Telephon 55.
(Nachdruck verboten.)
Möge dies Bestreben vollen sei heute wiedergegeben, was der Ueberschrift „Konservativ"
„Konservativ" wird nicht nur
Hänger zu erwerben". Erfolg haben! Hier KeS Handbuch unter sagt:
„Die Bezeichnung
Der Christenberg in Oberhessen.
Stätte ältester Christenverrhrung: Also de» Küsters fromm« Belehrung Heute mir noch in den Ohren hallt; Stätte, wo einstens die Donareich« Sei gesunken dem mächtigen Streich« Winfried's, der deutschen Apostel gestalt. Küster, das erstere will ich Dir glauben. Und um die Ruhe Dir nicht zu rauben, Thu' ich, als glaub' ich da- letztere auch. Aber auch so bleibt erhaben di« Stell«, Drauß einst des Christenthums strahlend« Hell« Siegreich verdrängte den heidnischen Brauch, Und an die Stelle germanischer Culte, Jener blutigen Opfertumulte, Setzt« der Liebe beglückende Huld; Jeuer Lieb«, der höher da» Geben, AIS das Rehmen, bi« selbst gar da» Leben Opferte freudig der frevelnden Schuld.
Al» dann btt Lehre hernieder drängt« Und bi« Rind« des Eises sprengte. Das umstarrte der Chatten Herz, Stiegen mit ihr die Töchter hernieder, Ordnung und Sitte und fröhliche Lied« Und die Freude am harmlosen Scherz.
Lehrten die Chatten das Schöne and Gut« Und das Edle mit frohe« Muth«, Legten den Grundstein zu hoher Kultur. Und die Chatten bi« Götter vergaben; Gläubig dem Priester zu Füßen sie saßen. Der sie zurechtwies auf göttlicher Spur. Christenberg I Du bist btt Markstein bei Wendung, Denn von Dir ging die göttlich« Sendung Sur in's gesegnete Heflenland!
Drum mit hoher Verehrung nur schauen, Kann ich von Deinem Gipfel zum blauen Himmel, der heute besonders mich bannt. Denn dem Himmel fühl' ich mich näher Nicht weil hier der Standpnntt mir höher, Nein, weil Dein Rücken heiliges Land! Hier scheint die Pforte des Himmels mir offen, Hier wird, stärker mein Glauben und Hoffen, Daß ich einst lande am göttlichen Sttandl
Rudolf Storck.
Das neue Programm unterscheidet sich von dem alten zunächst dadurch, daß eS die „Erhaltung und Kräftigung der christlichen LebenSanschauung" und seren praktische Bethätigung auf den einzelnen <8t» bieten des Staats- und Volkslebens an die Spitze stellt, ferner namentlich durch eine präzisere Gestaltung der Forderungen in den Arbeiter-, Handwerker- und landwirthschaftlichen Fragen, sowie durch ausdrückliche Stcllungvahme zur Börsenfrage und zur Judenfrage. Das Programm hat wesentlich dazu beigetragen, die Ziele und Bahnen der Partei klarer und entschiedener zur allgemeinen Anschauung zu bringen, d i e E i n h e it l i ch keit der Partei zu stärken und ihr neue Anhänger zu werben, sowie die alten fester an sie z u k e t t e». Wenn es «och nicht gelungen ist, in allen , Punkten des Programmes durchschlagende prakttsche Erfolge zu erzielen, so liegt das weniger an der konservativen Partei als an den Eigenthümlichkeiten unserer inneren politischen Verhältnisse, die eine Mehrheitsbildung in de» Parlamenten und überhaupt eine ftuchtbare politische Thättgkeit sehr erschweren. Aber auch das schon bisher Erreichte, z. B. in der Börsengesetzgebung, dem Kampfe gegen den unlauteren Wettbewerb, der Verbesserung des, UnterstützungS. wohnfitzgesetzes, auch in der Handwerkerfrage usw. ist nicht zu unterschätzen."
damit bildete sich im Reichstag die Fraktion der „deutschen Reichspartei." Eine nur kurze Zeit dauernde Spaltung der konservative, Partei im preußischen Abgeordnetenhause in „Ren-" und „Alt- Konsnvative" und das Bedürfnis, den durch Gründung des Reichs erweiterten Aufgaben und den Gesichtspunkten gerecht zu weiden, gaben den Anlaß zu dem bekannten Aufruf an die deutschen Konservativ.» vom Sommer 1876 (der im Wortlaut wiedergegeben wird), an welchen sich die Konstituirung der jetzt bestehenden Fraktion, „der deutschen Konservativen" rm Reichstage und bald darauf die Wiedervereinigung der alt- und neukonservative» in der konservativen Fraktion im preußischen Abgeorduetenhause anschloß. Dre konservativen Elemente der übrigen deutschen Staaten haben ihre Vertretung theilS in der Fraktion der deutschen Konservativen im Reichstage, theils in der Reichspartei gefärbt».
3m weiteren Sinne des Wortes werden als Konservative sowohl die Mitglieder der Reichspartei, wie die der Fraktio» der deutschen Konservativen bezeichnet. Im engeren Sinne bezeichnet die Benennung die Fraktion der deutschen Konservativen im Reichstag und die konservative Partei des preußischen Landtags, zu deren jetziger Organisation der oben gedachte Aufruf au die deutschen Konservativen vom 3ahre 1876 (oft als deutsch-konservatives Programm bezeichnet) Anlaß gab. Dieses Programm gab entsprechend den Forderungen der damaligen Zeitlage auch den wesentlichsten und dauernd giftigen Sätzen konservativer Auffassung eine prägnante Form. Mit der Weiterentwickelung unseres politischen Lebens erwies es sich allerdings «ehr und mehr als reformbedürftig, da es einerseits eine Reihe von Forderungen aufstellte, denen inzwischen durch die Gesetzgebung genügt worden war, andererseits zu wesentlichen Zett- ftagen entweder garnicht oder nicht in hinreichend bestimmter Weise Stellung nahm. Diese Empfindung führte nach mannigfachen Auseinandersetzungen innerhalb der Partei schließlich zu dem Parteitage auf Tivoli in Berlin im Dezember 1892, auf dem das bekannte konservative Programm fcstgelegt wurde. Hochhaltung von Christenthum, Monarchie und Vaterland, so schließt dieses Programm, Schutz und Förderung jeder redlichen Arbeit, Wahrung berechtigter Autorität, das find die obersten Grundsätze, welche die Deutsche konservative Partei auf ihre Fahne geschrieben hat.
Bolksthums und unserer Volkskraft: die christliche Lebensauffassung, das schöne Treuverhältniß zwischen König und Volk, die alt- preußische Straffheit und Pflichttreue im Heere und im Beamtenthum, die gesunde Gliederung des sozialen Körpers, den Bestand der ehrlichen, produktiven Ar! eit auf allen Gebieten der Rationalwirthschaft, kurz alle großen „Aktivposten" des Volks- und Staatslebens, deren Erben wir geworden find. In allen Einzelfragen strebt die konservative Partei weniger nach „Eihaltung" als nach organischer Fort entwickelung aus dem Bestehenden heraus, während der Liberalismus umgekehrt dazu neigt, von abstrakte» Prirz'pie» heraus mechanisch in die Dinge einzugreife».
Ein wesentlicher Theil des Gegensatzes zwischen konservativer und liberaler Anschauung kommt zum prägnanten Ausdruck in dem bekannten Spruche Stahls: „Autorität, nicht Majorität". Die Hochhaltung jeder berechtigten Autorität hat stets zu den vornehmsten Grundsätzen konservativer Politik gehört. Sie bedingt freilich nicht die unbedingte Unterordnung unter die Politik der jeweilige» Regierung. Auch eine so pflichttreue und so wohlberathene Regierung wie die preußische ist der menschlichen Fehlbarkeit unterworfen, und es können Fälle Vorkommen, wo die Bekämpfung ihrer Ansichten und Pläne auch für konservativ gerichtete Männer zur Gewissenspflicht wird. Alsdann bewährt auch die Treue gegen den Monarchen durch eine freimüthige und loyale Opposition sich ohne jeden Zweifel besser als durch stillschweigende Liebedienerei. Dagegen schließt das konservative Prinzip jede unsachliche, jede unehrerbietige und ebenso die bei den radikalen Parteien beliebte grundsätzliche Opposition zu rein taktischen Zwecken von vornherein aus.
Für die Entwickelung des konservativen Gedanken» im politischen Leben sind die Parteiverhältnisse des größten Einzclstaates, Preußens, von hervorragendem Einfluß gewesen. Hier bildete und entwickelte sich dir konservative Partei in den Verfassungs kämpfen vom Jahre 1848 ab, welche in gewissem Sinne mit der Entstehung des Norddeutschen Bundes, dann des Reiches einen Abschluß fanden. Unter den eigenthümlichen Verhältnissen dieser letzten Zeit, in der die Giundlagen des jetzigen Reiches gelegt wurden, sonderte sich von ter preußischen konservativen Partei ein Theil unter dem Namen „Freikonservative" ab, und im Zusammenhang
„So war es fteilich zwischen ihr und ihrem Geliebten abgemacht und dieser Geliebte ..."
„Halt ei», Arno," unterbrach ihn die alte Baronin, indem sie ihre bebende Hand auf seinen Arm legte. »Ehe Du die abscheuliche Anklage erhebst, überlege erst, ob Du Deine Worte verantworten kannst. Es wird vielerlei gesprochen und verleumdet."
Freilich, theuerste Mutter! Aber das was ich sage, ist die lauterste Wahrheit, denn ich habe eS auS dem Munde jenes Mädchens selbst, das ich elend, krank auf der Straße fand. Der Geliebte jenes Mädchens, der es als Bonne für sein Kind in sei» Haus auf- nehmen wolle, war Herr v. Santen und nun, liebste Mutter »ud Du, Ulla, nun werder Ihr wohl zugestehen, daß Frau v. Santen Grund hatte, sich von ihrem Gatten zu trenne».'
»Wie war er möglich?"
„Höre mir zu! Als ich Euch an jenem Abend, ba wir über Frau v. Santen gesprochen hatte», ver- Ueß, streifte ich burch bie Straßen, um bet Aufregung Herr zu werde», in welche mich Euer Zweifel au Elftiedens Ehre versetzt hatte». 3ch wußte bereits, wie Alles zusammenhing, da mir Elftiede selbst den Zusammenhang «nbertraut, ich durfte aber ihr Geheim- niß nicht ohne ihre Erlaubniß preisgeben. Da führte mir der Zufall jenes Mädchen, Minna, Deine ftühere Kammerzofe, Ulla, entgegen. Sie lag besinnungslos, fieberkrank auf der Sttaße, bie Schmach, bet Kummer, der Hunger sprachen aus ihren abgemagerten Zügen. Ich nahm mich des Mädchens an, führte es in meine Wohnung, wo ich es meiner Hauswirthin, einer braven Schuhmacherswiltwe, zur Pflege übergab. Nach wenigen Tagen war das Mädchen genesen. Es dankte mir, indem es mir die Geschich!e ihrer Schande und der Schuld des Herr» v. Santen erzähtte. Er hat sie von Schloß Giotenburg fortgelockt, er nahm sie mit »ach Berlin, als seine Geliebte, er forderte von feiner Gattin, daß sie das Mädchen in ihr Haus aufnehmen
solle, er wollte seine Gattin dazu zwingen, er drohte, die alte Kinderwärterin fortzuschicken, Fran v. Sauten zog es vor, sich selbst und ihr Kind dem Machtbereich des sittenlosen Menschen zu entziehen. Minna vergrößerte indeffen noch ihre Schuld, indem sie Herrn v. Santeu mittheilte, daß ,wische» feiner Gattin und mtr ein LiebeSverhäliuiß bestanden habe. Leider war Herrn v. Santen ein Brief, den ich an seine Gattin Seichtet hatte, tu die Hände gefallen, welcher die Mit- theilungen Minnas scheinbar bestättgte; er drohte seiner Gattin mit einer Gegenklage und um jedem Scauda aus dem Wege zu gehen, nm nicht unsere Familie in den Scandal eines Ehescheidungsprozesses hiueinzu- ziehen, willigte sie in eine Scheidung, welche einen Theil der Schuld scheinbar auf ihre Schultern wälzte — da, Mutter, ist die wahre Geschichte von Elftiede»» Scheidung, und nun urtheile selbst, wo recht und Unrecht ist."
Ulla erfaßte des Schwagers Hände und rief: »Weißt Du, wo sich Elfriede befindet? O, was m»ß die Aermste gelitten haben! Könnte ich doch da» U - recht, da» ich ihr in Gedanken gethau, wieder gut mache» . . .!'
»3a,* sagte erust unb feierlich die alte Baronin „wir habe» ein großes Unrecht gut zu machen. Wo ist Frau v. Santen?"
„Ich weiß es nicht."
Arno erzählte jetzt, wo er Elftiede getroffen unb auf welche Weise sie tohber verschwunden sei. „Ich habe ober bie Zuversicht," schloß er indem seine Augen jell aufleuchteten, „baß ich Elfrüde noch einmal wieber- ehe unb bann soll mich nichts mehr von ihrer Seite reißen ..."
„Ich hoffe auch, baß wir Frau v. Santen wieberseheu werben, um sie um Verzeihung bitten zu können. Das Unrecht, welches wir ihr angethan, drückt mich schwer.
(Fortsetzung folgt.)
in Deutschland und vielen seiner einzelnen Staaten, sondern auch über bie Grenzen unseres Vaterlandes hinaus gebraucht und zwar seit der Zett deS Ringens sm Betheilizung bet Bevölkerung bei Gesetzgebung und Verwaltung mit bet mehr ober weniger absoluten Ronatchie in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts. Sie ist ebenso wie bie oft als Gegensatz gebrauchte „liberal" nur aus biefer geschichtlichen Entwickelung, sicht auS bem gewöhnlichen Wortfinne richtig zu verstehen. Der innere Gegensatz beiber Auffassungen liegt im Wesentlichen barin, baß bie liberale von gewissen s.idealen" Grundsätzen auSgeht und den Staat wie hie Gesellschaft danach umzugestalten sucht, während die konservative mehr Werth auf geschichtliche Bc- »ährung legt, als auf neue, unerprobte, wenn auch einer populären Zeit- ober Tagesströmung entsprechende Prinzipien. Die Tendenz de» „Erhaltens" liegt also allerdings irn Wesen deS Konservatismus, -bet sie ets chöpst dieses bei Weitem sicht. Wo ein praktisches Bedürfniß nach Neuet- mrgen nicht hetvotfritt, handelt bet Konservatismus -llerdingS nach bem Grundsätze römischer Staats- «isheit: quieta non movere. Wo es sich aber Mt, daß das Vorhandene nicht genügt, sondern der Fortbildung bedarf, ba bietet gerade bet Kouser- »atismuS stets seine Hanb, unb besonders bem «anchestetlichen Liberalismus bei Neuzeit gegenüber ist er in Fragen des gefunben »ationalenFortschritts unb bet sozialen Reform, wie z. B. in bem Schatze bet nationalen Arbeit, beS ehrlichen Erwerbes, ber Fabrikgesetzgebung, kr Kolonialpolitik usw. nicht bas zurückhaltende, sondern bas führende und tteibende Element gewesen. »Sonsetviten" will bet Konservatismus >9r Allem bie Gtunblagen unseres
Umschau.
Die Berliner Sozialdemokraten haben in diesen Tagen in sieben Versammlungen gegen die angeblich geplante „Knebelung" des Koalitionsrechts prot-stiert und überall eine im Voraus äparierte Resolution zu Gunsten weiterer Straflosigkeit von Streikausschreitungen angenommen. Wenn die „Genossen" dabei sich auf das bishehr wohlthätige, auch von uns stets anerkannte Wirk.n der englischen Gewerkschaften berufen, so geschieht dies mit Unrecht; denn gerade jdurch das Einmischen ber Sozialdemokratie in bie Gewerkschaftsbewegung ist auch in England das bisherige friedliche, in der Hauptsache auf die Arbeiterfürsorge gerichtete Ziel ber bortigen Ge- werkveteine verschoben und auf btn Klafsenkampf hingelenkt worben. Gegen frieblich wirkenbe Fach- organaisationen hat niemand etwas, außer den Sozialdemokraten , bie aus politischen Gründen ben
Konservativ.
DaS von uns schon an anberer Stelle erwähnte „Konservative Handbuch" wendet sich, wie es in ihm heißt, „vornehmlich an die selbstständig und unbe- fangen denkenden Kreise der Nation und sucht den konservativen Anschauungen gerade durch eine vor Allem streng sachliche Darstellung immer mehr An
Roman von O. Elster.
(Fortsetzung.)
.‘.ßitbt Mutter," fuhr Arno fort, „Du erinnerst noch des Gespräches, welches wir vor einigen tagen über Frau v. Santen führten."
„Allerdings."
„Weißt Du schon, Arno," tief Ulla, „daß die «rlobung de» Major» mit der Comteffe Steinberg sicht stattfinden wird? Der Major hat einen regel- lichten Korb erhalten."
„Um so bester für Comteffe Steinberg.... Piajor v. Santen mü de auch sie unglücklich gemacht feen . . ."
»Mein Sohn, Du uriheilst sehr scharf unb vor- % wie mir scheint."
„Urtheile selbst, Mutter," entgegnete Arno Hst und tief bewegt.....Was würdest Du zu
Manne sagen, der sich nicht scheute, feiner Mitin zuzumuthe», seine Geliebte in das eigne Hau» ssüftunehmen?" | „Arno?!"
»Verzeih, theuerste Mutter, daß ich so ohne alle «schweife spreche. Ich weiß, wie Du über solche "»ole Verhältnisse unserer heurige» vornehmen Männer- At denkst, und Deinen Söhnen sie niemals verziehen sben würdest — nun gut, Herr v. Santen war scham- 18 genug, nicht nur feine Gattin zu hintergehen, Adern auch jenes Verlangen, welches ich eben erahnte, zu stellen."
„Wie ist das möglich?"
„Erinnerst Du Dich noch, Ulla, eines Kammer- «dchens Namens Minna, welche bei Dtt vor einigen Mren diente?"
„Allerdings .... das Mädchen kündigte mir, E es, wie es sagte, al» Bonne zu Frau v. Santen khen werde."
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Freitag. 25. Februar 1898. fÄtoAÄ 3L*
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