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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marbnrg und Kirchhai«.
Druck und BttlagJoh. «»«. koch, UuiverfitätS-Buchdruckerei in Marburg, Berantworlich für di« Redaktion: Redakteur M. Hartmann
Redaktion md Expedition: Markt 21. VVIHHUyVVIUH« in Marburg.
JS 38.
Telephon 66.
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Lluartal-Abonncments-Preis bei der Expedition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile oder derru Raum 10 Pfg.. Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
Marburg
Dienstag, 15. Februar 1898.
Anzeigen nimmt entgegen die Expeditiou diese« Blatte«, sowie die Anwmcen-Bureaux von Haasenstei« & Vogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Mosse in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln, C. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hauuov«, Pari«
33. Jahrg.
Telephon 65.
Zweites Blatt.
(Nachdruck verboten.)
l^erftannf.
Roman von O. Elster.
(Fortsetzung.)
Er rieb die Schläfe» und die Herzgegend des Kindes mit der Essenz ein. Die Kleine seufzte einige Male tief auf, dann öffnete sie die Auge» und versuchte sich emporzurichten. Kraftlos fiel sie zurück, indem sie die Augen wieder schloß.
„Sie wird in tiefen Schlaf verfallen," sprach Arno, „hüllen Sie sie in Decken warm ein, damit sie in Schweiß geräth . . . beruhigen Sie sich, gnädige Frau, die Gefahr ist vorüber."
„O wie soll ich Ihnen danken . . . aber was war es nur?"
, „Darf ich mir einige Fragen erlauben?"
„Ich bitte
„Hat das Kind schon öfter diese Anfälle gehabt."
„Nein, niemals."
„Es war schwer krank?"
„Nein, aber stets schwächlich und reizbar. Deß- halb reiste ich mit ihm nach dem Süden, damst es sich erhole. Die Aerzte schickten mich dann hierher, um die Salzbäder zu gebrauchen."
„Ja, die arme Kleine ist schwächlich, etwas blutarm, nervös, die hiefigen Soolbäder werden ihr gut thun. Vor Allem aber Ruhe, stets frische Luft, au der See oder im Wald."
„Und diese Ohnmacht?,
„Es war ein Krampf, Epilepsie ..."
„O mein Gott..."
„Bei sorgfältiger Pflege, bei stetem Aufenthalt in frischer Luft wird es sich nicht wiederholen. Darf ich Ihnen etwas aufschreiben?"
„Ich bitte . . . o, wie gut, daß Sie gerade hier waren I"
Arno lächelte.
„Und doch wollten Sie mich fortschicken?"
Eine tiefe Gluth übeiflammte ihre Wangen. Sie senkte die Augen.
„Herr Baron!
Sie reichte ihm die Hand, die er ergriff und an die Lippen sührle.
„Ich glaube, gnädige Frau, wir haben Beide sehr, sehr thöricht gehandelt."
Der Kellner trat wieöer ein, „Der Herr Sanitätsrath ist nicht zu Haus. Er befindet fich mit einigen Herrschaften der Badegesellschast auf einem Ausflug nach dem Rhein."
„Lassen Sie den würdigen Herrn nur, gnädige Frau," sprach lächelnd Arno. „Ich glanbe Ihnen dieselben Dienste leisten zu können, wie der Herr Sanitätsrath ... hier, mein Freund," wandte er sich dann an den Kellner, „besorgen Sie das so rasch wie möglich vou der Apotheke."
Der Kellner verschwand. Arno beugte fich nochmals über das Kind und lauschte dessen ruhiger werdenden Athemzügen.
„Es schläft sanft und ruhig," sagte er fich empor- richtend, „ich darf mich beurlauben."
„Nein, nein," unterbrach ihn Elftiede hastig, „ich bitte Sie, bleiben Sie noch, Elftiedchen könnte wieder kränker werden und dann — ich habe Ihnen Unrecht gethan, ich möchte es gut machen."
I» seinem Herzen quoll die warme, freudige Empfindung empor, welche er früher stets gefühlt, wenn er an ihrer Seite weilte. Ihr Stolz, ihre Zurückhaltung, ihr Trotz waren verschwunden; eine um das Leben ihres Kindes bangende Frau stand vor ihm und erhob die sanften, im feuchten Glanze schimmernden Augen zu ihm. Die Reinheit des Herzens leuchtete aus den Augen hervor und verklärte daS schöne Antlitz mit lieblichem Schein. Wie hatte er nur dieser Frau so rücksichtslos gegenüber treten können?! Wie hatte er sich von den Ver- läumdungen der Welt so bethüren lassen können, daß er das Vertrauen zu dieser Frau verloren^ hatte? Heiße Scham und Reue schüch.n sich in seine Seele, er ergriff ihre Hand, die sie ihm bittend rechte und sprach tief bewegt:
„Verfügen Sie über mich, Elfriede. Was ich vermag, meine ganze Kraft, meine Wissenschaft — Alles gehört Ihnen und Ihrem Kindel Verzeihen Sie mir! Ich hatte mich selbst verloren, jetzt, jetzt habe ich mich wiedergefunden — mich selbst und — Sie--.*
„Ich danke Ihnen," flüsterte sie, um dann mit sanftem Lächeln hinzuzusetzen, als er wieder nach seinem Krückstock griff, um sich zu stützen: „Sehen Sie, wie egoistisch ich bin! Ich sorge nur um mich und mein Kind, und doch find auch Sie leidend und bedürfen
der Ruhe! — Da, hier in dem Sessel nehmen Sie Platz — Dortche«, eine Fußbank."
Lachend ließ es sich Arno gefallen, daß Elfriede einen Sessel herbeirollte und Dortchen ihm eine Fußbank unter den kranken Fuß stellte. Dann sprach er „Und Sie, gnädige Frau, wollen Sie sich nicht auch setzen?"
„Ich bleibe bei meiner kleinen MauS."
„O, die Kleine schläft ruhig! . . . . Und ich denke, Dorothea wird am Besten thun, wenn fie Elfriedchen in ihr Bettchen legt. Dort ruht sie fich besser aus."
„Ja, ja, Herr Baron," entgegnete die Alte, „das ist auch meine Meinung. DaS Bett ist daS beste Heilmittel."
Die Alte trug das Kind in das Nebenzimmer. Frau v. Santen wollte folgen, doch Arno hielt sie zurück.
„Bleiben Sie nur, gnädige Frau. Das Kind ist außer aller Gefahr. Einige Stunden der Ruhe werden es vollständig wieder herstellen. Ich habe Ihnen viel zu sagen, gnädige Frau, vor Allem Sie wegen meines prüsken Bettagens um Verzeihung zu bitten."
„Ach, sprechen wir doch nicht von mir! Ich habe mich noch nicht einmal erkundigt, wie es Ihnen ergangen ist und doch sind Sie front — ja man hat Sie schon tobt gesagt."
„Also haben Sie sich doch meiner erinnert?"
„Den einzigen Freund, de» man hatte, vergißt man nicht so leicht."
„Ah, ich danke Ihnen, und Sie, Elfriede, Sie haben viel gelitten?"
Sie starrte mit düsterem Auge vor sich hin, dann athmete sie tief auf und entgegnete mit tonloser Stimme: „Es ist überwunden. Lassen wir ba8 Vergangene vergangen sein."
„Sie nannten mich Ihren Freund — verdient der Freund nicht Vertrauen?"
Sie reichte ihm die Hand. „Ich vermag nicht, darüber zu sprechen. Glauben Sie nicht, daß ich Ihnen nicht verttaue, aber wozu die alten Wunden auf» reißen? Sie haben ja erfahren, wie sich mein Leben gestaltet hat, ich habe mich von meinem Gatten getrennt . . ."
„Ja, man hat es mir erzählt — aber wie erzählt — o gnädige Frau, jetzt weiß ich, ein wie großes Uürecht man Ihne» zugefügt hat."
(Fortsetzung folgt.)
Auszug aus den Staudesbücher« Ves Kgl. Preutz. Standesamtsbezirks Marburg.
Vom 5. bi« 12. Februar 1898.
Verehelicht«.
Schreiber Johann Georg Dinkel von Niederstetten, mit Anna Katharine Hamel von Betziesdorf, beide wohnhaft hier.
G estorbene.
Todtgeb. T. de« Gerbergesellen Christoph Mootz.
Marktberichte.
Marburg, 12. Februar. Der heutige Wochenmarkt
war gut besucht.
Butter kostete per Pfd. 90 bis 100 Pfg.
Hühnereier 2 St. 12—13 Pf. Gänseeier p St. 13 -14 Pfg. Käse per Stück 10—12 Pfg.
Käscher: 5 Stück 20 Pfg.
Kochkäse per Pfd. 40 Pfg. Käsematte per Stück 5 Pfg.
Bienenhonig p. Pf. 80 - 90 Pf. Aepfel 6-6 St. 10 Pfg.
Aepfel per Korb 3.60-4 Mk Erbsen 2 Liter 20—25 Pfg. Linsen 2 Liter 60 Pfg.
Unterlohlrabi per Stück 8 bi« 10 Pfg.
Blumenkohl per Stück 30 bis 50 Pfg
Rosenkohl p. 30 Liter Pfg. Salat p. Kopf 17-18 Pfg.
Endivien p. St. 5—IC Pfg. Wirsing p. St. 10—20 Pfg. Weißkraut p. Kopf 10-16 Pf. Roihkraut p. Kopf 20 - 40Pf. Radischenp.Packl0-15Pf. Rxtlig per Stück 10 Pfg.
Möhren p. Korb 1.60 Mark. Hafergrütze p. Ltt. 35 Pf.
Zwiebeln p. Pfd. 10-12 Pfg Perlzwiebel per Pf. 30 Pfg. Knoblauch per Knolle 6 Pf. Wolle per Pfd. 1,00 bis 1,20 Mk.
Tauben das Paar 70 Pfg. Enten p. St. 1,60—1,80 Mk. Hühner p. St. 91—120 Pfg. Hähne v. St. 100-160 Pfg. Reh per Pfd. 60 Pfg.
Waschklammern 100 St. 1 Mk.
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Um weitere Gaben bittet
Die Expedition der „Oberhesstschen Zeitung."
Durch die „Oberhcsstsche Zeitung" sind uns ferner zugegangen 36 Mark 30 Pfennig, welches ich hierdurch dankend quittire.
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