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Vrrantworlich für die Redaklion: Redakteur M. Hartmann in Marburg.
Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg nnd Kirchhain
9 Stoattton «d Expedition: Markt 31. in«.*«, Jllustrjxtes Sonntagsblatt.
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Telephon 56.
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Quartal-Abonneinents-Prci? bei der Expedition 2 SOtt., bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Jette oder deren Raum 10 Pfg.. Reklamen für die Seilt 25 Pfg.
Marburg
Dienstag, 8. Februar 1898.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blattes, lowie die Annnucen-Bureaux von Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M., Caffel, Magdeburg und Wien; Rudolf Masse in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln, C L. Daube & Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Pari»
33. Jahrg.
Telephon 55.
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* Die Reichstagswahlen liegen zwar noch in einiger Ferne, aber immerhin ist es jetzt Zeit, daß sich ein jeder deutsche Wähler besinne, wie er am Besten sein Reichstagswahlrecht anwende. Dieses Recht ist das vornehmste Recht des in seinem großen, schönen deutschen Vaterlande wohnenden Mannes. Ein jeder, ob hoch oder niedrig, besitzt es in gleichem Maße. 58 ist seinerzeit vom Fürsten Bismarck in die Reichs- versassung mit dem Bestreben für jeden Deutschen eingestellt worden, daß es ein Kilt sein möge, der alle Deutschen in dem Bewußtsein Zusammenhalte, Mitwirken zu können durch sein Wahlrecht am AuS- bau der Dinge im deutschen Reiche. Daß es von vielen Deutschen, ja zuweilen, wie noch bei den letzten Wahlen, von der Mehrheit der sich am Wahl- alt betheiligenden Wähler in herzlich wenig deutschem Sinne ausgenutzt worden, ist zu bedauern. Es hat einen jammervollen Eindruck machen muffen, als die Majorität des noch jetzt tagenden „Jnbiläums"- Reichstages dem Reichskanzler Fürsten Bismarck die Reichstags-Ehrung zum 80. Geburtstage verweigerte, «nd als bei Eröffnung des deutschen Reichstages im neue» deutschen Reichstagsgebäude die Sozialdemokraten beim Hoch auf den Kaiser sich nicht von den Sitzen erhoben. Das sind bezeichnende, die reichstreue Wählerschaft mahnende und warnende Vorkommnisse, die so recht davon Zeugniß ablegen, wie durch nicht richtige Anwendung des Wahlrechts die Mehrheit der gewählten deutschen Volksvertretung zu einer Parlaments- Majorität werden kann, die ihres Charakters als deutsche Volksvertretung sich zuweilen völlig entkleidet.
Die Hauptfrage also für den deutschen Wähler bleibt Angesichts der kommenden Reichstagswahlen immer die: Wir wende st Du Dein Wahlrecht am Be st en an? In Beantwortung dieser Frage hat sich als seine vornehmste Pflicht der Wähler allzeit vor Augen zu halten, daß er es anwende zu« Heile seiner deutschen Kation, seines deutschen Vaterlandes! Das Partei-Interesse des Wählers, das Interesse für seinen Stand, sein wirthschaftliches Interesse, stehen gegen diese» Ziel erst in zweiter Linie. Vor allem Anderen ist vom Reichstags- Wähler zuzusehen, daß er einem Manne von echter deutscher Gesinnung seine Stimme g i e b t, dem in der Brust ein deutsches
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(Nachdruck verboten.)
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Roman von O. Elster.
(Fortsetzung.)
Am nächsten Morgen reiste Elfriede mit ihrem Kinde und der alten Wärterin nach Berlin zurück.
Die Saison in Bad Kreuznach stand auf dem Höhepunkte. Der Fremdenzufluß war in diesem Sommer reichlicher denn je; besonders das Ausland hatte zahlreiche Reisende, Touristen, Erholung und Genesung Suchende nach dem romantisch gelegenen Badeort, der lieblichen Perle des NahethaleS, gesandt. Bad Kreuznach selbst zeigte sich in seinem schönsten Gewände. Die Insel, welche vom murmelnden Gewässer der Nahe nmrauscht, in das schattige Grün der Alleen und HartenaNlägen gehüllt, den eigentlichen Badeort trägt, öem sich durch eine alterthümliche, aus grauen Steinen errichtete Brücke verbunden, die Altstadt mit ihren krummen, winklichen Gassen und Gäßchen anschlteßt, war der Tummelplatz aller Nationen geworden. In der Wandelbahn, umgeben von schattigen Bäumen des Kurparkes, schritten die Heilung Suchenden schon stütz mn Morgen zur Elisabethquelle an der äußersten Spitze der Badeinsel. Man plauderte in allen Sprachen der Welt; man lauschte den Klängen der Kurkapelle und Miefte sich in das duftige Grün des Parkes, welcher sich am Ufer der Nahe entlang zieht. Dann folgte eine Zett der Ruhe. Die Gäste suchten ihre Hotels N, um das kräftigende Bad zu nehmen. Nur hin und wieder sieht man einen Spaziergänger in den Laubgängen des Parkes, einen Herrn oder eine Dame wit einem Buche in der Hand auf einer einsamen Bank in beschaulicher Ruhe sich nieberldffen. Am Nachmittag
Herz schlägt von der Art unseres größten deutschen Staatsmannes, des Altreichskanzlers int Sachsenwalde ! lieber Alles, was er sonst erstrebt auf dem Gebiete staatsmännischer Thätigkcit, ist es ihm, beispielgebend für alle Reichsbürger, in erster Linie von jeher darum zu thun gewesen, in d e u t s ch e m Sinne zu handeln, nationalen Sinn und nationales Bewußtsein in Aller Deutschen Herzen zu wecken, ein großes und mächtiges deutsches Vaterland zu schaffen und zu festigen!
Mit Gottes Hilfe ist durch eines Fürsten Bismarck Staalskunst, durch des Kaiser Wilhelm I. Weisheit, durch große Männer aus großer deutscher Zeit, durch die Einigkeit der deutschen Fürsten, die sich treu um ihren Kaiser geschaart, durch Preußens, wie schließlich das deutsche tapfere und wohldisziplinirte Heer dieser Gedanke, dieses Sehnen des deutschen Volkes verwirklicht worden. Lange hat es in seinen Liedern gesungen, das Volk der Deutschen, von feiner Einheit, vom Traume eines großen geeinten Vaterlandes, bis dieses schließlich nach dem schleswig'schen, nach Bruderkriegen, nach dem Siegeszuge gegen den Erbfeind, herrlich erstanden, bis im Spiegelsaale des Lustschlosses zu Versailles, an der Prunkstätte der einstigen Könige und Kaiser des Erbfeindes, die deutschen Fürste» unter dem Jubel der geeinten Nation dem König Wilhelpr die deutsche Kaiserkrone auf das Haupt gesetzt. Um den alte» Kyffhäuserthurm krächzten nicht mehr die Raben, Kaiser Rothbart war erwacht, und an der Stelle seines Harrens auf die Wiederkehr deutschen Kaiser- thums steht heute ein herrliches Denkmal, weit hinausragend vom Kyffhäuser i« die goldene Aue, ein Wahrzeichen deutscher Kriegerliebe zu ihrem großen Heldenkaiser Wilhelms I.!
Und wie er allzeit demüthig gewesen, dieser große König mit dem fürstlichsten Herzen und dem Allmächtigen droben die Ehre gegeben, so ist er es als Kaiser gebliebe« bis an seines Lebens Ende. Gottesfurcht, Pflichttreue und Liebe zu seinem deutsche» Volke, sie waren es, die sein Wesen umkleidet bis zu seinem letzten Athemzuge. Und als wolle Gott ein sichtliches Zeichen geben den Deutschen von seiner Gnade, ließ er diesen Kaiser in schon hohem menschlichen Alter noch 17 volle Jahre regieren auf dem Kaiserthrone, ehrwürdig und ruhmreich, wie es selten Sterblichen vergönnt an Thrones statt! Und bann, als wir seine Palabine unb ihn selbst zur ewigen Ruhe gebettet, als sein herrlicher Sohn nach kurzer Regierung durch heimtückische Krankheit uns genommen, eine deutsche Eiche gefällt durch den Wurm, da hat unser jetziger Kaiser Wilhelm II. vor nunmehr bald
10 Jahren den deutschen Kaiserthron geerbt, Krone und Scepter des deutschen Reiches übernommen und dazu all' die Liebe und Verehrung, mit denen ein deutsches Volk, die Männer der deutschen Treue, an seinem ersten Kaiser gehangen. Und d a s E r st e, was dieser damals noch jugendliche Kaiser, dessen Knabenzeit erfüllt gewesen vom Ruhme deutscher Helden und von neuem Glanze der Hohenzollern und der deutschen Einheitsmacht, gethan bei dem Antritt des Erbes der großen Vorfahren, das ist das Ge- löbniß gewesen, dieses Erbe treulich zu wahren nnd zu schützen, ein Hüter des Friedens zu sein und der erste Diener zu sein seines deutschen Volkes. Wer will besteeiten, daß er dieses später erneuerte Gelübde allzeit befolgte mit seltener Energie, mit rastlosem Mühen um des Reiches unb Volkes Wohlfahrt unb als Friedenshort in eminentestem Sinne am Enbe eines Jahrhunderts, bas mit ben blutigen Kriegen bes corsischen Eroberers begonnen, unb mit Betätigung aufrichtigen Friebensschntzes burch die Monarchen der continentalen Hauptmächte unter Führung des deutschen Kaisers endet!
Umschau.
Eine dem Reichstage zugegangene, auf Veranlassung des Reichsmarineamts zusammengestellte Denkschrift über die Ausgaben für die Flotte u»b das Landheer unb ihre Stellung im Haushalt der w i ch t i g st e n G r o ß st a a t e n bezeichnet als Ergebmß der umfangreichen Untersuchungen im Wesentlichen Folgendes: Deutschlands bis- herige Flottenausgaben stehen hinter denjenigen aller europäischen Großstaaten, Oesterreich ausgenommen, und hinter de« Vereinigten Staaten zurück. Trotz des außerordentlichen Aufschwunges des SeehandelS und der Handelsflotte feit 1880 wuchsen die Marine- auSgabe» seitdem nicht stärker an, sondern betrugen durchgehends weit weniger als diejenigen der anderen Staaten. 2) Die Aufwendungen für die Landes- vertheidignng überhaupt, einschließlich der Aufwendungen für die Schuld, sind gegenüber den anderen Großstaaten sehr mäßige. Sie sind im Vergleiche zur Gesammtheit der öffentlichen Ausgaben niedriger als irgendwo sonst. 3) Die Belastung der Bevölkerung durch öffentliche Abgaben ist zumeist sehr viel geringer als in irgend einem Großstaate Europas oder Amerikas; namentlich bleiben die Anforderungen für das Heer und die Flotte an die St euet kraft weit hinter allen anderen Großstaaten zurück. Mit dem Jnkrafttteten des Gesetzes sind in den laufenden Jahren bekanntlich zu bauen 11 Linien
versammelt sich das gefammte Badepublikum im Kurpark. Gewählter sind die Toiletten, welche die Damen entfalten; eine heitere Gesellschaft scheint auf bei Terrasse bes Kurhauses vereint zu sein; auf ben Promenaden fluthet die bunte Menge hin unb toieber; auf ben breiten Wiesenflächen tummeln sich bie Kinder in lustigen Spielen; die Kurkapelle läßt heitere Weisen ertönen unb Heller warmer Sonnenschein ruht lachend über dem buntfarbigen Bilde.
Während nach Süden sich bie wellenförmige, weingesegnete Ebene ausbreitet, thürmen sich gegen Osten, Norben, Westen felsige Berge empor, baS Bad gegen jeden herben Lufthauch schützend. Wie eine Landzunge in einen großen See schiebt sich der rebenbegrenzte Kauzenberg gegen bie Ebene vor. Seinen Gipfel krönt ein kleines Schloß und aus hohem Piebestal weithin sichtbar der steinerne Löwe, den einst Johann von Sponheim seinem tapferen Lebensretter als dauerndes Denkmal errichten ließ. Wilde, pittoreske Felswände, waldgekrönte Berge schließen sich dem Kauzenberg an und folgen dem Lauf der Nahe auswärts bis zu dem romantisch in einem felsigen Thal gelegenem Schwesterbad Münster am Stein. Das enge Thal schließt eine mächtige Porphyrwand mit den Trümmern der Burg der Rhein und Wildgrafen. Hier liegt das schattige düstere Huttenthal, in dem der streitbare Held der Feder unb des Schwertes Ullrich v. Hutten Abschied nahm, um hinaus zu ziehen in den Kampf. Drüben steigt die Ebern bürg empor mit dem wiederhergestellten Schloß Franz v. Sickingeus und dem Denkmal der beiden Kampsbiüder, Franz v. Sickingen und Ullrich v. Hutten. Weiter gen Norden erheben sich die gewaltigen röthlichen Porphyrmassen des Rothenfels mit senkrechten, geklüfteten Felswänden, tiefen Schluchten
und hohen pyramidenförmigen Zacken. Von seinem Gipfel schweift der Blick hinaus in den Garten der bayrischen Pfalz. Drüben auf dem Berge werden die weitläufige» Trümmer der Altenbaumburg sichtbar, ihnen gegenüber erhebt sich der Lemberg, auf seinen langgestreckten Rücken die Ruinen der Burgen Montfort nnd Moschellandsberg tragend.
Ueber Thäler und Berge irrt bas Auge bis zu bem bunklen Soonwald unb zu bem Riesendom des Donnerberges, bes Sitzes beS uralt-germanischen Gottes Donar.
Wahrlich, ber Maler unb Dichter Friedrich Müller, der Freund Goethes, hatte Recht, als er von seiner Heimath begeistert auslief: „Ja, du bist es, schöne vortteffliche Gegend, die Kummer verjagen und Freude dem Herzen bringen kann! Sanfter fließet bas Leben in Dir, freundlicher schweben die Jahre; die Wolken, bie leuchten unb fahren sanfter, wenn sie spielenb ber Wind hinträgt an beinen Gebirgen. Ihr Pappeln, Erlen unb Weiben ber grün bewachsenen Ufer des lieblichsten Stromes, an beten Schatten ich zuerst in Jugendinbrunst hing, sich zuerst mein Herz aufschloß bem Dranggefühl allmächtiger Natur--!*
Diese (gebauten spiegelten sich auch auf bem schönen, ruhigen Antlitz einer Dame wieder, welche auf ber äußersten Spitze des Felsens, dem die Elisabethquelle entspringt, stehend, die tiefblauen Augen über den Fluß und die rebenbegrenzten Berge schweifen ließ.
Ein einfach elegantes, hellgraues Kostüm ließ die schlanke, mädchenhafte Gestalt ber jungen Fran vor- theilhaft hervortreten. Ein leichtes, mit Veilchen geschmücktes Capothütchen ruhte auf bem braunen Haar,
schiffe, 5 große Kreuzer, 17 kleine Kreuzer,^ 3 Kanonenboote unb 7 Torpebobootsbivisonen. Einschließlich ber Kosten für bie gegenwärtig noch im Ban befinblichen Schiffe im Betrage von 63,5 Mill. Mark betragen bie Gesammtkosten bis zum Jahre 1904 410,3 Millionen Mark, bie nach 1904 noch fälligen Bauraten werben auf 72,5 Millionen Mark angegeben; bie Gesamuttbaukosten ber neuen Schiffe belaufen sich sonach auf runb 419,3 Mlll. Mark. Am Schluß ber siebenjährigen Bauperiode, also im Jahre 1904, wirb unsere Flotte folgenden Bestand aufweifen: Die Schlachtflotte wird enthalten: 47 Schiffe, und zwar 17 Linienschiffe, 8 Küsten-Panzerschiffe, 6 große Kreuzer und 16 kleine Kreuzer. An Auslandsschiffen werden wir besitzen: 3 große Kreuzer, 10 kleine Kreuzer, 4 Kanonenbonte und ein Stations- schiff in Konstantinopel, insgesammi 18 Schiffe. Des Weiteren werden wir 17 Schulschiffe und 8 Spezialschiffe haben. Der Bestand an Seeossizieren vom Unterlieutenant zur See aufwärts bis zum Admiral beträgt im Etat 1897/98 760, er wird im Jahre 1904 1100 betragen, also eine Vermehrung von 340 ober im Durchschnitt jährlich von 49 Offiziiren erfahren. Der Bestand an Maschineningenieuren beträgt gegenwärtig 102, er wird sich im Jahre 1904 auf 180 belaufen. In diesem Zeitraum wird der Bestand an Aerzten von 122 auf 182, an Zahlmeistern von 78 auf 121 unb endlich an der Mannschaft (Deckoffiziere, Wachtmeister, Maate, Gemeine) von 17066 auf 25039 steigen. Die Geldverpflegung für das Gesamrntpersonal wirb im Jahre 1904 auf 19154203 Mark berechnet, bie Gesammtkosten ber Jndiensthaltung des so erstarkten Schiffskörpers werben 26 883 062 Mark betragen.
Wie aus Washington gemelbet wirb, hat bart cm 4. Februar im Kolonialrath der Kabinetssekretär für Ackerbau erklärt, es sei unzweifelhaft und bekannt, daß Obstkraikheiten durch Obst übertragen und auf gesunde Bäume auf große Entfernungen verpflanzt werden könnten. Das Vorgehen Deutschlands dürfte daher angemessen sein und Deutschland sei offenbar in seinem Rechte gewesen. Weder Mac Kinley noch irgend einer der Minister seien geneigt, ein Urtheil in der Sache abzuzeden, bevor endgültige Informationen . eingetroffen seien. Die amtliche „Berliner Korrespondenz" schreibt überdies zu dieser Angelegenheit: „Das Vargehen der Regierung gegen die Einfuhr amerikanischen Oostes ist in der Presse mehrfach Gegenstand des Angriffs gewesen. Die nachfolgende Darstellung des Sachverhalts wird diese Vorwürfe als unbegründet er-
das sich nur unwillig in die strengen Flechten ein« zwängen ließ. Ein bläulicher Schleier umflatterte das schöne Haupt, das stolz und ruhig auf den runb:n Schultern saß, leicht nach ber einen Sette gebeugt, durch welche Bewegung der unnahbare stolze Ausdruck lieblich gemildert wurde. Die weichen Formen des Antlitzes, die schwellenden, rothen Lippen, die strahlenden, tiefblauen Augen, der rosige Schimmer der Wangen, das Alles wollte nicht recht zu dem melancholichen Ausdruck passen, Welcher sich oft zu tiefer Traurigkeit und Müdigkeit verdüsterte. Die Frau, Welche kaum die Mitte der zwanziger Jahre überschritten haben konnte, mußte bereits trübe Erfahrungen hinter sich haben. Einsam und stolz, wie eine schlanke sturmgewohnte Tanne auf felsigem Gipfel, stand sie da. Einsam und stolz, aber auch frei und stark!
Vom Kurhaufe her, drangen die ersten Töne der Abendmusik. Der Park die Wanbelbahn, welche zur Elifabethenquelle führte, füllten sich mehr unb mehr mit Spaziergängern unb biunten an ber Quelle brängte sich bie Menge mit ihren Gläsern unb Krügen, sodaß bie beiben Mädchen kaum genügten, um bie Gäste zu bebienen.
Die Sonne versank hinter dem Rothenfels; die gewaltigen Porphyrmassen erstrahlten in bläulich-rothen Tinten, ein leichter Nebelschleier schien sich über das liebliche Nahethal zu legen unb ein feiner, feuchter Dunst flieg voll bem Wasserspiegel des Flußes empor.
„Komm, Marrs," wandte sich die Damme zu einem etwa fünf bis sechsjährigen kleinen Mädchen, welches zu ihren Füßen mit einigen bunten Kieseln spielte, „es wird Abend und kühl und feucht, wir müssen nach Haus."
(Fortsetzung folgt.)