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9- ! Uebungeu des Beurlaubtenstandes wird bei der Wahl

$immtr Die Regierung und der zweiter'«des Zeitpunktes der Uebungeu das Interesse der am

meisten betheiligten bürgerlichen Berufskreise, insouder-

bach.

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irräthig eferb«

säßen. Die Verlängerung der Zahlungsftist bis zum 1. Dezember sei freudig zu begrüßen. Abg. Gamp (fteikons.) beklagt eS, daß die Erklärung des Ministers nur einen vorübergehenden Arbeitermangel anerkenne, während es sich doch um eine» dauernden Nothstaud handle, und macht u. A. den Vorschlag, die Alters­und Invalidenrenten zu kapitalifiren, um den In­validen die Arbeit und den Erwerb von Grundbesitz zu ermöglichen und so das platte Land zu kolonistren. Abg. G o t h e i n (freis. Ver.) kritistrt, wie bereits der Vorredner, die Vorschläge der Regierung und macht den Großgrundbesitz für den thatsächlich dauernden Arbeitermangel verantwortlich, dem allein die Kolonisation des Ostens abhelfen könne. Be­strebungen, die Freizügigkeit anzutasten, würden nur die Wahlagitation der Sozialdemokratie fördern. Abg. Jansen (natlib.) hält ebenfalls die Ein­schränkung der Freizügigkeit für schwierig und be­denklich. Abg. Frhr. v. Richthofen -Mertschütz (kons.) bezeichnet eine nationale Wirthschaftspolitik als daS hauptsächliche Mittel, der ArbeUernoth zu steuern, und erklärt Namens seiner Fraktion, daß diese angesichts der jetzigen Lage die Zulassung aus­ländischer Arbeiter, jedoch unter Wahrung der national, polstischen Interessen, für uothwendig halte. Landwirthschaftsminister Frhr v. Hammer st ein weist darauf hin, daß die Staatsregierung schon seit Jahren die Mittel der Ansiedelung und der Renten­gutsbildung ergriffen habe, um der Entvölkerung des platten Landes vorzubeugen, erachtet für unthunlich, die Zulassung ausländischer Arbeiter noch weiter aus­zudehnen, als in Aussicht genommen sei, und be­gründet die Auffaffung, daß die gegenwärtige Arbeiter­kalamität nur vorübergehenden Charakter trage. Hoffentlich!

. Off. erbeten.

heil der Landwirlhschast, auch künftig möglichst be­rücksichtigt werden. Die Dienstvorschriften über Marschgebührniffe an zur Entlassung gelangende Mannschaften werden in der Richtung revidirt werden, ob nicht durch dieselben dahin zu wirken ist, daß die >em landwirthschaftlichen Berufe angehörendeu Mann- chaften sich nach ihrer Entlassung ihrem früheren Berufe, uud zwar thunlichst in ihrer Heimath, wieder zuweuden. Die Erfahrungen mit den milstärischen Arbeitsnachweisen in Garnisovorten sind noch nicht umfangreich genug, um über den Nutzen und den Werth dieser Einrichtung ein abschließendes Uttheil ,u gewinnen. Ihr Zweck ist wesentlich, die zur Ent- assung kommenden Mannschaften aus dem landwirth- chaftlichen Berufe dem letzteren, und zwar möglichst in der Heimath der Entlaffenen, zu erhalten. Die Staatsregieiung wird beim BundeSrath beantragen, daß dem nächsten Reichstag ein Gesetzentwurf vorge­legt wird, wodurch das Gewerbe der Gesindever- mieth er und Stellen Vermittler konzessionspflichtig ge­macht wird. (Lebhafter Beifall rechts.) Die Ar­beiterwohlfahrtpflege auf dem Lande bedarf der thunlichsten Förderung. Ueber diese Frage wird ein Benehmen mit den landwirihschaftlichen Jvtereffenver- tretungen in die Wege geleitet werden, um diese, vorwiegend dem Gebiete der Selbsthilfe angehörige Arbeit staatlicherseits zu fördern. Zu erwägen wird sein, ob und eventuell durch welche Maßnahmen eine Beschränkung der Auswüchse des Rechtes auf Freizügigkeit zu erstreben ist das au sich unberührt bleiben muß, welche eine Ent­völkerung des Landes und eine ungesunde Bewegung der ländlichen Bevölkerung nach den Judustriebezirken und den Städten gezeitigt haben. (Beifall.) Ab­hilfe gegen die Mißstände zu gewähren, ist aber nicht allein Aufgabe des Staates, vielmehr muß auch die Selbsthilfe eingrcifen. Unter Selbsthilfe ist, wie der Abgcorduete von Mendel-Steinfels seiner Zeit aus­führte, das selbstthätige Eingreifen der Laudwirthe, bezw. ihrer Vertrctungsorgane, soweit erforderlich unter Mitwirkung des Staates, besouderS in finanzi­eller Hinsicht, zu verstehen. Endlich wird der Staat bei öffentlichen Arbeiten, so weit es nöthig ist, um dem lokalen Arbeitermangel vorzubeugeu, auch zeitweise auf die Heranziehung auswärtiger Arbeitskräfte bedacht sei.

Es schloß sich an diese Erklärung und einige weitere Ausführungen des Herrn Ministers gestern eine, heute im Abgeordnetenhause fortgesetzte Debatte, aus der hier noch Folgendes erwähnt sei: Abg. Sieg (natlib.) hält als westpreußischer Landmann die ausgedehnte Zulaffung ausländischer Arbeiter für schädlich, da die deutsche Laudwirthschaft des Ostens das Nationalste sei, was wir überhaupt be-

lesters n von ; vier messen immer ägen). Zimm. 50 Mk, t Cab. immer, it Cab. Simm., löbtirte et.

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bisher, bis zum 15. November, künftig bis zum 1. Dezember zu gestatten. Wen» die Zulassung Nlsfischer, bezw. galizischer Arbeiter dem Bedürfnisse nicht genügt, so haben die Bethefligten die Heran- ziehung anderer außerdeutscher Arbeiter zu erstreben. Zweitens: um die Verwendung von Sträflingen und snrigenden bei laudwirthschaftlichen Arbeiten zu er­leichtern, wird die Königliche Staatsregieiung die reglemeutarischen Bestinimungen über die Beschäftigung von Sträflingen und Korrigenden mit landwirth- schastlichen Arbeiten einer Revision unterziehen. Drittens: Billigen Wünschen auf die Zulaffung schulpflichtiger Kinder zu den landwirthschaftlichen Arbeiten hat die Königliche Staats regierung schon jetzt Rechnung getragen; sie wird es auch feruer thun. Viertens: die Generalkommandos sind zuständig, die in aktivem Militärdienst stehenden Mannschaften zu dringenden laudwirthschaftlichen Arbeiten, Erntearbciten usw., zu beurlauben. Be­gründeten Anträgen werden sie, wie bisher, auch ferner zu entsprechen bereit sein, soweit das militärische Jutereffe es irgendwie gestattet. Durch die Aller­höchsten Ortes genehmigten Bestimmungen betr. die

.Die Königliche Staatsregierung erkennt an, daß m den östlichen Provinzen, speziell in der Provinz Schlesien, sowohl beim großen, wie kleine» Grund­besitz vorübergehend Mangel an landwirthschaftlichen Arbeitern und an einzelnen Stellen auch au ständigen Dienstboten eingetreten ist. Erstens ist nun die Königliche Staatsregierung gewillt, wie bisher, auch sernerhin polnische, russische und galizische Land­arbeiter zuzulaffen und da, wo ein Bedürfniß dafür erwiesen wird, das Verbleiben dieser ausländischen Arbeiter in den östlichen Provinzen anstatt, wie

mangel auf dem Lande.

Auf der Tagesordnung der gestrigen Sitzung «seres preußische» Abgeordnetenhauses stand die Interpellation der Abgg. Szmula und genoffen:

Ist der Königlichen Staatsregierung bekannt, daß in je, östlichen Provinzen speziell in der Provinz Schlefien - sowohl bei Groß- wie bei Sleingrundbesitzern dn derartiger Mangel an ständigen Dienst, taten unb landwirthschaftlichen Arbeitern »«banden ist, daß die Landwirthe nicht mehr im Stande falb, rechtzeitig und rationell ihre Felder zn bestellen und abmeinten ? Auf welche Weise gedenkt die König!. Staats- «lieruug diesem Uebelftande abzuhelfeu, sofern die Zu­laffung russischer uud österreichischer Dienst- und Arbeits- Kiste nach w'.e vor nicht den Bedürfnissen ent- jprechend gestattet toirb Y

Hierauf antwortete nach Begründung der Inter- Mation durch den Abg. Szmula der Landwirth- schaftsminister Frhr. von Hammer st ein durch Verlesung nachstehender Erklärung:

Bismarck, darum nicht zu kümmern, sondern nur dem ausgebrochenen Streite gegenüber die für Deutschland nützlich st e Politik einzir- chlagen. Alles Uebrige ist nicht ihre Sache, weil ein direktes deutsches Interesse an der Erledigung der kubanischen Angelegenheit nicht besteht. Es kann uns gleichgiltig sein, ob Cuba spanisch, amerikanisch oder eine selbstständige Republik ist. Außer der Un i n t er e ssirt h e it Deutschlands an der kubanischen Frage, sind es die Rück­sicht aufdiedeutsch-amerikanischen Handels- b e z i e h u n g e u und auf die zahlreichen in Amerika lebendkn Deutschen, welche das Reich zur sor g - fältigstenNeutralität bestimmen. Deutsch­land kann auS Humanitären und aus wirthschaftlichen Gründen den Ausbruch eines Krieges zwischen Spanien und Amerika verhüten helfe»; aber wenn dieser Zweck nicht zu erreiche» ist, so bleibt für die deutsche Politik nichts übrig, als die Dinge ihren Gang gehen zu lassen. Subjektive Empfindungen xnb Gefühle, mögen sie an sich noch so berechtigt sein, dürfen auf die amtliche Politik Deutschlands nicht abfärben. Auch der prinzipielle Widerspruch gegen die amerika­nische Anmaßung, wie sie bei der Einmischung in die spanisch cubanische Angelegenheit im Speziellen und bei der Monroe-Doktrin im Allgemeinen zu Tage tritt, darf die Haltung Deutschlands nicht be­einflussen. . . . Wie die Dinge liegen, kann Deutsch­land mit der Gelassenheit des unbetheiligten Zu­schauers die weitere Entwickelung der Dinge ab­warten und sich darauf beschränken, vorkommmden Falles deutsche Interessen vor Verletzungen zu schützen. Ob und in welchem Maße das Reich an Schritten Theil zu nehmen hätte, zu denen sich die übrigen Mächte infolge des Ganges der Ereigniffe bestimmt sehen könnten, würde von den Umständen abhängen. Von den neuesten Meldungen aus Amerika stimme» alle darin überein, daß eine sofortige Blokade von Cuba und Portorico beschlossen ist. Das Schild, das in Washington dieBüreau der spanischen Ge- sandtschaft" trägt, ist von der Thür der Gesandtschaft entfernt worden. Au der New-Yorker englischen Bot­schaft erboten sich englische Damen, den Feldzug als Pflegerinnen mitzumachen. General Bootb schickt Pflegerinnen der Heilsarmee auf den Kriegsschau­platz. Eine achtzöllige, 31000 Pfund wiegende Otisküstenkanone wurde von Cleveland nach Sandy­hook verschifft. In New-York wurden in öffentlichen ParksRekrutirungszelte aufgeschlagen. Ein aus fünf Kreuzern bestehendes Geschwader, mit seinem Hauptquartier in New-York, wurde Beauftragt, die atlantische Küste abzupattouilliren. Die S t u d e»t e n exerciren täglich, um als Offiziere in die Armee zu tteteu. Miami in Florida wird befestigt. Die Re­gierung der Vereinigten Staaten unterhandelt mit der Beaverlinie wegen des Ankaufs von vier Dampf-

Warkurg

Freitag, 22. April 1898.

Umschau.

Der Krieg zwischen de» Vereinigten Staaten und Spanien ist unabwendbar, der A u s b r u ch der Feindseligkeiten ist nur noch eine Frage weniger Tage. Wir haben schon heute früh in hiesiger Stadt mittelstExtrablatt" olgende telegraphische Meldung veröffentlicht:

Washington, 20. April. Piäfident Mac Kinley unterzeichnete heute Vormittag die Resolution des Kongresse» und da» an Spanien zu richtende Ultimatum, wovon Abschrift dem spanischen Gesandten zugestellt wurde, der daraufhin seine P ä s s e v e r l a n g t e. Die Frist de» Ultimatum» läuft Sonnabend früh 6 Uhr ab.

Der Privatmann mag das Vorgehe» der Ver­einigten Staaten mit Entrüstung als heuchlerisch an­maßend und habgierig bezeichnen; die deutsche Re­gierung hat sich, so sagt nun das Organ des Fürsten

nm mit paffend, rit Lad. lit Cab. jimrner, tzung.

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löbtirte

MchM AituU.

1 Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg nnd Kirchhai«.

»«ck und Verlag: Joh. Ang. Koch, Univerfitäts-Buchdruckerei in Marburg. ^"antwortlich für die Redaktion: Redaktmr M. Hartmann in Marburg.

Expedition: Markt 21. Telephon 55. Redaktion: Markt 21. Telephon 55.

Anzeigen nehmen entgegen: die Expedition dieses Blattes, die Annoncen-

Bureaux von Haasenstein & Vogler, Frankfurt a. M., Cassel, Magde- oo bürg, Wien; Rudolf Moffe, Frankfurt a. M., Berlin, München, Köln; oo.

C. L. Daube & Co., Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris re.

(Nachdruck verboten.)

Getrennte Sterne.

Roman au» der Gesellschaft von H. Waldemar.

(Fortsetzung.)

Mondega nickte befriedigt. Das Verheimlichen paßte weitaus besser in seine Pläne. Je öfter er Arieuue zu solchen nächtliche» Zusammenkünfte» be­redete, desto weniger konnte sie ihm ihre Hand ver- »dgern, und der Schwiegersohn des Grafe» Bümm

Sdrienne's blasses Gesichtchen hob sich hell un von dem dunklen Hintergründe ab. Ihre blauen ^rgen waren groß' aufgeschlage» und trugt» einen bittenden Ausdruck, während es um ihren Mund *rhmüthig zuckte.

Mondega konnte sich nicht mehr beherrschen. Sttne Leidenschaft schlug in mächtigen Flammen empor.

jjV «tgegenarbettete.

Der heutige Abend hatte es ihm wieder gezeigt. Äre Beranlaffung war eS, die ihn bei Tisch so »et d«n Adrienne entfernte; ihr hatte er eS zu danken, M er mehrmals an einem Alleinsein mit ihr Der» Ti. Ändert wurde. Ihr, der Verhaßten, zu zeigen, daß rr ju km gewünschten Ziele gelange daß er ihren Einfluß nicht zu fürchte» brauche, f» lange ihm ^drienne'S Liebe sicher war, einer der Hauptgründe, A» ih» veranlaßte» schon jetzt mit bestimmter Slb» Ht sich der Komtesse zu versichern.

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M heißen, war zu verlockend, als daß er nicht alles »ersucht hätte, dies zu erreichen. Er liebte Adrienne, Lerdings auf seine Weise; er erstrebte ihren Besitz t t ®ü allen ihm zu Gebote stehenden MUteln und hätte

fciSfi' «ch danach gestrebt, selbst wenn sein Herz, seine

h WM Sinne nicht durch ihren Liebreiz gefeffelt worden

§ t® - Wien, allein auS Trotz gegen Juantt», die, * i kr war sich dessen wohl bewußt ihm mit Macht

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Sie an sich reißend, küßte er sie wild und mit heißer Innigkeit; dann flüsterte er, ohne sie frei zu geben:

Sag', Adrienne, worum soll ich noch nicht reden? Weil auch Dich das Verheimlichen unserer Liebe so viel süßer dünkt? Weil Du fürchtest, deine Eltern würden uns trennen ? Sprich, Geliebte, ist eS so?

Ja, so ist es, Pedro! Mir bangt vor dem Augenblick, da sie es erfahren müssen," erwiderte Adrienne, sich fester in seine Arme schmiegend.

Adrienne," rief Mondega jauchzend,nun wird alles gut! Wir werden glücklich sei», », so glücklich, selbst wen» die Deine» uns Hindernisse in den Weg legen sollten! Versprich mir, daß du mir folge» willst, wohin ich Dich auch führe, daß Du mir ver- trauff, mir glaubst!"

Ich verspreche eS, alles, aller Predo, um unserer Liebe willen."

Mein Lieb, weine schöne Taube, nun erst bist Du ganz mein! Aber wohin willst Du? Mich jetzt schon verlaffen?"

Es ist die höchste Zeit; wenn uns jemand überraschte, ich ertrüg's nicht I Gute Nacht, Predo!"

So willst Du gehen, Adrienne?"

Sie errötete und sah lieblich hilflos zu ihm auf, der sie mit seinen Blicken fast verschlang.

Ihre Köpfchen aufrichtend und ihr verlangend in die liebeseligen Singen blickend, bat er:

Sage noch einmal, daß Du mich liebst!

Ich liebe Dich, Predo, mehr, als ich sagen tarnt/ erwiderte sie gehorsam, schlang plötzlich beide Arme um seinen Hais, drückte ihre frischen Lippen auf die feinen und verschwand, ehe Mondega Zeit hatte, sie zurückzuhalten.

Er folgte ihr nicht sogleich, sondern trat ans Fenster, um noch einmal den Zauber dieser Stunde zu durchlebe».

Mondega war kein Neuling, Adrienne auch nicht die erste, die feine Liebesschwüre gehört, die feine Küsse empfangen hatte, aber niemals noch war ihm so sonderbar zu Mute gewesen, wie jetzt, nie noch hatte er so das niederschmetternde Gefühl der eigenen Erbärmlichkeit empfanden, wie in diesem Augenblick.

Schon in der ersten Stunde, die er auf dem Bünshofe gewellt, keimte in ihm der Entschluß, mtt der reizenden kleinen Komtesse anzuknüpfen; ihre Naivität, ihre Reinheit unb Unschuld entflammten ihn mehr und mehr, madjten ihm ihren Besitzt begehrenrwerter. Und jetzt hatte er erreicht, wonach er gestrebt, und doch schien er nicht ganz zufrieden, doch war eS nicht ganz nach feinem Sinn.

Er schüttelte plötzlich den Kopf und murmelte:

Sie darf es nicht wage»! Ich habe sie i» meiner Hand! Die Papiere es war ein Glück, daß sie mir damals in die Hände gerieten, als"

Er stockte, unangenehme Erinnerungen drängten sich seinem Geiste auf; er versuchte, sie abzuschütteln, doch vergebens. Mehr uud mehr zwangen fie ihn, in die schattenhafte Vergangenheit hinabzusteigen; ohne sich ihrer erwehren zu können, zogen sie alle an ihm vorüber, die Gedanken, die Thaten, die er sich hatte zu schulden kommen lassen, und fast unwillkür­lich strich er über den linken Arm, al8 wolle er dort ein Zeichen verwischen, das an ihm zum Verräther werden mußte.

Mtt starre» Auge» sah er in daS flimmernde Mondlicht. Es war ihm, a!S erständen dort Menschen, die er längst nicht mehr unter de» Lebenden wähnte; er spähte Häuser Sttaßen, Plätze, sah sich selbst eine andere ein Kind uud dort, gespenstisch zog'S daher Kette» klirrte» Peitschen sausten Schmerzgeschrei ertönte

Da flog eine Eule quer durch daS Helle Licht. Der Zauber war gebrochen.

Mondega bedeckte einige Augenblicke die Augen. Die Visionen waren fürchterlich, und je öfter fie kamen, desto gräßlicher wirkten fie. Nachdem er fich gefaßt hatte, verließ auch er den stilleu Raum uud suchte fein Zimmer auf.

Leise, damit niemand ihn höre, schlich er die Treppe empor. Schon nahte er fich mehr und mehr seiner Thür, als er dahin ein Geräusch zu vernehmen glaubte.

Sein Haar sträubte fich. Was konnte eS fein, mitten i» der Nacht? War es die Fortsetzung deS Spukes, der ihn eben erst heim gesucht? Ihm schauderte! Oder war eS ein Dieb?

Der letzte Gedanke gab ihm die momentan ver- sagende Fassung wieder. Mondega war kein Feig- ling.

Mit wenigen Schritten hatte er die Thür erreicht nnd fie aufgestoßen.

Ei» Schrei ertönte. Im nächsten Augenblick er­losch daS Licht und eine weibliche Gestalt versuchte, an ihm vorbeizuhuschen.

Er verstellte ihr den Weg, empfing aber einen Stoß, der ihn zur Seite taumeln liefe, mechanisch griff er nach einem Halt, erfaßte, etwas Weiches, ZarteS und hielt eS krampfhaft fest.

AIS er fich von der Ueberrafchung erholt hatte, war die Gestalt verschwunden; nichts erinnerte an fie als der Gegenstand, den er in seinen Händen hielt.

Vor Wuth zitternd, mit funkelnden Augen zündete er eine Lampe an. Ihr Heller Schein beleuchtete ein Bild, das ihm Schrecken einjagte. Die Schubfächer seines Tisches waren aufgezogen, Papiere lagen ver- streut auf dem Tische, auf dem Boden; fein Kommen schien die Person überrascht, fie beranlafet zu haben, ihr Suchen aufzugeben. (Fortsetzung folgt)