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Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Ouartal-Abonnements-Preis bei der Expe­dition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. (exkl. Bestellgeld). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Marburg

Freitag, 11. März 1898.

59

Telephon 55.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition diese« Blatte«, sowie die Aummcen-Bur-aur von Haasensteiu & Vogler in oo ctAt.-A Frankfurt a. M., Caffel, Magdeburg und Wien; Rudolf OO.

Moste in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln, C. L. T,,,hflnrt --

Daube & Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Pari« Telephon o5.

öchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchkai«

**Jllustrirtes Sonntagsblatt. *~***8!»..y

(1650

2000.-

Die neuen Justizgesetzvorlagen

g einer ng eiuer 5000.- I. Off. u.

(1674 chezujed. rl.Prosp. erlin 43.

im Reichstage.

** Durch den Erlaß des Bürgerliche» Gesetz­buches waren verschiedene Abänderungen anderer be stehender Gesetze bedingt. Demzufolge find dem Reichstage in der laufenden Session Entwürfe 1. über Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit, 2. eiuer Livilprozcßnovelle, 3. über Entschädigung der im Wiederaufnahmeverfahren freigesprochenen Personen

NN

ien Vieh- 152»

r. 30

L.

und 4. einer Konkursordnung vorgelegt worden. Ferner stehen drei diesen Gegenstand betreffende An­träge aus dem Hause, nämlich der konservative Antrag auf Verhütung von Meineiden, die vom Centrum wieder eingebrachte sogenanntelex Heinze" und

eine von freisinniger Seite eingebrachte Strasprozeß-

Ueber den

sucht.

Berathung bis jetzt am weitesten vorgeschritten der

i Stand der bisherigen Berathungen giebt ein sehr beachtenswerther Aufsatz des Reichstagsabgeordneten und Vorsitzenden der VI. Kommission, Herrn Dr. von Buchka, in derDeutschen Juristenzeitung"*)

rdux, raße.

gesucht

(171)

zllsammeufassenden Aufschluß. Wir entnehmen den interessanten Ausführungen das Folgende:

Von allen diesen Gesetzesvorlagen, welche in ihrer Sesammtheit ein außerordentlich uw.fangr-.iches Arbeits-

Entwurf eines Gesetzes über die Angelegen­heiten der freiwillige» Gerichts­barkeit. Ein umfangreicher Bericht der mit der Lorüerathung beauftragten VI. Kommission liegt vor, der Entwurf mit den von der Kommission borge- schlagenen Acnderungen ist in der Sitzung vom 15. Februar d. I. vom Reichstage en bloc angenommen, und da Differenzen von erheblicherer prinzipieller Be­deutung über den Entwurf in der Gestalt, in welcher

lltfrflf "ne von freisinniger Seite eingebrachte Novelle zur Berathung im Reichstage.

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Zagner.

dauer«» l,cn^um repräsentiren, ist in der parlamentarischen

ins- und Krankheit : 1. April (1575

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Allee 5, ein tücht, chen- und -xp. d. Bl.

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er aus den Kommissionsberathungen hervorgegangen ist, zwischen den verbündeten Regierungen und dem

traße 71.

Ikon, ruh.

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vollständig in den Hintergrund tritt, in politischen Kreisen hohe Beachtung.

*) Die im Verlage von Ott» Liebmann in Berlin »um VierteljahreSpreis« von 3 k0 Mk. erscheinendeDeutsche Juristenzeitung", herauSgegeben von Dr. Laband, Dr. Etenglein und Dr. Staub, steht nunmehr im dritten Jahr-

(Nachdruck verboten.)

Getrennte Sterne.

Roman au« der Gesellschaft von H. Waldemar.

(Fortsetzung.)

2 Dames cht. Off- 1 d. EN>.

,.gaj gegeben, derJuristenzettuug" al« ständiger Leser und - (tbvr Abonnent näherzutreten Thatsächlich verdient die genannte Zürich ift, in welcher selbstverständlich die Parteipolitik

;-----~ , gange und hat sich nicht nur im Kreise der Juristen, sondern

m. Cüv., fn i,em der Politiker hohe Bedeuiung erworben. Wir lkou, ruh- selbst haben schon wiederholt auf sehr beachtenSwerthe Auf- 20. Mär; Ktze dieser Zeitschrift aufmerksam gemacht und dadurch, wie ^toir hoffen, manchem Mitglied« unserer Partei Anregung

mg H ntheil gl «ee 28. '

Zimmel l monatl (908

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Und doch zählte Juautta nur

Adrienne stand sinnend vor ihrer zierlichen Mutter. 6k gedachte dabei der imponierenden Gestalt ihrer Freundin, wie sie dieselbe im Theater vor sich gesehen hatte, und fragte sich, ob das Mädchen wohl des EchutzeS bedürftig sein würde? Sie war ja so sicher, so selbstbewußt, so fertig ihr vorgekommen, so gar aicht wie ei» junges Mädchen, sonder» wie eine

i«ei Jahre mehr als sie selbst, »nd fie kam zu der betrübenden Erkenntnis, daß sie selbst »eben jener

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93% io8)i Mge Frau, die sich th er Person, ihrer Stellung

B8% k8!t Wohl bewußt ist.

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»gemein Verlieren würde. War es ein Wunder, wenn

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and vor dem Spiegel rasch ihr Pelzmttzchen zu-

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Hause! Die Eltern wollen Dich auch sofort begrüße», Bkbfte; sie können eS nicht erwarten"

Schmeichlerin!" drohte das ftemd« Mädchen mb folgte bann der Freundin t» die erwärmte Vor­halle, wo sie dem Diener den Pelzmantel übergab

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lauch Dony dem Zauber dieser Persönlichkeit erlag?

66 J Ra» besaß sie selbst, waS fie befähigte mit Juauita C3% 106? ® die Schranken zu treten?

r.o34 ioo? . Ganz nahes Schellengeläute im Hofe schreckte fie o?/* 101' ruf aus ihrem Sinnen.

- * Einen Jubelruf ausstoßend, verließ Adrimne das

Zimmer und kam eben zurecht, um Juanita aus den Decken zu schäle».

naV iA«it .Wie freue ich mich, daß Du Wort gehalten 00% 18 3»°! Dar soll eine köstliche Zeit auf dem

oo% 9- DünShofe werden l Willkommen in meines Vaters oo% 100 Hause! Die Eltern wollen Dich auch sofort begrüße»,

licht setzte.

Sk war Adrienne nie schöner erschienen, als in

Reichstage nicht bestehen, so ist nicht daran zu zweifeln, daß er in tiefer Gestalt auch zur endlichen Verab­schiedung gelangen wird. In der Kommission find im Anschluß an die Berathung deS erwähnten Ent­wurfs zwei Resolutionen beschlossen worden, durch die der Herr Reichskanzler ersucht wird:

1. daS Kostenwesen in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit, daS vorläufig noch den Landesgesetzen überlassen bleibt, gruud- sätzlich einheitlich zu gestalten und

2. einen Gesetzentwurf vorzulegen, der das No­tariatswesen einheitlich ordnet.

Die Civilprozeßnovelle,in welcher eine Fülle neuen gesetzgeberischen Materials enthalten ist, befindet sich auch in der Kommissionsberathung und hat in dieser die erste Lesung passiert, wogegen die Berathung der gleichfalls der VI. Kommission über­wiesenen Novelle zur Konkursordnung zur Zeit noch nicht begonnen hat.

Beendet ist dagegen die Kommissionsberathung deS Gesetzentwurfs betreffend die Entschädigung der im Wiederaufnahme-Verfahren freigesprochenen Personen. Die Vorlage steht auf demselben Standpunkte, wie die frühere Sttafprozeßnovelle, daß nur den im Wiederaufnahme­verfahren freigesprochenen Personen, deren Unschuld sich in diesem Verfahren herausgestellt hat, ein Ent­schädigungsanspruch hinsichtlich des ihnen durch die Strafvollstreckung zugcfügten Vermögensschadens zuzu- gestehen ist; fie verbindet aber hiermit nicht, wie die frühere Novelle, eine Beschränkung des Wieder­aufnahmeverfahrens auf diejenigen, welche ihre Un­schuld in diesem Verfahren nachzuweisen verwögen und sucht das Bedenke», daß hiernach die Entscheidung des Gerichts zwei Klassen von Freigesprochenen im Wiederaufnahmeverfahren schaffe, wobei diejenige», denen ein Entschädigungsanspruch nicht zuerkannt wird, dauernd mit einem Makel behaftet bleibe» würden, dadurch abzuschwächen, daß über die Entschädigungs­frage zwar nach dem Gesammtinhalt deS adge- schloffenen Strafverfahrens, aber außerhalb dieses Verfahrens entschieden und diese Entscheidung nicht öffentlich verkündet, sondern lediglich dem Freige­sprochenen mitgetheilt werde» soll. Die Kommisfion acceptirte nach eingehender Debatte schließlich die Grundlage des Entwurfs dahin, daß der Ent­schädigungsanspruch auch dann gewährt werden solle, wenn das Wiederaufnahmeverfahren dargethan habe, daß ein begründeter Verdacht gegen den Angeklagten nicht mehr vorliege. Der ferneren Be­stimmung der Vorlage, daß der Entfchädigungs-

diesem Augenblick, mit den freudig erglänzenden Auge», den von der scharfen Lust geröthcien Wangen und dem glücklich lächelnden kleine» Mund.

Komm, komm, du bist schön genug und wirst auch so schön meiner Eltern Herz im Sturme nehmen 1*

Ohne darauf zu erwidern schritt Juantta, der an­gegebene» Richtung folgend, durch die von dem Diener geöffnete Thüre in das trauliche, halbdunkle Gemach hinein, welches "die Tochter des Hauses zuvor zu ihrer Bewillkommnung verlaffeu hatte.

Da bin ich, Frau Gräfin! Ich habe Adrieuoe's Einladung nicht widerstehen können," hob fie frei- müthig an. Bitte sage» Sie es anftichtg, wenn ich nicht gelegen komme."

Aber, liebes Kind, Adrienne hat Sie angemeldet und die Freunde unserer Kinder find nnS stets will­kommen. Bleibe« Sie bei uns, so lange eS Ihnen gefällt und Sie sich nicht ans der Sttlle hier in das Gettiebe der Welt zurücksehnen."

Wieder huschte ei» Schatten über Juanita's hohe Stirn, die von den Heine» Löckchen ganz be­schattet war.

Die Sßelt_ mit ihrem hohlen Scheine lockt mich nicht, Frau Gräfin. Wft fiud zu »st gezwungen, ihr Zugeständniffe z» mache», selbst gegen unser» Willen und gegen unsere Liebhaberei Ich harre überall aus, hoffe aber Sie werden des Eindringlings nicht zu rasch überdrüssig werden."

Graf Bünau hatte sich bis jetzt im Hintergründe ge­halten. Nun trat er hervor und sprach jovial:

Auch ich möchte mein Theil Begrüßung haben, gnädiges Fräulein. Neben meiner Frau übersehe» Sie mich gänzlich."

Dich zu übersehe», wäre allerdings ei» Kunst­stück, Papa!" lachte Adrienne, während Juantta ihre Singen auf dem Grafen ruhen ließ.

an-pruch ausgeschloffen ist, wenn der Verurtheilte die frühere Verurthcilung vorsätzlich herbeigeführt ober durch grobe Fahrlässigkeit verschuldet hat, gab die Kommission den Zu'atz, daß die Versäumung der Einlegung eines Rechtsmittels nicht als eine Fahr­lässigkeit zu erachten ist.

In der Komwisfionsberathung des von dem Ab­geordnete» v. S «lisch eingebrachten Gesetzentwurfs betreffend Abänderungk» und Ergänzungen der Straf- und Cioilprozeßordnung, sowie die Besttafung wissent­lich falscher unbeeideter Aussagen, welcher vor allem bezweckt, den Voreid der Zeugen durch den Nacheid zu ersetzen, wurde für beide Prozeßverfahren der N a ch e i d der Zeugen einstimmig und ohne Debatte angenommen. Auch im übrigen hat nach Ablehnung einiger Abänderungsanträge der Gesetzentwurf die Zustimmung der Kommission gefunden.

Die zweite Berathung der von dem Abgeordneten Rintelen und Lenzmanu eingebracht.n Gesetzentwürfe über eine umfassende Revision der Straf- Prozeßordnung wird im Plenum erfolgen. Erne Kommissionsberatung wurde vom Reichstage nicht beliebt, und eS wird daher abzuwarten sein, ob die Entwürfe in der zweiten Lesung im Plenum nicht alsbald auf denselben tobten Punkt anlangen werben, auf bem in ber vorigen Session die Straf- prozeßnovelle gescheitert ist.

Wenn man die Thätigkeit des Reichstages auf allen in Vorstehendem kurz gestreiften Gebieten über­schaut, so kann es für denjenigen, ber überhaupt einmal Gelegenheit gehabt hat, die Art und Weise parlamentarischer Arbeit kennen zu lernen, keinem Zweifel unterliegen, daß der vielfach gehörte Vorwurf, die Gesetzentwürfe würden im Parlament ohne ge­nügende sachliche Prüfung der von Außenstehenden gelteub gemachten Kritik in kürzester Zeit durchge­peitscht, ein völlig unbegründeter ist. Die gerade aus juristischem Gebiete ausnahmslos mit größter Sorgfalt redigierte» und begründeten Gesetzes-Bor­lagen der verbündete» Regierungen werde» im Reichs­tage von Mitglieder» ber verschiebenste» Partei­richtungen einer baarscharfen Kritik unterzogen, unb es darf bie Behauptung aufgestellt werben, baß keine an bie Oeffentlichkeit getretene Ansicht, welche sachlich Anspruch auf Beachtung hat, in diesem kritischen Fegefeuer unbeachtel bleibt, wenn sie auch nicht immer in ben Kommisfionsberichten oder in den Verhandlungen des Plenums ousdücklich Erwähnung findet. Daß in ben vor ber Oeffentlichkeit stattfindenden Reichs­tagsverhandlungen bie politische Sette ber zur Ent- scheibung st heude» Fragen in ben Vorbergrunb tritt,

»Ein prächtiger, aller Herr! dachte fie unb baS las man auf ihrem bunklen Gesicht, als fie ihre kleine Hand in die des Hausherrn legte und sagte:

Verzeihen Sie, Herr Graf: ich hatte in ber Thai nicht beachtet, baß Ihre Frau Gemahlin nicht allein war. Der Schnee draußen hat mich wohl geblendet und so muß ich nun vielmals um Ent­schuldigung bitten."

,3st gar nicht der Rede Werth, durchaus nicht, gnädige» Fräulein. UebrigenS bin ich es gewöhnt und wünsche eS auch, daß meine Frau den ersten Platz einnimmt."

Darf ich eine Bitte anSfpreche», Herr Graf, Frau Gräfin, aber ohne daß Sie mich für anmaßend hallen?"

Sie ist im Voraus gewährt l"

Nein, nicht so, Herr Graf. Ich wollte nm bitten, daß Sie mich für die Dauer meine» Aufent­haltes nicht ganz als Fremde bettachten, sondern mich so ziemlich mit Adrienne auf eine Stufe stellen, auf mich auch nicht mehr Rücksicht nehme» al» auf fie und mich bei meinem Namen rufen."

«Wenn Sie das wünschen, gewiß."

Auch ich?"

Der alle Herr war bei Frager.

»Auch Sie, Herr Graf. Warum sollte ich da eine Ausnahme machen? Könnten Sie nicht auch mein Later fein?"

Gut, hier meine Hand darauf, daß wir Sie als unsere Tochter ansehen werden."

Ich danke Ihnen, o, wie sehr! rief Juanita, führte der Gräfin Hand an die Lippen und drückte diejenige des Grafen herzlich.

Nun könntest Du wohl daS Fräulein auf ihr Zimmer führen," sagte dieser zu Adrienne.

(Fortsetzung folgt.)

liegt in der Natur der Sache, ist aber kein Beweis dafür, daß diese Fragen nicht mit genügender Gründ­lichkeit behandelt werden.

Deutsches Reich.

Berlin, 9. März. Se. Majestät der Kaiser hörte heute Morgen ben Vortrag des VerkehrS- miuisterS Thielen. Im Laufe bes Vormittags fuhr ber Kaiser beim Reichskanzler vor unb nahm ben Vortrag beffelben entgegen.

Wie berSchwäbische Merkur" aus guter Quelle mittheilen kann, haben die vor einigen Tagen in Fulda versammelt gewesenen preußischen Bischöfe u. A. beschlossen, an ben Saifer eine Abreffe zu richten unb barin bem Dank deS EpiftopatS für ben thatkräftigen Schutz Ausdruck zu geben, ber Sellens der Reichsregierung bem Christenthum im fernen Osten zu Theil geworben ist.

Neuerdings wird behauptet, baß der Kaiser bei seinem Aufenthalt in Bremerhaven am Freitag in Lebensgefahr geschwebt habe. Wie die Norb-Ostseeztg." wissen will, verließ ber Kaiser ben auf ber Weser vor Anker gegangenen Panzer Kurfürst Friebrich Wilhelm" auf einer kleinen Dampfbarkasse. Als diese gerade um das Heck des Schiffes herumbog, kam ihr ber FischbampserSee­stern" in voller Fahrt entgegen. Beide Fahrzeuge, welche sich erst im letzten Augenblick gegenseitig be« merften, fuhren direkt aufeinander los. Den Zu- schauern stockte der Äthern, denn ei» Zusammenstoß schien unvermeidlich. Glücklicherweise besaß der Kapitän deSSeestern" die Geistesgegenwart, da» Ruder schleunigst hart Backbord legen zu lassen. So passirte derSeestern" knapp hinter ber Kaiserlichen Barkaffe. Der Kaiser habe fich höchst anerkennend über bas schnelle unb schneidig ausgeführte Manöver des Fischdampfers ausgesprochen und sich den Namen des Schiffes und denjenigen des Kapitäns nennen lassen. Der Kaiser soll nach einer Mittheilung derPolit. 6orr." die Absicht hegen, dem Fürsten Bismarck einen Geburtstagsbesuch abznstatten.

Am heutigen Todestage Kaiser Wilhelms I. find das Palais Unter den Linde» und die lobtengruft im Mausoleum zu Charlotten- burg bie Orte, wohin fich Aller Blicke richten. Die Feierlichkellen begannen mit einer Trauercour am Sarge, den eine Fülle frischer Blumen so dicht be» deckte, daß darunter der rothe Sammet und die goldenen Ornamente verschwanden. Der Kaiser

Weihnachten in Kiaotschan.

Aus der Kiaotschau-Bucht wttd dem Ostasiatische» Lloyd unter anberm geschrieben: Das erste deutsche WeihnachtSfest wurde hier von Offizieren unb Man», schäfte» in echter deutscher Weise begangen. Allem- halben erstrahlten die Christbäume, die am Tage vor dem Feste rechtzeitig anS Japan eingetroffe» waren; nur wenige chinesische Kiefer» von den um­liegenden Bergen mußten ihre grünen Zweßze zur Ausschmückung der Mannschastsstuben hergeben. Der Unterschied der Beleuchtung bestand darin, daß a» Bord der Schiffe daS elekttische Licht in den Zweige» glühte, während für die verschkdenen Lager am Laude bunte Kerzen ihr mildes Licht verbreiteten. Durch finnige Geschenke suchte einer bem anbern Freude zu bereiten; bei Speise unb Trank stellte fich allmählich auch die behagliche Stimmung ein, in der die Ge­danken, die an dem Abend unwillkürlich in der Heimath weilen, fich dem Nächste» zuwe»den, und all die Sehnsucht, die das $erj zu ben Lieben nach Hause zieht, fich anflöst in das Sttebeu, zum all­gemeinen Wohlbefinden, soviel an uns liegt, bei» zntrage», mit bene» auch fröhlich zu fein, mit denen gemeinsame Arbeit uns verbindet. Mit großer Für­sorge hatte der Chef des Geschwaders es so ein­gerichtet, daß der Schanghai-Dampfer mit der europäischen Post am Nachmlltag des 34. Dezember hier eintreffen mußte. Die Grüße aus der Heimath und Schanghai, die er brachte, trugen noch dazu bei, das Gefühl der Freude zu heben, unb bie wehmüthige Stimmung zu verscheuchen. Kurz vor Beginn der Feier konnte an den verschiedenen Stelle» die Post ausgegeben werde», für die meisten die höchste Weihnachtsfrende, die ihnen bereitet werden konnte. Eine» großen Jubel verursachte el auch, als bekannt