Einzelbild herunterladen
 

bet

Gaffel.

in B 3

ymn., tt«g. assen; beste erzeit. rector.

:en um

durch

»

Jts. 89

Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg «nd Kirchhai«.

Drmkund Verlag- Joh. Ang. Koch, Univerfitäts-Buchdruckerei in Marburg. »erantworüich für die Redaktion- Redakteur M. Hartmann ln Marburg.

Expedition- Markt 21, - Telephon 65.VVlIHlUyVVIUll* Redaktion- Markt 21. - Telephon 56.

Trscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. "Mflrßl tYfl »"zeigen nehmen entgegen - die Expedition diese- Blatte-, die Annoncm-

Quartals-Abonuements-Prels bei der Expeditwn 2 Mk., bei allen Bureaux von Haasenstein & Vogler, Frankfurt a. M, Cassel. Maade- ,

Postämtem 2,25 Mk. (exkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebiihr - die ge- ~ . n bürg, Wien; Rudolf Moss«, Frankfurt a M. Berlin Mün-ben K6ln- 33

spalten- Zeile oder deren Raum 10 Pfg., Reklamen - die Zeile 25 P?g. S0NNtstg, 17. ApNl 1898. L L. Daube &

lmack

nach-

15.

iahl

Erstes Blatt.

Zur Konfirmatton.

.Was, meinest du, wird aus dem Kinde werden?" Diese Frage bewegt zur Zeit das Herz vieler Eltern. Hab besonders der morgige Tag, der Tag der Kon- ßmation, legt diese Frage nahe. Von Alters her ist dieser Tag ein besonders festlicher Tag, in Kirche sod Haus festlich begangen. Von unseren Kindern ist er freudig erwartet als der Tag ihres ersten, öffentlichen, selbständigen Handels. Denn indem sie sich vor versammelter Gemeinde zu dem Glauben ihrer Väter bekennen, wissen ste sich all' der Güter cheilhaftig, die die christliche Gemeinschaft allein ver­birgt, auf deren Grund allein sich wahres Glück er­bauen kann. Was unsere Kinder freudig bewegt, ist, daß der erste größere Abschnitt ihres Lebens zum Abschluß gekommen ist, daß ste nun wettere Schritte iss Leben hinein thun dürfen. Nicht wenige werden aber auch des Ernstes dieses Tages sich bewußt sein. ,WaS wird aus mir werden?" Diese ernste Frage rstrd doch auch manches junge Gemüth morgen be- Wtgen. Sie wissen, daß es nunmehr gilt, langsam bk Kinderschuhe auszuziehen und in eigener Verant- vortlichkeit das Leben zu gestalten. Sie wissen aber «ch, daß auf dem Weltmeere auch widrige Winde «hen, die das Lebensschifflein hart bedrohen und ftm Fortkommen sehr erschweren. Möchten sie nur ücht vergessen, daß ans Ziel nur kommt, wer Gott «ttraut, ein sittlich-reines Leben führt und tteu seine Mcht in Allem thut. Dies dreifache ist ja auch der Inhalt ihres morgigen Gelöbnisses. Die Eltern stenen sich da mit den Kindern, sehen ste doch nun die Mühen ihrer Erziehungsarbeit belohnt, dürfen sie

Umschau.

Die bisher verschiedene Art der Behandlung, der Frage der Zulassung von Rechtskonsu­lenten hat mehrfach Klagen hervorgerufen und infolge dessen will der Entwurf der neuen Civil- prozeßordnung die Entscheidung über die Zu­lassung aus der Hand des Richters in diejenige der Landesregierung verlegen. Es soll eine amtliche Zulassung eingeführt werden, welche den Zugelaflenen ermächttgt, vor dem Amtsgericht aufzu­treten, ohne daß der Richter ihn zurückzuweisen be­fugt ift Hiergegen hat sich eine lebhafte Opposition namentlich aus den Kreisen des Anwaltstandes er­hoben und in der Reichstagekommission sind auch verschiedene Vorschläge gemacht worden, durch welche die Reform dieser Bestimmung nach anderer Richtung versucht wurde, indessen hat.sich für keinen Vorschlag eine Mehrheit gefunden und ist man daher schließlich zu der Annahme des Regierungsvorschlages ge­kommen. Es handelt sich hier ganz gewiß um eine für unseren Anwaltstand sehr wichtige Frage. Die Zunahme der Zahl der Rechtsanwälte ist seit der Freigabe der Advokatur eine sehr bedeutende gewesen und sie schreitet auch heute noch fort. Während am 1. Januar 1885 im Deutschen Reiche nur 4536 Rechtsanwälte zugelasseu waren und je ein Rechtsanwalt auf 9901 Gerichtseingesessene kam, zählte man am 1. Januar 1891 schon 5317 (9296) und am 1. Januar 1897 6149 (8502) Rechtsanwälte. Bei dieser Lage kommt es jetzt immer häufiger vor, daß Rechtsanwälte sich an den Sitzen der Amtsgerichte niederlassen, während es früher An­wälte fast nur an den Landgerichtssitzen gab. Die Zulaffung von Rechtskonsulenten muß nun aber die Extstenzbedingungeu für die Anwälte wesentlich er- schweren. Nach den bisherigen Bestimmungen kann

e, alle« mrd überall darüber Freude sein, daß wenigstens bies Ziel erreicht ist, daß die Kinder ausgerüstet find,

geien, doch morgen mit Kirche und Schule die Früchte ihres Fleißes genießen. Ob freilich alle Eltern mit ihrer

geieu,

iglischeb Erziehungsarbeit diesem Ziele zustreben? Gleichwohl

der Richter auf diese Verhältniffe Rücksicht nehmen. Er kann dort, wo ein Anwalt nicht ansässig ist und durch die Zuziehung eines auswärtigen Rechtskundigen den Parteien erhebliche Mehrkosten erwachsen würden, dem Rechtskonsulenten das Auftreten vor Gerichr ge­

ll-

see,

nun einen bestimmten Lebensberuf zu ergreifen; baß sie ausgerüstet sind, nicht bloß mit zur Ledens- «beit nöthigeu Kcnninrssen, sondern auch mit sittlichen Kräften, um dem Bösen Widerstand zu thun.

urg.

hoch- ihrung.

In diese Freude hinein wird aber wohl auch die Krage klingen: WaS wird aus meinem Kinde werden? ®rb 8 fein Lebmsfchifflein zum sichern Ziele bringen »her wird es Schiffbruch leiden? Wie viel taufend schiffbrüchige Existenzen birgt die Wett in sich! Die »eisten Eltern werden die Berufswahl für ihre Kinder $on getroffen haben. Möchte diese Berufswahl ge-

J Hetzen sein nach reiflicher, ernster Prüfung. Ser« fehlter Beruf, verfehltes Leben! Mancherlei ist dabei

i» berücksichtigen: Veranlagung und Neigung, körper­liche und geistige Kräfte. Nichts ist verfehlter, als *tmt Eltern die der Schnle kaum entwachsenen Sinber bereits zum Erwerb gebrauchen. Daburch wttd die Erlernung eines festen Berufes unmöglich gemacht, btt Grund gelegt zu späterem unzulänglichen Ver­lust und unbefriedigter Lebensführung. Ein zweiter bielgemachter Fehler ist der, die der Schule kaum Erwachsenen bereits als Erwachsene zu behandeln *xb sich selbst zu überlaffen. Noch ift der junge 8sam nicht so weit, daß er des Gärtner kundige Saab entbehren kann. Da und dort sind wild schießende Sprößlinge zu entfernen, üppige Zweige

statten, während er unter Berücksichtigung der Lage des einzelnen Falles dies an anderen Orten unter­sagen kann. Es sind auch bisher aus Anwalts­kreisen Klagen über den § 143 der Zivilproceßordliung nicht laut geworden. Im Plenum des Reichstages wttd diese Frage voraussichtlich eingehend verhandelt werden. Man wird, so sagt derH. C.", nicht daran zweifeln dürfen, daß die Interessen des An- waltstandes dort eine energische Vertretung finden werden. Daher ist der schließliche Ausgang der Verhandlungen über diesen Punkt noch nicht zu über­sehen. Voransfichtlich werden verschiedene Abänder- ungsanttäge, welche in der Kommission abgelehnt worden sind, im Plenum wiederkehreu. Jedenfalls darf man wünschen, daß diese Frage zum Segen der deutschen Rechtspflege gelöst werden möge.

Gegen die Grenzsperren tritt wieder ein­mal die demokratischeSoff. Ztg." in einem längeren Artikel ein, indem sie sich dabei auf die Autorität eines Dr. Sorauer (I) stützt. Es handelt sich dabei in erster Linie um die amerikanische Schildlaus, für welche die freisinnige Alte aus der Breitenstraße freien Eintritt über unsere LandeSgrenzen und in die deuffchen Obstgärten fordert. Profeffor Sorauer meint, Grenzsperren nützten nichts, denn solche kleine

um. and

ten «0.

tei.

beschneiden, um ein vollkommenes Bild zu erzielen, elterlichen Zucht können auch die Konfirmttteu b»ch nicht enttathen. Wo sie versäumt wird, da betrat es zu jenen Verbildungen und Entartungen, bie an unserer Jugend zu so viel Klagen Anlaß Men. Vor allem gilt es uns den religiös-sittlichen der Jugend zu bewahren, dadurch sie allein b» Thorheiten und Fehltritten bewahrt wird. Je btthr bet religiös-sittliche Ernst unserer Jugend be- b^rt wird, um so tüchtiger wttd sie auch in dem Strafe werden, zu dem ste fich bereitet. Kann das Kernhaus aber Schutz und die Bewahrung nicht bitten, so giebt eS der Veranstaltungen genug in Nerem deutschen SBaf erlaube, die zum Schutze der 3agenb gegründet find. Wir mache» da nur auf» bttttfam auf die Lehrlingshorte und Lehrlingsheime, ®tf die Mädchenvereine und Arbeiterinnenheime. Wer btt konfirmttteu Jugend dienen will, der führe fie Htthin. An den Schutz, an die Bewahrung der 3ugenb, daß in ihr ein religiös-fittlich starkes Ge­flecht heranwachse, mahnt der morgige Tag. Möge Kine Mahnung nicht ungehört verhallen!

Parasiten seien doch geborene Schmuggler und wüßten ttotz aller Aussicht durchzuschlüpfen. Man solle beß- halb an die Stelle der Grenzsperren eine wirksame und sachverständige Lakalanfficht taten lasten, indem man jede» einzelnen Seuchenherd in unseren Obst­gärten sorgfältig überwacht und die Weiterverbreitung von ihm aus verhindert. So, also erst sollen wir bas amerikanische Ungeziefer ruhig hereinlasten und daun bie von demselben befallenen deutschen Obst­gärten ebenso mit Feuer und Axt verwüste», wie es mit den Weinberge» wegen der gleichfalls amerika­nischen Reblaus hat geschehen müflen. Sollten unsere Bauern wirklich auch der Ueberzeugung fein, daß dieser demokratische Vorschlag zweckmäßiger ist, als das Einfuhrverbot für das verlauste amerikanische Obst? Bei der heute befolgten Praxis nur dasjenige Obst von der Einfuhr auszuschließen, auf welchem man Schildläufe entdeckt hat, wird eS, wie wir schon oft betont haben, dem kleinen Ungeziefer allerdings gelingen, sich burchznschmuggeln. Wir wüßten aber nicht, wie dies den findigen Thierchen möglich werden sollte, wenn überhaupt kein amerikanisches Obst zu uns herein dürste. Uns steht dabei die Sicherheit

des deutchen Obstbaues höher, als die Furcht vor

dem amerikanischen Unwillen und der Vortheil des internationalen Handels; bei den Demokraten ist eS, wie gewöhnlich, umgekehrt. Sie machen hier ebenso tiefe Bücklinge vor den ausländischen Läusen und Trichinen, vor durch Borsäure vergiftetem Fleisch und allerlei Seuchenbazillen. Den Ausländern müßten wir nach bemokratischer Anschauung alles mit heißem Dank abnehmen, was fie uns anbieten, im In lande scheut man nachher vor den schärfsten Maßnahmen nicht zurück, um die Ausbreitung eingeschleppter Seuchen und des Ungeziefers zu verhindern. Einen richtigen Demokraten kümmert die schwerste Schädigung deutscher Produzenten, sei er Bauer, fei er Fleischer, nicht, wenn er nur jegliche Störung von dem geliebten internationalen Handel abhalten kann. Es lebe die Freiheit der Trichine, des Seuchenbazillus und der SchildlauS, wenn ste aus dem Ausland zu uns kommen wollen. Das ist demokratische Parole.

Das Depeschenbüreau Herold hat einer Anzahl Zeitungen die Ente aufgebundev, Mac Kinley habe bereits das Geschwader ausgesandt, nmHavannah zu bombarbiren. (1?) Wer den richtigen Gang bet Dinge in dem spanisch-amerikanischen Konflikte bisher verfolgt hat, wußte a priori, baß biefe Nachricht nur unsinnige Erfinbnng fein konnte. Aus New- Aork wirb unterm 14. b. M. telegraphiit:Ver­gangene Nacht bewegten fich starke Menschenmassen in ben Straßen, wo bie Geschäftshäuser ber Zeitungen liegen, um ba8 Ergebnis ber Abstimmungen des Kongresses abzuwarten. Die Neugierigen veranstalteten Kundgebungen für den Krieg. Das BlattSun, schreibt, je eher ber Krieg begonnen werbe, je eher werbe er beendet sein. Ein Jingoblatt hat fich bereits echt amerikanisch" unterrichten lassen, daß ber Krieg in zehn Tagen beendet sein werbe. Ans Havannah wirb derCenttal News" gemeldet, der Depeschen­dienst, der durch Vermittelung der Dampfer zwischen Havannah und Tampa (Florida) von letzterm Orte ausgeht, fei während des gestrigen Tages unterbrochen gewesen. Daher wohl die Nachricht von der Störung an dem Kabel Key West-Havannah. Die amerikanischen Berichterstatter geben ihre Nachrichten infolge dessen nicht mehr nach Tampa. General Lee, bisher Generalkonsul auf Cuba, wird dem General Merritt als zweiter Befehlshaber der Armee, die in den Südstaaten vereinigt wttd, beigegeben.

In Washington wurde das Ergebniß der Be­weisaufnahme vor dem SenatScomitö über die cubanischen Angelegenheiten ver­öffentlicht. Man berichtet darüber:

Besonders erregt LeeS Aussage großes Jntereffe. Er erklärte, er Halle bie bekannt ge­worbene Kopie von WeylerS Bries an ben Senator Guzma» für echt. Dieselbe ließe ihn glauben, baß im Hafen von Havanna vor berMaine" - Katastrophe Mine» gelegt fein bürsten. Diese Annahme würbe durch ein Telegramm von Weyler bestärkt, welches zu seiner (Lees) Kenntniß gelangt fei. Letzteres war an Eva Cauel, eine bekannte spanische Dame und Ver­ehrerin WeylerS, sowie an Guzman gerichtet und lautete:Ernste Umstände veranlassen mich, Sie zu bitten, den letzte» Brief vom 18. Februar zu vernichten." Lee erklärte, dies Telegramm sei nie veröffentticht wordeu. Er finde darin einen starken Beweis für die Echtheit von WeylerS Brief. Marschall Bianco, de» er »ach der Katastrophe gesehen, habe geweint nnd große Thellnahme ge­zeigt, dagegen hätten spanische Offiziere das Er- eigniß sogar mit Champagner gefeiert.

DerTimes Herold" in Chicago m-ldet, daß dort Charles Grandall, alias Manuel EScadaro, verhaftet wordeu fei, welcher unter persönlicher Direktion WeylerS Mine» im Hose» von Havanna gelegt habe» soll. Er wird »ach Washington gebracht, wo man erwartet, er werde Aussagen abgeben, die beweise» sollen, daß die Maine" abfichtlich durch eine Mine von spanischen Beamten zur Explofion gebracht fei. Aus Madrid wird gemeldet: Das Einberufungsdekret für bie Cortes sagt in ber Einleitung, baß die Kammern nach ihrem Zusammentritt Beschlüsse von ensscheidender Wichtigkeit zu fassen haben werben. Die Thronrebe wirb sehr kurz sein; fie wirb bie Kammern aufforbern, ber Regierung bie Mittel zur Wahrung ber Ehre Spaniens zu gewähren. Die spanische Regierung verfügt zur Stunde über breiundzwanzig Schnellbampfer ber Handels flotte, die zu Kaperschiffen ausgerüstet werden. Bon den drei spanischen Panzerschiffen, die auf ber

Werft ber Seine-Gesellschaft ausgebessert unb umgebaut würben, verließ bieVitoria" schon vor einem Monat bie französischen Gewässer, biePelayo" kann mit neuen Dampfkesseln aus ber Seine nach Sartagena abgehe», unb man macht große An­strengungen, bamit bas letzte ber brei Schiffe, bie Oumancia", in vier Wochen berVitoiia" unb Pelayo" folgen könne.

Zur Lage auf ber I n f e l Cuba liegen Schilder­ungen von Greuelscenen in amerikanischen Blättern vor, bie insofern eine Bestätigung finben, als auch englische Berichterstatter und angesehene amerikanische Männer bas Grausige ber boitigen Lage in herz­ergreifenden Worten schildern. So schreibt ein eng­lischer Berichterstatter über die R, concenttados in Havannah:Ausgemergelte und hohlwangige Weiber und Kinder schleichen durch die Gaffen und betteln um ein Stück Brod. Wenn fie einen Bissen be­kommen, verschlingen sie ihn, wie halbverhungerte Hunde. In den anderen Städten ist ihre Lage noch schlimmer, denn dort hat Niemand mehr etwas. Frauen, deren Männer reich waren, Kinder, die in Luxus erzogen wurden, junge Mädchen mit alle» Zeichen der seinen Erziehung stehen, untermischt mtt Negern und Mischlingen, oft stundenlang in der glühenden Sonne und warte» auf eine kleine Spende, die ihren Hungertod wieder etwas hinansfchiebt." Schrecklich war vor allem die Lage der vom Lande in die Städte zusammengettiebenen Be­wohner. Ohne Hab und Gut, das meistens den Flammen, beutegierigen Freiwilligen ober Auf­ständischen anheimfiel, mußten fie in Noth unb Elend ihr Leben stiften. Arbeit fanden ste keine, und auch bie Regierung unterstützte biefe Arme» nicht, trotzbem gerade sie doch ihr Unglück verschuldete. Charles Ruffel, ein Mitglied des JustizdepaitementS, schreibt:Als die Verordnung WeylerS erschien, mußten etwa 4C0 000 Menschen in bie Stabte gehen, ohne Nahrung, ohne Mebizin, ohne irgenb ein Hilfs­mittel, ihr Leben zu fristen; nur in ben größeren Stabten konnten einige wenige eine Anstellung finden. Auf Grund alles dessen, was ich sah und hörte, kann ich sagen, daß die Hälfte dieser 400000 Menschen an Hunger uud Entbehrungen zu Grunde gegangen ist. Ich weiß aus dem amtlichen Register der Stadt Santa Clara, einer Stadt, die in gewöhnlichen Zeiten etwa 14000 Einwohner hat, daß im November allein über 1000 Personen gestorben sind, und im Dezember betrug die Sterblichkeit noch 971. In dieser Stadt ließ die Regierung täglich 500 Rationen vertheilen. Das war keine Hilfe, sondern bloß eine Verlängerung der Leiden eines Theils der ReconcenttadoS." Danach werden die Angaben des Konsuls Lee voll bestätigt, nnd es ist keine Uebertaibung, daß 200 000 Menschen dieser Kriegführungsmethode des Generals Weyler zum Opfer gefallen find, ohne auch nur in etwa den spanischen Truppen zu einem dauernden Erfolge zu verhelfen. Noch schrecklichere Einzelheiten hervorzu- heben, unterlassen wir; nur die eine Frage drängt sich uns noch unwillkürlich auf, was aus ber un­glücklichen Insel werden soll.

Deutsches Reich.

Berit«, 15. April. Se. Majestät der Kaiser machte, wie aus Wiesbaden hierher gemeldet wird, heute Nachmütag einen Spazierritt in der Umgebung der Stadt; Abends besuchte Se. Majestät das Theater, wo berBarbier von Sevilla" gegeben würbe.

Der Kaiser hat lautBerk. Tageblatt" bem jetzt m Erfurt tagenden Verein für Reformations­geschichte aus feiner Privatschatulle 20000 Mark zur Herausgabe der noch ungedruckten Werke MelanchthonS zugewieseu.

Die Konfirmation deS Kron­prinzen Wilhelm und des Prinzen Eitel Friedrich ist für bie Pfingstwoche in Aussicht genommen, boch hat der Kaiser sich noch die Entscheidung Vorbehalten, wo seine beiden Hießen Söhne konfttmttt werden solle», ob in ber Schloß« kapelle zu Berlin ober in Potsdam, woselbst ber Kaiser in der Friedevskirche am 1. September 1874 durch den Hofprediger Heim eingesegnet wurde.

DasReuter'sche Büreau" meldet aus Peking: Der deutsche Gesandte Frhr. von H e y k i n g hat wichtige Zugeständnisse für die Hofzeremonie bei der Aukuuft des Prinzen Heinrich erlangt. Die Kaiserin-Wittwe wird den Prinzen empfange», und der Kaiser hat zugestimmt, ihn als auf gleicher Rangstufe mit ihm stehend zu behandeln. Der Kaiser hat ferner eingewilligt, den