Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg «nd Kirchs,ain Skdavlsi, Und Exptdtüon: Mark al 2221 Jllustrirtes Sonntagsblatt. Verantworlich für Mt Sk^kUon^Redakteur M. Hartmann
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Erstes Blatt
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der katholischen Schule erwachsenden Mehrkosten betrogen Die angesetzten Gehaltserhöhungen der städtischen Beamten belaufen sich incl. der Kosten eines neu eingestellten Beamten auf . . . . Die Gehaltserhöhungen der Lehrer an der höheren Töchterschule beanspruchen Die Gehaltserhöhungen der Lehrer an den Bürgerschulen . . . .
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Zum ersten Male erscheint die vom RegierungSbeziik ausgeschriebene Besteuerung mit 9900 Mk., dazu find die Kreissteuern mit 9470 Mk. um 2470 Mk. höher beziffert als im Etats-Entwurf pro 1897/98, zusammen Die Verzinsung der städtischen Schulden erhöht sich durch volle Zinszahlung der im Jahre 1897/98 konttahirten Schulden und durch halbjährige Verzinsung der neu aufzunehmenden Kapitalien um . Die Amortisation der vergrößerten Schuld erhöht sich um . . . . Der Zuschuß für die in eine Ober- Realschule umzuwandelnde Realschule erhöht sich für das nächste Jahr um
«sorgt, iner- «rerr (868 ad, Nr. 1.
Summa 73 500 Mk. ■ Die übrigen 3500 Mk. vertheilen sich auf kleine Posten.
Zu diesen Mehrausgabe« ist zu bemerken: f ad 1. Die seit 1897/98 an den Kreis zu Wenden Steuern in Höhe von 9470 Mk. und die »r 1898/99 an den Regierungsbezirk zu entrichtende, 9900 Mk., zusammen 19 370 Mk. «präsentsten U Prozent der zu erhebenden Real- und Einkommeu- «uern; sie begründen also allein die Erhöhung der Mdtischen Steuern, pro 1896 97 mit 88 Prozent krhoben, auf 100 Prozent, wie solche der Etats- «twmf pro 1898/99 in Aussicht nimmt. (Die Differenz von 1 Prozent darf wohl außer Bestacht ^lben). Es ist also dem Stadtrath gelungen, alle «r die Stadt zu leistenden Mehraufwendungen auf Mdere Weise zu decken als durch Erhöhung der Steuern.
, ad 2 und 3. Der Etat pro 1897/98 wies ?®e Höhe der städtischen Schulden von 3 Millionen £27170 Mk. nach, der Etat pro-1898,99 2 Mill. *42 098 4- 529 083 neu aufzunehmender Schulden, 18 Summa also rund 3 Millionen 470000 Mk.
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9. Beistag zur Alterszulagekaffe für VolkSschullehrer
10. Erhöhung des Beitrags zur Armen- k°ff«.........
Zum Stadthaushalts-Eutwurf für 189899.
Der dem Bürger-Ausschuß kürzlich vorgelegte Stats-Entwurf für das nächste Jahr weicht in der Sesammt summe von dem des Vorjahres nicht wesentlich ab. Er schließt in Ausgabe und Einnahme mst 1 Million 186 203 Mk. ab, also nur um 11000 Mk. «Übriger als der letztjährige mit 1 Mill. 197 000 Mk. Roch einmal haben wir es also mit einem Millionen- Etat zu thun, hoffentlich für längere Zeit zum letzten Male.
Die große Verschiedenheit beider Etats tritt aber sofort hervor, wenn man Oidinarium und Extra- -rdinarium trennt.
Das Ordinarium deS Etats pro 1897/98 beträgt 434210 Mk.
Das Ordinarium pro 1898/99 511500 „
\ b. h. die dauernden Ausgaben der Stadt Marburg haben sich in einem Jahre um 77 000 Mk. gehoben — ' xm 17 %!1
Diese Steigerung ist eine so große, daß näher «örtert werden muß, welche größeren Posten ihr zu Grunde liegen.
Es ergiebt sich hieraus, daß im Laufe des Jahres 86 000 Mk. amortiflrt sind und rund 100 000 Mk der bewilligten Anleihen nicht zur Verausgabung gekommen sind. Deu Schulden steht ein Kapitalbestand von 285 000 Mk. gegenüber, so daß die Gesammt- summe der städtischen Schuld im Jahre 1898/99 auf 3 Millionen 185 000 Mk. sich belaufen wird.
ad 4. Der Zuschuß zum Etat der Realschule hat sich von 1893 bis 1898 von ca. 10 000 Mk. auf 27 000 Mk. gehoben. Die fortschreitende Entwickelung zur Ober - Realschule wird diesen Zuschuß noch im Laufe der Jahre erhöhen, falls eS nickt gelingen sollte, eine staatliche Beihilfe zu erlangen.
ad 5. Die Uebernahme der katholischen Schule auf die Stadt beruht auf Verfügung der Regierung. Die Mehrausgaben lassen sich also nicht vermeiden, da von der enteilten Beschreitung des Prozeßweges kein Erfolg zu erhoffen ist.
ad 6. Die Erhöhung der Gehälter der städtischen Beamten ist ein Akt der Gerechtigkeit in Berücksichtigung der allgemein durchgeführten Erhöhung der Gehälter der Staatsbeamten. Ob hierbei im Einzelnen das Richtige gestoffen ist, wird Gegenstand der Prüfung der Etats-Kommission des Bürger-Ausschusses sein müssen.
ad 7 und 8. Hier trifft das ad 6 Gesagte analog zn.
ad 9. Dieser Posten wird mehr als ausgeglichen durch die Zuwendungen aus der staatlichen Alterszulagekasse der Volksschullehrer.
Prüfen wir nun, in welcher Weise die 77 000 Mk. Mehrausgaben durch Mehreiuuahmen im EtatS- En'wurf gedeckt werden.
1. Mehreinnahmen aus Einkommen-
und Realstcuern 21 000 Mk.
2. Staatliche Mehrleistung zu deu Lehrergehältern 17 200 „
3. Aus der Gas-Anstalt -Höhere . 23 000 „
4. Aus der Wasseranlage r Erträge . 7 000 „
5. Kapitalziusen und Sparkasse . . 2000 ,
6. Kieserlös 1500 ,
7. Erträge aus der zu bauenden Badeanstalt und Eisbahn 2 200 „
8. Unvorhergesehene Einnahmen . . 2 000 „
Summa 76 000 Mk.
Hierzu ist zu bemerken:
ad 1. Die Summe von 21000 Mk. enthält etwa 6000 Mk., welche sich aus der erhöhten Steuerkraft der Bewohner ergeben und 14800 Mk., welche das Ergebniß der Erhöhung der städtischen Steuern von 92 auf 100 Prozent sind.
ad 2. Der Grund dieser staatlichen Mehrleistung ist für d.°n Fernstehenden schwer erkennbar.
ad 3. Die Gas - Anstalt hat ihre eigene Verwaltung; tyre Ueberschüsse find bisher verwandt worden, um die Anstalt leistungsfähiger zu machen (Neubau eines Gasometers, Verlegung stärkerer Röhre», Bau der Zugangsbiücke rc.); jetzt kann fie den erhöhten Ansprüchen des Gasverbrauchs gerecht werden; größere Neubauten erscheinen für die nächste Zeit ausgeschlossen; somit fiud pro 1897/98 schon die Kosten der Straßenbeleuchtung nicht mehr in Ausgabe gestellt und der außerdem vorgesehene Ueberschuß von 17 000 Mk. ist für das nächste Jahr auf 40000 Mk. erhöht worden.
ad. 4. Die Einnahmen aus der Wasserleitung werden noch weiter steigen, nach Maaßgabe der fich mehrenden Hausanschlüsse und der Bebauung der neuen Straßen. Die nur um 7000 Maik gegen das Vorjahr erhöhte Einstellung in den Etat ist vorfichtig.
ad. 7. Die Einstellung von 2 200 Mark ist vielleicht nur bafirt auf der Annahme der Verzinsung des Anlage-Kapitals zu 6 Prozent. Wird das Jahr 1898/99 schon diese dieser Erträge liefern?
Das Extraordinarium. Die Höhe der in Ansatz gebrachten Ausgaben befremdet auf den ersten Blick; da die Canalisatiou ihrem Ende entgegengeht, konnte eine wesentliche Herabminderung erhofft werden. Eine nähere Prüfung der einzelnen Posten, aus denen fich die Gesammtsumme von 674700 Mark ergiebt, erscheint nothwendig. Zunächst sind folgende Nummern als Durchgangsposten auszuscheiden; fie erscheinen in gleicher Höhe in Einnahme und Ausgabe:
Anliegebeiträge........ 12 000 M.
Entfernung der Vorgärten, welche In der
Casseler Straße abzüglich 3000 Mk. der
Stadtkasse zur Last fallen . . . . 3 700
Hausanschlüffe . . . . . . . . 25 000 „
Realschulbaufonds (und Sparkasse). . . 10 000 „
Summa 50 700 M.
ferner sind circa 100000 Mark abzusetzen, die bereits im letzten Jahre für Arbeite», die noch nicht durckgeführt find, bewilligt aber nicht verausgabt find (Auffüllung der neuen Straßen im Südviertel, einzelne Calauisationsarbeiten). Ihnen entsprechen die um 100000 Mark geringer aufgenommenen Schulden.
Zu erörtern bleiben somit 524000 Mark.
Von diesen fallen auf den Bau der
Realschule . 180 000 Mk.
Auf die Fertigstellung der neuen
Straßen (abzüglich 54000 Mk. die bereits bewilligt) 120 000 , Für die Fertigstellung der Canalisatiou, abzüglich 46 000 Mk. . . . . 62 000 „
Summa 362 000 „
Diese Ausgaben beruhen auf früheren Beschlüssen. Die fehlenden 162 000 Mk. fallen auf folgende
größere Posten:
a. Gruuderwerbs entschädigung . . 40 000 Mk.
b. Pflastersteine 50 000 „
c. Lahnregulirung 22 000 „
d. Vervollständigung der Wehrdaer
Anlagen 13000 „
s. Neue Bade-Anstalt und Eisbahn 37 000 „
Anlagekapital zu betrachten und sollen also zur Verminderung der städtischen Schuld dienen.
Wenden wir uns nach allem Gesagten der Zukunft zu, so ist es unzweifelhaft, daß da» Ordinarium auch ferner noch steigen wird. DaS Jahr 1899/1900 erhöht bereits die Verzinsung wieder um 9000 Mk., die Amortisation um 5000 Mk.; die Ausgaben für die Ober-Realschule werden durch Aufsktzen der Uuter-Prima um etwa 6000 Mk. steigen; die Unterhaltung und Reparaturen der Wasserleitung, das dazu gehörige Personal müssen auS dem Extraordinarium In's Ordinarium hineintreten; die Neupflasterungen werden daS zu diesem Zweck auge- sammelte Kapital verschlingen und somit den jetzigen ZinSgenuß beschränken. Tritt dann die immer drohende Uebergabe der Polizei an die Stadt hinzu, so wiid das Ordinarinm in wenigen Jahren fich den 600 000 Mk. annähern. Dieser drohenden Mehrausgabe stehen aber bestimmt anzusetzende Mehreinnahmen gegenüber. Die direkten Steuern wachsen erfahrungsmäßig (ohne Erhöhung der Prozente) jährlich durchschnittlich um 6000 Mk.; die mit dem Fortschreiten der Anschlüsse steigenden Kanalabgaben werden die für die Verwaltung erwachsenden Ausgaben voll decken; die Erträge der GaS - Anstalt wachse« ständig; ebenso die Erträge der Wasserleitung, welche die sehr verdienstliche Arbeit der Sielbau-Deputation bis zum Betrage von 65 000 Mark (also noch 23 000 Mark Steigerung) beziffert. Die Ueberschüsse ans der Sparkasse (jetzt jährlich 10000 Mark für den Baufonds der Ober-Realschule) wachsen dem Ordinarium künftig zu. Die Zinsen der städtischen Schuld werden fich nach Maßgabe, wie die Rück-
Summa 162 000 Mk.
ad. a. In der Summe sind jedenfalls in erster Linie die Kosten enthalten, welche sich aus dem schwebenden Enteignungsverfahren über die Bopp, Hölzerkopf- und Pfeifferschen Grundstücke ergeben werden.
ad. b. Der Posten deutet auf die unvermeidlich auszuführenden Neupflasterungen hin. Ob es nothwendig ist, fich durch rechtzeitige Niederlegung von Steinen gegen ungünstige Conjuncturen zu schützen, oder ob ein Contractabschluß auf Lieferungen zu bestimmenden Terminen genügt, wird Gegenstand der Erwägung fein müssin.
ad. c. Die Kosten der Lahnregulirung komme» wohl »ui in so weit in Betracht, als die zu entfernende Erde nicht zu den Straßenanlagen zu verwenden ist.
ad d. In der Erweiterung der Wehrdaer Wasseranlage ist eine weise Vorsichtsmaßregel zu erfinnen; heute beruht die Wasserversorgung der ganzen Stadt auf dem Funktioniren einer Turbine, wird diese reparaturbedürftig, so hat die Stadt kein Wasser.
ad e. Die Erbauung der Bade-Anstalt ist eine freudig zu begrüßende hygienische Maßregel; ob die Anlage fich in gewünschter Weise rentiren wird, ist zunächst sckwer zu bcurtheilen.
Die Betrachtung der Ausgaben int Extraordinarium beweist also, daß fie int großen Ganzen nicht von dem Bestreben, Geld auszugeben und Schulden zu mache», diktirt find, sondern auf reiflicher Erwägung beruhen. Diesen Ausgaben find die extraordinären Einnahmen in gleicher Höhe gegenüber gestellt. Sie lassen fich leicht aufstellen; das Fehlende wird eben auf dem Wege der Anleihe beschafft.
Lassen wir die bei den Ausgaben vorweg abgezogenen 50 700 Mk. außer Betracht, so setzen fich die noch fehlenden 621000 Mk. wie folgt, zusammen: 1. Ueberschuß aus dem letzten Rech
nungsjahr 63000 Mk.
2. Kanalbeiträge . .... 32 000 „
3. Durch Anleihe zu decken . . . 529000 „
Summa 624000 Mk.
ad 1. Der Fernerstehende kann nicht übersehen, in welchem Verhältniß dieser Ueberschuß aus dem Ordinarium sich ergeben hat. Je mehr er aus ersterem stammt, desto mehr giebt er den Beweis von der peinlichen Vorsicht, die bei Aufstellung des Etats obgewaltet hat, desto mehr zeigt er aber auch, daß das Ordinarium noch steigerungsfähig ist, je mehr er ans dem Extraoidinarium hervorgegangen st, desto höher tritt die Sorgfalt hervor, die bei der Durchführung der einzelnen Bauten geherrscht hat.
ad 2. Die Kanalbeiträge beruhen auf ortsstatutarischer Festsetzung; sie sind als zurückgewonnenes
zahlung der Kanalbeiträge und die Erstattung der Kosten der Anlage der neuen Straßen erfolgt, durch Kapitalsabtrogung verringern. Mit Recht kann somit gefolgert werde», daß eine über 100 Prozent hinaoS- gehende städt sche Besteuerung auch in Zukunft ausgeschlossen sein wird, vorausgesetzt, daß der KreiS nicht neue Anforderungen stellt. Eine städtische Einkommensteuer von 100 Prozent kann aber nicht alS eine drückende anerkannt werden. Wie viele Städte in der Größe von Marburg existiren, die eine geringere Besteuerung haben? Somit vermögen wir denjenigen Anschauungen nicht zu folgen, die die Finanzlage der Stadt Marburg durch eine getrübte Brille zu schauen pflege» und dieselbe daher selbst als eine trübe zu bezeichnen geneigt sind. Wir find vielmehr überzeugt, daß es der Aufmeiksamkeit und Sorgfalt unserer städtischen Behörden auch ferner gelingen wird, die bestehende gute Finanzlage auftecht zu erhalten. Trotz der bestimmt in Ans ficht stehenden Steigerung deS OrdinariumS könnm wir aber erwarten, daß ein Millionen - Etat nicht wiederkehrt; d. h. daß das Extraordinarium fich in Zukunft wesentlich verringern wird. Die großen nothwendigen Bauten schließen mit diesem Jahre ob; ans größere neue Unternehmungen sollte sich die Stadt vorläufig nicht einlassen. Die städtische Schuld, welche in diesem Jahre die 3 Millionen überschreitet, wird daun wieder allmählich zurückgehen.
Zum Schluß noch wenige Worte über die bereit» erwähnte, dem Etats - Entwurf beigelegte Arbeit der Sielbau-Deputation l Wir habm dieselbe freudig begrüßt, weil sie geeignet ist, der Unsicherheit in dm ftüheren Angaben ein Ende zu machen. Wir habe« dadurch erfahren, daß die Kanalisation der Stadt rund die Summe von 1 Million Mark gekostet hat, und somit bei guter Ausführung noch um 20 Prozent hinter den Voranschlägen zurückgeblieben ist. Die Sielbau - Deputation geht noch weiter und rückt mit Bezug auf die in Zukunft in Aussicht siebende» Rückzahlungen diese Summe noch um 400000 Mk. auf 650 000 Mark zurück. Es handelt fich hierbei um eine nicht nahe Zukunft, da diese Summe theilweise der Stadt erst auf dem Wege der Amortisation des vorgeschossenen Kapitals wieder zvfließen wird, zur andern Hälfte die Rückzahlungen erst mit der all- mählige» Bebauung der neuen Straßen stattfinden werden. Diese kann aber lange währen. Circa 4000, Meter Straßenlänge stehm zur Bebauvng; rechnen wir auf den laufenden Meter Straßenlänge 1 Einwohner, (Marburg hat jetzt auf ca. 16 000 Meter Straßenlänge 17 000 Einwohner) so muß die Einwohnerzahl um 4000 Seelen wachsen, ehe die neuen Dtraßen bebaut sein werden; dazu gehören aber nach deu bisherigen Erfahrungen 12—15 Jahre. Wir thun also recht gut, zunächst daran festzuhalten, daß