2*21 J^uftrirtes Sonntagsblatt.
JVs. 118
Trscheiut täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. QnartalS-Abonnements-Preis bei der Expedition 2 Mk.. bei allen Postämtern 2,25 Mk. (exkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg., Reklamen: die Zeile 25 Pfg.
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Sonntag, 22. Mai 1898.
Anzeigm nehmen entgegen: die Expedition dieses Blattes, die Annoncen- Bureay von Haasenstein & Vogler, Frankfurt a. M., Caffel, Mägde- bürg, Wien; Rudolf Moffe, Frankfurt a. M., Berlin, München, Köln; C. L. Daube & Co., Frankfurt a. M., Bettin, Hannover, Paris x.
33. Jahrg.
Landwirthe, seid aus Eurer Hut!
ES drängen sich seit einiger Zeit viele falsche Freunde an Euch heran. Mit freundlichen Torten reden sie Euch zum Munde und machen allerlei Versprechungen. Aber da ist »ichts dahinter! Das hat Euch am deutlichsten Dr. Böckel bewiesen. Als er Euch das Mandat Md; unzählichen Versprechungen abgelockt hatte, hielt er es nicht einmal für Werth, sich noch um Euch zu kdnmern. Und jetzt sollt Ihr Euch vor ihm so d l a m i r e n, ihn „zum Dank" »och einmal zn »ählen! Das muthet Euch ein Dr. Böckel zu!
Die L a n d w i r t h s ch a f t hat jetzt seit langen Alhren schwer zu tragen. Treu und fest haben aber
jederzeit zu ihr gestanden die Conserva- j i v e n. Wenn sie nicht znsanunenhielte, wäre sie schon längst hin; da hätten sie die Börsenherren
längst aufgefressen. Aber die groben und kleinen
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Landwirthe halten in Noth und Drang zusammen. Eie haben dieselben Leiden und suchen gemeinsam zu tragen, da trägt es sich leichter. Wenn die Landwirthe Zusammenhalten, sind sie unüberwindlich. Dann werden sie sich mit der Zeit auch bessere Zeiten erzwingen. Leun sie aber auseinander oder gar gegeneinander
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i gehen, so sind sie bald geliefert. Die Geschichte «it dem Bauern und seinen Söhnen st da sehr lehrreich. Als es zum Sterben ging, eß sich der Bauer ein Bündel Stöcke geben und -!»sahl seinen Söhnen, das Bündel zu zerbrechen.
^as war unmöglich. Als aber ein Stock nach dem '.dem aus dem Bündel gezogen wurde, war cs indrrspiel, jeden einzeln, also alle nacheinander, zu zer- rechen. Der Bauer hatte das gemacht, um seinen t Söhnen zu zeigen, daß Einigkeit stark macht, daß faber Uneinigkeit nur den Feinden zu gute kommt. Dieses Beispiel paßt aber besonders auf die Land» »irthschaft! Wer die Landwirthe, die Großen und die Mittleren und die Kleinen, von -inauder trennen will, der meint es
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inmöglich gut mit der Landwirth - chaft. Der will sie einzeln trennen, um sie
’. . wzeln unschädlich zu mache»! Das ist ein Kniff
jr "r Börse und ihrer demokratischen Helfer, der ***””? lücksliberalen Presse.
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I Tie Berliner Börse hat viel Geld hergegeben, tot die kleinen Landwirthe ins Garn zu treiben. —---Rit tausenden von Börsenthalern sind die Rickert-
pf chen 2C. Bauern-Vereine „Nordost" und „Mecklenb. Schutzverband" gegründet worden. Wozu? Um die Kleinbesitzer gegen die Großbesitzer thtg ‘,eliafj1jije$en! Auf der anderen Seite Hetzen die- »idt, selben lieblichen Börsenfreunde wieder das Gesinde (2173Md die Arbeiter gegen die Bauern auf.
Kurz es ist ein Verhetzen, das ganz direkt staatsgefährlich ist. Der Landwirth soll sich an solchen Hetzen nicht betheiligen. Er ist die Stütze der staatlichen Ordnung und Sicherheit. Auf ihm beruht die Ruhe und Ordnung in erster Linie. Er hat also gegen diese nichtsnutzigen Aufhetzungen im allgemeinen Interesse und im Interesse seiner Familien einzuschreiten. Hiuter den Hetzern wartet schon die Sozialdemokratie. Das möge man nicht vergessen!
Wenn es der Landwirthschaft heute schlecht geht, so hat gerade die Demokratie hauptsächlich Schuld; denn sie begünstigt die ausländische Konkurrenz. Ausländische Vieh einfuhr und Fleisch einfuhr, ausländische Geflügel- und Ei er einfuhr, ausländische Aepfelund Margarine, das sind demokratische Lieblingskinder. W i e soll die Landwirthschaft bestehen, wenn alles vom Auslande billig aber auch schlecht hereingebracht wird? Wie soll sich noch Viehzucht lohnen, wenn aus dem Auslande nicht nur Seuchen eingeschleppt werden, sondern auch allerlei miuderwerthiges Fleisch, und wenn die Butterpreise durch den Margarineschwindel hemntergedrückt werden ? Wo soll noch Geflügelzucht betrieben werden, wenn russische Gänse und russische Eier in ungeheuren Massen über die Grenze kommen?
Die Demokraten, die als „Nordostbauern" verkleidet die Landleute auf den Leim locken wollen, sind für un beschränkte Vieh-und Fleisch-, Geflügel- und Eier- und natürlich auch Getreideeinfuhr. Sie sind auch für alle Freiheiten im Margarineschwindel und in anderen Schwindeleien, wie in Weinverfälschung usw. Sie wollen auch die Freiheiten der Börse wieder haben. Das nennen sie dann „Volkssreiheitcn" — das sind aber Freiheiten, mit denen man dem Volke den Strick um den Hals legt.
Landwirthe! Traut keinem — das sei nochmals gerathen — der Euch von der übrigen Landwirthe schäft separtren will. Einig seid Ihr stark! Zeigt diese Einigkeil und diese Stärke, indem ihr bei de» Reichstagswahlen demjenigen Kandidaten Eure Stimme gebt, welcher Euch als Garantie dient, daß die Interessen Eures Berufes und Gewerbes, selbstverständlich aber auch die des Vaterlandes und des ganzen Volkes bei ihm besser aufgehoben sind, als bei den Leuten, die nur für die Börse und für die Interesse» des Auslandes Sinn und Herz haben. Wählt also einstimmig den Kandidaten der konservativen Partei! Wählt
Herrn General z. D. von Bartenwerffer!
(Nachdruck verboten.)
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Getrennte Sterne.
Roman au8 der Gesellschaft von H. Waldemar.
’/s ee-'vt Wie lange ich so verharrt hatte, ich weiß % 103^ nicht. — Stimmen schreckten mich empor. % 97» Das Ungewöhnliche meiner Stellung, die Dunkelheit % 101 ä »im mich her, die nur matt durch das schwache flackernde _ Nämmchen des Nachtlichtes unterbrochen wurde.
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»achten mich anfangs verwirrt, ich wußte nicht so- ort, wo ich weilte, wie ich dorthin gekommen war. Dieselben gedämpfte» Sttmmen, die ich zuvor ge-
*t, riefen mich bald völlig in dir Wirklichkeit zu- &f. Ich lauschte angestrengt, mtt verhaltenem Athem, l Mei ich mich nicht zu rühren wagte, und betete heiß
32,1 Ad inbrünstig zu dem lieben Gott, daß et Adrienne
I __ sicht erwachen lassen möge. Ich vermochte die
! — z Kimmen nicht genau zu erkennen, wenn ich auch
£101^ bohl meinte, diejenige meines Gatten herauszufinden. MUfo am Sonntag!" sagte nun ganz deutlich eine %iioo4reMk Person. — „Pst, nicht so laut!" sagte die 98)» Mete. — „Und wenn der Balg schrett? Ein v “ fctn Mund, meint Ihr? Mir kann's recht
^ioo^l^"." — bie Stimmen verloren sich und nach % SO» Ewigen Minuten herrschte wieder lautlose Stille; ich \' 99» Ritte die ruhigen Athemzüge meines Kindes, besten S 29» schlummer von der Melodie des leise plätschernden 0en8 begleitet wurde. Mein Schlaf war ver- wwroLe, ,ansen. Unwillkürlich mußte ich daS vorher Gehörte An- «• ^denken und wie es so geht, versuchte ich, mir -nstigsta Men Zusammenhang zu bilde» aus den abgerissenen esückaek . en des einen mir fremden Mannes und mtt Serschftch uteiner Phantafie. Es wollte mir nicht so recht Gingen und verdrießlich darüber, erhob ich mich end
lich, um das Kind zu betten und bann selbst die Ruhe zu suchen. In diesem Augenblick ward die Thür geöffnel und Mondega trat ein, tote mir schien, peinlich überrascht, daß er mich und nicht die Wärterin hier fand. „Wo ist Petronella, daß Du hier Wache halten mußt?" schrie er mich an, während seine Augen selbst in dem herrschenden Halbdunkel unheimlich glühten. Unwillkürlich wich ich bis zu dem Bettchen meines KindeS zurück. Ahnte ich, daß meiner süßen Adrienne von ihm Gefahr drohe? Sagte eS mir die Mutterliebe, welch schwarze Pläne er in seinem Herzen ausgebrütet hatte? Die Sorge um mein Wohl schien mir überflüssig, gemacht, nicht natürlich. Das Mißttanen in mir erhob sich. Was suchte er zu dieser Stunde in der Nacht in diesem Theile des HanseS? Sett Adrienue'S Geburt bewohnte er den entgegengesetzten Flügel; was hatte ihn hierher getrieben? Blitzschnell flogen diese Gedanken durch meinen Kopf, mtd so mag, dadurch beeinflußt, meine Antwort auch nicht gerade sanft geklungen haben, als ich erwiderte: „Was willst Du hier? Mache mir das Kind nicht wach, daß ich nach vieler Mühe zur Ruhe gebracht habe." Der Teufel hole es!" knirschte er, warf nach der Richtung deS Bettcheus einen Blick, den ich nie vergesten kann, einen Blick so voller Wuth und Grimm, voller Haß und schrecklichen Entschlüsten, daß ich in erwachender Angst entsetzt neben dem Lager auf die Knie sank und schützend meine Arme darüber bereitete. Er sah eS noch und stieß ein kurzes höhnisches Lachen aus, das mir Todesangst auspreßte. — Ich durchlebte eine fürchterliche Nacht und der Morgen traf mich noch an derselben Stelle auf den Knie» neben meines Kindes Bett. Ich war fast erstarrt, verließ aber das Zimmer erst, als ich die alte Petronella,-die mir blind ergeben war, bei meinem Liebling wußte. Auf mein Lager sinkend, verfiel ich
Umschau.
Der B n n d e s r a t h ha: in seiner gestrigen Sitzung die Resoluttonen des Reichstages zu dem Reichshaushaltsetat für 1898 und zu Petitionen wegen Abänderung des Militärpenfionsgesetzes dem Reichskanzler bezw. den zuständigen Ausschüssen und die Vorlagen, betr. den Entwurf von Bestimmungen über die Feststellung des Börsenpreises von Werth- papieren, den zuständigen Ausschüssen überwiesen. Die Milttär-Sttafgerichtsordnung nebst Einführungsgesetz, das Gesetz, betr. die Dienstvergehen richterlicher Militär- Justizbeamten und die unfreiwillige Versetzung derselben an eine andere Stelle ober in den Ruhestand, wurden in der Fassung der Reichstagsbeschlüsse angenommen.
Zu dem 50jährigen Gedenktage der Eröffnung des er st en deutschen Parlaments haben an den Leiter jener Versammlung, den Reichs- gerichtspräfidenten a. D. Dr. 8. Simson, die außer ihm noch lebenden „alten Frankfurter" von der Erbkaiserpartei folgende Adresse gerichtet:
Hochgeehrter Herr Präsident! Den unterzeichneten „alten Frankfurtern" von der Erbkaiserpartei ist es Bedürfniß, bei dem 50jährigen Jubiläum der Eröffnung des ersten deutschen Parlaments noch einmal Fühlung unter sich zu gewinnen. Der in öffentlichen Blättern ergangenen Einladung zu einer persönlichen Zusammenkunft am 18. Mai in Frankfurt als am sitze des Parlaments Folge zu geben, dürfte die Mehrzahl von uns durch ihr hohes Alter verhindert sein. Dagegen glauben wir unsere fortwährende Zusammengehörigkeit und die ungeschwächte Erinnerung an unser ehemaliges gemeinsames Wirken nicht beffcr betätigen zu können, als indem wir Ihnen, unter deffen trefflicher Leitung wir einst die Verfassung vom 27. März 1849 zu Stande brachten, in herzlicher Verehrung einen kollegialen Gruß entbieten. Längst ist der Unwuth darüber, daß es uns nicht vergönnt war, die von uns geschaffene Verfassung auch ins Leben zu führen, der stolzen Freude gewichen, daß die Einigung btS geliebten Vaterlandes in anderer, aber verwandter Form seitdem dennoch zur Thatsache geworden ist. Je mehr wir die der Erreichung dieses Zieles sich entgegenstellenden Schwierigkeiten selbst erfahren haben, um so Heller hebt sich ans den großen Ereignissen, die wir dann zu erleben das Glück hatten, das Bild unseres herrlichen Kaisers Wilhelm hervor, an dessen starken und einsichttgen Willen Erfolg und Sieg sich knüpften. Weiter aber verbindet sich heute mit dem Bewußtsein, daß wir seiner Zett nach bestem Vermögen in redlicher, ifiühevoller Arbeit das damals Unerreichbare angestrebt baben, die Bewundeeung
der geniale» staatsmännischen Knnst, der eS, unterstützt von dem Heldenmuthe unseres Volkes, gelungen ist, das Reich zu gründen und Deutschland zu Macht und Größe zu erheben. Von solchen Erinnerungen und Gefühle» beseett, gestatten wir unS, hochgeehrter Herr Präsident, die Bitte, in unser aller Namen dem Fürsten Bismarck die Versicherung treuer Anhänglichkeit und ehrfurchtsvoller Dankbarkeit übermitteln zu wollen. Backhaus, Biedermann, Haym, Jordan, Meier, Mevissen, Schorn, Schrader, Schultze.
Präsident v. Simson hat ein dieser Anregung entsprechendes Schreiben am 16. ds. an den Fürste» Bismarck gerichtet.
Die „Berl. Pol. Nachr." schreiben: A» de» Verhandlungen über die zum Schutze der mittleren und kleineren Gewerbetreibenden gegen die übermäßige Konkurrenz der großen Waarenhäuser, Bazare usw. zu ergreifenden Maßregeln haben neben Männern der Praxis, welche selbst mitten in dem Erwerbsleben stehen, vor allem Vertreter großstädtischer Kommunalverwaltungen Theil genommen. Diese Gemeinden sind an der Sache insofern besonders betheiligt, als jener schwere Mißstand von den in ihnen thätigen mittleren und kleinen Haudeltteibenden am schwersten empfunden wird, und weil die Abhilfe nothwendig auf kommunalem Gebiete zu suchen sei» dürfte, wenn, wie in dem vorliegenden Falle, ein allgemeines staatliches Vorgehen sich nicht angängig erweist. Ueber Gang und Inhalt der Verhandlungen Näheres zu melden, verbietet die dieserhalb zur Pflicht gemachte Amtsverschwiegenheit. Soviel aber dürste sicher sein, daß in den Verhandlungen bedeutsame Aufklärungen thatsächlicher Natur gegeben worden find, durch welche selbst die entschicdcnste» Gegner eines prophylaktischen Vorgehens gegen jene erdrückende Konkurrenz zu ernstem Nachdenken und zu einer Berichtigung ihrer Auffassung veranlaßt werden sollten. So erscheint denn auch die Hoffnung berechtigt, 'daß die von der Verhandlung erwarteten positiven Früchte nicht ausbleiben, vielmehr Mittel und Wege gefunden sein werden, die ctts vorhanden anerkannten Mißstände thunlichst zu beseitigen.
Das „Journal de St. Petersbourg* schreibt: Man mußzugeben, daß die Rede Chamberlains in der europäischW Presse keine gute Aufnahme gefunden hat. Es hätte auch schwerlich anders fein können, da die Sprache dieses Staats- mannes nicht geeignet scheint, die Annäherungen zu erleichtern, die er selbst im Ange hatte. Das Blatt cittrr bann die Sicherungen Chamberlains bezüglich der Allianzen und fährt fort: Alle Blätter heben den Untelschied zwischen bie'er Sprache und derjenigen
in einen dumpfen tiefen Schlaf, aus dem ich durch das wiederholte Nennen meines Namens geweckt wurde. — Er, Mondega, stand neben mir, liebevoll, zärtlich, wie er seil Adrienne's Geburt gewesen, und mtt besorgter Miene mein Erwachen abwartend. Noch halb betäubt, hörte ich seine Worte, fühlte ich feine Liebkosungen. Hatte ich geträumt? War alles, was ich in der Nacht erlebt zu habe» glaubte, nur einen Spuk meiner aufgeregten Nerven? Ich sah forschend in sein Gesicht und entdeckte nichts anderes, als den nichtssagenden, süßlich lächelnden Ausdruck, den es gewöhnlich trug; ich blickte forschend in seine Augen und fühlte mich beruhigt, denn, so dachte ich, er würde nicht so schlecht fein, ohne zu zucke» meinen Blick auszuhalten. Ich glaubte damals doch immer noch an die Menschen, trotz allem, was ich erfahre» hatte. Wohl kehrten Angst und Zweifel, als ich in das Zimmer des Kindes trat, und unwillkürlich suchte mein Blick die Stelle, wo er in der Nacht gestanden und mir solches Beben eingeflößt hatte. Da hörte ich ihn leise auflachen; bann trat er an mich heran, legte den Arm um mich und sagte: „Ich habe Dich wohl erschreckt he«t Nacht, mein Herz? Nun, nimm es mir nicht übel; ich irrte mich in der Thür; — der Champagner war stark und sehr kalt." — „Ich athmete auf. An diese Möglichkeit hatte ich nicht gedacht. Ich schalt mich selbst im Stillen ob meiner thörichen Angst, ob des wachende» Mißtrauens und zerfiel nun in das andere Extrem, gleichsam ihm die irrchtbaren Gedanken abbittenb, die mich in der Nacht bestürmt hatten, indem ich mich ihm entgegenkommender zeigte beim je. — Wenige Tage später wußte er mich zu einem Ausgang zu überreden; ich sei lange nicht in der Lust gewesen, meine Wange» hätten cho» alle Frische verloren, ich möchte es doch ihm zuliebe thun, und was dergleichen überragende Redens
arten mehr waren, die er führte. Er konnte damals wie heute hinreißend liebenswürdig fein, konnte nachhaltig fesseln, wo es ihm darum zu thun war, wie es ihm heute noch gelingt alle Menschen namentlich aber Frauen und Mädchen, für sich zu gewinnen. Ich war ftoh, daß der Zwist, der Unfriede nun ein Ende gefunden hatte, und war berett, feine harmlosen Wünsche zu erfüllen. Ich rüstete mich zu einem Besuch bei einer Verwandten, den ich infolge des Unwohlseins der Kleinen von Tag zu Tag hinauS- geschoben hatte. Eine innere Stimme sagte mir: bleibe zu Hause, aber ich wollte ihn nicht kränken, wollte mich durch meine übertriebene Angst nicht lächerlich machen. So ging ich, nachdem ich dreimal ins Haus zurück- gekehtt war und der alten Petronella immer wieder eingeschärst hatte, für mein Kleinod Sorge zu tragen. Erst als sie mir nun versicherte: „Mit meinem Leben hafte ich für unfern Engel!" beruhigte ich mich und verließ wirklich das Hans. Ich traf di? Verwandte nicht daheim. Als ich deren Wohnung verließ, begegnete ich auf der Straße einer Kinderfrau, die ein Kind trag, das in Adrienne's Atter fein mochte. Sehnsucht nach meinem Kinde erfaßte mich plötzlich; zugleich schnürte mtt ein unerklärlicher Gefühl der Angst die Brust zusammen und der Gedanke: wenn deinem Liebling etwas zustieße in deiner Abwesenheit, so könnrest du nie mehr im Leben ftoh werden! peinigte mich derart, daß ich eilte, mein Heim wieder zu erreichen. Je näher ich demselben kam, desto größer ward meine Angst. Endlich sah ich daS HauS vor mtt liegen, den wohlbekannten Gatten, aber, o, Himmel, was war daS? Menschen standen umher, lebhaft gestikulierend, schwatzend, mit entsetzten, geisterbleichen Gesichtern in die Fenstern starrend, die weit zurückgeschlagen waren. Ich ging nicht mehr, ich durchflog die letzte Sttecke; wie gejagt eilte ich