Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhai«.
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Erstes Blatt.
Der konservative Wahlaufruf
findet selbstverständlich bei den Gegnern unserer Partei wenig Gnade. Es wäre schlimm, wenn es anders »irt. Wir haben denn auch nichts anderes erwartet, <18 daß die gegnerische Presse mit aller Spitzfindig- kest sich über unser Wahlmanifest hermachen und eine vernichtende Kritik daran üben würde. Allein wir stad vielfach enttäuscht worden. In allgemeinen Redewendungen und hämischen Aeußemngen sucht man den Eindruck zu erwecken, als sei der konservative Wahlaufruf etwas ganz thörichtes oder etwas ganz schlaues — je nachdem die betreffende Zeitung gerade gelaunt ist.
Erkennen die meisten Zeitungen die Kürze unseres Aufrufs als Vorzug bereitwillig an, so sprechen sie gleich darauf ihr Befremden darüber aus, daß der Aufruf zu allgemein gehalten sei «nd zu verschiedenen. Fragen keine Stellung nehme. So »ändert sich ein natürlich gegnerisches Blatt darüber, daß in dem Manifest nichts über unsere Stellung zu» Wahlrecht und zur Freizügigkeit gesagt sei. — Wozu beim? Darüber liegen bündige Erklärungen vor, und wem diese nicht genügen, der ist überhaupt nicht zu beftiedigen. Wir sind sogar der Ansicht, daß dasselbe Blatt, welches hier auf den »Mangel* aufmerksam gemacht hat, wofern auf die erwähnten Fragen eingegangen worden wäre, sofort ansgerufen hätte: „Daß es die Konservativen für nSthig halten, nochmals ihr Festhalten am Reichstags- Wahlrecht und an der Freizügigkeit feierlich zu betonen, läßt tief blicken!*
Ein anderes, der konservativen Partei intim feindliches Blatt behauptet, unser Wahlauftuf sei »zweideutig*. In der übrigen Presse, die allo doch wohl „leichter von Begriffen* sein muß, als jenes linksliberale Organ, wird das Gegentheil gesagt; allein auch das erwähnte Berliner Blatt kommt schließlich zu der Einsicht, daß wenigstens der Punkt über die Handelsverträge „schlechterdings* keinesfalls zweideutig sei. Solche Krüike« lesen sich sehr unterhaltend und zeigen immer wieder auf's neue, welche Summe von Besserwiffen in unseren Zeitungen aufgespeichert ist.
Nicht allein unsere Gegner aber wollen wir durch diesen Hinweis kennzeichnen, sonbetn weit mehr noch paßt derselbe auf die sogenannten „guten Freunde*, die sich entweder in der Maske der »Unparteiischen" über alle Parteien stellen, oder aber als „bis auf die Knochen* Konservative sich eine gewiffe Unfehlbarkeit in der Beurthetlung unserer Parteien beilegen. Für uns haben solche „Ein- späuner*-Urtheile nicht die geringste Bedeutung — weder pro noch contra —. Wir erinnern nur daran, d«ß der grausigste und unfehlbarste Kritiker unserer Partei, der allein zu wiffen vorgab, waS „wahrer* Konservatismus sei, vou Gerlach hieß und jetzt der sozialdemokratenbegeistertste Führer der sogenannten Pationalsozialen ist.
Das amtliche „Dresdener Journal* begleitet «esereu Wahlauftuf mit folgenden bedeutsamen Korten: „Dieser Wahlauftuf enffpricht deu besten tieberlieferungen der deutsch-konservativen Partei und ergiebt zugleich einen neuen Beleg für die Einigkeit Hb Geschlossenheit beifelben. Er betont zunächst fa monarchischen und christlichen Charakter der Partei, giebt sodann namentlich dem Wunsch nach einer stärkere» Förderung der Landwirthschast Aus- kxd, und hebt hervor, daß nur unter dem Zusammenwirken aller wirthschaftlichen Faktoren die nationale Arbeit und die einzelnen Erwerbsgruppe» wirksam geschützt werden können. Bei alledem wird
Partei mit voller Selbständigkeit Vorgehen, WaS beispielsweise allen denjenigen Leuten gesagt fei, welche die konservative Partei als abhängig vom „Bunde der Landwirthe* darzustellen suche». Die konservative Partei ist in erster Reihe eine politische, in zweiter kommt ihr Anschluß an wiithschaftliche Bereinigungen. Daran festhaltend, würdigt sie, wie
Wahlauftuf lehrt, vollkommen den Werth des Zusammenschlusses der produktive» Stände, des Zusammengehens von Gewerbethäiigkeit und Land- wirthschaft.
Umschau.
Während der Huldigung der Metzer- Bürgerschaft am 9. Mai Abends empfing der Kaiser eine Abordnung der Stadt, deren Führer,
Bürgermeister Frhr. v. Kramer, dem Kaiser nochmals den tiefsten Dank aussprach, dem alten Metz die Quelle zu neuer Blüthe und gedeihlicher Entfaltung erschlossen zu haben. Daß dieser Tag kommen konnte, verdanke das alte ehrwürdige Metz der dauernden Wiedervereinigung mit dem großen geeinten Vaterlande und dem hochherzigen Sinne des Kaisers, deffen Herz so warm schlage für das Wohlergehen des Volkes. Dafür aber wurzele die Liebe zum Kaiser auch tief im Herzen des Volkes, in welchem die alte deutsche Treue zu dem von Golt gesetzten Herrscher uud seinem hohen Hause lebe und fortleben werde. Der Kaiser dankte dem Bürgermeister, dem er den Kronen Orden 2. Klasse verlieh, auf's herzlichste und sprach seine große Freude über die schönen Kundgebungen der Bürgerschaft von Metz aus; besonders habe es ihn erfreut, daß auch so viele Alteinheimische sich den Huldigungen angeschlossen hätten. Er werde jederzeit sein ganz besonders Interesse der Stadt Metz erhalten. Der Kaiser empfing dann noch den Vorsitzenden der Metzer Kriegervereine, Regierungskanzleisekretär Tiebel, und sprach ihm seinen Dank und seine Anerkennung aus. Tiebel wurde auch der Kaiserin vorgestellt. Bürgermeister Frhr. v. Kramer bringt durch öffentlichen Anschlag den Dank des Kaisers für die ihm dargebrachten Huldigungen zur Kenntniß der Bürgerschaft.
Wir haben kürzlich mehrere Aufsätze gebracht, die sich mit der Aufmerksamkeit Frankreichs auf die alldeutsche Bewegung beschäftigten; jetzt folgt die nordamerikanische Presse der französischen nach, und die „New-Iork Times* bringt einen längeren Artikel, der sich mit der schon 1895, aber durchaus unabhängig vom Alldeutschen Verbände, erschienenen Flugschrift „Germania trium- phans“, sowie mit den beiden Verbandsschriften „Die alldeutsche Bewegung und die Niederlande* und „Deutsche Weltpolitik* recht eingehend befaßt. Freilich ohne ein Verständniß dafür zu haben, daß die alldeutschen Bestrebungen keineswegs auf eine gewaltsame Angliederung der benachbarten Länder deutscher Art hiuarbeiten. Die Ang st vor dem angestrebten wirthschaftlichen Zusammenschluß der mitteleuropäischen Länder macht die Herren in New-Aork eben blind und läßt sie zum Beweis dafür, wie ernst die alldeutsche Bewegung zu nehmen sei, sogar den Geist des seligen H. A. Daniel heraufbeschwören, der in seinem geographischen Lehrbuche verkündet, Deutschland erstrecke sich von der Nord- und Ostsee bis zu den Alpen und umschließe das westliche Oesterreich, Belgien, Holland, die Schweiz und Luxemburg, die sämmtlich von Deutschen bewohnt seien, dem Deutschen Reiche im Mittelalter zugehört hätten und von diesem nur losgerissen worden seien. Die „New-Iork Times* tröstet sich dann nach Art der Kinder, die, wenn sie sich im Dunkeln fürchten, zur eigenen Beruhigung ein lustiges Lied anstimmen, damit, daß die genannte» Länder gar keine Lust zum Anschluß au das Deutsche Reich hätten, selbst wenn Frankreich, Rußland und England einen solchen erlauben würden. Aber dieser Trost hält nicht lange vor, denn unmittelbar darauf meldet der Artikel ganz betrübt, die alldeutsche Bewegung habe einen mächtigen Anhang unter den Vlamen in Belgien, und die zahlreiche» Deutschen in Antwerpen hätten schon sehr viel für das „größere Deutschland" geleistet. Am meiste» Sorge aber macht der „New- Iork Times* das Anwachsen der deutschen Handelsflotte, die ganz auf deutschen Wersten gebaut sei, nur deutsche Kohle verbrauche und in weniger als zehn Jahren um 108 Prozent gewachsen sei. Bor 20 Jahren (1876) hätten nur 327 deutsche Schiffe den Antwerpener Hafen angelaufen, dagegen 342 französische; im Jahre 1897 sei die Zahl der letzteren auf 111 zurückgegangen, die der deutschen aber auf 795 gestiegen. Unter diesen Umständen sei es eigentlich nicht erstaunlich, daß die Deutschen einem Tage entgegensähen, an dem sie alle europäischen Märste ausschließlich beherrschten, und diese Märkte würden dann ein Gebiet von über 1300 000 Quadratkilometer mit einer Bevölkerung von 108 000000 Menschen umschließen. „Ist das Deutschland Wilhelms II. stark genug, ein solches Riesenwerk auszuführen?* so fragt zum Schlüsse des Artikels die „New-Iork Times*, wahrscheinlich wieder um sich und ihre Leser zu tröften. Nun, wir denken, die Zeit wird ihr uud allen anderen neu- gierigen Fragestellern schon die richtige Antwort geben; inzwischen aber wollen wir eifrig weiter ar beiten, dafür zu sorgen, daß diese Antwort von der
Befähigung Deutschlands zu einer solchen Politik feinen Zweifel mehr aufkommen läßt.
Zu der Kandidatur Böcke! habe» wir in vorgestriger Nummer gesagt:
„Bocket gehörte bekanntlich früher der Ahlwardt'schen antisemttischen Pattei an, trat aber vor drei Jahren au« derselben aus und wurde Sekretär bei dem „Bunde der Landwirthe". Jetzt wird er von Direktor Rösicke geschickt, um unseien Wahlkreis fflr den »Bund der Landwirthe* zu „ritten" *
Herr Dr. Böcke! ersucht uns nu» um Aufnahme nachstehender Berichtigung auf Grund des Preßgesetzes: „Im Leitartikel der Nr. 108 wird behauptet, ich sei von Lr. Rösicke, dem Direktor des Bundes der Landwirthe geschickt worden, um de» Wahlkreis Marburg für den Bund zu retten*. Dies ist irrig. Ich bin von Niemanden geschickt worden, sondern habe auf Wunsch zahlreicher früherer Wähler und Freunde mich entschlossen, als „unabhängiger* Kandidat wieder aufzutreten. — Auch bin ich nicht wie Sie schreiben „Sekretär des Bundes der Landwirthe* sondern Bersicherungsbeamter. Marburg, 10. Mai. Ergebens! Dr. Böckel." Auf Grund des Preßgesetzes waren wir natürlich laut Schluß des 8 11 nicht genöthigt, auch die Reclame, die Dr. Böckel gelegentlich in diese Berichtigung für sich mit den „zahlreichen ftühere» Wählern ... als unabhängiger Kandidat vieler* u. s. f. mit eingefügt hat, aufzunehmen, die Berichtigung enffpricht also dem § 11 des Preßgesetzes nicht. Wir drucken sie aber ab, weil wir nach der Wahl sehen werden, wieviel Dr. Böckels „Zahlreiche und Viele* eigentlich sind. Unserer Ansicht nach werden's herzlich wenig sein, warum, darüber habe» wir uns längst ausgesprochen.
In Italien geht cs immer noch vielfach recht unruhig zu. In Neapel kam eS am 9. Mai Abends in verschiedenen Stadttheilen zu neuen Unruhen, die Lichtträger der elektrischen Beleuchtung wurden umgestürzt, Steine geschleudert und auch einige Pistolenschüsse abgegeben, durch welche drei Soldaten uud ein Polizeibeamter verletzt wurden. Die Truppen mußten Feuer geben und verwundeten 3 der Ruhestörer, darunter 2 schwer. Mehrere Verhaftungen wurden vorgenommen. Andere Ansammlungen wmden auf dem Platze an dem Bahnhofe und in der Straße Borgo di Loreto zerstreut, wo die Ruhestörer eine Barrikade zu bauen versuchten und ein Schilderhaus in Brand steckten. Auch in einigen kleinen Gemeinden der Provinz, so in Marano und in Boscottecase kamen Unruhen vor. Infolge der meuterischen Vorgänge ist über die Provinz Neapel der Belagerungszustand verhängt worden. Der Kommandeur der Division Neapel, General Malachia ist zum außerordentlichen Königlichen Kommissar mit Vollmachten zur Wiederherstellung der Ordnung ernannt worden. Nach Meldung auS Lugano sind am 9. Mai die Arbeiter der Fabttkfirma Hyeffy in Creva bei Luino in den Ausstand getreten. Mehrere Tausende wollten nach Mailand, stießen aber m Luino aus Widerstand. Nachmittags kamen mehrere Wagen mit Fremden an, welche ans Luino flüchteten, unter denen sich auch der Herzog von Meiningeu befand. Später versuchten in Luino Manifestanten in die Carabinier- Kaserne und in die Gefängnisse einzudringen. Die Polizei feierte, wobei Mehrere getödtet oder verwundet wmden. In Messina verlangte eine Volksmenge, darunter Frauen und Kinder, in der Mairie Unterstützung und zertrümmerte Laterne» und Fenster. Das Militär nahm mehrere Verhaftungen vor. — Der „Frkf. Ztg.* wird uuterm 10. Mai aus Trieut telegraphirt: Heute früh find hier Nachrichten aus Mailand eingettoffeu, wo eine Revolution ausgebrochen ist. Die Arbeiterbevöikerung kämpft seit drei Tagen ohne Waffen, ohne Führer, mit Steinen wider die klein- kaliberigen Gewehre, liebet die Hartnäckigkeit des Kampfes werde» graufige Dinge erzählt. Die Truppe» wurden vielfach mit großen Verlusten zurückgeschlagen. Der Kampf endigt erst auf den Dächern und entsteht von Neuem in einem Stadttheil, wenn er in einem ander» zu Ende ist. Die Verluste des Volkes sollen furchtbar sein. Am Samstag gab es ta. 150 Todte und mehrere hundert Verwundete. Die Verwundungen find zumeist schwer infolge der entsetzlichen Wirkung der neuen Geschosse. Am Sonntag waren die Opfer noch zahlreicher. Gestern fand ein blutiger Kampf statt auf der ganzen Südostseite der Stadt, »ährend dessen von draußen einbringenbe Studenten »nb Landleute bis zur Colonue Verziere weit im Innern der
; Stadt vordrangen. Viele hatten Gewehre. Das Gefecht begann um 11 Uhr Vormittags; um 3Vs Uhr ergaben sich die letzten Auftührer.
Vom sp a ni s ch - am er ikan ischen Kriege liegen spärliche Nachrichten vor. Aus Key-West wird über New - Dorf gemeldet, baß bte b e t b e n amerikanischen ^Kanonenboote, welche sich beschäbigt nach Key-West zurückzogen, nur wie durch ein Wunder der Vernichtung durch die Batterien von Havanna entgangen sind. Die spanische Korvette verfolgend, gelangten sie in die Schußweite der Batterien, letztere schossen sofort, und die Kanonenboote mußten sich schleunigst mit Havarien zurückziehe». Das amerikanische Torpedoboot „Winslow" gerieth am Sonntag bet Cardenas mit drei spanischen Kanonenbooten ins Gefecht. Von Tampa ging gestern ein von der Vereinigten Staaten-Regierung gecharterter Dampfer „Gussie* nach Kuba mit Waffen, Munition und LebenSmiteln für die Insurgenten in See. Etwa 100 Soldaten find mit an Bord gegangen, um die Landung der Bor- räthe zu sichern und eventuell soweit in das Innere Kubas vorzudringe», baß dieselben in bie Hände bet Insurgenten gelangen. Nach aus Manila nach Hongkong gelangten Meldungen hat Admiral Dewey die Ueberzeugung gewonnen, daß die Rebellen in Manila auch für ihn gefährlich werden und daß unter Umständen weder er, noch die Spanier ihrer Herr bleiben könnten. Die Engländer in Manila haben dem Admiral Dewey in einer Denkschrift ihre kritische Lage dargelegt; die ganze Stadt leide Hunger. Die englischen Schiffe „Jmmoitalütz" nnd „Sinnet", der französische Kreuzer „Bruix", sowie ein japanisches Kriegsschiff liegen vor Manila. Der Kommandant unseres kleinen deutschen Dampfers „Geier" gedachte gestern den Hafen von Sau Juan de Portorico zu verlassen, da ihm daS Zeigen der deutschen Flagge vorerst in Santiago t> e Cuba wünschenswerth erscheint. Die 160 Mann starke Besatzung des Kreuzers hatte während der letzten Monate einen fortgesetzt recht ansttengen- den Dienst» da das Schiff ununterbrochen zur Erledigung diplomatischer Angelegenheiten herangezogen werden mußte. Wenn wir nunmehr auch nur eine« kleinen Kreuzer in den westindischen Gewässern stationirt haben, so darf doch angenommen werden, daß die Interessen des Reichs durch daS Schiff bestens wahrgenommen werden, wofür besonders die Person des Kommandanten Korvettenkapitän Jacobsen bürgt, da dieser einer der fähigsten jüngeren Stabsoffiziere unserer Flotte ist und bis zum Dezember v. I. beim Stabe des Oberkommandos der Marine kommandirt war.
Aus Tsingtau, Kiautschou, wird bei „Nat.- Ztg.* unterm 29. März geschriebeu: „Heute Nacht würbe bie Garnison alaimirt, um nach einer Rotte von Chinesen zu fahnben, welche währenb der Nacht daS hiesige Pulverdepot in die Luft z u sprengen suchte. Im Laufe des geftrigtn Tages war eine Anzahl chinesischer Soldaten uud verdächffges Gesindel in einer Dschunke hier eingetroffen und hatten sich tagesüber verborgen. Der Wachtposten beim Pulverdepot, das außerhalb TstngtauS -wischen den von Kompagnie» des Marine-Infanterie« bataillons belegten Sttandfort und Höhenfort liegt, überraschte sie während der Nacht, als sie schon im Begriffe waren, mit Pulver gefüllte Bomben an daS Pulverdepot zu legen. Zwei Gewehrschüsse alarmirte» die Wache und es gelang dieser, fünf von de» Uebelthätern gefangen zu nehme». Da die Möglichkett vorlag, daß die Leute im Ein- vernehmen mit einem größeren chinesischer Truppen- thetl handelten, so rückten am frühen Morgen alle Kompagnien des Marine-Jvfanterie-Bataillons, die Feldbatterie und die Fußartillerie aus; die letztere besetzte alle Brücken, Wege, Sttaßen und Straßen- übergänge von Tsingtau, während die übrigen Truppe» bie ganze Umgegenb durchsuchten, ohne indessen auf chinesische Truppen zu stoßen. Die chinesische Be- völkeraug durfte ihre Häuser nicht verlassen uud während des Vormittags wmden die letzteren von Polizeipatrouillen durchsucht, wobei aber nur einige chinesische Waffen gefunden wurden. Leider ereignete sich beim Scharfladen der Gewehre ein bedauerns- werther Unglücksfall. Ein Rekrut des Marine-Jn- fanterie-Bataillons liefe unvorsichtigerweise sein Gewehr losgehen und der Schuß drang seinem Vordermann in das Hinterhaupt, so daß er sofort tobt zusammenstürzte. Der Unglückliche heißt Paul Erd» mann Schulz, auS S ch e rm e is e l, und biente früher bei bet 6. Kompagnie bes Infanterie-Regiments