Weit, von welchem aus man weit eher auf „Begehr-Ides Kriegsministers, General-Lieutenants v. Gobler
dazu
Dividend« 10,0 Millionen,
11,5 7,65
7,2
6,4 bemerkt
Aus Marburg und Umgegend.
Marburg, 18. März. Der „C. Allg. Ztg." schreibt man von hier zum Semesterschluß: Schneeglöckchen läutet den Frühling ein: An dieser einigermaßen erfreulichen Thatsache ist nachgerade kein Zweifel mehr gestattet, nachdem Legionen von Dichter» und solchen, die es sein und werden wollen, sie der Welt verkündet. Trotzdem habe ich sie noch einmal konstatireu zu sollen geglaubt — aus dem Grunde, weil besagte Blümchen mit besagtem Läute» hier i» der Museostadt noch eine andere Funktion zu verbinden pflegen. Schneeglöckchen läutet'S Semester
. ®.£r Reichstag setzte die zweite Berathung der M i l i t ä rst r a f p r o z e ß o r d n u » g fort und nahm alle Paragraphen bis einschließlich § 171 nach den Kommisfionsbeschlüssen an. Ueber §46 entspann sich eine lange Debatte, die, wie gesagt, mit Annahme des Kommisstonsbeschlusses endete. Danach werden die Kriegsgerichte ans fünf Richtern bestehen, und zwar aus zwei KriegSgerichtsräthen und drei Offizieren. Ueber § 172, der von der vorläufigen Festnahme handelt, entspann sich gleichfalls eine ausgedehnte Debatte, die schließlich auf morgen vertagt wurde. Zur Beschleunigung der Weiterberathung beginnt die morgige Sitzung schon um 12 Uhr.
— Das Abgeordnetenhaus beendete die zweste Lesung des K u l t u S e t a t s. Auf die zahlreich geäußerten Wünsche bezüglich der Medizinalreform entgegnete Minister Bosse, daß eine entsprechende Vorlage dem nächsten Landtage zugehe, sich aber im Wesentlichen auf eine Besserstellung der Kreisärzte beschränken werde. Morgen: Eisenbahnetat.
— Nachdem es nicht mehr möglich erschien, die Handelsvertrags-Verhandlungen zwischen Deutschland und England so zeitig zu Ende zu führen, daß der Vertrag vor Ablauf des jetzt bestehenden in beiden Ländern zur gesetzlichen Anerkennung zu bringen gewesen wäre, haben sich die beiden Beteiligten Regierungen über ein Provisorium geeinigt. Der Entwurf desselben wird dem Reichstage binnen kurzer Frist zugehen.
— Der „Deutschen Juristen-Zettung" zufolge ist eine Petition der Vorstände der Anwaltskammern in Vorbereitung, welche sich gegen die Schaffung eines konzessionirten Rechtsagenten st andes durch die Novelle zur Civilprozeßordnung ausspricht.
— Nachdem in der heutigen Abendfitzung der Stadtverordneten mit 58 gegen 40 Stimmen beschlossen war, morgen durch eine Deputation einen Kranz am Grabe der Märzgefallenen niederzulegen, verlas der Oberbürgermeister ein R e - skript des Oberpräsidenten, den Magistrat anweisend, den Beschluß als eine Ueber-
schreitung der Befugnisse der Ver- s a m m l u n g und als eine politische Demonstration zur Verherrlichung der Revolution mit aufschiebender Wirkung zu beanstanden.
In Folge von Anträgen des deutschen Land- wirthschastsrathes ist der Reichskanzler schon vor einiger Zeit wegen anderweiter R e g e l u n g des G e - finde-VermiethungS- und Stellen- Vermittelung swesens mit den Bundes- regierungcn in Verhandlung getreten. Rach dem Ergebniß der Erörterungen darf angenommen werden, daß dem Bundesrath vor Beginn der nächsten Session des Reichstages eine Vorlage wegen Abänderung der eiuschlägigen Bestimmungen der Gewerbeordnung zu« gehen wird. Hauptsächlich dürfte es sich demnach wohl um eine andere Fassung der §§ 35 und 40 der Gewerbeordnung handeln.
— Im Verein deutscher Ingenieure, denen zu diesem Zweck der Krollsche Opernsaal von der königliche» Schauspielintendantur zur Verfügung gestellt war, hielt am heutigen Abend Geheimrath Profeflor Bu Sleh einen Vortrag über „Unsere Flotte" in Gegenwart des Kaisers, der von verschiedene» Prinzen und Fürstlichkeiten begleitet war. In der Versammlung waren zahlreiche hohe Land- und Seeoffiziere anwesend.
die Deutsche Bank
„ Dirkontogesellschaft „ Dresdener Bank . , Handelsgesellschaft „ Darmstädter Bank
Der „Vorwärts"
Zum Kapitel: Begehrlichkeit.
** Der Handelstag hat kürzlich in Berlin eine Versammlung abgehalten. Bedauerlicherweise stachen die Verhandlungen von denen anderer Berufsvertretungen unangenehm ab. Während die Vertretungen sämmtlicher übrigen Erwerbsgruppen sich wohlwollend gegen den legitimen Handel äußerten und jede Provokation vermieden, schlug besonders der Hauptreferent des Handelstages, Herr Schinckel- Hamburg, eine Tonart an, die augenscheinlich darauf berechnet war, verletzend zu wirken, und welche int freisinnigen Jargon mit „H tze" bezeichnet werden würde.
Herr Schinckel gestattete sich gleich im Beginn seines, die Verlängerung des Reichsbankprivilegiums behandelnden Referats auszusprechen, der bevorstehende Ablauf des Privilegiums habe „die Begehrlichkeit gewifier Kreise" erregt; er erklärte ferner, man müßte sich dagegen verwahren, daß eS einzelnen Berufsständen gestattet werden dürfe, immer wieder den Versuch zu machen, sich vermeintliche Vortheile auf Losten anderer und zum Schaden der Allgemeinheit zu verschaffen. Der Redner schlug vor, man möge doch einmal eine öffentliche Enquete über den Noth- stand der Landwirthschaft abhalten und schloß „wirkungsvoll" sein Referat mit folgenden Worten:
,U«derall wird jetzt zum Sammeln geblasen. Auch dir vom Handel und der Industrie sind bereit, sich «in- rufinden, aber nur, wenn es gilt, aufzubauen und durch ge- minsame Arbeit nen« Welche zu schaffen ; sie find aber nicht zu haben, wenn ei darauf abgesehen sein sollte, die Frücht« Jahrzehnte langen .Fleißes zu zerstören oder gar,u plündern.
So sprechen die Herren, welche behaupten, die „Agrarier" hetzen gegen die Kaufmannschaft! Wie können gerade sie es wagen, die Landwirthe, die nichts als gleichmäßigen Schutz auch ihrer Produktion verlangen, der Begehrlichkeit, des Zerstörens und Plünderns zu zeihen! Die Reichsbankfrage ist doch keine agrarische, sondern eine rein praktische Frage, und man könnte weit eher von Begehrlichkeit der wenigen Personen sprechen, welche aus dem Reichsbankprivilegium Vortheile ziehen, die eigentlich der Sesammtnatton zukommen. Mit Schelten und Beschimpfen Anderer wird man die Verstaatlichung der Reichsbavk am wenigsten hindern.
Wir können uns nicht versagen, dem Deutschen HandelSiage, der es duldet, daß in seiner Versammlung die Agrarier der Begehrlichkeit und des beabsichtigten Plündern» der Reichsbank beschuldigt werden, ein vom „Vorwärts" ausgestelltes Exempel vorzu-
lichkeit gewisser Kreise" und auf Erringen von Vortheilen „auf Kosten Anderer" schließen könnte, als aus dem Bestreben der Landwirthe, einen bescheidenen Gewinn von ihrer Produktion zu erlangen. Nach dem erwähnten Exempel haben die fünf ersten Berliner Banken für das Jahr 1897 nicht weniger als 423/4 Mill. Mark an Dividende und 9,28 Mill.
„Au dieser Gewinuvertheilung fällt uns nicht sowohl die Höhe der Dividenden als die der Tantiemen auf. EineHand soll Beute, die als Direktoren, Auf- fichtS- und Verwaltunqsräthe an der Spitz« btt Berliner Banken und ihrer Filialen stehen, theilt das hübsche Sümmchen von 42 Millionen Mark unter sich. Und wofür? Dafür, daß fie mit etwa 300 Millionen Mk. Betriebskapital in der ganzen Welt Geschäfte «ingehen, die nicht zu kontrolliren sind, die vielmehr den deutschen Kavital- besitz und damit die Leistungsfähigkeit des wirthschaftlichen Organismus in Deutschland in höchstem Grade bedrohen. Ganz abgesehen davon, daß diese Finanziers aus ihrer intimen Kenntuiß der finanziellen Vorgänge durch private Speku lation noch Summen verdienen, gegenüber denen das „Trinkgeld" als Ausstchtsrath ober Direktor gar nicht in Betracht kommt, legt diese finanziell« Auffütterung einzelrer Personen auch die Gefahr nah«, daß die leitenden Kräfte unserer Banken, deren Thätigkeit Volks wirthschastlich immer verantwortungsvoller wird, das Vertrauen der Oeffentlichkeit verlieren müssen. Die Berliner Börseuaristokiati«, die heute einen kleinen, aber geschlossenen Ring auf gegenseitige Bereicherung bildet, hätte allen Anlaß, weniger dreist ihr« egoistischen Pläne zu verfolgen. Denn leicht könnte sich die öffentlich- Meinung für ein anderes Börsengesetz begeistern, das den finanziellen Drohnen ihre exorbitanten, volkSwirthschaftlich nicht zu rechtfertigenden Gewinne beschnitte".
Wir geben ausdrücklich diese Aeußeruug des sozialdemokratischen Centralorgans wieder, weil dasselbe hinsichtlich der handelspolitischen Bestrebungen mit dem Handelstage übereinstimmt. Wir würden uns scheuen, solche Bemerkungen zu machen, den Freunden der Großfinanz mögen fie gestattet sein und werden sie verziehm werden.
Ausland.
Amerika.
Rew-Uork, 17. März. Eine Depesche bei „New - York Herald" aus Washington will wissen, e» seien dort gestern Vorbereitungen getroffen worden, um das Geschwader deS KontreadmiralS Sicard in Keywest um 6 kleine Schiffe, und zwar 3 Kanonenboote und 3 Torpedoboote, zu verstärken.
Mark an Tantiemen — zusammen also 52 Mill. Mark Gewinn vertheilt.
und anschließend daran denjenigen des Chefs des MilitärkabinetS, Generals von Hahnke. Mittags 121A Uhr nahm er den Vortrag des Ministers des Königlichen HauseS von Wedel entgegen. Ihre Majestät die Kaiserin empfing gestern Mittag den Besuch der Prinzessin Friedrich Carl von Preußen und stattete am Nachmittage der Kaiserin Friedrich einen Besuch ab.
Deutsches Reich.
Berlin, 17. März. Se. Majestät der Kaiser hörte heute Vormittag von 10 Uhr ab den Vortrag
Tantieme 2,97 Millionen, 2,22 1,86 1,27 .
0,96
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aa ■■ .... u ____________Daube & Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Pari- Telephon 5a.
(Nachdruck verboten.)
Getrennte Sterne.
Roman aus der Gesellschaft von H. Waldemar.
(Fortsetzung.)
„Wenn eS den übrigens recht ist, gewiß, Adrienne. Sind Sie auch dafür, Ina, oder wünschen Sie, daß wir rascher nach Hanse kommen?"
Die Angeredete gab nicht sogleich Antwort. Erst glitt ihr Blick noch einmal prüfend über daS Haus, Md eS schien dem fie una lässtg beobachtenden Donh, als athme sie erleichtert au», während fie gewahrte, daß daS Haus und die Umgebung jetzt völlig frei war von jedem menschlichen Wesen.
„Wenn eS nicht gar zu weit ist, Papachen, gewiß, erfüllen Sie Adrienne'S Wunsch!"
Kaum fünf Minuten später flog der Schlttten en dem Waldhaus vorüber. Alle schauten neugierig hinüber und versuchten, etwas von seinen Bewohnern zu erspähen, nur Juauita sah gerade aus und wandte das feine Köpfchen auch nicht um Haarbrette öur Seite.
„Sind Sie denn gar nicht neugierig, gnädiges Fräulein?' konnte Dony fich nicht enthalten zu forschen.
„Sonst wohl sehr, Herr Rittmeister, man hat »ich wegen meiner Neugierde schon ost verspottet, aber hier —"
Sie hielt inne unb lächelte..
„Nun?" — Hier?"
„Daß bie Bewohner dieses Hauses unbelästigt sein wollen, beweist ihr Aufsuchen beffelben. Warum soll »an fie in Angst und Schrecken jagen, daß man fie ansgekundschastet habe?"
„Wie rücksichtsvoll!" konnte Adrienne sich nicht versagen zu rufen. Jua biß bie Lippen fest aufein
ander. Es war, als wolle sie verhüten, daß ein rasches, verletzendes Wort darüber schlüpfe. Jndesien ihre dunklen Augen zornig zu der Freundin hinübersprühten, fuhr fie fort:
„Was hat man denn davon, zu wiffen, wer fich- hier vergraben hat?"
• „Gewinn allerdings nicht," meinte der alte Graf ernst, während Georg einwarf:
„Nur wer daS Licht scheut, sucht sich vor der Welt zu vergraben."
„Meinen Sie? Ich bin nicht ganz Ihrer Meinung, Georg. Wie viele andere Gründe können da mit- sprechen: Hang zur Einsamkeit, Genießenwollen der Waldluft und dergleichen mehr, ohne daß man gerade lichtscheu zu fein braucht."
„Du nimmst die Partei für Leute, die Du nicht kennst."
„Die aber gewiß ungerecht angegriffen werden. Wie kann man auf bloße Vermuthung solche Anklagen hervorbringen!" gab Juauita heftiger zurück, als die Sache bedingte.
Sie war in einer sehr gereizten Stimmung, das sahen alle, und so kam man schweigend überein, ihre Laune z» respektieren, aber von dem erwarteten Vergnügen war wenig zu verspüren, und ganz anders vollzog sich diese Schlittenfahrt als unzählige andere, wobei man gelacht, gescherzt, des Jubels kein Ende ge» fanden hatte.
Die Sonne war Bereits gesunken, als fie heimkehrten. Am Horizont glänzte noch ein gelblicher Streifen und lag jener Dust, der uns mit Sicherheit einen schönen Tag voraussehen läßt. Rein und klar wölbte sich der Himmel über der winterlichen Land- schäft. Der Mond im letzten Viertel stand längst am Himmel und manches vorwitzige Stemleiu erschien glitzernd und sprühend und leistete dem ernfteu Hüter
der Nacht Gesellschaft. Es war empfindlich kalt geworden unb fast schweigend legte man bie letzte Strecke bes WegeS zurück.
Der Schlitten hieft unb zugleich parierten beide Offiziere ihre Pferde, sprangen ab, überließen die Sorge für die Thiere dem herbeigeeilten Stallknecht nnb halfen den Mädchen, sich ans ihren Hüllen zu schälen.
„Ich bin fast zu Eis erstarrt," sagte Ina lachend sich an del alten Herrn Arm hängend, „vor Kälte mißen unb innen. Ja Papachen, wären wir nicht bester im warmen Zimmer geblieben, anstatt auf Ent- bedungen auszugehen? Am Schachbrett wär's doch netter gewesen!"
.Allel zu seiner Zett, Kind. Wenn man Gäste hat, darf man nicht seinem eigenen Vergnügen nachgehen. Was ist's, Anton?"
Der Diener trat respektvoll näher unb meldete seinem Hern:
„Asiestor Baldenstein und ein Herr Mondega find im Salon. Frau Gräfin haben befohlen, es sofort dem Herren Grafe» zu melden."
„Schon gut, vir werden kommen!"
In der lleberraschnng, welche die Meldung hervorgebracht, hatte niemand den leise» Schrei gehört, der Jua's Lippen entschlüpfte. Niemand achtete auf sie, und so gelang eS ihr, fich in den Schatten einer Ritterrüstung zu begeben, die in der Halle gleichsam als Wache aufgestellt war.
„Mondega hier und mit dem Astessor?" rief Georg erstaunt. „Nun kannst Du ihn ja gleich kennen lernen, Papa, und selbst mtheilen, wer recht hat, Ewald ober ich."
Der alte Herr toanbte sich Adrienne und Ina zu:
.Macht, ihr Mädchen, und erscheint möglichst bald im Salon.
.Mich bitte zu entschuldigen, Papachen," sprach Jua, fich im Schatten haltend, „meine Migräne, — Sie wiste», bann bin ich unausstehlich, — ist im Anzuge."
»Ei, ber wollen wir schon siegreich entgegentreten."
„Nein, bas gelingt nicht, Papachen, ich weiß an» eigener Erfahrung."
„Gnädiges Fräulein habe» kein großes Vertrauen in unsere Unterhaltungskunst," sagte Dony, näher zu Juauita tretend. „Möchten Sie es nicht doch ver- suche»?" Wer weiß, ob wir de» Feind nicht verjage» können."
Der Rttdneifter sagte er halblaut mit bittendem Tone.
Juanita sah flüchtig zu ihm auf. Mehr »och wie ihre Lippen, sprachen ihre dunklen Augen:
„Warum quälen Sie mich so?"
„Das wollte ich nicht, bei Gott nicht, wenn Sie wttklich leidend find, so toirb es baS Beste für Sie sei», weu» auch für uns recht bitter, daß Sie fich zurückziehen. Was fangen wir aber nur den ganzen Abend ohne Sie an?"
,0, lasten Sie mich doch nicht glaube», daß Sie meiner bedürfe», um fröhlich zu fein, einer solch launische», eigenwilligen Person."
.Jua!"
Dony erschrak selbst über dal Wort, das wider feinen Willen ihm entschlüpfte. Aber ohne Grund, den» in des Mädchens schönen Augen war eS momentan glücklich, innig aufgezuckt; ein reizendes Lächeln huschte um ihren Mund; aber ebenso rasch, wie die Wandlung geschehen, verschwand sie wieder unb ihre Mienen ließen nicht mehr erkennen, daß fein Ton verwandte Satten in ihrem Innern berührt und zum Klingen gebracht hatte.
(Fortsetzung folgt.)