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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
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F Ätbottion ob Expedition: Markt SL für den ««atentheil- J°h An«. »och, beide ft, Marburg.
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Telephon 56.
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- unb Feiertagen. ■ - Quanal-Abonnemenrs-PreiS bei der Expe- bition 2 $ni., bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. («xkl. Bestellgeld. JnsertionSgebül>L für die gespaltene Zeile ob« deren Raum 10 Pfg.. Reklamen für die Zeil« 25 Pfg.
Marburg
Mittwoch 24. November 1897
Anzeigen nimmt entgegen bi« Expedition dieser Blatte», sowie bi« Annomen-Bureaux vou Haasenstein & Vogler tu Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moss« in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Söln, C L. Daube & Eo. in Frankfurt a. M.. Berlin, vanno»er. Pari».
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Telepbon 55.
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di es sich weniger um Ausdehnung des gegen« en Absatzes, als um den Markt b r Zukunft. Um die Entwickelung der Zukunft handelt es sich Een diesen Fragen überhaupt mehr, als um den lick. Daß für England selbst keine Schutzzölle
(Nachdruck verboten.) Manövergäste.
Original - Roman von D Elfter.
(Fortsetzung.)
lz hat Dir eine Liebeserklärung gemacht?"
t war die Reihe zu erröthen an der jüngeren er. Aber sie wußte sich zu helfen, umschlang Hertha mit den Armen und wirbelte mit ihr
■ Male im Zimmer umher. Als Hertha atdem- ® einen Sessel fiel, machte daS wilde Ding schelmischen Knix und huschte zur Thür hinaus.
dem Hofe traf Gertrud ihren Onkel, der Befehl gab, den Wagen zurecht zu machen, tou v. Dönitz von der Bahn abzuholen. Er wollte mitfahren, um die Gattin des Verletzten pfang zu nehmen. „Nimm mich mit, lieber bat Gertrud, „ich bin furchtbar neugierig "au v. Dönitz, sie soll ja ein Wunder von eil sein."
entgegnete lächelnd der alte Baron, „wer denn das gesagt. Du Naseweis?"
-Lieutenant Wietholz," erwiderte leicht erröthend JttBge Mädchen.
--Ach der," machte der Oberst, „was versteht " “n Guck in die Welt von Schönheit . . ."
•«bet ich bitte Dich, lieber Onkel, Lieutenant
:n. (' -Zu bist wirklich noch ein Kind," schalt Hertha 'traße^ dum um ein Jahr jüngere Schwester. Aber oh«, I toti) lachte ftöhlich auf und erwiderte schlagfertig: f moiB ’ uoch ein Kind? Nun, mein Liebling, so west,
(" Du, hätte ich heute auch sein können, wenn ich 'traße l1 ^aut Wietholz nicht in die gehörigen Schranken q""l «gewiesen hätte." ^(lt^.Wie?" rief lachend Hertha,
§ie Handelsbeziehungen zu den britischen Colonieen.
Der hiesige UniverfitätSprofesfor Herr Karl tilgen, eint der Autoritäten auf dem Ge- i der Weltwirthschaft, entwirft in einer kurzen odlung: „Die Kündigung de S eng« !jen Handelsvertrages und ihre sehr für Deutschlands Zukunft" W, Sünder u. Humblot) ein Bild der Vorgänge, im Laufe der letzten Jahre in England und s Colonieen dem „Reichsgedanken" Ausdruck gell, haben, und deren auffälligster die Kündigung
, Handelsverträge des Vereinigten Königreichs mit deutschen Reich und Belgien gewesen ist. Der illsser bemerkt mit Recht, daß der canadische Zoll- , auf Grund dessen vom nächsten Sommer an Sorzugsbehandluug der englischen Erzeugnisse Men sollte, vor Allem gegen die absperrend Mürrischen Tarife der Vereinigten Staaten ge« st ist: Für Deutschland, um Herrn Rathgen zu lll, kommt es nicht so sehr auf die 16,3 Mill. i an, die einschließlich 3 Millionen Mark für $, auf den die Vorzugsbehandlung sich nicht be- ai soll, die jährliche Einfuhr Deutschlands nach toa darstellen. Der Verfasser ist der Ansicht, »Sicher wäre eS schon, wenn die übrigen Mitin d m Beispiele Kanadas folgten, und fährt l fort: Nach der deutschen Statistik führt n wir ■ reu übrigen englischen Colonieen direkt für mehr 90 Millionen Mark auS, wozu die großen Wien kommen, welche in unserer Ausfuhr nach ! Hamburger Freihafen, nach Großbritannien und i Belgien stecken, und welche von dort ans nach Wen Colonieen gehen. Größer als unsere Aus- i nach den Colonieen ist unsere Einfuhr von dort wobei freilich zu beachten ist, daß es sich über- ftnd hstoffe handelt, die unsere Industrie cht. Wie groß oder gering aber der Werth der Klsstatistik sein mag, eines steht jedenfalls fest: i große Masse aller in dir britischen Coloniee > Ährten Jndustrieerzeugnifse — immer von dem 66r zwischen den Vereinigten Staaten und mba abgesehen — kommt heute noch au» Groß« Bei der Begünstigung des Mutterlandes
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eingeführt werden, daß man dort auch zu Kampfzöllen (etwa auf Zucker) sich nur schwer entschließen würde, trotz der Andeutungen Lord Salisburys, unterliegt keinem Zweifel. Die nächste Frage der Zukunft ist aber, ob der Schritt, den Canada geihan ;at, weitere Folgen nach sich ziehen wird, ob vom 30. Juli 1898 an die Begünstigung Englands in den Colonieen weiter greifen wird. In den südafrikanischen Colonieen, die keine eigentlichen Schutzzölle haben, ist das sehr wohl denkbar. Rhodes und eine Freunde haben den Gedanken stets verfochten In Australien liegt die Sache verwickelter. Zunächst beschäftigt man sich dort mehr mit der näher liegenden Frage der australischen Föderation, welche im Früh- ahr dieses Jahres weitere Fortschritte gemacht hat und in absehbarer Zeit zum mindesten einen Theil Australiens in ein einheitliches Wirtschaftsgebiet verwandeln wird. Die Freihändler in Neu-Süd-WaleS wünschen allgemein freie Einfuhr, und der dortige Premier, Reid, hat bei den Festlichkeiten in England k'ine Gelegenheit versäumt, Wasser in den Wein des Föderationsgedankens zu gießen. Hat er doch sogar versucht, die andern australischen Minister von dem Besuch in London abzu halten. Ueberhaupt äußert sich der Reichsgedanke bei den Australiern, die keine unbequemen Nachbarn haben, platonischer als bei den Südafrikanern unb den Canadiern. Die Ent scheidnng in den Kroncolonieen unb in Indien hängt ab von der britischen Regierung selbst, von ihrer Neigung, die reinen Grundsätze des Freihandels zu verlassen und von bet Stärke der Freihaudels- principien in der öffentlichen Meinung Englands. Wird diese der Begünstigung Englands widerstreben, so lange der Freihandel in England selbst unberührt bleibt? Den leitenden englischen Colonialpolitikern ist durchaus nicht zu trauen, unb bemerkenswert ist, büß die Wiedereinführung allgemeiner Einfuhrzölle in Indien im Jahre 1893 fast ohne Widerspruch erfolgt ist. Die Uebertreibung, mit welcher andauernd die Zunahme der fremden Concurrenz in den Colonieen besprochen, der Schrecken vor dem made in Germany culiivirt wird, bereitet die öffentliche Meinung Englands auf Maßregeln zu grinsten der englischen Produktion langsam, aber sicher vor. Auch dem Freihändler wird ein Zusammenschluß deS britischen Reiches gegen den Schutzzoll fremder Länder allmählich plausibel gemacht. Der Zustand, den gegenwärtig Canada herbeiführt, ist noch lange kein britischer Reichszolloerein. Aber es thut damit den ersten Schritt auf einem neuen Wege, der dazu führen kann, einen engem wirtschaftlichen Zusammenschluß des
Wietholz ist doch schon 23 Jahre alt und hat schon mehrere Hofbälle mitgemacht."
„Sieh mir einer das Mädel an! Hast Dir wohl gar von dem blonden Herrn das Köpfchen verdrehen lassen? Aber da kommt der Wagen, wenn Du also mit willst, so mache rasch, kannst der Frau v. Dönitz auch einige Rosen mitnehmen."
„Ich bin gleich wieder da, Onkelchen."
Wie der Wind war sie verschwunden, um nach einigen Minuten wieder zu erscheinen. Das Helle Sommerkostüm, der breite Strohhut mit dem Korn- blumenbouquet standen dem rosigen, von blonden Locken umrahmten Gesichtchen allerliebst. Onkel Allenberg nickte befriedigt und murmelte in den Bart: „Der blonde Lieutenant hat in der That keinen üblen Geschmack."
In militärischer Haltung stellte sich Gertrud vor den Onkel hin und meldete sich ganz ergebenft zur Stelle. Der Onkel lachte.
„So steig auf. Du Wetter hexe," rief er, „wir müssen uns beeilen."
Sie nahmen Platz. Herr von Allenberg ergriff selbst die Zügel, berührte leicht den Rücken der Pferde mit der Peitsche, die muthigen Rosse schüttelten die Köpfe unb trabten flott davon.
„Weißt Du, Onkelchen," plauderte Gertrud während der Fahrt, „so unangenehm der Unfall des Hauptmanns ist, so bringt er doch auch einige Annehmlichkeit mit sich."
„Da bin ich neugierig?“ lachte der alte Herr.
„Nun," fuhr Gertrud eifrig fort, „Fran von Dönitz soll nicht nur eine sehr schöne, sondern auch sehr lebenslustige Dame sein. Da wird wohl etwa» mehr Leben in unser stilles Schloß kommen."
„Wenn Du Dich nur nicht inst," entgegnete der Onkel. „Frau von Dönitz wird sich sehr wahr-
Reiches berbeizuführen mit neuen Problemen der Reichspolitik, vermehrter Gefahr der Reibungen außen und innen. Wie Chamberlain in der Rede im Kolonial-Jnstitute am 31. März d. 3. sagte: „Es st eine gigantische Aufgabe, die wir mit dem Ent- chluß, das Scepier eines Weltreiches zu führen, rbernommen haben. Groß ist die Aufgabe, groß die Verantwortung, aber groß auch die Ehre." Und es ei eine Ausgabe, die nur langsam sich erfüllen lasse, )ie sich aber mit Notwendigkeit aufdränge. „Mir scheint, baß die Richtung der Zeit dahin geht, alle Macht in den Händen der großen Reiche zu vereinigen. Die kleinern Länder, die, welche nicht fort« schreiten, scheinen bestimmt zu fein, in eine untergeordnete Stellung zu rücken. Bleibt aber Greater Britain einig, kann kein Reich der Welt eS übertreffen an Ausdehnung, an Volkszahl, an Reichthum unb an Mannigfaltigkeit der Hilfsquellen."
Daß nnS Deutschen diese Politik unbequem, bei weiterer Entwicklung gefährlich ist, darf uns, so sagt Professor Karl Rathgen weiter, nicht hindern, den großen Zug in den Gedanken Chamberlains anzuerkennen, deren stolzer patriotischer Klang wohltätiger berührt, als die uttlitsrische Denkweise der alten Freihändler : Chamberlains Stärke ist das starke Staatsgefühl, und das, was jeder politischen Persönlichkeit ihre Bedeutung giebt, daß er ganz in den typischen Eigenschaften seines Volkes wurzelt. Auch in ihm bereinigt sich jener scheinbare Widerspruch von Verteidigung von Freiheit und friedlichem Fortschritt und bis zur Unterdrückung fremder Freiheit getriebenem nationalem Henscherstreben, welches das englische Volk als Ganzes ch uralter isirt und au8 ihm gemacht hat, was es ist.
Es wäre töricht, wenn wir der englischen Politik einen Vorwurf daraus machen wollten, daß sie das Interesse des eigenen Landes rücksichtslos in den Vordergrund stellt. Aber wir müssen für uns die Consequenzen daraus ziehen. Die nächstliegende, rein praktische ist die Frage, ob nicht auch wir genötigt sind, unsere Auffassung von der Meistbegünstigungsklausel zu reülbiren. In ihrer unterschiedslosen Anwendung ist sie lange gepriesen worden als ein Mittel, die Annäherung der Völker zu erleichtern unb den Verkehr zu vereinfachen. Die englischen Tochterstaaten empfinden sie jetzt als eine Last, die sie abschütteln. Die Vereinigten Staaten haben sie immer nur gewährt für entsprechende Gegen leiftungen. Die neue englische Politik ist ein weiteres Argument für den Gedanken, daß man die Meistbegünstigung nicht ohne weiteres allgemein auf die
scheinlich doch ganz der Pflege ihres kranken Mannes widmen."
„Oh," rief schelmisch lächelnd Gertrud, „sie wird auch wohl noch Zeit für andere Sachen übrig haben. Wenigstens hat mir Lieutenant Wietholz erzählt, daß sie in Berlin keinen Ball und keine Gesellschaft versäumt. Ach Onkel, in Berlin ist es doch gar zu schön unb Frau Dönitz soll mir recht viel von dem geben unb Treiben bet bärtigen Gesellschaft erzählen."
„Laß das nur Deine Tante nicht hören," meinte lächelnb bet alte Herr. „Du weißt, baß sie für berartige Vergnügungen sehr wenig übrig hat."
„Ja, nnb sie hält uns noch immer, als ob wir Kinber wären l Unb ich bin doch schon siebzehn Jahr unb Hertha bereits achtzehn Jahr. Ach, Onkelchen, Du hast immer schon versprochen, uns wieder einmal mit nach Berlin zu nehmen, wenn Du zu« Reichstag gehst; diesen Winter mußt Du Dein Versprechen aber ganz gewiß einlösen."
Herr von Allenberg lachte. „Nun darüber läßt sich ja sprechen," mente er bann, „aber jetzt müssen wir etwas rascher fahren, damit wir noch vor Ankunft des Zuges den Bahnhof erreichen."
Die Pferde griffen flotter au8 und in einer Viertelstunde hielt der Wagen vor dem Bahnhof gerade in dem Augenblicke, als der Berliner Schnellzug in die Bahnhofshalle einfuhr. Der Baron warf dem Kutscher die Zügel zu und stieg langsam unb bedächtig von dem hohen Sitz herunter. Gertrud war rascher gewesen unb eilte bereits, den Rosenstock in der Hand haltend, auf den Bahnsteig. Dort jene elegante Dame, die der ersten Klaffe des nur kurze Zeit haltenden Schnellzuges entflieg, mußte Fran von Dönitz sein. Gertrud eilte auf sie zu.
„Gnädige Fran, ich ine mich gewiß nicht. . .
Einfuhrzölle anwenden, daß man sie nur einem enger» Kreise wirtschaftlich verwandter Länder gewähren solle. Auch für uns ist eS jetzt eine brennende Frage, ob wir ohne weiteres dem britischen Reiche unb den Vereinigten Staaten nach Erlaß ihres neuen Tarifs bie Meistbegünstigung weiter vertragsmäßig einräumen sollen. Wir können bie englische Einfuhr tatsächlich auf bent Fuße ber Meistbegünstigung behandeln, aber wir sollten ihr kein vertragsmäßiges Recht gewähren und damit neue Hindernisse für ein engeres handelspolitisches VerhSltniß der mitteleuropäischen Staaten schaffen.
Die letzte Consequenz aber, die wir aus Englands Verhalten ziehen müssen, geht weiter. So schmerzlich sie für jeden, der von Bewunderung erfüllt ist für das, was das englische Volk für sich und für bie Menschheit geleistet hat, unb ber durchdrungen ist davon, wieviel wir von unfern englischen Vettern noch zu erlernen haben, die letzte Consequenz ist doch die: der Kampf um die Weltmacht führt uns notwendig in einen Conflikt der Interessen mit England, wie wir ihn keiner europäischen Macht gegenüber zu befürchten haben. Es handelt sich am letzten Ende um einen Kampf darum, welche Märkte uns offen bleiben. Der beste, sicherste Markt sind die Colonieen. Und wenn unsere jetzigen Überseeischen Besitzungen in absehbarer Zeit nur wenig aufnehmen können unb int übrigen bie Welt weggegeben ist, so wollen wir nicht vergessen, daß um 1600 die Welt schon einmal anfgetheilt gewesen ist zwischen Spaniern mnd Portugiesen^ bis bie Niederlande, Frankreich unb vor allem England zu Seemächten wurden und die überseeischen Colonialländer neu verteilten. Was einst geschah, kann wieder geschehen. Weiter aber handelt es sich um die Gebiete, die noch unabhängig sind und deren Versorgung mit europäischen Produkten noch heute aller Welt offen steht. Von Ländern, die keine eigene Wirtschaftspolitik haben, kommt im wesentlichen außer der Türkei nur China in Betracht. An das awakening- of China, an bie Entstehung eine» chinesischen Nationalstaats, nach ber Analogie Japans, glaube ich nicht. Die Chinesen stnb eine Rasse, keine Nation. Sie sind fleißige, fügsame Untertanen, wenn man sie in ihren Sitten und Gewohndeiten nicht stört. Seit Jahrhunderten find sie die Fremdherrschaft gewohnt. Unb ihre freuten Herrscher sind verfault dis aufs Mark. Auch hier brängt bie geschichtliche RrminiScenz sich auf, bie Analogie mit Indien am Anfang des 18. Jahrhunderts, als dir Mongolenherrschaft verfiel.
wir wollten uns erlauben Sie abzuholen. . . ." Verlegen unb erröthend verstummte daS junge Mädchen und verbeugte sich vor ber freundlich lächelnd dastehenden fremden Dame.
„Ja, Sie irren sich nicht, mein liebes Fräulein," entgegnete die Fremde lächelnd, „wenn Sie mich für Fran von Dönitz halten. Ich habe wohl das Vergnügen Fräulein von Allenberg vor mir zu sehen?"
„Mein Name ist Gertrud von Stralau, gnädige Frau, ich bin die Nichte meines Onkels . . ."
Frau von Dönitz lachte fröhlich auf, sich an der Verwirrung deS jungen Mädchens ergötzend. In diesem Augenblick trat ber alte Baron heran.
„Meine gnädigste Frau," sprach er, überaus höflich; „es ist mir eine ganz besondere Ehre, Sie begrüßen zu können, wenn auch die Veranlassung, welche mir baS Vergnügen verschaffte. Sie kennen zu lernen, eine sehr traurige war. Aber ich hoffe, eS wirb sich halb Alles zum Besten kehren."
Fran von Dönitz reichte bem alten Herrn bie schmale, fein behandschuhte Rechte, welche dieser ehrerbietig an die Lippen führte. „Wie geht eS meinem armen Horst?" fragte Frau von Dönitz. „Weich' ein unangenehmer Zwischenfall!"
„Ich hoffe, in einigen Wochen wird Ihr Gatte wieder wohlauf sein, gnädige Frau. Der Arzt meinte, daß ber Bruch keine üblen Folgen nach sich ziehen würbe. Ruhe unb ®ebulb, bann wird Alles gut gehen. Wenn ich jetzt bitten darf, gnädige Frau, ber Wagen ist bereit." Er reichte Frau von Dönitz den Arm, als er bemerkte, daß Gertrud noch immer bie Ros,» in ber Hart hielt.
„Aber Mädel," rief er, „Du hast ja der gnädige» Frau noch nicht einmal die Blumen gegeben!"
(Fortsetzung folgt.)