MerWD Jeilmg
(Nachdruck »erboten.)
»Wirst Du auch tanzen ?*
Alexander lächelte.
-Ganz gewiß, Mutter! Ich habe in Wien Tanzstunde genommen, — hat Röschen eS Euch noch nicht erzählt? Zwar halte ich den Tanz für eine Unfitte, aber da ich in de» Familien meiner Univerfitätsprofessoren nothgedrungen verkehren muß, o war eS einfach unerläßlich, daß ich tanzte, wollte ich nicht Spott und Verwunderung herausfordern. Sei daher ganz ruhig und unbesorgt, — ich werde meine Pflicht heute Abend thun — noch dazu bin ich ein guter Tänzer.*
„Das glaube ich!* Die Mutter athmete erlöst auf. „Du bist ja auch ein hübscher, interessant auS- sehender Mann.*
Der Sohn machte eine gleichgiltig abwehrende Bewegung, als laste ihn dieses Thema vollständig kalt.
„Und ich freue mich, daß unser Teufelchen sich irrte,* fuhr Frau Doris ftöhlich lachend fort, „denn ie erklärte gestern, als von unsere» Tänzern gesprochen wurde, mit Bestimmtheit: Alexander -zählt natürlich nicht mit!*
®r zog seine geraden, schwarzen Brauen ei» wenig empor uud zeigte sein kühles, überlegenes
„Sie wird entzückend heute Abend sein!* rief Frau von Tyrnau enthusiastisch. „Ich habe ihr aus Berlin ein weißes Kleid mit echten Spitzen verschrieben, — Vater brummte und schalt freilich
ein bischen, als er die Rechnung sah, — sie wird
aber einer Feenkönigin gleiche», und wenn er sie
nur erst so sieht, dann ist aller Aerger verflogen!*
„Findest Du eS richtig, das Mädcheu zu diesen Ansprüchen zu erziehen? Das Vermögen, welches der Vater Hinterlasten will, ist, seinen Verhältnissen angemessen, kein großes, — wer weiß, ob sie in ijrem späteren Leben —*
| Roman von Marie Bervhar».
I (Fortsetzung.)
U, Große Gesellschaften find mir nichts als ein FW Zwang,* fuhr Alerander von Tyrnau fort, r® ficht nur Zerrbilder von den Menschen. — E”ift bestrebt, so Vortheilhaft als möglich zu E*-Wtn, und erscheint eben dadurch am unvortheil- Und dann ein Tanzvergnügen mitten im Sommer! Hätte ich nicht gewußt, daß eS Einwand meinerseits wegen der schon um» rWmigenen Einladungen zu spät war, und daß ß °"d Vater mein Widerspruch verletzt haben Wc, sg hätte ich lebhaften Protest gegen diese F .höchst unangenehme Verherrlichung erhoben. Fsthe mich ungern als Mittelpunkt einer Gesell- F1' nnr liebsten gehe ich unbeachtet meine eigenen . unb überdies . . . was sollen mir diese P® Menschen, was soll ich mit ihnen? Keiner nimmt persönliches Jutereffe an mir, die kommen auS Neugier, um zu sehe», was F»em „Sonderling*, denn für einen solchen gelte jU® Ul hiesiger Gegend, geworden ist — Andere Ewrn nm Euretwillen, da ich Euer Sohn bin. F ganze Sache ist nichts als eine leere Form E otten Zweck und Inhalt, und es kostet mich FUwmdnng, als handelnder Akteur dabei mit» Et1®' — ich werde mir wie ein Harlekin vor- patenl*
jjfrou von Tyrnau schwieg und streichefte be- E®“ ihres Sohnes Hand, — sie kannte sein L? lwd wußte genau, daß er seine Abneigung l^cn Formenzwang nicht übertrieb. Nach fr.,?^>use fragte sie ihn mit dem ihr eigenen
"llch-schüchternen Augenauffchlag:
Verhängmßvoller Optimismus.
Wenn in der linksstehenden Preffe behauptet rid), die breite Anhängerschaft der Sozialdemokrake jri »eit entfernt davon, revolukonären Bestrebungen «chi zu huldigen, so wird dem nicht zu wider- jpKchen fei«. Die sozialdemokratischen Führer und |ofeibeamten selbst kennen keine höhere Ausgabe, S dieses noch nicht „zielbewußte* Gros der „Ge- vfieH1' aufzuklären und zu schulen. Verschiedene tzmerkungen der Herren Bebel, Auer und Liebknecht Btf dem Hamburger Parteitage legen Zeugniß davon daß die Zielbewußten unter den Sozialdemo- sratw unablässig darauf bedacht find, neben der Vermehrung ihres „Sttmmviehs* auch für Dressur deS- selben zu ihren polikschen Zwecken zu sorgen.
Wünschenswerth und nothwendig für die Er- sslümg unserer Staats- und Gesellschaftsordnung ist, Rt allseitig zugegeben wird, die Zurückgewinnung ki "icht, dressitteu Anhanges der Sozialdemokratte, lvie die Abwehr des weiteren Eindringens WaldemokraKscher Agitationen in noch nicht von ihr herrschte Kreise. Ist man auf der einen Sette der Idßcht, dieses Ziel könne nur dadurch erreicht werden, pß man die Sozialdemokratie, die auf dem Wege B, die „revoluttonäre Phrase* von sich abzuschütteln sich auf den Boden des Gegenwartsstaates zu bta, gewähren lasse, weil die Arbetter „im freien fieinungskarnpfe* alsdann leicht zu gewinnen seien; \ hat man auf der anderen Seite die lleberzeugung, Hein weiteres Gewährenlassen der ^zialdemokratischeu Agitation, die sächlich nicht aufhöre, auf den Umsturz hinzu- feiten, in absehbarer Zett dazu führe, daß fit staatlichen und sittlichen Grund- «gen unseres Gemeinwesens zerstört fir d e n, daß demgemäß die sozialdemokratische» Wer und Agitatoren durch gesetzliche Maßregeln « der Arbeiterschaft abzudrängen seien.
Der letzte sozialdemokratische Parteitag hat, wie « „Cons. Corresp.* meint, dafür, daß eine Sonder- fägebung gegen die Umsturzagitation durchaus Mmgsvoll ist, mehr als einen Beweis geliefert, »ist eine gar nicht mehr zu leugnende Thatfache, ch die sozialdemokrattsche Führerschaft, die sich über « »freien Meinungskampf* hohnlachend hinwegsetzt, «unbesiegbare Furcht vor einem gesetzgeberischen Weiten gegen ihre Thätigkeit empfindet. Wenn B8m jetzt aufs Neue empfohlen wird, gegen die zer- tatben Einflüsse der sozialdemokratischen Agitation
»Ich bitte Dich!* fiel fie ihm entrüstet iu's sobald fie ihr such' um um ei» «rau ™ Wort. „Ein so wunderschönes Mädchen, - sie traten!* entfle0e"’
«Sfer' fllä”8enbe ma4en' bi- dessen Fra» von Tynrau'S gute Singen hatten sich mit
I Thranen gefüllt.
-Ich nicht. Sie ist jung und unbedacht und,! „Du mthellst hart, — sehr bart!* saat, fi, wie ich glaube, sehr leidenschaftlich, - meinst Du leise. ' W
9 “f ^eichthmn großen Werth .Aber gerecht, — die Zett wird eS lehre»! Daß legen bei ihrer Wahl? lich Dich bettübt habe, thnt mir leid!* er erariff
„Verwöhnt und anspruchsvoll, wie sie einmal ist! ihre Hand und Hutt fie in der seinen fett 9
— leider durch unsere Erziehung geworden, ich muß! h„8 ~ ,
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„Um sie maßlos zu verwöhnen, und ihr jeden! »^^" ^genesKindl* wiederholleerlangsam Wunsch, jede Laune zu erfuflen!* |™ ließ zuglttch rhre Hand auS der feinen gleiten;
„Alexander!* Iber »arme ©Rimmer in seinen Augen war erloschen,
„Nein, — wende Dich nicht ab von mir Mutter, | »e Mt“ten nieder kall und stolz, wie immer.
höre mir vernünftig zu! Daß eine große Versuchung | Die Gedanken seiner Mutter wellten bei der Plege- für Euch darin liegt, Virginie zu vergöttern, kann ich! Achter, und fie hatte seiner nicht Acht: als eine Uhr mir wohl von Eurem Standpunll aus denken, bennjtn Nähe schlug, fuhr fie aus ihrem Sinnen auf. einnml habt Ihr fie, die Ihr als kleines Stab) »Um acht Uhr habe ich das Souper bestellt und zu Euch nahmt, lieb gewonnen... bann auch* . . .lich glaube es ist beretts sieben.* — Sie erhob sich Alexander zandette einen Moment... „dann auch .. .1 „Unb jetzt noch eine Bitte, Alexander.* tft sie wirklich sehr schön, — ungewöhnlich schön! Für! „Nun?*
^"^^angenen Beobachter aber ist fie etid unb! -Du hattest immer eine hübsche Sttmme, und egoistisch vom Schettel bis zm Sohle! So wie ich fie! Dein Freund sagte uns. Du hättest i» Wien bei zu finden erwartete . . . genau so habe ich fie ge»! einem berühmten Sänger Studien gemacht, — — funden! SBie fie mir entgegentrat in dem eleganten, eng I würdest Du heute villeicht etwas fingen ?*
S K" ”“b frifirt, nach neuester „Zm Unterhaltung dieser fremben Leute? Nein,
Wöbe, wie bte seinen Salonbame» Wiens eS nicht! Mutter I* '
beffer könnten. — mtt bem fiegeSwissen Augeuauf-1 Auch nicht wenn Dein Vater und i* Di»
<btafl und dem selbstbewußten Lächeln, erfüllt, dmch-Idarum bitte»?* $ $
«2*?r• r?Schönheit, von dem „Auch dann nicht! Eine große Gesellschaft mit
<m er ihrer Pe^öalichlltt . ... da gewann ich die «Liedern zv amüfire», um ihr Gelegenhett zum KlatfL cberzeugung, daß dies Mädchen blindlings den eignen! zu geben, widersteht mir! *
SM wünschen folgt, unbekümmert um die „Du solltest den Umgangskreis Deiner Eltern Sttmme der Vernunft, unbekümmert nm Eure Pläne! nicht so kraß vermthetten, ohne ibn in Z», «ud Absichten, die fie rückfichtSloS durchkreuzen wird,! Sohn!* ' 9 3U Ienne”' met»
L n/rCffC' b? Sozialdemokraten mtt gesummte gesicherte Wissen der Gegenwart in feiner
LS ? ”1 “nb «»begründetem OpttmismuS vollendetsten Form stützen, ober nur auf ein partielles, ?TT ÄI kundgeg-ben-n Ver- und je nachdem der Uttheilende seinen Standpunll bie oemätinT Ä?CmOlr?Wer Äb°6 böher oder niedriger gewählt, stehe» fie verschied«; ddetf be« reöota«onären ^id- immerhin aber wird man zugeben können, daß Alle»
1 Ä mcht». geändert werde? gleiche Gelegenhett zur BethStiguug gegeben werden
. .W« wollen em solches Zeugmß von der unver-Irnuß; aber nur dann, wen» sie voll und auberten reüoluhonaren Abficht ber Sozialbernollatie«ganz auf dem Boden des erreichte» etas ah,TIU,inff Arbetterzettung*, gesicherten Wissens und der besten wisset
nhbnr^iftS6rÄ Mch °m ^meisten schastlichen Methode stehen, und wenn ihre Befreier sfiffÄ?1<? r b“ soö'°ldemollattschen durch ihren Charakter die Garantie
Patte, schreibt Folgende»: biete«, daß ihre Ueberzeugnng nicht durch
-Ginge die „Entwickelung* von selbst ihren Weg, danuILeidenschast, Klasseninteresse, Egoismus !?nni'n wir - und doch auch die Herren „Demokraten* -1 unb Streberthum, sondern allein durch der feudalen Gesellschaft zur"bü°r6gerlich"^GesellschaftIL“,8 ® e j.a m >»twohl bedingt ist. Damit sich aber nicht von selbst, sondern erst durch die politische!>Get»t auch das Krttenum gegeben zu fein, um die SeBoIution Dottioflen hat, dürfte in der Eschenheimer-Berechtigung deS jetzt ost gehörten Wortes, es müßten Frankfurt w M nicht ganz unbekannt sein. Und an den Universitäten alle vorhandenen Mchtungen der sellschaft wird durch bi«8fo»hiIe“«In Hon®-12Biffe»to°ft gleichmäßig Vertretung finden, zu prüfe» der Geburtshelferin der Entwickelung — vollzogen werden, |un» ™ seinem Wetth zu bestimmen. Es hieße, sich und deßhalbi st die Sozialdemokratie stets« bem Fortschritt und der Entwickelung entgegenstemmen, .äÄHs:" mb
Knie einknicken!* «Methoden den höherstehenden und durchgebildctere»
Dieses eine Zeuanik mfifcfe I Weder stritte Smithianer noch sfritte
au» für bi, nhHmifr!« TS» Un’et 8 GrachtenSlMarxianer können heute Anspruch mache», für voll« günstig« Ansicht üb^dtt I gehalten zu werden. Wer nicht auf dem
zukommen Es ift in der Tbot ,in, s» v- ,r -1 ^»ben der heutigen Forschung, der heuttgen gelehrte» Ber^a^ntwortlich^keiT Me m. ?iIbunfl ** * feta brauchbarer Lhrer Unb
sich nehmen welche frotz I 0Üt t’°» d-n Vertreter» der witthschoft-
fahren, den deutschen Reichsbürgern^ bie ®Soäial= b?©SfCöone^itun a?n “d»' bemokratte als eine ungefährliche, ben auf bie Staats-1snnJL.. 1 9 e ”' a»®^te «nb
___________________________________________________ I solcher Interessen steheub, biefe so häufig mit bem _ I Gesammtwohl unb bem Gesarnrntintereffe verwechseln, Umftöau. |°.bct auf bie Lehrstühle ber Universitäten gehören sie
q- m, T r. . . n .. „ , ! nicht. Das zeigt uns auch bie Uebeilegung, daß
1 ” f“”b nöefttr» die Ueberga bei bann für jede soziale Klasse besondere Docmten und des Rektorats der Un.vers.tät von Prof. Anwälte ihres Klasseninteresses berufen werden müßten- IZLn? V' -A?TIIeiL ?eS leeren! ein Chaos widersprechender Sätze, eine babylonische Anfrtttsrehe ,st mcht ohne aktuelle Bedeutung; fielVerwirrung, die Steigerung der Leü>enschafteu -e -°b°lte hoä Thema: „Wechselnde Theorien undlund des Hasses wären die Folgen Der aka- ' SÄf Ortzeiten im Gebiete der Staats- und l demische Lehrer praktischer Discipline» kann und darf bie heutige deutsche Volks nur einen Leitstern haben: das Gesa mm t-
wrtthschaftslehre . Die Ausführung gipfelte inlwohl und das Gesammtinteresse * folgenden Sätzen: „Diese Theonen stehen sich nicht "C1
glcichwetthig gegenüber. Je nachdem fie sich auf das! -------------
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M ’ »d« deren Raum 10 Pfg„ Reklamen für die Zette 25 Pfg. L>0NNtag, 17. Oktober 1897. Berlin München u. Köln, (5. L. °
l. 1 1 == =°____________ • Daube »Eo. in Frankiutt a. M.. Berlin. Hannover. Vari». Teleptz»» 55.
auf die Ergreifung von Repressivmaßregeln bedacht zu sein, so ist das durchaus folgerichtig und wir zweifeln nicht daran, daß dieser Gegenstand an maßgebender Stelle ernsthaft in Erwägung gezogen wird.
Die Gegner eines Zwangsvorgehens gegen die Umsturzgefahr zerfallen in zwei Gruppen. Die eine wünscht die Sozialdemokratie als polittsche Bundes- genosfin gegen die „Reaktion* zu konserviren, die andere verwirft ein Represfivvorgehe» gegen bte Sozialbemollatte, als „berechtigte Partei,* aus bottrinflren Grünbeu. Beide Gegner aber gehen von ber Anschauung auS, baß die Sozialdemollatte au- gehört habe, staats- und gemeingefährlich zu fein und baß fie insonderheit auf dem Hamburger Patteitage ihre „Manserungsfähigkett* bewiesen habe. Wrr halten diesen Optimismus für äußerst bedenklich; denn dadurch wird das „Bürgetthum* geradezu abgehalten, den unabweisbaren Kampf au: Leben und Tod gegen die Sozialdemollatte zu führen.. Dieser Optimismus bringt bürgerliche Kreise, denen naturgemäß die Gegnerschaft gegen die Sozialdemokratie im Blute liegen müßte, der Umsturzpartei näher und erleichtert die sozialdemollatische Agitation.
ES ist ein verhängnißvoller Aberglaube, wenn mau die Sozialdemollatte nach ihrer heuttgen ge» mäßigten Taktik beuttheilt. Diese Tattik entspringt doch nur dem Wunsche der sozialdemollatischeu Patteileitung, in möglichst kurzer Zett einen möglichst starken Auhang fich zu stcher», um die Macht im Parlamente zu gewinnen. Daß dies nur bann möglich ist, wenn bie „Bourgeois* eingeschläfert werben, wissen bie leitenben „Genossen* ganz genau; eS wäre also bie unsinnigste TaM, mit „revolutionären Phrasen* um sich zu werfen. Wie man aber der Meinung sein kann, die Sozialdemollatte sei im Begriffe, fich auf den Boden des Gegenwattstaates zu stellen, ist uns unbegreiflich. Eine solche Meinung kann sich nur entwickeln, wenn die sozialdemokratischen Dinge ganz einseitig aufgefaßt werden, wen» man nur die für feine Ansicht günstigen Erscheinungen in Befracht zieht, die gegenteiligen aber ignorfrt.
Handelte eS sich hier um persönliche Ansichtssachen, so könnte das der Allgemeinheit gleichgilttg sein! da aber diese einseitigen Befrachtungen durch einen große» Theil der Presse gehen und geeignet sind, in der öffentlichen Meinung Verwirrungen an zuttchten und die „Bourgeois* dem sozialdemokratischen Vordringen gegenüber gleichgilttg zu machen, so ist eS dringend nothwendig, dagegen beharrlich anzukämpfen. Weßhalbverschweigt