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öchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

DrückmldLrÄag: Zoh. «ug. Koch, Universitäts-Buchdruckerei tn Marburg, /t/tSltf/fH «rrantwottlich für dir Redaktion: Mat M. Hartmann in Marbnrg.

Expedllion: Marv 81. Telephon 55. Redaktion. Ma» 21. - Telephon 55.

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Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen QuartalS-Abonnements-Preis bei der Expedition 2 Mk., bei allen Postämtern 2,25 Mk. (exkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr: die ge­spaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg., Reklamen: die Zeile 25 Pfg.

ISarßurg

Freitag, 13. Mai 1898.

Anzeigen nchmen entgegen: die Expedition dieses Blattes, die Annoncen-

Bureaux von Haasenstein & Vogler. Frankfurt a. M., Casiel, Magd«- nn c*>

bürg, Wien: Rudolf Masse, Frankfurt a. M., Berlin, München, Köln; OO.

®. L. Daube & Co., Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris x.

Der Krieg der Vereinigten Staaten mit Spanien.

Das bemerkenswerthrste Ereignife aus dem Atlanti­sche» Ozean ist die über London gemeldete Thatsache, daß mehrere Schiffe des spanischen Kapverdeschen Keschwaders nach Cadtx zurückgekehrt find. An der Richtigkeit dieser von spanischer Seite noch nicht be- Aätigte» Nachrichten dürste wohl kaum gezweifelt werden. Durch die Rückkehr des Kapverdeschen Ge­schwaders »ach Cadiz könnte festgestellt sein, daß das­selbe die Kraft nicht in sich fühlte, einen Kampf mit der amerikanischen Flotte aufzuoehmen. Möglicher, aber nicht wahrscheinlicher Weise liegt in Spanien die Abficht vor, die Kapverdische Flotte mit den noch «l den Küsten Spaniens befindlichen Schiffen zu ver­ewigen. Aber auch in diesem Falle möchte es zweifelhaft fein, ob eine alsdann vereinigte etwas größere Flotte jetzt noch in den Stand gesetzt werden könnte, mit nennenswerther Straft auf irgend einem Theile deS Kriegsschauplatzes aufzutreten.

Bor Manila fängt der amerikanische Admiral Dewey an ungeduldig zu werden, er hat sich über die erhoffte Mithilfe der Insurgenten auf den Phllippinen arg getäuscht. Jetzt giebt Dewey dies selbst zu. Dewey kann sich daher nur auf eine Blokade von Manila beschränken, auch kann er nicht das von den spanischen Truppen am 2. Mai ver­laßene Cavite besetzen, weil einerseits die Unterstützung imrch die Insurgenten bis jetzt ausgebliebeu ist, und »eil er andererseits keine Landungstruppen zur Ver­fügung hat, auf beides muß gewartet werden. Da die Besatzung von Manila aus 12 000 Mann, nach anderen Angaben allerdings nur aus 5000 Mann spanischer Truppen und 2000 zuverlässigen Freiwilligen, die ganze Besatzung der Philippinen (Mindanao, Lisayos, Jolo, Paragua,) aus 40 000 Mann spanischer Truppen bestehen soll, von den Aufständischen aber nur etwa 7000 Mann mit Gewehren bewaffnet sein werden, so wird sich die Entscheidung über die Philippinen etwas in die Länge ziehen. Die Vor­bereitungen, dem Admiral Dewey Verstärkungen zu- znfendeir, werden beschleunigt, und es ist zum Kommandeur des Landungskorps der General Merriam «lSerseheu.

Den deutschen Firmen in Manila, welche sich in einer Eingabe an das Auswärtige Amt «st dem Ersuchen um Schutz bei dem zwischen Spanien und den Vereinigten Staaten ausgebrochenen Kriege gewendet hatten, ist dieser Tage eine Miltheilung gemacht worden. Zunächst wurde darin angegeben, baß vom Kreuzergeschwader vier Kriegsschiffe nach Manila beordert sind; zwei derselben dürften sich be­reits dort befinden; weitere zwei werden Mitte nächster Woche daselbst eintreffen. Ferner wurde

(Nachdruck verboten.)

Getrennte Sterne.

Roman aus der Gesellschaft von H. Waldemar.

(Fortsetzung.)

Als Dony sein hell erleuchtetes Zimmer betrat, fiel 4« sofort ein Brief ins Auge, der auf der Platte seines Schreibtisches so untergebracht war, daß er absolut >icht übersehen werden konnte.

6r nahm denselben zur Hand und betradjtet ihn prüfend von allen Seiten. Dann erbrach er das Siegel und schlug die elegante Karte auseinander. Str wenigen Worten in einer steilen, aber charakteristischen Handschrift standen darauf und er ltt wiederholl laut, als ob er sich vergewifferu wollte, M es ihm gelte, was er da vor sich sah, ihm l>d keinem andern:

Juantta d'Ervilha bittet im Jntereffe einer auch nahestehende Person den Herrn Rittmeister Dony

** eine Unterredung. Ort: das WaldhauS, wo sie ch» erwarten wird. Zeit: morgen früh fünf Uhr/

Das war die Einladung zu einem Rendezvous, *ie es sich der verwöhnte Offizier nicht schöner denken «lnte. Aber kein Gedanke an galante Abenteuer 481 ihm; er konnte nur das eine denken: »aS war tkschehen, daß Ina gerade ihn zu sprechen verlangte?'

Jntereffe einer ihm nahestehenden Person! War Edlienne damit gemeint?

Fünf Uhr! Dony zog die Stirne etwas kraus. Mitternacht war vorüber. Einer Stunde fast bedurfte

nm zu Pferd das Waldhaus zu erreichen; um *cht Uhr hatte er Dienst; die Zeit war äußerst knapp "wessen. Trotzdem dachte er nicht daran, Ina ver- Vblich warten z« lassen. Sie verttaute ihm und er ^®8te dies Vertrauen rechtfettigen'

betont, daß man sich den Schutz deutscher Jntereffen daselbst sehr angelegen sein lassen werde. Doch wäre eS nicht ausführbar, jetzt in den Gang der Ereignisse irgendwie edizngreifeu. Das Ende des Krieges müsse abgewartet werden, bann würden für eingetretene Schädigungen die entsprechenden Entschädigungen ver­langt werden. Die Betheiligten sind damit beftiedigt.

Nach einer Meldung des .New Jork Herald' auS Washington wird die Rückkehr deS spanischen Geschwaders nach Cadiz in Regierungs­kreisen als ein Anzeichen dafür angesehen, daß Spanien eulschlossen sei, den Krieg in die Länge zu ziehen. Daher müsse ein rascher, kräftiger Schlag gegen Cuba geführt werden, damit Spanien veranlaßt würde, Friedens anerbietungen zu machen. In einem Telegramm derTribüne' aus Washington heißt eS: Wenn die Rückkehr deS spanischen Geschwaders von den Cap Verdeschen Inseln nach Cadiz un­bezweifelbar bestäligt werde, so würde dies die amerikanischen Operationen gegen Cuba erleichtern. ES scheinen Vorkehrungen getroffen zu fein, die Flotte des Admirals Sampson nach Key-West zurückk'hren zu lassen, kamst dieselbe mit der für die Operationen auf Cuba bestimmten amerikanischen Armee gemeinsam vorgehe. Als feststehend wird gemeldet, San Juan aus Portottco werde nicht beschossen und Pottorico überhaupt nicht eher angegriffen werden, als bis der Feldzug auf Cuba beendet sei. Die Kriegs­verwaltung ordnete an, alle für Cuba bestimmten militärischen Stteitkräste nach Tampa, Mobile und New-Orleans zu birigiren. Im Weißen Hause wirb Präsident Mac Kinley nun von Leuten belagert, bie gegen einen Einfall auf Cuba in bet jetzigen Zeit Widerspruch erheben. Es wirb erklätt, ein solcher Schritt müsse den Fiebertob einer Menge von Mannschaften zur Folge haben; bie Entsendung von nichtakklimatisitteu Soldaten wäre eine strafwürdige Narrheit.

In Spanien macht im Innern die Getteide-Ver- sorgungSftage schwere Beunruhigung. Die Regierung sucht thuulichst im Ausland Ankäufe zu effektuireu. In Logrono wurden mehrere Magazine für Getreide und Lebensrnittel geplündert. Unter den Ruhestörern befanden sich viele Frauen mit Säcken und Beilen. Die Angriffe der Kavallerie wurden zurückgewieseu. Der Getreidespeicher bei Madrid ist vergangene Nacht niedergebrannt. Uebetdies kommt eine Hiobspost für die Spanier aus Gibraltar. Dort traf ein englischer Dampfer ein und berichtete bei Marine­behörde, er habe in bet Nacht zum 11. Mai einen spanischen TorpebobootSzei störet pasfitt, eines bet zur Bewachung von Algiciras und der Meerenge bestimmten Schiffe. Bald nach dem Paffsten desselben sah man vom englischen Dampfer auS bie Lichter an Bord des spanischen Schiffes plötzlich erlöschen und nun folgte eine schreckliche

Explosion. Das Schiff verschwand vollständig. Es wird geglaubt, daß eine Keffelexplosion stattfand, und befürchtet, daß alle an Bord befindlichen Per­sonen umgekommeu sind. Bor der Hand freilich fehlt für die Wahrheit dieser Nachricht jede Bestätigung.

Umschau.

Zu der Legende von derMauserung der Sozialdemokratie' schreibt dieConser- vative Cotrespoudenz':Herr Singer äußerte in einer sozialdemokratischen Versammlung zu Berlin am Donnerstag u. A. Folgendes:In den Reihen unserer Gegner spricht man so oft davon, daß bie Sozialbemokratie aufgehört habe, eine revolutionäre Pattei zu fein, baß sie gewisse Reformen austrebe, über bie sich reden lasse. Wenn wir uns auch zu­weilen bet einen ober anderen Partei zur Erreichung unserer Ziele bediene», unsere prinzipnLen Gegensätze bleiben tn voller Schärfe bestehen. Die Sozial­demokratie unterscheidet sich von allen anderen Parteien dadurch, daß sie die bürgerliche Gesellschaft als solche bekämpft. Was wir in ihr erreiche», bettachten wir nur als eine Abschlagszahlung, als eine Wegzehrung auf unserem Vormärsche zur Beseitigung b er bestehenden Gesellschaft selbst'. Die freisinnige Presse wirb sich durch bieseS freimüthige Gestänbniß, das Herr Singer nut wagen darf, weil die fteiftnnigenBourgeois' theils viel zu schlapp, theils viel zu verbohrt find, um auf bie sozialbemo- kraiischen Zumuihuugen bie richtige Antwort zu geben, nicht geschmeichelt fühlen. Die Sozialbemokratie ''bedient' fich zuweilen der einen ober bet anberen Partei insbesondere bei Freisinnigen und diese Parteien geben sichmir Vergnügen" dazu her. Das ist ein Maß vonEntsagung', wie es uns einfach 'unverständlich ist". In Frankreich find, was hier auch bemerft sei, bie beiden parlamentarischen Führet der Sozialdemokraten diesmal bei den Wahlen nicht wiedergewählt. Während die meisten Führer der Republikaner glänzende Siege errungen haben, verliert die sozialdemokratische Partei ihre beiden hervorragendsten Leitet.Es ist, so sagt derTemps", eine geköpfte Partei. Gewiß, man kann sagen, daß e8 für ein Parlament gut ist, daß dort jede Meinung in Gestalt ihrer ausge­zeichnetsten Vertreter anwesend sei. Aber der Haupt­stoß des Kampfes richtet sich gerade gegen diese in erster Reihe Stehenden, und der Widerhall, den die Kunde von ihrem Sturze erweckt, bedeutet eine Art Lösegeld, das ihr Ruf mit Recht bezahlt. Die moralische Wirkung dieser doppellen sozialdemokrati­schen Niederlage wird bettächtlich fein'.

DieAgenzia Stefani' veröffentlicht em Rund­schreiben des italienischen Minister-

®einem Burschen klingelnd, fragte er, nachdem jener eingetreten war:'

Der hat den Brief gebracht?'

Der Dienet vom Grafen Büna», Herr Rütmeister.

Wann?'

Gegen acht Uhr.'

Wartete er auf Antwort?"

Nein, Herr Rittmeifiet.'

ES ist gut. Biet Uhr wecke», Frühstück bereit halten.'

Zu Befehl. Wünscht der Herr Rittmeister, daß der Rappen oder die Besfie, gesatteü wird?

Der Rappen! Die Besfie, zum Dienst um acht Uhr, bringen Sie mir an bee Saum des Waldes, wo bas Bahnwärterhaus steht.' *

Zu Befehl, Herr Rittmeister!'

Sie können zu Bett gehen.'

Der Bursche machte kehtt uub verließ das Zimmer.

Dony aber sank in einen Sessel unb grübelte übet bie Ursache biefer merkwürdigen Aufforderung nach. Was wollte sie von ihm? Warum, fragte er sich immer wieder, warum rief sie ihn zu sich ? Warum hatte sie gerade ihn dazu ausersehen? Um seine Qualen noch zu vermehren, zu verschärfe»?

O, Jua, Ina,' stöynte et unb ein Höllenbrand wühlte in seinem todeswunden Herzen,wie kannst Du mir bas anthuu? Weißt Du benn nicht, baß eS kein anbctes Weib für mich auf Erben giebt, daß ich nie eine andre lieben kann, als nur Dich, nur Dich allein, bie Du von mir getrennt bist, getrennt, wie die Sterne bes Himmels?'

* *

*

Der Tag, bet Dony zum Zeugen jener verhöngnife- volle» Szene am Weiher zwischen Jua und Mondega werde» ließ, sollte auch für zwei'andere junge Menschen­kinder bedeutsam werden.

Pastor Wetueck befand sich in dem kleinen Gärtchen vor feinen! Hanse unb banb Rosen auf, als Georg von Bünau den Waldpfad entlang sprengte.

Ein Schleier legte fich vor des alten Herrn Augen und ein Seufzer stahl sich über seine Lippen, zugleich betete er lautlos:

Mein Gott, stehe mir bei!'

Siegesfteudig, ein Lächeln auf den Lippen, das ganze, lebensfrohe Antlitz i» votahnender Wonne und Seligkeit getaucht, die kräftige Gestatt hochaufgerichtet, die breite Brust geschwellt von Glück und Liebe, so stand Georg vor dem Baier bet Geliebten. Seine eigne, ftohe Stimmung, bie Erwartung, bie aus seinen guten Augen strahlte, ließe» ihn die Erregung nicht erkennen, die sich Werneck'S bemächtigt hatte; et sah nicht, wie des alten Herrn Hände zstterte», als et, sein begonnenes Werk vollendend, nach der ersten, herzlichen Begiüßimg sagte:

Verzeihen Sie einen Augenblik, Herr Graf; das Stämmchen hat allein keine» Hast mehr; ich muß ihm eine Stütze gebe», sonst wird eS zum Spielball des Windes.'

Georg, der in diesem Augenblick geneigt wat, alles und jedes in Vergleich mit dem jungen Stämmchen zu bttnge», was ihn so selig «achte, ihn so ganz erfüllte, etwiedette lächelnd:

Beeilen Sie fich nicht, Vater Werneck; auch ich möchte nachher einem biegsamen, »och jungen Stämmchen mit Ihrer Hilfe eine Stütze verleihen. Glauben Sie, daß es mir gelingen wird?'

Wenn es wirklich von Nutze» für das Stämmchen ist, Herr Graf, kann das Gelingen nicht fehlen. Dieser Nutzen ist oftmals aber sehr schwer zu er­kennen, und waS wir Menschen für ersprießlich halte», ist recht »ft gerade das Gegentheil.'

präfidente» bi Rudini an die Königliche Kommifion in Mailand unb Neapel sowie an bie Korps­kommandeure, Präfekten unb Unterpräfekten. Das Schreiben betont, wenn die Bewegung fich auch aus­dehne, so nehme sie doch an Intensität ab. Die kraftvolle Unterdrückung und die beständige Ruhe in Rom und in ganzen Bezirken, wie Piemont, ©teilten unb Sarbinien seien Thaisachen von großer Wichtig­keit, bnrch welche bie schlechten Elemente eutmuthigt, biejenige» aber, welche bie Aufrechterhaltung ober Integrität des Vaterlandes wollte», mit neuem Muth erfüllt wurden. Oberste Pflicht sei, auftührerifche Handlungen sofort mit Energie und unbeugsamer Strenge zu unterdrücken und dabei übertttebeue Aengstlichkeit und das fortwährende Derlangen »ach Verstärkung der Truppen, als ob das ganze Land auf Kriegsfuß gestellt werden sollte, zu vermeiden. Wenn auch die unsinnige Bewegung eine Verirrung der ohne Ursache, ohne Zweck aufgeregten Massen sei, fo bestehe doch keine Gefahr für die Jnstitutationeu des Landes. Gefährlich fei nur ein Mangel an Zu­trauen zu sich selbst. Alle Behörden müßten bestrebt fein, den ehrenhaften Elementen wieder volles Ver- trauen einzuflößen. Das Bewußtsein,- eine hohe Pflicht zu erfüllen, und das Vertrauen der Regierung zu allen 'Civil- unb Militärbeamten könnten unb müßten bie Kräfte verhundertfachen uub es ermög­lichen, bie Ruhe uöthigeufalls auch mit einer ge­ringeren Anzahl von Leuten wieber herzustellen.

DieNowofti" schließen sich, wie ans Petersburg gemeldet wird, einer Anregung Englands an, welche dahin geht, Europa möge fich von Amerika hinsichtlich der Getreidever­sorgung emanzipireu, und es mögen in Europa staatliche Getteidevorräthe gebildet werden. DaS Blatt verweist auf die großen Verluste, welche Europa durch Unterlassung einer solchen Maßregel erleidet, und schließt, es bedürfte dieser Opfer nicht, wenn die europäischen Regierungen die Landwitthschaft mehr beachtet und sich nicht auf den Import aus Amerika verlassen hätten. Es wäre nützlich gewesen, Getieide- vorräihe zu sammel», um sie in den Zeiten der Roth zu normalen Preisen zu verkaufen und bie Spekulation zu zügeln. Die Regierungen würden über lang ober kurz auf diese Idee komme», um ihre Länder vor Krisen und Ausständen in Folge von Hungesnoth zu bewahren, welche eine fürchterliche Anomalie int Leben des aufgeklärten Europa bildeten.

Deutsches Reich.

Berlin, 11. Mai. Se. Majestät der Kaiser hörte, wie aus Schloß U r v i l l e gemeldet wird, gestern Nachmsttag die Vorträge des Vertreters des Auswärtigen Amts, Gesandten Grafen Wolf-Mettemich

Der ernste Ton Pastor Werneck's entging Georg nicht.

Er schaute allerdings etwas betroffen zu ihm hiniwer, W aber das ehrwürdige Antlitz keinerlei Veränderung, nur vielleicht einen noch ernsteren Aus­druck trug, als sonst, beruhigte er fich uub nahm bie Worte nur als eine etwas schwere Auffassung bet Sache hin, wie es ja wohl m des alten Herr» Beruf lag.

Ich glaube nicht, baß ich mich bei meinem Bäumchen irre, Herr Pastor. Es mag vielleicht' hier lächelte der Graf m der Erinnerung an fo manche Stunde, die er hier im Göttchen oder bort hn Hause verlebt,fich auflehnen gegen de» sanften Zwang, ber ihm von außen, noch mehr von innen her wirb, aber die üeberjeugnng steht fest bei mir, daß es fich fügen wirb und freubig fügt. O, es kann ja nur gut, nicht anberS als gut werben, benn mein ganzes fieben will ich bem Bäumchen weihen. Es soll fich an mir emporranken, an meiner Brust allzeit eine Stütze, einen nimmer wankenden Hali finden. Vater Werneck," fuhr Georg leuchtenden Blickes fort, während fich feine breite Brust unter tiefem Athemzuge hob, Vater Werneck, ich sehe Ihnen an, daß Sie mich verstanden haben. Ihr Gleichuiß liefe mich mein Gefühl nicht fo lange eindämmen, bis wir drinnen in bet Stube fitzen unb ich feierlich meine Rede halten konnte. Lassen Sie mich feier, angesichts der herrlich erstehenden Natur Gottes, beleuchtet von feiner Sonne, Sie denn bitten: Geben Sie mir das Bäumchen, wo­nach ich verlange, geben Sie mir Dora als mein herzinniges geliebtes Weib!'

(Fortsetzung folgt.)