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öchentliche Beilage«: Kreisvlatt für die Kreise Marburg und Kirchham.

Jllustrirtes Sonntagsblatt.

«rfAtfart tLaliL mtbtr an Werktagen nach Sonn- und <111 **!»*** «ureigen nimmt entgegen die Expedition diese« Statt«,

-/» 'IDO Fci^tE Ouattal-Lbonnemtnts-Preisbei der Expe- sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein L Vogler in jvyii

J2 268. teSTtt'L, btt allm Postämtern 2 2)H. 25 Pfg. (Zl. 3 Frankfurts M. Casiel, Magdeburg und Wien; Ziudolf AÄÄ11.

w W. Ä'iÄÄE Kdi'M-L' Sonntag, 14. November 1897. ***""*

Zweites Blatt

So wahr ich lebe, spricht der Herr, ich habe keinen

sie nicht zu Schanden werden. »von Weibern und Heranwachsenden Kindern, geschah

Nach 41 Tagen unsäglicher Gefabr und Nothles eines TageS, daß er die alten vergessenen Vor­erreichte nach wunderbarer Rettung Kapitän Bligh Iräthe von derBounty" durchmusterte. Da fiel ein befteuudetes Ufer, und eilte von da auf einem! ihm eine Bibel in die Hände. Er öffnete sie un europäischen Schiffe nach England. Ein Schrei desllaS. Seine Seele war krank und zerrissen von all Entsetzens ging durch das ganze Land, als die Idem, was er durchlebt hatte. Die Erinnerung a furchtbare That der Meuterer kund ward. Die «seine eigene Schuld war nicht erloschen und Regierung sandte unverzüglich ein bewaffnetes Kriegs-1 jetzt, da er das Wort des heiligen Gottes au schiff in die Südsee, um dieBounty" aufzusuchen. I seinem Schooße offen liegen hat, jetzt taucht auch AbLk da war keine Spur zu entdecken. Wohl fand g die alte Angst eines unversöhuten Gewiffens in ihm

Eingesandt. Au« voller Ueberzeugung empfehlen wir allen Pfeifenrauchern den hier oft angezeigt,n berühmten Holländiichen Tabak vonB Becker ia Sceseu am Harz. Deiselbe fabrizirt diese Spezialität feit über 16 Jahren und hat sich den Besitz zahlreicher lobender Anerkennungen au« den besten Gesellschaftt kreisen notariell bischeinigen lasten. Man verlange Prospett. 10 Pfund de« Tabaks los, in einem Beutel kosten per Post frei nur 8 Mk.

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auf. Er legt das Buch weg und versinkt in schwere Gedanken.Ist auch noch Hoffnung da für einen Menschen wie ich bin?" so fragt er sich bebend. Er greift wieder zum Buche, schlägt auf nnd liest:

(Nachdruck verboten.)

In der Südsee.

(«u« englischen Quellen.)

1. Die Meuterer.

66 war im Jahre 1766, als der berühmte ßeefthrer Carteret von der englischen Regierung «f eine Entdeckungsreise "in die damals noch wenig ickamte Südsee gesandt wurde. Dem kühnen Mmn gelang eS, manche neue Insel aufzufinden.

Eines Morgens spähte ein junger Seekadett vom Wstkorb des Schiffes aus nach Land. Er bemerkte «n fernen Horizont einen kleinen dunklen Fleck, du ihm ein gewalttger Fels zu sein schien, der ver die Wasserfläche emporstarre. Man fuhr dauwf zu und bemerkte bald, daß eS eine Insel sei mit Hügeln und Thalgründen, mit üppigem WnzeowuchS und allerlei Lieblichkeit, wie sie den Südsee-Jnsel» eigen ist. Man wollte landen, aber die See war so stürmisch, und ttngsum die Insel Les ein gefährlicher Kranz von Korallenriffen, sodaß ratteret eS vorzog, weiter zu fahren. Auf der Lerkarte aber wurde die Stelle, wo mau die Insel zestheu hatte, mit einem Punkt bezeichnet, und «um gab ihr den Namen deS Seekadetten Kitkaire, weil dieser sie zuerst gesehen hatte. Die Pitkaire-Jnsel liegt etwa 400 Stunden süd­östlich von Otaheitt, einsam und wie verloren mitten in dem weiten Ocean. Aber je verlassener sie da liegt, um so reicher «ud verschwenderischer scheint die gütige Hand Gottes sie mit allerlei Pracht nnd Schönheit ausgeschmückt zu haben. Ein sonnen- reicheS, wunderherrliches Klima, eine unerschöpflich üppige Pflanzenwelt, eine Fülle saftiger Früchte, e»e unendlich mannigfaltige Blumenwelt, majestätische Abende beim Untersinken der Sonne in den azur­blauen Ocean, das unaufhörliche Rollen der Meeres- ODgen an den Korallenriffen rings umher das MeS macht die Insel zu einem der reizendsten Pmckte der Erde. Zur Zeit als Kapitän Carteret fie auf seiner Seekarte eingezeichnet hatte, hatte ater noch kein menschlicher Fuß ihr reizendes Ufer betttten und sie blieb auch nach seiner Seefahrt noch über 20 Jahre lang nur dem Namen nach bekannt.

Bergnügungsanzeiger.

Königliches Theater ,n Cassel.

Sonntag, den 14. Novbr.:Rienzi". Montag, den 15. November: Zum 1. Male:Der Sohn de» Kalifen". Dienstag, den 16. Novbr.:Margarethe". Donnerstag, den 17. November:II. Abonnements Konzett". Freitag, den 18 Novbr.:Tie Räuber". Sonnabend, den 20. Novbr.: Der Sohn des Kalifen". Sonntag, den 21; November: Indra".

Gefallen am Tode des Gottlosen, sondern daß sich der Gottlose bekehre von seinem bösen Wege und lebe!" Thränen dringen ihm in die Augen und er wendet sich hinweg, um zu weinen. Wieder kehrt er zurück zum Buche und liest:Und wenn eure Sünde/gleich bluttoth ist, soll sie doch schnee­weiß werden; und wenn sie gleich ist wie Rosinfarbe, o soll sie doch wie Wolle werden." Das über­nimmt den alten Matrosen und was er seit Jahr­zehnten nicht gethau, nicht thun konnte das thur er jetzt, er wirst sich wieder auf seine Kniee und betet.

(Schluß folgt.)

Da geschah eS im Jahre 1789, daß ein anderes «glisches Schiff, die Bounty, von Otaheitt her- km, um nach den westindischen Inseln zu fahren. Aichig und majestätisch glitt daS Schiff dahin, und «Les schien von nichts als Ftteden zu zeugen. Dieser Schein war aber trügettsch, denn auf dem Schiff glühte ein verborgenes Feuer des Hasses und der Rachsucht und »artete nur auf eine günstige Gelegenheit, um hervorzubrechen. Der junge Steuermann deS Schiffes Christian Fleischer, ein Mensch von großen Gaben, aber von hitzigem tob rachgierigem Gemüthe, war von seinem Kapitän vligh oft beleidigt worden. Der Kapitän übte eine übermäßige Sttenge gegen die Schiffsmannschaft, strafte die geringste Nachlässigkeit mit größter Härte »ud steigerte dadurch den Unmuth seiner Untergebenen bis zu einem gefährlichen Grade. Fleischers Ge- müth kochte vor Groll und Rache, und er verband sich heimlich mit einem Theil der Mattosen zur Empörung gegen den Kapitän. Am 28. April 1789, als eben die Sonne mtt wunderbarer Majestät aus btm still daliegenden Ocean sich erhob, kam der schreckliche Plan zur Ausführung Die Meuterer ließen ein kleines Boot in's Meer und setzten den »-glücklichen Kapitän mit einigen ihm treu ge­bliebenen Leuten hinein, gaben ihnen einigen Vorrath <m Lebensmitteln und Übergaben dann das Boot bem Wind und den Wellen. Bligh wandte sich mit kn flehentlichsten Bitten an Fleischer und bat um Mitleid imb Erbarmen umsonst! Fleischer ließ sich durch nichts rühre»; in seiner Wuth und Auf- ttgung rief er nur immer:34 bin in der Hölle, Kapitän! ich bin in der Hölle i" und damit stieß tt das schwankende Boot vom Schiffe hinweg.

Fletscher hatte geglaubt, daß ihm nun ein Leben bn süßesten Freihett anbrechev würde, wo er schrankenlos und ungestört der Lust seines eigener Willens würde leben könne». Er wandte das Schiff

Bom Büchermarkt.

V Unter den von dem Prälaten Kneipp heraus gegebenen Werken nahm der nach ihm benannte Kneipkalender ein« hervorragende Stelle ein, und deßhalb trug Kneip schon bei Lebzeiten dafür Sorge, daß mit seinem Tode bitter Kalender nicht zu erscheinen anfhöre, sondern in seinem Geiste und Sinn fortgesetzt werde. Auf seinen Wunsch übernahm ein langjähriger Sekretär, der jetzige Leiter der von Kneip in WöttShofen in's Leben gerufenen Anstalten, Herr Prior Fr. Bonis; Stellt, diest Aufgabe, und dor uns vor­liegende soeben erschienene 8. Jahrgang des Kneippkalender? (Kempten, Jos. Kösel'sch« Buchhandlung. Preis 50 Pfg.) läßt erkennen, mit wie sicherem Blicke Kneip die Befähigung eines Nachfolgers für die Popularistrung seiner Heilmethode -erausgefunden hat.

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um und kehrte mit seinen Genossen nach Otaheitt! man auf Otaheiti einige wenige von den Meuterern, < zurück Die Insulaner waren erstaunt, sie wieder Idie dort zurückgeblieben, und von denen bereits zwei i

zusehen und zwar ohne Kapitän Bligh. Fletscher l durch die Eingeborenen erschlagen worden waren. ' 'agte ihnen, sie seien mit einem anderen Schiff zu-1 Diese Wenigen wurden ergriffen, nach England ge- ammengetroffen, auf welches Bligh übergegangen I bracht und dort gerichtet. Aber wo waren Fletscher sei, nachdem er ihm die Führung des Schiffes über-1 und seine Genossen? Das war ein Rathsel, das gebe» habe. Die harmlosen Kinder der Südseel Niemand zu lösen verstand.

glaubten es und nahmen die Meuterer mit alter! Unsere Leser kennen das Geheimniß, und es ist Freundlichkeit an ihrem Gestade auf. Diese suchten I Zeit, daß wir nach der Insel Pitkaire zurückkehren, nun im Taumel der zügellosesten Fleischeslust und «Die kleine Schaar fand auch dort keinen Frieden. Schwelgerei die Stimmen ihres Gewissens zu er-»Nach'kurzer Zeit erhob sich für Fletscher und seine sticken. Aber bei aller scheinbarer Sorglosigkeit! Gefährten die Gefahr von einer Seite her, von der konnten sie doch keine Ruhe finden: das Bild des I sie es am wenigsten erwartet hatten. Die Tachitier verlassenen Bootes, auf dem sie ihren Kapitän dem! empfanden bald genug die bittere Täuschung, durch sicherem Untergang preisgegeben, wich nicht von! die sie von ihrer Heimath waren gelockt worden, ihnen. Die Gestalt ihres unglücklichen Schiffshaupt-1 Sie wurden wie Sclaven behandelt und mit Grau­manns, wie er mit seinen Begleitern vor Hunger I samkeit zu aller harten Arbeit angehalten. In schmachtete oder elendiglich im Meere versank, stellte! ihrem Gemüth kochte Rache gegen die Tyrannen, sich von Phantasie mitten in der trunkenen Luft I Fleischer erkannte die drohende Gefahr, und die des Tages und verfolgte sie während der schänd-!Angst trieb ihn, sich in's Innere der kleinen Insel

baren Greuel der Nacht. Zuweilen sahen sie ihn I zurückziehen und da hinter einer befestigten Wohnung

auch im Geist, wie er irgendwo an's Land tritt, sich z» verschanzen. Vergebens. In einem Augen- von ihrem Verbrechen Zeugniß giebt und die gerechte blick, da er nichts Schlimmes ahnte, wurde er Sttafe über ihre Häupter verlangt. Sie hörten die überfallen und mit 4 seiner Genossen erschlagen,

nahenden Fußttitte derer, welche kamen, ihre Füße Die Folge davon war, daß ein blutiger Bürgerkrieg

in Ketten zu legen und sie den Bluträchern zu im Kleinen entstand zwischen den Europäern und übergeben. ' Iden Tachitieren, der damit endigte, daß alle männ-

Fletscher fand keine Ruhe mehr auf Otahaitil lichen Tachitier erschlagen wurden. Nur noch 4 und beschloß eine andere, sicherere Zufluchtsstätte I Europäer blieben übrig sammt den tachitischen Frauen, zu suchen. Mit 6 Tachitieren und 12 Tachitterinnen, I Aber noch ruhte das göttliche Vergeltungsgericht von welchen 9 an seine Leute und 3 an Tachitier I Einer der überlebenden Europäer erfand ein verheirathet waren, verließ er die Insel und suchte I Mittel, aus einer Pflanze ein berauschendes Getränk ein einsamer gelegenes Eiland auf, wo er eine Art I bereiten. Die Folge davon war, daß Trunken- Festung bauen ließ. Aber auch eine Festung giebt I ^ch zu dem übrigen Elend der kleinen Kolonie keinen Schuß gegen ein böses Gewissen. Wieder I hinzukam. Zwei von ihnen befanden sich in einem wurden die Anker gelichtet, die Segel entfaltet rntb I fOIttoä§renben Tollrausche. Der Eine fiel in einem dieBounty" zog hinaus in die weite Wasserwüste; LoIdjeit Zustande von einer Felsklippe herab und man wußte selbst nicht wohin. I brach den Hals; der Andere wurde in einem Streit

So kam man in die Nähe der Insel Pitkarre. I bon ben noch überlebenden Zweien erschlagen.

Einsam und abgeschlossen von dem Weltverkehr, Mittlerweile wuchs eine Schaar von Kindern wie sie war zudE durckdie sie «benden englischen Vätern und tachitischen

Korallenriffe für die großen Seeschiffe fast unnah^r,!^»^^ abstammten. Ohne Pflege und Aufsicht, schien sie den besten Schutz zu gewahren. Die I Unterricht und Lehre, nur das Beispiel von "Bounty" warf Anttr auf der Hohe des offe n ^ünde und Verbrechen vor Augen, schienen sie ein

Meeres; die kleine Schaar wurde aus Booten an s I wertes Geschlecht zu werden, das in sich die

; Land gebracht, ebenso ihre ganze H°be. Nachdem k be§ civilisirten Europäers und die Versunken- Alks in Sicherheit war, wurde das $ ' I heit des unwissenden Heiden vereinigte. Die Meuterer

das die Meuterer mit der übrigen Menschh ' waren auf die Zahl von 2 Männern herabge-

1 dunden hatte, zerrissen. Auf dreBo " $ . J:|fd)moläen, von denen überdies drr Eine bald darau

ein Feuerbrand geworfen und in wenigen Stunden 1^^ endlich ein Einziger nur noch dastand war das Schiff, dieser Zeuge ihrer Frevel bi fLon denen, die einst an der Meuterei auf der den Meeresspiegel abgebrannt. »den!Bounty" Antheil genommen hatten. Er war ein

Die That war geschehen. Un .-^^ einfacher Matrose gewesen und hieß John A d a m s. sie da, ausgestoßen von der übrigen menschlichen 1^' (efejen ber schuldigen Rotte wollte Gesellschaft, ohne Möglichkeit einer Rückkehr Barmherzigkeit Gottes ein Wunder der

andern bewohnten Orten, auf sich selbst und die > wilden Tachier beschränkt, die mit ihnen gekommen ""^ UJUU

" I Adams war in London geboren nnd hatte dort

litt seiner frühen Jngend sein spärliches Brot als

2. Gericht und Gnade. ILaufbube erworben. Von einem Schulbesuch war

Kehren wir zurück zu Kapitän Bligh und feinen I feine Rede. Aber oft, wenn er damals durch die tteu gebliebenen Unglücksgenossen. Ihre Lage, als! Straßen ging, nahm ihn wunder, was auf den sie int gebrechlichen Boot ausgesetzt wurden, war I fielen großen Anschlagzetteln mit den mächtigen eine wahrbaft verzweiflungsvolle. Sie waren wohl I Buchstaben stand, die an den Mauern der Häuser ii ehr als 1000 Stunden von jeder europäischen I Qngef(ebt waren. Er stand zuweilen stille und Niederlassung entfernt; ihr Vorrath an süßem Wasser I betrachtete sich diese Zettel, Md irgend ein anderer und Lebensmitteln konnte nur für kurze Zeit reichen. I Kamerad, der etwas von der Kunst des Lesens Der Ocean drohte sie in jedem Augenblicke zu ver-1 verstand, erklärte ihm dann die Bedeutung der schlinge»; Und wenn eine blühende Insel am I Buchstaben. So hatte er lesen gelernt. Jetzt au Horizont austauchte, so mußten sie fürchten, in bielber einsamen Pitkaire-Jnsel sollte die Frucht von Hände von blutigen Menschenfressern zu fallen. I tiefer Saat aufsprossen. An jenem Tage nämlid Denn damals hatte die Mission jene Insel noch I bie Meuterer auf Pitkaire gelandet und alle nicht in Orte des Friedens und der Liebe um« I von derBounty" ausgeschifft hatten, befand gewandelt. Aber mitten in dieser verzweifelten Lage I sich unter den macherlei Gütern auch eine kleine hielt sie ein muthiges, männliches Gottoerttauen I Anzahl von Büchern, die jedoch als werthlos au: aufrecht. Die entsetzliche Noth hatte sie beten ge=|bte Seite gelegt worden waren. Nachdem Adams lehrt und Gebet, ernstes und vertrauensvolles Gebet, I nach de» schrecklichen Austritten von Blut und Mord war nun die Kraft, die sie beseelte. Und Gott ließ «allein noch übrig geblieben war mit einer Schaar