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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg nnd Kirchhai«.
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Telephon 55
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Quartal-Abonnements-Preis bei der Expedition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. (ejfl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile »der deren Raum 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
Marburg
Donnerstag, 20. Januar 1898.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blattes, wwie die Ann-ncen-Bureaux von Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M., Cassel. Magdeburg und Wien; Rudolf Mofse in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln, C. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris
33. Jahrg.
Telephon 55.
gegeben habe, mit der sie in den Wahlkampf ziehen kann. Ich werde mit dieser Parole auch in den Wahlkampf ziehen. Wenn Sie mir Dank dafür wissen, haben Sie doch keinen Grund, mich anzugreifen; ich habe Ihnen einen Dienst geleistet und wunde, e mich, daß Sie mich daraufhin nicht zum Ehrenmitgltede der sozialdemokratischen Partei wachen. Herr Wurm sagt, es handle sich darum, die Arbeiter zu Sklaven, zu Hörigen zu machen. Dafür wird das Circular angeführt, über dessen Erwerbung durch den „Vorwärts" ich mich noch auslassen werde. Es wird dabei übersehen, daß es sich dloS um eine Anfrage an die Regierungen handelt, ob sich solche Maßregeln als nötbig herausgestellt haben, und der vorzugsweise angegriffene Passus ist die wörtliche Uebernahme einer Stelle aus einer Eingabe des geschäftsführenden Ausschusses des Jnnungsoerbandes an den Bundesrath. Es ist bei unS eine große Anzahl ähnlicher Anfragen eingelaufen, darauf gerichtet, ob in der That bei Streiks ein solcher Terrorismus geübt wird gegen die Arbeitswilligen, daß der Staat zu ihrem Schutze einschreiten muß. Wenn wir das thun, steht nicht die bürgerliche Freiheit auf Ihrer Seite, sondern wir vertheibigen fiel Ich kenne kein größeres Unrecht, als einen Arbeitswilligen an der Arbeit zu verhindern. Wir haben die Waffen und w-rden sie, wenn dieser Terrorismus angewendet wird, rücksichtslos zur Anwendung bringen. Der „Vorwärts" spricht vom Wahlkampfe und sagt: Graf Posadowsky wird diesen Kampf nicht überleben. Solche Redensarten lassen mich kalt! Wir werden den Kampf durchführen. Die Zustände in England können wir nicht als Vorbild betrachten, wo die Unternehmer die arbeitswilligen Arbeiter entlassen müssen nach dem Willen der Arbcster. Da wird die Fabrik ein Kollektiveigenthum. Es ist Uebertieibung, wenn gesagt wird, wir wollten die Koalitionsfreiheit der Arbeiter vernichten. Der Vorredner hätte nur das Rundschreiben lesen sollen, daS von grundsätzlicher Aufrechterhaltung der Koalitionsfreiheit spricht. Der Arbeiter sucht wie jeder andere Mensch seine Arbeitsbedingungen zu ve,bessern; aber nicht ver- theidigt werden kann, was verboten werden soll: die Verrufserklärung und Bedrohung der Arbeiter. Der Vorredner hat auf Herrn v. Berlepsch exemplificiri. Einen unglücklicheren Kronzeuge» konnte er nicht ansühren, denn di. sei hat ausdrücklich in der Kommission des Reichst rgS erklärt, daß die Verb. Regierungen den § 153 der Gewerbeordnung für durchaus nothwendig hallen, diese Erklärung auch im Plenum wiederholt und darauf hingewiesen, daß der
Reichstag in späteren Zellen vor dieselbe Frage gestellt werden würde."
Wenn die Sozialdemokratie diesen Terrorismus, wie er sich erst bei dem großen Hamburger Ausstande in so abstoßenden Formen gezeigt hat, in Schutz nimmt, so beweist sie dadurch, daß sie solche niedrige Kampfmittel als berechtigt betrachtet. Sie zeigen damit wiederum, daß, wie auch jüngst (bergl. unsere Nr. 14 unter Umschau) die „Franks. Ztg.", nicht daS Interesse der ganzen Arbeiterklasse wahrnimmt, sondern immer nur die Herrschaftsgelüste der sozial- demokratischen Parfeiagitatoren im Auge hat. Bei der Ausübung dieses Terrorismus auf Arbeitswillige stellt die Sozialdemokratie die Koalittonsfrevelt in Frage; denn sie sucht auf andersgesinnte Arbeiter durch Anwendung von Gewaltmitteln und Drohungen Zwang auszuüben.
Da in dem berühmten Lande der unbeschränkten KoalitionSfreiheit, in England, schon längst Bestimmungen bestehen und angewendet werden, wie sie bei uns dm ch den vorstehend erwähnten Erlaß angestrebt werden sollen, find alle Deklamationen über „Knebelung des KoalitionSrechtes" absurd. Der Arbeiter, welcher schaffen will, bat das Recht, staatlichen Schutz zu verlangen, wenn ihm dieser sein freier Wille durch sozialdemokratischen Terrorismus verschränkt werden soll. Ans die „Wahlparole" deS „Vorwärts" kann man es also getrost ankommen lassen.
Umschau.
Wie weit eS die Sozialdemokratie im Kampfe gegen die genüge Gesellschafts-Ordnung treibt, zeigt nachstehende, kaum glaubliche Meldung der „Franks. Zeitung" auS Bochum: „Der frühere Kasfirer des alten BergarbeiterverbandeS, Johannes Meyer, einer der Verurtheilten im Essener M e i n e t d s p r o z e ß, ist von den Sozialdemokraten des Wahlkreises Recklinghausen als Kandidat für die bevorstehende Reichstagswahl aufgestellt worden. Meyer befindet sich noch im Zuchthaus."
Im böhmischen Landtage gab am 17. d. Mts. der Statthalter Coudenhove eine Erklärung ab. Als der Statthalter zunächst deutsch sprach, wurde er von tschechischen Abgeordneten mit den Rufen: Tschechisch, tschechisch! unterbrochen. Nachdem der Oberstlandesmaischall energisch zur Ruhe gemahnt hatte, setzte der Statthalter feine Rede in deutscher Sprache fort: Namens der Regierung
Erstes Blatt.
Gegen den Mißbrauch des Koalitionsrechts.
** Dem nächsten Reichstage wird anscheinend ein Gesetzentwurf vorgelegt werden, welcher Bestimmungen birgt, durch die dem bisher vielfach wahrgenommenen Mißbrauche des Koalitionsrechtes bei Ausständen entgcgengetreten werben soll. Der Stellvertteter des Reichskanzlers, Herr Graf von Posadoweki, hat Mlich, wie aus einem vom „Vorwärts" infolge Lerttauensbruchs veröffentlichten Rundschreiben hervor- zeht, Erhebungen über die Frage angeordnet, ob sich licht das Bedürfniß herausgestellt habe, bei Arbeitrr- meständen den arbeitswilligen Personen gegen Verge- »alrigung und Einschüchterung seitens der Aus- -Sndigen oder anderer für diese eintretenden Personen einen kräftigeren Schutz als bisher zu verleihen. Erhebungen hierüber dürften umsomehr ein werthvolles Material erwarten lassen, als die letzten Jahre, namentlich 1896 und 1897 an Ausständen und
Snssperrungen in verschiedenen Berufszweigen besonders reich waren.
Die sozialdemokratische Presse ist natürlich ob dieses Vorgehens in Helle Entrüstung aus gebrochen; der „Vorwärts" behauptet dabei wieder einmal, Herr Graf von Posadowski habe mit diesem Erlasse eine Wahlparole gegeben, die bei den nächsten Wahlen die ganze Arbeiterklasse um da- Banner der Sozial- demokratie schaaren müßte. Das wird aber mit sichten der Fall sein. Es handett sich hier weder mn eine Einschränkung des Koalitionsrechtes — beim in dem Erlasse ist ausdrücklich gesagt, daß es ßch darum handle, bei grundsätzlicher Aufrechthaltung der Koalitionsfreiheit, dem Mißbrauche derselben ent- zegenzutieten, — noch um einen der Arbeiterschaft scindlichen Akt, sondern vielmehr nm Arbeiterschutz gegen sozialdemokratischen Terrorismus. Im Sinne deS „Vorwärts" sprachen natürlich auch vorgestern bie Sozialdemokraten im Reichstage. Uns scheint es geboten, hier zunächst die hier in Bettacht kommende Stelle der ttefflichen Rede nochmals und zwar etwas wsjührlicher wiederzugeben, die der Staatssekr beb Reichsamts des Innern Graf v. P o s a d o w «r Montag im Reichstag hielt. Sie besagt Wesentlichen:
„Der Sozialdemokrat, der vor mir sprach, gesagt, daß ich der Sozialdemokratie eine Wahlp
(Nachdruck verboten.)
Roman von O. Elster.
(Fortsetzung.)
Auch der Baronin Ulla war das veränderte Be- Ahmen ihres Schwagers nicht entgangen. Sie setzte M indessen leicht darüber hinweg. „Laß ihn nur, lübste Elfriede," sprach fie mit leisem Spo:t, „der Weltschmerz hat ihn wieder einmal gevackt. Arno ist ei» merkwürdiger Kauz, der seiner Familie schon manche Sorge bereitet hat. Vielleicht ist es auch die Liebe, Milche ihn so verändert hat."
:L Slftiebc erschrack. Sie hatte sich gegen den Ge- ”?!tn mit der ganzen Kraft ihres keuschen frauen- Mten Empfindens gewehrt, daß fich in sein Herz
i Liebe zu ihr eingeschlichen haben könnte. Sie Mte ihr Herz selbst in ft enge Obhut und Zucht ge- “ofcmen, und jetzt, jetzt sprach Ulla mit spöttischem «Übeln von dem G heimniß, weites niemals ansl rid)t des Tages kommen durste. Elstiede rang nach
| 'Hem, ihre Wangen färbten fich in glühendes Roth, Iw Augen irten mit angstvollem, hülfesuchenden SJid in die Ferne. Doch Ulla beuerkte in ihrer «fügen Weise die Verwirrung ihrer Freundin nicht; fie ^h»te fich in den Schaukelstuhl zurück und fuhr fort:
-Ja, es wird die Liebe fein! Man hat ihn
*nigÜeu8 beobachtet, wie er mit Elly v. Stetten ge» ■ Zeit in einem lauschigen Winkel beS PaikeS «rplanbert bat, nnd vielleicht iß ei bet klugen Elly gongen, die alte Liebe in feinem Herzen zu neuen üwwmen anzufachen."
: .Die alte Lieoe?"
u, •$Än ja, ei bestand früher ein zärtlichei Sei» WItnifj zwischen den beiden. Als Sinder spielten sie Mvnmen, während feiner UniverfitätSjahre schwärmte
er für EllyS blonde Locken und blaue Vergißmeiuicht- Augen, mein Gott, das ist ja Geschrnackiache. Ich finde Elly nicht im Mindesten hübsch. Sie ist von einer ordinären Gesundheit — aber gerade solche sensible Naturen, wie Arno, lieben ja öfter die derbe Gesundheit und Natürlichkeit."
„Baron ArnoS Benehmen gegen Fräulein v. Stetten ließ aus keine große Zuneigung schließen."
„In der That," lachte Ulla auf, „feine Leiden schäft scheint fich abgekühlt zu haben. Aber als Elly von der heimlichen Zwiesprache wieder in der Gesellschaft erschien, glühten ihre Wangen und blitzten ihre Augen, als wenn fie einen Sieg errang n hätte. Wer weiß — jedenfalls erfüllte Arno einen Lieblings wünsch seiner Mutter, wenn er sich berablaffen wollte, Elly v. Stetten zu yeirathen. Die Sitten'- find sehr wohlhabend, Papa Stetten wü de Elly als Mitrist fein zweites Gut Wittenmoor geben. Das spricht sehr zu Gunsten der Hettath."
„Aber Baron Arno braucht doch nicht nach Selb zu heirathen?!'
„Run," wie mon'8 nimmt. Die Grotenburg's haben stets auf großem Fuße gelebt, ihr Besitz ist sehr zusammengeschmolzen, außerdem ist ©rotenbürg Majorat und Arno ist der jüngste Sohn. Er hat sehr kostspielige Neigungen, denke nur an seine weiten Reisen, an seine Sammlungen. Ich begreife nicht recht, wie Mama und Erich solche Extravaganzen, die große Summen verschlingen, g statten können."
In ElstiedenS Herzen quoll ein bitteres Gefühl auf. Also auch in diesen Kreisen lpielte die Rückficht auf Gut und Geld eine große Rolle! Auch der edle! «eist ArvoS schmachtete in den F sstln deS Dämons Sol»! I
Sie e widerte nichts auf die Worte Ullas, welche • übrig nS auch feine Antwort erwartet zu haben schien, i Elfriede trat a die Balustrade der Beraub« und
blickte sinnenden Anges in den og-nfenchten Park hinaus, dessen nasses Laub jetzt in den Strahlen der Sonne erglänzte, welche soeben die grauen Wolken siegreich durchbrach. Immer mehr schob fich die dunkle Wolkenwand zusammen, sodaß der Himmel nach kurzer Zeit im reinsten Blau erglänzte. Frau v. Santen wandte fich wieder an Ulla.
„DaS Welter klätt fich ans," sprach fie im leichten Ton. „Der Nachmittag und Abend wird herrlich werden, möchtest Du mich nicht auf einem Spaziergang begleiten, Ulla?"
„Aber, liebstes Herz, Du weißt, daß ich Erich heute zurück erwar te. Ich kann wirklich nicht. Außer- dem ist der Boden noch so feucht und es tropft von den Bäumen. Aber Dich will ich nicht zurückhalten,
Baronin Ulla schützte stets den Haushalt vor, wenn fie fich au8 ihrer Bequemlichkeit herausreißen sollte ober wenn fie allein fein wollte. Sich selbst um den Haushalt zu kümmern, außer wenn ein großer Fest staltfiudeu sollte, fiel Ulla nicht ein. Elfti-de wußte es und lächelte zu den Worten ihrer Freundin. Aber auch fie empfand dar Bedürfniß, allein zu fein; so erwiderte fie:
„Die Nässe, liebste Ulla, soll mich nicht abhalten. Ich liebe den regeuftischen grünen Wald, auf dessen 2a b die Sonne glitzert. Ein Spaziergang in die frische Lust, nach einem tüchtigen Gewitterregen er= guickt Leid und Seele. W-nn Dn er gestattest, so gehe ich noch ein wenig in den Wald . . ."
«Geb' nur, geh' nur! Du bist eben solch' ein wunderlich romantisches Menschenkind, wie Arno. Ihr hättet vortteff.ich zu einander gepaßt."
Elfried erröthete. Dann entfernte fie fich, warf einen leichten seidenen Regenmantel über, küßte ihre ManS zum Abschied und schritt dann durch den Park, deu grauen Ruinen der alten Sroteubnrg zu. Der
erlaube ich mir nachstehende Erklärung abzugeben. Gegenüber den mannigfachen Beschwerden, die hinstcht- lich der S p r a ch e n v er or d n ungen vom 5. April erhoben werden, erachtet die Regierung es als ihre Pflicht, ihre Auffassung und ihre Absichten mit voller Deutlichkeit darzulegen. Die Regierung geht hierbei von der Anschauung au8, daß im Königreich Böhmen beide Landessprachen im Amte vollkommen gleichberechtigt find, daraus folgt, daß es jedem Bewohner des Königreichs Böhmen innerhalb der Grenzen des Lander zusteht, sein Recht bei allen fürstlichen Behörden, fei es in tschechischer, fei es in deutscher Sprache, zu suchen und zu finden, und so, tote diese Grundsätze für die Regierung unverrückbar feststehen, wird fie auch au der Einheit des Landes sowie an jener der Verwaltung und des Beamten« körpers unbedingt festhalten. (Beifall.) Innerhalb dieser Grundsätze jedoch ist die Regierung behufs Anbahnung friedlicher Zustände gern bereit, geäußerten Wünschen, die in thatsächlichen Verhältnissen begründet find, sobald als nur immer thunlich entgegen» zukommeu. Sie plant daher, vorbehaltlich einer eventuellen gesetzlichen Regelung, eine Neuordnung der sprachlichen Vorschriften in der Art, daß künftighin auf Grund der Ergebnisse der letzten Volkszählung zwischen einsprachigen und gemischtsprachigen Landesbezirken unterschieden werden soll, in welchen entweder die deutsche oder die tschechische oder endlich die beiden Landessprachen als innere Amts- und Dienstsprache Geltung haben sollen. Damit wäre nach Ansicht der R giernng beiden Nationalitäten gegenüber ein durchaus gerechtes und gleichmäßiges Vorgeh-n umsomehr be- thäligt, als auch bezüglich der sprachlichen Befähigung der Beamten an Stelle einer doch mehr theoretischen und zur rechten Zeit vielleicht nicht mehr vorhandenen Qualifikation das reelle thaisächliche Besmsniß allein maßgebend bliebe, und jeder Beamte bei voller Wahrung der Gleichberechtigung das an Sprachen- kenntniß besitzen müßte, was der Dienst bei der Behörde seiner Verwendung wirklich erfordert. Um jedoch in Zukunft im Königreich Böhmen genügend sprachlich qualificirte Beamte zu besitzen, wird die Regierung nicht ermangeln, für die nächste Landtags- sesfion Anträge vorzubereiten, welche eine grm bliche Aenderung in den Einrichtungen an Mittelschulen Böhmens behufs praktischer Erlernung der zweiten Landessprache bezwecken. (Bewegung auf den Bänken der Linken. Abg. Wolf ruft: Wir werden was malen.) An dem hohen Landtage wird e8 fein, schließt Redner, diese Anträge der Regierung seiner Zeit einer forgfäliigen und wohlwollenden Prüfung
große Hund ArnoS, welcher auf ber Beranba gelegen hatte, schloß fich ihr schweifwedelnd und mit einem Blick en, als wolle er fragen, wo bleibt denn mein Herr, der unS doch stets begleitet hat?
Die Ruinen der ©rote»bürg bildeten ein weites Trümmerfeld von zerborstenen Mauern, Thürmen und eingeftünten Gewölben. Brno hatte Elfriede erzählt, daß die Burg in dem siebenjährigen Kriege durch d e Franzosen erobert und ver rannt worden war. Der damalige Freiherr v. d. ©rotenbnrg war General in Preußischen Diensten gewesen. Die Grotenbnrg, welche eine Straße über daS Gebirge sperrte, hatte eine kleine preußische Besatzung erholten, deßhalb warb fie von den Franzosen als feindliche Festung behaudeft und nach einer mehi thägigen Beschi ßung erobert und von Grund aus zerstört. General v. d. Grotenbnrg und seine unmittelbaren Nachkommen hatten nicht die Mittel gehabt, die Burg wieder oufzubauen. Die Enkel und späteren Nachkommen hatten kein Interesse mehr an dem alten Gemäuer, welches somit in Trümmer liegen blieb. Noch jetzt sah man Spuren der Beschießung und deS Brandes an den mächtigen, rauchgeschwärzten Mauern. In dem Schutt fand man noch immer Kanonenkugeln und alte Waffen, welche dann dem Waffensaal in dem Schloß am Fuße deS Gebirger einverleibt wurden. Arn der üppig wuchernde Wald hatte mit feinem Grün die schwarzen Mauern überzogen, und in den Höfen, den feuchten Gewölben, auS den Rissen der Mauern, auf den zerstörten Türmen, überall erhoben sich Bäume, Busch- werk und breite FarrenkrSuter, welche dem alten Ge- mäuer ein fremttlicheS Aussehen verliehen. Den früheren Hanptdos überschattete eine breitästige Eiche, um deren knorrigen Stamm eine Bank lief. Hier hatte Fran v. Santen mit Aino oft gesessen, hier nahm sie «ch heute wieder Platz. (Forts. felgt)