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Xthrton 55.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Quartal-Abonnemcnts-Preis bei der Expe­dition 2 Mk., bei allen Postäuttern 2 Mk. 25 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile »der deren Raum 10 Pfg.. Reklamen für die Zeil« 25 Pfg.

Marburg

Mittwoch, 16. März 1898.

Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchbai« Jlluftrirtes S-uutagsblatt. -i.......

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition diese» Blatte», wwie die Nnwmeen-Bur-aur von Haaseusteiu & Vogler in qq »nmffart 0. 81., Casiel, Magdeburg und Wien; Rudolf OO. ^Myrg. Mofle in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln, C. L.

Daube & Co. in Frankfurt a. 8)1., Berlin, Hannover, Pari» Telephon 5o.

Die Lage in Oesterreich.

Nur noch eine kurze Spanne Zeit trennt uns von dem Wiederzusammentritt des Reichsraths in Wien, aber kein Anzeichen deutet darauf hin, daß dessen Verhandlungen einen anderen Verlauf nehmen werden, wie die unter der Herrschaft Badenis. Im Kegentheil, die Lage hat sich in vieler Beziehung ver­schärft, und vor Allem hat das Ministerium Gautsch seine völlige Unfähigkeit zur Lösung der Schwierig­keiten erwiesen. Herr von Gautsch wußte genau, daß lediglich die Zurückziehung der Badeni'schen Sprachen­verordnungen die Deutschen zur weiteren ftiedlichen Verhandlung hätte bestimmen können; er hat diesen Schritt nicht gethan, sondern sich auf die Ankündi­gung einer halben Maßregel beschränkt, die natürlich keine der beiden Parteien keftiedigen konnte. Die Begehrlichkeit der Tschechen war inzwischen bedenklich gestiegen, das Mißtrauen der Deutschen wesentlich verstärkt worden, und so blieb dem Ministerium Kautsch dann nichts anderes übrig, als wieder zurückzutreten.

Das verschärfte Mißtrauen der Deutsche» ist ein gerechtfertigtes, denn gegenüber de» tschechischen Aus­schreitungen, den Plünderungen und Mordbrennereien zu Prag im Dezember v. I. und neuerdings in Laibach hat die Regierung eine Schwäche gezeigt, die seltsam genug absticht von der Schärfe, mit der sie dem Volkstage in Eger gegenübertrat, die aber auch zu Dergleichen herausfordert, welche nur zur Ver­tiefung der Gegensätze beitragen konnten. Den Slawen wurde ein Entgegenkommen bewiesen, das lsast einer Anerkennung des berühmte», garnicht existirendcnböhmischen" Staatsrechtes gleichkommt, und rechtlos, fast vogelfrei, stehen die Deutschen einer durch die deutschfeindliche Haltung der Regierung erst recht zu wüster Begehrlichkeit aufgestachelten, flawisch-hussttischen Bevölkerung gegenüber.

- Den nationalen Parteien io Oesterreich bleibt, so «einen dieAlldeutschen Blätter* sehr richtig, gar keine andere Wahl als die, in der schärfsten Obstruktion zu beharren. Oder soll daS etwa ein -Zeichen der Versöhnung sein, daß die nach Bildung und Besitz wenigstens deutsche Stadt Laibach einen ganzen Tag unter der Herrschaft eines wüsten stowenischen PöbelS stand, weil deutsche Studenten es gewagt hatten, in den geschlossenen Räumen eines deutschen Hauses ihre Verbandsabzeichen zu fragen ? Der dortige Herr Bürgermeister scheint ein würdiger ^Genosse deS Stadtoberhauptes von Prag zu sein, mrd man weiß nicht, worüber man mehr erstaunen

soll, über die Unfähigkeit zur Leitung eireä gemischt­sprachigen Gemeinwesens oder über die Verlogenheit, mit der man über die angeblich deutsche Heraus­forderung gegenüber der Knüttelherrschaft des sloweni­schen Janhagels jammerte.

Vollends die Ereignisse im Prager Landtage müsien dem Blödesten die Augen bat über geöffnet haben, welches Geschick ter Deutschen harrt, wenn eS den Slawen gelingt, die unbeschränkte Herrschaft in Oesterreich zu erringen. Hat doch u. A. der Jungtscheche Herold einen Gesetzentwurf eingebracht, welcher, im schroffsten Gegensatz zu der deutschen Forderung der Aufhebung der Badenischen Sprachen­verordnungen, die dort nur auf dem Verordnungs­wege eingeführte ausnahmslose Doppelsprachigkeit der Beamten landesgesetzlich festlegen will, und der weiter jede Aenderung der VerwaltuugS- und Gerichtsbezirke, zu denen sich bis jetzt der Landtag nur gutachtlich zu äußern hat, von nun an die Zustimmung deS Landtages binden will.

Die höchste Leistung deS tschechischen Uebermuthes aber bildet die Adreffe an den Kaiser; in ihr wird den Deutschen in frechem Hohne zugemuthet, für die Einführung deSböhmischen Staatsrechts*, für die Krönung Franz Josephs als König von Böhmen einzutreten und sich damit gänzlich der Hussttenherr- schaft zu unterwerfen. Mit völliger Außerachtlassung der Verfassung bekennt sich die tschechische Adresse zu dem nackten Föderalismus, dessen Einführung mit der Vernichtung deS Deutschthums in Oesterreich gleichbedeutend sein würde, und somit blieb den deutsche» Abgeordneten nicht» übrig, als unter feier­licher Verwahrung jede weitere Theilnahme an den Verhandlungen abzulehnen und den Landtag zu verlassen.

Und was that die Regierung gegenüber der tschechischen Herausforderung? Statt zu erklären, daß die Forderungen der Tschechen im Widerspruch mit der Verfaffung ständen, daß die Krone daher die Annahme der Adreffe ablehnen werde, beschränkte sich der Statthalter auf die klägliche Bemerkung, die Regierung stehe nicht auf dem staatsrechtlichen Standpunkt der Adreffe. Als ob das dem tschechischen Uebermuth irgend welche Achtung abvöthigen oder ihm gar Zügel anlegen würde!

DaS neue Ministerium hat eine üble Erbschaft angetreten und man hat wohl nicht ganz ohne Grund schon seit geraumer Zeit von einer Aenderung der Verfassung gesprochen. Hüte sich dies Ministerium vor dem Wahne, gegen die Deutschen regieren zu können! Die Zeichen, unter denen der Wieder­

zusammentritt deS Reichsratbs erfolgt, sind den Deutschen nicht ungünstig insofern als die Klerikalen n Steiermark und in Tirol mehr und mehr ge­neigt zu werden scheinen, in das deutschnationale Lager einzuschwenken, und eS darf in dieser Beziehung "icht gering angeschlagen werden, daß immer mehr Katholische Geistliche ihr Deutschthum offen zu be­kennen wagen. Aber nur dann können die deutschen, nationalen Parteien auf einen Sieg hoffen, wenn sie einig bleiben, wie sie es während der letzten Reichs­rathstagung waren. Schon daß die Regierung offen auf eine Spaltung der Deutschen hinarbeitet, sollte riese doch darüber belehren, daß nur die Einigkeit ihnen Macht verleiht, sollte die Heißsporne von rechts und links bestimmen, über den Fraktionsunterschieden nicht daS Wohl des Ganzen zu vergessen. Es ist eine ernste Verantwortung, welche die Führer der rrei bis jetzt geeinten deutschen Parteien auf sich nähmen, wenn sie es zuließen, daß man das Trennende über das gesammte Deutschthum setzte. ES gilt, dieses Deutschthum im alten deutschen Lande zu retten vor slawischer Ueberfluthung, und nur das geeinte Deutschthum vermag dies Werk auch zu vollbringen. Lösen sich die Bande der Eintracht, dann ist unser Volk dort verloren, darum seid einig, einig, einig!

Umschau.

Es wird derNordd. Allg. Ztg.* bestätigt, daß »fort nach dem Eintreffen bet Nachricht von dem völligen Abschlüsse des deutsch-chinesischen Vertrages auf telegraphischem Wege von Sr. Majestät dem Kaiser der Befehl ergangen ist, unverzüglich alle Besatzungen aus der sogenannten neutralen Zone von Kiaotschau im Durchmeffer von 50 Kilom. deS Hinterlandes znrückznziehen. Das letztere ist demnach wieder den Chinesen übergeben mit der Maßgabe, daß China in der erwähnte» Zone ohne Zustimmung der deutschen Behörden keine Anordnungen trifft.

In der spanischen Presse ist von Berlin auS die Meldung verbreitet worden, der Kaiser habe bei einem Familien-Diner, das bei der Frau Prinzessin Heinrich von Preuße» stattgefunden hätte, eine Aeußerung gethan, die auf eine scharfe Partei­nahme Deutschlands in der kubanischen Verwickelung schließen laffen würde. Die »Nordd. Allg. Ztg.* ist zu der Erklärung ermächtigt, daß diese ganze Erzählung auf Erfindung beruht.

Wie der englische Arbeiter lebt*, darüber spricht lch der deutsche Bergarbeiter Emst Dückershofs aus eigener Erfahrung heraus in einem Schriftchen ans, 'aS bei Böhmeit in Dresden erschienen ist. Dückershoff agt darin u. A.:Abgaben haben eigentlich nur )er Säufer und der leidenschaftliche Raucher zu be­zahlen, da von den darauf liegenden Steuern Haupt» Schlich alle Ausgaben bestritten werden. Das Liter Whisky kostet fünf Schilling, ein Pfund Tabak vier Schilling. Ein Säufer rninirt feine ganze Familie. In Deutschland kann sich einer für 2 Mark einen chönen Rausch antrinken, wofür er hier 10 Mark rezahlen muß. Wenn er nun noch stark raucht, bann ist ein Arbeiter nicht im Stande, sich selbst er­nähren zu können, trotz des guten Verdienstes. Ge- Tunfen wird hier, wie ich glaube, ebensoviel wie in Deutschland. Die Frauen saufen hier mehr wie in Deutschland, trotz der vielen Mäßigkeitsvereine. WaS >as Schnapslrinken anbetrifft, so wird in Deutsch» lanb bedeutend mehr getrunken, an Schnaps wie an Bier. An Geldwerth aber wird hier sicher mehr 6er* trunken. Das Liter Schnaps kostet hier 5 Mk., in Deutschland kostet daS Liter manchmal nur 65 Pfg. Sin Liter Bier kostet hier fünf Pence, das sind nach »eutschem Gelbe etwa 43 Pfg. In Deutschland giebt es viele Arbeiter, welche am Lohntage mit einem großen Kruge in die Stadt gehe» und sich 56 Zitcr Schnaps für 14 Tage kaufen, wofür sie 4 Mk. »ezahlen. Diese Arbeiter würden auch sicherlich große Augen machen, wenn sie hier für dieselbe Menge 30 Mark bezahlen müßten. Ebe» weil der Schnaps hier so theuer ist, wird er nicht literweise geholt, wie das in Deutschland bei vielen Arbeitern Gebrauch ist. Bei der letzten Parlamentswahl im vorigen Sommer konnte man auf den Wahlaufrufen lesen, daß in England jährlich 5 000000 (100 Millionen Mark) an Schnapssteuern an den Staat gezahlt wurden.*

DieKölnische Zeitung" bringt in der Nummer 234 vom 11. d. M. eine Mittheilung aus Westfalen, nach der sich in den londwirthschastlichen Kreisen der Provinz eine Bewegung gegen das Anerbengesetz bemerkbar machen soll. Eine in Lünau abgehaltene Versammlung von Landwirthen soll sich einftimmig gegen den dem Landtage vorliegenden Gesetzentwurf ausgesprochen haben. Als Grund dieses Beschlufles wird angeführt, daß die ländlichen Grundbesitzer an den Folgen der Landgüterordnung gerade genug hätten. Zu bereit Kennzeichnung sei in der Versammlung ein krasses" Beispiel mitgetheilt worden.Der Be-

(Rachdruck verboten.)

Getrennte Sterne.

Roman an» der Gesellschaft von H. Waldemar. (Fortsetzung.)

6t liebte dies eigenartige Mädchen mit aller Kluth, deren sein Herz fähig war, und wenn er sich auch bewußt war, daß ihr Besitz, wenn er überhaupt so weit gelangen winde, gleichbedeutend war mit Sampf, so war es doch gnade diesn Kampf, der ihn reizte, ihn aufstachelte, dieS spröde, launenhafte Wesen sich zu unterjochen mit Hilfe der Liebe, die alles verklärt, aber auch alles duldet. In feinen Armen sollte sie liegen, an seinem Herzen bekennen, daß es ihr ein süßer Gedanke sei, sich ihm zu ergeben, ihm das heiße Fühlen ihres widerspenstigen Herzens zu weihen.

Und war denn dies Herz wirklich so wiederspenstig, wie Ina eS wollte glauben machen? Nein, nein und tausendmal nein, rief eine Stimme in seinem Innern; daS Herz war eS nicht, daS sich gegen die Macht auslehnte, die eS ahnte und gern anerkannte, aber das Köpfchen, daS launenhafte Köpfchen ließ das Herz nicht zu Wort kommen. Und wenn auch die dunklen Augen, diese klaren Spiegel, oftmals Erhömng verkündigten, wenn sie auSplauderttn, was Ina im tiefsten Innern empfand, bann war gleich der Verstanb znr Hand, der durch die Lippen alles Lügen strafte, was jene vorwitzig verriethen. Den­noch hatte Dony, der in den letzten Wochen fast täglich nach dem BünShofe kam, Gelegenheit genug, sich von dem Vorhandensein eines heißen Herzens zu Überzelten; daß aber dieses Herz nur für ihn schlug verriethen nicht nur die dunklen Sterne, in die zu schanen er nicht müde wurde, sondern eS war er­sichtlich ans der »efltffevhett, mtt welcher sie seine

Gesellschaft suchte, seine Unterhaltung jeder anderen vor­zog. In solchen Augenblicken war es auch, daß Dony der ost geäußerten Meinung Adrienne's beipflichten mußte: Ina verrathe in ihrem Wesen wenig Mädchen­haftes; wer sie nicht kenne, würde sie entschieden für eine junge Frau hatten.

In der That machte sie zeitweise diesen Eindruck und jttie mehr, als wenn sie einen ihrer seltsamen Tage hatte und auf Stunden aus dem Bereich deS BünShofeS verschwunden war. Dann geschah eS wohl, baß über ihrem ganze» Wesen etwas Weiches, Verllärendes schwebte; nicht wie sonst pflegte sie bann an bei Unterhaltung der jungen Leute thetlzunehmen, ober sich mit dem alten Herrn zu necken, wie sie eS so gern im eifrigen Wortgefecht that, wobei sie für ihr Vaterland, für die dortige Sitten und Gebräuche schwärmte, diese meist höher stellte als solche in Deutsch- land, so daß Graf Bünan, oft ganz erregt, als ehemaliger Offizier und guter Dentsch-r, dessen Name seit Jahrhunderten genannt winde, in Harnisch ge- rieth und erst wieder zn sich kam, wenn Jua, ihr lächelndes Antlitz mtt den blitzenden Augen dicht zu ihm neigend, flüsterte:Warum ereifern Sie sich so, Papachen? ©in Land, daS Männer hervor- gedracht hat wie Sie und Dony, muß ein ganz vortreffliches Land fein!* Dann merste er den Schelm, der hinter dem Geplänkel gelauert hatte, und lachte mit, wenn sie ihr Helles, stöhlicheS Lachen erstivgen ließ.

Zu solchem Wortgefecht war sie an jenen Tagen nicht zu bewegen. War Besuch da, so leistete fie der alten Dame Gesellschaft, half ihr die Gäste unterhalten und wußte dabei so rasch einem jeden seine kleinen Liebhabereien abzulauschen, daß man allge­mein, jung und alt, entzückt von ihr war und des Lobes kein Ende fand. An solchen Tagen zog fie sich meist

stütz zurück, ohne an den Vergnügungen der Jugend fich zu betheiligen.

Man war ihre seltsamen Stimmungen auf dem Büns- hofe gewöbnt. Anfangs aber wollte fich namentlich der alte Herr nicht darein finden und hatte oftmals den Versuch gemacht, die Gründe dieser merkwürdigen und plötzlichen Veränderungen kenne» zu lerne». Aber stets vergebens. Juanita wußte den Fragen geschickt auszuweick en. Wenn ihr dies aber nicht gelang, um­ging fie dieselben in höflicher, aber deutlicher Weise.

Unter diesen Verhältnissen litt Adrienne am meisten. Sie hatte fich kindlich auf die Ankunst der Freundin gefreut und wohl geglaubt, dasselbe innige Verhält», wie es in der Pension geherrscht, müßte auch jetzt fortbestehen. Das junge Mädchen, das selbst sich so wenig verändert hatte, höchstens äußerlich schöner auf geblüht, in seiner Herzens güte fich aber gleich ge­blieben, vergaß, daß fett der PenfionSzett vier Jahre vergangen waren.

Vier Jahre! Eine lange Spanne Zeit, wenn fie fich vor uns ausdehnt und wir fie zu durchmeffen haben, und eine kurze Wegstrecke, «en« fie hinter unS liegt. Was kann sich nicht alles in vier Jahren zu- tragen! Namentlich in einem Mädchenleben, daS von Tag zu Tag Neues offenbart, daS in feiner Entwicklung der schlummernden Knospe gleicht, die von Stunde zu Stunde weiter ihre Blätter öffnet, um schließlich von der Sonne der ersten, heiligsten Liebe völlig wach geküßt zu werde» und nun erst ihre» ganzen Zauber, den Tust keuscher Reinhett auS- znatbme».

Ein Tag ersetzt hier oft Jahre, ein Wort, ein Blick verwandeln das ahnungslose, fich unbewußt der Erkenntniß zuneigende Kind zum liebenden Weibe, das kämpft, leidet und duldet um die Siebe, die von ihm Besitz ergriffen.

Adrienne vergaß diese Spanne Zett, nicht so ihre Freundin. Ina hatte zu viel vom Leben gesehen, um unbefangen zu bleiben. Ihr hatte man nicht so sorglich auS dem Wege geräumt, was ihren reinen Sinn trüben konnte, wie es die Eltern Adrienne's für ihr Kind gethan. Sie hatte stühzettig hineinge* schaut in Haß und Liebe, in Eigennutz, Lug und Trug; sie hatte die Hohlheit der Gesellschaft erkennen ge* lernt und wußte hinter den glatte» MaSke» die Heuchelei, ben Neid und die Bosheit zu suche» und zu finden. DieS hatte ihr den kostbarsten Schmelz von ben Flügeln ihres Schmetterlingsdaseins abge­streift, denn ein solches führte fie, so lange ihre Eltern lebten, nnd setzte es fort, nachdem fie allein zurück­geblieben war, wähnend, daß dies Naschen an allem Zuckerwerk die Oede ersetze» würde, die in ihrem Innern herrschte.

Auf einem solchem Schmetterlingsfluge, ben Jua diesmal nach Deutschland unternahm und auf dem fie nur ans Zufall in der kleinen Refidenz fich auf« hielt, war es, daß fie die Freundschaft mit Adrienne erneuerte und deren Einladung ans ben BünShos Folge leistete.

Nn», Kinder, wenn wir die Fahrt noch unter­nehmen wollen, ist eS Zeit, aufzubrechen ober habt ihr bie Lust daran verloren S*

Adrienne betheuerte das Gegentheil. Sie freute sich wie ein Kind; fie liebte eS auf der schimmernde» Schneefläche dahinzufliegen. Jnantta dagegen schien willens, sich zurückzuziehen. ES war wieder eine unsagbar weiche Stimmung über fie gekommen und seit fie der alten Dame schmeichelnd die Hand ge­küßt, war fie stumme Zuhörerin gewesen.

(iortfeteng folgt)