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5^65 Usk.

Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg ünd Kirchhain.

Jllustrirtcs Sonntagsblatt.

M 228.

Telephon 55.

Erscheint täglich außer an Werttagen nach Sonn- und Feiertagen. - Quartal-Abonnements-Preis bei der Expe­dition 2 W-., bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. (exkl. Bestellgeld. Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Psg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Marburg

Mittwoch, 29. September 1897.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieser Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux vou Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf M-ff- in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln, C. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.. Berlin. Hannover. Pari».

XXXn.Stfjrg.

Telephon 55.

Denkschrift über die Eisenbahn - Unfälle. DerStaats-Anzeiger" schreibt im nichtamtlichen

Uhr.

en

Theile:

Während die preußischen Staatsbahnen seit einer Reihe von Jahren von schweren Betriebs- Msäüen im Allgemeinen verschont geblieben waren und unter den größeren deutschen Eisenbahnen in Bezug auf die Betriebssicherheit stets eine der ersten Sicllen eivnahmen, haben sie in den letzten Wochen in schneller Folge eine Anzahl zum Theil schwerer Unfälle zu beklagen. Ueber die Beurtheilung der ein­zelnen Fälle hinaus wird in den dieser Erscheinung gewidmeten Betrachtungen die Ursache in tiefer liegenden Mängeln der Verwaltung, besonders in einem über­triebenen Sparsystem, in unznreichendem oder unzu­reichend vorgebildetem Personal und mangelhaftem Material gesucht.

Die Eisenbahnverwaltung ist sich des Ernstes dieser Vorgänge, zugleich aber auch ihrer Pflicht be- idußt, daß sie alles aufzubieten hat, um deren Wieder­kehr zu verhindern und die Betriebssicherheit auf den Staatsbahnlinien mit allen Mitteln, die die Technik Md Verwaltung in fortschreitender Vervollkommnung bieten, auf die höchstmögliche Stufe zu heben.

Die Einzelfälle unterliegen noch der gerichtlichen Untersuchung. Nach ihrem Abschluß wird dem Lande in einer ausführlichen Denkschrift Aufschluß gegeben »erden, welche auch sonstige, aus diesem Anlaß an-

. geregte Fragen einer eingehenden Erörterung unter«

überall da, wo dies nöthig und ausführbar ist, die bessernde Hand anzulegen und diejenigen Maßregeln

5968 wch:

M sichen wird.

Die Verwaltung wird auch nicht zögern, alsbald

____ durchzusühren, die nach pflichtmäßiger Ueberzeugung zur Erhöhung der Betriebssicherheit noch zu treffen lrz sein möchten. Die bereits im Gange befindlichen n bs Ermittelungen der aus 4 bautechnischen, 2 maschmeu-

itltt technischen und 2 Verwaltungsbeamten gebildeten 5846 Ministerin! - Kommission zur Prüfung der betriebs- ficherheülichen Einrichtungen und Anordnungen und der Personalbesetzung auf besonders schwierigen Punkten »eiben hierbei, sowie in den Darlegungen der Denk­schrift volle Verwerthung finden.

_ Indessen darf hier doch wohl schon daran er« innert werden, daß die preußische Staatseisenbahn- [ Verwaltung mit einem Betriebspersonal von über ' 300000 Köpfen ein Eisenbahnnetz von nahezu 30000 km und 5000 Stationen und Haltestellen

»Hk, 586»

>lage )äf* nbck iM ingt» er.

(Nachdruck verboten.)

Das Teufelchen.

Roman von Marie Bernhard.

(Fortsetzung.)

Ein Anderer sang ganz allein ein melancholisches die Thränen der Rührung über den eigenen ®tfang im Auge, mit beiden Händen den Takt auf «n Tisch schlagend. Am Ende der Tafel hatten Mehrere den Kopf auf die verschränkten Arme ge- und schliefen den Schlaf deö Gerechten. Einige Muntersten hatten den Festredner auf ihre schultern genommen und trugen ihn im Triumph den Saal, die Senioren lagen sich in den «rmen und schworen sich einander ewige Freund- schast, während einige wenige Nüchterne ein Paar ^llmpfhahne zu trennen suchten, die einen bösen Msch hatten und Händel anfingen.

Schon wehte eine kühle, scharfe Morgenluft, als * lustige Gesellschaft endlich auseinanderging, "vter den Vereinzetten, die auftechten Ganges und allen Genusses ihrer Sinne mächtig, ihren 8e= Mutigen zustrebten, waren Othello und Röschen. Mz aber hatte der Geist des ftoheu Studenten- 'chmauses sie noch nicht losgelassen, denn sie sangen, «nn m Arm durch die Sttaßen ziehend, das wohl- ^tannte Lied:

Freundschaft und Liebe, Himmlische Triebe!"--

* *

Die Chaussee entlang liefen Herrn von Tyrnau's ^Mgenährte Schimmel in schlankem Trabe. Ihr ^lkcr Santo konnte nicht umhin, sich dann und ann auf seinem Kutschersitz umzuwenden und einen ^wundernden Blick hinter sich in den Wagen zu

betreibt, auf welchen täglich 12 000 Personenzüge und 14 000 Güterzüge, also insgesammt täglich 26 000 Züge verkehren, daß zur Bewältigung dieses Verkehrs ein Fuhrpark von mehr als 11000 Loko­motiven, 25 000 Personen- und Gepäkwagen, 238 000 Güterwagen bient, mit welchen im Jahre fast eine halbe Milliarde Menschen und 180 Millionen Tonnen Güter, durchschnittlich täglich 11li Millionen und */2 Million Tonnen Güter, befördert werden.

In den Erörterungen der Presse über die Eisen­bahnunfälle der jüngsten Zeit kehren einige Vorwürfe allgemeiner Art wieder, welche schon jetzt eine rein tdatsächliche Aufklärung und Widerlegung der Staats­eisenbahn-Verwaltung zur Pflicht machen, besonders der Vorwurf, daß die beklagenswerthe Häufung der Bettiebsunfälle der letzten Zeit auf ein verfehltes Sparsystem zurückzuführen sei.

Von welchen Gesichtspunkten die Verwaltung in dieser Beziehung grundsätzlich ausgeht, ergiebt sich aus der bei der Neuordnung der Verwaltung am 1. April 1895 erlassenen Wirthschastrordnung, worin den Direktionen folgende allgemeine Richtschnur ge- gegeben wird:

Die Etatsfonds zur Befriedigung der gegebenen Be­dürfnisse der laufenden Vr Wallung, insbesondere zur ordnungsmäßigen Turchfüdrung und Sicherung des Be­triebes, sind den Inspektoren selbstverständlich unge­schmälert zur Verfügung zu stellen. Denn die Unter­lassung von Ausgaben ander Stelle, wodurch eine rechtzeitige Instandsetzung nicht bloß größere Ausgaben, sondern oft auch Gefahren für L ib und Leben abge- wendet werden können, ist geradezu alsunwirth- schaftlich und einer Staatsverwaltung nicht würdig zu bezeichnen.

Was die einzelnen Fragen, und zwar zunächst die Verwendung des Personals, angebt, so kann darüber fein Zweifel bestehen, daß einer der wesentlichsten Faktoren für die sichere Durchführung des Bettiebes ein Dienstpersonal ist, das die nöthige Dienstkenntniß besitzt und anzuwenden weiß, und das der Zahl nach ausreichend ist. Für eine gute Aus­bildung des Personals sind genaue Vorschriften er­lassen. Die Anforderungen sind selbstredend in keinem Fall geringer, wohl aber mehrfach höher, als die bnndesräthlicheu Bestimmungen sie verlangen. Im Jahre 1892 sind in der preußischen Staatseisenbahn­verwaltung, soweit bekannt, allen anderen Eisenbahn- Centralverwaltungen voran, bestimmte Normen für die Höchstgrenze der Jnanspruchnarne des Betriebs­personals festgesetzt. Diese Normen sind seüdem der Personalbemessung zu Grunde gelegt ohne Rücksicht auf die Kosten. Wiederholt, zuletzt im Frühjahr 1896, wurde für den gejammten Staatsbahnbereich

werfen. Denn da saß an des Gutsherrn Seite der jungePan Alexander", und auf seinem Haupt prangte verwegen und schiefgerückt eine rothe, nagel­neue Studentenmütze. Der Vater hatte den Arm um die Lehne des offenen Jagdwagens gelegt und sprach eifrig mit dem Sohn, während seine ehrlichen, hellblauen Augen vor Freude strahlten.

Ich billige Dein Vorhaben durchaus," ließ er sich jetzt vernehmen.Sehr wohl verstehe ich, wie es Dir bei Deiner zurückhaltenden Natur schwer fällt. Dich an Jemand anzuschließen; Du würdest vielleicht in dem großen fremden Wien Jahre dazu brauchen, möglich auch, daß Du einen wahren Freund überhaupt dort nicht findest. Wohl Dir, daß Du einen solchen in Posen in Heinrich Arusberg's Person zurückläffest; solche Jugeudfteund- schasten find oft für daS ganze Leben, es liegt ein Dust und Schmelz darüber, den kein später be­gründetes Verhältniß, beruht es auch noch so sehr auf Sympathie und Aehnlichkeit der Charaktere, mehr aufzuweisen hat! Dein Heinrich soll Dir bald nach Wien folgen, verlaß Dich auf mich, mein Junge; es wäre ja ein Jammer, wenn der talent­volle und strebsame Mensch durch seine Mittellostgkett in Posen festgekettet bliebe. ES gefällt mir von ihm, daß er nicht ohne Weiteres die Unterstützung selbst eines Freundes annehmen, will es werden sich aber schon Mittel und Wege finden lassen, die Sache so verblümt und auf Umwegen einzuleiten, daß er unmöglich den wahren Zusammenhang er­fahren soll. Ich werde mich mit verschiedenen ein­flußreichen Männern Posens m Verbindung setzen, seine Arbesten sollen zur Probe an die Berliner Kunstakademie eingesaudt werden, und ist man dort geneigt, etwas für Deinen Freund zu thun, nun, so möge der Himmel uns die Nothlüge verzeihen, wenn

festgestellt, ob noch Abweichungen von diesen Normen bestanden. Wo solche ermittelt wurden, ist von den Behörden und Ausführungsorganen die volle Be­seitigung ohne Rücksicht auf die Kosten aufgegeben worden. Es kann rechnungsmäßig nachgewiesen weiden, daß heute auf den schon int Jahre 1892 im Betriebe befindlich gewesenen Bahnstrecken über 15 000 Bedienstete im äußeren Betriebe mehr beschäftigt werden, als int Jahre 1892, zum Theil allerdings in Folge der Steigerung des Ver­kehrs auf diesen Linien und der damit verbundenen Geschäftsvermehrung, zu einem erheblichen Theile aber in Folge davon, daß der Dienst der Beamten durch Verkürzung der täglichen Dienstzeit oder Ver­kleinerung des Wirkungskreises der Beamten er­leichtert worden ist. Die jährliche Mehrausgabe für die Personalverstätkung, soweit sie lediglich die Er­leichterung des Personals bezweckte, ist auf mindestens 8 Mill. Mk. zu bemessen. Davon entfällt ein recht bedeutender Theil auf die Linien der vom Staat er­worbenen Privatbahneu. Jede Verstaatlichung einer Bahn hat in dieser Beziehung beträchtliche Personal­vermehrungen erfordert und dadurch der Staatskasse erhebliche Ausgaben auferlegt. Bei der zuletzt ver­staatlichten Hessischen Ludwigsbahn ist seit der staat­lichen Uebernahme kaum eine Stelle des äußeren Dienstes vorhanden, bei der nicht schon jetzt, in den wenigen Monaten, das Personal verstärkt worden ist oder eine Verstärkung ein tritt, sobald die be- nöthigten Kräfte, an denen es bei der Uebernahme fehlte, praktisch ausgebildet sein werden. Mit dieser praktischen Ausbildung wurde sofort nach der Ueber­nahme begonnen.

Abgesehen von diesen Personalverstärkungen, suchte man die Beamten des äußeren Dienstes immer mehr vom Schreibwerk zu entlasten, um sie in den Stand zu setzen, sich um so mehr ihrer vornehmsten Auf­gabe, der prattischen Thätigkeit im Betriebe zu widmen. Diesen Grundsatz verfolgt ganz besonders die Neu­ordnung der Eisenbahnverwaltung vom 1. April 1895. Sie hat in den Vorständen von Eisenbahnbettiebs- und Maschinen - Inspektionen Ausführungsorgane ge­schaffen, die sich in steter unmittelbarer Fühlung mit den Dienststellen-Vorständen befinden und bei großer Selbständigkeit auf kürzestem Wege eine Menge von Geschäften erledigen, die vormals den Außenbeamten umfangreiche Berichterstattungen auferlegten. Den Vorständen der Inspektionen gegenwärtig 242 Be­triebs-Inspektionen und 78 Maschinen - Inspektionen außer 21 Telegraphen-, 74 Werkstätten- und 85 Verkehrs-Inspektionen liegt unter der Oberleitung

wir unsere Gabe als ein Stipendium der Kunst­akademie ausgeben, das ihm ein paar Studienjahre in Wien gewährt, llebrigens sollst Du Deinen Willen haben und das für diesen Zweck verwendete Geld von Deinem Vermögen hergeben, ich will Dich nicht um die Freude bringen, selbst etwas für Deinen Intimus zu opfern.

3ch danke Dir, Vater! Eigentlich aber ist es gar kein Opfer, denn ich entbehre ja durchaus nichts!"

Das fteilich, denn Deinen Wechsel, den ich Dir für Wien ausgestellt habe, werde ich darum nicht verkleinern, allein ob Dir später die Summe, um die es sich handelt und die wohl nicht ganz unbedeutend sein dürfte, nicht an Deinem Vermögen fehlen wird, das können wir Beide heute noch nicht entscheiden."

Der Sohu schwieg und nickte nur beistimmend; nach einer Weile nahm bann wieder der Vater das Wort:

Du hast mich ja noch gar nicht nach Bftgiuie gefragt, und doch hast Du sie fast zwei Jahre nicht gesehen, denn bei Deinem letzten Ferienbesuch mußten wir sie ja, da der Scharlach in unserer Gegend so viele Opfer forderte, aus dem Hause geben. Tu wirst sie für ihr Atter sehr entwickelt finden, fteilich wiffeu wir ja auch nicht genau zu sagen, wie alt sie eigentlich ist! Sie muß jetzt zehn ober elf Jahre alt sein."

Ist bas Kinb gesunb?"

Seht mir ben künftigen Mebiziner!" lachte Herr von Tyrnau.Ja, Gottlob, gesunb ist unsere Kleine an Körper unb Geist, obgleich fie letztem nicht allzu sehr anzustrengen liebt!"

Ist fie faul beim Lernen?"

Das gerade wäre zu viel behauptet. Daß fie

der Eisenbahn - Direktionen die unausgesetzte örtliche Beaufsichttgung des Betriebsdienstes ob. Bei der Abmessung des Geschäftskreises der Jnspekttonen ist von den Vorständen Alles namentlich an Ver- waltungs- und Bureaugeschäften ferngehalten worden, was sie an der vollen unb wirksamen Aus­übung ber BetriebSaufficht hindern könnte.

Die eingesetzte Kommission wird die Zahl, Jnan- spmchnahme und Beaufsichtigung des Personals auf einer großen Anzahl von Stationen, namentlich an den schwierigen Verkehrspunkten, eingehend prüfen.

Ihrer Aufgabe gemäß wird an Ort und Stelle von ihr festgestellt werden,

ob die Zahl der Beamten auch den etwa vorübergehend oder regelmäßig eintretenden besonderen Schwierigkeiten Rechnung trägt und der Wirkungskreis eines Einzelnen nicht zu groß ist,

ob und in welchem Umfange regelmäßige Dienst­leistungen durch Hilssbe amte geleistet werden müssen und ob solche Hilfsbeamte die vorgeschriebene praktische Ausbildung in vollem Umfange genofien haben,

ob die Dienstdauer den besonderen Verhättniffen ange­paßt ist z. B. auf Stellwerken mit starkem oder schwachem Verkehr, auf Stationen mit dichter Zugfolge oder mit wenigen Zügen, an den Telegraphen - Apparaten mit un­unterbrochenem oder unterbrochenem Dienste, an den Zügen mit starker oder geringer Inanspruchnahme des Personals, in welchem Umfange durch Unregelmäßigkeiten im Betriebe eine Erhöhung der planmäßigen Dienstdauer thatsächlich ein- getreten ist, namentlich bei Lokomoliv- und Zurversonalen,

ob die Aufenthalts- und Uebernachtungsräume in ge eigneter Zahl vorhanden sind, nach ihrer Lage die nöthige Ruhe und Erholung thatsächlich gestatten und in gesund­heitlicher Hinsicht entsprechen,

ob endlich die Beaufsichtigung des Dienstes und des Personals von den leitenden und aufsichtführenden Stellen mit der nöthigen Gründlichkeit ausgeübt wird, ob nament­lich feie Bezirke feer zur Aufsichisführung berukenen Jn- spettionen so bemesien stufe, daß feie Vorstände zu einer ständigen scharfen Aufsicht über den Betrieb dauernd im Stande sind.

Wo bie Untersuchungen eine Ueberbürbung von Bebiensteten ober einen sonstigen Mangel hinsichtlich ber Verwenbung des Personals ergeben sollten, wird für Abhilfe unverweilt gesorgt werben. Ebenso er- forbert aber bie Sorge für bie Sicherheit bes Be­triebs unb bie schwere Verantwortung ber leitenden Stellen eine schonungslose Strenge bei groben Ver­stößen bes Personals gegen bie gegebenen Vorschriften unb Anorbnungen.

In Bezug auf ben Zustaub des Oberbaues, ber Betriesmittel unb ber Bahnanlagen haben bie preußischen Staatsbahnen ben Vergleich mit anderen großen Eisenbahnverwaltungen nicht zu scheuen.

In ben letzten zehn Jahren sind 13 227 km Gleise im Zusammenhang umgebaut, das be­

wehr leisten könnte, als es thatsächlich ber Fall ist, steht fest; ihre Lehrerin, Fräulein Franz, giebt sich viel Mühe mtt ihr, aber auch ihr, wie uns Allen, hat bas kleine Schmeichelkätzchen sich so in's Herz geschlichen, baß sie fie um bie Finger wickelt. Das Kinb hat etwas miwiberstehlich Liebreizenbes, bas ganze Hans, von mir bis auf ben letzten Stall­jungen herab, verwöhnt unb verhätschelt bas kleine Teufelchen 1"

Teufelchen? Wie so?"

Thereska hat ihr ben Namen gegeben, unb er paßt vortrefflich für ben kleinen Quirl, ber im ganzen Hause Hemmtollt unb tobt, vor dessen losen Streichen Niemand sicher ist. Sie zu erziehen, ist nicht leicht in dem Kinde steckt unglaublich viel Widerspruchs­geist und Eigensinn. AIS ich sie vor einiger Zett jum Gehorsam, den fie hartnäckig versagte, zwingen wollte und mit Strenge und Nachdruck betonte:Du mußt gehorchen Du mußt!" stellte sich das kleine Geschöpf plötzlich mit empört flammenden Augen mir gegenüber, stampfte mit dem Fuß und rief in höchster Aufregung:Sage nicht: Du mußt! zu mir! Ich thue es nie, niemals, wenn Du sagst: Du mußt! Wenn Du mich bittest, werd' ich ge­horchen!" Nun, davon konnte natürlich keine Rede fein, ich ließ mir daS Kind tagelang nicht vor Augen kommen, obgleich es mir schwer fiel, fie zu entbehren, fie mußte allein im Kiuderzimmer bleiben und essen, Mama, wenn fie zu ihr kam, gönnte ihr kein fteunbliches Wort, keinen Blick, keine Liebkosung. Endlich legte sich ber Trotz, bas Teufelchen kam zu mir und küßte mich schluchzend.

(Fortsetzung folgt.)