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und Spanien je 5, Japan 10, Italien 13, Ver­einigte Staaten 16, Frankreich 28, England 93 be sitzen; zu diesen Panzer-Kreuzern kommen noch drei Kanonenboote, 8 Kreuzer 4. Klasse und 5 ältere Kreuzer.

An der Hand im Museum vor der Bühne aus­gestellter Pläne zeigte nun Kapitänlieutenant Weyer in völlig unwiderleglicher Weise das Anwachsen und den derzeitigen Stand der Kriegsflotten der haupt­sächlich beim Seekrieg in Betracht kommenden europäischen und außereuropäischen Staaten und wies auf Grund dieser Darstellungen nach, daß Dewsch- land in Bezug auf seine Flotte, besonders hinsichtlich der Zahl der Schlachtschiffe, nicht mehr auf derjenigen Höhe stehe, die ihm seine Wellstellung, wie die Noth- wendigkeit, in einem künftigen Kriege sich auch auf der See mit dem Feinde zu messen, anweist. Gegen die 18 Schlachtschiffe Deutschlands bat Rußland 27, Frankreich 40, England 70. Aber nicht nur die Kriegsgefahr weise auf die Notbwendigkeit einer Ver­mehrung unserer Flotte hi», sondern auch unsere Handelsbeziehungen zu dem Auslande, wie unsere Kolonien hätten eine starke Vermehrung unserer Handelsschiffe herbeigeführt, und für deren Schutz müsse durch eine starke Kriegsflotte gesorgt werden. 3600 deutsche Handelsschiffe schwimmen auf allen Weltmeeren; in welcher Weile unser Seehandel geradezu angeschnellt, lehrten folgende Angaben:

In den Jahren von 1883 bis 1893 ist der Verkehrs werth teS deutschen Seehavdels gestiegen zwischen Teutsch- land und Peru von 3 aus 5'/, Mill., zwischen Japan von IVi astf 25'/« Mill, zwischen Kanada von 4V- auf 21'/- Mill, zwischen Niederländtsch-Oftii dien von 18 auf 27 Mill, zwischen China von 8"/« auf 47 M , zwischen Chile von 9 aus 105y8 Mill, zwi chen Mittelamertka von 61V, auf 96 > Mill, zwischen Australien von 9 auf 140 Millionen, zwischen den Vereinigten Staaten von 345 auf 812 Mill., zwischen Brasilien on 15 ans 187 Mill, zwischen Britisch- Indien von 18 auf 226 Mill, in Summa eine Steigerung des Werthes des Seehandels von 637 auf 1822 Mill, da­gegen habe der Werth des Seehandels in anderen Staaten erheblich abgcnommen, oder stehe auf bisheriger Höhe fest.

Diese un.eheueren Werthe könnten wir nicht mit der Landmacht schützen, dies könne nur eine Flotte und diese auch nur bann, wenn ihr Material vom Vaterlande gehörig in den Stand gesetzt werde.

Wenn nun, so führt Redner aus, wir mit einer größeren Seemacht in Krieg kommen, so haben wir also weder genügende Schiffe zum Angriff auf die feindlichen Schlachtschiffe, noch zur Vertheisigung der Küste Deutschlands, noch zu der unserer Kolonie», die 5 Mal größer find, als das deutsche Reich. Der Feind wird freilich bei dem Heldcnmuth der deutschen

und patriotischen Vortrag und empfahl die Annahme nachstehender Resolution:

Au

Se. Durch!, den Reichskanzler.

Se. Excel!. den Staassekretär des Reichsmarine« amts Contre - Admiral v. Tirpitz.

Eine zahlreich besuchte Versammlung von Be­wohnern der Universitätsstadt Marburg durch einen Vortrag des Kapitänlieutenants a. D. Weyer von der dringenden Nothwendigkeit einer umfangreichen Verstärkung der vaterländischen Kriegsflotte über­zeugt, richtet an Ew. Durchlaucht (Excellenz) die Bitte, mit aller Kraft für die Durchführung der darauf zielenden Pläne eintreten zu wollen.

Es soll diese an den Herrn Reichskanzler Fürsten zu Hohenlohe und an den Herrn Staatssekretär des Reichsmarineamts Contreodmiral v. Tirpitz geschickt werden. Die Versammelten waren hiermit völlig einverstanden. Rach 10 Uhr erfolgte der Schluß der Versammlung.

DEVortrag über die Flotte.

rgg der Marburger Ortsgruppe des Alldeutschen Ma»des sprach gestern int Museum Herr Kapitän- Etnant a. D. Weyer vor einer ebenso zahl- Ey wie distinguirten Hörerschaft über unsere Flotte. ^Denjenigen, welcher Gelegenheit hat, auch nur E» Theil all' des Falschen und Unsinnigen zu E imb zu lesen, was in der Presse der Flotten- ptr über die deutsche Flotte und das ihr an zjch nicht Röthige geschrieben wird, ist es geradezu , Erholung, aus dem Munde eines Sachver- rdigen Aufklärung über das Wese» und die zeitigen dringendsten Erfordernisse unserer deutschen »ne zu erhalten. Da unsere Flottenftage, wir I von den principiellen Gegnern aller Neuforder pi für die Marine in leichtfertiger Weise miß- pvird, eine Lebensfrage für unser Reich ist, geben wir das Wesentliche aus Herrn Weyer'S Brog an dieser Stelle unseres Blattes wieder.

Der Herr Vortragende gab zunächst ein leicht Endliches Bild über Einrichtung, Bau und lürnng der verschiedenen Fahrzeuge unserer Flotte, zu Zeiten des Norddeutschen Bundes in Berück- tzuug der damaligen Erfordernisse des Seekrieges i verhältnißmäßig entsprechende war. Die Er- rog der Torpedos aber machte einen anderen sssbau und andere Schutzwchren der Schiffe ig, viele luftdichte Abtheilungen, Netze zum Ab- tv der Torpedos u. s. w Die großen, schwer­em Schiffsgeschütze mit ihren Schiffswand-Oeff gm nicht hoch überm Meeresspiegel und be- dktem Spielräume waren bei hoher See nicht zu Senden und keine Waffe den Torpedos gegenüber. «erfand die, zuerst von oben aus den Mast- beu, später von Deck-Bastionen auf's gegnerische i feuernden Schnellfeuerkanonen, und gegen sie te an auch das Deck mit einem Panzer 6er» i Bei uns ist nun leider von 188090 ein gänzlicher Stillstand int Neubau und Umänderung

Umschau.

Zudem Falle LüderS erhält dieKöln. Ztg." aus Haiti folgende Zuschrift:

.Ein hiesiger Deutscher, Emil LüderS, wurde bei An­bringung einer Beschwerde gegen die hiesige Polizei, die sein Hansrecht verletzt hatte, verhaft t, zu einem Monat Ge- fängniß vernrthetlt und ohne weiteres dahin abgeführt. Am andern Tage legte er gegen dieses Unheil Berufung ein, die nach diesigen Gesetzen aufschieberde Wirkung hat Der deutsche Geschärt» träger, Graf Schwerin, desien Hilfe in der Sache angerufen wurde, machte den hiesigen Minister der auswärtigen Angelegenheiten, Stzlon Msnos. auf dir Ungesetzlichkeit des Vorgeheis in böslichfter Weise ansmerk- iam, wurde aber mit überlegenem Lächeln abgewiesen, indem man idm die aufschiebende Wirkung der Berufung wider­rechtlich bestritt. In zweiter Instanz wurde der betreffende Deut'che E. LüderS zu einem Jahr Grfängniß und zu einer ho en Geldstrafe verurtheilt, völlig gegen Recht utb Gesetz. Dieses unbegreifliche Urtheil wurde auf den Druck der Regierung gefallt, man wollte Lüders dadurch zwingen, di« Gnade des Präsidenten anzmufen, wodurch jede Beschwerde hinfällig geworden wäre. Hierauf meldete bei deutsche Ge- schä teträger b n Vorfall seiner Regierung unb erhielt bi« Anweisung, sich unmittelbar mit dem Präsidenten in Ver­bindung zu setzen, sich an seine Unparteiirchkeit zu wend« und die sofortige Fretlasinng Lüders', sowie eine entsprechend« Geldcnlschädigung zu fordern. Zwei Stunden nach Empfang dieser Weisung, am Sonntag, den 17. Oktober, fuhr der deutsche Geschäftsträger in seiner Uniform als Marine» Offizier im Palast des Präsidenten vor und wu de sofort empfangen. Er entledigte sich in knapper deutscher Weise

Seeleute, die doch Söhne aller Kreise unseres Volkes sind, sicher angegriffen werden und auch Verluste er­leide»; aber halte» kann sich unsere jetzige Flotti nicht; wir schicke» jetzt unsere Marine-Soldaten unb Offiziere ber Marine als Märtyrer in ben sicheren Tob dem Feind auf See entgegen, nicht auf Schiffen, die fie siegesfteudig in den Kampf ziehen lassen Wir können unsere Küste nicht vertheidigen. Der Feind, der uns nöthigt, während unsere Landtruppe» gegen feine Landtruppen kämpfen müssen, vielleicht bei Colberg die Küstenwehr zusammenzuziehen, da er dort anscheinend Truppen landen will, dampft Nacht? unbemerft westwärts, und ehe man früh gewahr wird, daß seine Schiffe von Colberg weg find, hat er im Westen schon Truppen gelandet. Der Feind nimmt uns aber auch unsere reiche Handelsflotte als gute Beute. Da wird solch' deutschem Handelsdampfer Dornt Bug ein scharfer Schuß ins Wasser geschickt, was ein Halt! bedeutet, bann g°ht ein feindlicher Offizier mit Mannschaften an deutschen Bord, die deutsche Mannschaft wird als gefangen auf des Feindes Kriegsschiff genommen unb Schiff unb Waare als Beute in einem nahen Hafen verkauft. Haben wir keine Schlachtschiffe, so nützen uns auch bie Kreuzer zur Küstenstcherung nichts. Sie müssen sich dann verbergen in geschützten Häfen, ober werden in den Grund geschossen; ferner würden unsere Küstenplätze beschossen und durch landende feindliche Truppen ge= brandschatzt, > uch würde uns durch feindliche Flotten die Zufuhr derjenigen Bedarfsartikel abgeschnitten, die wir im eigenen Laude nicht selbst erzeugen können.

Der Herr Vortragende spricht nun von den dem- nächstigen Marine-Forderungen; er sei gänzlich un­abhängig von der Regierung, wiffe also auch nichts Näheres; doch dürsten für die nächsten 7 Jahre etwa 400 Millionen gefordert werden, dies entspreche den Forderungen der letzten Jahre. Es ist mindestens nöthig, um unS wenigstens auf die frühere Höhe zu bringen. ES möchten, so schloß Redner seine hoch­interessanten Ausführungen, doch alle vaterländisch Gesinnten für diese Forderungen ein treten und bann sollte vor allen Dingen die Flotte nicht zum Gegenstände der Parteiagitation ge­macht werden, denn sowohl daS Landheer wie die Marine nähmen ihre Soldaten aus allen Parteien, die Flottenfrage gehöre nicht in daS Parteigetriebe, sondern bei ihrer Behandlung müssen Alle eingedenk sein der Worte:Deutschland, Deutschland über Alles". (Lebhaftester Beifall.)

Herr Professor Dr. Fischer dankte hierauf dem Herr Capitänlieutenant Weyer für diesen so instruktiven

Erscheint täglich außer an WerLagen nach Soun- und Feiertagen. Ouartal-AbounernmtS-PreiS bei der Expe­dition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. (exll. Bestellgeld). JnsertionSgebühr für bit gespaltene Zeile »der tat» Raum 10 Pfg., Reklamen für die Zeil« 25 Pfg.

1t an Kriegsschiffe eingetreten, es ist auch feit 1890 olika-

Marburg

Freitag, 12. November 1897.

Technik int Schiffsbau wie in der Schiffs- ine chiung nur bei wenigen von unseren Schiffen Anwendung gekommen, die Mehrzahl unserer füll' ist in dieser Beziehung veraltet, fie find für Ernstfall schwimmende Särge. Der wichtigste ist der Panzer-Kreuzer, van denen wir »tts»k» davon aber drei alte, absolut nicht ge- ernenf®^, und nur einen vorzüglichen neuester Art, «Fürst Bismarck", während Chile, Argentinien

Jllustrirtes Sonntagsblatt. * ».h.....

A-Vigm nimmt entgegen die «Yedttiou diese» Blatte», sowie di« Annoncen-Lnriaur von Haaseustrin & Vogler in vvvn Frankfurt a. M., Caffrl, Magdeburg und Wien; Rudolf ÄAJLil. ^Zllvlg M-ff» in Frankfurt a. M., Berlin, München n. Köln, C. L.

»mb« LCo. in Frankfurt a. M.. Berlin. Hannover. Pari». Tel'vbon 55.

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(Nachdruck verboten.) Manövergäste.

Original - Roman von C. Elfter.

(Fortsetzung.)

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Oberst v. Glaseuapp und verschiedene andere vkre erklärten fich sofort bereit, mirzufahren.

1 Has Herr v. Dennewitz unb Lieutenant Wiet- Mnen fich, in ber Erwartung, auch den Abend [ßTSAL Gesellschaft der jungen Damen verbringen zu sehr für das Forsthaus auf dem Landsberg

Mfiren.

hrtcha und Gertrud warfen dem Onkel, der in ' heimlichen Kampfe gegen Tante Wanda, stets Jetten der Mädchen stand, bittenbe Blicke zu. rafttf «Allenberg verstand diese Blicke sehr wohl und 7" "ttte sie mit schelmischen Zwinkern feiner lustigen

)*Natürlich," rief er,fahren die MädelS .Du sollst sehen, Glaseuapp," wandte er fich Oberst,wie die MädelS kutschiren können!"

-«ber, lieber Mann," suchte Frau v. Allenberg Versen, wurde jedoch von ihrem Gatten lachen» Wochen, der daraus bestand, daß seine Nichten ihren unb wenn es ihnen Vergnügen machte,

-Ä einer Stunde," sprach der Oberst,stehen [],°9en an ber Schloßtreppe bereit. Wer also von den .- Lust hat mitzufahren, mag fich dort einfindeu." II Gesellschaft trennte fich, um theils die

I* aufzusuchen, theils fich in dem schattigen

SS^f-iu ergehen.

vQitytmann v. Dönitz schlug ben Weg nach dem 'hschaslshofe ein. «18 Sohn eines Ritterguts

9 £8 interesfirte er fich noch immer für die Land-

Maft. Hauptsächlich die Pferde erregten fein obgleich bie spottlustigen Kameraden be­

haupteten, Hauptmann v. Dönitz habe nur mit Mühe unb Noth das Reiten erlernt. Die Ställe, welche ber Hauptmann besichtigte, zeigten eine musterhafte Orbuung. Herr v. Döaitz konnte nicht umhin, einem älteren Knechte, ber ihn in ben Ställen umherführte, einige anerfennenbe Worte über ben vortrefflichen Znstanb ber Wirthschaft zu sagen.

Ja, da haben der Herr Hauptmann Recht," er- widerte der Knecht mit breitem Lachen,unser Herr Inspektor versteht sein Geschäft. Die kleinste Kleinig­keit hat er im Kopfe, dieser halb ist er auch wahr­scheinlich so still und für fich allein."

Nun," meinte Herr v. Dönitz,baS ist ja kein Fehler. Kann man denn diesen vortrefflichen Herrn Inspektor nicht einmal kennen lernen?"

Da kommt der Herr Inspektor gerade in ben Thorweg gefahren," erwiderte der Knecht und wies auf ein-n kleinen, mit einem stai fen, braunen Pferde bespannten Jagdwagen, welcher in diesem Augenblicke auf den Hof fuhr. In dem Wagen saß ein kräftig gebauter Mann im Anfang der dreißiger Jahre. Sei» Gesicht war von der Sonne gebräunt, obgleich ein breiter Strohhut tief auf die Augen gedrückt war. Ein starker blonder Schnurrbart beschattete die Ober­lippe, die großen tiefblauen Augen sahen melancholisch unter den dunkle» Brannen hervor.

Hauptmann v. Dönitz stutzte. DaS Gesicht des Inspektors kam ihm bekannt vor und als der In­spektor vom Wagen stieg, schwand jeder Zweifel; er erkannte seinen alten Freund Herbert Sannow wieder. Rasch trat er auf den Inspektor zu, der soeben die Zügel des Pferdes dem herbeteilenden Knecht über­geben hatte, und rief:Bei Gott! Ich irre mich nicht, Du bist'», alter Freund I Wie in aller Welt kommst Du hierher nach Sletko, in dieses weltver­lorene Ding?"

Das Antlitz des Inspektors über flammte eine jähe Röthe. Dann erwiderte er stockend:

-Dönitz Verzeihung, Herr Hauptmann das ist allerdings eine lleberraschung!" Dann fich an den Knecht wendend sagte er kurz:Spanne aus, Michelmann, ich fahre nicht weiter." Und wieder zu Herrn v. Dönitz gewandt:Wie geht es Ihnen, Herr Hauptmann?"

Aber, bester Freund," rief lachend Hauptmann v. Dönitz,seit wann stehen wir denn auf solch' förmlichem Fuß miteinander? Gieb mir Deine Hand und sei herzlich gegrüßt."

Der Jnspeftor reichte dem Hauptmann beide Hände in rascher Bewegung unb ein frenbiger Aus­druck erhellte sein trübes Antlitz.

Nun, wenn Du willst," sprach er,denn also wie geht eS Dir, lieber Hoist?"

So ist'S recht! Das war der alte Ton. Aber Du bist wirklich der Inspektor auf Sletko? Ich glaubte, Du habest schon längst irgenboo ein Ritter­gut gekauft, oder hättest daS Gut Deines Baler S übernommen?"

DaS Antlitz Herbert SannowS verfinsterte fich wieder.Komm' in mein Zimmer," erwiderte er, «dort können wir eine ©tunbe ungestört verplaudern, wenn Du eS überhaupt für der Mühe werth hältst, einem einfachen Inspektor Deine gewiß kostbare Zett zu opfern ..."

Die Worte kamen sehr btiter anS Herbert Sau- now's Munde, so daß Hauptmann v. Dönitz ihn erstaunt von der Seite ansah, während fie über den Hof dem Jnspektorhause zuschritten. DaS war frei» lich noch die geschmeidige krä'ttge Gestatt und daS schöne männliche Scficht seines ftüheren Freundes; dennoch schien er ein ganz Anderer geworden zu fein.

In der Kleidung ließ er die peinliche Sorgfalt öeimiffen, die er früher stets gezeigt hatte; das fröh­liche, offene Antlitz war in trübe Falten gezogen, und die früher so sorglos und frei blickenden Augen sahen schwermüthig unter den zusammengezogenen Brauen hervor. Der Inspektor öffnete die Thüre seines Zimmers und lud Hauptmann v. Dönitz ein, näher zu treten, der den Kopf neigen mußte, um nicht an den Querbalken der Thüre anzustoßen. Er­staunt lächelnd sah fich Herr v. Dönitz in dem ein­fachen, niedrigen Raum um.

Hier hausest Du also, mein alter Freund? An übermäßigem Komfort leidet Dein Zimmer gerade nicht. Du mußt Deinen Geschmack sehr verändert haben. Wenn ich daran denke, wie Du als Reserve­offizier damals in Hannover wohntest

Ich bitte Dich, Horst, laß das," entgegnete Herbert Sannow kurz, indem wieder der trübe Schatten über sein Gc ficht zuckte.

Verzech, lieber Sannow. Ich wollte keine un­angenehmen Erinnerungen in Dir wecken, aber neugierig bin ich doch, wie es Dir die langen Jahre hindurch, wo wir uns nicht gesehen haben, ergangen ist .. "

Der Offizier warf fich in den einfachen Rohr­sessel, welcher am Fenster stand, während sich Herbert Sannow auf den eschenen Stuhl vor dem großen, einfachen Schreibtisch niederließ. Die Ausstattung des Zimmers war im höchsten Grade bescheiden. Ein schmuckloses Bücherregal, ein niedriges, mit buntem Kattun bezogenes Sopha, ein einfacher Tisch und mehrere fremdartige Stühle bildeten das Meublement der Inspektorstube. Als Ueberbleibfel aus einer b fieren Zeit stand in der einen Ecke ein aus Eichen­holz geschnitzter Gewehrschrank, in dem mehrere Degen und verschiedene prächtige Gewehre hingen.

(Fortsetzung folgt.)