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Freitag, 29. April 1898.

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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Druck und Verlag: Joh. Ang. Koch, Univrrsitäts-Buchdruckerei in Marburg. Verantwortlich für die Redaktion: Redakteur M. Hartmann in Marburg.

Expedition: Markt 21. Telephon 55. VVWHIWJJPVIWIl» Redaktion: Markt 21. Telephon 55.

Anzeigen nehmen entgegen: die Expedition dieses Blattes, die Annoncen-

Bureaux von Haasenstein & Vogler, Frankfurt a. M., Caffel, Magde- oo o.t,»

bürg, Wien- Rudolf Mosse, Frankfurt a. M Berlin, München, Köln; OO.

C. L. Daube & Co., Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris x.

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Bestellungen

für die Monate Mai und Juni auf die

nebst deren Gratisbeilagen

RrciSblatt" für die Kreise Marburg uni Kirchhain,Illustriertes SonntagS- blatt" undVerlooi ungsliste der Kgl. preußischen Klassenlotterie" werden von allen Poftcmstalten, Landbries­trägern, in dec Expedition (Markt 21), sowie von unseren Filial-Expeditionen in Kirchhain, Neustadt und Wetter entgegengenommen.

Wir möchten Angesichts der für den 16. Juni bevorstehenden

Reichstagswahlen

alle Wähler der staatserhaltenden Parteien auf dieses Abonnement hiermit noch besonders aufmerksam machen.

alle Kräfte einzusetzen haben, um den Kampf mit

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Artern

(Nachdruck verboten.)

ifttge kungen.

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Shalb«, :fh.l6$' nWasie!

Konservativer Wahlaufruf.

Nach amtlicher Bekanntmachung werde» am 16. Juni, also in wenigen Wochen, die Neu­wahlen für den Reichstag stattfinden. Ein

,Kons. Korresp.", kann auf unserer Seite keine Rede sein. Keine Partei hat Anlaß, mit größerem Muthe und Selbstverttauen in den Wahlkampf zu ziehen, als die konservative Partei. Der konservative Ge­danke hat im Volke immer mächtiger Wurzel gefaßt, die gesammte Linke sieht sich genöthigt, ttotz aller ihrer inneren Zwiespalte, gemeinsame Sache zu machen, um in einem letzten Versuche dem kräftigen Vordringen christlich-konservativer Gesinnung im Volke entgegenzutreten. ES gilt daher, die Bevölkerung in Stadt und Land über unsere Ziele und Bestrebungen an der Hand unseres bewährten Programms und der Dresdner Verhandlungen und Beschlüsse aufzuklären.

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[. Zimm, iserhoft:

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fr. Lage. , ...

: Möbl heftiger, schwerer Wahlkamps steht unS bevor. Auf allen Seiten stehen die Gegner gerüstet da, um gegen . die konservative Partei, die Schirmerin und Hüterin von Ehristenthum und Monarchie, einen womöglich vernichtenden Schlag zu führen. Wir werden also

Zimm« tzhren bestehen zu können.

Von Furcht und Kleinmüthigkeit aber, so betont die

u. Host nz.Pers .Mülla -Etage

. Getrennte Sterne.

Roman aus der Gesellschaft von H. Waldemar.

(Fortsetzung.)

Das HauS unterschied sich wenig von den übrigen weißgestrichenen Häusern; nur wies es zwei Stockwerke aus, hatte einen Balkon und settwärts eine Veranda,

^bie gegen allzuheiß brennende Sonnenstrahlen durch Lemwanddeckeu geschützt war.

Vom Wege, den Georg Binau eingeschlagen und der kaum fünfzig Schritte vom Waldhaus entfernt lag, konnte man deutlich sehen, wer sich dort aufhielt. Wohl war der junge Graf so ganz in seine Gedanken, vertteft, daß der herrliche Sonnenschein, die rings um ihn sich ansdehnende Landschaft, das erwachende Leben m Feld und Flur wirkungslos an ihm abglitten. Seine Augen schweiften wohl darüber hin; sieblieben auch da und dort hasten, aber ohne zu sehen oder zu verstehen. Er lebte nur in seinen Gedanken, und diese verweilten bei Dora, die ihm heute zum ersten­mal ausgewichen war.

Die Sonne schien mit aller ihr zu Gebote stehende» Kraft u»d wolkenlos wölbte sich der Himmel über der Erde.

Georg blieb stehen und nahm die Mütze ab. TS wurde ihm warm auf diesem Pfade. Er über­legte, ob er nicht quer durch das Gestrüpp sich einen

Weg suchen sollte, um dieser ungewohnten Wärme zu

entrinnen.

Da schlugen Laute einer weiblichen Stimme au sein Ohr, einer Stimme, die ihm bekannt schien und die er doch in dieser glücklich ausgelassenen Weise nie gehör: hatte.

Etwas weiter zurücktretend und de» spärliche» Schatte» einer sich schon mtt Laub bedeckenden Buche

Mit dieser Arbeit darf jetzt keine» Tag länger gezaudert werden. Unsere Gegner sind schon lange thätig; es muß also hingebende und ausdauernde Arbett geleistet werden, wenn unsere Partei nicht Schaden leiden soll. Diel wichtiger als die Ab­haltung von Wahlversammlungen und die Ver- theiluug von Flugschriften, ist die politische Klein­arbeit, die Propaganda für unsere gute Sache von Person zu Person, von Mundzu Mund. Es trachte jedes Parteimit­glied, täglich einige Anhänger zu gewinnen, dann wird sich das am Wahltage reichlich bezahlt machen.

Hinsichtlich der Wahltaktik bringen wir den folgenden Beschluß des Dresdener Parteitages in Erinnerung:

Bei den nächste» Reichstagswahlen ist überall als vornehmstes Ziel die Bekämpfung der Sozial­demokratie und ihrer Helfershelfer ins Auge zu fassen. In den Wahlkreisen ist ei» Zusammen­gehen der Ordnungsparteien gegen die Sozialdemokratie unter voller gegenseitiger Respek- tirung der Selbstständigkeit und des Besitzstandes der Parteien zu fördern. Wo dies nicht gelingt, ist auch in bisher nicht konservativ vertterenen Wahlkreisen, soweit eS angeht, die Aufstellung von eigenen Kandidaten zu empfehlen, damit bei den Stichwahlen der Einfluß unserer Partei in die Wagschale geworfen werden kann.

Für die Stichwahlen gilt ebenfalls die Parole, gegen die Sozialdemokratie! Wo mit dieser aber Parteien, die in politischer und wirth- schaftlicher Beziehung mit der Sozialdemokratie gleich zu erachten sind, in Konkurrenz stehen, ist die Entscheidung von Fall zu Fall Vorbehalten.

Bei der Aufstellung von Kandidaten ist auf die lokalen Verhältnisse Rücksicht und deßhalb schon jetzt Fühlung mit der Wählerschaft zu nehmen. Es ist zu wünschen, daß als Kandidaten auch Ver­treter aus dem Handwerker- und Gewerbestande, sowie aus dem Kreise der ländlichen Kleinbesitzer in Aussicht genommen werden. Vor allem aber ist auf die Selbstständigkeit und Unab­hängigkeit des Kandidaten zu sehen."

Und nun frisch ans Werk! Trage ein jeder unserer Gesinnungsgenossen dazu bei, daß das Wahlergebniß für unsere Partei günstig ausfalle. Jeder Einzelne vermag in seinem noch so engen Kreise für unsere gute Sache viel zu leisten; halte sich Niemand für zu gering oder für entbehrlich. Die konservative Partei bedarf, wenn anders sie der Er­reichung ihrer Ziele näher kommen soll, der Mithilfe aller Kräfte. Darum mit Gott vorwärts in den Kampf und zum Siege!

suchend, schaute er sich um. Er befand sich dem Wald» Hause gegenüber.

Dort, auf der geschützten Veranda spielte eine Dame Ball mit einem Kinde, das ob seiner eigenen Ungeschicklichkeit im Fangen und Werfen hell ausjauchzte und darin von der Dame begleitet wurde.

Sie hatte Georg den Rücken gedreht, jedoch war die Entfernung nicht groß genug, um ihn beim An­blick dieser hohen, edle» Gestalt mit dem dunklen Köpfchen nicht aufmerksam werden zu lasten. Sein Auge war gut und scharf. Seine Soldaten be­haupteten, er sähe durch und durch und erspähe, was einem anderen sicher entgehen würde. Und so konnte er sich auch jetzt auf deren ost erprobte Schärfe ver- lasten. Er täuschte sich sicher nicht und es hätte nicht des erneuten JnbelrufeS des kleinen Mädchens und der Antwort der Dame btbuift, die soeben das an ihr vorüberhuschende, nach dem Balle greifende Kind in ihren Armen auffing und es herzhaft küßte, wobei sie sich dem einsamen Beobachter voll zu- wandte, um ihn erkenne» zu lassen, daß dieselbe niemand anders war als die schöne junge Freundin Adrienne s, der geheimnißvolle Gast auf dem BünShofe, niemand anders als die Brasilianerin: Juanita d'Ervilha!

Georg trat weiter zurück; er wollte nicht gesehen sein, aber selber weiter beobachten. Das Unerwartete der Szene, zu deren Zeugen er ohne seinen Willen geworden war, ließ ihn, der alle Heimlichkeit verab­scheute, absichtslosen Spion werde».

Sollte hier der Schlüffe! zu fiuden fein zu des Mädchens Seltsamkeit, zu de» Räthseln, die es um­gaben? Wer war das Kind, das sie so voller In­brunst, so leuchtenden AngeS an ihre Brust drückte? I» welchem Verhältniß stand sie zu demselben?

Diese Fragen und noch unzählige mehr drängte»

Umschau.

Der sozialdemokratische ReichStags- Kandidat für Marburg-Ktrchhain- Frankenberg, der 10000 Mk. - Proletarier Liebknecht hat gestern im Reichstage es so recht empfinden müsse», wie ihm heimgeleuchtet wurde. In langer, an heftigen Ausfällen reicher Rede ging Liebknecht gegen die gesammte äußere Politik vor. Jedes pattiotische Gefühl mit Füßen tretend, meinte er, die Regierung suche nach außen hin Erfolge, um das Elend im Innern zu verdecken und warf dem Staat Ge> waltthätigkeit vor. Seit 1848 seien 6 Millionen Deutsche ausgewandeit, um der Kaserne und dem politischen Zucht- Hau» zu entgehen. Jetzt, wo die Unternehm-r da» Land auSgebeutet, zöge man in» Ausland, lasse sich von Rußland als Versuchskaninchen benutzen und treibeFlottenschwindel" und leite die Politik mttCirkuSreklame" «in.

Nachdem der Präsident ihn zweimal zur Ordnung gerufen, führte gegen ihn und den dann noch redende» Adg. Bebel der Staatssekretär des Reichsamts des Inner» Graf Posadowsky Folgendes aus:Ich verstehe nicht, wie der Herr Abgeordnete de» Muth haben kau», der jetzigen Regierung Gewaltthätigkeit vorzuwerfen! Wie eS bei Ihnen in Ihrem Zukunftsstaat sei» würde, wen» Sie die Herrschaft habe» sollte» was nie der Fall fein wird (Heiterkeit), das zeigt ein Aufsatz in der Kosrnopolis" unterzeichnetLiebknecht", wohl identisch mit dem Herrn Abgeordneten. Da wird ganz einfach innerhalb zwei Minuten expro- priirt. Und da reden Sie von Gewaltthätigkeit! (Sehr gut! rechts.) Die Rede des Abg. Liebknecht hat hoffentlich allen die Augen geöffnet, welche immer »och meinen, die Sozialdemokratie fei eine Reform- Partei geworden. Die Rede bestätigt, was Herr Liebknecht einmal ftüher gesagt hat: Wir ändern unsere Tendenz, aber wir bleiben, was wir sind, eine revolutionäre Partei. Das wird den bürgerlichen Parteien klar machen, daß der Kampf der Sozialdemokratie ihnen gilt, an ihre Stelle will sie eine unleidliche Arbeiter­despotie setzen. Das soll ihr nicht gelingen. (Beifall.) Daß die Sozialdemokraten von ihren revolutionären Zielen abkommen würden, habe ich auch nie er­wartet. AufJhreWahlprogramme falle ich nicht mehr hinein, dazu bin ich zu alt. Da steht ganz anderes drin, als wasderWahr- h eit entspricht. Ich erinnere da noch einmal daran, was Sie eigentlich wolle». Wenn auch Herr Bebel vonErstreben auf legalem Wege" spricht, so ist das wahre Ziel i» dem Aufsatze Liebknechts enthalten, wo er sich anheischig macht, nach einer Unterredung von zwei Minuten Herrn Krupp zu expropriireu. Das weist nicht auf einenlegalen Weg" hin. Eines will ich Herrn Bebel noch ver­sichern, ein Sozialistengesetz wftd nicht beabsichtigt, ich würde entschieden ein solches widerrathe». Der

sich Georg auf, während er keinen Blick verwandte von der Gruppe drüben, zu der sich nun auch noch eine ältere Frau und ein großer, zottiger Hund ge­sellt hatten, welch letzterer mit seinem täppischen Be­wegungen den unverhüllten Jubel des Kindes wachrief.

Der Hund rief ihm jene Schlittenfahrt ins Gedächtnis zurück. Damals war Juantta von einer so eigenthümlichen Schärfe gewesen, daß niemand dieselbe beutelt konnte. Nun konnte Georg sie ver­stehe»; nun begriff er, daß sie damals eine Ent­deckung fürchtete.

Ein häßlicher Gedanke stieg ihm auf, doch er gab demselben keinen Raum; er war nicht der Mann, der blindlings verurtheiste, nur auf den Anschein hin oder um eines Wortes wollen. Er wußte die Geheimnisse anderer zu ehren und wen» er auch sich vontahm, bei nächster Gelegenheit der Freundin seiner Schwester kund zu thun, daß er sie an diesem herr­liche» Frühlingstage belauscht hatte, so brauchte doch kein anderer darum zu wissen, wenn sie es nicht wünschte. Je nachdem ihre Antwort ausfiel, wollte Georg handeln. Der gute Ruf eines Menschen ist ja so leicht, so rasch untergraben.

Aber die Gedanke» ließe» stch nicht bannen. Georg mußte unwillkürlich an jenen Abend im Theater denke», da viele behauptet hatten, Juanita zeige die Ruhe einer Frau, sie habe so wenig Mädchen­haftes i» ihrem Wesen. Sollten jene recht behalten?

Die alte Frau drüben sprach lebhaft mit Ina. Daß von dem Kinde die Rede war, ersah Georg aus den Geberden; dann aber rief das Mädchen den kleinen Wildfang heran, strich ihm das dunkle, lockige Haar aus der Stirn und sah aufmerksam in das rosig erglühte Gesichtchen, das die Ungeduld verrieth, die das Kind fühlte, und das Verlangen kennzeichnete, so rasch wie möglich zu seinem Freunde zurüÄehren

Kampf gegen die Sozialdemokratie ist kein Duell zwischen Regierung und ihr, sondern es ist ein Kampf der heutigen Gesellschaftsordnung mit der Regierung gegen die Sozialdemokratie, ein Existenzkampf der heutigen Staatsordnung gegen die Sozialdemokratie. Hier ist es Selb st erhaltungspflicht der besitzende» Klassen, mit der Regierung gegen die Sozialdemokratie zu stehen. Wollen sie diesen Kampf mit Erfolg führen, dann werden sie auch zu Opfer» bereit sein müssen, die Arbeiter billig und gerecht zu behandeln und zu begreife», daß nicht das höchste Ziel die hohe Dividende ist. Aber alle revolutionäre» Ziele werden wir bekämpfe». Alle Schäden, welche sich in dieser unvollkommenen Welt bekämpfe» (offen, werde ich bekämpfen, aber gegen die revolutionäre» und auf Vernichtung der gesellschaftliche» Ordnung gerichteten Bestrebungen werden wir überall und stets ebenso energisch ankämpfe». (Beifall.)"

Für die Landwirthschaft fielen gestern im Reichstage wichtige Zusagen bei der Berathung des Anttages der Abgg. v. Mendel- SteinfelS und Ring (kons.), betreffenb Maß. regeln gegen Viehseuchen, sowie Einführung der obligatorische» Fleischschau. Abg. von Mendel- Steinfels (kons.) begründete den Antrag. Abg. Ring (kons.) sprach für die Nothwendigkeit einer obligatorischen Fleischbeschau. Der Ministerpräsident F ü r st z u H o h e n l o h e gab die Erklärung ab, daß dem Bundesrath der Entwurf eines Reichs­gesetzes, betreffend die Einführung der obli­gatorischen Fleischbeschau vorgelegt werden solle. Bei der Vorbereitung dieses Gesetzes würde auch die zwangsweise Schlachtviehversicherung in Erwägung gezogen werden und ebenso eine zweckmäßige Ver- werthung der Konfiskate. Kulturminister Dr. Bosse wies de» Vorwurf des Abgeordneten Ring zurück, daß die Maßnahmen der Regierung zur Einführung einer obligatorischen Fleischbeschau zu spät erfolgt feien. Landwirthscdastsminister Frhr. v. Hammer- stein erklärte, daß die Regierung bereit sei, soweit die bestehenden Vorschriften gegen Verseuchung nicht genügen, »öthigensalls Aenderungen zu beantragen. Auf Grund der Erfahrungen der Seuchenverschleppung im Jnlande soll das Seuchengesetz revidirt und eine Vereinheitlichung der betr. Bestimmungen in allen Bundesstaaten erstrebt werden. Die Regierung werde beim nächsten Landtage die Einstellung von Mitteln zum Zwecke der pathologischen Seuchenbekämpfung und zur Anstellung praktischer Versuche beantragen.

3» der Erklärung, welche der LaudwirthschastS-- Minister im Abgeordnetenhause bei Beantwortung der Interpellation Szmula und Genoffen, betreffend den ländlichen Arbeitermangel, ertheitt hat, hieß es u. A.,

zu können. Dann ckber schüttelte Jua bedeutungsvoll mit dem Kopse, schloß das Kind nochmals innig m die Arme, küßte es leidenschaftlich wieder und wieder und enteilte in das Haus. Die Aste folgte, während das Kind draußen blieb. Sein Helles Sümmchen tönte bis zum WaldeSrand herüber. Doch fo sehr sich Georg auch anstrengen mochte, war eS ibm un­möglich, etwas zu verstehen. Nur, daß es nicht deutsch war, was daS kleine Mädchen sprach, daS konnte er herausfinden.

Wenige Minuten später öffnete sich die Pforte. Juanita in Hut und Handschuhen, den Schirm in der Hand, trat heraus, spähte aufmerksam, Georg dünkte es ängstlich, »ach allen Seiten ans und huschte dann quer über den Weg und die Wiesen in de» Wald.

Der junge Graf war von den herunterhängenden Zweigen der Buche geschätzt, sonst hätte sie ihn er. blicke» müssen. Aber sie war so in Gedanken'ver­tieft, daß sie sich nicht umschaute.

Er sah, daß fie bläffer war als sonst; die dunklen Augen waren tief umrandet und das schöne Antlitz tiug nicht mehr den kindlich ftohen, glücklichen Au», druck, de» es vorher gezeigt hatte.

Mit traurigem Blick umfaßte sie das kleine An­wesen. Ihre Lippe» bewegten sich Georg hielt den Athem an, um sich nicht zu verrothe» lautlos, bann wieder und endlich hörte er, wie sie sagte: Heimlich, auf Umwegen, die Wahrheit mit Füßen tretend, muß ich mich hierher schleichen! Warum, o, warum finde ich die Kraft nicht, zu gestehen, nein, nein, Juanita, so lange er unter demselben Dache mit Dir weilt, darf nichts, nichts über Deine Lippen schlüpfen!

(Fortsetzung folgt.)