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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für -ie Kreise Marburg und Kirchhain.
»t®f nnbSetfaa: Joh. Aug. Koch, NniversitätS-Buchdruckerei in Marburg, Verantwortlich für die Redaktion: Redakteur M. Hartmann in Marburg.
Expedition: Markt 21. - Telephon 55. VVWWIWIJPVWHi Redaktion: Markt 21. — Telephon 55.
JVo 108
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^Sarfturg
Dienstag, 10. Mai 1898.
Anzeigen nehmen entgegen: die Expedition dieses Blattes, die Annoncen-
Bnreaux von Haasenstein & Vogler, Frankfurt a. M., Caflel, Mägde- OO
bürg, Wien • Rudolf Masse, Frankfurt a. M„ Berlin, München, Köln; OO. x^llglg.
C. 2. Daube & Co., Frankfurt a. M.. Berlin, Hannover, Paris x.
Me betrachten die gut hessischen Wähler die Reichstagswahlfrage.
h. Unser Reichstagswahlkreis Marburg- Kirchhaiu-Frankenberg wird es diesmal außer mit einem Kandidaten beider konser- , a t i v e n Fraktionen, der auch den Nationalliberalen genehm sein und deren Stimmen als Kandidat der Oidnungsparteien erhalten wird, für die Wählerschaft mit nicht weniger, als sieben anderen Kandidaten zu thun haben. Von diesen sieben Gegenkandidaten wollen wir gleich den Centrums- Kandidaten Herr» Müller-Fulda, auslafsen. Er kommt in unserem Reichstagswahlkreise ja auch kaum in Betracht, weil jeder gute Katholik, mag er dem Lrntrum angehören oder nicht, in unserem Wahlkreise weiß, daß er mit Beachtung dieser nur fraktionellen Zählkandidatur nur hier der christlichen Sache, gleichviel welcher Konfession, Wähler- stimmen entziehen und so die antikirchlichen Wühler indirekt unterstützen würde.
Den übrigen sechs Gegenkandidaten in unserem Wahlkreise gegenüber ist ei» Kandidat der Orduungsparteien doch immer nur von ein und derselben, in Summa nicht allzu großen Anzahl Wähler gefährdet. Liebknecht, der offizielle sozialdemokratische Zähl- kcmdidat, wird der beabsichtigte» Wahlstimmen- Demonstration seiner Fraktion wegen, von allen sozialdemokratischen Wählern im Kreise gewählt, damit entgehen aber der sozialdemokratischen Spielart, die sich „Hessische Volkspartei" (lucus a non lucendo) nennt, die meisten Wähler, auf die sie rechnen könnte. Sonst steht Herrn Liebknecht Herr Böcke! am nächsten, der nach Angabe der „Hessischen Volkspartei" vor seiner jetzigen Kandidatur im „Bund der Landwirthe" erst 6 Stunden mit deren Vertretern konferirt hat. Böckel's Redakteur vom „Reichsherold" Georg, ward aus dem Antisemiten ein solcher Philosemit, daß er schließlich gegen sein Fraktiönchen eine Brochüre schrieb. Herr Böcke! wird am 15. ds. Mts. in Kirchhain im Saale des Herrn Fritz Prediger zu den Wählern sprechen. Böckel gehörte bekanntlich ftüher der Ahlwardt'schen antisemitischen Partei an, trat aber vor drei Jahren aus derselbe» aus uud wurde Sekretär bei dem „Bunde der Landwirthe". Jetzt wird er von Direktor Röficke geschickt, um unseren Wahlkreis für den Bund der Landwirthe zu „retten". Früher ein wüthender Gegner des „Bundes", bat sich B. vollständig „g e - mausert" und ist jetzt ein Freund desselben ge- worde». Man darf nun nach dem Abkommen, welches laut „Hamb. Nachr." der Bund der Land- wftthe getroffen hat, doch begierig sein, ob er es in
(Nachdruck verboten.)
Getrennte Sterne.
Roman aus der Gesellschaft von H. Waldemar.
(Fortsetzung.)
„Du umgehst meine Frage», — Du »eichst wir ans," flüsterte eine fiebererregte Stimme ihr zu, „ich aber will Deine Antwort haben, — Deine klare, deutliche Antwort! Jene dort drnben sprachen von Dir und von — Mondega! Gestehe, — sage es mir: ist es die Wahrheit? Bist Du — o, mein Gott! bist Du sein — Moudega's Weib, oder bist Du eS nicht?"
Der Antwort, die Adrienne so gebieterisch forderte, wllte Juantta für den Moment durch das gräfliche Paar überhobeu werden, daS, eben vor dem Rendez- dousplatz mit den Uebrigen angelangt, den Schritt hemmte uud die Nachkommenden erwartete. Adrienne überraschte die Eller» mit der Mtttheilung, daß ihr Acht wohl sei, und ohne weüeres entschlossen dieselben sich zur soforttge» Heimkehr.
Das junge Mädchen verhiell sich sehr schweigsam, kam», daß sie die Fragen beantwortete, die ihre Ellern a> sie richteten. Ihr Blick allein verrieth Ina, daß diese äußere Ruhe nur eine scheinbare war; sie allein wußte, welche Mühe eS sie kosten, was Adrienne empfinden mußte, nicht ihre Qual, ihre furchtbare Seelen- pei» hinauSzuschreieu. Uud Jua lttt unsäglich darunter. War denn das Opfer noch nicht groß genug?
Erst tu ihre» Zimmer« augelavgt, ließ Adrienne die MaSke fallen und gleich einer Rächerin trat sie dor die Freundin hin, die daS Schuldbewußtfein zwang, dir dem flammenden Blick der blauen Augen die ihrige» in senke«.
„Sag, daß es nicht wahr ist, Ina!" rief Adrieune halb flehend, halb in befehlerischem Tone. „ES kann
seine» etlichen antisemitischen, statt konservattven Elementen mehr mit Böckel oder mit dem antisemitischen anderen Kandidaten, Gutsbesitzer in spe Wiegand hüll. Der Kreisvorsitzende des Bundes der Landwirthe im hiesigen Kreise hat, wenn Berliner Blätter recht unterrichtet sind, sei» Amt als solcher beim Bunde der Landwirthe n i e berge l e g t. Wer sich aber von den W ä h l e r n, die einmal durch's Demagogenthum „r u m z u k r i e g e n" sind, nicht für Liebknecht oder die mit rothem Wasser jüngst aus der Taufe gehobene „Hessische Volkspartei" entschließen kann, nun dem blcibt noch der national-soziale Kandidat! Diese Wähler find aber im Wahlkreise ebenso knapp vorräthig, wie die für die anderen besprochenen Kandidaturen.
Das hessische Volk ist in Stadt und Land in der weitaus größten Mehrheit g u t national, gut christlich, das Bewußtsein, daß eS o h u e die staatliche und bürgerliche Ordnung, ohne Gottesfurcht und gute Sitte, ohne Opfermuth und Liebe zu Kaiser und Reich schließlich zum Untergange führt, und zu nichts Besserem, wird es alle Zeit leiten, so Gott will, zur Förderung der Wohlfahrt Deutschlands, und so auch unseres Hesseulandes!
Umschau.
Der „Figaro" schreibt, die Thronrede Kaiser Wilhelms sei geeignet, bei den europäischen Staatsmännern heilsame Erwägungen nnd bei den meisten Völkern des Erdtheils Neid hervorzurufeu, Die Thronrede sei eine sehr klare, dabei schlichte Auszählung der offenkundigen Ergebnisse der Kaiserlichen Politik. Diese Ergebnisse aber seien ausnehmend günstige, dank dem positiven Geiste, wovon diese Politik erfüllt sei.
Das preußische Abgeordnetenhaus nahm am 6. Mai die Privatdozentenvorlage in dritter Lesung debattelos an und begann die zweite Berathung der Vorlage betteffeud die Gehaltserhöhung für die evangelischen Geistlichen. Artikel I wurde nach längerer Debatte und darauf Artikel II ohne Debatte genehmigt. Im Namen eines kleinen Theils der Konservativen sprach der frühere Präsident, Abg. v. Köller, zweimal gegen die Vorlage. Er bezeichnete die Aufhebung des Pftündensystems als ungesetzlich und verfassungswidrig. Vom Regierungstisch traten die Minister Bosse und v. Miquel, sowie Geh. Rath Schwartzkopf seinen Ausführungen entgegen. Abg. Sattler erklärte, daß die Nattonallibeialen trotz mancher unerfüllten Wünsche einmüthig für das Gesetz
ja nicht möglich fein, daß Du mich so hintergingst. Und er! — So rede doch!"
„Was soll ich Dir sage«, Adrienne.?"
„Du bist wirklich — o, Schmach und Schande! — Dn bist wirklich jenes Mannes — rechtmäßiges Weib?"
„Ich bins!" hauchte Jua, die Hände krampfhaft ineinander verschlingend.
„Besinne Dich!" sprach Adrienne fast hart. „Es kann ja nicht möglich fein! Weißt Du denn nicht, daß ich ihn liebe? Hat er mir nicht gesagt, er wolle mich zu seinem Weibe machen? Und nun, — o, des Frevels, der furchtbaren Schmach! — nun streckst Du nach ihm die Hand aus? Aber ich laffe ihn nicht, ich kann ihn nicht lassen! Mein ist er, er hat mich geküßt, mich seiner Liebe versichert! Sag' es, daß eS nicht wahr ist, Du heuchlerische Schlange, die Du das Märchen nur ersonnen hast, um mich von ihm zu trennen, weil Du selbst ihn begehrst!"
Die maßlose Hefttgkeit Adrienne's gab Jua ihre Ruhe, ihre lleberlegung zurück, und damit bas Ueber- gewicht, das sie noch stets über das junge Mädchen befeffen.
Als Adrienne sich nach ihren letzte» Worten in einen Seffel fallen ließ »nd auffchluchzend das Gesicht mit ihrem Taschentuch bedeckte, näherte Jua sich ihr langsam und neben ihr niederkniend, legte sie den müden Kopf an Adrienne's Schulter.
Wohl zuckte diese bei der Berührung zusammen und eS schien, als wolle sie sich ihr entziehe», aber sie bezwang sich und sah, das Tuch sinken laffend, lange in die zu ihr erhobenen Augen Jua's.
„ Willst Du mich ruhig anhören, Adrienne! Daun werde ich Dir vielleicht nicht länger «uverstLudlich sein."
Rein, nein, ich will nichts hören, nichts, denn ich könnte Dir doch nicht glauben!"
stimmen werden. Abg. von Eyuneru (natienaUib.) fand, daß die katholischen Geistlichen bevorzugt seien. Abg. Stöcker, der ebenfalls gegen das Gesetz und für Rückverweisung an die Generalsynode ist, empfahl Adoptirung des katholischen Systems. Abg. Porsch erklärte im Namen des Zentrums, daß dieses für die Vorlage stimme, weil diese die Billigung der Majorität der Generalsynode erhalten habe. Die weitere Berathung wurde schließlich auf Montag vertagt.
Der in Washington endlich eingetroffene Bericht über den Kampf vor M a n i l a, den Admiral Dewey absandte, besagt kurz, daß er die spanischen Batterien vollständig zum Schweigen gebracht und das Kabel selbst zerschnitten habe; er habe die ganze Bucht und alles Andere vollständig in seiner Gewalt, habe jedoch die Stadt Manila, wegen Ütangel an Leuten nicht besetzen können. Der Bericht bestätigt, daß die Amerikaner in der Schlacht bei Cavite keine Tobten, sonder» nur einige Verwundete hatten. Kein amerikanisches Schiff sei beschädigt. Die zerstörten spanischen Schiffe find: „Isla de Cuba", „Reina Christina", „Castilla", „Antonio Ullo", „Don Jua de Austria", „Velasco", „Elcano", „General Lazo", „Marquis del Duero", „Isla de Mindanao". Der Bericht ist länger als geglaubt wurde und kommt jetzt stückweise an. Ein weiteres Telegramm Deweys meldet, daß er Herr der Befestigungen von Cavite sei und die Landung von Truppen dort bewerkstelligte. 256 verwundete Spanier seien gefangen. Dewey fügt hinzu, er habe gegenwärtig keinen Bedarf. In New- Jork ist der Befehl eingegangen, alle verfügbaren Schiffe behufs Beförderung von 40 000 Mann zu chartern. Die Schiffe müssen innerhalb 5 Tagen in Key-West ein treff en. Man schließt daraus auf eine wichtige Aenderung des strategischen Planes für die Invasion CubaS. Ebenso wurde die sofortige Sendung einer großen Menge Lebensmitteln von Chicago nach Chaitanooga beordert. — Nach einer Meldung der „World" aus Tampa lief dort die Nachricht ein, daß der amerikanische Major Smith, welcher am 22. April in Puerto de Caibarien auf der Nordküste von Cuba landete, um eine Anzahl Zeitungskorrespondenten ins Lager des Jnsurgentenführers Gomez zu geleiten, gefangen genommen und enthauptet (?) wurde. Das Schicksal der Zettungs- korrespondenten ist nicht bekannt. Nach der nunmehr veröffentlichten Erklärung des Schatzsekretärs Gage im Finanzausschuß des Senats zu Wasbington werden die außerordentlichen Ausgaben des Kriegsund Marinedeparternans für die Kciegsführung bis zum 1. Juli auf 52 Millionen Dollars geschätzt, außer den bereits votirten 50 Millionen. Gage lehnte es ab, einen Voranschlag der Kosten für die Zeit nach dem 1. Juli zu geben, jedoch dürften neben den
„Adrienne!"
Der wehe Ton in Jua's Stimme fand den Weg zu der Freundin Herzen. Adrienne fühlte sich versucht, die Arme um die Knieende zu schlingen; da trat jedoch die Erinnerung an das Gehörte lebhaft i» ihr Gedächtniß zurück und mit ihr bemächtigte sich ihrer toilbe Empörung über den Verrath, den Ina geübt, und jede weichere, aufkeimende Regung gewaltsam abschüttelnd, sprang Adrienne empor und rief:
„Daß Du mich in diese Lage gebracht hast, daß Du mit ansehen konntest, wie Moudega, — Dein Gatte, mich umgarnte, so daß mein Herz nicht anders konnte als ihn zu liebe«, leidenschaftlich, wahnsinnig, — das, das, Jua, kann ich Dir nie vergessen! Aber eins laß Dir gesagt sei«: ich kämpfe mit Dir um seinen Besitz, und ich werde Siegerin bleiben, denn auf meiner Sette kämpfe ich mit de« geheiligten Waffen der Liebe, während D» —'
„Während ich Ursache habe, den Manu, der Dich berückte, mich betrog und in Jammer und Elend stürzte, zu verachten!" fiel Jua mit Nachdruck ein, nachdem auch sie sich erhoben hatte. „Ich wollte Dich und Dein Herz schonen, wollte Dir die Er- kenntniß erspare«, Dich und Deine Liebe einem Unwürdigen geschenkt zu haben; nun Du aber so ganz meine Absichten verkennst, kann ich nicht länger schweigen. Mondega ist —"
„Aber, Kinder, was habt ihr schon wieder? Man hört euch ja bis in de» Salon streiten. Es ist spät, geht zur Ruhe und bebenft, daß ihr morgen frisch u»b munter sein sollt.
Die Gräfin stellte baS Licht, bas sie getragen, auf ben nächsten Tisch und näherte sich ihrer Tochter, zärtlich bereu heiße Wangen streichelnd.
„D» bist erhitzt, Abnenne, und scheinst seltsam «f geregt."
ordentlichen Ausgaben 25 Millionen Dollars monatlich erforderlich sein. Die „Agenzia Stefani" veröffentlicht folgende Depesche des Kapitäns des italienischen Kreuzers „Bausan" an das Marineministerium: Kingston, 6. Mai. Die Nachrichten von der Ausschiffung von Munition in Havanna, welche eine Verletzung der einschlägigen Vorschriften gewesen wäre und den Pflichten der Neutralität gutoibergelaufen sein würde, find vollkommen falsch. Einige europäische Großmächte sollen entschloffen fein, den Einwand Spaniens, die Blokade Havannas sei nicht effektiv, zu unterstützen. — Admiral (Samara übernimmt den Befehl über das spanische Geschwader bei Cadix, daS sich dort vollständig konzentrirt hat.
Deutsches Reich.
Slerlitt, 8. Mai. Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin, so meldet man aus Kurze! unterm 7. Mai, find mit dem Prinzen Joachim und der Prinzessin Luise Victoria um 3 Uhr 25 Minuten Nachmittags hier eingetroffe«. Zum Empfange auf dem Bahnhofe waren der kommandirende Genera! des XVI. Armeekorps, Graf Häseler, Bezirkspräsident v. Hammerstein, Kreisdirektor v. Gundlach und der Bürgermeister anwesend. Vom Bahnhofe aus fuhren die Majestäten in offenem Wagen »ach Urville, von dem zahlreich zusammengeströmten Publikum mit herzlichen Zurufen begrüßt.
— Das Staatsministerium trat gestern Nachmittag 3 Uhr im Abgeordnetenhause unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Fürsten Hohenlohe zu einer Sitzung zusammen.
— Der Vortragende Rath im Auswärtigen Amt Legationsrath M a r s ch a l l v. B i e b e r st e i u ist zum Geheimen Legationsrath ernannt.
— Dem Chefredakteur der Zeitung „Sttaß- burger Post" Pascal David zu Straßburg i. E. ist der Rothe Adlerorden vierter Klasse verliehen.
— Der „Köln. Volkszeitung" zufolge lehnte Reichstagsprästdent Frhr. v. Buol es bestimmt ab, eine Kandidatur bei den Neuwahlen anzunehmen.
— Die Kommission für die Ausschmückung des R e i ch s t a g s g e b ä n d e s hat am Freitag eine für die Decke im Foyer hergestellte Dekoration des Malers Stuck - München zurückgewiesen. Es sollen von Wallot neue endgültige Bestellungen nicht mehr gemacht werden. Die Kommission will in jedem Falle zunächst die Modelle und Skizzen sehen und genehmigen, bevor Arbeiten zur Ausführung bestellt weiden.
— Das unter dem 20. April vollzogene Gesetz wegen Erhöhung des Grundkapttals der p r e u ß i s ch e» Zentral-Gnossenschaftskasse ist gestern amtlich publizttt worden.
O, es ist nichts, Mama; die Vorstellung, stotterte das junge Mädchen, während Jua ans Fenster trat und in die herrliche Mondlandschaft hinaus schaute.
Ihr war so weh ums Herz und klagend gedachte sie der herrlichen Tage, die sie hier verlebt und die nun ein solch jähes Ende gefunden hatte». Hier war ihres Bleibens nicht mehr, das sah sie ein. Aber wohin? Mit Mondega, dem sie sich geopfert? Ein Schauder erfaßte fie, und zum erstenmal kam ihr der Gedanke: Adrienne würde ihr Handeln nimmer begreife», nie so würdigen, wie fie es doch verdiente.
Doch sofort wies fie den selbstsüchtigen Gedanke» von sich. Ob man anerkennen würde, was fie ge- than, ober nicht, sie hatte ber Stimme gehorcht in ihrem Inner«, hatte die Freundin vor einem gleich traerigen Schicksal bewahrt, wie sie es selbst an Moudega's Sette gefunden hatte. Und wenn etwas sie damit aussöhnen konnte, daß fie den Schritt ge- than, so war eS die Gewißheit, sich dadurch dankbar bewiesen zu haben für alles, was fie auf dem Bünshofe empfangen hatte.
„Wer wird so lange schmollen, Jua? Sitzt der Groll so tief, daß Du meinem heißblütigen Töchterchen nicht verzeihen kannst?"
Jua wandte fich hastig um.
„O, Frau Gräfin ich schmolle nicht."
„Und doch stehst Du da, als gingen wir Dich nichts an."
Ueber Jua's Anüitz flog eine dunkle Röche und eS flammte zornig in ihren Augen auf.
„Adrieune hat mir herbe Worte gesagt!"
„So wird fie dieselbe» zurücknehmen und bedenken, daß daS Gastrecht hellig ist.
(Fortsetzung folgt)