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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Druck undLilckgSoh. »u» «och, UniverfitätS-Buchdnickerei io Marburg, Ber-mtworlich für dN R.dattion: Redakteur M ßartmenn
«ckakti-u mW Erprditioo: Mar» 21. VVUHlUyPVlUlh io Marburg.
r»l«phon 66.
Erscheint täglich außer an Sßerftcgnt nach Sonn- und Feiertagen. — Quartal-AbommncmS-PrciS bei der Expedition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. (exkl. Bestellgeld). JnsertionSgebühr für die gespoiteiie Zeile oder bereu Raum 10 Pfg.. Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
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Sonntag, 13. März 1898.
Anzeigen nimmt entgegen di« Eyreditiim dieses Blatte«, sowie die Ann>,n»n-Bur«wx von Haasenstrin & Vogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Mofle in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln, C. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Pari«
33. Jahrg.
Telephon 56.
Der derzeitige Stand der Währungsfrage.
lieber die monetäre Frage in Nordamerika äußert ein dortiges Goldwährungsorgan:
.Wir müssen da« Land bestimmt und ohne Zweifel auf die Goldwährung stelle», oder die Silberwährung ist »vermeidlich. — Wenn bis 1900 die Goldwährung nichi Angeführt ist, möchten wir nicht garanttren, daß alsdann bst Silberwährung nicht durchdringt!"
Unter der Goldwährungspartei in den Vereinigten Staaten sind aber nicht bloß die Anhänger der reinen Goldwährung zu verstehen, vielmehr auch die Bimetallisten. DaS Scheitern der Mission des Senators Wolcott infolge des Widerstandes der Londoner Großfinanz, hat allerdings die Gefahr des Überganges der Amerikanischen Union zur aus- schließlichen Silberwährung wesentlich verschä-.ft. Welche Nachtäeile daraus der europäischen Produktion erwachsen würden, das bedarf wohl keiner weiteren Auseinandersetzung.
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Jn Britisch-Indien hat die Währungspolittk der dortigen Regierung — Schließung der Silberprägung in den indischen Münzstätten — ein klägliches Fiasko
erlebt, das wird heute selbst von den Londoner City- Blättern unumwunden zugegeben. Mangel an Verbrauchsmitteln, infolge besten Bank-Diskontsätze von 10 und 12 Prozent, eine rapide Zunahme der Verschuldung Indiens an England sind die unausbleiblichen Folgen. Die monetären Zustände Ostindiens schädigen den Nationalwohlstand dieses Landes weit empfindlicher und nachhaltiger, als besten Ernteausfälle.
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>satz,
Die nun schon so wiederholenllich tobtgefagte Währungsfrage lebt immer wieder auf, ttotz der Zunahme der Goldproduktivn und trotz der Versicherung allgemeiner Goldabundanz, welche that- sächlich nirgends zu entdecken ist. Die Zunahme der Goldbestände einiger europäischer Banken steht in gar kirrem Verhältnisse zu der gesteigerten Nachfrage nach llmlaufsmttteln, in Konsequenz der Zunahme aller produktiven und distributiven Thätigkeit.
ES ist daher überaus erfreulich, wenn von be° rufener Seite immer wieder auf die hohe Bedeutung bei WährungSfrage hingewiesen wird. Zwei kürzlich erschienene Schriften verd enen die weiteste Beachtung, zumal beide in kurzer knapper Form das Thema, welches sie sich gestellt haben, behandeln. Es sei hier zuvörderst die Schrift des bekannten russischen Großgrundbesitzers Boutmy genannt, mit dem Titel
.Kapital und Schulden'.* *) Herr Boutmy ist ein gründlicher K »ner der Wähirmgsftage; er zieht vor allem die Konsequenzen, welche sich aus derselben für die russische Landwirthschast ergeben. Wir beschränken uns auf die Wiedergabe der nachstehenden Sätze:
.Die Allerhöchsten Ukas« vom 4 Februar und 3. September 1887 bestimmen für den Kredil - Rubel einen zeitweiligen Geldkurs, aber beseitigen nicht die im Jahre 1810 einaeführte silberne Münzeinheit und setzen keine neue goldene Münzeinheit fest. Im Gegentheil erwähnt der Allerhöchst« UkaS an d«n Finanzminister vom 4. Februar 1897, daß diese Maßregel tdie Festsetzung «inte Geldkurses ür den Sitbitrubel) getroffen wird, »bis zur endgiltigen Entscheidung dieser Angelegenheit (der Reform deb Gold- UmlaufeS) nach ihrer Prüfung im ReichSrmh und ebenso, .daß diese Angelegenheit noch ein« längere Erwägung erfordern kann". Der Allerhöchste UkaS vom 14. Novernd r 1897 ist nur eine Fortsetzung der oben erwähnten Ukase. Er schafft den Silber'übel von 4 Sol 21 Doli reinen Silber« als gesetzliche Münzeinheit nicht ab und erklärt den neuen Goldrubel nicht für Münzeinheit. Er macht aber di« drohende Gefahr der Goldwährn g nm so dringender und unsere Warnungen um so rechtzeitiger. Die Frage in also noch offen und ihre Besprechung noch zeitgemäß".
Die Goldwährung ist demnach in Rußland noch nicht gef tzlich eingeführt. — lieber die Wirkung der Goldwährung und über deren Träger äußert der Verfasst r sehr zutreffend:
»Wenn der Ankäufer an der Waag« btu einzeln«» Kunden mit Hilf« schwer«r«r Gewicht« übervortheilt, so empört sich die öffentliche Meinung; die Gesellschaft, das Gericht treten für den betrogenen Kunden «in. Warum tritt d«nn Niemand für die betrogen« Menschheit ein, wen» eia« G-uppe von Bankirr» mit Hilfe des thenrer gewordenen Sovereigns bi« ganz« Menschheit an Geld übervortheilt?
— Mose» lehrte sein Volk in der Wüste: .— du wirst vielen Völkern leihen, aber selbst leihen wirft du nicht; und henschen wirst du über vielen Völkern, aber sie werden dich nicht beherrschen (6. B. Mos. XV 6). Heutzutage ist die Menschen it in zwei Gruppen getheilt: einerseits eint Handvoll Bankiers, welche deS Gesetzes des Propheten eingedenk sind und «8 befolgen; andererseits di« ganze übrig« Menschheit, welche die Lehr« der Schrift nicht befolgt. Die Jntereffen b«r ersteren beherrschen bi« Interessen der letztere», obgleich die ersteren eine kleine Anzahl, die letzteren aber di« ganz« Menschheit bild«».
Di« Intelligenz der großen Städte besteht hauptsächlich au« Leute», welche ein bestimmte« Geldgehalt beziehe». Da« Theurerwerben be« Gelbe« verschafft ihnen für da«- selb« Geld mehr Maaren — ist alfo vortheilhast für fit. Die Vertreter btr Katheder-Wissenschaft stehen den Jntereffen der städtisehen Intelligenz, in deren Mitte sie verkehren, näher al« den Jntereffen der Industrie und Landwirthschaft, mit denen sie nur in btr Theorie bekannt stad. Und die Vertreter btr Katheder-Wissenschaft ver- theidigen, mit wenigen h:rvorragend«n Ausnahmen, bi«
*) Kapital und Schulden, von Georg Boutmy Berlio 1898 Bee lag von Hermann Walther.
Goldwährung, welche auch ihnen für dasselbe Geld gröbere Bequemlichkeiten verschafft.
Die wachsenden Anforderungen an die Bewaffnung, die Volksbildung, die Kommunikation«weg« fordern die Ermittelung neuer Quellen für die Staatseinnahme, — neue Steuern —. Allein jede neu« Steuer ist unpopulär, mag i« auch noch so nothwendig für die allernützlichst« Sache ei». In den Staaten mit Goldwährung wächst di« Kaufkraft btr Steuern automatisch durch da« Theutrwtrden d«S Gtldt«, ohn« eint Veränderung btr nominellen Steuer- ummt, ohne die Aufmerksamkeit irgend Jemande« auf sich zu lenken und ohn« Unzufriedenheit zu erregen. Da« ist bequem: Industrie und Landwirthschast gehen zu Grunde, aber d'e Bilanz kann ohne Defizit abgeschloffen, ohne Zuhilfenahme einer unpopoläreu Stenernhöhm g. — Und die Finanzministerien Vertheidigen bi« Goldwährung.
Endlich prrist di« periodisch« Preff«, welche die öffentliche Meinung leitet, unter dem Einfluss« kompetenter Leute - Bankiers, Professoren und Finanz • Beamter — die Wohlihaten der Gold-Währung. Auf solche Weise wird die öffentliche Meinung der großen Städte für die Gold- Wäh ung gebildet. Wenn die zum Aenbersten gebraehte Landwirthschast und Industrie be» Streit um bie Valuta der Entscheidung der Volks-Abstimmung überlaffen, so giebt da» Volk seine Stimme gegen bie eigenen Interessen, für bie Jntereffen btr Bankiers ab.
Im vorigen Jahr« brachte Mr. William JenningS Bryan halb Amerika auf die Beine für die sofortige Be- reiung de« amerikanischen Volkes von dem goldenen Joche der englischen Bankiers; er wurde (wenn auch mit geringer Stimmenmehrhkit) durch bie Volksabstimmung geschlagen: der Wahlfonbs btr republikanischen Partei (Moe Kinley) betrug 2 000 000 Lstr., bagegen besch Lnkte sich der Wahl- fondS der demokratischen Partei (Bryan) anf 100000 Lstr. — daS ist die Erklärung. Auf solche Weise beherrscht eine Gruppe von Menschen, welche die Lehren Mose« befolgen, bi« öffrntliche Meinung, beherrscht bi« Völker."
Seine Schlußfolgerungen, die Landwirthschaft bettrffend, find klar und präzise. Zum Schluffe zitirt er eine Erklärung, welche der gegenwärtige franzöfische Ministerpräsident Meline 1895 bei dem internationalen landwirthschastlichen Kongreß in Brüssel abgab. Sie lautete:
»Man muß blind sein, um nicht zu sehen, wohin un« die steigende Rothlage in den T örfern und der Verzicht anf« Land führt, welcher letztere den Ueberfluß der Be völkerung in bit Städte treibt, deren Anhäufung mit jedem Tag« da« Hier btr Arbeitslosen vergrößert, während die Entwtrthung des Boden« in fühlbarer Weise bit Reich- tbümer vermindert, welche btr Besteuerung unter liegen, und allmählich da« Volks-Kapital vernichtet, worauf btr Srtbit eines jeden Staates begründet ist. Tarin liegen die wirk ltchen Ursachen der allörtlichen Unruhen, jener dumpfen und gefährlichen Gährung, welch« sich bei alle» Schichten der arbeitenden Masten äußert, und jener merkwürdigen Leichtgläubigkeit, mit der sie den alleruuwahrfcheinlichften Albernheiten de« moder«» Sozialismus zugänglich sind".
(Schluß folgt.)
Umschau.
Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Se. Königl. Hoheit Prinz Luitpold von Bayern, de» Königreichs Bayern Verweser, vollendet am 12. März das 7 7. Lebensjahr. Seit 10. Juni 1886 berufen, die Geschicke Bayerns zu leiten, hat Prinz Luitpold nicht nur seinem engeren Vaterlande m t jener seltencn Pflichttreue gtbient, die zu seinen hervorleuchtendsten Charaktereigenschaften gehört, sondern auch in Allem, was das Reich angeht, bekundet, daß Bayern und sein Fürstenhaus in Treue zu Kaiser unb Reich stehen. Jene engen Bande der Freundschaft, welche das Hans Wittelsbach dem Hause Hohenzollnn verbinden, hat der Prinz Regent von Bayern nicht nur erhalten, sondern womöglich noch wärmer unb herzlicher zu gestalten gewußt. Mit bem preußischen Königshanse unb bem Lande Bayern widmet daher das gesummte deutsche Volk dem Fürsten in unwandelbarem Vertrauen die herzlichsten unb aufrichtigsten Glückwünsche, bei in schwerer unb verantwortlicher Zeit an die oberste Spitze der Leitung der Staatsgeschäfte Bayerns von der Vorsehung gestellt wurde.
Die »Rotte" ist wieder an der Arbeit. Die »Neue Zett", die angeblich wissenschaftliche Revue der Sozialdemokratie, bringt in ihrem jüngsten Leitartikel zum Gedächtniß der Märzrevolution folgende infame Bemerkung: „Der geringste der Tobten, die im Friedrichshain schlummern, hat größeren Anspruch auf den Dank der Nachwelt als ein Bismarck oder ein Wilhelm, der sogenannte Große." Welch ungemein niedriger Haß gegen die Begründer der deulscheu Einhett und welche Mißachtung historischer Thatsachen spricht aus dieser »wiffenschaftlichen" Leistung! Ist es nicht ein Hohn ohne gleichen, wenn Leute, welche die Stirn haben, auf diese Weise bie Gefühle von Millionen zu verletzen, Anspruch auf Gleichberechtigung unb auf Berücksichtigung ihrer „Gefühle" machen?
Am 30. Dezember 1896 wurde bet in Maracaibo ansässige Reichsangehörige, Zahnarzt l r. Wilhelm Warnektos, ein allgemein geachteter Mann, am späten Abenb, als er vor einem Kaffeehause saß, von einem Venezolaner, ben et persönlich gar nicht kannte, in barschem Tone um eine sofortige Unterredung angegangen, unb als er bies ablehnte, ohne Weiteres mit einem Schlagring über ben Kopf geschlagen. Als der Venezolaner zu weiteren Schlägen
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(1760
(Nachdruck verboten.)
Getrennte Sterne.
Roman au« der Gesellschaft von H. Waldemar.
(Fortsetzung.)
Ein kremefarbenes Kaschmirkleib ohne jede Verzierung umschloß ihre schlanke und doch kräftige Gestalt. Zwischen denKnöpfen der auf der Seite geschloffenen Taille steckteueinige Veilchen, die Ina der Vase entnahm, die anf dem Toilettentisch stand. So toirtte bie Toilette einzig durch ihre Einfachheit, bie bet Fremben vornehmen Geschmack betanbete.
Adrienne ruhte nicht eher, als bis Jnautta erlaubte, baß sie ihr auch in das reiche tiefschwarze Haar einige Veilchen gesteckt hatte, die sich prächtig von den seidenweichen und glänzenden Flechten abhoben. Dann drehte Adrienne die Freundin bem Spiegel zu und sagte lachenb:
„Bist Du nun mit Dir zufrieden, Ina? ES ist eigentlich recht gut, daß wir allein find; Du würdest in diesem einfachen Kleide den Herren noch »ehr die Köpfe verdrehen, als neulich in Deiner rothen Theatertoilette."
„Närrchen, Du! Apropos, Theater! Adrienne, der Herr Rittmeister Dony ist wohl sehr bekannt mit ach?'
„Ja, — warum fragst Du?"
flehte Antwort erfolgte. Jnautta stand noch immer vor dem Spiegel, aber ihr Blick ruhte nicht aus ihrem eigenen Bilde, sondern anf Adrienne's Gesichtchen, das jäh erblaßte und sich bann mit tiefer Aölhe überzog.
„Er ist ein Jngenbfreunb von Dir und Deinem Bruder?'
„3a, unsere Güter stoßen aneinander."
„Das erklärt mancher."
„Willst Du mir nicht sagen — ?"
„Ein anbeimal, Schatz! Wir haben uns schon viel zu lange aufgehalten hier oben und müffen demüthig um Absolution Bitten. — Es hat geklopft; höitest Dn nichts?"
Adrienne bat, emzutreten, und so erschien der Diener, der meldete, daß Rittmeister Dony, sowie Graf Seerg soeben angeritten seien. Der Herr Graf lasse die Damen bitten, sich zu beeilen.
„Wie liebenswürdig von den Herren!" sagte Ina, während Adrienne, einem ihr bisher unbekannten Eifer suchtsgefühl nachgebend, dachte:
Wären fie nur in der Residenz geblieben!
Sie hatte Mühe, den rasch in ihr anfstkigenden Urimltth wieder zu unterdrücken, aber dennoch konnte fie den Gedanken nicht bannen, daß Ina vielleicht dazu bestimmt sei, ihr selbst noch viel Kummer unb Schmerz zu bereiten.
*
„Hallo, Adrienne, wo treibt ihr Mädchen euch denn herum? Ich habe den Diener schon nach euch ausgeschickt, er konnte euch aber nirgends finden. Wo ist Ina? Wir wollen die versprochene Schlitten- partte durch den Wald unternehmen!"
Graf Bünan war es, der zu seiner Tochter in den Garten trat, allwo sie den Vögelchen Futter streute, von Zeit zu Zeit aber nach allen Seiten Umschau hielt.
Sie sab zu ihrem Vater auf mit dem filmenden Ernst, der fie in der letzten Zeit mehr denn je au8 zeichnete, und antwortete:
„Ich bin bereit, aber Ina ist nicht da, Papa. Ich denke, sie hat wieder einen ihrer sonderbaren Tage, an welchem fie auf Stunden verschwindet und plötzlich wieder austaucht. So wird es auch heute sein. Gedulde dich nut eine kleine Weile."
„Tas ist aber zu arg, Adrienne, deine Freundin dürste schon etwas mehr Pünktlichkeit an ben Tag legen," polterte der alte Herr heraus. „Wenn fie wirklich meine Tochter
wär, würde ich ihr diese Grillen bald bertreiben. Ist das eine Art alte Leute warten zu laffen? Wußte sie nicht, daß wir die Fahrt verabredet hatten, uns mit Dony und Geo g oben am Weiher treffen wollten? Nein, da habe der Kuckuck Geduld, ich besitze keine mehr, und wenn fie heute zmückkehrt, mag fie es mal gründlich von n ir hören. Sie hat fich freimütig in meine Baterhand begeben, so will ich auch solche Rechte ansüben. Man ist doch verantwortlich für fie und ihr Heil. ES schickt fich nicht für ein junges Mädchen, daß es allein unb ohne jegliche Begleitung stunbenlang branßen nmheischweift bei btefer Temperatur. Sie kann fich ben Tod holen!"
Adrienne lächelte schelmisch.
„Du weißt, Papa, daß Ina ttotz ihrer brafilianischen Abstammung eine eifenfefte Gesundheit hat. Sie bewies dies schon während unserer PenfionSzeit und auch während der fünf Wochen, bie fie bei uns weilt, hat fie manche Probe bavou abgelegt. Denke nur an die Jagd, auf dem Anstand neulich, wo fie aushielt dis zum letzten Augenblick während ich viel früher heimkehren mußte, nm meine erstarrten Glied« zu «wärmen."
Graf Bünan schlang zärtlich den Arm um die Schultern der Tochter und streichelte ihr mtt d« andern Hand die Wangen.
„Ja, Du, meine za le Taube, bist auS anderem Stoff wie Deine heißblütige Freundin."
„Warum? Sie ist ein Mädchen und ich auch. Daß wir unter verschiedenen Himmelsstrichen bas Licht der Welt «blickten, macht doch so viel Unterschied nicht."
„Wenn man euch aber nebeneinander sieht, so tritt dieser Unterschied in d« Raffe, in der Konstitution, in — in allem deutlich hervor."
Adrienne wandte sich schttnbar verletzt ab.
„Du brauchst mir gar nicht inS Gedächtnis zurück
zurufen, Papa, daß ich neben Ina eine klägliche Rolle spiele. 3bt alle, Du, Mama Georg und — Dony seid begeistert von ihr und selbst die Leute in Hof und HauS find entzückt von der schönen Fr- mben und würden bereitwillig für sie auch den schwersten Dienst üb«- nehmen."
„Eifersüchtig? He, Kleine?"
„Nein, ich bin nicht eifersüchtig unb gönne Ina bas Glück, der Mittelpunkt zu sein, fie ist uns« Gast und hat dazu daS Recht."
„Ich dachte, du bettachtest ste wie eine Schwester, Adrienne?"
DaS junge Mädchen, das längst sein Fntt« für die hungrigen Vögel auSgestreut hatte und neben seinem Bat« langsam anf und niebergegangen war, wanbte bei btefer Bemerkung verlegen unb «röthend den Kopf zur Seite.
„Nun, flinb, keine Antwort?" mahnte der Graf, als seine Tochter noch immer schwieg.
„Nein, — als Schvest« zu gelten, ist Ina viel zu zurückhaltend, zu geheimnisvoll. Sie hat kein Vertrauen zu mtt unb das schmerzt mich. Meine Srlebuiffe liegen alle klar vor ihr, ich habe nichts zu verheimlichen; fie aber geht ihre eigenen Wege, und wenn ich auch nicht gerabe fie b« Unhöflichkeit zeihen will, so ist es boch sehr auffallend, daß, wenn ße von Zett zu Zeit die Einsamkeit sucht, niemand «» fährt, fie niemand verräth, wo fie während d« Stunden geblieben ist."
Der alte He« schüttelte ernst das Haupt.
„Adrienne, hüte Dich vor dem Mißttauen. Hat dieses einmal Besitz von Dir und Deinem Httzen «griffen, bann hilft keine Reue, nichts mehr, bas verlorene Vertrauen wiederzubringen. Und, bedenke dies wohl, flinb, Du machst Dich selbst am meisten elend dadurch.
(Fortsetzung folgt.)