Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg «uv Kirchhai«.
Jllustrirtes Sonntagsblatt. fh * yq?- •» «•-»
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Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Quartals-Abonnements-Preis bei der Expedition 2 Mk., bet allen Postämtern 2,25 Mk. (exkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg., Reklamen: die Zeile 25 Pfg.
Warkurg
Mittwoch, 13. April 1898.
Anzeigen nehmen entgegen: die Expedition dieses Blattes, die Annoncen- Bureaux von Haafenstein & Vogler, Frankfurt a. M., Cassel, Magde- ^«8- Wien: Rudolf Moste, Frankfurt a. M., Berlin, München, Köln; C^L. Daube & Co., Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Parts x.
33. Jahrg.
Zu Spaniens Konflikt mit den Vereinigten Staaten.
I» ausländischen Blättern und vereinzelt sogar in der deutschen Presse ist die Behauptung ausgetreten, i bie deutsche Regierung habe sich in dem \ spanisch - amerikanischen Streite von der Linie i fintier Neutralität entfernt. ES ist gänz- \ lich unerfindlich, worauf sich eine solche Ansicht gründen könnte. Die Kaiserliche Regierung hat sich wn Anfang jener Verwickelungen an bis auf diese : Lillnde von jedem Versuch irgend welcher Parteinahme ferngehalten and insbesondere Alles vermieden, was eine Trübung unserer Beziehungen zu den Vereinigten Staaten von Nordamerika zur Folge haben könnte, mit denen Deutschland durch eine hundertjährige und nie ge- trübte Freundschaft verbunden ist. Hieran kann auch i bie Teilnahme Deutschlands an dem Kollektiv« ! s ch r i t t e der Mächte in Washington nichts Aber«, welchem zuvor alle übrigen Mächte zugestimmt harten und der lediglich in fteundschastlicher Form
ein in den Vereinigte» Staaten selbst wohl ge
würdigtes humanitäres Ziel verfolgt. Wir glauben auch nicht darin zu irren, daß die deutsche Regierung in der von ihr festgehaltenen absoluten Neutralität
bie ganze öffentliche Meinung in Deutschland hinter sich hat. So schreibt die „Ndd. Allg. Ztg.' in ihrer Abendnummer vom 9. April:
Das Organ des russischen Auswärtigen Amtes,
.Journal de St. PäterSbourg* schreibt: .Der Zusammenstoß mit den Waffen zwischen
Spanien und den Bereinigten Staaten ist bis jctzi noch nicht ausgebrochen. Die Bemühungen der Mächte find darauf gerichtet, demselben vorzubeugen. Abgesehen von dem unberechenbaren Schaden, ben der Krieg den beiden Parteien bereiten könnte, bof man doch fragen, ob für die amerikanischen Interessen in der Unabhängigkeit Kubas solche Vor- cheile zu finden wären, daß dieselben die durch die
etwaigen Feindseligkeiten herbeigeführten Verluste Ausgleichen würden, und man kann einmal die Frage
som kommerziellen Gesichtspunkt be-
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machten. Da fragt man sich, ob der amerikanische handel mehr Vortheil dabei finden würde, mit der 3nsel Kuba als einem unabhängigen Gebiet als mit btrfelbcn Insel bei autonomem Regime unter der Eonverainetät Spaniens Handel zu treiben. Wenn be Kriegszustand sich verlängerte, würde er alle Hilfsquellen der Insel zerstören und würde sie immer Mhr zu einer weiten Wüste machen. Das „Jomal be St. Pätersbourg' schließt: »Wie auch die öffentliche Meinung Amerikas fein mag, sie ist doch »rakfisch genug, um alle in Betracht kommenden
(Nachdruck verboten.)
Getrennte Sterne.
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lacketen Packet.
Roman aus der Gesellschaft von H. Waldemar.
(Fortsetzung.)
»Sehr schade,* erwiderte der Geftagte, obwohl feinem Innern den Zufall segnete, der den alten win schon zu einer Skatpartie nach einem andern ®«e eingeladen hatte.
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Wie war es köstlich, so eng zusammengepreßt in bnn Saupe dahinzufahren mit der Gelebten, deren W ihn berauschte, beseligte.
Marianne schwärmte von dem zu erwartenden Vergnügen und hatte viele Fragen zu stellen, die er ill« nur mechanisch beantwortete. ES beschäftigte ihn J®* die eine große Frage, das eine süße Verlangen, ^uen Arm um sie zu legen und ihr liebliches Köpfchen 88 seiner Brust zu bergen. Machte et ober eine Be« Nnng, so hob sie die blauen Augen so kindlich bet« Aureusvoll zu ihm empor, daß er eS nicht über sich Mochte, ihr diese Unbefangenheit zu rauben. War doch der mächtigste Zauber, bet von dem reizenden ’fcbe auSgiug.
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, „ .Nun wird meine Thätigkett zu Hause bald ein ■ ^be haben,* meinte sie nachdenklich.
Baldensteiu versuchte, in ihrem Gesichtchen zu lesen.
.So schwer wird eS Ihnen, das Regiment ab- Vlgebkn?*
Sie lachte ftöhlich auf.
-q .Wie Sie so gewichtig sagen! Regiment aufgeben l ich bisher ein kommandierender General? Milich, Papa behauptet immer, et müsse nach Pfeife tanzen. In Wirklichkeit aber ist er 8(1 größte Tyrann, freilich ein lieber, guter, wenn er manchmal ein bischen viel brummt. Aber alten 7®^ muß man schon so etwas nachsehen. Das wird '•’ii auch noch lernen müssen. Ach, die Lori,* hier
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Punkte abzuwägen. Man muß hoffen, daß der Kampf wttd vermieden werden können.*
Den Londoner Blättern vom 9. April find nachstehende Nachrichten zu entnehmen: Mac Kinley wurde offiziell benachrichtigt, daß die europäischen Mächte Spanien einige wesentliche Konzessionen, wodurch bet Friebe gesichert würde, bringend anriethen, bis 9. d. M. früh habe aber noch nichts darüber verlautet, daß Spanien diese Konzessionen gebilligt habe. Die Madrider Depesche, wonach Woodford sein Ultimatum zurückgezogen habe, wurde bei den Kongreßleuten so aufgefaßt, als ob Mac Kinley einen weiteren Aufschub bewillige. Republikaner wie Demokraten beider Häuser hielten darauf eine Besprechung ab, in Folge deren sie Mac Kinley beuachrichttgren, daß der Kongreß nicht länger als bis Montag warten würde. Senator Lodge theilte dann nach einer Unterredung mit dem Präsidenten Mac Kinley mit, er sehe keine» Grund, warum bie Botschaft wiederum aufgeschoben werden solle. Lee heißt eS, käme nach Washington, um über einige sensationelle Entdeckungen vernommen zu werden, wonach vier spanische Offiziere an der Explosion auf der „Maine* Schuld seien. Hierzu stimmt eine Mittheilung der „Daily Mail* wonach ein Vertreter der englischen Firma, welche die Minen in Havanna anlegte, ausgesagt hat, die betreffende Mine fei nur nach Oeffnung von vier Schlössern zu sprenge» gewesen, von denen vier höhere spanische Offiziere bie einzelnen Schlüssel gehabt hätten. Die Sache klingt unwahrscheinlich.
Zur Lage ber Dinge unb zu dem Verhättniß Deutschlands zu denselben äußert sich auch die „Post*, welche ausführt: ,Die letzten Depeschen über einen Kollektivschritt der Mächte haben der Preffe Anlaß gegeben, unter anderen auch Deutschland in den Kreis gewisser Kombinationen hineinzuziehen. Wir brauche» wohl kaum zu veifichern, daß eS ein Zeichen arger Unkenntniß ist, einen Kollektivschritt wie den genannten irgendwie mit einer Intervention zu identifiziren. Freundschaftlicher Vorstellung kann niemals der Charakter einer Einmischung beigelegt werben. Eine solche Vorstellung legt sogar ein Zeugniß von der Freundschaft deS Staates, ber sie macht für den, dem sie gemacht., ob. Immer wieder müssen wir darauf zurückkommen, daß eine Großmacht wie das Deutsche Reich sich niemals einer Zurückweisung aussetzen kann, wie sie unanSbleiblich wäre, wenn der Entschluß der Bereinigten Staaten, sich CubaS in dieser oder jener Form zu bemächtige», unumstößlich feststände. Der Eifer, mit dem Oesterreich sich in letzter Zeit bemüht, die beiden streitenden Parteien auf den Weg der Versöhnung zu leiten, darf nicht zu irgend welchen Rückschlüssen auf Deutschlands Stellungnahme führen. Die persönlichen Jnteresien, welche bei ber nahen Verwanbtschaft des österreichischen
Herrscherhauses mit bet Königin Christine in Frage kommen, wären allein vollstänbig geeignet, bie Schritte Oesterreichs zu erklären. Dieses persönliche Element bewahrt allein schon Oesterreich bavor, in ben Augen ber Norbamerikaner als diplomatischer Vertreter spanischer Wünsche dazustehen. Auch sind die wirth- schaftlichen Jntereffe», welche zwischen Oesterreich und Amerika in Frage kommen, an Umfang mit den unseren nicht entfernt zu vergleichen.*
Umschau.
Das Ministerium der öffentlichen Arbeiten ist von einem überaus schmerzliche» Verluste betroffen worden: am 7. d. M. ist, wie schon kurz gemeldet, bet älteste seiner Vortragenden Räthe, ber Wirkliche Geheime Rath B ä n s ch, wenige Tage nach seinem fünfzigjährigen Dienstjubiläum, au ben Folgen einet Gallenstein Operation bahiugeschieden. Friedrich Bernharb Otto Bänsch war zu Zeitz am 6. Juni 1825 geboren. In dem ihm im „Staats-Anzgr.* gewidmeten Nachrufe heißt es: „In dem Dahingeschiedeuen verliert die preußische Staatsregierung einen ihrer ausgezeichnetsten Beamte», einen ihrer hervorragendsten Wasserbau. Techniker. In allen Zweigen der Wasser- baukunst hat bet Verewigte Gelegenheit gefunden, feine eminente Begabung in theoretischer wie in prakttschet Hinsicht barzuthun nnb Werke zu schaffen, bie als muftergiltig anzusehen sind und seinen Nomen im Jnlonde wie im Auslande rühmlichst bekannt gemacht haben. Mit besonderer Vorliebe behandelte et die Ausgaben des Seebaues und hat sowohl an ber pommetschen wie an ber hannoverschen und schleswig- holsteinischen Meeresküste viele und schwierige Probleme in vortrefflichster Weise gelöst. Daneben hatte er, wovon besonders die Elbe und die Saale, der Rhein und die Weset beredtes Zeugniß ablegen, großes Geschick und reiche Erfahrung in der Regulierung ber Flüsse unb hat in ber Kanalisierung be8 Mains ein gerabezu epochemachendes Werk geschaffen. Schließlich wurde er vor die ebenso großartige wie schwierige Aufgabe gestellt, das Projekt zu der Verbindung der Nord- und der Ostsee zu entwerfen und durchzuführen, und hat bei Lösung dieser Aufgabe, sowohl was Voritefflichkett des Entwurfs wie Sicher- heit in ber Veranschlagung ber Kosten und in der Aufstellung der Gesammtsdisposition, Festigkeit ber Oberleitung unb Beherrschung aller Details anlangt, »ach bem Urtheil bet Techniker bet ganzen Welt als unübertroffener Meister sich erwiese».
Wie bie bemoktatischen Blätter in ergötzlichsten Sprüngen ihre Weisheit änbetn zeigt jetzt die „Vosi. Ztg.', die sich noch eben den
rückte Marianne noch etwas näher on ihren Begleiter heran, „finden Sie nicht auch, daß sie reizend, entzückend ist?'
,O, ja, Fräulein Holde» gefällt allen Leuten, allein dmch ihr anspruchsloses Wese».*
„Und glauben Sie wirklich, daß ste meinen Hans von Herzen lieb hat?*
„Das ist eine GewifferiSfrage, bie ich nicht beantworten kann. Aber, Fräulein Marianne, würbe sie ihrer Kunst entsagt haben, wenn —*
„3a, ja, es wat eine bumme Frage,* unterbrach ihn Marianne ungebulbig. „Mir ist eben keine gut genug für meinen prächtigen Hans. DaS wirb ein herrliches Leben werben auf Dettmarshauseu!*
„Trotzbem senkten Sie soeben bei bem Gedanken, Ihr Regiment aufgeben zu müsse».*
Wieder lachte Marianne wie ein ausgelassenes, fröhliche» Kind.
„Das ist nichts wie Uusiuu! Ich freue mich riesig, wenn ich nicht mehr verantwortlich bin.'
„Unb was wollen Sie thuu, wenn Ihre Schwägerin bie Zügel in bie Hand nimmt?'
.Was ich thue? Ja, das weiß ich noch nicht. Reisen möchte ich machen! Ich bin ja noch gar nicht Wetter gekommen, al« in bieMestdenz. So wie Adriennes Freundin möchte ich mir bie Welt ansehen.'
.Allein, ober würben Sie sich Begleitung gefalle» laffen ?'
„Ich müßte wohl, ben» ein junges Mädchen, fo sagt die Gräfin, darf niemals sich falscher Beuttheilung aussetzen. Ich Weiß zwar wahrhaftig nicht, was sie bamit meint, doch richtig nnb wahr wird's ja wohl fein. Aber wen nehme ich denn mit?*
„Ihren Papa!*
„Der liebt zu sehr bie Bequemlichkeit.*
„Dann eine weibliche Verwandte.*
.Br! gehen Sie mir mit Verwandten! Ich
will frei, mein eigener Herr fein, aber fo eine Same, bie kann, halb nicht Bergsteigen, halb verträgt sie baS Stehen nicht, ein anbermal fürchtet sie sich vor einem bischen Regen unb bie Sonne schadet ihrer Haut. Um Himmels willen, mit fo jemand zu reifen, muß eine Qual fein. Einen recht guten Kameraden möchte ich habe», ber wäre »ach meinem Geschmack.'
„So bliebe nur ein Ausweg —'
„Unb ber wäre? Geschwind, ich brenne baranf!*
„Sie müssen heirathen! Einen Monn, ber Sie liebt —'
„Pfui, mich so zum besten zu haben! Sie finb auch nicht besser als alle andern.'
„Aber, Fräulettl Marianne, liegt ber Gedanke nicht ganz nahe?*
Salbenftein ergriff ihre kleine Hand, bie vergeblich strebte, loszukommen, unb drückte fie zärtlich.
„Mtt einem Gatten könnten Sie alles genießen, reifen nach Herzenslust, und an ihm hätten Sie den ersehnten, guten Kameraden. Sind Sie mtt böse?'
Sie lächelte schon wieder, und der Schalk lugte aus ihren Augen, als fie sagte:
„Wo aber hole ich mir so rasch einen Mann? In vier Wochen ist meines BmderS Hochzett. Soll ich es ausschellen laffen, daß Marianne Dettmar auf Dettmarshauseu einen Mann sucht, um reifen zu können? Wäre baS nicht reizend? Würden da die Menschen nicht staunen?'
„Aber, Marianne!'
Sie erschrack.
„Habe ich wieder etwas gesagt, waS sich nicht gehört? Daran sind Sie allein schuld, weil Sie — Sie find abscheulich, ganz abscheulich!*
„Und wenn ich Ihnen nun Rath wüßte, würden Sie bann nicht wieder annehmen, ich wollte mich 'über Sie lustig machen?*
Schweiß von dem heißen Kampfe abwischt, den sie gegen die deutsche Marinevorlage geführt hat. Sie hat endlich ihr maritimes Verständ- niß entdeckt, aber nur für und unter — Oesterreich! Diesem Staate hält sie jetzt eine donnernde Philippika, in der es heißt: „Kleinmuth, Mangel an weitem, zeitliche und räumliche Fernen unspanneuden Blick und eine übel angebrachte Pfennigfuchserei drohen die Pläne der österreichisch-ungarischen Marineverwaltung zum Scheitern zu bringen." . . . „Alle europäischen Großmächte wetteifern in der Verstärkung und Moderuisirnng ihrer Flotten, den schwimmenden Burgen ihres überseeischen Handels, nur Oesterreich- Ungarn mit seinem alten, stetig sich ausdehnenden Seehandel bleibt von diesem Wetteifer unberührt, theils aus unzureichendem Verständniß für die großen Aufgaben unb Ziele, bie ben Völkern unseres Erd- theils jenseits ber Meere winken, theils aus Mangel an Vertrauen in bie eigene wttthschastliche Kraft.*
In einem am 8. April Nachmittags in Paris unter Meliue's Vorsitz abgehaltenen Ministerrathe theilte Kriegsminister Billot mit, baß das Kriegsgericht mit 4 gegen 3 Stimmen beschlossen habe, gegen Zola unb Perrenx von Neuem Vorzug e h e n unb als CivilklSger aufzutreten. Ferner sprach daS Kriegsgericht den Wunsch aus, daß der Kriegsminister beim Großkanzler der Ehrenlegion die Löschung Zolas aus der Liste der Ehrenlegion beantragen möge. Der Kriegsgerichtsvorsitzende, General Luxer, stimmte dagegen. Der neue Prozeß, der Mitte Mai gerade während der schärfsten Wahlperiode stattfindet, wird weit größeren Umfang an» »ehme», als der erste. Nach Angaben der „Aurore* wird Zola allein 60 neue Zeugen vorladen. Bezeichnend ist die Thatsache, daß die beiden verbreitetsten Pariser Blätter „Petit Journal* und „Pettt Aoristen* die Anstrengung des neuen Prozesses bedauern. Der Vorsitzende des Appellgerichts Perivier wird die Verhandlungen leiten. Vorläufig kann nur erklärt werden, die Verantwortung seines Beschluffes vor dem Lande und vor der Geschichte gehört dem Kriegsgericht allein. Diese Verantwortung ist groß, ungeheuer. Man kann nur wünsche», daß Frankreich selbst sie ihm erleichtere, indem eS dafür Sorge trägt, daß dieser zweite Prozeß inner- und außerhalb des Gerichtssaales in Formen geführt werde, bie ben Begriffen des modernen Rechts unb ber staatsbürgerlichen Freiheit, Pflicht und Dehnung entsprechen. Nach beiden Richtungen ist bei dem letzten Prozeß schwer gesündigt worden. Mit dem neuen Prozeß hat wenigstens Frankreich bie Gelegenheit, sich vor ber Welt wieder rein zu waschen unb seinen alten Ruf und Ruhm als des Verkünders und Begründers der Menschenrechte von Neuem zu festigen.
Der Ernst in seiner Stimme entging Marianne völlig. Sie erfaßte es begierig, daß er ihr einen Ausweg zeigen wollte.
„Ach, bitte, Herr Assessor, rahten Sie mir! Ich will auch ganz gewiß nichts Böses von Ihnen denken!'
Das liebliche Gesichtchen war ihm fo nahe, daß er ttotz des herrfchenden Halbdunkels die Erwattung in ihren Augen erspähen konnte. Keine Ahnung von bem, was ihn erfüllte, fchttn ste zu beseelen; unbefangen, harmlos, wie bie Schwester zum Bruder, sah sie zu ihm aus unb wußte nicht, mtt welcher Beherrschung er seine heiße Liebe, baS Verlangen nieder- kämpfe» mußte, fie in feine Arme zu reißen nnb ihr zu sagen, baß die» ber einzige, wahre Ausweg fei.
„Geschwind, geschwind! Sie sehen doch, daß bie Ungebulb mich verzehrt!'
Sie ttippelte mit ben Füßen nnb zupfte an ben Schleifen ihres KleibeS, während ihr Blick an seinem Gesicht haftete.
„Wenn Sie mich —'
Weiter kam Salbenftein nicht. Der Wagen hielt mit einem Ruck, unb fast in bemfelben Augenblick warb ber Schlag aufgerissen.
Der Assessor, welcher zunächst faß, stieg ans und reichte bem jungen Mäbchen bie Hand, um ihr behilflich zu fein.
Im Gruube bei Herzens war er dankbar, daß er aus diese Weise verhindert wurde, auszusprechen, was Mariannen ihre Unbefangenheit im Verkehr mit ihm und anderen rauben mußte.
Nicht so daS Mädchen selbst.
„Sehen Sie, nun war er zu spät,' flüsterte sie ärgerlich, während sie neben ihm in bie Halle der Bünshofes einttat. „Warum haben Sie auch so lange gezögert!'
„Es wirb sich schon noch Gelegenheit bazu bieten! versetzte er verbindlich. (Fortsetzung folgt.)