Telephon 66.
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Diese Wünsche für unfern Kaiser und König — ich weiß es — kommen uns allen aus dem tiefste» Herzen, und darum gelten sie vor Gott so viel wie ein Gebet. Ich bitte, Ihre Gläser zu erheben und einzustimmen in den Ruf:
Seine Majestät, unser erhabener Kaiser und König Wilhelm II. Er lebe hoch!
,Ob es nöthig ist? Und wozu wäre ich denn auf der Welt, wozu nennst Du mich Deinen Freund, der um Deinetwillen seine Studien hier anstatt in München betreibt, seitdem die Berliner Kunstakademie die Güte hatte, mir ein Sttpeudium auszusetzen? Ich, dem ein Lied, von Deiner schönen, sympathischen Sttmme gesungen, jederzeit eine wahre Freude und Erguickung war, jetzt doppelt sein würde, wo — "
„Wenn es das ist, will ich Dir gern etwas Vorsingen, ich habe feit längerer Zeit Unterricht bei L. und er hat mich wesentlich gefördert. Nnr wider- । A"bt es mir, vor den anderen mit meinem Gesang Parade zu machen. Ich will weder Concertsänger werden, noch Stunden geben, noch eine Gesellschaft mit meinen Liedern zum Reden bringen — also finge ich für mich allein.-
„Wenn Jeder sein Licht so nnter den Scheffel stellen wollte —"
„Beruhige Dich, mein Sohn, es thun eS heutzutage Wenige."
»Das ist auch ein rechter Trost. Und übrigens ist der Grund dafür bei Dir nicht Bescheidenheit, sondern Hochmuth, Du findest Dich zu schade, um Dich zu produziren."
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Heinrich Arnsberg trat vom Fenster zurück und bettachtete den Freund von oben bis unten, wie eine Kimosität. Alexander war unter den jungen Leuten, die im Klub einen bestimmten Kreis bildeten, wenig bel»bt, er galt für hochfahrend, verschlossen und ein- gebrldet, und streng genommen, war er das Alles auch. - Gescheut und bei all' seiner Jugend beretts ein töchttger, scharfsichtiger Arzt, stolz auf seine Kenntnisse, über alles Mittelmäßige und Kleine geringschätzig hinwegsehend, kühl und förmlich im Verkehr, ablehnend gegen vertrauliche Annäherung, was
Umschau.
Herr v. Berlepsch ist in seiner Thätigkeit als Minister dadurch bekannt geworden, daß er in der Unklarheit dessen, was er als Heilmittel für das Handwerk anstrebte, unübertroffen in allen Punkten dastebt — ein Entwurf und eine unklare Organisationsidee jagte die andere. Allgemein verständlich klar war er nur einmal, als er den Kalibergbau staatlich monopolisiren wollte, was aber die Volksvertretung dankend ablehnte. Bei seiner Novelle zum Handelskammergesetz versuchte er es aber wiederum mit Unklarheiten, die auf Anbahnung einer korporativen Gestaltung der Gewerbestände mittels obligatorischer Einrichtung von Handelskammern über die ganze Monarchie hinausgingen. Er nahm seine Entlassung, nachdem feine Ideen in der Kommission des Landtags fast einstimmig abgelehnt worden waren. Die Ideen des Herrn v. Berlepsch scheinen seitdem nicht viel klarer für ihn geworden zu sein. Er hat auf dem Festmahl des Vereins für Sozialpolitik zwar unter „lautloser Stille", aber darum doch noch nicht allgemein verständlich genug, ausgeführt: „ES habe sich beim AuSgang des vorigen Jahrhunderts um den Emancipationskampf des brüten Standes gehandelt, beim Ausgang dieses Jahrhunderts handle eS sich um den Emancipationskampf des vierten Standes, eines neu Heranwachsenden Standes, der dieselben geistigen und materiellen Vortheile beanspruche, wie die andern Stände sie besäßen; daS sei ein gerechtes Bestreben und man müsse das dulden und fördern." Herr v. Berlepsch ist also wieder glücklich auf feinen „Ständen", auf der Bildung besonderer Abtheilungen in der Gesell- schäft angekommen. Die „Rhein.-Wests. Politischen Nachrichten" erinnern aber ganz richtig daran, daß es solcher Stände schon ftüher vier gab, Adel, Klerus,. Bürger und Bauern. Herr v. Berlepsch muß also, als er von einem vierten Stand sprach, eigentlich einen fünften gemeint haben. Aber wo in aller Welt existiren denn bei uns noch diese früheren vier Stände mit abgegrenzten geistigen und materiellen Vortheilen, die der fünfte Stand nicht zu erringen
war es, das den warmherzigen, enthusiastischen Maler, den Schwärmer und Sanguiniker, so unwiderstehlich an diese in sich abgeschlossene, unfrohe Natur fesselte? Die Knabenfteundschaft vielleicht? aber Alexander war auch als Gymnasiast nicht liebenswürdig und zutraulich gewesen, er war stets feine eigenen Wege gegangen und hatte Heinrichs Freundschaft mehr geduldet als erwiedert. Der Mann hielt nur, was der Knabe versprochen hatte, . . . wie kam eS, daß der andere nicht los konnte von ihm, ihn ost mit Erstaunen, mit Mißbilligung, häufig sogar mit offenbarem Zorn, immer aber mit Interesse und Theilnahme bettachtete? Heinrich hatte fich oft gefragt, welcher Art das Ge- nhl sei, das ihn an den Arzt band, — umsonst, — daß cs aber ein starkes, durch nichts zu bestegendeS Gefühl war, stand fest. War er ost in Hellem Aerger von Alexander geschieden, hatte er fich selbst gelobt, den Umgang zu meiden, der ihm nur eine Quelle innern Mißbehagens, selten geistiger Uebereinstünmung, gegenseitigen Verstehens war, eS zog ihn doch immer nieder den wohlbekannten Weg, und eine innere Rastlosigkeit trieb ihn um, bis er wieder daS regel» uäßig geschnittene dunkle Gesicht sah, die Augen mit >em klugen, durchdringenden Blick und den geraden richten Brauen. Schließlich hatte der Maler sich in ein Schicksal gefunden. „Ich kann nicht los von ihm", sagte er sich selbst, „er hat es mir nun einmal angeühan, es ist wie ein Verhängniß, für das ich nichts kann. Viel Freude habe ich nicht daran, ich weiß nicht einmal, ob er mich wirklich lieb hat . . gleichviel, eS ist stärker als ich und ich muß mich d'rein ergeben!"
Auch jetzt machte er den alten Gedankengang er» olglos durch, und fein Freund unterbrach fein Nachsinnen mit keinem Wort. In dem Hellen, hübsch ausgestatteten Zimmer war eS ganz still, kein Sttaßenlärm
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Wöchentliche Beilagen: Kreis blatt für die Kreise Marburg und Kirckbai»
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Redaktion und «Wtion: Markt 21. SpOtttttCtftSvlcttt» Verantwortlich für dm allgewemm Theil: Redakteur R. Hartmann
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oder deren Raum 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg. Sonntag. 3. Oktober 1897.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition diese« Blatte«, Annoiicen-Bureaux von Haasenstein & Vogler in vy™ Magdeburg und Wien; Rudolf 2ULXI1. $(11)1(1
M-ff« in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln, C L. ’
Daube & Eo. in Frankfurt a. M.. Berlin. Hannover, Pari«. Telephon 56.
Roman von Marie Ber.har«. L. babi '4 keine Zett . . .auch verstehe ich,
’ Iwre Du weißt, nichts von Deiner Kunst!"
Ein (3oi^nnflJ .. .3a, das soll Gott wiffen! In Deinem un-
»El Sm Königreuh jur em Modell:" empfindlichen Busen schlummert kein noch so dürftiges ^2/'nsberg sprach eg statt des üblichen Fünkchen idealer Begeisterung, ich hätte es sonst ar“1 tn0C^ ei b“8 öur Flamme anfachen müssen. Dein Beruf trttSEL 60n ^rnau Ul erzieht systemattsch zum Gegentheil; wer die
h stmengaffe m SBten betrat. — I lebendigen Menschen blos darauf hm ansieht, ob sie
m,. , .junge Arzt hatte ein Präparat unter der!zu Sttopheln neigen oder einen Herzfehler haben sah nicht auf. «könnten,, der kann unmöglich im Tempel der Kunst
Noch immer?" fragte er kurzweg. „S)a3|ein andächtiger Jünger fein."
Wei kenne ich nun schon seit über vierzehn I „Unmöglich, Du hast Recht! Wozu noch über
«ein so hoffnungsloses Thema Worte verschwenden?' ist nachgerade unerträglich!" faifete ber|cm.,r,¥LC.! mk rIiib .um Dich thut, sapristi!
mtb warf ben unvermeidlichen Rembrandthut I ^sß, wie so Einem zu Muth ist, der wie ßch. „Ein Mensch wie Du hat zu feinem f“nn °°a Anstaunen einer gemalten
"4 ober Unglück keine Ahnung von den Kabalen,IWeil ich eS Dir auch uusereinen verfolgen. Da fitzt er nun über 10onntc' toean Dich müde studirt, sezttt, operirt ■ Z, unappetitlichen Ding und studirt es mitk roa8. tDeiB *$1 ~ hast, ein paar Züge aus ’ Andacht, als wäre eS eine Rafael'sche -1" e“t0? 580111. 8“ thun, der das Alltagsleben /cn5t 6]°”nal Kann eS größere Gegensätze geben als I uberg^bct
(60 tn Beruf und meinen? Und wie es hierIm ,b^0 ^, daß ich zu solchem Zweck meine
*7 riecht! Scheußlich! Euer hochaepriesenes I bebc!
°M!" _ 9 <98 P 1 I „Zu solchem Zweck! Wie der Mensch ba8
" . »Stellt eine reine nesnnb, Pnft 6er „«6 m. I hiusagt, als handle sich's um ein ttockeues Experiment!
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Du bist nicht durchfichtig, und Demi c»st „ .... . „
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*i?UtLno$. sagte Heinrich refignirt und ließ „Nun bitte ich aber!" Der Maler fnhr von
,. . r .------ »Wie erI seinem Sitze auf und stellte fich im Eifer von Neuen
M mir spricht, — es ist unbeschreiblich Iowischen baS Fenster und seinen Freund.
ausdrücklichen Zusätze übernommen, daß er es thue in der Gesinnung seines unvergeßlichen Herrn Vaters, des Kaisers Friedrich, des großen klaglosen Dulders. Königlich und frei hat sich unser Kaiser seitdem allzeit zur evangelischen Kirche und damit auch zu dem Werke des Gustav Adolf-Vereins bekannt. Und er ist diesem nicht nur ein mächtiger Protektor, sondern wie er es als Mitglied des Gustav Adolf-Vereins schon vor seiner Thronbesteigung als Prinz Wilhelm mar, auch ein gütiger Förderer geblieben bis au: ben heutigen Tag. Niemand darf es uns verübeln wenn wir, die Söhne der Reformation, mit Stolz und Dank auf unfern evangelischen Kaiser blicken. War er es doch, der bei der Weihe der durch ihn herrlich erneuerten Wittenberger Schloßkirche, der Wiege der deutschen Resormatton, die Worte sprach:
„Auf dem Gebiete des Glaubens giebt eS keinen Zwang. Hier entscheidet allein die freie Ueber- jeugnng des Herzens. Und die Erkenntniß, daß sie allein entscheidet, ist die gesegnete Frucht der Re» sormatton. Wir Evangelischen befehden Niemand um seines Glaubens willen, aber wir halten fest an dem Bekennt» nisse des Evangeliums bis in den T o d."
Dieses königliche, versöhnliche Bekenniniß zu den Errungenschaften der Reformatio» hat weit über die preußischen Lande hinaus in allen evangelischen Herzen eine Stätte und lauten, dankbaren Wiederhall gefunden.
„Fürchtet Gott, ehret den König, habt die Brüder lieb!" Dieser Mahnung des Apostels ist der Gustav Adolf-Verein immer treu geblieben. Ihr folgen wir auch beute. Heute, wo der Gustav Adolf-Verein feine 50. Hauptverfammlnng in der Hauptstadt des Deutschen Reiches hält; wie könnten wir dabei unseres Kaisers vergessen? Wir huldigen ihm willig und mit Freuden, und ans tiefftem Herzensgründe wünschen wir ihm Heil und Segen von oben, ein allzeit friede- volles und ftöhliches Herz, Weisheit und Kraft für seine großen Aufgaben. Ja, m. H., Gott segne den Kaiser und sein Hans, die theure Kaiserin, die so lieblich, mild und gütig ihm zur Seite waltet, die frischen lieblichen Kinder, die wie die Oelzweige um den Tisch der Kaiserlichen Eltern her sind. Gott erhalte uns den Kaiser noch l ange, lange, den erhabenen Protektor des preußischen Gustav Adolf-Vereins, den Schirmherr» der evangeli- chen Kirchen in seinen Landen, damit wir unter seinem Schutz und Schirm ruhig und still unser evangelisches Liebeswerk tteiben können.
(Nachdruck verboten.) I Anstalt mir Trost zu spenden, mich liebevoll mü l M 5 N. hartem Mitleid zu behandeln —"
Muffes. Aber das darf und muß fonftatirt werden, haß in dem landesherrlichen Kirchenregiment, wie es auch im Einzelnen ausgestattet sein oder noch weiter
w ,z» gestalten sein mag, heute unb für abseh-
litt ft Pit loate Zeit, soweit Mens chenaugen
liehen, die stärkste irdische Gewähr für das vierte Quartal auf die |f01 den Bestand der evangelischen e ILandeS-Kirchen als VolkS-Kirchen
lIie9t Die evangelischen Landesfülsten haben durch VV V pte Uebemahme dieser vor Gott und den Menschen
doppelt verantwortungsvollen Stellung große und «-bst deren Grattsbetlagen schwere Pflichten auf sich genommen, Pflichten „Kreisblatt" für die Kreise Marburg ur.l p,es Bekenntnisses, für deren tteue Erfüllung Sirchbain cHIiiftriprtpei a |bi8 111 ben Dod — Gustav Adolf ihr leuchtendes
Krchham, „Illustriertes SonntagS Vorbild war und alle Zeit bleiben wird. So lange blatt und „B e r l o o r u n g s l l st e b e: leS eine evangelische Kirche giebt, die auf dem unver- kgl. preußischen Klasfenlotterie"l^"silichen Grund des lauteten Schriftwortcs und der «rd-n noch fortwährmd -°n Poft. 'LLfch-ft
anstalten, Landbriefträgern, in der Expedition I siebt, die ihre Hoffnung im Leben und Sterben auf (Markt 21), sowie von unseren Filial-Expe- aus dem Glauben setzt und die
.... . ' . ,, . m ’ u L «nicht ablaßt, dte volle sittliche, persönliche
bttwnen m Kirchham, Neustadt und Wetter Verantwortung des Einzelnen für seinen entgegengenommen. Neu hinzutietende Äbou-«Glauben und sein Handeln hochznhalte», so- * -rh-tt-n di- Nummern des bereits £* *£
onnenen sehr spannenden Romans gratis pn an tastbar es Palladium vertheidigen,— eliefert. ! solange wird eS den evangelischen Landesherren un-
- Ivergessen bleiben, daß ste so frei und so treu
~ I si<k> zu der Kirche der Reformation bekannt und ihre
Eine Rede des Kultusministers lld’t?Tnbc $anb über ’"te spalten haben. Damit ’ Isind sie zugleich eingetreten für das evangelische Siebes» . lSchwb.) werk des Gustav Adolf-Vereins, das Schwache zu
der 50 Hauptveriammlung der G ust av-lstärken, d. h. den armen, nothlcidenden (glaubens» bülr»Stiftung sagte der Kultusminister D.Igenossen, namentlich in der Zerstreuung Hilfe zu osse weiter am vorgestrigen Tage: «bringen und ihnen durch brüderliche Handreichung die
X 7 ® c 8; e" ft rbu,r.*^ Gustav Befriedigung ihres gottesdienstlichen Bedürfnisses und
chs vorhildttcheS mannhaftes, persönliches Ein- die Bethätigung ihres Gemeinbelebens zu ermöglichen.
®.aubcrn unb b e Kirchen der beutschen l Gilt baS von ben beutschen evangelischen Landes- fcformation auf unser evangelisches Volk unb die «fürsten überhaupt, so gilt es in erster Linie auch von uL®“"'5'2; °uch auf ihre einzelnen Glieder, hollem. Daß es auch von unseres jetzt regierenden Wbesondere auch und nicht zum wenigsten auf die Kaisers und Königs Majestät gilt, baS braucht mit wijen evangelischen ß a n b e 3 f ür ft en, bielWorten nicht ausdrücklich bezeugt zu werben Wenn J ? Z’TmQra? »-Schutz, «b Schi-Mher-M bi. M.-fch-n -- »tob“
Nothgebrungen durch buchstäblich die Steine reden, die Steine der l08f der Verhalttnsse mußten sie einst das evangelischen Kirchen, die unter seiner Regierung neu ---- S Är“uMtn T " Jre ^ erftanben find. Unmittelbar nach seiner Thronest- Schluß von ungeheuerer Tragweite, besteigung, im Juli 1888, hat er das Protektorat ^näen üb^hi/ffirE? theoretischen Unter- Über die preußischen Gustav AbolfS-Vereine gleich -—l”1 "d" die Grunde unb Folgen bes Ent-fernen Vorgängern an ber Regierung unb mit bem