Einzelbild herunterladen
 

landen »imt 2tt letzter

U itt

ie

F

!

WWW MW

' Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für -ie Kreise Marburg «nd Kirchhain.

Kaeck und Verlag: Joh. «ug. Koch, UniverfitätS-Buchdruckerri in Marburg. Lerantworttich für dir Skbdtbu: Redakteur M. Hartmann in Marburg.

Expedition: Ma» 21. - Telephon 56. Redaktion: Markt 21. Telephon 55.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. TWTrY'vfil ttVt Anzeigen nehmen entgegen: die Expedition dieses Blattes, die Annonren-

' -»/ Inn Quartals-Abonnements-Preis bei der Exvedition 2 Mk., bei allen y Bureaux von Haasenftein & Bögler, Frankfurta. M., Cassel, Mägde» qq

JlS. Juv Postämtern 2,25 Mk. (erfl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr: die ge- on 1QOq bürg, Wien- Rudolf Mosse, Frankfurt a. M-, Berlin, München, Köln; OO. ^Zlllfljj.

spaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg., Reklamen: die Zeile 25 Pfg. 'ÄÖHttflDClW, öU. Apllt IoUq. C. L. Daube & Co., Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris re.

2281

n.

mliste

.S

1C fcC«-

den. eiten.

Wik. 5. ,, 3. ranke, a:

n.

iain.

g 1

n! '

irkeit, h- und

mig

ingend itt l, !and- lütDciie

(770 nüber« Kraft- irobefi. cktplap

Erstes Blatt.

Eine radikal-demokratische Wahllüge.

Die radikale Demokratie, gleichviel ob sie sich süddeutsche, oder Hessische Volkspartei taust, ist und bleibt die allernächste Verwandte der Sozial­demokratie. Sie ist natürlich auch zu Erreichung von Wahlerfolgeu völlig skrupellos in Sezug auf die Wahrheit, und so schreibt eines ihrer hessischen OffenbarungS-Organe erst gestern wieder, um den denn doch klügeren Hessische» Wählern bange zu machen, gegen die Konser­vative», siewollte» dem Volke das geheime Reichstagswahlrecht rauben."

Diese alte Wahllüge läßt sich durch die einfachsten sachliche» Beweise widerlegen. Die radikale Demokratie schöpfte auS einem Angriff gegen die konservative Pattei in einem anderen Blatte, der denselben Vorwurf mit langem angeblichenBeweis" enthält. DieN. Pr. Ztg." aber unterzieht diesen Beweis einer genauen Prüfung «nd legt, ihn glänzend zu Nichte machend, Folgendes dar:

Der gegnerische Beweis führt ein halbes Dutzend angeblich konservativer Stimmen auf, die eine Wahl­rechtsänderung empfehle». Von diesem halben Dutzend aber scheiden sofott zwei Drittheile aus; denn für Aeußcrungen des verstorbenen Grafen Fred Franken­berg , oder derDeutschen Volkswitthschaftlichen Korrespondenz" die konservattve Pattei verantwortlich zu machen, geht doch wohl nicht au. Ebenso wenig können Artikel derSchlesischen Zeitung" auS dem Jahre 1895, also von einer Zeil, in welcher wir in llebereinstimmuug mit der Pattei mit jenem Blatte miS ost genug in scharfem Gegensätze befunden haben, als einBeweis" für das Bestehen vonver­dächtigen" Absichten innerhalb der konservattve« Partei gelten. Geradezu absurd ist es aber, unter de»Beweisen" auch die Stimme derLeipziger Bettung", die in der Bekämpfung unserer Partei vielfach in erster Linie gestanden hat, als eine maß­gebende konservative Stimme zu zittre».

DieseBeweise" also sind von vornherein absolut gegenstandslos. Wenn man die konservattve Partei wegen angeblicher Umtttebe gegen das Reichstags­wahlrecht verdächtigt, so möge man uns doch mit Beweisen" aus andern politischen Lagern verschonen. Der gegnerische Beweis beruft sich auf eine vor fünfundzwanzig Jahren erschienene Schrift des Herrn Frhrn. v. Minnigerode, der damals für eine Ab­änderung des Reichstagswahlrechts eingettete» sei. Lor fünfundzwanzig Jahren! Nu», gerade diese Schrift ist, wie uns scheint, ein Beweis dafür, daß

die konservative Partei nicht beabsichtigt, Schtttte zu thun, um eine Wahlrechtsäuderuug herbeizuführen; denn feit jener Zeit wäre unsere Partei im Kartellreichttage" beispielsweise sehr wohl in der Lage gewesen, mit einiger Aussicht auf Erfolg in der Richtung vorzugeheu. Nichts dergleichen aber ist geschehen.

Doch auf die Schttft des Herr» v. Minnigerode legt der Gegner hinsichtlich der Brauchbarkeit als Beweismittel" selbst wenig Werth, und das ist klug; denn er bfirfte doch wohl wissen, daß die deutsche konservattve Partei erst im Jahre 1876 sich konstituirt hat, daß man sie also doch nicht gut für Diuge, die vor ihrem Bestehen geschehen find, verantwottlich machen kann. So bleibt denn als letzterBeweis", außer einer Aeußeruug des sächsischenVaterlands", die jedes patteiamtlichen Charakters entbehrt und darum für die Partei absolut unverbindlich ist, die vielfach herangezogene Herrenhaus-Rede deS Herrn Grafen v. Mirbach übrig, in der vor drei Jahren ausgesprochen war,man würde es in allen ländlichen Kreisen und weit über diese' hinaus mit Jubel be­grüßen, wenn die verbündeten Regierungen (!) sich dazu entschließen möchten, einen neuen Reichs­tag auf der Basis eines neuen Wahlrechts ins Leben treten zu lassen." Ergänzend zu dieser Rede ist aber folgende Erklärung des Herrn Grafen v. Mirbach hervorzuheben, die einem von ihm an seine Wähler iw November 1895 gerichteten Rundschreiben ent­nommen ist:

Im Herrenhaus« habe ich bei einer hierzu geeigneten Gelegenheit die Frage deS Reichstagswahlrecht» berührt. Ich sprach dott, wie ich ausdrücklich erklärte, nur in eigener Verautwortuug, ohne also die konservative Partei mit meinen Aeußerungro irgend­wie zu vinkulireu.....Ein« politische Partei kann

sich meiner Ansicht nach mit dieser Frag« nicht wohl be­fassen. Für eine Aenderuug deS Reichstag». Wahlrechts ist die Juitiativ« der Regierung, nicht dir «iurr Partei erforderlich".

Ist schon hierdurch unwiderleglich ausgesprochen, daß es sich bei der HerreuhauSrede des Herren Grafen von Mirbach nur um die Meinungsäußerung eines einzelnen, wenn auch hervorragenden Partei. Mitgliedes gehandelt hat und zwar unter ausdrück­licher Verwahrung gegen Auslegungen, wie sie jetzt versucht werden, so hat die konservattve Herrenhaus- ftaktion, um jene Zweifel zu zerstreuen, unter dem 20. Mai 1895 offiziell erklärt,daß weder im Herrenhause von Seiten der Konservativen ein Vor­stoß gegen daS Reichstagswahlrecht beabsichtigt war, noch daß die Konservativen überhaupt daran denke», zur Beseitigung des Reichstagswahlrechts Schtttte zu thun". Nach dteseu Vorgängen kann eS doch schon nicht mehr loyal genannt werden, wen» aus den Aeußerungen des Herrn Grafe» v. Mirbach und nur auS diese» immer wieder gegen die konservative Pattei Kapüal geschlagen wird.

(Nachdruck verboten.)

Getrennte Sterne.

«rr

i »ei« i 103 's 98%

« 103

8 m

101 %

d 89% I 102%

ijiocA

98^

ij $8%

8 »«% 5 98% , 89* autrollr, Au- u. »stigste«

i 100% t 82% li 29

2 92V» 8 98% s 101% i 101%

<100%

88% .100% Vi 9» %

Ssichrr-

-nschkuß

Roman auS der Gesellschaft von H. Waldemar. (Fortsetzung.)

Sie seufzte schwer und lehnte sich gegeen den nächste» Baum.

WaS wohl Douy sage» würde, er!" Sie lachte bitter auf.Hat er mir nicht gezeigt, daß er ben ersten Stein auf mich zu werfe» bereit ist? Was vermuthet er nur in mir? Wie denkt er sich die Gründe meiner öftere» Abwesenheit? Haha, er wähnt mich in ben Armen eines Liebsten und doch ist es still, auch der Wald hat Ohren. Aber baß er warum nur immer au ihn denken? Was klopfst du so bang, mein Herz. Lehnst du dich auf gegen da» Opfer, daS du bringen mußt! Freund­schaft und Dankbarkeit, sie muffen dein Leitstern bleiben. Du zuckst? Du windest dich unter dem Schmerz? Du wirst schon ruhig werde», mein Herz. Die Sterne, bie begehrt man nicht! Merke eS dir! Habe ich nicht versprochen, ihm Adrienne zuzuführen? habe ich mich nicht bereit erklärt, sie zu trennen ben jenem Schurken? O, Gott, mein Gott, darf ich bena ? Sind mir nicht die Hände gebunden, so lange, wie er eS will?"

Sie verstummte und schaute trostlos hinüber nach bem Hause, wo der Hund, die Nase »itternb hoch hielt »nd umhersuchte.

Jua sah eS »ud richtete sich auf.

Ich muß fort. Wenn mich der treue Udo ent­deckt nnb meine Spur verfolgt, bin ich verrathen. Fort, immer wieder fort für Stunden, für Tage! Wau» wttd endlich mein Herz rede» dürfen?"

Noch einen letzten, verlangenden Blick warf sie

hinüber, »och einen allerletzte», dann verschwand sie in dem Wald.

Geraume Weile erst, nachdem sie die Stelle ver- laffen hatte, hat Georg hervor. Er fühlle stch wie in einem Traume.

WaS hatte er gehört? Genug, um ans ben ab­gerissenen Sätzen eine ganze Geschichte zusammenzu­formell. Bor biefer trat seine eigene Angelegenheit weit in den Hintergrund, verstummten seine eigenen Wünsche. Er halte einen Blick gethan in Juanita'S Herz, und dieser Blick, so wenig tief und eingehend er auch gewesen, hatte ihm gezeigt, wie hochherzig, wie edel das Mädchen dachte. Um Adttenne'S willen wollte sie entsagen und Adrienne, seine Schwester, daS wußte ei, würde ihr das Opfer nicht einmal lohnen, niemals!

Gedankenschwer kehrte Georg Büuau nach der Residenz zurück. War es Zufall, daß ihm Douy, hoch zu Roß, entgegenkam?

Wohin so eilig, lieber Freund? rief er ihm entgegen.

In den Wald, und woher kommst Du?" an- wottete Dony, sein Pferd patterend.

Wie D» siehst, aus dem Walde, Ewald!"

Dony lächelte, aber eS kam ihm nicht vom Herzen. Snch fein Antlitz trug Spuren heftiger Seelen- kämpfe. Die sonst so klaren, sicheren Augen waren verschleiett, und über seinen Zügen lag eine trübe Wolke.

Warst Du zu Hause, Georg?"

Nein," entgegnete der Gefragte kurz, aber nicht unfreundlich.

Schade, ich hätte gern gewußt, wie eS dott anSfieht"

Inwiefern?"

Zum Schluffe weisen wir auf die Erkläruugen zweier konservativer Führer auf dem Dresdener Parteitage hin. Herr Frhr. von Manteuffel äußerte:

Wir stehen auf dem Boden der Ver­fassung, mein« Herren, da» versteht sich ganz von selbst, und noch nie ist eS einem Konservativen eingefallen, an der Verfasiung zu rühren; wohl aber sind gegnerischen Parteien derattige Gelüste gikomwen; die Konservativen aber haben da» stet» von sich gewiesen. Meine Herren, ich «rinneie nor an die Diätenfragr. DaS ist «in Rütteln an der V«r- "asiung. Hat die konservattve Pattei jemals mttgemacht? E» ist ihr vir eingefallen. Es ist von unserer Sette niemals ein Rütteln an der Verfasiung in die Wege ge­kettet worden. Da» find Vorwürfe, dir uns gegenüber erhoben werden, die aber vollständig ongerechtterttgt find".

Herr Graf zu Limburg-Stirum hob Folgendes hervor:

Mttne Herren! Man macht uns den Vorwurf, den ungerechtferttgten Borwurf, daß wir, die konservattve Partei, da» allgemeine geheime Wahlrecht angretfra wollten und daß wir daran gingen, r» gewaltsam umzustürzrn. Meine Herren! DaS ist nickt wahr! Wir stehen auf dem Boden der Verfassung, und auf dem Boden der Berfassnng wollen wir weiter kämpfen und wetterarbeiten. Daß da» allgemeine und geheime Wahlrecht vou uns nicht bewundert wird, mein» Herren, das kann kein Mensch von uns verlangen (Httterkeit); denn ein Wahlrecht, welches die Vertretung der größten Städte der Monarchie in die Hände von Sozialdemokraten legt, welches die Vertretung vou Hamburg, wo unsere Industrie, unser Handel in der eminentesten Weise entwiclelt ist, in die Hände von drei un­bekannten Herren legt, welche eigentlich nnr als Literaten und Agitatoren wirken, ist doch kein erwünschter Zustand. Aber, meine Herren, damit daß man Ktttik übt, ist noch nicht gesagt, daß man unt-r Bruch der Verfasiung ein Wahlrecht gewaltsam anfhrben wollte".

ES wird gut fein, wenn für ben bevorstehenden Wahlkampf bie Wähler unseres Wahlkreises sich diesen Artikel aufhebeu, um mit ihm bie rabital - bemokratische Wahllüge, bie ja auch andere demagogische Parteien von Wahl- kaudibate» in unserem Wahlkreise wahltaktisch be­nutzen, aufs Gründlichste in Versamm- luugen zu widerlegen!

Umschau.

Im Reichstage hob gestern bei erster Lesung der Dertragsurkuudeu, bie aus ben Berathuugen des im vorigen Jahre in Washington abgehobenen Post- kongresseS hervorgegaugen sind, Staatssekretär v. Podbielski hervor: Die Verträge stellten zweifellos einen wesentliche» Fortschritt auf bem Ge­biete ber Verkehrserleichterung bar und seien ein Werk seines großen Vorgängers. Eine große Zahl von Staaten ist ben einzelnen Verträgen neu bei« getreten. 3m Laufe bieses Sommers wttd betteffs der Postpackete mit Rußland ein Uebereinfommen ge­troffen werden. Das zulässige Gewicht ist vielfach

Nun, wie befinden fich die Samen nach dem Gartenfest?"

Wohl, denke ich, da ich Ina im Walde sah."

Ah, und waS sprach sie?"

DeS Rittmeisters Augen sprühten Blitze.

Nichts!"

Nichts?"

Wie ich sagte, dem ich hatte keine Gelegenheit, fie zu sprechen. UebttgenS eine Frage, Ewald, viel- leicht eine GewiffeuSfrage, aber meiner Freundschaft mußt Du sie zu gute hatten: Was hattest Du mit der schönen Freundin meiner Schwester?"

Georg hatte wtt absichtslos und spielend de» Zügel deS Pferdes erfaßt, er wollte ein rasches Davonretten Dony verhindern. Und in der That war diese Vorsorge »öthig, den» der Geftagte zog so hastig an, daß, wenn Georg nicht darauf vor- beretiet gewesen wäre, baS bäumende Pferd ihn um- geriffeu hätte.

Nur nicht so wttd, mein Freund, Dein Kastor that Dir sicherlich nichts zuleide und ich denke, zwischen Frenuden, bie fich alles gegenseitig beichte», kst eine Frage, wtt bie meinige war, erlaubt."

Dony zögerte mtt der Antwort. Seine Lippen preßten sich fest aufeinander und seine Blicke starrten inS Leere. Er mochte wohl jene Szene im Garte» noch einmal durchlebe», denn plötzlich sagte er rauh, stoßweise: -

Ebenso kokett wie schön, so unergründlich wtt bat tiefe Meer."

Wer, Ina? Georg lachte hell aus.Nimm eS mir nicht übel, aber Du bist gründlich auf dem Holzwege."

Georg!"

Sei nicht böse, lieber Freund, aber Dir vor allen anbei» hätte ich mehr Menscheukenntniß z»ge-

erhöht unb die Gebühren sind ermäßigt worden, lebet bie Haubelsbeziehungeu zum britis­ch e n Reiche erklärte Staatssekretär v. Posa - > o w S k y : Es ist zweifellos, baß, wenn Deutschland sie unbedingte Meistbegünstigung für England und eine Kolonieen in Zukunft nicht mehr erhätt, sierdurch unsere Stellung wesentlich beeinträchtigt werden kann. Dadurch sind bie Handelsvertrags»«« ^unblutigen wesentlich erschwert und verlängert. Zu unserem Bedauern ist eS nicht gelungen, bisher zu einer Einigung mit ber großbritannischen Regierung zu gelangen.

Gestern trat in Berlin die Kommission beS Abgeordnetenhauses zur Vorberathung beS P f ar r er - besoldungSgesetzeS in bie zweite Lesung ein. Es wird ein Antrag ans Rückverweisung der Vorlage an die Generalsynobe eingebracht. Finanzminister v. Miquel widersprach diesem Anttag. Die Regierung erkenne nicht an, daß 1800 Mark Anfangsgehalt zu niedrig seien: ttotzdem aber sei sie bereit, bie Staats­beihilfe um 450000 Mark zu erhöhen, wovon 300 000 Mark auf bie evangelischen unb 150000 Mark auf bie katholischen Geistlichen fallen sollen. Die neubewilligte Summe wolle man in erster Linie nicht zur Erhöhung der Mindestgehälter verwendet wiffen, sondern um eine Belastung ber Gemeinden zu vermeiden. Die Kommission nahm den Anttag auf eine Mehrbewilligung von 450 000 Mark an und sprach dabei die Erwartung aus, daß die mehr­bewilligte Summe, soweit erforderlich, zur Erhöhung ber Minbestgehälter bienen werde. Hoffentlich be­schließt in diesem Sinne auch das Plenum.

Man liest imHamb. Corrsp.": Es konnte er­freulicher Weise schon mehr als einmal darauf hin­gewiesen werben, daß durch Deutschlands politisches Auftreten in China während ber letzten Monate bie Interessen unserer bort arbei» tenben Kaufleute nichts weniger als beeinträchtigt, vielmehr in merklicher Weise geförbert worden sind. Jetzt wirb uns ein neues Beispiel hierfür bekannt. Eine in Tientsin ansässige deutsche Firma, deren Hauptsitz fich am hiesigen Platze befindet, hatte seit Jahren vergeblich bie Einziehung einer alten Schulb- forberung in Höhe von 200000 Mark gegen einen durchaus zahlungsfähigen Chinesen behieben. Der Schuldner suchte unb fanb immer toieber Schutz bei chinesischen Beamte». Auch Einwirkungen auf diplo- matifchem Wege blieben zunächst ohne Erfolg. AIS aber währenb ber Verhandlungen über bie Kiautschou- Angelegenheit bas Tsungli-Iamen in Peking unter dem Eindruck beS ebenso enlschiedeneu wie maßvollen ToneS stand, in dem Deutschland fein gutes Recht geltend machte, kam daS durch diese Verhandlungen auf chinesischer Seite geweckte Entgegenkommen auch

haut, Dir, ber Du baS Glück hast, einst die Braut heimzuführeu!"

Douy knirschte mtt den Zähnen »nd fest umQammerte seine Hand den Knaus der Peitsche.

Georg, Dein Spott ist übel angebracht!" stieß er endlich mühsam hervor.Warum reizest Du mich absichtlich? WaS ich gesagt, kann ich vertreten, dafür habe ich Beweffe, Beweise! Hahaha, ein Narr, wer nicht daran glaubt! Laß los, Georg, ich muß im tollem Ritt die Stimmen in meinem Inner» zum Schweige» bringe». Weißt Du was eS heißt," er beugte fich herab vom Pferde »ud war bem Freuude so nahe, daß dieser vernahm, wie ans Douy's Brust der Äthern keuchend kam,weißt Du, waS es heißt, sei» Herzblut hinzugeben unb dafür dafür genarrt zu werde»? WaS weißt Du vou ben Folter­qualen, die ich in jenen Stunden auSstand, sie sehe» zu mflffen, sprechen, lachen zu hören mit bem uu- schuldige» Kinder lache», baS alle Wett berückt, und doch nicht ihr sage», ihr inS Gesicht schleuder» z» dürfen, daß ich fie verachte, fie auS bem Grund meiner Seele Haffe! O, welche Wohlthat wäre daS gewesen! In meinen Häubeu hätte ich sie zermalmen mögen, auf daß sie nicht aufs neue bt bie Versuchung gerathe» kann, eines ehrlichen Mannes treues Herz mit ihrer Falschheit zu zerfleische»! Kannst Du nun ermessen, wie mich Dein vielleicht wohlgemeinter Spott treffen mußte? Laß los, Georg, ich muß in tollem Jagen die Geister der Rache »iederkämpfev, auf daß fie nicht allzumächtig in mir werden!"

Roch nicht, Ewald, noch nicht!" rief Georg tief erschüttert, seine Hand auf die geballte Faust beS Rittmeisters legend.

(Fortsetzung felgt)