Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg «nd Kirchhain. in Jllustrirtes Sonntagsblatt.
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen.
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Marburg
Freitag. 1. April 1898.
Anzeigen nehmen entgegen: die Expedition dieses Blattes, die Annoncen- Bureaux von Haasenstein & Vogler, Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg, Wien; Rudolf Mosse, Frankfurt a. M„ Berlin, München, fiele; C. L. Daube & Eo., Frankfurt n. M., Berlin, Hannover, Pari? re.
33. Jahrg.
Zweites Blatt.
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Unter den in Marburg täglich erscheinenden politischen Zettungen ist di«
„Oberhessische Zeitung" mtt de» Kreitblatt für die Kreise Marburg uud Kirchhat» sowie Illustrierte» Touutagsblatt uud Ziehungsliste« der »öuigl. Prenh. Klaffe« Lotterie die gelesenste und am weitesten verbreitete. Mtt dem 1. April 1898 b-ginut auf fie ein neues Viertel. jahrS-Abonnement. Die „Oberhrssische Zeitung" hat eS fich in erster Reihe zur Aufgabe gestillt, einzutreten für die Macht und das Ansehen von Kaiser uno Reich, für Thron, Vaterland und Altar! Di« ,O b«r h e s s i s ch e Z e t t n n g' ist bestrebt, überall, wo st« nur gelesen wird, daS nationale Bewußtsein, Treue zur Monarchie, Liebe zum Vaterlande, Gottesfurcht uud religiSsen Sinn, wie Achtung vor unseren Gesetzen und bewährten staatlichen Einrichtungen zu fördern! Tie „Uber= hessische Zeitung" sucht die« Zlel durch gediegen«, sachlich gehaltene, populär g«schrieb«ne Leitartikel zu er reichen, In ihrer Rubrtt „Umschau" wird sie wie bisher »ine Uebersicht über die wichtigsten Tag-Sereigniff« auf dem Gebiete der inneren uud äußeren Politik und deren Besprechung bringen, und die Vorgänge in den Parlamenten, in Reich und Staat, unter dem Tagesbericht wi« bisher zusammenstellen. Durch ihr« Verbindung mit der Sou- tinental-Telegraphkn-Compagnie in Berlin ist di« „Ober- hessische Zeitung" in der Lage, ihren Lesern in Original-Telegrammen die neuesten Ereignisse im 3n- uud Aurlande unverzüglich zur Kenntuiß zu bringen.
Den Vorgängen in unserer Provinz, wir dem lokalen Theile wird die „Oberhessisch« Z«itung" ganz be- sonder« Aufmerksamkeit widmrn, auch wird st« nicht nur durch ein gediegenes Feuilleton, wie durch Zusammenstellung unterhaltender verschiedener Nachrichten für ihre Leser Sorg« tragen, so. dern, wi« einkSthkilS den Vorgängen auf dem Gebiete von Kunst und Wiffenschaft, so andererseits dem volkswilthschastlichen und landwirthschaft- l i ch e n Interesse durch einschlägig« VriSffentlichungen thun lichst «ttgtgeuzukommtn allezeit bestrebt sein.
Jnsrrat« finden, die srchSspaltige Zette 10 Pfg., bei der ausehnlicheu Auflag« der „O b e r h e s s i s ch«n Zeitung" in derselben di« geeignetste und weiteste V«r- breitung. Dadurch, daß alle Staats- und Kommunalbehörden des Bezirks die „Oberhessische Zeitung" zu ihren Bekanntmachungen benutz«», ist daS Haltrn drrs'lben von entsprech« dem Nutzrn für jed«n Leser.
Erinnere fich Jeder, daß demnächst die Wahlen zum Reichstage, wie nach ihnen die Wahlrn zum Landtag« bevorstehrn. AngefichtS drrsklben ist eS für j«d«n ruhig und sachlich denkend«« Politiker unerläßlich, eine Zeitung zu haben, i ie, alle demagogische Volks Verhetzung, alle Sensationslust und alle Entstellung der Ding« vermeidend, den Wähler übrr di« polttischrn Vor- gänge auf dem Laufenden hält, und ihm im Gegensatz zu d«n Zerrbttdern einer skruppellosrn tzetzpreff« «in wahrrS BUd der Ereigniffe auf dem Gebiet« btt inneren und äußerer. Polttik bietet. Eine solch« Zeitung ist die „Obe »hessische Zeitung".
Schließlich bitten wir unftte Leser, Freund« und Gönner, unter ihren Bekanntenkreisen für die Weiter- verb.eitung der „Oberhessischen Zeitung" thua- lichst Mitwirken und so auch ihrerseits Helfer und Förderer einer nationalen und loyalen Poltttt sein zu wollen, einer Polittt, di« sich aller umstürzlerischeu Tendenz der heutigen Zett gegenüber ttru bleibt in der Devise: „Mit Gott für Kaifer und Reich, für König und Vaterland!"
Marburg, im März 1898.
Die Exped. der „Oberhesfi Zeitung"
Bismarck-Pottefeuille.
HerauSgegebeu von Heinrich v. Poschinger — 2. Band
Am Geburtstage des Fürste» Bismarck erscheint bei der deutschen Verlagsanstalt in Stuttgart der zwüte Band des vou H. von Poschinger heraus- gegebeneu Bismarck - Portefeuille». In diesem nunmehr periodisch erscheinenden Werke sollte nach dem dem ersten Bande beigegebenen Prospekte „eine Mappe g-fchaffen werden für bisher unveröffentlichte Kundgebungen auS der Feder des Begründer» des deut'chen Reiches, außerdem für Abhandlungen über ihn, die geeignet sind, un» den unerreichbaren Meister der Staatskunst näherzurücken."
Der interessanteste Theil de» Bandes ist derjenige, in dem Poschinger da» Material über die Unter» redungea zusammenträgt, die Bismarck im Laufe de» französischen Krieges mit den verschiedenen Unterhandlet n gehabt bat Im wesentlichen werden dabei französische Quellen herangezoge», so das Buch des General» Wimpffe t „Sedan", ein Bericht des Kapitäns d'Orcet, der den Verhandlungen vor Sedan beigewohnt hat. Obgleich diese Vorgänge schon oft von berufener Seite in eingehendster Weise geschildert worden sind, glauben wir hier doch die Worte Bismarcks nach den Orcetschen Aufzeichnungen wieder» geben zu sollen, weil sie mit besondener Klarheit ein Bild von der Auffassnug des Fürsten entwerfen. Auf die Vorstellungen des Generals v. Wimpffen, daß Bismarck durch milde Bedingungen sich die Dankbarkeit der französischen Nation sichern solle, erwiderte Bismarck:
„Ihre Beweisführung, General, erscheint auf den ersten Anblick begründet, sie ist aber dennoch that- sächlich unhaltbar. Mau darf schon im allgemeinen im Leben nur selten auf Dankbarkeit rechnen — niemals auf die Dankbarkeit eines Volkes; man kann an die Erkenntlichkeit eines Souveräns glauben, allenfalls auch noch an die seiner Familie; man kann selbst unter gewissen Voraussetzungen sein volles Vertrauen darein setzen; aber, ich wiederhole eS, man darf nichts von der Dankbarkeit einer Natton erwarten. Wenn da» französische Volk ein Volk wie andere Völker wäre, wenn eS fest begründete Institutionen besäße, wenn e», wie daS unsrige, Ehr» furcht «ud Achtting vor seinen Institutionen hätte, wenn der Thron seine» Souverän» sicher begründet stünde, so könnten wir an die Erkenntlichkeit de» Kaiser» und seines Sohne» glauben uud dieser Er- kenntlichkett einen gewissen Werth beimesse»; aber in Frankreich find seit 80 Jahren die Regierung», shsteme so wenig dauerhaft, so zahlreich gewesen, fie haben mit einer so befremdlichen Schnelligkeit gewechselt, und dieser Wechsel lag so außerhalb des Bereiche» jeder möglichen Voraur sicht, daß man in nichts auf Ihr Land rechnen kann, und daß es ein Akt der Thorheit wäre, wenn ein Nachbarvolk auf die Freundschaft irgend welches franzöfischeu Herrschers Hoffnungen gründete; da» hieße ein Gebäude aus GlaS aufführeu. Und außerdem wäre eS sinnlos, zu glauben, daß Frankreich uns je unsere Erfolge verzeihen könnte; euer Volk ist reizbar, neidisch, eifersüchtig und von maßlosem Stolze. Seit zwei Jahrhunderten hat Frankreich dreißig Mal Preußen den Krieg erklärt, Deutschland" — fügte er, sich verbeffernd, hinzu. „Und diesmal, wie immer, entsprang die Kriegserklärung der Gfersucht, weil ihr uns nicht den Sieg von Sadowa verzeihen konntet, und doch hatte Sadowa euch nichts gekostet und euren Ruhm in keiner Weise beeinträchttgtj Allein ihr glaubtet, daß der KriegSruhm etwa» sei, worauf ihr allein Anrecht hättet. Ihr habt neben euch nicht eine Nation dulden wollen, die euch gewachsen ist. Ihr habt unS Sadowa nicht vergeben zu können geglaubt — ihr werdet uns niemals Sedan verzeihen. Wenn wir jetzt Frieden schlöffen, in fünf, zehn Jahren, sobald ihr euch stark genug fühlt, würdet ihr den Krieg wieder anfnehme»; da» wäre der ganze Dank, den wir von der französischen Nation zu erwarten hätten. Unser Volk ist im Gegensätze zum eurigen ehrlich und ftied- liebend, nicht von Eroberungssucht verzehrt und nur nach friedlichen Zustände» verlangend. Wir rooHen unfern Kindern den Frieden sichern, uud um die» zu könuen, müssn wir zwischen uns und euch ein Glacis einschieben. Wir bedürfen eines Landstriches und eines Festungsgürtels, der uns dauernd gegen die Angriffe Frankreichs schützt."
Nach den Akten der in Frankreich über die Vorgänge während des Krieges geführten parlamentarische» Enquete werden uns die Verhandlungen mtt ThierS, Favre und andern Unterhändlern vorgefühlt, die nicht nur da» denkbar spannendste Völkerdrama bilden, sondern auch an persönlich - psychologischem Reize sehr reich sind. AuS einer Unterredung mtt General Boyer ist daS Urtheil interessant, das für Frankreich zuerst sehr eingenommene Amerikaner über das Treiben in dem vou den Deutschen eingeschlossenen Paris abgaben. Bismarck sprach vom General Tiochn, wobei er bemerkte, daß er denselben für einen ehrenhaften Mann halte, und daß er nach den Mittheilungen der Herren Sheridan »nd Burnside in der Thal glaube — dies find Bismarcks eigene Worte —, Trochu sei der einzige ehren» hafte Manu dieser Regierung und besonders der einzige wirkliche und aufrichttge Republikaner. DieS wäre die Meinung der Herren Sheridan und »urufide. Bezüglich der andern im Btadthause
fitzenden Mitglieder der Regierung hätten diese Herren ihm gesagt, fie hätten bei denselben keinen großen ehrenhaften und ehrenwerthen Grundsatz angetroffen; diese Leute wüßten gar nicht, was eine Republik sei; die Idee einer Republik wie der ihrigen, daS heißt der Republik der Bereinigten Staaten, sei in ihr G.hirn noch nicht eingedrungen. Mtt einem Wort, diese Amerikaner seien mit dem Gedanken zurückgekehrt, daß das Stadthaus ein von Affen bewohntes Irrenhaus sei. Da» sei trivial, • aber das sei Bismarcks Ausdruck, welcher, wie er dem General Boyer sagte, nur den Ausdruck der amerikanischen Abgesandten wiederholte.
Aus den zuerst durch General d'Hauipoul über die Capitulatiou von Parts geführten Verhandlungen entnehmen wir den Aufzeichnungen des französischen Lieutenants im Generalstabe Ealvel die Erzählung einer kleinen Episode. Der ftanzöstsche General sagte, er wäre sehr glücklich, den General v. Molkte wieder zu sehen, der an der Spitze einer preußischen Mission in Konstantinopel gestaudeu habe, als er selbst in Aegypten und Syrien gewesen sei. „In der That", sagte Bismarck, „et nahm theil an der preußischen Gesandschaft, welche die Armee von Hafiz Pascha begleitete." „Ich erinnere mich desieu umsomehr", fügte der General lachend hinzu, „als ich bei den Vorbereitungen mitgewirtt habe, welche die Niederlage der Türken bei Nezib durch da» von Ibrahim Pascha und seinem Generalstabschef Solimau Pascha, dessen Stab ich als erster Adjutant angehörte, geleitete ägyptische Heer herbeiführten." „Ja", bemerkte Bismarck, „das türkische Heer wurde vollständig ge» schlagen. Herr v. Molkte hatte vortteffliche Rathschläge; man hörte aber nicht darauf."
Bismarck hatte in Versailles mehrere Unter» reduugen mtt dem Bürgermeister dieser Stadt, Herrn Rameau, der unter Anderm einnnl Gelegenheit nahm, Bismarck seine Ansichten darüber auSeinanderzusetzen, wie der Friede in einer für beide Theile ehrenvollen Weise abgeschlosien werden könne. Dieser am 21. Oktober 1870 (!) gemachte Vorschlag ist so bezeichnend für die allen Gefühlen der Wirklichkeit abgewandte Auffassung der Franzosen, daß er hier als ein Kuriosum der Verblendung wiedergegeben werden soll:
Ich bin, so sagte Herr Rameau, kein Diplomat und habe keinen Aufttag von irgendwem. Aber aus bloßem MenschlichkettSgefühl möchte ich sagen, daß der Friede leicht herzustellen wäre, und ich glaube eS beweisen zu können. Sie sagten, Herr Graf, daß Deutschland diesen Krieg nicht führe, um Eroberungen zu machen, sondern um fich den Frieden zu sichern. Und ich erkläre Ihnen, daß auch die französische Republik keine ErobernugSgelüste hat und zur Herstellung des Frieden» in Alle» willigen wird, waS mit ihrer Würde vereinbar ist. 'Erste Konfequerz als«: keine GebietSvergiößerung auf der einen oder der andern Seite, fonbent der Status quo ante bellum. Al» Garantie für den Frieden verlange Deutschland die Schleifung der französischen und Frankieich die der deutschen Grenzfestungen! Wenn beide Theile darauf eingeheu, ist die Ehre gerettet.
Darüber war nun in der That nicht zu ver- himdeln. In derselben Unterredung kam auch wiederholt die Frage auf eine Strafzahlung von 100 Franken, die dem Magistrat von Versailles anferlegt worden war, weil er einem königlichen Courier nicht rechtzeitig Pferde gestellt hatte. Der Bürgermeister wollte die 100 Franken durchaus nicht zahlen, weil e» sich um eine grundsätzliche Frage handelte. Man konnte sich nicht einigen, aber schließlich gelangte die Sache in folgender Weise zu einem scherzhaften Schluß: der Bürgermeister erzählte nämlich Herrn v. Bismarck folgenden Vorfall:
„Ich freue mich indeß, Ihnen ein doppeltes Beispiel dafür beibringen zu können, daß trotz der Hefttgkeit de» Kampfes die Humanität auf beiden Seiten noch nicht ihre Rechte verloren hat. Eben h-ute hat der Gemeinderath eine Belohnung von 50 Franc» für einen preußischen Sergeanten (NamenS König) ootirt. der dieser Tage b-im Löschen eine» Brandes in Versailles den rühmlichsten Eifer an den Tag gelegt hatte. Kurz zuvor war ein preußischer Soldat, der aus Versehen von einem Wagen gefallen war und ein Bein gebrochen hatte, von einem Ein wohner von Versailles (Namens Poiceviv) aufgehoben und verbunden worden". „Nun", sagte Hm v. Bismarck, „wenn dieser Poidevin in der Noth ist, so geben Sie ihm die 100 Frei., welche Sie uns als Indemnität schuldig find, und die Sache wird damit erledigt sein". Am 26. Oktober erschien dann Graf Hatzfeldt auf der Mattie und sagte im Aufttage Bismarcks, die Stadt könne die 100 FrcS. dem Herrn Poidevin zahlen, die Quittung de» letzteren
ollte dem Kanzler zugestellt werden, damtt sollte die »er Stadt auferlegte Strafe ausgeglichen sein. Am folgenden 31. wurde der fragliche Betrag dem Herrn Poidevin übergeben.
AuS einer Unterredung Bismarcks^mit den Herren Ponyer • Querster und Jules Favre entnehmen wir, daß einmal die Zahlung der ftanzöstschen Pariser Kriegsentschädigung beinahe über der Frage der Geldbeutel ins Stocken gekommen wäre. Ende Februar 1871 fuhren die französischen Minister Jules Favre uud Pouyer-Onertier bei Bismarck in Versailles vor, um zu melden, Paris sei außer Stande, den verabredeten Zahlungsmodus inne zu halten, und es müßten nothgedrungen neue Verabredungen getroffen werden. Auf die Frage Bismarcks, was denn eigentlich vorgefallen sei, ei widerte der Finanzminister Pouyer - Querster: „Die Bank von Frankreich ist zwar durchaus im Stande, den noch zu entrichtenden Rest von 100 Millionen jeden Augenblick abzuführen, allein ihre augenblickliche Zahlungsunfähigkeit erklärt fich aus dem leidigen Umstände, daß die Bank nicht über genug — Gel sacke verfügt. Wir werden, wenn e» verlangt wird, die Zahlung fortsetzen; nur sind wir dann genüihigt, die Goldstücke uneingepackt abzusühren, 'und daS ist ungemein zeittaubend für den Zahler, wie für den Empfänger".
Bismarck übersah, mtt welchen Weiterungen die General-Intendantur, die das Geld vereinnahmte, zu kämpfen haben würde, und erbot sich zu jedweder Hilfeleistung für die Bank. Sofort wurden also deutsche Lieferanten angewiesen, Zug um Zug Leinwand nach Pari» zu schaffen, und nunmehr erklärte sich Pouyer-Querster für befriedigt. Allein er kam noch mit einem Einwand. „Excellenz", sagte er zum Kanzler, „für jeden Geldsack berechret die Bank von Frankreich laut Gesetz 75 Centimes, und diesen Be- trog . . .* „Wir bezahlen gern jeden einzelnen Sack," unterbrach ihn Bismarck, und stehe da, schon am nächsten Tage nahm, weil die Beutel sogleich in Angriff genommen wurden, die Zahlung ihren Fortgang. Mit der letzten Koldsendung lief dann auch die französische Rechnung ein: sie lautete über 23 600 Franken, und ohne Besinnen wurde der Betrag entrichtet.
Dazu bemerkt Poschinger:
Diese französischen Geldsäcke, auS deutscher Leinwand hergestellt und vom Empfänger der Kontribution bezahlt, sind hernach Jahre lang bei der Reichsbank und deren Filialen im Gebrauch gewesen, aber kaum einem ihrer späteren Besitzer wird bekannt gewesen sein, welch wichtige Rolle diese Beutel einst gespielt. Jeder enthielt gleich hohe Summen bei gleichem Ge» wicht, uni eS mag erwähnt werden, daß an der Ge- sammtsuu me, die auf Treu und Glauben angenommen wvrie, nicht ein einziger Centime fchtte. Das Gleiche gilt von den Zahlungen, die in Papier geleistet werden dursten, und daß sich unter dem Papiergeld ein nachgemachter preußischer Hundertlhalerschein befand, konnte dem Schuldner um so weniger als Schuld angerechnet weide», weil die Nachahmung eine vorzüglich geschickte gewesen war. Während der Belagerung hatte nämlich ein Pariser Graveur seine Zeit nicht bester verwerthen zu können gemeint, als indem er den nachgemachten Hundertthalerschem au der Stelle, wo fich die Strafandrohung befand, mtt der Bemerkung versah: „Wer Guillaume oder Bismarck lebendig an die Regierung der ftanzöfischen Republik ausliefert, erhält dafür die Summe vou zehn Millionen Franken." Dieser gefälschte Schein wurde sofort als interessante Kriegserinnerung für hundert Thaler eiftanbeu, schon um der Ober» rechnungSkammer keinen Anlaß zu einem „Monitum" zu bieten. Die Ausgabe von 23500 Franken für die Geldbeutel ließ der gestrenge Rechnungshof ebenfalls unbeanstandet, nachdem auf diesen Fall hin daS ftanzöstsche Gesetz und die Bankordnung durchgesehen waren.
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