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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UniversititS-Buchdruckerei in Marburg. Verantwortlich für dir Redaktion: Redakteur M. Hartmann in Marburg.
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Markurg
Sonnabend, 23. April 1898.
Anzeigen nehmen entgegen: die Expedition diese« Blatte», die Annoncen- Bureaux von Haasenstein & Vogler, Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg, Wien; Rudolf Mosse, Frankfurt a. M., Berlin, München, Köln; 6. L. Daube & Co., Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Pari» re.
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Zum 23. April 1898.
3» bei Kgl. sächsischen Residenzstadt Drerden iß morgen mit dem deutschen und österreichische» Kaiser und vielen Fürsten auch der größte Theil des stxlomatischen CorpS von Berlin zu den Festlichkeiten j» Ehren des Königs Albert von Sachsen ouoesend. Insbesondere haben sich die Gesandten ttt Belgien, Griechenland, den Niederlanden, Persien, Portugal, Rumänien, Schweden und Norwegen, sowie die Botschafter von Italien, Spanien und den Vertilgten Staaten von Nordamerika, zum größten Theile ast ihrem Personal nach Dresden begeben. Auch astd morgen eine vom Reichskanzler Fürsten Hohenlohe geführte Abordnung des Bundesraths, bestehend aus dem Grafen PosadowSky, dem bayerischen Gesandten Grafe» Lerchenfeld und dem thüringischen SnudesrathSbevollmächtigten Wirklichen Geheimrath Dr. v. Heerwart, sich in Dresden einfinden, um den König zu beglückwünschen. Bo» den preußischen Regi- «entern haben daS 2. Garde-Ulanen - Regiment und das Dragoner-Regiment König Albert von Sachsen (Ostpreußisches) Nr. 10 aus Alleustein Abordnungen zu dem Feste ihres Regimentschefs nach Dresden entsendet. Uebrigens trafen in Dresden österreichische Aid russische Deputationen von Regimentern ein, deren Chef König Albert ist.
Und ganz Sachsen selbst hat sich mit seltenem Glanze gerüstet, um am 23. April ein doppeltes Jubelfest, den siebzigstenGeburtStag und zugleich das fünfundzw anzigste Jubiläum deS in dem Jahre 1873 erfolgten Regierungsantritts Sr. Majestät deS Königs Albert zu begehen.
Se. Majestät der König Albert von Sachsen ist der älleste Sohn und das zweite unter neun Kindern «Land des Königs Johann von Sachsen (geboren '12. Dezember 1801, f 29. Oktober 1873) und der Königin Amalia, geb. Prinzessin von Baiern (geb. 13. November 1801, f 8. November 1877). Am 23. April 1828 geboren, ward er am 24. April, ptauft und am 16. Mai zum Chef des 1. Linien- Jnfanterie - Regiments Prinz Albert ernannt. Mit seine» Brüdern Ernst (-f 12. Mai 1847) und Georg verlebte der junge Prinz in einem reinen und edlen Familienleben feine Jugendjahre. Im Jahre 1835 ging die Erziehung in die Hände des damaligen Hos- mid Justtzraths Dr. v. Langenn über, nach dessen eigenem Geständniß die Erziehung eines Prinzen eine der höchsten und schwierigsten Aufgaben ist. Als der verdiente Mann im Jahre 1845 von diesem Posten zurücktrat, da urtheilte er über den jungen Prinzen:
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.Er hat einen vortrefflichen Charakter, er ist human, nahrhaft menschenfreundlich, hat ein Herz für fremde Roth, klebt gerne und ist wirklich religiös. Der Prinz ist gerne
in Gesellschaft, liebt die Menschen, die offen und gemüthlich sind, hat Sinn für Freundschaft, und der Grundton seine» Wesen» ist heiter. Zn zwei Dingen hat er «inen ganz betonteren Beruf, zum Militärwesen und zu den eigentlichen politischen Wissenschaften.'
Der Führer deS Prinzen wurde nun der Major v. Maugoldt, ein ruhiger, würdiger, abgeschlossener Mann mit einem warmen soldatischen Herzen. Der militärische Dienst erlitt nur eine Unterbrechung, damit die wissenschaftliche Ausbildung des Prinzen zu einem Abschluß gebracht würde. Mt dem Major v. Mangoldt und dem Appellationsrath und späteren Justizminister Dr. Schneider siedelte der Prinz zum Besuche der Hochschule nach Bonn über und besuchte dort im Winter zu 1848 die Vorlesungen von Perthes, Dahlmann und anderen Professoren; ernste Studie» heitere Geselligkeit füllten diese Tage. Wegen der aufgeregten politischen Lage kehrte der Prinz am 26. März 1848 nach Dresden zurück, that bei der Artillerie wieder Dimst und absolvirte im Februar 1849 eine kurze Dienstzeit im ersten Reiter-Regiment. Hier griffen zum ersten Male die politischen Ereignisse in sein junges Leben ein. Zum Kampf für Schleswig-Holstein mobilifirte die sächsische Regierung eine Brigade und Prinz Albert zog mit in den Kampf gegen Dänemark, um sich die elften kriegerischen Ehren zu erringen. Mit dem Ritterkreuz des sächsischen St. Heinrichs-Ordens und dem preußischen Orden pour le merite geschmückt, kehrte der Prinz in seine Heimath zurück, um sich hier in den verschiedensten Kommandostellen seiner weiteren militärischen Ausbildung zu widmen.
Ein längerer Aufenthalt im Mai und Juni 1851 in Wie» führte die Herzensfreundschaft des Prinzen mit dem Kaiser Franz Joseph von Oesterreich herbei. Am 18. Juni 1853 vermählte sich dann Prinz Albert mit der Prinzessin Carola von Wasa, die er auf einer Jagd beim Erzherzog Albrecht auf ihrer Besitzung Morawetz hatte kennen lernen. Vorher hatte Prinzessin Carola dem Kaiser Napoleon III., der um ihre Hand anhielt, einen Korb gegeben. In 45jähriger zwar kinderloser, aber dennoch glücklicher Ehe ist da« erlauchte Paar gemeinsam durch das Lebe» gewaudest. Weite Reise», Bethätigung seiner Liebe zur Kunst, feine Neigung zur Jagd füllte die Zeit, die der militärische Dienst ließ.
Im Sommer 1866 fand man die Sachsen auf Oesterreichs Seite. Wie brav sie sich unter der Führung ihres ritterlichen Kronprinzen bei Gitschin und Problus geschlagen haben, haben Freund und Feind rückhaltlos anerkannt. Der Freund in dem Armeebefehl des Erzherzogs Albrecht, worin es von den scheidenden Waffenbrüdern heißt, sie hätten .unter Sr. K. H. des Kronprinzen so ausgezeichneter Führung aufs neue die ererbten kriegerischen Tugenden ihres Volkes rühmlichst erprobt" und sich
in Oesterreichs Volk und Heer die höchste Achtung und auftichtigste Zuneigung „durch eine ungewöhnliche Tapferkeit, strenge Discipli» und unerschütterliche Standhaftigkeit in allen Wechselfällen deS Kriege»" erworben; der Gegner durch feinen geringeren als den damaligen Chef des preußischen Generalstabes v. Moltke, der sein Urtheil zunächst dahin abgab, „daß die Sachsen sich überall und besonders bei ProbluS ausgezeichnet geschlagen hätten" »nd dann hinzusetzte: „Eine geschlagene Armee, die, dem Unvermeidliche» sich fügend, ruhig und geordnet das Schlachtfeld verläßt, kann sich dem Sieger fast ebenbürtig zur Seite stelle», und wolle Gott, daß das geschehe — und bald!"
In erster Linie aber steht dann auch König Albert, dem von seinen Geschwistern nur noch Fildmarschall Prinz Georg und eine Schwester, die Mutter der jetzigen Königin von Italien, leben, den Herzen des ganzen deutschen Volkes nahe als ruhmreicher Heeres- führer in dem Kriege gegen Frankreich. Er war Führer der Maasarmee, ihm unterstand — ein Zeichen des höchsten Vertrauens des Heimgegangenen großen Kaisers — unter anderem auch das Gardekorps. Die RuhmeSthaten des königlichen Heerführers werden unvergessen bleiben, ihrer gedenkt nicht nur die Geschichte, sondern auch die Dichtung. In dem Helden- gesange Wildenbruchs „Sedan" heißt es:
„Auf stolzem Roß, in seine» Volke» Mitte Hoch ritt der Sohn de» Sachsenkönigs an. Denn das ist deutschen Volk» uralte Sitte: Da« Volk zieht au», der König zieht voran". Nicht allein int Felde, sondern auch in Friedenszeiten zog König Albert seinem Volke voran. Auf der Dresdener Versammlung im März vorigen Jahres konnte Herr Graf zu Limburg-Stimm unter dem lebhaftem Beifall der zahlreich erschienenen Nichtsachsen erklären: „Die preußischen Konservativen blicken mit Ehrfurcht empor zu des sächsischen Königs Majestät, in welchem die Traditionen des großen Kaisers verkörpert sind." Allein nicht nur die Konservativen, sondern alle national gesinnten Deutschen thun das; denn König Albert ist ein echter deutscher Mann, ein treuer Monarch, der zugleich Vater seines Landes und Schirmer der nationalen Art ist.
Mit unserem Kaiser und seinem Hause ist der König von Sachsen innig verbunden und jedes Famttiensest von Bedeutung vereinigt immer wieder aus's neue die beiden treu befreundeten Monarchen. 3» hingebender Fürsorge für fein Land hat Se. Majestät in Sachsen sich die unauslöschliche Liebe seines Volkes errungen. Zu dieser Liebe deS engeren Vaterlandes gesellt sich die Liebe und Verehrung Deutschlands, das heute keinen innigeren Wunsch empfindet als den, daß Gott der Herr dem hohen Jubilar noch viele gesegnete und glückliche Jahre zum Wohle seines Volkes und unseres gemeinsamen
deutschen Vaterlandes schenken wöge. Gott segne König Albert!
Umschau.
Die Kriegs-Aktion der Bereinigte» Staate» gegen Spanien hat jlange vor Ablauf der im Ultimatum Spanien gewährten Frist begonnen. Man meldet unS von heute (Freitag) früh ans Washington:
„Nach dem Erachten deS Staatsdepartements besteht bereits Kriegszustand zwischen Spanien imb den Vereinigten Staaten, wofür Spanien verantwortlich fei.
Das atlantische Geschwader ist be? reitS abgegangen, um die sofortige Blokade HabanaS herzustellen."
Es ist die obige Auffassung deS Staatsdepartements in Washington eine mindestens auffallend eigenartige, echt „amerikanische." DaS ausgelaufene obige Geschwader besteht auS 23 Schiffen. Die ganze reguläre amerikanische Armee soll jetzt konzentrirt sein bei Chickamanga, Mobile, Nkw-OrleanS und Tampa. Es kommt In diesem Kriege zunächst einzig und allein darauf an, innerhalb welcher Zeit es der amerikanischen Flotte gelingt, die spanischen Kriegsschiffe in der Nähe Cubas zu vernichte», bezw. das Herankommeu der spanischen Flotte vom Mutterlande her abzuhalten, um eine Landung auf Cuba zu versuchen und dort in Aktion zu treten und die Kriegstüchtigkeit gegen Spaniens kriegSgeübtcre Truppen zu beweisen. Zunächst muß entschieden werden, wer die See beherrscht. Nun sind aber die zu Gebot stehenden Materialien zur Beurtheilung der beiderseitigen Stteitkräfte zuWaffer und zu Land so dürftig und sich widersprechend, und es sind die im Bereich der Möglichkeit liegenden Operationen so zahlreich und verschiedenartig, daß e8 vollständig ausgeschlossen ist, über den voraussichtlichen Verlauf der kriegerischen Operationen ein Bild zu entwerfen.
Obiger amerikanischer Auffassung kommt allerdings Spanien zufällig entgegen. In Madrid ist bekanntlich das Ultimatum mit Frist bis Sonnabend Morgen, eingegangen, ober Spanien wird es, weil die Zumuthung beleidigend ist, nicht annehmen und betrachtet die Beziehungen als abgebrochen. Eine Frist besteht also nicht. Von Amerika muß jetzt der erste Angriff auSgehen. Woodford reifte vorgestern Abend ab. 25000 Mann Reserve sind einberufen.
England fragte an, wie Spanien das Besuchsrecht der Schiffe mtt neutraler Flagge auSüben wird. Spanien nimmt alle laut internationalem Branche
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(Nachdruck verboten.)
Getrennte Sterne.
Roman au» ter Gesellschaft von H. Waldemar.
(Fortsetzung.)
Die Veränderung gewahrend, ballte er die Hände M stieß einen gräßlichen Fluch an».
Eine nur hatte Ursache dazu, eine allein konnte tiffen, was er verbarg, Ina. Ob es ihr gelungen *r, ob sie gefunden, was sie suchte?
Wü sich steigender Auftegung und Hast wühlte er
* de» Papieren. Minuten vergingen, bis er endlich ?ch erinnernd, boshaft auflachte rab in seiner nervöse» Beschäftigung inne hielt.
„Diesmal, schöne Feinbin, hast du toieberum nicht »«siegt. Welches Glück, baß mich eine Ahnung neulich abends ben ganzen Plunder int Koffer bergen ließ! Dort, meine Süße, vermuthetest du wohl nicht die Spa« litte, die bi so gern habe» möchtest imb bie, in meiner 6e»b, eine furchtbare Waffe gegen dich bilden. Mit 'tau soll'» mir gelingen, dich nach meinem Willen Nem zu machen. Ein Hinweis mag genügen, — b«h — was brauche ich Weiberhilfe? Selbst ist der ^a»» nnb — mein ist Adrienne!" schloß er ftohlockenb, einem solch teuflisch boshaften Blick, daß bas junge Mädchen enffetzt von ihm znrückgewichen wäre, hätte "«ihn so sehen können.
Das Licht ergreifenb, trat er vor ben Spiegel musterte sein hübscher, bunkleS 'Gesicht.
„Du siehst »och immer gut auS, Pebro," fuhr er 11 fehlem Selbstgespräch fort, „niemand wirb vermuthen, welche Vergangenhett bu hinter dir hast."
nstigst«" . Sein Blick erstarrte mehr und mehr und rnhte 08 Spiegel auf seinem linken Arm.
-Das Zeichen, », Gott, das Zeichen! SS brennt, ierW mich erinnernd, von neuem! ich glaube es durch
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den Aermel zu erkennen!" Er sah sich scheu um» stellte das Licht beiseite und wischte sich die Stirn, auf welcher der Angstschweiß ihm Helle Tropfen erpreßt hatte. Werde ich denn die thörichte Furcht nie- malS los? Wer will mir etwas anhaben? Hier? Wer vermuthet in mir, dem Gast deS Grafe» Bünau, jenen — Mondega, fei kein Narr und weiche nicht zollbrett von dem eingeschlageuen Weg ab, der dich zu deinem Ziele führt!"
Der Brasilianer warf sich auf einen Stuhl und versank in Brüte».
Der Morgen graute bereits, als die Lampe knisternd erlosch. Sich mit Gewalt ermunternd, suchte Mondega fein Lager auf. Vorher aber barg er die Papiere, die Juanita's spähenden Augen entgangen waren, auf feiner Brust.
„ES ist für alle Fälle bester so, schöne Donna!"
Und wieder entfuhr ihm das Lachen, welches Adrienne vor ihm in die Flucht getrieben haben würde, hätte sie ihn ohne die Maske, die er ihr gegenüber trug, in feiner wahren Gestalt sehen könne».
Dachte er dergleichen? Höhnisch lachte er leise
vor sich hin, ein grausam hartes Lache». — Sie
war in seiner Hand, die schöne, scheue Taube, willenlos, sklavingleich ganz in seiner Hand, — wie
jene andere: — Juanita, — und er — er war
ihr Meister!
„Hast Du in voriger Nacht nicht Merkwürdiges vernommen, Albrecht?" fragte am Morgen beim Frühstück bie Gräfin ihre» Gemahl.
„Merkwürdiges? Wieso, Irene, ich habe »ach der Anstrengung deS Abend» fest geschlafen bis zum frühen Morgen."
Graf Büna« beschäftigte sich angelegentlich mit dem gebratenen Hühnerflügel a»f feinem Teller. Er mochte der Erzählung seiner Irene nicht so recht
Glaube» schenken, den» ei» humoristisches Lächeln schwebte um seinen Mund.
„Hast wohl geträumt, Schatz, wozu die Aufregungen des gestrigen Tages, daS späte Souper daS meiste beigetragen haben mögen!"
„Spotte nur, Albrecht! Ich weiß, daß ich völlig wach war, denn ich setzte mich im Bette auf, um besser hören zu könne», aber —*
„Natürlich war bann Alles mäuschenstill!" fiel ber Graf gutmüthig lachend ei». „Hier probire ei» Stückchen von dem Huhn, es ist ganz vorzüglich und nach den Sttapazeu der Nacht wohl angebracht."
„Aber, Albrecht, ich sagte Dir doch, daß ich ganz wach war!"
Graf Bünau streichelte die kleine Hand feiner Gemahlin.
„Nun so erzähle mtt, was Dich beunruhigte.
Vielleicht weiß ich die Aufklärung."
„Ich hatte schon geschlafen, als ich vermeinte, die Bibliothekzimmerthür gehen zu hören," begann die Gräfin, während sie da» ihr vom Grafen ferbitte Stückchen Huhn auf ihrem Teller zerlegte.
„Natürlich! Mondega hatte sich noch dahin zurückgezogen!" lachte der Gras.
Mondega? Nu», er mag es gewesen fein. Dau» aber hörte ich deutlich, wir Jemand die Treppen emporhuschte; diesmal wat es jedoch nicht unser Gast, solchem leichtfüßig, wie ein Mädchen sich bewegt. Ich horchte, aber lange Zeit blieb es still. Daun hörte ich einen schweren Tritt, wahrscheinlich war es nun Mondega, der sein Zimmer auffuchte, vorsichtig, leise und doch nicht leise genug, um garnicht gehört zu werden."
„Na, stehst Du, wie fich Deine Gespenstergeschichten anflösen," spottete Graf Bünau, sich behaglich
in feinen Stuhl zurücklehnend und fich eine Zigarre anzündevd. „Wo nur die Mädchen bleiben! So viel ist doch nicht getanzt worden, daß fie länger ruhe» müssen!"
„So höre mich doch erst zu Ende, Albrecht."
Ein Seufzer enffchlüpste den bärtigen Lippen de» alten Herrn, als er aber den Schatten gewahrte, der deshalb über Jrene's Züge huschte, faßte er abbittenb nach ihrer Hand:
„Verzeihe mir, Liebste; ich will Dich auch nicht mehr unterbrechen, bis Du mtt all Deine Erlebnisse mügetheilt hast."
„Nachdem also Mondega emporgeftiegeu war, hörte ich einen leffe» Schrei, ein Gepofter, dann huschte etwa» eilig, sehr eilig die Treppe wieder herab, ich hörte eine Thür gehen und dann war alles lautlos still."
„Donnerwetter, das ist ja ganz romanttfch!"
„Spotte nicht, Albrecht; ich habe bie ganze Nacht fein Auge mehr zuthun können. Jene Thür, die ich zuletzt gehen hörte, tonnte, nach der Sage, nur diejenige der Mädchen fein."
Graf Bünau zog die buschigen Augenbraune» hoch und pfiff leise vor fich hin.
„DaS Gesinde schläft im Seitenflügel."
„Bon den Dienstboten spreche ich nicht, Albrecht, sondern von — still da kommen fiel"
Unter dem Eindruck des soeben Gehörte» fiel die Begrüßung des alten Herrn nicht ganz so herzlich auS wie sonst, wenn er auch beiden Mädchen, die Arm in Arm in das Zimmer traten, den Morgenkuß nicht versagte.
(Forffetzung folgt)