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öchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marbnrg und Kirchham.

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Neuerung der ganzen Colonie gethan habe. Und dazu kam ihm Gott selbst in herablassender Liebe zu Hülfe. Eines Tages nämlich, als er 2 Jüng­linge für eine gute Arbeit belohnen wollte, fragten ihn diese, ob sie sich selbst ein Geschenk wählen dürften. Adams ermunterte sie, sich offen auszu­sprechen. Da baten sie ihn, er möchte sie lesen lehren, damit sis auch daS Buch lesen könnten, aus dem er ihnen so viel Gutes erzählte. Das war Adams eine Herzensfreude. Schon nach wenigen Tagen saßen nicht bloß die beiden Jünglinge, fonbem fast alle übrigen Glieder der Colonie, Jung und Alt, Frauen und Kinder zu seinen Füßen und lernten lesen. Die Bibel war ihr Lesebuch.

Das war die erste Schule auf Pitkaire. Der ehemalige Meuterer, dessen Lippen einst von Flüchen überströmten, lehrte nun die junge Schaar das Lob ihres Schöpfers und Heilandes. Die Erkenntniß des wahren Gottes ging bald in den Herzen wie ein heller Morgen auf. Die Bibel wurde die Regel und Richtschnur, nach welcher alles eingerichtet wurde. Der Sonntag ward zum Ruhetag und für den Gottesdienst geweiht und in lieblicher Stille gefeiert. Aus einem Predigtbuche, das sich gleich­falls unter den geretteten Büchern vorfand, wurde eine Predigt vorgelesen, oder hielt Adams selbst eine freie Ansprache, oder er katechisirte die Alten und die Kinder. Ueberhaupt stand er unter den 46 Gliedern der Colonie wie ein Patriarch da, bei dem man in allen zeitlichen und geistlichen An­gelegenheiten Rath suchte. Alles gewann ein anderes Ansehen auf der Insel. Reinlichkeit, An­stand, Ordnung und Fleiß erhielten immer mehr die Oberhand. Die gesunden und blühenden An­gesichter der Kinder f rifjlten von Lust nnd harm­loser Freude, ihr Bemannen wurde anständig und ehrerbietig, alles gottlose Wesen in Wort und That wurde verbannt, und selbst in äußern Kunstfertig­keiten entstand unter der Anleitung Adams ein Wetteifer und eine erfinderische Rührigkeit. Die Wohnungen wurden netter, behaglicher und wohn­licher, die Gärten und Felder erhielten ein besseres, lieblicheres, lachenderes Aussehen und die Insel fing an zu einem Garten Gottes, zu einer Stätte des Segens und Friedens zu werden. Und diese ganze durchgreifende Umwandlung ging aus von der Bibel!

Johannes Blum wurde vorgestern Nachmittag gegen 3 Uhr während der Arbest vom Schlage getroffen und war in wenigen Minuten eine Leiche.

Gießen, 14. November. Der Zusammentritt der zweiten Kammer ist nunmehr auf Anfang Dezember festgesetzt. Das Pistolenduell, bei welchem der Einjährige Jacobi aus Rodheim seinen Tod fand, wird in der am 6. k. M. am Landgericht Gießen beginnenden Schwurgerichtsperiode zur Verhandlung kommen. Das Militärgericht hat die Bestrafung des ehemaligen Einjährigen Schnitzler, der nach langem Leiden nunmehr wieder völlig her- gestellt ist, abgelehnt und die Angelegenheit dem ordentlichen Richter überwiesen.

Biblis, 14. Novbr. Freitag Abend kurz vor 8 Uhr ereignete sich auf der Riedbahnstrecke Frank­furt-Mannheim ein Zusammenstoß zweier Züge. Der von Gernsheim kommende Leerzug Nr. 588 fuhr auf der Station Biblis auf den von Groß- Gerau kommenden Güterzug Nr. 872. Verschiedene Wagen entgleisten, wodurch der Verkehr drei Stunden vollständig gesperrt war. Drei Personen vom Zugpersonal find verletzt, wovon Heizer Hartmann aus Worms schwer. Vier Wagen find demolirt.

Herford, 14. Novbr. Die diamantene Hochzeit feierten hier die hochbetagten Eheleute Friedrich Müller. Herr Müller ist 89, seine Gattin 86 Jahre alt.

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Cassel, 15. November. Der Staatsanwalt Greffrath in Frankfurt a. O. ist an das hiesige Landgericht versetzt. Der Senatspräsident des Oberlandesgerichts, Geheimer Ober-Justizrath Dr. P-etrt, ist nach langem Leiden gestern Nachmittag gestorben.

Fulda, 14. November. Der in der Bellinger- schen Fabrik beschäftigte 52jährige verheirathete Arbeiter

So war allmählig ein Vierteljahrhundert ver­gangen seit dem Tage, da die Meuterei auf der Bounty" sausgebrochen war. In England hatte man die Sache nach und nach vergessen. Da ge­schah es, daß im Jahre 1814 gegen Ende September zwei englische Kriegsschiffe auf ihrer Fahrt durch die Südsee sich plötzlich einer ihnen unbekannten Insel gegenübersahen. Sie sahen am Ufer nette und reinliche Wohnungen, wie sie sie auf keiner der damals noch barbarischen Südsee-Jnseln gesehen hatten. Sie sahen dann ein kleines Boot vom Lande stoßen, das von zwei hübschen, kräfügeu, schwarzhaarigen Jünglingen gerudert wurde nnd sich ihnen rasch nähene. Groß war erst ihre Ver­wunderung, als die beiden jungen Männer sie in englischer Sprache begrüßten. Der Kapitän ließ sie an Bord kommen und ließ ihnen Speise und Trank vorsetzen. Da stellten sich die Jünglinge erst in betender Stellung mit gefalteten Händen hin, und Einer sprach ein Tischgebet. Der Kapitän und seine Offiziere standen in steigendem Erstaunen da und wußten sich diese ihnen seltsame Erscheinung nicht zu deuten. Sie kannten die barbarischen Sitten der Südsee gar wohl. Hier aber saßen zwei Leute vor ihnen, die ihrer ganzen Erscheinung nach Südsee-Jnsulaner, der Sprache nach aber Engländer und in ihren Sitten Christen waren. Aus dem Munde der 'jungen Insulaner erfuhren sie zwar, daß die ganze kleine Bevölkerung der Insel diesen beiden Jünglingen an Art und Wesen gleiche, aber wie das so gekommen, konnten sie nicht sagen. Der Kapitän fuhr darauf mit einigen Offizieren an's Land und sah mit wachsendem Erstaunen nicht nur die überall herrschende Ordnung und edle Bildung fonbem auch, wie Alles Friebe, Liebe unb Heiterkeit

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Der am 16. Januar 1899 verstorbene Prinz Kraft zu Hohenlohe-Ingelfingen, General der Artillerie und Generaladjutant des Kaisers Wilhelm I., hatte letztwillig verfügt, daß seine von ihm nied-rgeschriebenen LebenSerinnerungrn erst fünf Jahre nach seinem Tode veröffentlicht werden sollten. Der soeben im Verlage von ®. ®. Mittler u. Sohn in Berlin erschienene erste Band (Preis 8 Mark,) berichtet über die Ereigniff» deS Jahres 18,8 und den Aufenthalt des Prinzen als Miliiärattachö in Wien, schließt also mit der Schilderung der doitigen Ereignisse und leitenden Persönlichkeiten 1856. Der Prinz erweist sich in seinen Memoiren als rin scharfer Beobachter und gründlicher Menschenkenner, vornehm von Gesinnt» g, treffend im U theil. Insbesondere ist er durch st ine mit Witz gewürzte Darstellung Meister der Form, und seine fesselnden Mitlheilungen werden sicherlich den weitesten Leserkreisen willkommen sein.

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(Nachdruck verboten.)

In der Südsee.

(Aus englischen Quellen.) (Fortsrtznng statt Schluß.) 3. Die große Umwandlung.

ES treten in dem Leben eines jeden Menschen rytscheidende und bedeutungsvolle Augenblicke em, j« welchem ihm Gott auf eine ganz besondere Weise j, den Weg tritt, Augenblicke, wo das Herz Kfz Hoffte fühlt, daß es nicht länger so bleiben Lme, daß eS zu einer Entscheidung kommen müsse. 3n solchen Stunden stehst du vor einer Linie, wo »ichiS mehr dich scheidet von Gott, als dein eigener Mr, und wo es nur noch einen letzten entscheidenden Schritt, ein festes wahrhaftiges £unb männliches Ich will" gilt. Thust du diesen Schritt mit ent­schlossenem Geist, so ist ein Sieg gewonnen, der entscheidend ist süt Zeit und Ewigkeit. Weichst du iu dieser Stunde zurück, so bist du vielleicht für alle Ewigkeit verloren!

Eine solche Stunde war über Adams gekommen, da er vor seiner Bibel saß und bann auf ben ggieen lag. Wirb er ben entscheibenben Schritt ihm? Wohl ihm, er hat ihn gethan! Er chat Buße, beugte sich vor Gott, suchte Gnabe unb Bergebung und fand sie int Glauben an bas voll­gültige Sühnopfer, baS Jesus für bie Sünden der Welt gebracht hat. Darin fand er für sein ge­ängstetes Gewissen Ruhe unb Frieden. Und nachdem tr diesen geschmeckt hatte, hing auch feine ganze Seele an dem, der ihn wie einen Brand aus dem Feuer errettet hatte. Von nun an vertiefte er sich immer mehr in das Lesen des göttlichen Wottes.

Doch nicht auf Adams allein, sondern auf die ganze kleine Colonie sollte jene eine Bibel eine Mwandelnde Wirkung ansübeu. Als Adams vach feinet eigenen inneren Umwandlung um sich her- schaute, wie das junge Geschlecht in heidnischer Unwissenheit und Verwildernng heranwuchs, da sthlte er die große Verantwortung, die er hatte Md dies erweckte in ihm den Entschluß, nicht eher zu ruhen, bis er daS ©einige zur geistlichen Er-

Marburg

Dienstag. 16. November 1897.

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