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I»h. >«» Koch, UnivnfitLtS-Buchbrmkerei in MarbRrg, v«r<mtt»»rüich für bm eflg«metn*n Th«il: Redakteur M. Hirtmann,

Rtbettto« «Mb «rpebitt-o: Markt 21. ffr btn MmtattbtQ: Joh. Wig. «och, beide ta Marburg.

öchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

M 287.

TUephon 65.

Erschetst täglich außer an Werktagen nach Soun- und Feiertagen. — Quartal-SlbonnementS-PreiS bei der Expe­dition 2 M., bei allen Postämtern 2 Mk. 26 Pfg. (exll. Bestellgeld,. JnsertionSgebühr für die gespalten« Zelle »der deren Rau« 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 26 Pfg.

Marburg

Mittwoch, 8. Dezember 1897.

Anzeigen nimmt entgegen di« Sweditiou MtfH Blattes, sowie di« Annoucrn-Bureaux vou yaasrnsteio 4 Bögler in VVV11 CVnfcrn Frankfurt a. M., Laffel, Magdeburg und Men; Rudolf AAAI1.

Stoff« in Frankfurt a. M„ Brrlin, München u. Köln, 6. L. <r.r»n6nn 56

Laub. 4 So. in Frankfurt a. M.. Brrlin. Larmov«. Baris. xtitpqonoo.

Zweites Blatt.

Ein englisches Urtheil

6n hohem Interesse über Deutschlands Diffe- gnzen im Auslande liegt uns jetzt im Wort- stt aus dem „Daily Telegraph" vor. Das Lou- mer Blatt schrieb unterm 24. v. MtS.:

Die wahrscheinlich (inzwischen bekanntlich erfolgte, >, Red.) Ernennung deS Prinzen Heinrich von ireußen zum Befehlshaber der Ostasiatischen ftvision der deutschen Marine, die uns heute tagen von unserem Berliner Korrespondentin ge- iclbet wurde, ist berechnet, die Aufmerksamkeit auf jtntn unbesetzten Theil der Erdkugel und auf die lrstrengungen deS Vaterlandes, dort festen Fuß zu issm, zu lenken.

ES ist ein interessantes und belehrendes politisches Sreigniß, daß trotz seines natürlichen Wunsches nach Fliehen, Deutschland häufiger mit ftemden Staaten usestS des Meeres streitend gefunden wird, als seine iachbarn. Gegenwärtig z. B. hat eS Händel litdrei verschiedenen, west entfernt liegen» tu Mächten, Brasilien, Haiti und China, von men eS schnelle, reichliche Genugthuung wegen be- ougener Akte der Ungerechtigkeit gegen bestimmte «tsche Untertanen fordert.

In Hinblick auf das eiste dieser Miboerständnisse i es höchst wahrscheinlich, daß die Beschwerde nicht der den diplomatischen Weg hinausgeht. ES ist w Grund vorhanden, warum es das sollte, aus- mommen die veihängnißvolle Thatsache, daß der illsgang der Streitigkeiten mit fernliegenden Ländern »sehr von der Geschicklichkeit und dem Urtheil der krtrder der beiden Parteien abhängt. — In Palhoca t Brasilien wurde ein Lehrer, Namens Roth, der iücklicherweise deutscher Unterthan ist, angegriffen, hwer mißhandest von den Eingeborenen, unter Um- Icnbeit, die bis jetzt noch nicht ganz aufgeklärt sind, daraufhin hat der deutsche Konsul zu Desterro eine isortige gründliche Untersuchung der Thatsache ver- mgt, der eine gehörige Bestrafung der schuldigen iaitei erfolgen sollte und der Gouverneur von Santa Äharina versprach, Gerechtigkeit zu üben. Wenn er Brasilianische Geiichishof sein Versprechen hält, ab wir haben keinen Grund, daran zu zweifeln, so ihb dieser Zwischenfall ohne »eitere Schwierigkeiten tlebigt werden. —

Mit Haiti ist der Konflikt ernsterer Natur und it seine Wurzel in der Brutalität und Verderbniß, ie bis in daS Herz des halbwilden NegerstaateS edrungen ist. Ein deutscher Kaufmann, NamenS Abers, wurde unrechtmäßiger Weise durch die dortige folizei arretirt und einer Beleidigung beschuldigt, die r nie begangen hatte; er wurde grausam geschlagen ab ins Gefängniß geworfen. Der deutsche Minister 6taf Schwerin protestirte vergebens, und der übel »gerichtete Kaufmann wurde uicht eher freigelaffen, i» der Minister der Vereinigten Staaten dazwischen btt — Es kann von kein.r civstistrten Natton 6er» d»gt werden zu dulden, daß unschuldige Unterthaue» if solche Alt in anderen Staaten, am wenigsten ou einem uncivilifirten Negerstamme, behandest wer- «l. Hier kann ebenfalls kein Zweifel herrschen, Deutschland mit Recht Genugthuung verlangen ton. Mittlerweile find deutsche Kriegsschiffe nach fort au Prince beordert worden, und obgleich die ^Vlomatische» Beziehungen noch uicht gänzlich abge- foochen find, so ist der Streit in das letzte Stadium getreten.

Die Mißverständnisse mit China find noch weiter gegangen, kulminirend in einem Akt wirklicher Fehde. 3wei deutsche Missionare find durch chinesische Fana- titcr hingemordet worden, deren Haß nicht selten in folch heftiger Form ausbricht; der kaiserliche Gesandte »erlangte Bestrafung der Verbrecher. Die Regierung for himmlischen Reiches nahm sich Zeit, sich die Tache zu überlegen. Das deutsche Auswärtige Amt k6te einen Termin fest, den die Mandarinen vor- üdergehen ließen; und Kiao Chau, ein Seehafen von iOO 000 Einwohnern und unendlichen commercialen »ob strategischen Eigenschaften, ist jetzt durch die Marine des Vaterlandes besetzt worden. Es ist j'tzt

Deutschland und China betrifft, und die Methode, durch welche einer oder beide dieser Staaten es für richtig halten, den Streit zu schlichten, hat nur eir theoretisches Interesse für dritte Parteien. Die gegen­wärtigen Ursachen all dieser Mißverständniffe sowohl als ihre praktischen Folgen find so klar, daß sie keines Kommentars bedürfen. —

Weniger klar und viel iuteresfanter find die anderen und ursprünglichen Ursachen dieser fort­währende» Unruhen. In diesem Lichte bettachtet ind Deutschlands häufige diplomatische Unruhen nur >ie Wehen der Ausbreitung, die Schmerzen und der Krampf des organischen Wachsens. Die Nation ist in eine kritische Periode ihrer Existenz eingetrettn und findet sich Schwierigkeiten ernsten Charakters gegenüber gestellt. Von einem Gemenge Heiner, zänkischer Staaten ist Deutschland ein mäch­tiges europäisches Kaiserreich ge­worden. Innerhalb eines Menschenlebens hat es sich aus einem Agrikultur-Staat auch in einen Industrie- Staat verwandelt. Die Mtttel, durch welche die ungeheure Vervollkommnung hervorgebracht wurde, find des höchsten Ruhmes werth. Wissenschaft, HandelSunternehmunge», Geduld und Beharrlichkeit waren die Hauptwaffen, mit denen die Deutschen fochten, um sich an die Spitze der europäischen Nationen zu stellen, und einen großen Antheil auf dem Weltmarkt zu gewinnen. Ihr wunderbarer Er­folg (wer auch zufällig darunter leiden mag) war, man muß es gestehen, „reichlich verdient!" und sollte von unserem Volke nicht als Grund zum Neid, sondern als Sporn zur Anstrengung dienen. Der commercielle und politische Ehrgeiz des deutschen Volkes jedoch ist noch nicht befriedigt. Es trachtet darnach zu werden, was Rom einst war, was Großbritannien und Rußland heute find — Weltmächte! Ja diesem Streben, welches er­laubt und löblich ist, ist es unmöglich eine Schuld zu finden; ober es kann nicht ohne übermenschliche Anstrengung erreicht werden.

Heut zu Tage geht der Verkehr mit dem AnS- lande und die politische Macht Hand in Hand, und keins von beiden kann lange bestehen ohne die Unterstützung einer mächtigen Flotte. Dies ist ein politischer Grundsatz, dessen Wahr­heit unsere eigene Geschichte und die aller Europäischen Staaten zum Beispiel bient. Ein modernes Weltreich kann nicht aus landwirthschaft- lichem Gebiet und kommerziellem Mittelpunkt bestehen. Sie find zwar unerläßlich aber ungenügend. Es muß also Besitzungen in den Tropen haben, aus denen es seine Rohprodukte eiuführen'kann und muß sich Kolonieen zu eigen machen, wo die überflüssige Bevölkerung leben, gedeihen und sich ausbreiten kann, ohne seine Sprachen und seine Nationalität zu ver­lieren. Da ihm diese mangeln, so ist Deutschland in großem Maße von dem guten Willen seiner Nach­barn abhängig.

Wenn zum Beispiel im Laufe der schnell wechselnden Ereignisse das Unwahrscheinliche Thatsache würde, daß Rußland französische und englische Ausfuhr der deutschen Manufaktur vorziehen würde, und wenn überdies die britische Zollvereiniguug bett deutschen Wettbewerb auf britischen und Kolonialmärkten über» flü'sig machen würde, was würde aus Deutschlands politischer Macht werden?

Ties ist natürlich ein unwahrscheinlicher Fall, aber eS ist Pflicht der weitsehenden Staatsmänner, au: Zufälligkeiten gefaßt zu sein, die noch weniger wahrscheinlich find. Man muß für solche Ereignisse gehörige Vorkehrungen treffen, um Spiel­raum für weitere Ausbreitung zu gewinnen, die Deutschlands ganze Thatkrast erfordert. Dies ist die richtige Erklärung für des Kaisers vorwärtsstredende Polttik, seines beißen Wunsches, eine mächtige Flotte zu schaffen und vielleicht so gar K i a o - C h a u einzunehmen. Er ist mit Recht überzeugt, daß, wenn er nicht ein „größeres Deutschland" gründen kann, all' die Helben- müthigen Bestrebungen seines Volkes in der Vergangenheit ihm in der Zukunft wenig nützen werden. Die politischen und andere Schwierig­keiten, die diesem riesenhaften Unternehmen entgegen» treten, sind enorm. Großbrittannien besitzt 17% der Erdoberfläche, Rußland 16° 0 und Amerika 22%

ihecklos, die Frage zu erörtern, ob die Besetzung ®8r das ist, was sie zu sein scheint. Thatsache ist, ”6 der Streit in dem gegenwärtigen Zustande nur

Im Gegensätze zu diesem politischen Leviathans ver­schwindet Deutschland in einen winzigen Punkt. Aber unsere deutschen Vettern find niemals

Vermischtes.

Frauen im Postdienst. Herr von PodbieSlki hat, wie der Post aus Washington geschrieb-n wird, die Regierung der Vereinigten Staaten um Mitlheilungen über die Erfahrungen ersucht, welche die Bundes­regierung mit der Anstellung von Frauen im Post- dienst gemacht hat. Gener alpostmeister Heath hat nun der deutsche» Postverwaltung durch de» Hilfs General- postmeister Schillerberger einen ausführlichen Bericht zu- gehen lassen. In demselben heißt es, daß in den 71022 Postämtern der Vereinigten Staaten nach den bestehenden Gesetz n sowohl Frauen wie Männer als Beamte an gestellt werden können. Da die Post­meister butter unb vierter Klasse aber ihre Ange­stellten selbst wählen, sei eS unmöglich, die Anzahl der im Postdienste anaefteflten Frauen genau anzu­geben. Es seien 7^70 Postmeistermnen vorhanden und vieueicht 80'00 F auen, wiche den Amteeid als Assistentinnen in den Postämtern geleistet hätten.

glü^cklsich, es sei beim, daß sie mit scheinbar un- berwindlichen Hinbernissen zu kämpfe» haben. Und die Briten, welche mit reiner Freude gegen die Eie mente unb bas Schicksal kämpfen, werben ihren be< rechtsten Fortschritt mit sympathischen Mitgefühl beobachte».

Die Dreysus-AMre in der ftanzösischen Deputirtenkammer.

W. Paris, 5. Dezember.

Gestern befragte in ber Deputirtenkammer ber Deputirte Castelin Meline über bie Dreyfus-Ange­legenheit und bittet ihn, die öffentliche Meinung und die Armee beruhigen zu wollen. Möline erklärt: „In diesem Augenblick giebt es keine Dreysus-An- gelegenheit und kann keine geben. (Beifall im Centrum.) Ein Offizier ist des Verrathes beschuldigt worben, die Voruntersuchung ist abgeschlossen und das ein­leitende Verfahren eröffnet worden. Diese Entscheidung präjudizirt dem enbgiltigen Urtheil nicht. Da bie Angelegenheit in ben Händen der Militärgerichtsbarkeit liegt, kommt es weder ber Regierung noch ber Kammer j U, sich bamit zu beschäftigen. Bis zur Entscheibung laben alle Bürger bie Autorität einer res judicata u achten. Diese Erklärungen werben hoffentlich einer Polemik ein Ziel setzen, bie schon zu lange gebauert hat." (Zurufe links.) Meline fährt fort: „Ich glaube, man will aus bem Zwischenfalle eine politische Affäre machen." (Wiberspruch auf ber äußersten Linken, Beifall int Centrum.) Castelin bemerkt, er nehme Akt von ber Erklärung beS Ministerpräsidenten Meline, daß kein Zusammenhang zwischen ber An­gelegenheit Dreyfus und derjenigen des Majors Est ihazy bestehe. Sembat verlangt, die Anftage in eine Interpellation umzuändern. Mo.ine nimmt dieses Verlangen an unb erklärt, er habe seinen früheren Ausführungen nichts hinzuzufügen. De Mun be» bauert, daß ber Kriegsminister Billot nicht anwesend sei, um die Armee zu vertheidigen, bereit General- tabschef man angegriffen habe. (Langanhaltender Beifall.) Die Sitzung wird hierauf unterbrochen, um die Auskunft deS Kriegsministers zu erwarten.

Nach Wiederaufnahme der Sitzung verlangt der Kriegsminister Billot unter allgemeiner Aufmerk­samkeit und Bewegung der Kammer das Wort. Er erklärt: ES giebt keine DreyfuS < Angelegenheit. DreyfnS ist zu Recht gerichtet und vermtheilt worden. (Beifall int Centrum.) Dreyfus ist schuldig. (Er­neuter Beifall.) WaS die Esterhazy-Angelegenheit angeht, so ist das Verfahren eingeleitet. Die Sache liegt in den Händen der Justiz. Niemand wird an der Unparteilichkeit des Verfahrens zweifeln.» (Bei­fall.) Der Kriegsmmister schließt: „Ich bedauere, Verleumdungen gegenüber waffenlos zu fein, die den Generalstabschef berühren, und bitte die Kammer dringend, dazu beizuttageu, daß dieser widerwärtigen Kampagne ein Ende gemacht werde." (Lebhafter Beifall.) De Mun erklärt sich für befriedigt. Die Diskussion wird geschlossen.

Im weiteren Verlause der Sitzung werden sieben Tagesordnungen eingebracht, von denen Meline die­jenige des Depntirten Lavertnjon annimmt. Dieselbe lautet folgendermaßen: Die Kammer, welche die Autorität der res judicata achtet und sich der Huldigung anschließt, die der Kriegsminister der Armee erwiesen hat, geht zur Tagesordnung über. Der erste Theil der Tagesoidnung wird mtt 490 gegen 18, der zweite mit 523 gegen 18 Stimmen angenommen. Der Deputirte Humbert beanhagt, in die Tagesordnung Lavertnjon die Worte auf­zunehmen, daß die Kammer die Erklärungen Billots billige. Dieser Zusatz wird mtt 325 gegen 153 Stimmen genehmigt. Der Deputtrte Richard be» antragt, ber Tagesordnung noch die Worte hinzu­zufügen, daß die Kammer die Führer der wider­wärtigen Kampagne brandmarke. Bei der Ab­stimmung zeigt sich, daß die beschlußfähige Zahl von Deputi ten nicht vorhanden ist. Die Sitzung wird deßhalb auf fünf Minuten unterbrochen. Nach Wiederaufnahme der Sitzung wird der Zusatzantrag Richard mit 154 gegen 77 Stimmen angenommen, und schließlich bie gefammte Tagesordnung in ihrer nunmehrigen Gestalr mit 313 gegen 65 Stimmen angenommen. Die S tzung wird sodann g-schlossen.

Landwirthschastliches.

lieber die Rindviehzücht hielt dieser Tage Herr Oekonomierath ©erlaub»Cassel gelegentlich ber lanbwirthfchaftlichen Sitzung in Römershausen einen Vortrag über „Hebung ber Rindviehzucht", ein Thema, das unseren Landwirtheu nicht oft genug vor Augen geführt werden kann. In belehrender Weise entwickelte, laut Bericht des „Frankenb. Kreisbl.", der Genannte die zum betriebe einer rationellen Viehzucht erforderlichen Bedingungen. Zunächst liegt die Gewähr für gute Zucht in der Haltung rein­rassiger Thiere, unter denen immer nur die besseren zur Zucht verwandt werden sollen. Hierzu ist die Führung eines Herdbuches, in welches Älter, Ab­stammung und Eigenschaften der Thiere eingehagen werden, nothwendig. Ein weiterer wichtiger Faktor in der Viehzucht ist die Ernährung. Um einen Ertrag zu erzielen, genügt das Erhaltungsfutter nicht, der Ueberschuß erst giebt den Ertrag. Bei Wahl der Futterstoffe ist auf den Gehalt der zur Ernährung wichttgen Bestandtheile zu achten. Sehr viel kommt es auf eine gute und dauernd gleichmäßige Fütterung an. Im Herbst sollte jeder berechnende Landwirth sich darüber klar fein, wie viel Stück Vieh er mit seinem Futtervorrath den Winter über durchfüttern kann. Hierbei macht Redner auf eine von Herrn Professor 0r. Dietrich in Marburg getroffrne Einrichtung aufmerksam, darin bestehend, daß jedem Landwirth auf Wunsch nach Angabe seines Futter- unb Viehbestandes mitgetheilt wird, wie viel Stück Vieh er darauf halten kann, resp. was er noch an Kraftfutter hinzuzukauseu hat und wie bie Fütterung am zweckmäßigsten vertheilt wirb. Die Brr-tzung bieser Einrichtung, bereu sich schon eine ganze An­zahl Lanbwirthe mit Erfolg bedient haben, fei sehr zu empfehlen. Wesentlich für die Ernährung ist es auch, in welcher Form das Futter verab- folgt wird. Zn v rwerfen ist nach Ansicht _ deS Redners die in hiesiger Gegend noch viel gebräuch­liche sogen. Siebe, burch welche bie Verdauung deS Thieres erschwert wird. Das beste sei Trocken- fütterung mit vor- und nachheriger Tränke. Der im Grünfutter enthaltene Saft läßt sich im Winter durch Beifütterung von Runkeln unb Kartoffeln er» setzen. Mit ber Ernährung bes Thieres muß aber auch bie Pflege Hand in Hanb gehen. Redner ent­wirft bann ein Bild von der vorschriftsmäßigen Ein­richtung des Stalles. Reinlichkest, Lust und Licht müssen vorhanden sein, wenn das Vieh gedeihen soll. Die richttge Stalltemperatur muß 10 bis 12 Grad E. betragen. Wie für den Stall, so ist die Reinlichkeit auch bei ben Thiereu selbst zu beobachten, benn: Gut geputzt, ist halb gefüttert. Mit ber Mahnung an bie Versammlung, das Gehörte nun auch praktisch zu verwertheu, schloß ber Vortragende, dem vom Vor­sitzenden, Herrn Staudinger, Namens des Vereins Dank für seine Ausführungen ausgesprochen wurde. Schließlich theilte Herr Oekonomierath ©erlaub mit, daß eine zahlreiche Beschickung der ianbwirthschast- lichen Ausstellung in Frankfurt a. M. im Jahre 1899 mit unseren heimischen Viehrassen beabsichttgt sei, und würden demnächst Erhebungen bei den Bezirksvereiuen Seitens der LandwirthschaftS- kammer angestellt werden, intoietoeit auf eine Be­theiligung zu rechnen ist. Die Transportkosten würden von ber Kammer übernommen.