MX-
MWisch 3citima.
öchentlichc Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Knick Md Verlag: Joh. Ang. Koch, UniverfitätS-Buchdrnckerei in Marburg. verantwortlich für die Redaktion: Redakteur M. Hartmann in Marburg.
Expedition: Markt 21. — Telephon 55. VV VlUll* Redaktion: Markt 21. — Telephon 55.
..HZ 102
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Quartals-Abonnhnents-Preis bei bet Expedition 2 Mk.. bei allen Postämtern 2,25 Mk. (exkl. Bestellgeld). Jnserttonsgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg., Reklamen: die Zeile 25 Pfg.
Marburg
Dienstag. 3. Mai 1898.
Anzeigen nehmen entgegen: die Expedition dieses Blattes, die Annoncen-
Bureaux von Haasenstein & Vogler, Frankfurt a. M., Cassel, Magde- Oo
bürg, Wien: Rudolf Moffe, Frankfurt a. M., Berlin, München, Köln; oo. ^UyTy.
E. L. Daube & Co., Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris re.
Der Krieg der Vereinigten Staaten mit Spanien.
Die amerikanischen Kriegsmeldungen erweisen sich al» sehr unzuverlässig. Sie stehen ungefähr auf derselben Stufe, wie die griechischen SiegeSdepeschen deS vorjährigen Krieges und die französischen Sieges- Metins von 1870. Ueberdies macht nach New-Iorker Berichten die Organisation der Milizen große Schwierigkeiten. Das 13. Regiment (Brooklin) weigerte sich, den Befehlen des Kriegs- Ministers zu gehorchen. Oberst Eddy, Kommandeur deS 47. Regiments (Brooklin), reichte seine Ent- lasiung ein, da Geschäftsinteressen seine Anwesenheit in New-Jork erheischten. Das 47. Regiment ist jenes Regiment, das fast einstimmig beschlossen hat, am Kriege nicht theilzunehmen. Es besteht in seinem Hauptkern aus MillionärSsöhneu und heißt im Volk längst das „Gigerlregiment", da die junge» Herren ihre starke Teste vor Allem in Modethorheiten suchen. Daß diese „Dndes" oder „Gigerln" nicht in's Feld ziehe» mögen, läßt sich leicht denken. Die Vereinigten Staate» erfahren jetzt, was ihre Wehrverfassung werth ist. Es zeigt sich, daß die als Rückhalt der verschwindend kleinen regelmäßige» Unionsarmee angesehene Miliz für die Zwecke, denen sie jetzt genüge» soll, gar nicht zugeschnitte» ist. Laut Titel XVI der revidirten Verfassung kann die Miliz nur in zwei Fälle» einberufe» werden, nämlich zur Abwehr eines feindlichen Einbruchs oder zur Niederwerfung eines Aufstandes, und auch dann nur für die Maximalfrist ton neun Monaten. Etwaigen Gelüsten des Kon- greffes oder de« Präsidenten, trotz jener Bestimmungen die Miliz aggressiven Tendenzen dienstbar zu machen, schiebt das ausdrückliche Verbot in Artikel 1 der Verfassung einen Riegel vor. Nach dem Buchstaben des Gesetzes können die Vereinigte» Staaten zur militärischen Operation außerhalb des Unionsgebietes nur ihr stehendes Heer von einigen 20 000 Mann yeranziehe». Um eine größere Truppenmacht außerhalb des Bundesgebietes zu verwenden, ist eine vorgängige Aenderung der einschlägigen Verfassungs- brstimmMgen gar nicht zu umgebe», es sei denn, daß man genügend Freiwillige anzuwerben vermag, waS zweifelhaft erscheint. JedesfallS kann man darauf gespannt sein, wie sich die Dinge weiter nach dieser Richtung hin entwickeln werde». Für die Verehrer des Milizsystems dürsten sie nicht er» baulich sein.
Das amerikanische Kriegsdepartement trifft energische Maßregeln gegen die Spionage, nachdem bekannt geworden ist, daß dieselbe im großartigsten Maße von den Spaniern betrieben wird. Auf dem Kreuzer „VeiuviuS" soll eine Dynamit- dombc gefunden sein. Der ehemalige Militärattache
Machdruck verboten.)
Getrennte Sterne.
Roman ans bet Gesellschaft von H. Waldemar.
(Fortsetzung.)
Noch immer stand der alte Herr halb abgwandt. Es kostete ihn offenbar große Mühe, die Bitte des Sohnes nicht rundweg abzuschlagen.
„Du verlierst den Anspruch auf das Majorat, Georg und deine Erwähfte ist — arm!"
„Das nimmt ihr in meinen Ange» nicht ein Jota do» ihre» Vorzügen. Ich trachte nicht nach dem Majorat, Papa, das mag an die Seitenlinie fallen; uh tauge ohnedies nicht zum Landwirth. Mst dem, was du mir geben willst, und meiner Gage können wir haushalten. O, Dora ist sparsam und einfach; »ft müssen glücklich werde», selbst bei de» bescheidenste» Verhältnissen."
„Bist Du Deiner so sicher, mein Sohn ? Wird nicht doch eines Tages Reue Dein Herz beschleichen?"
„Papa, eine solche Dermnthung darfst nur Du aussprechen!" rief Georg erblassend und in scharfem Tone. Er faßte sich jedoch rasch wieder und fuhr, näher tretend, fort: „Verschließe Dein Ohr und Dein H«; nicht gewaltsam, lieber Papa. Ich weiß, daß Du stets und immer nur darauf bedacht warst, Deiner Kinder Glück zu befestige» und gar manchen Beweis davon trage ich in meiner Brust. Sollte es Dft hier schwer fallen? Oder hast Du an Dora etwas anszusetzen?"
Da wandte sich Graf Bimau seinem Sohne voll wieder zu und ihm beide Hände entgegeustreckend, rief er:
„Meine Einwilligung, meinen Segen hast Tu, Georg, mein Sohn! Werde so glücklich, wie eS Dein Vater war und noch ist!"
Amerikas in Wien, Kapitän D o r st, ist mit der Tepeschencensur beauftragt und wird zukünftig keine militärischen Enthüllungen gestatten. Admiral Sampson befahl, keinerlei Korrespondenten auf den amerikanischen Kriegsschiffen zu dulden, und entfernte den „T i m e s" - Korrespondenten vom Flaggschiff.
Am 30. d. M. wurde der amerikanische Passa- gierdampfer „Paris", der durch die Spanier ab«e- fangen sein sollte, im Osten von Fire - Island fignalifirt.
Für seine» Krieg will sich Amerika durch Erhebung von hohen Tonnengeldern von fremden einlaufenden Schiffen bezahlt machen. Deshalb erhielten in Washington die Botschafter Englands und Frankreichs Pauncefote und Carnbo» Instruktionen wegen des Tonnengeldes, das nach dem Gesetze über die KtiegSfoflen erhoben werden soll. Man glaubt, daß auch v. Holleben Instruktionen erhalten werde, und gemeinsame Vorstellungen gegen die Härte der Abgabe erhoben werden würden. Die Verfteter der großen Staaten hege» die Hoffnung, daß die Vorstellungen zu einer Aenderung der Bestimmungen führe» werden, bevor die Vorlage Gesetz wird. Sonst würde der englische, ftanzösische und deutsche Seehandel nach den kanadischen und mexikanischen Häfen geleitet werden.
In Hongkong meint man, die spanische Flotte werde Manila nicht »erlassen; sie werde vielmehr die Forts bei der Bertheidigung der Bai unterstütze». Die amerikanischen Schiffe sollen auf der Höhe von Bolinao signalifirt sein. Das Wetter ist zu schlecht, als daß sie mit den Insurgenten in Verbindung treten könnten. Von dem deutschen Geschwader in Ostaste» ist der Kreuzer „Irene" »ach Manila entsandt und vorgestern von Nagasaki dorthin abgegangen. Vizeadmiral von Diederichs ist ermächtigt, im Bedürsnißfalle eine Verstärkung, soweit deutsche Kriegsschiffe in den chinesischen Gewäsiern abkömmlich, bei de» Philippinen ein- treten zu lasten.
Umschau.
Im Preußische» Abgeordnetenhause be- rieth man am Sonnabend über die Interpellation Gothein wegen Versagung der Genehmigung zur Errichtung eines Mädchengymnasiums in Breslau. Hierzu gab der Kultusminister DDr. Bosse nachstehende Erklärung ab: „Die Bedeutung des Falles liege darin, daß in Breslau ein bis in die kleinsten Einzelheiten ausgearbeiteter Lehrplan aufgestellt fei, auf Grund deffen ein öffentliches Mädchengymnafium an eine bestehende städtische höhere Mädchenschule angegliedert werden sollte. Das hätte schwerwiegende Folgen habe» könne». Die Ablehnung
„Papa!" jubelte Georg, sich an des Vaters Brust werfend.
„Ich mußte Dich prüfen, mein Junge, mußte Dich anf alles aufmerksam machen, damit Du mir nicht später vorwerfen konntest, ich habe Dich blindlings ins Ungewiffe greifen lassen."
„Ins Ungewisse? Sieh Dora ins Auge! Du kennst sie, Papa, und warst von je her entzückt von ihr; ich brauche zu ihrem Lobe nichts zu sagen."
„Aber hole» borfft Du sie, mein Sohn. Während- dessen will ich die Mama auf die ihr bevorstehende Freude vorbereiteu."
Gras Georg warf sich noch einmal in die Arme des Baiers: bann eilte er hinaus, und wenige Sekunden später sprengte er dem Walde zu und nahm denselben Weg, den kurz vorher Mondega gegangen war. Er traf ihn sehr bald.
„Sie habe» recht getha», Mondega, die schöne freie Natur zu suchen," rief Georg ihm zu. „ES ist entzückend hier draußen. Ueberall keimt und sproßt es. Die Blumen dufte», die Vögel fingen »nb verkünden, baß bie Natur sich mit ihrem köstlichsten Gewanbe geschmückt."
„Sie scheinen besonbers froh gestimmt?"
Mondega sah Georg neugierig an.
„Giebl dazu nicht bie Verjüngung ber Natur Ursache genug?"
„Man kann biefelbe auch anders deuten."
„Und wie?"
„Dadmch, daß wir älter geworden sind."
Georg lachte.
„Das braucht u»S nicht zu betrüben. Ich denke, wir beide habe» nicht nöthig wie eine ölte Jungfer unser Aller zu verheimlichen; deshalb könne» wir uns getieft immer wieder am Frühling erfreuen, der mft nie s» schön bäuchte als heute. Sie verzeihe»,
sei erfolgt auf Grund genauester Erwägung und einstimmigen Urtheils ber Räthe. Der Magistrat von Breslau habe zur Voraussetzung für bie Errichtung bes Gymnasiums gemacht, daß ben Abiturientinnen das Recht zum UniverfltätSbesnch gewährt werbe. Diese hätte aber nicht ertheilt werben können. Unter dieser Voraussetzung bedeute der Antrag einen Vorstoß im Sinne der modernen Frauenbewegung. Dem ©heben der Frauen nach erweiterter Erwerbsfähigkeit stehe er nicht ablehnend gegenüber, allerdings unter Vorbehalt der durch das Bedürfniß gezogenen Grenzen. Auch er halte die Approbation einiger weiblicher Aerzte für wünichens- werth, die Möglichkeit, diese zu erreichen, sei aber reifen jungen Damen schon heute durch private Gymnafialkurse bekanntlich geboten. Er halte es aber für grundfalsch, schon zwölfjährige Kinder in eine Gymnasiallaufbahn hinein zu drängen. Die jetzigen Schulen sollten die Frauen nicht zu Gelehrten, sonder» zu Gefährtinnen des Mannes und tüchtigen Hausftaue» erziehe». Ohne ein dringendes Bedürfniß dürfe ein öffentliches Institut, wie es der Antrag wünsche, wegen der sozialen Gefahr nicht gegründet werden, ein solches liege aber nicht vor, da sich bei einer Bevölkerung von über 4 Millionen in Schlesien nur 24 Mädchen gemeldet hätten. DaS Verlangen der Frauen, mit den Männern in jeder Beziehung zu fonfuritren, fei widernatürlich, da auch bie Pflichten ganz verschieden feien. Noch sei bie Zeit des Arnazonen- korps und der weiblichen Landwehr nicht gekommen. Auch die Mehrzahl der Dozenten sei gegen die Zulassung der Frauen zum Universitätsstudium, und zwingen könne man sie nicht. Ferner enthalte der vorgelegte Lehrplan eine außerordentliche Mehrbelastung der Mädchen gegenüber den Gymnasiasten, und endlich sei die Frage des Reformgymnafiums noch gar nicht abgeschlossen. Nach den vorjährigen Verhandlungen fühle er sich in Uebereinftimmung mit der Mehrheit des HauseS. Wenn der Magistrat von Breslau sich über das Fehlen der Gründe in dem ablehnenden Bescheid verletzt fühle, so bedauere er das, gebe aber zu bedenken, daß die Antwort nicht dem Magistrat, sondern ber Breslauer Regierung ertheilt sei, unb ferner habe er geglaubt, biefe Gründe bei bem häufigen Beisammensein mit bem Oberbürgermeister Benber biesem mittheilen zu können.
In einem Artikel, betitelt „Zur Internationalen Lage", weist bie „Köln. Zeitung" bie Gerüchte über eine angebliche Abkühlung ber deutsch- russischen Beziehungen als gänzlich unbe- giünbet zurück. Betreffend das Verhältniß Deutsch- lands zu England erinnert das Blatt an die jüngste Erklärung ». Bülows, daß zwischen Deutschland und England keine Abmachungen beständen. Bezüglich Transvaals hebt die „Köln. Ztg."
Mondega, daß ich Sie allein lasse, aber ich habe einen Auftrag, eine süße Pflicht zu erfülle». Auf Wiedersehen in einer Stunde!"
Er wartete die Antwort Mondega's nicht ab, legte die Hand an die Mütze und sprengte davon. Eine Welle sah ihm der Zurückgebliebene »ach, dann versa»! er in Brüten, während er, blind und taub für alles, was um ihn vorging, fast mechanisch wetter- schritt, bald rechts, bald links abbog unb endlich am Weiher still staub.
Derselbe war nicht groß unb lag mitten im Park, von Buche», Weide» und Gestrüpp umgeben, deren frisches Grün ungemein anmuthig wirkte.
Durch die sich leicht bewegende», zarten Blätter gelang es der Sonne, ihre »»ruhigen, zitternde» Sttahle» auf bas Wasser zu werfe», bas geheimnisvoll flüsterte unter bem leichte» Winbe, ber e8 bewegte. Hier unb ba schaukelte sich ein breites Blatt ber Wasserrose »nb biente halb einem Schmetterling, halb sonstige» Insekten als Ruhepuntt. Einzelne Vöglein ließe» sich borauf nieder, tauchte» unter in das erfrischende Naß, prusteten sich auf und flogen, nachdem sie Toilette gemacht, zwitschernd, jubilierend davon. Ringsum herrschte lautlose Sülle kein Hufschlag drang bis in dies köstliche Fleckchen, kein Wagengerasiel, kein Axtschlag mahnte an die Thäügkett der Zerstörung. Ab und zu vernahm man ein zartes Vogelstimmchen. Amseln, bie Nahrung suchend im Gebüsch umherliefen, sich bis zum Waffer vorwagten, wobei sie flink und munter bas Köpfchen nach allen Seiten drehten, ließe» ihr „tüt, tüt" hören und flogen zum nächste» Baum, um ihre Thätigkeit »ach kurzer Zeit wieder aufzuuehme».
Mondega schien von alledem nichts zu sehen, zu höre». Er umschritt langsam de» Weiher und ließ sich dort, wo man einen prächtigen Blick sowohl nach
hervor, daß keinerlei Schwenkung in ber beutscheu Politik eingetreten fei. Die Aufrechterhaltung ihrer Selbständigkeit sei Sache ber Boeren. Je mehr biefelben ben Wohlstand ihres Landes höben und förderten, um so leichter würde ihnen diese werden. Je mehr sie bie berechtigte» Interesse» der dortige» Ausländer und Gewerbetreibende» vernachlässigte» und schädigten, um so mehr berieteten sie ben Gegner» ber Unabhängigkeit des Landes ben Boden. Der Artikel schließt: Unseres Erachtens zeichnet sich bie beutsche Politik durch erfreuliche Klarheit unb Durchsichtigkeit aus. Sie giebt Rußland nicht ben geringsten Anhalt, an ber altüberlieferten deutschen Zuverlässigkeit zu zweifeln. Sie hindert gutes Zusammengehen mit England nirgends, wo deutsche Jntereflen solches wünschenswerth machen. Sie hat allerdings aber auch jede» Zweifel darüber beseitigt, daß sie sich nicht zum englischen Vorspann Vergeben wird, wo keine entsprechend wichtigen deutsche» Interessen mit in Frage kommen. Die deutsche Polittk wird eben niemals aus dem Auge lassen, daß ihre wesentlichsten Jntereffen in Europa liegen und daß ihre wichtigste Aufgabe ist, für Deutschland in Europa in Ehren den Frieden auftechtzuerhalten und zu sicher».
Deutsches Reich.
Berti«, 2. Mai. Se. Majestät der Kaiser wirst in diesen Tagen mft Ihrer Maj. der Kaiserin auf.Schloß U rbillc eintreffen.
— Dem „Vulkan" in Stettin ist außer bem^ Bau eines großen transatlanttsche» Schnelldampfers bekanntlich noch von ben Vereinigten Gesellschaften „Norbbeutscher Lloyd" und „Hamburg- Amerika - Linie" der Bau mehrerer Subvenüons- dampfer in Auftrag gegeben worben. Auf die Meldung von diesen neuen großen Bestellungen erhielt der Vorsitzende des Auffichtsraths, Geheimer Kommerzienrath Schlutow, nachstehende Antwort des Kaisers:
„Von Herzen bin Ich durch Ihre Meldung erfreut. Möge die dewährte solide Arbeit Ihrer Werst ebensolche hervorragende Leistungen ausw isen, wie die bisherigen, welche Ihnen di« Neubestellung sicherten Für Pommern« Bevölkerung ist diese Aussicht höchst erfteulich.
Wilhelm I. R*
— In gestriger Sitzung des Reichstags gelangten die Postkong reß-Urkunde, die provisorische Verlängerung des Handelsvertrag e s m i t E n g l a n d und das Gesetz betr. elektrische Maßeinheiten in dritter Lesung, das Gesetz, betr. die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht in zweiter Berathnng ohne Debatte zur Annahme. Eine Debatte knüpfte sich an ben Antrag Bachem auf Zollherabsetzung für astatische Seibenstoffe, sogenannte Pongees, unb an
bem Bünshofe, als nach bem Dorfe unten hatte, auf bie Bank nieber.
Es war ihm warm geworben, obwohl er nur langsam gegangen war. Den Hut abnehmenb, wischte er sich über bie Stirn. An bem Blick aber, ben er »ach bem Bünshof richtete, sah man, daß es nicht bie äußere Temperatur war, unter ber er litt. Zorn, Angst, Wuth, rasenbes Verlangen unb bie Ahnung von etwas Fürchterlichem stittten sich in ihm um ben Vorrang unb preßten ihm Schweißtropfen aus. Was er wollte, was er sollte, war ihm »och nicht klar, und er bereute jetzt, Ina hierher bestellt zu haben. WaS wollte er von ihr? Sie war in seiner Hand unb baß sie ihn und seine Macht fürchtete, das bewies ihre heutige Zusage.
Trotz aller Gedanken erfüllte ihn dies Bewußtsein mft teuflischem Frohlocken. So mußte es kommen; sie mußte vor ihm ztttern, mußte sich seinem Will« beugen, das Weib war vor bem Manne. Das war nicht mehr als recht, bie Erfüllung eines Gesetzes, bas bie Menschen aufgestellt nnb wohl staS einzige, bem Mongega unbebingt zustimmte.
Ein Strahl glühenb Hasses brach ans seinen Augen, als er Jnantta zwischen ben Bäumen daher- kommen sah. Sie trug ben Kopf unbedeckt nub so konnte die Sonne ihre goldigen Reflexe ungehindert über sie ausgießen. Ihr Gesicht »ar bleich, trag aber einen entschlossenen Ausdruck, unb bie fest auf» einanber gepreßten Lippe» verriethe», baß Ina nicht gemißt war, sich Zugestänbaiffe abringen zu lassen.
Auch ihr Blick konnte nicht verbergen, was in ihr vorging; er zeigte sogar Haß, Verachtung, als sie endlich Mondega erreicht hatte und dieser nicht •Kiene machte, sich von seinem Sitz zu erheben.
(Forffetzung folgt.)