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M 239.

Telephon 65.

Marburg

Dienstag. 12 Oktober 1897.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Quartal-Abonneuients-Preis bei der Expe­dition 2 Mc., bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. («xkl. Bestellgeld. Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.. Reklamen für die Zeil« 25 Pfg.

MechM m

Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhai«.

Jllustrirtes Sonntagsblatt.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieser Blatter, sowie di« Annoncen-Bureaux vou Haasenstein & Vogler in yYVTI CVaKva Frankfutt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf ml».

Moss« in Frankfutt a. SDt, Berlin, München u. Köln, L. L. kk

Daube & Co. in Frankfutt a. M.. Berlin. Hannover. Vari«. Telephou 55.

Nach dem sozialdemokratischen Parteitage.

* DieArbeiter" sind »ach dem sozialdemokati- schw Parteitage in Hamburg über ihre Lage gerade so klug, wie vorher. Wir können das ruhig auch oos all' den Arbeitern sagen, die dem Gange der Verhandlungen deSArbeiter" - Parlaments, wie es fälschlicherweise derVorwärts" nennt, aufmerksamst gefolgt find. ES haben in Hamburg wieder sozial­demokratische Führer und Parlamentarier, sozialdemo- frotifdje Gastwirthe, Redakteure und Schriftsteller, oazu auch etliche sozialdemokratische reiche Rentner berathen, aber gar kein Arbeiter. Es ist in Hamburg wieder, und so wird es auch daS nächste Mal wieder i» Stuttgart sein, auch nicht über eine einzige Frage, welche die Förderung des Wohles der Arbeiter be- iräfe, berathen worden. Man hat nur des Langen u»d Breftm darüber geredet, was zur Förderung der Partei und ihrer Machtbestrebungen dienen kann. Der Arbeiter hat weiter zuberappen" für die Krippe der Führer und Redakteure und hat ferner so zu wählen, wie es ihm die Patteiführer befehlen, das ist ja das sogenanntefteie Wahlrecht des Arbeiters". Interesse, und zwar auch dies nur in geringem Maße, hat nur ein Beschluß, nämlich der, sich iuPreußen

überall, wo es die Verhältnisse ermöglichen, an den Landtagswahlen zu betheiligen. Kompromiffe und Bündnisse mit anderen Parteien dürfen nicht geschlossen werden".

lleber die Frage, ob es in einem Falle die Ver- hältuiffe ermöglichen, oder nicht, sich an diesen Wahlen bl Preußen zu bctheiligen, über die Candidaten usw. hat nicht etwa diefreie" preußische Sozial- demoftatie zu bestimmen, diese Dinge verfügt alle die Leiwng der G e s a m m t p a r t e i. So beschloß bet Parteitag. Zur Frage derverbotenen" Kompromisse und Bündnisse mft anderen Patteien schrieb Liebknecht selbst noch 1894:

Der Parttknlarismus hat uns gute Dienste geleistet, wir unterhalten auch Be­ziehungen mit Sonnemann. Solche Bündnisse und Verhältnisse find in der praktischen Politik unvermeidlich und unter verständigen Menschen find fie auch durchaus ehrlich. Man geht zusammen, solange eS nützlich, und trennt sich, sobald die Bedingungen erfüllt oder nicht mehr vorhanden. Natürlich darf man sich nicht über­tölpeln lassen".

(Nachdruck verboten.) Das Teufelchen.

Roman von Marie Bervhar».

(Fortsetzung.)

Könnte man nur daS Kind nachdrücklich und Beweisen vor dem Rittmeister warnen!" sagte von Tyrnau.

Das geht nicht an! Hier find Dinge im «Piel, die sich der Kenntnißnahme eines jungen Mädchens am besten für immer entziehen! Auch ännte eine Warnung, gescheit wie fie ist, fie leicht Mtzig machen und womöglich das Gegentheil er- Meu! Thelle ihr gelegentlich wie selbstverständlich wst, daß ein solcher Mann für fie niemals in $e« Mt kommen könne . . . einmal, weil das kleine «ttmögen, welches ich ihr ausgesetzt, nicht im Ent- stmtesteu den enormen Ansprüchen eines so ver- H^uten Kavaliers eutspttcht, sodann, weil ich meine Wtat Gründe habe, diesen glänzenden Offizier für «men Ehrenmann in meinem Sinn zu haften! DaS Alles natürlich nur in dem Fall, wenn Du zu be- ^en glaubst, daß ihre Phantafie gefangen ge- w>mmen ist und fie für den Rittmeister schwärmt!

denke, Deine Befürchtung wird sich nicht be- Ortzeiten. Birginie hat einen gesunden Sinn, an^ daß fie diesen Adonis nicht allzu oft trifft, soll ®'tae Sorge fein, die wenigrn flüchtigen Bc- legnungen werden ihr, will's Gott/ nicht gefährlich seiul Sehr erfreut, meine Herren, Sie bei mir bekommen heißen zu können!"

Damit begrüßte Herr von Tyrnan in heiterster ^befaugenheit seine Gäste, und seine Fran be- ^udette im Süllen die Gewandthett, mit der er A Unterhaltung leitete, wie die kühle Reserve, mtt welcher er, in Form ausgesuchter Höfligkeit, den

UeberdieS lesen wir hierzu in einem doch hoff­nungsreichen Berliner Demokratenblatte das Urtheil, Kompromiffe, wenn auch nicht zwischen den Fraktionen, so doch zwischen den Wahlmännern der zweiten und der dtttten Wählerklasse werden, ttotzdem fie der Form nach ausgeschlossen sein sollen, that- sächlich Platz greifen".

Uns kann eS ja recht fein, wenn die Sozial­demokratie in Preußen bei den Landtagswadlen mitthun will; es wird dies immer ein Faktor fein, der die etlichen schläftig gewordenen Wähler der bürger­lichen Parteien in so manchem Kreise etwas zur Wahlbetheiligung auch ihrerseits auftütteln wird. In unserem Landtagswahlkreise wird bei dem politischen Verständniß und ruhigen Urtheile unserer Landtags­wähler auch dieverbündete" Sozialdemokratie mit ihrem verbündeten Kandidaten nichts ausrichten; höchstens ist von den sozialdemokratischen Wählern, da hierbei nicht geheim gewählt wird, derMuth des Bekenntnisses" für späterhin verwerthbar; sonst hat eS hier nichts auf sich, denn hier ist kein Feld für die Sozialdemokratie. Davon weiß Herr Trageser in Frankfutt nach der Bekanntschaft mit unserem Bäckergehilfen-VereinGermania" ein recht niedliches Geschichtchen zu erzählen.

Weiter aber wird in unserem Staate daS Ein­treten der Sozialdemokratie in die Landtagswahlen die innere Wahrheft der nachstehenden Thatsachen nie erschüttern, welche ein Berliner Blatt nur zu richtig betont, in dem es heißt:Im Parlament sollen die gereifte Lebenserfahrung und das höhere staatliche Jntereffe die Entscheidung über die Gesetzgebung geben; dort soll das Überlegene Uttheil darüber befinden, wie weit die in der Presse und in den Versammlungen laut gewordenen Wünsche eine Berechttgung haben und sich mft dem Staatswohl vettrageu. Dott kann also nicht das Geschrei der denkunfähigen und irre geleiteten Volksmenge und der von ihr auf den Schild erhobenen Demagogen den Ausschlag geben; das Staatswohl bedingt vielmehr, daß die elementaren Dolksströmungen ein ausgleichendes Gewicht erhalte» durch die Rücksichtnahme auf die erhaltenden Faktoren im Staat, deren Bedeutung für die Gesammthttt sich allerdings nur unvollkommen, aber bis zur Ein­führung eines anderen Maßstabes doch annähernd in der Summe der materiellen Leistungen für die Staats- gememschast zu erkennen giebt "

Und so wird, das glauben auch wir, die Sozial­demokratie nie int Stande fein, in Preußen das Dreiklaffenwahlsystem zu beseittgen, möge fie lamen« Liren und schreien, wie fie will. Dies Wahlsystem

Neffen seines alten Freundes behandelte. Der guten Frau Doris wurde aber Angefichts des schönen Mannes in seiner reiche», goldgestickten Uniform, seiner gewandten Unterhaltung und seiner feinen, ein­schmeichelnden Manieren das Herz immer schwerer, und mit wahrer Secleuangst sah sie dem Augen­blick entgegen, da Virginie tat Salo» erscheinen solle.

Leider sollten ihre Befürchtungen durch die Wirklichkeit noch überttoffen werde».

Dr»n kaum hatte ihre Tochter das Zimmer be­ttete», als ihr Blick mit dem des Gastes, der sofott aufgesprungen war, im lächelnden Einverständniß zu­sammen« as. Die schönen Augenpaare senften sich in einander, und es entging der erschreckten Mutter nicht, daß Virginie ein rasches Zeichen des Schweigens machte, das der Rittmeister einem leisen zustimmenden Wink beantwortete. WaS um Gotteswillen hatte diese stumme Sprache zu bedeuttn? Und das Kind war so schön in dem einfachen, schwarzen Kreppkleide, das sich schmiegsam um ihre jugendliche Gestalt legte und das leuchtende Weiß ihres Blumengesichtchens, die Goldfarbe des Haares noch wttksamer hob! Sie war geblieben wie sie war, nach des Vaters Wunsch, keine Schleife, keine Blume, kein Schmuck­gegenstand hatte die Toilette verändett, und sie war noch nie so reizend gewesen!

Rittmeister von Delft meine Tochter Vttgdiie," stellte Herr von Tyrnau vor, der, vertieft in ein Gespräch mit seinem alten Freunde, nichts von dem bedenklichen Augenspiel wahrgenommen hatte, und der ahnungslose Mann hatte feine Freude an der unbefangenen Sicherheit seiner Tochter, auf deren Antlitz weder Bewunderung, noch Erstaunen beim Anblick des schönen Mannes wahrzunehmen war. Er setzte sich wieder zu Herrn von Malisky,

ist nach allen Erfahrungen mit dem Reichswahlrecht das feste Bollwerk der staatlichen Erhaltung. Und selbst wenn das preußische Abgeordnetenhaus je die Physiognomie des gegenwärtigen Reichstags annehmen sollte, und die vereinte Demokratie ihre» Ansturm dagegen versuchte, würde dieses Bemühen ohnmächtig sein. In Preußen hat glücklicher Weise auch »och daS Herrenhaus baS Wort.

Umschau.

Für uns in Hesse» hat eine Antwort diesmal umsomehr Interesse, die Bayerns Kriegs­minister in München in der Kammer auf eine Centrnms-Jnterpellation ertheilt hat, weil die Kaisermanöver diesmal in unserer Gegend stattfanden. Die Interpellation lautete:

Bei den diesjährigen größeren Truppenübungen wurden an die Mannschaften Anforderungen gestellt, die alles bis jetzt bei solchen Gelegenheiten Geleistete weit übertreffen. Die Folgen dieser großen Strapazen sind nach Mtttheilungen von Augenzeugen und nach den Berichten der Breffe Selbst­morde, eine größere Anzahl von Tode«- und Unglückrfällen und zahlreiche Erkrankungen. In den weftesten Kreisen des Volke» besteht hierüber «ine liefe Beunruhigung. Die Unter­zeichneten erachten fich zur Anfrage verpflichtet: Ist die Köntgl. StaatSiegierung in der Lage, Ausschlüsse zu geben, die geeignet sind, diese Beunruhigung zu beheben?"

Die Antwort deS Kriegsministers besagt:

WaS die Anforderungen anbelangt, so bewegten sich die den Paraden vorhergegangeven Manöver vollständig im Rahmen der alljährlichen größeren Truppenübungen und kann von außergewöhnlichen Anstrengungen nach keiner Richtung hin die Rede sein. Auch bei den fünftägigen großen Manövern waren die Anforderungen an die Truppen keineswegs übermäßige und überstiegen nicht jene An­forderungen, welche im Hinblick auf den Kriegsfall gestellt werden müssen und welche auch bei sonstigen Manövern häufig an die Truppen herantreten. Ein« größere Marsch letftung war überhaupt nur am 6. September zu bewältigen. Wo immer aber auch größer« Anforderungen an die Leistungen der Truppen herantrateu, Überall wurden sie glänzend be­wältigt. Fälle, daß eine Truppe bis in den Zustand der Erschöpfung gelangt so zu sagen .liegen geblieben" wäre, kamen gar keine vor« Erheblich erleichtert und ge­mildert wurden die durch die Unbilden der Witterung und die Masfirung der Truppen hervorgerufenen Erschwernisse des Manöverdienstes durch das nach übereinstimmendem Urtheile aller Truppen überaus freundliche und opferwillige Entgegenkommen der Bewohner schäft des Manöverfeldes, was im Namen der Armee hier zu kouftatiren die Pflicht der Dankbarkeit gebietet. (Beifall.) Der allge­meine Gesundheitszustand der Truppen während ter ganzen Druer der diesjährigen Manöver muß nach den vorliegenden Berichten als durchaus gut be­zeichnet werden. Auf Grund des dem Kriegs­ministerium vorliegenden RapportmaterialS läßt sich

goß ihm vom Neuem das Glas voll und war über­zeugt, feine klnge Frau würde alles Uebttge zur Zufttedenheft arrangiren; et wußte, hatte er sich erst einmal ausgesprochen, daß er sich auf fie ver­lassen konnte.

An dem lebhaft ausgesprochenen Verlangen des Rittmeisters, den Lobkowitzer Park zn sehen, konnte gewiß Niemand etwas Verdächtiges finden. Frau von Tyrnau ergriff Tuch und Sonnenschirm, nm die Ehrendame abzngeben und nahm fich auch vor, dieses Amt im strengsten Sinne des WotteS anS- anSzuüben.

Die Drei hatten lebhaft während ihrer Wanderung gesprochen, und nun lenkten fie in eine fast unabsehbare lange Allee hoher Nußbäume ein, deren Zweige fich oben so dicht i» einander ver­flochten hatte», daß kein Sonnenstrahl hier Durch- gang fand. Jetzt bei dem nmwölkte» Himmel herrschte ein 'grünumsponnenes Halbdunkel in dem schmalen Gange man hörte eine Weile nur das Klirren des Schleppsäbels des Rittmeisters und das Rauschen von Frau von Tyrnan's Kleid. Die Augen des schönen Mannes streiften mit hastigen, verstohlenen Blicken daS junge Mädchen an seiner Seite fie fühlte das und hielt die Wimpern gefenä.

LauteS Rufen vom Schlöffe her unterbrach das Schweigen, der alten Thereska Stimme ließ sich alsbald unterscheiden, in abgebrochenen Klagelauten. In wenigen Minuten war fie mit ihrer Unglücks- botschaft zur Stelle: beim Neubau des Speichers war einer der Dachdecker aus bettächtlicher Höhe herabgestürzt und für tobt vom Platz getragen worben. Die Frau bcS Verunglückten weine unb jammere herzzerreißenb, bie Leute hätten ja sammt unb sonbers bett Kopf verloren, ob beim bie gitäbige

konstotircn, daß der Gesammtttankenzugang in der Arme« Heuer ein geringerer war, als im gleichen Monate des Vor­jahres. (Hört.) Letztere« gift auch für den Monat September trotz der großen Manöver unb schlechten Witterung. An Unglücksfällen und ernsteren Ver­letzungen tat Manöverfeld« wurden im Ganzen 17 ge­meldet, von denen jedoch vier mit den Hebungen und den Anstrengungen in keinem Zusammenhänge flehen, sondern sich im Quartier, beim Baden u s. w. ereignet haben. Es bleiben somit nur 13 Fälle in unmittelbarem Zusammen­hänge mit den Uebungen, und zwar; sieben Knochevbrüche, zwei Verletzungen durch Lanzenstich, drei Schußverletzungen durchPlatzpatronen, «ine Quetschung des Oberschenkels in Folge UeberfahrenS durch ein Geschützrad. Es ist das der Mann vom 6. Cbevanxlegers-Regiment, der gestürzt unb vom Ge­schütze überfahren unb angeblich gelobtet wurde. Von den zwei Verletzungen durch Lanzersttch wurde die eine herbei­geführt im Vorbeireiten an einem Wagen, auf welchem Lanzen verladen waren. Von sämmtlichen Ver­letzten ist Niemand gestorben. Die Gesammt- zahl der Verletzungen 13 muß im Vergleich zur Ausrückestärke von 60 000 Mann als eine außerordentlich geringe bezeichnet werden. Selbstmorde kamen int Manöver­felde zwei vor unb ein Selbstmordversuch. Ein Mann des 19. Infanterie-Regiments erschoß sich am 22. August in Rügland im Zustande der Trunkenheft, nachdem er kurz vorher im gleichen Zustande Exceffe verübt hatte. Der andere Selbstmordfall bekifft einen Mann des 7. Infanterie- Regiments, welcher sich am 21. August in der Gegend von Stadtlauringen eigenmächtig von seinem Truppen!heil ent­fernte unb erst nach 12 Tagen mittelst einer Platzpatrone aus seinem mitgenommenen Dienstgewehre erschossen auf« gefunden wurde. Dem betreffenden Manne war vor seiner eigenmächtigen Entfernung wegen hochgradiger Trunkenheit eine Strafe zudittirt worden. Den Selbstmordversuch be­ging am 26. August in Marktbergel ein Mann des 14. Infanterie-Regiments aus Scham darüber, daß er Nachts sein Bett verunreinigt hatte, der betreffende Mann ist psychisch erblich belastet. Die sämmtlichen vorangeführten Fälle von Selbstmord unb Selbstmordversuch fallen in die Zeit vor den großen Manövern. Für die Annahme, daß einer oder der ander« dieser Fälle mit den Manöver­anstrengungen im Zusammenhang stehe, hat fich nicht der leiseste AnhaltSpuntt ergeben Ei wähnt möge sein, daß in der Zeit, in welcher diese drei Fälle von Selbstmord unb Versuch hierzu bei btn zu ben Manövern auSgerückten Truppen ber ganzen Armee sich ereigneten, zu Hause bei ben wenigen zurückgebliebenen Mannschaften ebenfalls brei Selbftmorbsälle vorkamen.

Der franzöfifche Ministerpräsibent Meline hielt in Rernirernont eine große Programmrede. Meline sprach vorttefflich. Die Rebe griff mit größter Heftigkeit bie rabitale Partei an, bereu einziges Programm stets gewesen, burch alle Mittel den Sturz der gemäßigten Ministerien herbeizuführen, um selbst zur Regierung zu kommen. Meline bezeichnet als Hauptaufgabe der nächsten Wahlen die Bildung einer wahren Regierungs-Majorität im Parlamente. Er sagt, der Mangel dieser Majorität sei die eigentliche

Frau, bie ja ein halber Arzt fei, nicht einmal kommen wolle.

Frau Doris zögerte keinen Augenblick. Ohne fich auch nur umzusehen, ohne sich zu bebenken, hastig bie Thränen fortwischeub, welche ber klägliche Bericht ihr in bie Augen getrieben, legte fie ihren Arm in ben ihrer Getreuen unb ging mit ihr, so rasch fie konnte, ihr ganzes Herz erfüllt von innigstem Mit­gefühl, beseelt von bem einzigen Wunsch, zu linber», ben armen uuwiffeuben Menschen beizustehen in ihrer Noth.

Ueber bas Antlitz des Offiziers war ein flüchtiges Lächeln gegangen: auch heute, auch jetzt verließ er ihn nicht, sein treuer Freund unb Bundesgenosse, der bereitwillige Meister Zufall, ber ihm unzählige Male schon in ähnlichen Situationen bie hilfreiche Hanb geboten hatte. Er hatte in feinem er- finberischen Geist fich bemüht, wie er es anstellen könne, bie unliebsame Begleiterin los zu werben, ba enbete mft jähem Schlag ein Menschenleben, unb sein Zweck war erreicht.

Mein gnäbiges Fräulein,--baß ich Sie

so so nennen kann,--es macht mich glück­

lich wie glücklich!"

Ihre schwarzen Augen lachten zu ihm hinauf. Sie müssen mir nicht böse fein, eS war ein toller Einfall, ein kindischer Streich. Aber Sie kamen mir so bereitwillig entgegen dabei, ich konnte und wollte Ihnen den Jrrthum unmöglich benehmen, es amüsirte mich gar zu sehr. Sind Sie böse?"

Selbst wenn ich wollte ich könnte nicht! Haben Sie schon von Menschen gehört, die unter einem Bann stehen, daß sie willenlos werden und einer fremden Macht preisgegeben sind."

(Fortsetzung folgt.)