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MchM Leitung.

Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für -ie Kreise Marburg und Kirchhai«.

-ÄÄET"'** Jlluftrirtes Sonntagsblatt.

Berantworlich für di« Redaktion: Redakteur M. Hartmann in Marburg.

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Telephon 56.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Quartal-Abonnements-Preis bei der Expe­dition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jnsertionsgcbühr für die gespaltene Zeile oder dereu Raum 10 Pfg.. Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Marburg

Sonnabend, 19. Februar 1898.

Anzeigen nimmt entgegen dir Expedition diese« Blatte«, sowie die Anwmcen-Burraux von Haasenstriu & Vogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moste in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln, C. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M Berlin, Hannover, Pari»

33. Jahrg.

Telephon 55.

Die Kinder der Landstraße.

* Heber dieses interessante Thema sprach gestern yet in dem von Damen und Herren dicht gefüllten «roßen Museums-Saale Herr Pfarrer Hoetzel aus Mln. ES war ein gewiß glücklich gewähltes, allgemein interessantes Thema zu einem der Vorträge, die hier eine Vereinigung evangelischer Männer zur Förderung regeren evangelischen Gemeindelebens halten läßt. Der Herr Vortragende, ein im Arbciter- Solonie- und im Wesen derHerbergen zur Heimath" wohlerfahrener Mann, hatte Recht, als er einleitend bemerkte, daß wohl kaum so Viele zum Hören er­schienen wäre», hätte er statt der Ander der Land­straße in die Ankündigung etwa gesetzt: Heber Vaga­bunden, Stromer oder Fechtbrüder. Es ist hier nicht her Raum, den ganzen Vortrag zu reproduciren, wohl aber sei seiner wahrhaft humanen Tendenz wegen der Hauptinhalt hier wiedcrgegeben:

Die vielen Tausende junger und auch älterer Männer, die unser großes, deutsches Vaterland, nicht «ehr als Handwerksburscheu im alten guten Sinne ober als Wanderer aus echt deutscher Wander­lust durchziehen, die arbeitslos, zuweilen auch arbeitsscheu, obdachlos, vagabondiiend und fechtend wandern, auch sie verdienen das ernste Interesse und die Nächstenliebe der Mitmenschen, Liebe im zartesten Wesen: Mitleid. ES mögen ihrer au 200 000 sein, die sittlich und materiell meist verwahrlost und ver­kommen, alljährlich auf Deutschlands Landstraßen pilgern; eine Folge ist dies vom zeitweisen VerdienstloS- verden ganzer Arbeitsberufe, besonders geht es den jungen Leuten schlecht, wenn ihnen der Vater stirbt, ste den Familienhalt verlieren. Wohl denkt noch mancher brave, in die Fremde nach Arbeit ziehende Bursche nach HauS an's alte arme Mütterlein, deren gegen ihn begleitet, wohl auch an den Schatz im Ort, aber der Zehrpfennig, den er im Beutel hatte, wird alle, Scham und Roth kämpfen in ihm, ob er betteln soll, schließlich siegt der Hunger, er bettelt. Verfolgt vom Auge der Gensdarmerie fällts nicht leicht, aber es bringt auch wenig ein, oft reicht's nicht aus; hungrig, mit abgeriffenen Kleidern geht'S weiter. Bettelt er, so sagen ihm die Leute: solch' junger Mann mag arbeiten/ kommt er nach Arbeit zum Meister, so sagt dieser:Sie find schon so lange nicht in Arb-it gewesen, ich kann Sie nicht brauchen/ Hnd nun geht's bergab mit Riesenschritten, es kommt Aankheit, aber die Pflege im Krankenhaus wird mit täglich 1,50 Mark vom armen Mütterlein daheim eingezoge», deßhalb bleibt er auch nicht ein­mal bis zur Genesung im AankenhauS. Auf die Landstraße geht's immer wieder hinaus, ftostdurch- schüttelt in rauher Zett, im Freien nächtigend, aber weniger mit Porste als dies ein Emanuel Seibel schildert und findet fich nicht eine mitleidige Seele, die auf ihre Kosten de» armen Burschen in seine Heimath schickt, nun bann bleibt er ein Sind der Landstraße. Ihrer hat sich da nun mit Fmereifer ein Mann angenommen, der all ihre fitt- üche Roth und Elend erkannte, dem die Rettung und vefferung dieser Aermsten am Herzen lag, wie Keinem: Pastor Bodelschwingh. An der großen Straße von Berlin nach Köln, wo sie zu Tausenden, ziehen, sprachen sie bald auch bei ihm vor. Seine Kittel find gering. Aber er giebt ihnen in der Borhalle zu essen, versorgt fie auch mit Kleidern und Schuhwerk. Da merkt er, daß in bestimmten Zeiträumen, nach Ablauf ihrer Fecht-Tournör, die­selben Personen wieder um Kleider und Schuh betteln. Nun greift er zu einemschrecklichen" Mittel, er giebt Brot für Arbeit. Anfangs kommen nur wenige, aber es mehrt fich doch bald ihre Zahl, schließlich kommen zu Viele. Er hat kin Geld, aber er kauft doch einen nahen GutShof. Die Provinzialstände, die erkennen, wie das Vaga- bundenthum in der Provinz abnimmt, bewilligen ihm 40000 Mk., ja Bodelschwingh macht die große Ent­deckung, daß sogar der Fiskus ein Herz hat. Zur goldenen Hochzeit Kaiser Wilhelms I. giebt eS wieder einen goldenen Regen für Bodelschwingh. Die Arbeüer - Colonie Wilbelmsdorf entsteht xnb nimmt großartige Entwicklung an. Unb heute giebt eS neben vielen solcher Arbeiter-Kolonieen, die die Nächstenliebe schuf, 460Herbergen zur heimath", welche im Jahre 1897 allein 2 Millionen Nachtlager gewährten. Geld giebt's nicht für die Sinder der Landstraße in diesen Anstalten, aber

lnterkommen und Nahrung, wie sittlichen unb geistigen Trost, erstere beiben für Arbeit. Bis zu 80 Tage haben so oft verkommene Burschen unb Leute, gestärkt an Leib unb Seele, in solchen Arbeits - Kolonieen »leiben bürfen. Was für Leute hat ba unter ihnen n Magdeburg, wo er lange solchem Liebeswerke biente, der Vortragende Herr Pastor Hoetzel ange­troffen: den untergegangenen einstigen Offizier, den herabgekommen, leichtfertig gewesenen Geistliche», den einzigen Sohn des reichen Hamburger Kauf­manns, der lieber Schauspieler werden wollte, als die Füße unters Pult im Comptoir des Vaters stecken, und nun, an böser Krankheit leidend, fich endlich in der Arbeiter-Kolonie bei ihm findet, wo ihn auch der Vater, der ihn allerwärts in Deutsch­land unb sonst suchen ließ, wiebersieht. Hnd die Seele und der Körper find ja noch rettbar, und unter der schönen Devise:Die Barmherzigkeit an der Seele ist die Seele der Barmherzigkeit" geht cs an's christliche Liebesweik. Unb als in Magdeburg christliche Männer auch eine Arbeiter-Kolonie gründen wollen, aber die Mittel fehlen, da geht Hoetzel eines schönen Tags mit dem Polizeipräsidenten und dem Bürgermeister Magdeburgs zum alten Grnson, der so viel Arbeiter beschäftigte. Er konnte nicht bloß Panzerplatten und Panzerthürme machen, er sollte auch den ersten Baustein zu dieser Arbeiter-Kolonie geben. Unb als ich nun, so fährt Hoetzel fort, meine schöne Rebe gehalten, da führte mich Grnson an's Fenster, wo mau auf die Werkstätten sah, und sagte:Sehen Sie Herr Pastor, Sie sind viel mit Liebes-Arbeit des Seelen-Hirten auch unter meinen Arbeitern, denen ich Arbeitsgelegenheit schuf; dort aber sehen Sie zwei Laternen; wenn der große Kladderadatsch" lvSgeht, bann baumle ich zunächst an der einen unb an bet anberen, Herr Pastor, ba baumeln Siel Nun will ich mir's überlegen, ob ich etwas thne." Am anbern Morgen aber hatte Hoetzcl von Grnson 30 000 Mk. in bet Tasche für bie Arbeiter-Colonie. Auch fie gebieh. Heber dem Giebel des Hauses des Hausvaters stand groß ein Spruch, der etwa besagte, daß, wenn man arbeite, es Einern hier gut gehe. Und am Einweihungstage, als Hoetzel zur Ausschmückung des Thores hinter ihm stand, kamen zwei Kinder der Landstraße, blieben stehen, lasen diesen Spruch unb sagten bann:Das ist auch mieber so eine Muckerei." Da trat Hoetzel zu den Beiden vor unb sagte:Muckern Sie doch einmal mit, schlimmer kannS für Sie doch nicht kommen!" Unb ber Eine kam unb sagte bann halb zn Hoetzel,Es mutiert sich ja ganz gut." So plauderte und erzählte gestern Pfarrer Hoetzel, auch der Arbeitsnachweise, namentlich des Kölner, ge­denkend, wie der Kölner Arbeitslosenversicherung, und der staatlichen Maßnahmen zu Gunsten der Abnahme des Landflrelcherthums. Reicher Beifall lohnte ihn, als er mit ber Mahnung schloß, nie am Glauben ber Rettungsmöglichkeit zu zweifeln unb Christenliebe zu bringen benKindern ber Landstraße."

Umschau.

Nach bem vom Bnndesrath in feiner gestrigen Sitzung genehmigten Gesetzentwurf, betreffenb Aenberungen von Bestimmungen über das P o st w e f e n, soll das Porto für ben frantirten gewöhnlichen Brief bis zum Gewicht von 20 g einschließlich 10 Pfg., bei größerem Gewicht 20 Pfg. betragen. Bei unfranfirten Briefen soll ein Zuschlagsporto von 10 Pfg. ohne Unterschied des Gewichts deS Briefes hinzutreten. Dasselbe Zu- schlagsporto soll bei unzureichend frantirten Briefen, neben dem Ergänzungsporto angesetzt werden. Der Reichskanzler soll ermächtigt sein, den Geltungsbereich der OrtSbriestaxe auf Nachbarorte auSzudehnen, die durch den Veik-Hr eng verbunden find. Diese Herab­setzung der Gebühr ist auch für Berlin und feine Vororte beabsichtigt. Ferner soll das P o st r e g a I, betreffend die Beförderung geschloffener Briefe, auch auf Briefe Anwendung finden, bie innerhalb ihres mit einer Postanstalt versehenen Ursprungsorts ver­bleiben. ______________

Im Ministerium beS Innern ist in bankens- werther Weise nach langen Bemühungen bei Be­theiligten ein Gesetzentwurf zur einheitlichen Regelung

ber AnstellnugS- unb Ruhegehalts- Verhältnisse ber (Semetnbebeamten ausgearbeitet worben. Nach § 4 des Entwurfs find »ie Beamten ber Stadtgemeinben eingekeilt inhöhere Beamte" unbUnterbeamte"; unb in § 6 heißt cs: Höhere Beamte ber Stadtgemeinben finb diejenigen Beamten, welche in Stadtgemeinden mit Megtalischem Gemeindevorstand (Magistrat) als Mitglieder dieses Vorstandes (Bürgermeister, Beige­ordnete, Rathsherrev, Senatoren, Stadtbaurath, Stadtschulrath, Syndikus usw.) und in ben übrigen Stadtgemeinden als Bürgermeister oder Stellvertreter desselben (zweiter Bürgermeister, Beigeordnete usw.) angestellt find. U n t e r b e a m t e ber Stadtgemeinden m Sinne dieses Gesetzes finb alle Beamten ber Stabtgemeinben, welche nicht zu ben höhern Beamten gehören." Im Staatsdienste unterscheidet man bekanntlich Oberbeamte (worunter in der Regel Beamte mit akademischer Bildung verstanden werden), Subaltern- beamte (z. B. Regierungssekretäre, Stationsvorsteher, Güterexpedienten, Steuerkontroleure usw.) unb endlich Unterbeamte) z. B. Pförtner, Bureaudiener, Nacht­wächter usw.).

Nach Eingang der Trauernachricht von bem Un- glückSfall, von welchem bas amerikanische PanzerschiffMaine" im Hafen von Habana bettoffen worben ist, hat Se. Majestät ber Kaiser sogleich in einem an ben Präsibenten der Vereinigten Staaten gerichteten biretten Telegramm herzlichstes Beileid wegen deS Unter­ganges deS amerikanischen Kriegsschiffes und des Verlustes so vieler braver Offiziere und Mannschaften der amerikanischen Marine ausgesprochen. Der kaiser­liche Botschafter in Washington ist gleichzeitig ange­wiesen worden, in einer beim Präsidenten nachzu­suchenden Audienz dieser innigen Theilnahme auch mündlichen Ausdruck zu geben. Von Madrid aus ist kürzlich die Nachricht verbreitet worden, daß auf der dortigen kaiserlichen Botschaft eine Anzahl höherer spanischer Offiziere ihre Karten hättcn abgeben wollen, um auf düse Weise eine Kundgebung gegen die Vereinigten Staaten von Amerika ins Werk zu setzen. DieNordd. Allg. Ztg." ist zu ber Erklärung ermächttgt, daß diese Nachricht jeder Begründung entbehrt.

In ber Presse finb vielfach aus bem großen Be­trage der Bestände an BaufondS der Eisenbahnverwaltung unzutreffende Schluß­folgerungen gezogen worden. ES mag daher eine kurze Darlegung des Sachverhalts am Platze sein. Nach Ablauf der im laufenden Etatsjahr in Abgang zu stellenden Reste beläuft sich ber Gesammtbettag ber noch zur Verfügung stehenden Baugelder auf rund 400 Millionen Mark. Von diesen 400 Millionen entfallen 180 Millionen Mk. auf solche Nebenbahnen, betreffs deren entweder die gesetzlichen Vorbedingungen für ben Bau noch nicht erfüllt oder erst vor so kurzer Zeit erfüllt find, daß die speziellen Baupläne noch nicht fertig gestellt werden konnten, und auf solche größeren Bauausführungen, für welche die Mittel erst durch den Etat für 1897/98 bewilligt wurden, für welche mithin bis zum 1. Oktober b. I. noch keine größeren Ausgaben zu leisten waren. Von ben übrigen 220 Millionen Mk. entfallen runb 60 Millionen auf solche Anlagen, welche im Wesentlichen zwar fertig gestellt unb im Betriebe, aber noch nicht abgerechnet find. Der Gesammtbettag ber verfüg­baren Saufrebite für solche Bauausführungen, welche in Angriff genommen find ober in Angriff genommen werben können, beläuft sich hiernach auf 160 Millionen, mithin auf einen Bettag, welcher auch ohne Be­schleunigung des jetzt üblichen Tempos in runb zwe Jahren verbaut werben kann. Inzwischen finb auch bie nöthigen Veranstaltungen getroffen worben, um bie Leistungsfähigkeit ber Eisenbahnbauverwaltung zu steigern.

Deutsches Reich.

Berlin, 17. Febr. Se. Majestät ber Kaiser Höne heute Morgen bie Vorträge des Kriegsministers unb bes Chefs des Militärkabinets. Heule Abend fand bei bem Kaiserpaar eine größere Hoftafel zu Ehren bes Großherzogs von Sachsen - Weimar statt.

Der Bunbesroth hat in feiner heutigen Sitzung ber Vorlage, bett, bie Einfuhr von Rindern

aus Dänemark und Schweden-Norwegen, sowie dem Sesetzentwurf wegen einiger Aenderungen von Se» limmungen über das Post wesen im Gebiet deS Deutschen Reichs (Vergl. unter Umschau. D. R.) »ie Zustimmung ertheilt. Von einer Nachweisung der Veränderungen im Bestände des als Eigenthum deS Reichs festgestellten Grundbesitzes, von Nachweisungen über die Verhältnisse der in den Bettieben der Reichs­eisenbahnverwaltung beschäftigten Beamten unb Arbeiter unb von bem Geschäftsbericht des Reichs- verficherungSamts für 1897 würbe Kenntniß ge­nommen. Die Vorlage, bett, bie Abänberung beS § 11 ber Vorschriften über bie Abgabe stark wirken­der Arzneimittel rc. in ben Apotheken, wurde dem zuständigen Ausschuß überwiesen und schließlich über eine Reihe von Eingaben Beschluß gefaßt.

DaS Herrenhaus berieth zunächst bie Interpellation über bas Unglück ber Gräfin Pfeil am Bahnhof Brieg. Minister Thielen, der die Interpellation beantwortete, machte für die mangelhaften Bahnhofseinrichtungen die Stadt Brieg verantwortlich, die schon 11 Projekte zurückgewiesen habe. Die Oberbürgermeister Schmieding, Zweigert und Veltmann entgegnen, daß eine solche Ablehnung meist Schuld des Ministeriums sei. Hierauf wurde eine Reihe von Petitionen erledigt und zwei Eisenbahn- denkschiiften zur Kenntniß genommen.

Parlamentarisches.

Reichstag.

Berlin, 17. Febr. (42. Sitzung.) Der Reichstag setzte heute die Berathung der Postdampfer-Borlag« fort. Nach einer die Dampsersubvenlionen bekämpfende» Rede de« freisinnigen Abg. Weiß nahm der

Staatssekretär Gras v. PosadowSky da« Wort zu einer eingehenden Begründung der Vorlage. Er legte da« Bedülfniß der Subventionirung zur Aufrechterhaltung und Entwickelung de« Seeverkedi« mit Ostafien und die bis­herigen Wirkungen dieser Maßregel dar. Indem er fich gegen die Einwürfe der Gegner der Subvention wandte, betonte der Staatssekretär namentlich, daß eine Schädigung der deutschen Landwirthschaft durch den gesteigerten Verkehr nicht herbtigeführt werde, da der Lloyd sich bereit erklärt habe, von der Rückfracht, mit Ausnahme der Wolle, alle Produkte auszuschließen, welche der deutscheu Laudwirth- schaft Konkurrenz machen. Er schloß mit dem Hinweis darauf, daß wir in Ostafien einer großen merkantilen Ent­wickelung gegenüberstehen, an der Deutschland im Wett­kampf der Nationen sich seinen Antheil sichern müsse.

Abg. Müller- Fulda (Centr.) erklärte, seine Partei werde für die Vorlage stimmen, wenn in der Kommisfion die Bestimmung Aufnahme finde, daß Rotterdam anzu­laufen sei

Abg. Graf Limburg-Stirum, der hierauf da» Wort nahm, sprach die Zustimmung der konservativen Pattei zur Vorlage aus und hob mit besonderem Nachdruck hervor, daß di« Vrrttktrr landwirthschastlicher Interessen mit dies« Zustimmung lern Handel und der Jndustttr ein«Förderung zn Theil werden lassen, in der Voraussetzung, daß dies« Jnteresseukieise bet Gelegenheit der später abzuschlteßenden HandelSvrrtiäge auch dem Bedürfnisse der Landwirthschaft Rechnung tragen werden. Im klebrigen regte er an, dir Ausbeutung der Kohlenlager im Hinterlande von Kiaotscha» nicht der pttvatiu Unternehmung zu überlassen, sondern in deu Händen deS Reich« zu behalten.

Abg. I e b s e n, der für di« Vorlage ebenfalls einttat, äußert« ben Wunsch, daß di« Hilf« de« Reich» nicht auf btn Bremer Lloyd beschränkt bleiben, sondern auch btt Rheder ei anderer Seeplätze zu Theil werden möchte.

Sozialdemottat Molkenbuhr bekämpfte die Vorlage.

Schließlich sprach fich i ad) einigen kurzen Bemerkungen de« Hamburgische» Senators Dr. kluegwann der Abg Dr. Hahn vom Standpunkte der Landwirthschaft In ähnlichem Sinne aus, wie der Graf Limburg. Die Berathung wurde alsdann nochmal« vertagt.

Morgen tritt der Reichstag in die Berathung de» MilitäretatS ein.

Preußisches Abgeord«ete»ha«s.

Berlin, 17. Februar. (24 Sitzung.) Da« Abge­ordnetenhaus erledigte heute ohne erhebliche Erörterung ben Rest bes Forftetat«, debattelos den Etat für den Erlös auS Ablösungen von Dowänengefällen und aus dem Verkaufe von Domänen- und Forstgruudstücken und hat dann in die Berathung deS Etats für da« Ministerium deS Innern ein.

Beim EinnabmetitelAu Beiträgen der Gemeinden zu den Kosten der Königlichen Polizeiverwaltung" äußerte der Abg I»r. Sattler (natlib) unter Hinweis auf die polizei­lichen Uebergrlffe in den Fällen Kiefer, Köppen usw. den Wunsch, die Polizei möge bei Verhaftungen ttwaS mehr Mab walten lassen.

Minister Frhr. v. b. Recke führte daraufhin ta wesentlichen auS: Mißgriffe der Polizei find nicht zu ver­meiden; fie kommen aber bei der kommunalen Polizei ebenso vor, wie bei der Königlichen, und ihre Zahl habe nicht angenommen. Nach den Preßkr liken müßte man glauben, wir hätten einen ganz undisziplinirten Poliztt- beamtenköiper und die schlechteste Polizei. Durch solche