, 250 »r-ckund»rrlag: Joh. Aug. Koch, llntversttäts-Buchdruckmi in Marburg. llliftTtl*! fä rtrtäMrttt B«-ntw°ttlich für bi« fteboftta: Redatteur M. Hartmau» in Marburg.
et)leB. Exp-dition: Markt 21. - Telephon 55. VVHmUyVVlllU* Redaktion: Markt 21. - Telephon 55.
Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburq «nd Kircküai«.
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Trscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Quartals-Abonnements-Prcis bei der Expedition 2 Mk., bei allen Postämtern 2,25 Mk. (exkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebnhr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg., Reklame»: die Zeile 25 Pfg.
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Dienstag, ^7^ Mai 1898.
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Eine Rede Dr. v. Miguels.
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In dem festlich geschmückten Gürzenich Saale inKöln hatte sich am 14. Mai eine zahlreiche Versammlung von Kästen und Bürgern der Stadt zu einem Festmahl anläßich der Einweihung der Hafen- und Werftaulagen einge- sunden. Unter den Gästen bemerkte man den Staatsminister Dr. v. Miquel, den Minister der öffentlichen Arbeiten Thielen, den Minister des Innern von der Recke und den Handelsminister Brefeld, sowie den Oberpräsidenten der Rheinprovinz Wirk!. Geh. Rath Raffe und zahlreiche Gäste auS den Handelsstädten Belgiens und Hollands. Nach den ersten zwe Käugen erhob sich der Finanzminister Dr. o. M i q u e l and hielt folgende Ansprache: „Mir ist die Ehre zu Theil geworden, bei Beginn des festlichen Mahles Ihre Gedanken zuerst zu unserm Kaiserlichen Herrn hinführen zu dürfen, Allerhöchst welcher in diesem Augenblick mit der Erlauchten Gemahlin, unserer all- verehrten Kaiserin, in den mit der Aufrichtung des Deutschen Reiches unserem alten deutschen Besitzstände, so Gott will, auf immer zurückgegebenen Reichs- landkn weilt. Wir dürfen sicher sein, daß Se. Majestät mit hoher Befriedigung von der Vollendung dieses großen Rheinhafens und de» Eintritt desselben in den friedlichen Wettbewerb mit den zahlreichen Sicherheits. und Handelshäfen am Rheinstrom Kevnt- mß nehmen werde. Wissen wir doch alle, mit welch hohem Interesse und unablässiger Fürsorge unser aller- gnädigster Kaiser jeden Fortschritt auf dem Gebiete des Gewerbesteißes und des Verkehrs begleitet. Nur in dem Gedeihen solcher Werke blühen Kunst und Wissenschaft, liegt der Wohlstand aller Klassen. Der Kaiser ist der Hüter des Friedens, welchen er mit großer Kraft und Weisheit gleich dem grüßen Kaiser Wilhelm aufrecht erhält. Die herrlichen Früchte eines nun rast dreißigjährigen Friedens trete» uns in diesem gesegneten Lande überall entgegen. Den Frieden zu sichern, muß die Nation auf die eigene Kraft sich stützen. Der starken Wehr zu Lande und zu Wasser gilt die erste Sorge unseres Kaisers. Die Bollwerke unserer Selbständigkeit, Unabhängigkeit und Unan- Mstbarkcit muß die Natton selbst aufrichten und die Opfer für die Wahrung ihrer Ehre und ihrer Jn- tereffen, welche der höchste Führer der Nation zur Erfüllung seiner hohen Aufgabe zu fordern genöthigt ist, gern bringen. Sie thut es auch in vollem Ver- , ständniß ihrer Nothwendigkett und gettagcn von der Liebe zum Vaterlande. Die'letzte Tagung des Reichstages hat dafür den vollgiltigen Beweis geliefert. Unter dem mächtigen schützenden Dach des Deutschen Reiches hat das deutsche Volk wunderbare Fortschritte gemacht. Diese Fort- schtttte finden auf allen Gebieten bei unserm Kaiser tiefes Verständniß und unablässige Förderung. , Ueberall sucht er vorhandenen Uebelständen und Mängeln abzuhelfen. Ueberall bemüht er sich, die Schwachen
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Mpor zu heben, den Bedrängten zu helfen und die Wankenden zu stützen, überall die materielle und sittliche Kraft seines Volkes zu erhöhen, überall ermuntert und er-
(Nachdruck verboten.)
Getrennte Sterne.
Roman aus der Gesellschaft von H. Waldemar.
(Fortsetznng.)
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Mondega konnte ttiumphieren. In derselben Winnie schon, da er an jenem Wintertage den Büns- H betrat und Adrienne vorgestellt worden war, in dem Augenblick, da sei» Blick begehrlich die reizende Ge- das liebliche Antlitz der jungen Komtesse streifte, ^»te in seinem rasch arbettende» Kopf der Gedanke, nch hier einzuuisten. Er war sich seiner Macht auf Eidliche Herzen wohl bewußt, und er durfte sich etwas ^rauf einbilden, daß es ihm überall glückte, die jungen *^nt» für sich schwärmen, in sich verliebt zu machen. E« Adrienne, die so unerfahreu, die noch gar so 7°»ig in die Welt gekommen war, mußte er ohne jede Schwierigkeit zum Sieg gelangen.
., Da, als er bereüs glaubte, der Besitz Adrieune's iu ihm sicher, kam Juansta unerwartet zurück; sie stellte
Der Dienst, den er einst dem jungen Grafen Ladt», geleistet, war in der That so geringfügig, daß jedes jeder andere jede Dankesbezeugung als beleidigend eignth imückgewiese» haben würde. Mondega aber wußte laufet durch geschickt hingeworfene Bemerkungen, durch daran geknüpfte Schilderungen ähnlicher Vorkommnisse mtt Wimmem Ausgang die Sache so aufzubauschen, daß ne einer Lebensrettung nicht unähnlich sah und man $ als selbst verständlich nahm, daß Graf Bünau den fetter seines Sohnes zu sich auf das Gut einlud.
Minister, welche unter dem unmittelbare» Eindruck der Kaiserlichen Einwirkung zu stehen das Glück haben, wißen dies am besten. Mit ftohem Muth geht unser Kaiser der Zukunft entgegen. Mit all seinen Gedanken und Bestrebungen steht et inmitten feines Volkes und läßt sich nicht beirren, wenn auch trübe Erscheinungen kommen. Er hat den felsenfesten Glauben an die Größe der Nation und ihre zukünftige Stellung in Europa und in der Welt und erblickt seine Lebensaufgabe darin, die Nation immer größeren Zielen zuzuführen. In seinem Herzen steht dies eingegraben, wie in dem Herze» eines jeden guten Deutschen, die Mahnung, welche in trüber Zeit fein großer Ahne, nach der Verwüstung des dreißigjährigen Krieges mit den Worten ausspiach: Bedenke, d a ß D u ein Deutscher b i st." Bald kommt der Tag heran, wo vor zehn Jahren unser Kaiser den Thron seiner Väter bestieg. Seine Regierung ist erfüllt von rascher Entwickelung auf allen Gebieten menschlichen Denkens, Sttebens und Lebens, von gelösten und ungelösten Fragen, die wie in der ganzen Welt auch unser Volk bewegen. Aber wir dürfen wohl sagen, der Friede hat uns nicht verweichlicht. Mit dem gröberen Wohlstand hat die rastlose Arbeit nicht nachgelassen und unsere sittliche Kraft ist nicht geschwächt. Wir aber wollen unserem kraftvollen Leiter und Führer in guten und bösen Tage» treu weiter folgen und ihm und uns eine noch lange, gesegnete Regierung wünschen. Möge unser Kaiser Freude haben in seinem Hause, Freude zu den Werken des Friedens. Möge er mit Befriedigung auf die Früchte seiner eigenen Mühen und Arbeiten blicken können. Mit diesen ehrfurchtsvollen Wünschen fordere ich Sie, meine geehrten Herren, auf, das Glas zu erheben und mit in den Ruf der Liebe und Treue einzustimmen: Unser allergnädigster Kaiser, König und Herr, er lebe hoch, hoch, hoch!"
Das Hoch wurde mit brausendem Jubel ausgenommen. Der Oberbürgermeister Becker begrüßte in einer launigen, mit großer Heiterkeit aufgenommenen Rede die Gäste, namentlich den Finanzminister von Miquel, welcher zum ersten Male hier erschienen sei, und brachte sodann ein Hoch auf die Gäste aus. Nach einer Weile erhob sich Minister Thielen und toastete auf die Stadt Köln.
Umschau.
Die neueste Ente, welche unter dem Vortritte der „Frankfurter Zeitung" die gegnerische Presse in die Wett gesetzt hat, ist die Behauptung, „daß die R e i ch s r e g i e r u n g bei der Neuregelung der Handelsverträge im Jahre 1903 eine Mehreinnahme von 200 Millionen Mark aus den Zöllen zu erzielen gedenke." Die ganze Mttheilung beruht natürlich auf freier, . eher tatsächlichen Begründung entbehrender Erfindung. Die Reichsregierung ;at wiederholt durch deu Mund des Reichsschatz- ekretärs ihre Ueberzeugung ausgesprochen, daß die bestehende» Reichseinnahmen auch zur Deckung der
sich ihm von Anfang an hindernd in deu Weg und trotzdem er Ursache hatte, anzunehme», sie werde ihn nicht bis zum Aeußerste» reize», gelang es ihr, ihn ihren Wünschen dienstbar zu machen'
War der Tausch ein günstiger für ihn? So fragte er sich seit jener Stunde am Weiher, die über ihr und sein ferneres Schicksal entschieden, zum uugezähltenmal, während er am frühen Morgen nach der Abschiedsvorstellung Lori'S am Fenster seines Zimmers stand und in die regennaßen Bäume hinausschaute.
Kaum war die Sonne aufgegangen. Ihre Sttahlen brachen sich durch das Geäst und Blättergewirr des Parkes Bah»; sie brachen sich in den unzähligen Regenttopfen, die träge auf Blüthe und Blatt ruhten oder wie der Thau an den feinen Grasspitzen hingen; sie spiegelten sich in Ben Fensterscheiben und tauchten die ganze Natur ringsum i» ein Meer von Licht. Höher und höher stieg das Tagesgestirn; jetzt lugte es über die Bäume, und wohin seine Wärme traf, feg sie die klaren Perlen auf; ja, der Kies, auf welchem sich kleine Bäche gebildet, trocknete mtt einer bewunderungswürdigen Schnelligkeit, so daß nach kaum einer halben Stunde die unergründlich scheinenden Wege selbst einem verwöhnten Fuße hätten zum Gange diene» könne».
Ueber dem wunderbare» Schauspiel, das Mondega, der fast die ganze Nacht wachend zugbracht, wohl wie nie zuvor mit Bewußtsein beobachtete, vergaß et die Gedanken, die ihn vorher beschäftigten. Wohl zum erstenmal trat die Gier nach dem Gold in seinem Herzen in den Hintergrund und er sah die Natur, bie*
Mehrkosten der Flotte völlig ausreichen, und sie hat ihrer Ueberzeugung von der mehr als befriedigenden Finanzlage im Reiche in der Thronrede am Schluffe der Reichstagssession unzweideutigen Ausdruck gegeben Demgegenüber konnte mit der sonst bei den Wahlen, namentlich auch von Setten der fteisinnigen Volkspartei und der süddeutschen Demokraten, so stark verwertheten Furcht vor neuen Steuern füglich nicht operirt werden; es wurde daher schleunigst die Behauptung aufgestellt, daß die Regierung die Steuerzahler — und natürlich namentlich die breiten Schichten der Bevölkerung — nach Ablauf der Handelsverttäge um weitere 200 Millionen Mark zu belasten gedenke. Mit dieser Behauptung hoffte man, genau so, wie mit der ebenso erfundenen Behauptung von der angeblichen Bedrohung des Reichswahlrechts, eine corde sensible bei einer Reihe von Wählern berühren und sie so für die oppositionellen Kandidaten einfangen zu können. Aber dieser demokratische Schwindel ist doch gar zu plump, um auch nur die geringste Wirkung ausüben zu können.
Großes Aufsehen erregt eine als hohe Taktlosigkeit zu bezeichnende Rede, welche der englische Kolonialminister Chamberlain am 13. d. M. in Birmingham gehalten hat. Er sagte darin u. A. vornehmlich gegen Rußland:
Wir haben den Vortheil, daß wir nicht in Bündnisse verwickelt sind. Ans diese Weise sind wir manchen Gefahren entgangen, und diese Politik war auch wohl für England die hefte. Allein seit einigen Iahlen haben die Staaten Mitteleuropas Bündnisse geschlossen, und sobald England Gegenstand bei Neides und des Verdachtes wurde, haben manche seiner Jntereffen sich zu einem oder dem anderen Zeitpunkt in Wtderspiuch mit den Jntereffen aller gefunden. England kann sich eines Tages einer so starken Verbündung der Großmächte gegenüber befinden, daß daraus Beunruhigung entstehen kann. Die erste Pflicht eines britischen Staatsmannes ist daher, alle The:le des Reiches eng aneinander zu schließeu. Wir haben nicht ermangelt, diese Pflicht zu ei füllen. Die nächste Pflicht ist, die dauernden Freundschaftsbande mit den Vereinigten Staaten zu erhalten. Irgend ein Krieg wäre ein billiger Preis, wenn er mit einem angelsächsischen Bündniß endigte," Redner wendet sich sodann der o st a s i a t i s w e n Frage zu und führt aus: Wa« Port Arthur und Talienwan angebe, so ihue er vielleicht besser, nichts von Versprechungen zu sagen, wie Rußland, das die seinigen vierzehn Tage später gebrochen habe. Die allgemeine Lage in China sei durchaus nicht befriedigend. Wir haben künftig mit Rußland in China sowohl wie in Afghanistan zu rechnen, mit dem Unterschiede, daß wir keine Armee oder DefkUsivgrenzen in China haben. Es ist unmöglich, mit Rußland zu einer Verständigung zügeln n g e n, da wir nichts zu bieten haben, um es von seinen Plänen abzubringen. Aber, selbst wenn eine Verständigung erreicht worden wäre, wer würde verbürgen, daß sie inuegehalten worden wäre? Großbritannien hätte Rußland den Krieg erklären können, doch könne es ohne einen Verbündeten Rußland nicht ernstlichen Schaden zufügen. Es handelt sich nicht um einen einzelnen chinesischen Hasen, sondern um das Schicksal von ganz China, wo unsere Interessen so unendlich wichtig sind, daß nie eine größere Lebensfrage zur Entscheidung der britischen Regierung und der Nation gestanden hat. Wenn das Schicksal des chinesischen Reiches nicht ohne England entschieden werden soll, dann dürfen wir nicht deu Gedanken eines Bündnisses mit den Mächten zu^ückweisen, deren Jntereffen den uosrigen gleichartig find
Wett nicht nur darauf en, welchen Gewinn sie bringe, sonder» ließ de» Zauber voll und ganz auf sich wirken.
Noch stand er am offenen Fenster, die Augen auf den blutrothen, riesigen Sonnenball gerichtet, als sein scharfes Ohr vorfichttg sich nähernde Schritte vernahm.
Sofort verflüchtigte sich seine weiche, nachdenkliche Stimmung.
„Wer kann zu so früher Stunde im Parke lustwandeln gehen?" fragte er sich, zog seine Uhr zu Rathe, und sah, daß »och zwanzig Minuten auf fünf fehlten.
Da, wieder knirschte der KieS, «nd näher kam der Laut, die Person; in der nächsten Sekunde mußte sie seinem Auge erreichbar werden.
Mondega, dessen dunkle, listige Züge einen forschende» Ausdruck annahmen, trat leise zurück hinter die Gardinen, um nicht gesehen zn werden. Da, fast hätte er einen Schrei der Ueberraschung, des grenzenlosen Staunens ausgestoßen, denn dort unten, sich scheu am Hause haltend, in ihrer Kleidung verrathend, daß sie das Bestreben gehabt haben mußte, sich möglichst unkenntlich zu machen, unkenntlich für jeden sonst, nur nicht für ihn, dessen von Haß geschärfte Augen sie unter tausenden herausgefunden haben würden, durch den frühen Morgen schritt keine andere, als — grausamer Zufall, der gerade ihn zum Zeugen davon werde» ließ keine andere als Ina!
Alles an der jungen Brasilianerin vnrieth Angst
Diese Rede Chamberlains wird von den Blättern in Berlin höchst abfällig besprochen. Die „B. N. N." schreiben: Mr. Chamberlain hat ersichtlich dem Faß de» von Lord Salisbury noch notdürftig im Leim erhaltenen Boden ausstoßen wollen. Wie wett ihm dies gelungen fein wird, dürste eine nahe Zukunft lehren, Rußland wird die Antwort auf diese Provokation nicht schuldig bleiben. Die Rede Chamberlains ist ein flagranter Beweis dafür, welche ernste Schwierigkeiten entstehen können, wenn zwei verschiedene Minister sich gleichzeitig auf dem Gebiet der auswärtigen Politik eines Landes be- thätigen. Die „Nat.-Zig." erblickt in Chamberlains Rede nicht mehr und nicht weniger, als die Bankerotterklärung nicht nur der bisherigen englischen Politik, sondern mehr noch: der gesummten englischen Macht. „Herr Chamberlain gesteht offen zu, daß England in Rußland seine» stärksten Gegner besitzt, daß eS aber Rußland nichts anhaben kann ohne Verbündete, während Rußland in Afghanistan und China den Engländern jederzeit auf den Leib zu rücken vermag. DieS in offiziellster Weise vor der Oeffenilichkeit erklären heißt doch nichts anderes, als daß England dem Belieben Rußlands preisgegeben sei." Die „Voss. Zig." erblickt in der Rede ein Zeichen des Ernstes der Lage und meint: „Die Auslassungen Chamberlains gegen Rußland sind mindestens nicht diplomatisch, und wenn das Zarenreich auch über sie zur Tagesordnung übergehen wird, hat man doch in Petersburg ein sehr gutes Gedächtuiß, und zur Besserung deS gegenseitigen Verhältnisses ttagen solche Reden nicht bei." Aus Paris depeschirt man über die Aufnahme der Rede: Die offiziösen Organe erhielten das Losungswort , Chamberlain als gewohnheitsmäßigen Spektakelmacher zu behandel», welcher zweifellos nach der zu erwartenden energischen Antwort Rußlands einen sogenannten authentischen Kommentar seiner Birminghamer Rede geben werde, daß seine Worte nicht so schlimm gemeint waren. Allzuoft dürfte Chamberlain sein Spiel nicht wiederholen. Rußlands Friedensliebe habe ihre Grenze»; die Loyalität der Zarenpolitik, welche sich in Korea glänzend erwiesen habe, dürfte nicht ohne Abwehr verdächtigt werden.
Deutsches Reich.
Berlin, 15. Mai. Se. Majestät der Kaiser nahm Freitag Nachmittag im Schlosse Urville den Vortrag des Vertreters des Auswärtigen Amts Grafen Wolff-Metternich entgegen. Heute Morgen um 9 Uhr empfing der Kaiser den Chef des CivilkabinetS Dr. v. Lucanns zum Vortrage.
— Kronprinz Wilhelm, welcher wegen eines leichten Unwohlseins einige Tage das Bett hüten mußte, ist jetzt, wie der „Lok.-Anz." meldet, wieder völlig genesen. Die Abreise der Königlichen Prinzen von Plön erfolgt am 18. d. M. Sieben Kadetten, welche an der Einsegnungsfeier theilnehmen werden, fahren gemeinsam mit den Prinzen nach Berlin.
vor Entdeckung, ihre Bewegungen waren unsicher, auch kam sie nur langsam vorwärts.
Pedro Mondega beobachtete jede Einzelheit und boshafte Schadenfreude erfüllte feine Brust. Ein Stachel mehr, den er ihr in's Herz drücken konnte, ein Grund der Demüthigung mehr! Nur das eine dachte er.
Wohin mochte sie zu dieser Stunde gehen? Wollte re fliehen, um sich ihm zu entziehen? Er hätte fast aufgelacht. So thöricht handelte Ina nicht; sie handette bewußt; was sie that, hatte Ziel, Zweck. Wenn sie loh, war ihm ja zu Adrienne Thür und Thor geöffnet. Aber was bewog sie —?
Ob er ihr folgen sollte? Vielleicht erhiett er damit Aufschluß über mancherlei, was ihm räthfelhaft geblieben war.
Soeben verschwand Ina im Walde und zwar in »er Richtung nach dem Waldhaus. Er konnte nicht ehl gehen, wenn er ihr einen Vorsprung ließ und ihr >ann folgte, Schritt für Schritt.
Er lachte in sich hinein und murmelte:
Das Glück oder der Zufall ist dir doch immer hold, Pedro! Wäre gestern Abend die Sitzung im Kronprinzen nicht so schwer gewesen, so läge ich noch in Morpheus' Armen und diese intereflante Entdeckung wäre mir entgangen. ES ist doch immerhin etwas werth, wenn man genau weiß, wie man mtt seiner Zukünftigen daran ist.
(Fortsetzung folgt.)