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Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UniversitätS-Buchdruckerei in Marburg. ff * ♦ 2 verantwortlich für die Redaktion: Redakteur M. Hartmann in Marburg.
Expedition- Markt 21. — Telephon 55. Redaktion: Markt 21. — Telephon 55.
öchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. QuartalS-Abonnements-Preis bei der Expedition 2 Mk.. bei allen Postämtern 2,25 Mk. (exkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg., Reklamen: die Zeile 25 Pfg.
Warkurg
Freitag. 6. Mai 1898.
Anzeigen nehmm entgegen: die Expedition dieses Blattes, die Annoncen- Bureaux von Haasenstein & Bögler, Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg, Wien; Rudolf Moste, Frankfurt a. M„ Berlin, München, Köln;
6. L. Daube & Co., Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Part» re.
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Zustand nicht nut ein rasch vorübergehender, sondern vor allen Dingen ein solcher, der nicht mehr wieder- kehren wird. ES zeigt sich hier eben, daß die Agrarier doch nicht so selbstsüchtig und „begehrlich" sind, wie die Landwirthschaftsgegner behaupten. Die Ein- t richtung der Korn la g erh äuse r nämlich wird, sofern sie nur erst durchgeMrt ist, im besten Sinne regulirend wirken.
ES werde» Vorräthe im Lande vorhanden sein, dir nicht von Händlern abhängen, wie dies jetzt der Fall ist. Dadurch wird in Zetten, wo Preissteigerungen vorkommen, eine mäßigende Ein- wttkuug auf die Preisbildung geschehen, so daß im allgemeinen größere Stetigkeit und ein Verharren der Preise auf einer für alle Theile erwünschten Mittellinie herbeigeführt werden wird. Wenn jetzt die Preissteigerungen gegen die Landwirthe ausge- uützt werden, wenn man in der Freihandelspreffe einen lärmenden Skandal macht, so ist das ein Nonsens.
Die Getreidepreissteigerung und die Agrarier.
Den LandwirthschaftSgeguern und Großstadt- Pvliükern kommt die kurz vor den Wahlen, wie auf Bestellung, eingetretene Steigerung der Setteidepreise wie ein Geschenk auS der vierten Dimension. Nun glaubt die „gesammelte" Linke, die Agrarier vor ihr Keffer geliefert zu sehen! Mil dem Rufe: Hurrah, das Lrod wird theuer! kann eine Wiederholung deS berühmten HandelSvertragSwahlfeldzugeS von 1890 stattfinden! So spekuliert man nämlich auf der Linke» — die Spekulation ist aber falsch.
ES ist nur daS eine richtig, daß die Getreide- preise gestiegen sind. WaS aber beweist daS? Vor wruigen Wochen »och behaupteten die Freisinnige», die Ketreidepreise würden höher sein, wenn der Börsen- terminhandel nicht aufgehoben wäre. Trotzdem waren die „Agrarier" nicht dazu zu bewegen, sich für die Wiedereinführung des Terminhandcls zu erwärme». — Nun find aber trotz der gegeutheiligen Prophezeihung die Getreidepreise gestiegen. Von dieser Preissteigerung hat aber kaum ein Landwirth etwas, denn sie kommt zu einer Zeit, wo er längst seine Böden und Scheuern geleert hat.
De» Vortheil der heutigen GetteidepreiSsteigerung hat nur der Getreide - Handel mit seiner großkapitalistischen Spekulation. Der Land Wirth bekommt nichts vom jetzigen hohen Preise, er muß womöglich selbst noch dem Spekulanten abkaufen, der im Frühjahr stets, da er viel Getreide auf Lager hat, die Preise in die Höhe schnellt uud sich hierzu jetzt noch mit dem Kriege Spaniens mit Amerika hilft. Den Nachtheil aber haben die Konsumenten, die Brotesser. Nach unserer Meinung ist jedoch auch der gegenwärtige
(Nachdruck verboten.)
Getrennte Sterne.
Roman <m8 der Gesellschaft von H. Waldemar.
(Fortsetzung.)
Seine Ueberraschung währte jedoch nicht lange. I» demselben Moment, da Dony verächtlich sagte: „Laffeu Sie sich nicht stören!" — und Miene machte, de» Weg, den er gekommen, zurückzukchrrn, rief er:
„Herr Rittmeister, Sie sollen der erste sein, der erfährt, daß wir uuS soeben versöhnt haben!"
„Versöhnt?"
Dony schien uur das eine Wort gehört zu haben. Sei» heißer Blick hing an JuanttaS todtenblaffem, gesenktem Antlitz.
,3a, versöhnt, den» — Jua ist meine Gattin! Differenzen, — mein Sott die kommen in jeder Ehe einmal vor — trieben sie von meiner Seite. Ei» neckischer Zufall führte «uS hier wieder zusammen und hente, nun, heute ist eS mit gelungen, die Spröde mir MfS neue zu gewinnen. Sie kamen gerade zum Aktschluß, Herr Rtttmeister."
Ohne ihm zu antworten, trat Dony votJuantta hin.
„Ist daS wahr, waS dieser — dieser Mensch sagt?"
Nicht Zorn, nicht Wulh klangen durch diese Worte, svnderu nur ein namenloser Schmerz, und grenzen- I»ie8 Mitleid mit ihr, die einem Opferlamm, aber nicht einer glücklichen Frau glich, erfaßte ihn.
Sie hörte eS heraus; kannte sie doch jede Äobulation der geliebten Stimme, und ein Grauen defiel sie vor der Zukunft an Mondega's Seite.
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Sie hatte das Gefühl, als müffe sie sich an Name» i ^ouy's Brust flüchten, ihn um Beistand, um Hilfe (4184 - Erstehen gegen den, der sie soeben feine Gattin ge- lllee l. p*”t Wte.
Dadurch spornt man nut zu weiteten Preistreibereien an, und das Publikum mag sich bei diesen Zeitungen bedanken, wenn eS durch deren Bemühungen schließlich kleineres Gebäck erhält.
Den Landwirthen ist, das können wir auftichtig versichern, an einer solchen Preistreiberei absolut nichts gelegen. EI» stetiger mittlerer Marktpreis, bei dem die Landwirthe wie die Konsumenten bestehen können, ist der Wunsch der Ackerbauer. Dies ist auch in parlamentarische» Debatten stets zum Ausdruck gekommen und besonders auch in dem vielverschrienen Anträge deS Herrn Grafen von Kanitz war ausdrücklich Fürsorge getroffen, um zu Zeiten von Getteidetheuerungen das Interesse der Konsumenten in erster Linie in'S Auge zu fassen.
Wenn also die Freihändler und sonstige „Gegen- sammler" wieder ihre alten illnstrirten Flugblätter hervorhole», oder sich federleichte Schaubtode backen lassen, so lachen wir darüber, denn durch nichts werden die Theorien und Behauptungen der Freihändler imb Großstadtpolitiker so kräftig widerlegt, als durch die trotz offener Grenzen und kaum nennenSwerther Zölle entstandene Getreidepreissteigerung, die leicht vermieden werden könnte und in Zukunft vermieden werden wird, wenn Deutschland durch angemessenen Schutz der Kornproduktion in Stand gesetzt ist, seinen Getreidebedarf selb st zu erzeuge».
Umschau.
Die P e t i t i o » 8 k o m m i s s i o n des Abgeordnetenhauses hatte sich gestern mit einer Frage von allgemeinem Jntereffe zu beschäftigen. Ei» Herr Ludwig Finster in Görlitz befürwortet, eine Umsatzsteuer auf sämmtliche großkapitalistische Unternehmungen im Detailhandel und Gewerbe zu beschließen, und zwar beginnend bei einem Umsatz von 200 000 Mark im Iahte mit 1 Prozent, und steigend bis 4 Prozent bei einem Umsatz von einer Million und mehr im Jahre, und diese Steuer den Kommunen zu überweisen, da diese durch die von den Großunternehmungen herbeigefühtte Steuerschwächung ebenfalls geschädigt würden. Der Petent stellte die Stadt Görlitz als lebendes Beispiel dar, wohin es führe, wenn nicht Mittel und Wege gefunden würden, dem großkapitalistischen Detatlbe- triebe energisch Mnhalt zu thun. Als Görlitz nur 40 000 Einwohner hatte, existirten daselbst 40 Kolonialwaarengeschäfte, welche ihr gutes Auskommen gefunden hätten. Die Stadt Görlitz weise jetzt beinahe die doppelte Einwohnerzahl auf, und nur 6 Kolonialwaarengeschäfte beständen noch. Der ganze
War sie es denn noch? Hatte nicht Richterspruch sie getrennt? Richterspruch, jawohl, aber sie selbst hatte diesen umgestoßen, hatte die Rückkehr abgeschnttte«. Seine Hilfe, keine Rettung gab es für sie. Sie mußte das Werk vollbringen, das sie auf sich genommen, und wenn es den rechten Werth haben sollte, durfte niemand, — niemand um das Opfer wissen, welches sie brachte.
Ihre Kraft kehrte zmück mit dem Bewußtsein, sich tteu erwiesen zu haben. Und so vermochte sie dem Fragenden mit fester Stimme zu antworten:
„ES ist wahr!"
„So habe ich hier nichts mehr zu suchen und !ann Ihnen nur meinen Glückwunsch aussprechen."
Jua machte eine Bewegung, als wollte sie dem Davonstürmenden folgen, aber Mondega's HMd legte sich schwer auf ihren Arm und feine heisere Stimme rannte ihr zu:
„Nimm Dich in acht vor meiner Eifersucht!"
Ina hörte ihn nicht mehr. Saum, daß Dony hinter de» Bäume» verschwunden war, fdnf sie mit einem Seufzer bewußtlos zur Erde nieder.
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In der Garderobe Loti Halden's stand diese ihrem Verlobte» gegenüber und bat:
„Gehe jetzt, HauS; ich bedarf der Sammlung, bevor das Zeichen mich ruft."
Das junge Mädchen wat bereits für ihre Rolle augekleider. Das blaue Gretchenkostüm mit dem duftigen weißen Chemisett, paßte vorzüglich zu dem feinen Gesicht, und die blonden hängenden Zöpfe gaben ihrer ganzen Persönlichkeit etwas ungemein Kindliches, Anmuthiges.
HauS von Dettmar war entzückt, hingerissen. Et hatte Lori sehr ost in der Gtetchentolle gesehen, sie bewundert; so lieblich und begehrenswerth wie
Kolonialwaarenbandel daselbst ruhe in den Händen einet Aktiengesellschaft mit 17 Verkaufsstellen und 7 Millionen Umsatz, sowie einer Genossenschaft mit 14 Verkaufsstellen und 3l/2 Millionen Mark Umsatz. Mindestens 100 selbständige Geschäfte würden ihr Brod finden, wenn diese Vereinigungen in Görlitz nicht beständen. Der Regierungsvertreter, Geheimer Finanzrath Dr. Sttatzo, theilte der Kommission mit, daß der Finanzminister die Absicht habe, eine Konferenz von Sachverständigen auf dem Gebiete von Handel und Gewerbe und solche auf dem Gebiete der Kommunalbestcuetung zusarnmenzurnfen zur Berathung darüber, wie dieser den Gewerbestand so bedrohenden großkapitalistischen Konkurrenz zu begegnen sei. Das Ergebniß dieser Konferenz würde dem Abgeordnetenhause bekannt gegeben werden. Die Petiitonskommisfion beschloß, die Petition der Königliche» Staatsregierung als Material zu überweise» und dieselbe gleichzeitig zu ersuchen, dem Landtage bei Beginn der nächsten Session einen Gesetzentwurf in dem von der 18. Kommission am 15. Mai 1896 beschlossenen Sinne vorzulegen. (Diese Kommission berieth den Antrag v. Brockhausen, bett, die Besteuerung der Waaren- häuser und Versandtgeschäfte.)
Die Londoner „Morning Post" giebt den Inhalt einer Unterredung wieder, welche die Königin- Rege»t i n von Spanien ihrem Madrider Korrespondenten gewährt hat. Danach äußerte die Königin, die Sympathie, welche fast ganz Europa für Spanien bezeuge, berühre die ©panier tief in den gegenwärtige» schmerzlichen Augenblicke»; sie erinnert an die Vaterlandsliebe der Spanier, die ihr Herz mit Hoffnungen für die Zukunft erfülle. Spanien habe den Krieg nicht gewünscht, sondern sei durch die Vereinigte» Staate», die jederlei Demüthigung auf Spanien häuften, zum Kriege getrieben worden. Die amerikanische Regierung habe dabei dem Drucke der öffenilichen Meinung nachgegeben. Schließlich gab die Königin-Regentin ihrem Vertrauen auf Gott Ausdruck und verwies auf die Möglichkeit einer europäischen Einmischung nach der ersten bedeutenden Schlacht. — Eine Telegramm des „Daily Chronicle" aus Key West vom 3. d. M. meldet, daS amerikanische Kanonenboot „Wilmington" habe gestern auf eine spanische Kavallerietruppe einige Meilen westlich von Havanna zwei Spreugkugeln geworfen, durch welche zwanzig Kavalleristen getödtet seien.
Aus Madrid und ganz Spanien kommen schlechte Nachrichten:
In Valencia kam e» zu Straßeuauf- laufen, die von der Polizei zerstreut wurden; zahlreiche Verhafiungeu wurden vorgenommeu. Ein Trupp Republikaner drang in die Wohnung de» Bürgermeister» ein, wo >0000 Realen (1 Real — etwa 40 Pfg.) geraubt wurden; alkdann stürmten die Tumulluanten zum Stadt-
heute war sie ihm jedoch noch nicht erschienen. Sein Hetz wallte über und von seinem Impuls getrieben, faßte er behutsam ihr Köpfchen unb küßte sie heiß und innig, bis sie sich ihm lachend entzog.
„Unersättlicher!" schalt sie zärtlich. „Gehe jetzt, HauS!'
„Es ist mir, als dürste ich nicht von hier weichen, Lori, der Gedanke, daß Du vor das Publikum treten, Dich von allen Menschen Mgaffen laffeu sollst, könnte mich rasend machen."
„aber, Hans, es war doch abgemacht, daß ich nach meinem Urlaub, den ich auf dein Drängen nahm und erhielt, zum letztenmal auftteten und mich verabschieden sollte."
„Ja, ja, es war abgemacht. Aber sieh, Kind, ich hatte in der langen Zett ganz vergessen, daß meine Braut Verpflichtungen habe, die mir zum mindesten sehr unbequem waren. Schon die Vorbereitungen zur heutigen Vorstellung, die »othwendigen Proben, alles, alles machte mich nervös. Ich will glücklich sein, wenn ich Dich endlich zu Hanse habe! O, Lori, wie ich ben Augenblick herbeisehne!"
Ein feines Roth stieg in be8 Mädchens Wangen; ihre Augen aber schimmerten feucht, als sie wehmüthig erwibette:
„Ich hätte nie gebucht, daß ich meine Kunst je verlassen tonnte."
„Bereust Du es, Lori?"
HauS Dettmar sah bet jungen Künstlerin tief in bie seelenvollen Augen.
„Sann baS, was Du baffir eintanschest: meine Liebe, eine schöne Heimath, Dich nicht für ben Verlust entschäbigeu?"
„Verlust? Mein HauS, ich liebe Dich unb für Dich ist mir kein Opfer zu groß. Ich aber wäre keine echte Künstlerin, würbe ich nicht jetzt mit Iraner
lichter unb bemächtigten sich dort verschiedener Waffe», Kleidungsstücke unb Kleinodien. In der Nähe von Valencia wirb bie Anwesenheit einer Karlistenbaube sigvalifirt. In Gibraltar legten die Kohlenträger die Arbeit nieder und empörten sich, indem sie höhere Bezahlung verlangten. Die Polizei mußte von der Waffe Gebrauch machen. Die Ausständischen bewarfen die Polizei und dir Kohlenlagcrtäuser mit Steinen; e» gab viel« Verwundungen unb Verhaftungen. Auch in Talavera erhob sich,dn Tumult, der sich gegen die Ausfuhr von Getreide richtete. Die Polizei schritt ein und stellte die Ruhe wieder her. Au» Gijon werden starke Unruhen gemeldet. Der Tumult begann mit der Weigerung von zweihundert Fisch- oerkäuferinnen am Molo, den Stadlzoll zu bezahlen. Sie organifirten eine Manifestation, zogen vor die Cigarren- sabrik und erreichten, daß die Cigarrenmbeiterinnen sich ihnen ansckloffen, und versuchten daun, die Brodfabrik de» Thoma» Zarracina zu stürmen. Von dort gingen sie zum Stadtzollhan», au» dem di« Beamten flohen Die fnritn- haften Weiber drangen ein, verwüsteten Alle», schleppten Stühle, Tische und Akten heran», die sie verbrannten. Weiter ging e» zur Mehllabrik Zarracina». Di« Magazine wurden geöffnet, Säcke mit Mehl auf die Sttaß« gezerrt, dann ward da» Hauptzollamt angezündet, ebenso wie di« Struerftation. An» dem Grfängniß versuchten sie dir Gefangenen zu befreien unb zerbrachen die Eiseu- gitter unb Fenster. Die Bürgergarbe unb die Soldaten wurden mit einem Steinhagel empfangen, schließlich verbrannten die Weiber fast alle Zollhäuser und Dependenzen. In Cacere» stnden ebenfalls Unruhen wegen der hohen Brodpreise statt. Aus dem Bahnhof bemächtigten sich dir Tumultuanten der Getteidesäcke. Der Alcaldr versprach ein« Herabsetzung der Brodpreise um ein Fünftel, worauf die Demonstration sich anflöfte.
Während bet Unruhen am 3. Mai in Talavera plünberte» bie Ruhestörer einige Häuser und ein Kloster, welches sie in Btanb steckten. Ferner würbe versucht, bie Gefangenen zu befreien. Zahlreiche VerhastungeiMvutben borgenommen.
Wie aus Kingstown (Jamaica) gemelbet wirb, griff bet Pöbel ben britischen Konsul Ramsden in Santiago be Cuba an. Der Konsul töbtete in bet Nothwehr einen Spanier unb ist infolge- dessen in Haft genommen worden. Ein weiteres Telegramm aus Kingstown meldet, daß die Ruhe in Santiago wiederheigestellt ist.
Deutsches Reich.
Berlin, 4. Mai. Se. Majestät der Kaiser empfing heute Morgen um 8 Uhr den Chef des Civilkabinets, Wirklichen Geheimen Rath Dr. von Lucanus zum Vorträge und begab sich um 9 Uhr 25 Minuten nach Potsdam zur Einweihung der Erlösetkitche daselbst. Auf bet Fahrt borthin erstattete der Polizei - Präfibent von Winbheim Sr. Majestät Vorttag. Bald nach Mittag traf Se. Majestät wieder in Berlin ein und empfing im Schlosse den Prinzen Friedrich Wilhelm von Preußen anläßlich dessen Ernennung zum Premier-Lieutenant. Heute Abend 6V2 Uhr nahm Se. Majestät ben Vortrag des Kriegs-Ministers, General-Lieutenants v. Goßlet entgegen.
scheiben. Die Kunst erfotbert ein ganzes ungeteilte» Herz. Wer ihr bas nicht entgegenbringen kann, bet leistet ttotz allem Talent boch nur Mittelmäßiges. Mein Haz aber gehört nicht mehr ihr, nicht mit. Hier i» biesem Raume, bet mir lieb unb werth geworden, habe ich vor bem ersten auftreten gezittert, gebebt; hier gab mit bet Direktor ein beruhigendes Pulver, nur damit ich imstande sein sollte, mich zu beherrsche», uud als ich bann vor das vielköpfige Ungeheuer, Publikum genannt, trat, fühlte ich den Boden unter mir wanken; es brauste in meinen Ohren und ein seltsames Klingen unb Singe» machte mich befangen. Da hörte ich aus wettet Ferne eine Stimme sage» „Das atme Stab! Wie ihre Lippe» beben, wie bie angst ihr auf dem Gesicht zu lese» ist! Wenn das nur gut geht!"
„Lori!"
„Diese Worte brachen ben Ban», bet aus mit lag. Gott segne tausenbfach ben Sprecher derselben, den» ohne ihn —*
«Auch ohne ihn hättest D» Dich »iebergefunben, meta Sieb, das mir damals fe unbeschreiblich hilflos unb lieblich erschien. Du hast meine Worte treu im Gebächtnis behalten."
„Sollte ich nicht? Waren sie ben» nicht die Ursache, baß bas gefürchtete Fiasko in bas glänzendste Gegentheil urnschlng? Wie ich »ach dem ersten alte wieder in diesen Raum kam, ich weiß es »och heute nicht. Es wat mtt, als würde ich von unsichtbaren Händen getragen, emporgehoben; ich vernahm die Glückwünsche, die Lobsptüche wie im Traume, unb begriff nicht, daß ich es war, bie plötzlich zu einer Persönlichkeit geworden, bet man hnlbigte. — Heute spiele ich »lebet das Gretchen, aber mit wie so ganz anbereu Gefühlen trete ich hinaus!"
(Aortsetzung felgt)