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Wöchentliche Beilagen
Diack ent) Verlag: Joh. Aug, Koch, Universitäts-Buchdruckerei iu Marburg. Expedition: Markt 21. — Telephon 55.
Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhai«.
9f<ttVerantwortlich für die Redaktion: Redakteur M. Hartmann in Marburg. Redaktion: Markt 21. - Telephon 55.
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Wcrrkurg
Mittwoch, 4. Mai 1898.
Anzeigen nehmen entgegen: die Expedition dieses Blattes, die Annoncen- Bureaux von Haasenstein & Vogler, Frankfurt a. M.. Cassel, Magdeburg, Wien: Rudolf Masse, Frankfurt a. M„ Berlin, München, Köln; 6. L. Daube & Co., Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris rc.
33. Jahrg.
Der Krieg der Vereinigten Staaten
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mit Spanien.
In einem am Sonntag in Madrid stattgehabten Mnisterrath erklärten die Minister auf Befragen, es bestätige sich, daß bei Cavite eine Seeschlacht stattgefnnden habe. Die neueste» Meldungen vom Kriegsschauplätze lauteten, wenn mch ungünstig, so doch ehrenvoll. Abends 1 <7 Uhr Hefe am Sonntag in Madrid das Blatt Heraldo daS folgende amtliche Telegramm anschlagen: Ein heftiger Kampf der beiderseitigen Geschwader hat heute bei kavite stattgefunden. Die amerikanischen Schiffe haben verschiedene Beschädigungen, die spanischen Schiffe dagegen sehr empfindliche Verluste. Zwei i Schiffe, nämlich Maria Christina und Don Juan d' Austria, sind gefechtsunfähig, eines der beiden infolge von Brand an Bord. Der Seekampf bei Cavite dauerte bis 9 Uhr unter Theilnahme der Batterieen von Manila und Cavite. Das Schiff ,Don Juan d' Austria" brennt. Der Kommandant des Admiralschiffs 3«ina Maria Christina, Cadalso, ist tobt. Die Amerikaner zogen sich hinter fremde schiffe in die westliche Bucht zurück. Admirali M o n t o j 6 berichtet: Um Mitternachts
gelang dem amerikanischen Geschwader dir Fök- cirung der Hafeneinfahrt; acht feindliche Schiffe nahmen vor Tagesanbruch in der Linie vor Cavite Stellung. Um 7-/2 Uhr gerieth der Vordertheil der Reina Christina in Brand, bald darauf auch der Hinrertheil. Ich ging mit dem Stab an Bord der Isla de Cuba. Um 8 Uhr standen die Christina und die Castilla völlig in Flammen. Die übrigen . beschädigten Schifft zogen sich in die Bucht zurück; einige mußten zerstört werden, damit sie nicht in \ Feindeshand fallen sollten. Die Verluste find zahlreich.
Marschall Blauco meldet aus Havanna, die Schiffe, welche Cieufuegos blokiren, hätten einen spanischen Kauffahrer „Argonauta" aufgebracht, einen Oberst, einen Arzt, 6 Offiziere und 3 Unteroffiziere gefangen genommen, die Zivilpassagiere aber frei- gelassen.
Bei den eigentlichen Kriegs ereignisien, die ein- «der jetzt vermuthlich in kürzeren Zeitmafeen folgen »erden, wird man im Auge zu behalten haben, daß dar eigentliche Objekt des Krieges Cuba ist, daß also hier die Entscheidung fallen muß. Demnach stellt sich das Vorgehen Amerikas gegen die Philippinen als eine Nebenaktion dar, die von vornherein erwartet werden konnte, weil diese Inselgruppe der schwächste Punkt der spanischen Vertheidigungsstellnng ist. Der Zweck dieses Vorgehens ist offenbar, sich mit Hilfe der Philippiner der Insel Luzon und der Hauptstadt Manilas zu bemächtigen. Dieser Zweck ist, so weit dir Nachrichten lauten, bis jetzt nicht erreicht worden
Machdruck verboten.)
Getrennte Sterne.
Rowan aus der Gesellschaft von H. Waldemar.
(Fortsetzung.)
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Spöttisch lächelnd zu ihr ausichanend, beobachtete tr den Eindruck, den diese Nachläsfigkeit auf sie übte.
Ader das junge Mädchen hatte sich in der Gewalt.
Ohne ihn anzusprechen, sagte sie in ihrer Muttersprache, derer sie sich Mondega gegenüber stets bediente, wenn sie allein waren:
„Was wünschest Du von mir?"
, Nicht viel. Zunächst," er holte auS seiner Brust- rasche ein seidenes Spitzentuch hervor, .wollte ich Dir
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Dein Eigenthum zurückgeben."
Sein lauernder Blick streifte ihr Antlitz.
.Du irrst Dich in der Person," sagte sie kalt.
.Warum diese Komödie? Du stattetest meinem Zimmer einen Besuch ab und verlorst dies dabei. Es ist nicht mehr wie btßig, daß ich Dir Dein Eigenthum zmückgebe, um so mehr, als Dein Versuch resullatlos verlaufen ist."
Sie zuckte die Achseln und verfolgte mit scheinbarem Jnteresir einen Schmetterling, der über das Safier flog.
Mondega betrachtete sie genau. Zug nm Zug üudirte er das schöne, dnnkle Antlitz, das zu küsieu, iu erringen einst sein glühendster Wunsch gewesen war. 3« diesem Augenblick rührte ihn des Mädchens Schönheit nicht, er berechnete und überlegte nut, wie er sie am empfindlichsten treffen konnte, welche Worte er wähle» sollte, um sie so tief als möglich zu verwunden unb sie zu quälen, zu martern. Er kannte ihre schwächste Sette. Er wußte von ihrer Liebe zu Dony, von ihrer starken, ttenen Freundschaft zu Adrienne. Waren dar
und der Enderfolg der Amerikaner wttd davon abhängen, ob die PHUippiner sich aufs neue erheben und gegen Manila vorgehen, und ob die spanischen Landtruppen den gemeinsamen Angriff der Amerikaner zur See und der Aufständischen zu Lande abzuwehren vermögen. Der erste Schritt zur Erreichung dieses Zweckes war die Vernichtung der spanischen Flotte, die sich den Amerikanern entgegenstellte, unb obwohl nicht daran zu zweifeln ist, daß Admiral Montojo eine empfindliche Niederlage erlitten hat, ist es doch noch nicht ersichtlich, ob den Amerikanern auch nur jener erste Schritt in vollem Maße gelungen ist. Es ist nämlich in Bettacht zu ziehen, daß die spanische Flotte, abgesehen von den beiden kleinen Kreuzern Isla ve Cuba und Isla de Luzon, aus veraltetem Material bestand, das für den Krieg kaum in Bettacht kommen konnte, und daß Spanien gewissermassen nur ehrenhalber versucht hat, mit dieser Flotte die See gegen die Amerikaner zu halten. Das einzige, was fie zu erzielen hoffen konnte, war, den weit befiel« amerikanischen Schiffen so empfindsame Schäden beizubringen, daß diese in den Entscheidunge- kampf um Cuba nicht mehr eingretfen können. Ob und inwieweit ihr das gelungen, müssen die nähern Meldungen über den Kampf ausweisen.
Nach weiteren Madrider Meldungen vom 2. Mai ankert nach der Zerstörung der spanischen Schiffe das amerikanische Geschwader vor M a n i l a. Es schickt fich an, diese Stadt zu beschießen. Der Eindruck in Madrid ist Trauer, Schmerz und Bitterkeit. Die Presse ermahnt angesichts des ungeheuren Unglücks zur Standhaftigkeit, Ruhe und Ordnung, um die Scharte auswetzen zu können. Sie widmet den untergegangenen Helden pattiotische Nachrufe und erklärt den Ausgang des Gefechtes durch die große Ueber- legenheit des Gegners. Der Verlust auf spanischer Seite beträgt etwa 400 Personen, mit Einschluß derer, die in Cavite umkamen, das bombardttt wurde. Admiral Montojo bestätigt die gemeldeten Verluste. Cavite sei schwer beschädigt. Vorgestern Nachmittag seien ein deutsches, ein englisches und ein französisches Kriegsschiff angekommen. Der englische Konsul be- rieth mit dem amerikanischen Admiral. Manila ist blokirt, die Einwohner fliehen, weil sie den Beginn der Beschießung fürchten.
Nach dieser Situation beginnen politische Kreise sich bereits über die möglichen Folgen des Seefieges unb die Verdrängung der Spanier von den Philippinen für die Politik der europäischen Mächte, insbesondere Über ftanzöstsche Einmischungsgelüste zu beunruhigen. Die „Times" bemerkt in einem Leitartikel, die Verdi ängung Spaniens von den Peilippinen würde ein neues Element der Beunruhigugg in die polittsche Lage einführen. Es sei daher zu hoffen, daß die Sache nicht überttieben werde.
nicht Anhaltspunkte genug, um die Stolze, einst so Heißgeliebte und jetzt ebenso leidenschaftlich Gehaßte zu verletzen, zu verjagen? — Ja, fort sollte, fort mußte sie, und wollte fie nicht gutwillig gehen, so wollte er fie zu zwingen wissen.
„SBiflft Du nicht hier neben mir Platz nehmen? Unsere Unterredung dürfte lange dauern," begann er nach einer Pause aufs neue.
Ina machte eine abwehrende Bewegung, und wie Ekel huschte es über ihr Gesicht, aber fie sprach nicht.
„Wie Du willst," meinte Mondega gleichmüthig, ein Sein über das andere schlagend.
„Mache der ©eene ein Ende. Was willst Du?" herrschte fie ihn an.
„Ich könnte Dich an den Pranger stellen," sagte er im scheinbar wohlwollenden Tone. „Dies Tuch, das Du mir hinterlassen, nachdem Du meinen Schreibtisch durchwühlt, würde genugsam gegen Dich sprechen, aber davon will ich absehen, wenn Du ihust, was ich von Dir verlange. Rede noch nicht, fuhr tr etwas schärfer fort, als fie eine Bewegung machte, „erst höre mtt zu und dann ist an Dir die Reihe. „Adrienne wird mein, fie liebt mich, ist bereit, mit mtt —*
Er kam nicht weiter.
„Elender, wie konntest Du es wagen? schrie Ina auf. „Du, bei —
„Schweiz, bringe mich nicht zum Aeußersteu 1* schnitt er ihr die Worte ab. „Adrienne wird mein und Dn sollst mtt dabei behilflich sein!"
„Nie und nimmer I Töte mich, verleumde mich, untergrabe meinen Ruf, vernichte mein Dasein, aber so lange ich einen Ahtemzug in meiner Brust habe, werde ich ihn dazu benützen, allen zu verkünden —"
Wieder verhinderte er fie am Weitersprechen.
„Nichts dergleichen wttst Du thun, denn Du hast keine Beweise! Ein Wort von mtt unb Dn bist un-
Die in Amerika vorgeschlagene große Erhöhung b e r Tonnengebühren für fremde Schiffe in amerikanischen Häfen erregt auch in London starke Verstimmung, da das amerikanische Frachtgeschäft größtentheils von England besorgt wird. Die „Morning Post" bemerkt, die Vereinigten Staaten wünschten augenscheinlich ihren Krieg mtt Spanien auf Englands Kosten zu führen. Niemand könne es Spanien verargen, wenn es an ein ähnliches Hilfsmittel denke, worauf dann England abermals 60 Prozent der Erhöhung zu tragen hätte. Jedenfalls müsse England hierbei mit den übrigen betroffenen Mächten Zusammengehen unb kein Zweifel über seine Absichten aufkommen lassen. Das Tonnengeld, welches für die ans anderen als nord- und centralamerikanischeu Häfen ankommenden Schiffe jetzt 6 Cents pro Tonne, höchstens 30 Cents pro Jahr beträgt, soll nach dem Gesetzentwurf auf 20 Cents pro Tonne, höchstens 2 Dollars 40 Cents pro Jahr erhöht werden. Wie die „N. Allg. Ztg." hört, wird der Angelegenheit vom deutsche» Auswärtigen Amt volle,Aufmerksamkeit zugewandt und in Folge feiner Instruktion hat der Kaiserliche Botschafter in Washington bereits in Gemeinschaft mit seinen Kollegen Vorstellungen bei »er amerikanischen Regierung gegen die bevorstehende Erhöhung der Tonnengelder erhoben. Diese haben auch die'Wirkung gehabt, daß der Senat zunächst die Vertreter der fremden Schifffahrthgesellschasten in der Frage hören will.
Einer Privatdepesche aus Hongkong zufolge b e - gann die Befchießung Manilas bereits. Die Bewohner sind aufs Land geflüchtet. Auch die Telegraphisten vom Büreau der Kabelgesellschaft, welches inmitten der Forts liegt, sind geflüchtet.
Der Washingtoner Korrespondent des „Journal" «fährt, das Wrack der „Maine" sei von den spanischen Behörden zerstört worden; man nehme an, es sei dies geschehen, um die Hebung des Wracks durch die Vereinigten Staaten im Falle der Einnahme Havannas zu verhindern.
Umschau.
In den beteiligten Kreisen hat es aufs schmerzlichste berührt, daß in der Nachtragsfordernng zum Reichsbaushalt wieder nichts für die Wittwen der Offiziere und Soldaten enthalten ist. Mit voller Einstimmigkeit hat der Reichstag in der Sitzung vom 21. März die Nothlage dieser Wittwen anerkannt und neue Hoffnung zog in die Herzen dieser Frauen ein, denn sie glaubten nun endlich nach 28 Jahren aus ihrer Nothlage errettet zu werden. Allem leider ist diese Hoffnung wieder zu Wasser geworden, und zurück bleibt wieder das Gefühl der Enttäuschung und der Erbitterung. Wenn man in den Kreisen der verabschiedeten Offiziere und der Jn-
möglich. Oder meinst Du, der alte Narr würde auch ferner Dich in der Nähe seiner Tochter dulden, wenn sie erfahre» —"
Die Drohung hatte ihre Wirkung verloren. DieGefahr, in der Adrienne schwebte, gab ihr den Muth einer Löwin, die ihre Jungen vertheidigt und mtt ihrem Lebe» dasjenige ihrer Kinder schützt. Die Freundin mußte gerettet werde» aus den Händen des Vampyrs, der kaltlächelnd fie zu verderbe» drohte. Ob fie selbst dabei z» Grunde ging, was bedeutete das? Was hatte fie noch zu verliere»? Die Wett war groß. Wenn sie ihre Mission hier erfüflt hatte, konnte fie von diesem Fleck Erde scheide» und irgendwo w stiller Abgeschiedenheit ganz nur der Erinnerung leben. Ach, wäre es doch schon so wett!
„Wenn sie erfahren —" wiederholte Mondega zögernd.
Fest traf ihn ihr Blick.
„Sprich es ans! Du vernichtest damit nicht nur mich, sondern auch Dich! Ich fürchte Dich nicht mehr!„ rief Jua, sich hoch auflichtend. Ihre Augen blitzten kampfesmuthig, ihre Hände ballten fich, als müsse sie fich wappnen gegen einen Angriff von ihm.
Mondega war überrascht. Welche Wandlung in wenigen Augenblicken! Erst scheu und unsicher und nun von Muth beseelt, herausfordernd, siegesgewife stand diejenige vor ihm, die er hatte demüthigen, knechten, Quälen wollen!
Einige Augenblicke blieb er sprachlos. Dann be> greifend, was diese Veränderung hervorgebracht, wenn ihm auch die Anregung hierzu ein Räthsel blieb, denn edle Regungen waren bei diesem Menschen so wenig vorhanden, daß er fie auch niemals bei andern suchte, änderte er plößlich seine Taktik, erhob fich rasch und stand urplötzlich Äug' in Auge Ina gegenüber, die ihn unentwegt ansah.
validen auch zugiebt, daß die vom Reichstage gewünschte Umänderung der Versorgungsgesetze in der kurzen Zeit nicht bewerkstelligt werde» tonnte, so ist man doch überall der Ansicht, daß wenigstens für die Wittwen auch in dieser kurzen Zeit daS Nöthige hätte geschehen können. Die Wittwen der gefallene» Offiziere nach 28 Jahren endlich den Wittwen der im Frieden gestorbenen Offiziere gleichzustellen und de» Wittwen der gefallenen Soldaten wenigstens täglich eine Mark zu gewähren, dazu braucht man wahrlich keine langen Erhebungen und keine langen Berechnungen. Im Reichstage wie auch beim ge- sammten deutschen Volke ist man der Ansicht, daß eS Ehrenpflicht ist, endlich für die Wittwen der Gefallenen zu sorgen. Wenn für das Heer und die Flotte jährlich mehr als 600 Millionen ausgegeben werden, bann muß man, sagt die „K. Ztg.", auch die paar Millionen noch habe», um für die Wittwen unb für bie Jnvaliben zu sorgen; benn unseren tapfere» Soldaten verdanken wtt in erster Linie die heutige Machtstellung sowie die gefammte Entwicklung des deutschen Reiches.
Die Umsatzsteuern für G roß- Magazine find bekanntlich in Frankreich beretts eingeführt; aber obwohl fie dort in ganz enormer Höhe erhoben werden, haben fie den sozialen Zweck, die Geschäfte der bestehenden Waarenhäuser eiuzu- chränken, nicht erfüllt, wohl aber haben sie entschieden das Erstehen neuer gemeinschädlicher Groß- »etriebe verhindert. In der Debatte des Abgeordnetenhauses über die Umsatzsteuer gab der Regierungsvertreter u. A. folgende Daten aus bet Pariser Steuerliste:
Im Jahr, 1880 würbe durch diese znm Theil für ben Staat, ,um Theil für bie Kommune erhobene Steuer daS größte bei Magazine, Louvre, mit 261000 Francs belastet, unb nach bem abgeänberteu Gesetze von 1893 ist eS jetzt mit 933000 FrcS. belastet; das zweste Magazin, Bon Marche, zahlte damals 268000 FrcS. und jetzt, nach bem Gesetze von 1693, zahlt eS 813000 FrcS. (Hört, hort!) Das Entscheidende ist aber die Wiiksamkest einer solchen Steuer. DaS französische Gouvernement hat uuS darauf aufmerksam gemacht, daß bie durch daS Gesetz von 1893 auferlegten Lasten das Gedeihen der Waarenhäuser ersten Ranges nicht geschädigt haben, da die Zahl bei darin beschäftigten Personen fortgesetzt gewachsen sei. DaS Gouvernement sagt: „Es ist gestattet, baraus den Schluß zu ziehen, baß daS fragliche Gesetz bis jetzt nicht bie Wirkung gehabt hat unb sie auch künftig nicht haben wirb, bie Konkurrenz einzuschränkeu, unter welcher bie kleinen Ge- werbetreibeuben zu leiden haben". Da können wir uns nicht wundern, daß das Gesetz auch die Gewerbetreibenden nicht befriedigt hat. Noch im März dieses Jahres kam bei Gegenstaub bei bem neuen Finanzgesetz in bet französischen Deputiiteukawmei zur Sptache. ES sollte nochmals eine neue Umwandlung des Gesetzes staitfinden. Regierung und Finanzkommission waten übet die Aendenrng einig, welche die Steuer wieder um etwa 70 pCt. erhöhte. Da erhob fich aber eine Opposition, die eine ziemliche Mehrheit der Kammer für fich gewann und dies für ganz ungenügend
„Adrienne ist Dir thenei?"
„Ueberflüsfige Frage!" gab fie achselzuckend zurück.
„Nicht so sehr, wie Du anznnehmen beliebst. Du hast von jeher Phrasen im Munde geführt wie von .Bethäiigen wahrer Freundschaft,' von .Opsermuth' und dergleichen mehr. Jetzt ist Dir Gelegenheit gegeben, zu beweisen, ob Du wirklich so fühlst oder nur so gesprochen hast."
Er machte eine Pause unb starrte ihr währenddessen höhnisch lächelnd i»S Gesicht. So wie am Nachmittag wußte fie nicht, wohinaus er wollte. I» der unbehaglichsten Stimmung, mit rasendem Herzklopfen, das ihr fast den Athem »ahm, hielt fie feinen Blick aus, einer neuen Infamie gewärtig.
Sie sollte fich nicht getäuscht haben; schleppend langsam fuhr er fort:
„Du gönnst mir nicht das Glück, Adrienne zu besitze»! Arme Kleine, es wttd ihr nahe gehen, fie liebt mich und hat mir dies durch ihre Küste bewiesen."
„Schurke, wie tonntest, wie durstest Du es wagen, Du, der —
„Gatte einer andere»! Sprich es nur ans, mein Schatz, geniere Dich nicht. Da aber diese andere, meine Gattin, mich böswillig verlaste» hat, mir alle Subsistenzmittel entzog —"
„Lügner!" unterbrach ihn Ina flammeude» Blickes. Ei aber that, als habe er es nichts vernommen, trat ihr noch etwas näher und bohtte seine Auge», diese kleinen, stechenden Augen, tief in ihr erregtes Antlitz.
„— so mußte ich wohl daraus bedacht sei», auf eine andere Weise zu bem Verlorenen zu kommen," vollenbete et. Der Zufall war mir günstig. Nach lange» Irrfahrten warf ei mich hier ans ßanb. Ich ließ eS mir wohl sein und ließ mtt die erwachende Leidenschast beS lieben Mädchens gern gefallen. Haha! (Fortsetzung folgt.)