MchW Aeilmg
Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain Jllustrirtes Sonntaqsblatt. *— «*■«—*
___ n _________Tfc den I»s«ratmtheil: Joh. «>,. Koch, bell« in Marburg.
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und ’ --------------
MA 99^ Stiertagen. - Quartal-Abonnements-PreiS bei der Expe- UF(ötülttrt *hnmt cn9c8tn bie Expedition dieses Blatte,,
»/DL ZiKk dition 2 M., bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. (Al. ta tM Haasenstein & Vogler in yYYTI
T.r.hfinn rr Bestellgeld. Jnserttonsgebühr für die gespaltene 'Ule z-w < < nr —, . , . ^faEurt^a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf
P Obtr btten •Haim Reklamen für bie Seile 25 Ma Sonnabend, 25. September 1897 g&gggaSJÄ&S’aSriJ Telephon 55.
Zur Finanzlage der Stadt Marburg.
(Schluß.)
Die gestern in ihrem Anfänge hier bereits abge- druckte Zuschrift von uns, die, wie wir betonen, nicht etwa immer auch die Anficht der Redaktion unseres Blattes, sondern lediglich die des Henn Einsenders wiedergiebt, lautet weiter:
Manch früherer Musensohn, der nach einer Reihe Bon Jahren unsere Stadt wieder betreten hat, hat den Ausruf nicht zurückhalten können: .Was ist aus Marburg geworden! Wie sehr hat die Stadt sich gehoben!" Derjenige, der stets in den Mauern der Stadl geweilt hat, der jeden Forischritt einzeln eintreten sieht, verliert den Blick, den Fortschritt im Ganzen zu übersehen; sein Blick bleibt wehr auf die Einzelheiten gerichtet. — Vieles Geschaffte liegt in der allmäligen Zunahme der Bevölkerung begründet; 16—17 OOO Einwohner brauchen eine größere bewohnbare Fläche als 8000 E.; die neuen Straßenanlagen sind eine Consequenz der Vermehrung der Bevölkerung; sie haben dieselbe aber auch befördert; der Zuzug von außen wird erleichtert durch erleichterte Wohnungsvermiethung; die heute bebauten neuen Straßen waren also eine Notwendigkeit; die heute in Angriff genommenen Straßen werden von der Zukunft gefordert; die Bevölkerungsziffer großer und mittlerer Städte wächst heute rapide, eine Conscquenz der bestehenden Erwerbsverhältnisse. Das Schaffen von Bauplätzen verhindert die Ueberwucherung der Spekulation in Bauterrains und somit unnatürliches Emporschnellen der Wohnungsmiethen. Nicht unerheblich sind die Kosten, die Marburg im Ljten Decennium auf Straßenerweiterungen verwendet hat; sie sind vielleicht nur zum Theil durch die Hebung des Verkehrs innerhalb der vergrößerten Stadt beengt worden; zum andern Theil kommen sie hygienischen Allforderungen zu Gute; immerhin mag ein Theil mf Rechnung von Verschönerungszwecken gesetzt werden können. Wollen wir die auf Verbreiterung der Elisabethstraße, der Wettergasse, des Pilgrimstein, da Kaserncnstraße, des Eingangs zur Univeisitäts- straße verwendeten Kosten als unnütze bezeichnen und Mit verdammen? Nur Wenige werden einem solchen «erdammungsur theil zustimmen. Ebenso wenig werden die Neubauten der städtischen Schulen verurtheilt werden; wohl kein Vater würde seine Kinder heute noch gern in den alten Schullokalen sitzen sehen, trotzdem die Neubauten erhebliche Kosten verursacht haben. Auf die im letzten Decennium erfolgte Vermehrung des Grund-
eigenthums der Stadt, soll nicht eingegangen werden, um nicht zu sehr in Details zu kommen; sie decken aber theilweise die Zinsen des auf sie verwendeten Kapitals (Offizier - Speise - Anstalt z. B.) Ein nicht unbeträchtlicher Theil der Schulden ist auf den Ankauf und Ausbau der Gasanstalt, auf die Neulegung der Röhren zurückzuführen, ebenso auf die Erweiterung der Wasserveisorgung der Stadt. Wie segensreich diese Maßnahmen gewesen sind, wird aus der Beantwortung der Frage ad. 2 erhellen.
ad. 2. Ist die finanzielle Lage der Stadt eine trübe? Die Einwohner zahlen heute 92 °/0 der Staatssteuer als Kommunalsteuer; diese Steuer hat sich in den letzten Jahren von 75 auf 92 % erhöht; die noihwendig gewordene Erhöhung repräsentirt im Wesentlichen dir Zinsen der Kosten der Kanalisation. Welche mittleren Städte haben heute eine geringere Kommunalsteuer? Wohl recht wenig! Die 92 °/0 rechtfertigen also nicht den Ausdruck „trübe Finanzlage." Rechtfertigen die 23/4 Millionen Mark Schulden einen solchen Ausdruck? — Der Etat pro 1897/98 weist einen lieberschuß der Gasanstalt an 16 928 Mk. nach, dabei sind die Kosten der Straßenbeleuchtung, ursprünglich mit 22 000 Mk. in den Etat gestellt, nicht in Ausgabe gebracht. Die Gasanstalt allein giebt also einen Reingewinn von über 39 000 Mk. und deckt die Zinsen von mehr als 1 Million Mark der städtischen Schuld. Der Reinertrag der Wasserleitung ergießt jetzt jährlich 35 000 Mk., also ebenfalls die Verzinsung von 1 Million. Die Zinsen von mehr als »l4 der städtischen Schuld werden somit gedeckt durch die Erträge dieser beiden Anlagen, deren Gewinnung für die Stadt allein dem Herrn Oberbürgermeister zu danken ist. Die Erträge aus beiden Anlagen sind aber im letzten Jahre so gestiegen, daß ihre weitere Steigerung mit Sicherheit gefolgert werden kann; in absehbarer Zeit werden sie die Zinsen der ganzen gegenwärtigen städtischen Schuld decken, während heute noch die Zinsen des Reservefonds der Sparkaffe und ein Theil der Ueber- schüffe derselben herangezogen werden müssen. Wie der Herr B.-A.-V. unter solchen Verhältnissen die Finanzlage der Stadt als eine „trübe" bezeichnen kann, ist nicht verständlich. Hielt derselbe sich wirklich verpflichtet, sich in diesem Sinne über die Finanzlage auszusprechen, dann war er doch auch veranlaßt, Anhaltspunkte zur Beurtheilung seiner Auffassung zu geben und sich nicht mit Angabe einer um 50 °/0 zu hoch gegriffenen Zahl zu begnügen. Ohne Beweismaterial durfte der Herr B.-A.-V. wohl nicht den Kredit der Stadt heruntersetzen!
Wenn nun aber schließlich der Herr Bürgerausschuß-Vorsteher für die Zukunft zu weiser Sparsamkeit ermahnt, so kann ihm hierin nicht Unrecht gegeben werden, abgesehen davon, daß er einen anderen Zeitpunkt zu dieser Ermahnung hätte wählen können. Die Stadt Marburg steht vor schweren Aufgaben. Der Kreis Marburg hat in diesem Etatsjahr zum ersten Male Anforderungen an die Stadt gestellt und es ist nicht ausgeschlossen, daß diese Anforderungen in Zukunft sich erhöhen werden. Die Zinsen der städtischen Schuld sind vom Jahre 1898/99 ab in ganzer Höhe zu leisten, während pro 1897,98 für 558 000 Mk. nur halbjährige Zinsen zu berechnen waren; die Beiträge zur Kanalisation werden die vermehrte Zinszahlung zunächst noch nicht decken. Die Erweiterung der Realschule, der Bau eines neuen Schulgebäudes, Penfionirung des bisherigen Direktors, Erhöhung der Lehrergehälter kommen theilweise schon im Etatsjahr 1898/99 in Betracht. Die Erweiterung des Rathhauses wird nothwendig werden. Billigere Preise des Gases für Gewerbetreibende un!> Großkonsumenten können nur eine Frage der Zeit sein. Die Forderung, daß gründliche Neupflasterungen vorgenommen werden müssen, ist eine so allgemeine, daß die städtischen Behörden sich ihrer Erfüllung nicht werden entziehen können. Die erwachsenden Schwierigkeiten werden sich noch erheblich steigern, wenn die Regierung ihre Absicht, die Ausübung der Polizei der Stadt zu übergeben, zur Ausführung bringt. Diesen bald, resp. in absehbarer Zeit erwachsenden Ausgaben steht eine nur allmählig mit der wachsenden Bevölkerung zunehmende Vermehrung der Einnahmen gegenüber. Die weitere Erhöhung der kommunalen Einkommensteuer über 100 °/0 hinaus würde ein die Bewohner von Marburg hart berührendes Aushülfs- mittel sein und würde ganz besonders nachtheilig auf den Zuzug einwirken. Besseres kann erhofft werden von den fortschreitend sich steigernden Einnahmen aus der Gas-Anstalt und Wasserleitung, feiner durch die nach Maßgabe der Bebauung der neuen Straßen sich ergebende Rückzahlung der Straßen-Anlagekosten, schließlich durch das fernere Anwachsen der Kanalisationsbeiträge.
Möge es der ferneren umsichtige» Leitung der städtischen Angelegenheiten durch das Stadtobcrhanpt und die städtischen Behörden gelingen, die entstehenden Schwierigkeiten zu überwinden! Das Bestreben hierzu wird um so erfolgreicher sein, wenn zur Behebung der Schwierigkeiten und zur Verhütung weiteren Anwachsens der städtischen Schulden die berufenen Organe Hand in Hand arbeiten, nicht aber, wenn die
Träger der Verantwortung, Oberbürgermeister und Bürgerausschuß - Vorsteher sich in Opposition zu ein- anderstellen und sich öffentlich angreifen. Bon diesem Gesichtspunkte aus muß das Vorgehen des Herrn Bürgerausschuß - Vorstehers in der Sitzung vom 6. September sowohl in seiner Art wie in dem gewählten Zeitpunkt bedauert werden; die erregte Zurückweisung dieses Vorgehens seitens des Oberbürgermeisters in der Sitzung vom 20. September wäre besser vermieden worden. „Ruhe ist die erste Bürgerpflicht", ist ein altes, bekanntes Gebot!
Vorläufig wollen wir aber die Finanzlage der Stadt Marburg im Gegensatz zu dem Herrn Bürgerausschuß - Vorsteher nicht als eine trübe bezeichnen, sondern nur als eine ernste, welche zur Beseitigung von Schwierigkeiten allseitigen guten Willen und festes Zusammenhalten und Zusammenarbeiten der berufenen Organe erfordern wird. Möge die hierzu erforderliche Einigkeit, die ernstlich bedroht erscheint, wieder gefunden werden!
Umschau.
Die „Times" hebt den Erfolg des Besuches Kaiser Wilhelms in Pest sowie den begeisterten Empfang hervor und bemerkt, der Monarch müsse auf der Heimkehr das befriedigende Gefühl genossen haben, daß er eine Stärkung der herzlichen Bande zwischen dem magyarischen und dem deutschen Volke zuwege gebracht habe. Die Acußcrungen des Kaisers bei diesem kurzen Besuche seien in gleichem Maße ausgezeichnet geweseu durch eine kluge Zurückhaltung, wie durch die gewohnte schmuckvolle malerische Beredtsamkeit. Der Redner habe bei allem Preise für das Magyarenvolk sorgfältig vermieden, im geringsten die cisleithanischen Unterthanen der Krone Habsburg zu versitzen; auch könne bei den freundlichen Beziehungen zwischen Wien und Petersburg und nach dem jüngsten Besuche des Kaisers in Rußland keine außerhalb des Dreibundes stehende Macht an dem glänzenden und begeisterten Pester Empfange den geringsten Anstoß nehmen. Die „Times" verbindet diese Betrachtungen mit dem Ausdruck herz- lichrr Teilnahme für den Verlust des u n t e r gegangenen Torpedos und den Tod des mecklenburgischen Prinzen, ferner mit einem Hinweis auf deutsche Preßstimmcn, die von dem Besuch in Ungarn einen günstigen Einfluß und eine Lehre für die innere deutsche Politik hoffen.
(Nachdruck verboten.)
Das Teufelchen.
Roman von Marte Bernhard.
(Fortsetzung.)
Das ganze Haus rief die kleine Birginie mit Coniequenz wochenlang „Olga", — und das Kind mit Consequenz dabei, nicht darauf zu hören Md ihr „Virgiuie" zu betonen. Es war ein förm- ^-cher Kampf, aber — bezeichnend genug — die 'nen Eltern, das Hauptpersonal, Thereska, alle er- «udeten ftüher, als das kleine Mädchen; dieses lieb Siegerin und behielt seinen Namen. .Alexander kümmerte sich nicht um das neue ^^'stercheu. I» Romanen ist es oft zu lesen wirkliche Leben weist es allerdings auch häufig si daß ältere Knaben zu hübschen kleinen Mädchen 'große, zärtliche Zuneigung fassen, sie überwachen, lt)nen spielen und oft mit großer Geduld er- ,,Sen helfen. — Aber Alexander hatte selbst als
Knabe nicht sonderlich gern gespielt, und jetzt r, m -men ihm seit Jahren kein Spielzeug mehr, S1 Bücher, nützliche Sachen und neue Peitschen und für sein Reitpferd. Virgiuie dagegen war S“ echtes kleines Mädchen, das stundenlang mit ^lppvr umherlaufen, schwatze» und tanze» konnte, w fragte ihrerseits ebenfalls nicht »ach Alexander, "" sie hätte alsbald herausgefunden, daß er nicht u? ihr spielen könne, und so hielt sie sich lieber zu .Jeanette", zu Mama, selbst zu ihrem Papa, '8 nicht unter seiner Würde fand, gelegemlich . ehren Bausteinen ein Schloß aufzuführen. Dazu vikk Frau von Tyrnau, die in ihrer Pension
der-»^^stsch gesprochen hatte, mit der Kleinen iw^-L^wr'prache pflegte, und Alexander, der wohl *M zostfche Grammatik betrieb, aber der Conversation
durchaus nicht mächtig war, verstand meist nicht, was die Beiden sprachen und fühlte sich beleidigt, daß ein so kleines Mädchen mehr konnte, als er. Die Kinder bekamen einander nur wenig zu sehen, denn Vormittags hatte der Knabe Unterricht bei seinem Hauslehrer, an den Nachmittagen arbeitete er auf seinem Zimmer, und im Uebrigen bewegte er sich im Sommer und Winter gern draußen und begleitete seinen Vater oder den Verwatter auf ihren Ritten und Fahrten durch Wald und Feld.--
Die Bescheerung für die Gutsangehörigcn war vorüber. In dem freundlichen Stübchen, das Frau Doris nebin ihrem eigenen Schlafzimmer der kleinen Pflegetochter angewiesen, saß diese auf Thereska's Schooß und ließ sich immer wieder die Geschichte vom Christkindche», die die Alte sehr gut in die allerkindlichste Form zu bringen verstand, erzählen. Daß ein Stern über der Stätte geleuchtet hatte, gefiel der Kleine» ausnehmend, und fie verlangte zu wiffen, ob das derselbe Stern sei, der gerade jetzt am dunkle» Winterhimmel langsam ernpor- gesticgen war und in das noch unerleuchtete kleine Stübchen blickte.
Derweilen schlüpfte Frau von Tyrnau über den langen Korridor und trat in das Zimmer ihres Sohnes; der Hauslehrer war zu den Ferien »ach seiner Heimath gefahren, und der Knabe war allein. Von seinem monatlichen Taschengelde pflegte er für Vater, Mutter und Thereska kleine Geschenke bei ewem gelegentlichen Besuch des nächstgelegenen Städtchens zu kaufe», und die Mutter kam nun, um bte Gaben zu holen und auf den Weihnachtstisch zu legen. Sie fand Alexander auf einem Stuhl am Srenfter fnieen und angelegnetlich zum Himmel aufsehen. Die Lust war rein, es hatte zu schneien
nachgelaffeu, und ein Stern nach dem anderen blitzte aus dem Dunkel hervor.
Frau von Tyrnau trat neben ihren Knaben und drückte ihn zärtlich an ihr Herz. Nun sollte fie ihn bald fortgebe», er würde selten nur noch nach Hause kommen, und seine herbe, junge Seele würde stch dann vielleicht den Ellernherzen ganz entfremde». Sie seufzte tief auf und küßte das schwarze, sammetweiche Haar und die ernsthafte» Augen.
„Du kommst wegen der Geschenke, Mama," sagte der Sohn, uud legte drei Päckchen, auf deren jedem der Name des Empfängers von seiner Hand verzeichnet stand, vor fie hi». „Hier find sie!"
„Hast Du nicht an unsere kleine Virgiuie gedacht, mein Kind?" fragte Mutter verwundert. „Ein altes Sprichwort sagt: „Kindes Hand ist bald gefüllt,' Du hättest ihr mit einem winzigen Spielzeug für wenige Pfennige eine große Freude machen können."
„Ich weiß nicht, was so ein Mädchen sich wünscht," sagte der Knabe leise und zögernd, „aber — aber —"
„Nun — aber?"
„8lber ich werde ihr doch etwas schenke», ohne daß fie es merft."
„Was srll das heißen?"
. ,3ch sage eS nicht. Keiner soll eS merken, — Knner, — ich sage es nicht!" wiederholle er noch einmal mit seinem ganzen Knaben trotz.
Frau Doris schüttelte den Kops.
„Hast Du daS kleine Schwesterchen gar nicht lieb, mein Sohn?"
»Es ist nicht meine Schwester! ES ist ein auf, gelesenes fremdes Kind —*
»DsS Deine Ellern wie ihr eigenes auf ge
nommen haben und erziehe» werde»!" unterbrach fie ihn streng. „Laß mich nie wieder so ctwaS hören, Alexander! Bist Du gar hochmüthig, wie?"
.Nein Mama, Du verstehst mich nicht!"
11'ber das. liebliche Fraueugeficht flog ein Lächeln.
„DaS wäre schlimm, wenn eine Mutter ihren elfjährigen Sohn nicht mehr verstehen sollte! „O Du Trotzkopf, Du Kindskopf, — weißt Du — be- denkst Du denn auch, daß dies Deine letzten Weih- »achtm für lauge Jahre find, die Du im Eltern- Hause feierst? Sieh, der Weg ist weit, und wen» wir harte Kälte haben, wird Vater Dich nicht kommen lassen wollen. Nun sei recht ftoh uud glücklich heute, mein Sohn, wir haben Dich reicher beschenkt, als sonst, und auf Alles gedacht, was Dir Freude machen könnte! Du lernst ja so gut und b/st mein kluger, tüchtiger Junge, Du wttst hoffentlich ein kluger, tüchtiger Mann werden! Aber an den Abschied darf ich nicht denken, ohne daß mir das Herz unendlich schwer wird . . . Vater und ich, wir liebe» ja Niemand in der Welt so wie Dich, unser einziges Kind!"
„Dein einziges Kind! Mama — Mama!"
Selbst jetzt, im dunkeln Zimmer, rang sich nichts Wetter als dieser Ausruf aus der verschlossenen Seele des Knaben. Aber wie er jetzt seine Mutter rngestüm an sich preßte, fie feine glühende Wange, einen fliegenden Äthern fühlte .... da stahl fich eine Ahnung in ihr Herz, — zum ersten Mal kam ihr der Gedanke, der Knabe könne eine quälende Eifersucht empfinden auf das liebreizende, kleine Geschöpf, das ihm, nach feiner Meinung, den Platz m Herzen der Eltern, der so lange ihm allein gehört, streittg machte.
(Fottsetzung folgt.)