öchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham
Der Vortheil für Deutschland besteht in jetziger Lage
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung folgt.)
und Frau v. Allenberg waren ihre» Gästen mit der gegeben.
M
einer Ueberfiedelung des Hauptmanns v. Dönitz bald zurückzuerhalten. Eine schriftliche Verpflichtung nach Berlin nichts mehr im Wege stände. Herr war nicht gefordert und hatte Horst v. Dönitz nicht
größten Liebenswürdigkeit entgegengekommen, Frau b. Dönitz hatte es verstanden, sich das tränen des gerade und ehrlich denkenden Obersten, sowie der überaus feinfühligen
ihre als
seiner Colonisation, ei» Proceß Peters wäre dort nicht möglich gewesen; wie ruhmbedeckt ist l tt. Jame- son von England schließlich wieder abgcre'st, welcke Ovationen haben ihm in London seine Landsleute gebracht! Die Deutschen athmen in Bezug auf endliche Befriedigung nationalen Selbstbewußtseins jetzt endlich einmal auf, weil man gegen China doch einmal deutsche Energie und etwas deutsch? Initiative wieder wahrnehmen kann; aber vielleicht kommt schließlich auch hier noch der zu scrupulöse deutsche vornehme Dusel wieder, der schließlich sich aus über- triebenem speciellen Gerechtigkeitsgefühl auch da draußen nichts wagt, während der Engländer nicht nach dem speciell Gerechten bei seinem Handeln L la Jameson fragt, sondern nach dem
aber Ber- alten uvd
M. 286.
tilipbon 55.
ist die deutsche Regierung jetzt nach der Vertrags- Üündigung verhältnißmäßig sehr ruhig und die Eng- änder werden wohl zunächst die Frist der Geltung des l> stehenden Vertrages noch um 1 Jahr verlängern. Die Ostelbier wollen gar keinen neuen Ha> delsvertrag mit England, andere sagen wieder, wir können vorläufig noch ruhig abwarten, Canada komme ja für unS Deutsche nicht so sehr in Betracht, wir exportirten dahin außer für 3 Millionen Zucker, die nicht in die Zollsätze eingeschlossen sei, jetzt nur für 16 Millionen Mark. Eins aber steht fest, für der Zukunft liegt in der ganzen großen zollunior ischen Handelspolitik Englands für uns eine sehr schwere Gefahr, eine Gefahr für unsere ganze Existenz, wir würden, wenn wir den Wettbewerb gegen Eng-
äch werde Ihnen helfen, so viel in meiner Ü steht/ stieß er gewaltsam hervor. »Wenn mit Herrn von Allenberg Rücksprache nehmen
Sicherlich konnte Herbert eine so große Summe nur schwer entbehren. Und war es wirklich sein eigenes Geld?
Aber cs war die einzige Rettung für ste. Nur noch eine Stunde, daun mußte der Wechsel eingelöst sein. Hastig raffte ste die blauen Scheine zusammen und wollte sich entfernen. An der Thür hielt sie inne. Dann eilte sie zu dem Schreibtisch zurück, ergriff ein Stück Papier und schrieb rasch einige Worte.
Dann stellte sie einen Briefbeschwerer auf das Blatt Papier und eilte davon.
Als Herbert nach einige» Stunden zurückkehrte, fiel sein erster Blick auf das Blatt. Mit brennenden Augen las er:
.Mein theueier, lieber Freund! Ich nehme Ihr großmüthiges Anerbieten an und bestätige Ihnen den Empfang der 3000 Mark. Sowie wir wieder in Berlin find, sende ich Ihnen das Geld zurück. Haben Sie nochmals tausend, tausend Dank und vergeffen Sie nicht Ihre Sie stets in liebendem Andenken bewahrende
pedanttsch auf Anstand und Form haltende Frau v. Allenberg zu verscherzen. Auch Hertha und Gertrud hatte sie sich entfremdet, während das würdige Fräulein Berg von Anfang an große Zurückhaltung ihr gegenüber zeigte. Hauptmann von Dönitz war in gesunden Tagen ein liebenswürdiger Gesellschafter, seine Krankheit hatte ihn jedoch reizbar und ungeduldig gemacht. Er sehnte die Siuude herbei, wo er abreisen konnte.
„Mein krank s Bei», meinte er ärgerlich, „wird die kurze Eisenbahnfart schon erttage» können. Sitte den Obersten zu Morgen um den Wagen nach der Station. Ich bin es herzlich überdrüssig, zwischen diesen pedanttschen Leuten zu leben/
„Ich theile Dein Gefühl/ entgegnete PriSca lächelnd. „Je länger mau mit ihnen zusammenlebt desto langweiliger erscheinen sie einem. Hast Du mit Sannow schon Rücksprache genommen?“
Ein verlegener Zug huschte über daS Antlitz drS Hauptmanns. Wenn eine Krisis in seinem vielbewegten Lebe» überwunden war, sprach er nicht gern von ihr; er scheute sich, auf solche unangenehme Angelegen- heiten noch einmal zurückzukommen. Die edelmütbige Hilfe Sannow's konnte aber nicht mit Schweigen übergangen werden. So hatte er denn am gestrigen Tage mtt Herbert gesprochen und ihm versichert, daß er ihm daS Geld sofort nach Ankunft in Berlin senden werde. Herbert Sannow hatte nur leicht das Haupt geneigt und erwidert, daß er daraus rechne, das Geld
Sie ihn eine leuchtende Wolke, ein betäubender der ihm de» Athem zu rauben drohte. Er lichtS wie die großen, flammende», lodernde» Kerne der schöne» Frau. Er fühlte uichtS, r» weichen Druck ihrer Hände. Er empfand ' als die bezaubernde Gcwaü ihrer zärtlichen
Prisca v. Dönitz/
Schwer sank die Stirn Herbert« auf die Hande nieder, welche daS kleine Blatt Papier umklammerten und zerknitterte». Da«» verbarg er das Papier in seiner Brieftasche, reckte sich straff und energisch empor und flüsterte mit beben'en Lippen: „An die Arbeit! ES ist daS einzige, waS dir geblieben .. /
XII.
3n Schloß Sleiko athmeie Jeder erleichtert auf, als »ach einigen Tagen der Arzt erklärte, daß
land nicht aufs Energischeste fortsetzen, wirthschaftlich an den Bettelstab kommen, wir müßten politisch zu Grunde gehen.
Der Redner gab zum Schluß noch einen allgemeinen Ausblick auf Deutschlands Lage und Zukunft, und legt die Fraae vor: sind wir Deutsche denn zu einer Weltmacht?stellung berechtigt? Gewiß, antwortet er. Unsere geographische Lage ist günstig, ist auch England und Frankreich sehr begünstigt, so muß doch Rußland an uns vorbei, Dänemark und Oester- reich-Ungarn find auch z. Th. aut uns angewiesen, ein Drittel unserer Grenze ist jetzt eine durch den Rordostsee-Kanal völlig zusammenhängende Küste, dazu haben wir gute Häfen und große Sttöme ins Innere. Ob ein befrachtetes Seeschiff 10—20 Meilen weiter ins Innere fährt, das kostet keine Unmaffe, ob aber die Staaten vorher umgeladen schon 20 Meilen länger Bahnfracht zahlen müsse», das ist ein wesentlicher Frachttosten-Unterschied. Unsere Bevölkerung ist überdies zur seemännischen Beschäftigung sehr geeignet, sie ist nüchtern und fleißig und gerade die Engländer sehen mit Vorliebe zu, deutsche Mattosen bekommen zu können. Dazu reguliren wir Deutschen ja jetzt unsere Fischerei zur See besser, wir haben jetzt gute Fischerei^ Polizei, die die englischen Fischkutter, die früher ungenirt in deutschen Seegebieten fischten, in diesem Falle zum Sttafezahlen und zur Entschädigung einschleppen. England hat vielleicht voraus bet Manchen, daß es arroganter austritt. Wir brauchten als Deutsche ihm gegenüber nur ein viel stärkerer nationales Selbstgefühl, auch unsere Frauen sollte» sich mehr mit nationalen Dingen beschäftigen. Die Colonialpolitik dürfe nicht zum Spielball eines 5 heiles
I onkurrenz machen, weil die Art unserer deutschen ! Produkiion für den Weltmarkt sich vollkommen mit I der Art der englischen Produktion deckt, wir produ- ■ eiten Mafien Artikel. Der Franzose hingegen produ- cirt meist Ar:ikcl, die nur in den höheren Be- völkerungsschichttn Absatz finden, er treibt Luxus- Jndnsttieen. In dieser Hinsicht klagt der Franzose nun mit Recht, daß ihn seine ftanzösische Gesetz gebung mit Schutz- und Patentgesesen lange im Stich gelassen habe, er erfindet auch nichts; wir Deutschen hingegen haben eine sehr vorteilhafte Musterschutz- und Patentgesetzgebung gehabt und wir erfinden immer Neues. Aber der Franzose hält fich schließlich an seine Luxus-Industri, er hat feineren Geschmack, zartere Formen, Parfüms von feinerem Dufte 2C. Weil wir uns also in unserer Pro
duktions-Art auf drmselben Gebiete mit den Engländern treffen, nun, so brauchen wir für uns auch immer mehr Kolonieen zur Ermöglichung des Massen- Absatzes. Wohl macht deutsche Industrie auch auf englischem Gebiete den Engländern Konkurrenz. Die Inder selbst z. B. rafften sich aber auch zu enormem Fortschritte gegen den früheren englischen Export auf: heute arbeiten in Indien 36 000 Webftühle und 2 Millionen Spindeln. Ueberdies halfen fich auch die fremd-n Völker bedeut'nd empor. Die Stmmpfwaaren zum Beispiel, die früher in Massen deutschen und englischen Export nach Amerika und Japan bildeten, werden heute von den Japanern um 50 pCt. billiger hergestellt, so daß die europäische Konkurrenz für dort aus ist. Angesichts dieser Entwickelung Japans und dessen Vorgehens gegen China folgere ja mit Herr Professor In. Karl Ra'hgen Hierselbst, daß das kommende Jahrhundert der Auf- theilung der gewaltigen chinesischen Gebiete unter eie Kuliurvölker gelten werde. Glaube er (eer Redner) auch nicht völlig hieran, nun, so dürfte dies doch einen wahren Kern enthalte».
Was haben wir, so fragt der Vortragende weiter, denn am besten zu thun, um bei Englan s Konkurrenz auf dem Weltmärkte im beachtens- werthen, fortschreitenden Kurse zu bleiben. Wir Deutschen kommen am beste» fort mit unserer enormen Arbeitsamkeit, unserem Fleiße, aber wir muffen auch ein geeignetes deutsches Konsulats Wesen haben. Unsere Konsul» dürfe» nicht nur büreau kratische Beamten fein, sie muffen selbst mitten im praktischen Leben stehen, mit den Kaufleute» viel verkehre». Dazu muffen wir Deutsche mit dem Lernen fremder Sprachen unaufhaltsam Fortschritte machen : (orientalisches Seminar). Blaubücher englischer
Manövergäste.
Original-Roman von C. Elfter. (Fortsetzung.) neigte fich ihm entgegen und senkte tief in die seinen. Es war Herbert
Mtt Herrn v. Allenberg? Niemals! Ich ber» bot Scham! Und Herr v. Allenberg würde mir helfen, er ist mir feindlich gesinnt . . / iSber . . /
•3a, ja, ich merke es feinen Blicken an. Er Hebt licht, er mißtraut mtt... aber Sie, Sie, Herbert, M mein Freund — Sie denken noch mit Liebe 8reundfchast an mich ... ah, Sie werde», Sie mir helfe» l — Jetzt sehe» Sie Herbert, ob örtlich glücklich bin, wie Sie stets behauptete»! 6 habe ost gelacht, um mein Unglück der Welt ^bergen/
Sie täuschte fich in diesem Augenblicke selbst, hielt fich in der Thai für eine unglückliche die nur deßhalb den Glanz de« Lebens liebte, sie da» Glück in ihrer Ehe nicht ge e# hatte. Daß fie selbst hieran de» größten
Theil der Schuld trag wußte fie nicht oder wollte eS nicht wifien.
Herbert war tief »schütt rt. Er glaubte den leidenschaftlichen Worten der schönen Frau, er meinte sie jetzt erst ganz zu verstehen und fühlte ein inniueS Mitleid mtt ihrem Geschick, das fich. wie er j tzt z» sehen glaubte, so unglücklich gestaltet hatte. Er preßte ihre Hände an die Lippen »nd flüstene: „Theure Prisca, sprechen Sie nicht so . . . Sie sollen nicht unglücklich fein/
„Aus die Liebe, auf daS Glück des Herzens mußte ich verzichten/ fuhr fie schluchzend fort, mir blieb nur der eitle Glanz des Lebens, die Stellung in ber Welt . . . auch dieser letzte Schimmer von Glück wird erlöschen, wenn feuer'Man» seine Drohung wahr macht . .. Horst wird de» Ab'chied nehmen müssen . . . o, Herbert, retten Sie unS!"
Sie lehnte ihr Haupt an seine Schulter. Er fühlte den Athem ihrer Lippen, der Duft ihres HaareS umwogte ihn, ihre in ThrSnen schimmernden Augen schauten flehend zu ihm auf.
„Herbett/ flüsterte fie ...
Und da — ein Rausch schien ihn der Sinne zu berauben — da brannten seine Lippe» auf ihrem Mn»de in einem heißen, langen Kuß! Dann riß er fich los! Sie streckte ihm die Hände enLeg-n! Er ergriff die Banknoten, welche auf dem Schreibtisch lagen, »nd sprach keuchend: „Da, PriSca — da. nehmen Sie, nehmen Sie, eS genügt Ihre Schuld zu decken ... Sie find gerettet .. . nehmen Sie, nehmen Sie .. /
„Herbert!* jubelte fie auf. „Dank, taufend Dank/ doch er hörte ihre Worte nicht mehr. Er stürmte fort, als würde er von Furien verfolgt.
Eine Weile stand PriSca wie betäubt da. Sollte fie da» Selb nehme»? Durste fie el nehmen?
Mds und Deutschlands Wettbewerb im Welthandel.
(Schluß zu Nr. 285.)
England schreitet, so fuhr am 3. d. M. im «rein -Marburg der deutschen inial-Gesellschaft Herr Dr. Voß - pSetom in seinem Vortrage über vorstehendes s fort, nach wie vor aber noch ganz gewaltig M8. Wir Deutschen haben ja auch, wie auch im ersten Theile des Vortrags nacdgewiesen > gewaltige Fortschritte gemacht. In gleichem W stieg in den letzten Jahren der i unserer Handelsschiffe um 8,5 °/0, der Os dagegen nur um 3,5%; neben der Eisen- chemischen Industrie, die schon erwähnt sind, i oiele deutsche Jndustrieen enorm: wir haben |tü in Deutschland nicht weniger als 400 Ge- obrifen. Wir exportiren meist nach Chile, Indien, luud China, unser Export ist auf 1 Milliarde 200 neu gestiegen. Ader bei diesem Steigen des 68 find eS nicht allein die Engländer und ihre üeen, die dies Alles etwa im Wettbewerbe 18 verlören, sondern der sranzöfische Export K 1871, wie nachweislich seststeht, allein um Mionen abgenommen. In Frankreich ist man fftr Hinsicht natürlich auch gegen uns Deutsche senig ungehalten, eS erschien so manche Schrift. M wirthschaftliche Fortschreiten Deutschlands auf Weltmärkte auch i» Frankreich, neuerdings die Mannes mit „unftcanzüstscheu/ Name» Moritz eb: „Les dangers a'lemands*, d. i. die jttn, die von Deutschland drohe». (Wir aber i hier zu diesem Rückgänge des französischen ^8 auch eines Grundes gedenken, welchen nach kfammlung in engerem Kreise noch Herr Pro- Dr. Fischer vorführte, und der unserer An- sach sehr Vieles für sich hat; Herr Professor $ betonte, wie vor den deutschen Siege» die Völker : Srbe biS 1870/71 dieFranzosen als die im Kricg- i seit Langern erfolgreichsten angesehen, wie kich das größte militärische Prestige aus- I genossen. Dies sei mit den Siegen von >71 zu Gunsten Deutschlands geändert worden, haben wir das Prestige bei den Völkern ber i fie wenden sich uns mehr zu und dies erklärt tinen Theil des feindseligen Verhaltens Frank- > gegen uns Deutsche. D. R.)
Bit würden am Ende den Franzosen auf dem barste schon um deßwillen nicht dauernd diese
Erscheint täglich anher an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Quartal-AbormemMts-PreiS bei bet Expedition 2 M!., bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Psg. (exll. Bestellgeld). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile •bet beten Raum 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Psg.
«erlag, Stz «»» Koch. Univetsttätr-Bnchdracketei in Marbntg, verantwortlich für dm allgemein« Theil: «chartern: ». Hartmann,
Redaktion nb «a>chiti-n: Markt 21. für dm Acheratentheil: Zoh. Ang. Koch, beide in Marburg.
Der Vortheil für Deutschland besteht in jetziger Lage nur der Nation gemacht werden, sie müsse getragen darin, daß England uns Deutsche für den ihm|fern von allen Deutschen. In nationaler Hinsicht nötoigen Import gamicht entbehren kann. Deßhalb halte England unvergleichlich mehr auf die Pioniere
Anzeigen nimmt entgegen die Sraedition dieses Blattes, sowie die Annoncm-Bnream von Haasenstein & Vogler in VYVII CYnfcrA Frankfurt a. M., Eassel, Magdeburg und Wim; Rudolf AAA11. JUl|l(J Messe in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln, 6. L. v,T,h<.nn « Stube *66. tu Frankfurt a. M.. Berlin. Hannover. Bari».
Konsuln an ihre Regierung erkennen heute schon an, daß unser Konsulatswesen mehr fich nach der Praxis richte, daß manche deutsche» Konsuln heute mehr Handels-Agenten seien. England beobachtet eben Alles, was seine Handelsinteressen berührt. Und nun, sagt Redner, hat es den deutsch - englischen und den belgisch - englischen Handels - Vertrag auf kurze Frist gekündigt, und wir stehen vorläufig vor dieser Kündigung, wie vor einer großen Sphinx. England strebt fest eine große Zollunion mit den Kolonieen an. Es giebt sich für seine Kolonialgebiete unendliche Mühe, bringt unermeßliche Opfer, um sie alle allein durch seine Flotte zu schützen. Dabei ist, wie gesagt, Englands Handelsflotte acht Mal so groß, wie unsere deutsche. Können wir nun etwa die englische Zollunion hindern? das ist nicht denkbar; die englischen Kolonien kommen dem Mutter- lanbe von selbst, um fich dieser Zollunion anzuschließen. Bisher waren ja zollpolitisch diese englischen Kolonieen fürs Mutterland Zollauslanb; nun kündigt England auf Drängen seiner Kolonie» obige Handelsverträge. Die Kolonieen wollen fich Vorzugsrechte gegen England, und England will fich handelspolitisch solche gegen seine Kolonieen schaffen und die englische Industrie hat bann sehr einfach die Differenz dieser Zollsätze vor den ftemden Mächte» voraus. Cauada hat bereits nur für England und ebenso Ne» - Seeland für das Mutterland England allein Zollvergünstigungen eingeführt. Da hat zum Glück Deutschland energisch bei England protestirt, und England gab, die bestehenden Verträge achtend, dem deutschen Proteste Folge. Aber wahrscheinlich wird es schließlich doch zu einer festen Zollunion Englands kommen.
Marburg
Dienstag, 7. Dezember 1897,