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Telephon 55.

Zweites Blatt.

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Einen breiten Raum im Bericht nimmt der Hamburger Hafenarbeiterausstand ein; es wird damit recht auffällig gekennzeichnet, wie sehr die Sozial- demokratie bei diesem gewerkschaftlichen Kampfe in- teresstrt war. Man wird gut thun, so betont die „Post", auf diesen Umstand hinzuweisen, falls die Sozialdemokratie ihre Betheiligung an den Ausständen wieder einmal ableugnet.

Recht dürfti- ist der Absatz über die Landagitation ausgefallen. Den die Landagitation betreibenden Ge­

nossen, sagt man, bietet die Behandlung des Gesindes seitens der Gutsbesitzer und Pächter reiches Material.

Ein besonderer Anlaß zu einer gegen die Ge- M sindeordnung gerichteten Agitation lag nicht vor. Man hat bet ftüheren Gelegenheiten mit künstlicher „Massenagitatiou" so schlimme Erfahrungen gemacht, i daß man jetzt recht vorsichtig geworden ist; die letzten r Ziele endlich werden bei der Landagitation mehr wie 1 je säuberlich verschwiegen. Bei dem Thema: Be­drückungen der Genossen bei der Ausübung der Agitation werden die Erlasse der Heeresverwaltung hinsichtlich der sozialrevolutionären Propaganda mit herangezogen. Die Jnficirung des Heeres mit sozial- U demokratischen Tendenzen, sagt der Bericht, erfüllt H den Vertreter der Theorie des blinden Gehorsams mit banger Sorge. Genossen, die als solche in das

Auf de» deutsche« Münzstätten sind im Monat August d. IS. geprägt worden: 4 369140 Mk. in Doppel­zonen uud 25 438,07 Mk. in Einpfennigstücken. Die G e- ammtauSprägnng an ReichSmüuzen, nach Abzug der wieder eingezozeneu Stücke, dezifferte sich Ende August d. IS. aus 3163478435 Mk. in Goldmünzen, 494226424,60 Mk. tu Silbermünzen, 55611861,15 Mark in Nickel und 13513709,07 Mk. in Kupfermünzen.

wurden im Ganzen 14 600 Mk. abgeführt. Davon erhielten die österreichischen Sozialdemokraten 10 000 Mk., die holländischen 2800 Mk., die italienischen 1300 Mk. und die slovenischen 500 Mk. Der günstigste Monat für die Parteikasse war der Monat August mit 53 480 Mk. Einnahmen, der ungünstigste der Februar nur mit 6621 Mk. Die Gesammt- ctnnahme belief sich auf 291 840 Mk., die Gesammt- ausgaben auf 283 094 Mk. Davon find 1160 Mk. für „Kapitalsanlage" verwendet worden.

Das letzte Kapitel im Bericht betrifft die Be­strafungen der Genossen. Es ist äußerst charak­teristisch, daß die erkannten Gefängnißstrafen diesmal eine Höhe erreicht haben, die alle voraufgegangenen Jahre übertrifft. Mehr als die Hälfte der Verur- theilungen beziehen sich auf Delikte bei Ausständen. Gelegentlich des Hamburger HafenarbeijerausstandeS wurden zusammen 37 Jahre Gefängniß gegen die Srikeleiter und die von ihnen beherrschten Arbeiter, die sich den Behörden widersetzten, ausgesprochen. Nebenbei bemerkt, ist das ein treffliches Bild von der „Erziehung der Arbeiter zur Gesetzlichkeit" durch die Sozialdemokratie. Die Partei feiert alle ihre Genossen als Märtyrer, die mit den Gesetzen in Konflikt kommen; recht schön nimmt sich da der Passus im öericht aus, wo es wörtlich heißt: „Ein großer Theil >er theilweise mit harten Strafen gesühnten Preß­beleidigungsprozesse ist auf falsche, den Thatsachen nicht entsprechende Berichterstattung beobachteter Vor­gänge Seitens der Genossen zurückzuführen."

Der Bericht schließt mit der pathetischen Wendung: «Sind die die Genossen betroffenen Strafen auch mit­unter hart, der Muth und die Ausdauer derselben wird dadurch nur gestählt. Ohne Kampf kein Sieg."

unter den Kindern vertheilt wurden. Ein Kna hatte noch keine Pflanze, sein Nachbar aber mehrer weshalb der Lehrer zu ihm sagte: „Gieb ihm eine Der also beorderte Knabe war einen Augenblick stutzi aber gleich darauf verabfolgte er seinem Mitschül -ine wohlgezielte . . . Ohrfeige.

Der Bericht der sozialdemokratischen Parteileitung

an die Parteipresse ist soeben veröffentl cht. Er t angefüllt mit Klagen über die mangelnde Diszipli W und den Rückgang der Sammlungen für die Parte-

kaffe. „Neben der Klarheit des Programms", heißt k es, „beruht die Stärke der Partei auf dem festen

Gefüge der Organisation und der dadurch bedingten Parteidisziplin der Genossen. Anzuerkennen ist, daß ff' die Genossen in der Bearbeitung der einzelnen Krei e nach ihren Kräften das Beste leisten. Zu tadeln i t jedoch, daß bei aller Rührigkeit im Wohnort ode Wahlkreis die Genossen die Fühlung mit der Partei- U leitung vernachlässigen. Was in letzter Beziehung I das Organisationsstatut vorschieibt und in den Partei­tagsbeschlüssen festgelegt ist, auf dessen Erfüllung muß die Parteileitung bestehen."

l Der Ausfall bei den Parteibeiträgen wird auf L den Hamburger Hafenarbeitcrausstand zurückgeführt.

Die Einnahmen weisen gegen das Vorjahr eine I Steigerung von 4365 M., die Ausgaben dagegen । eine solche von 52 971 Mark auf. Die Zahl der j Parteiorte, bezw. Wahlkreise, welche Beilage an die f; Parteikaffe abliefern, hat sich gegen das Vorjahr um | 15 verringert. Während die drei Hamburger Wahl-

F kreise im vorigen Jahre insgesammt 21500 Mark t an die Parttikaffe ablieferten, sind diesmal nur 1000 | Mark beigesteuert.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. ■ - Quartal-Nbonnemems-PrciS bei der Expe­dition 2 Mt., bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. (exkl. Bestellgeld JnsertiouSaebiihr für die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg,

Versicherungswesen.

LebensversicherungS-Gesellschaft z« Leipzii auf Gegenseitigkeit gegr. 1830 (alte Leipziger), d st»d vom 1. Januar bis Ende August 1897 417 Versicherungen über 33 461400 Mk. beantragt Word« 1 723 450 Mk. mehr als im gleichen Zeitraum de Vorjahres. Der Verficherungsbestand stellte sich En! August 1897 auf 68 200 Personen mit 501 Millio Mark Versicherungssumme, das Vermögen auf 15 Millionen Mk. Für fällig gewordene Versicherung; summen sind bis jetzt ausgezahlt 104 Millionen Mk als Dividenden an die Versicherten gewährt 52 Mil Mark. Die Dividende beträgt für die länger al 5 Jahre bestehenden Versicherungen im laufende Jahre 42 °/0 der ordentlichen Jahresprämie und bi abgekürzten Versicherungen außerdem V/g % de Summe der gezahlten Zusatzprämien.

21000 Mark angegeben. Die Einnahme des „Vorwärts" betrug 561421 Mark, die Ausgabe 513 211 Mk, es ist mithin im verflossenen Jahre ein Ueberschuß von 48 210 Mk. erzielt worden. Im Vorjahre betrug der Ueberschuß 52 078 Mk.

Der geschäftliche Stand der Buchhandlung des „Vorwärts" wird als zufriedenstellend bezeichnet. Geklagt wird, daß „die Privatspekulation lttterarischer Freibeuter" — das sind „Genossen", hie unabhängig von dem offiziellen Verlage arbeiten — die Partei­kaffe schädigt. Die Buchhandlung des „Vorwärts", deren Leiter der Reichstagsabgeordnete Fischer ist, entrüstet sich darüber, daß von dieser Seite so­genannte Arbeiterlitteratur verlegt wird, die nach dem Grundsatz: „Billig und schlecht" hergestellt ist. Gegen diese „seichte Schundlitteratur" wird die Parteipresse zum Kampf aufgerufen. Ihre propa­gandistische Aufgabe sucht die Partei-Buchhandlung nach Kräften zu erfüllen. Die 18. März-Zeitung ist in 720 000 und die 1. Mai-Zeitung in 290 000 Exemplaren verbreitet worden. Zwei Flugblätter für die Landbevölkerung sind in je 20 000 Exemplaren vertheilt worden; sie führen die TUel: „Das Hand­werk und der Sozialismus" und „Die wahren Freunde und Feinde des Bauern". Daneben wurde noch eine Anzahl kleiner Broschüren in Tausenden von Exemplaren an die Kreise versandt. Von dem Reingewinn hat die Buchhandlung der Parteikasse 10 000 Mk. zur Verfügung gestellt.

Die Unterstützungen für die Parteiprefle betrugen im verflossenen Jahre 94 235 Mk. An gemaß­regelte Genossen wurden 10 319 Mk. und für Prozeßkosten 5382 aus der Hauptkasse gezahlt. Die allgemeine Agitation erforderte 59 425 Mk. und die Wahlagitation 26 098 Mk. Die Diäten für Reichs­tagsmitglieder betrugen 27 529 Mk. An Gehältern zahlte die Kasse 14 618 Mk. An das Ausland

Bom Büchermarkt.

,, **,* ,Utb-r „Bayreuther Tage", die diesjährigen Fest spiele, bringt die Wochenschrift ,Vo n H au S zu H a uB‘ ein «cht fchätzenswerthe Betrachtung aus der Feder Ann Der Bezugspreis der sehr empfehlenswerthe Wochenschrift beträgt für'S Vierteljahr nur 1,50 Mar! Piobenummern werden durch Adolf Mahn'S Verlag i Leipzig, Jnselstrcße 26, Portofiei und kostenfrei an jed aufgegebene Adrefle versandt.

Heer eintreten, erklärt die Parteileitung, bedürften der Warnungen der Kriegsministerien nicht, und bei, den „indifferent gebliebenen jungen Leuten" würden solche Verordnungen die Neugierde rege machen und wach erhalten, bis sie ungestraft dieselbe beftiedigen könnten. Darin zeigt sich der nur schlecht verhehlte Aerger der sozialistischen Agitatoren, daß ihre Pläne durch den festen Willen der Armeeverwaltung durch­kreuzt sind.

Die Parteipresse umfaßt nach der gegebenen Auf­stellung zur Zeit 69 politische und 55 Gewerkschafts- blätter. Von den erstem erscheinen 39 täglich, 15 wöchentlich dreimal, 9 wöchentlich zweimal, 5 wöchent­lich einmal und 1 monatlich. Um der Provinzpresse eine Kostenersparniß in Bezug auf den Nachrichten­dienst zu ermöglichen, werden die politischen Mit­theilungen und Parteinachrichten des „Vorwärts" derselben in beschleunigter Weise zugänglich gemacht. Die Parteileitung hat damit die Presse fast voll­ständig in die Hand bekommen. Die Zahl der Ge­werkschaftsblätter weist eine Steigerung auf, die durch Schaffung neuer Verbände erklärt wird. Das Defizit der Unterhaltungsbeilage „Neue Welt" wird auf

Im „Nettmarkler Anzeiger" findet sich folgende hübsche Bekanntmachung: „Hierdurch gebe ich bekannt, daß ich für überflüssig gemachte Schulden meines Weibes Katharina unter keinen Umständen mehr auf­komme. 5 Maß Bier in ein paar Stunden und pro Tag ein Loth Schnupftaback, ' a s brauchts nicht für ein Häuselwcib. Niederbergkirchen, Anfang September 1897. I. Hofstetter."

Ein heiterer Vorfall trug sich nach der „Leine- Zeitung" jüngst in einer Schule bei Neustadt a. R. zu. Der Lehrer hatte für den Naturgeschichts- unterricht mehrere Pflanzen mitbringm lassen, die

Junker «. Rnh-vefe«. In hygienischer Bezlehun werden an einen dem Stande der modernen Technik ent sprechenden Ofen verschiedene Anforderungen gestellt: ein vortreffliche Ventilation und eine starke Wasserverdun ftun- muffen eine feuchte und gesunde Zimmerluft herbeiführen die Entfernung von Asche uud Schlacken soll staubfrei er folgen, und die Ansammlung schädlicher Gase, die schoi so manches Unheil angerichtet hat, ist zu verhindern. Eil Ofen, der diese Bedingungen erfüllt, hat für die Wohn räume, namentlich für Schlaf-, Kinder- und Krankenzimme- einen unschätzbaren Werth. Auf da« Angelegentlichst können wir die Junker u. Ruh-Oefen empfehlen, die fick in dieser Hinsicht ganz vorzüglich bewährt haben uni denen von zahlreichen Aerzten und Krankenhaus - Ver wdtungeu, wie auch aus sämmtlichen übrigen Kreisen di- reichste Anerkennung zu Theil geworden ist. Neben tadel loser und stylvoller Ausführung zeichnen sich diese Oefer ferner noch durch außerordentliche Sparsamkeit im Brenn­stoffverbrauch aus, bedürfen nur einmd im Jahr bei Reinigung und gelten mit Recht als die vollkommensten aller Dauerbrenner. Gleich wie die mit Micafeustern ver­sehenen Ofenthürchen eine genaue Beobachtung des Feuers ermöglichen, ohne daß man sie zu öffnen nöthig hat, so ist auch infolge der eingriffigen Zeigerregulirung selbst der Un­erfahrenste im Stande, die Feuerstärke mit einem Griff aus jeden Grad der Wärme»Erzeugung zu stellen und jede fehlerhafte Behandlung bei diesem äußerst sinnreichen Apparat vollständig ausgeschloffen. Für den Käufer bietet sich eine reiche Auswahl, da die Oefen von der Fabrik Junker u. Ruh in Karlsruhe in allen Größen und Ausstattungen hergestellt werden.

MchM Munn

Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

Redaktion mtb EMedition: Markt 21. Jllustrirtes Sonntagsblatt. Verantwortlich für den allgemeinen Theil: Redakteur «.Hartmann

-" --- ° für den «eratentheil.- Joh. Ang. Koch, beide in Marburg.

SÄ" anrimmt enL8e0en die Expedition dieses Blatte,, ~

* * * tzwre die Aniioncen-Bureaux von Haasenstein & Vogler in VWn

. Frankfurt a. M, Eassel, Magdeburg und Wien' Rudolf aaXH (Tutfl

Frertag, 17. September 1897. ^noflc “1, Münchenu.Köln, EL T.h6^77 0

0 ° F ' Daube & Co. in Frankfurt a. M.. Berlin Hannover. Vari,. Telephon 55.

Ueber die Anatomie und Kunst im Schneidergewerbe

hat in den „Correspondenzblättern des Allgemeinen ärztlichen Vereins von Thüringen" Geheimer Medizinal- x wth L'r. L. Pfeiffer einige interessante Be- x trachtungen veröffentlicht. „Im Laufe der Jahre sind

wir zu der Ueberzeugimg gelangt", so heißt es da, „daß die Bekleidungskunst oder das Schneidergewerbe Über einen viel erheblicheren Vorrath von Kenntnissen verfügt, die die Anatomie der Körperoderfläche be treffen, als Aerzte, Anatomen und bildende Künstler «unehmen. Maß- und Zahlcnverhallnisse der einzelnen x Körperaurschnitle, in die der Zuschneider die Körper­

oberfläche zerthcilt für die Planlegung und das Zu­sammenfügen zu einer getreuen Hohlform der be­stimmten Person, sind diesem Künstler sogar geläufiger, i als dem Bildhauer. Außerdem " ist keine der Frei- I htiten, die Letzterem bei Nachahmung und Jdealistrung

seiner Gestalten gestattet sind, dem Schneider eilaubt; das Kleid mutz in natürlicher Größe hergestcllt werden, es muß paßlich sein und soll auch noch die vielen kleinen Wuchsfehler, welche oft vorhanden sind, v-r- decken und verschönern. Das Kleid soll auch Raum haben für die Bewegung des Rückens, der Arme, der Beine. Und das Alles erreicht der Bekleidungskünstler

mit verhältuitzmäßig wenig Maßen! Nur in großen Zügen sei geschildert, wie von den verschieden Waffen­schmiedeschulen die Anpassung der starren Eiseuplatten an die Gelenke erzielt worden ist. Dem Drehgelenk zwischen oberstem und zweitem Halswirbel ist der Plattnermeister gerecht geworden, indem er den Helm als Ganzes auf den Halstheil beweglich einrichtete. Für die gifflhilichen Turniere hatte der Helm einen Wulst, der in einer Rinne auf der Halsberge sich drehte. Das Armgelenk hatte sehr große Oeffnung, um der Fleischverschiebung des großen'Brustmuskels Raum zu geben. Bei dem sogenannten Schulterooltritt, nem wichtigen Merkpunkte in der Bekleidungskunst zur Beurteilung der Wuchsform, sind zum Ueberfluß noch »ewegliche Schwachen eingefügt. VorhaudeneLücken in der Sanierung sind vom Platiner in der Gegend durch untergelegte Kettengewebe oder durch Brechscheiben geschützt. Für die Bewegungen int Rückgrat ist Raum geschaffen in dem sogenannten Gamsbauch — es ist das nicht eine Modefoim in der Rüstung; der Gamsbauch stellt sich von selbst ein beim Sitzen, z. B. auch an der heute allgemein getragenen Weste. Am Ellenbogen mit seiner Zwangsbewegung, an >em Drehgelenk der Hand, am Knie, an den Zehen, ür die Gegenstellung des Daumens, überall tritt uns dies Verständniß für die Drehpunkte der Ge- enke entgegen. Großartig ist die Anpassung bet

chwereu Rüstung an die Nackenschulterlinie des Harnischträgers. Auf dieses kleine Stückchen Achsel- teg, auf dem der Kofferträger einige Zentner Last trägt, ohne unterliegende edle Theile zu gueffchen, hat der Waffenschmied die Last der Oberleibs­kleidung zusammcngedrängt. Dicht nach innen vom Schultergräten-Schlüsselbeingelenk ist die Armrüstung angehängt. Bei jeder Armbewegung verschiebt sich dies Gelenk und mit ihm die gesummte Ausrüstung. An diesem Puntt ist die Anpassung der Bekleidung durch den Waffenschmied verschieden von der durch den Schneider. Während der Plattner im Armsatz Üch weit von dem Drehpunkt des Oberarmgelenkes entfernt und dichten Anschluß sucht oben auf dem Achselsteg, geht der Schneider möglichst nahe an bas Gelenk heran, und selbst für Modekleider findet eine eng anliegende Bekleidung der Strecke bis zur Rundung des Oberarm-Schultermurkels nicht statt wegen der allzugroßen Hautverschiebungen in dieser Gegend (Achselgegend). Gänzlich gescheitert da­gegen ist die Kunst der Plattner an der Be­kleidung des Gesäßes und der Kniekehlen. Du ist eine Hautdehnung vorhanden, die wenn fie in i!eifern Leder oder in Platten nachgeahmt werden soll, zu einer übermäßigen Faltenbildung und zu Quetsch­ungen führen müßte. Auf dem Pferd blieben diese Theile ohne Plattenschutz oder ohne Kettengewebe;

und beim Fußkampf, da bekam der Ritter — einen weiten Frauenrock aus Stahlblech oder Kettengewebe. Die kleineren anatomischen Feinhetten, z. B. an der Rüstung für einen Buckeligen, in der Armeria real in Madrid, an den Knabenrüstungen in der Dresdener Rüstkammer usw. übergehen wir. Einzelne Harnische haben so abschüssige Schultern, daß fie eigenttich nur für Frauengestalten passen könnten. Jedenfalls hat bei der Herstellung der kunstvollen Prachtharnische, deren einzelne den Werth eines Rittergutes hatten, auch der Schneider noch gut unterpolstern müssen, damit ein stundenlanges Tragen des Harnisches möglich war. Wenn heute die Betrachtung der prachtvollen künstlerischen Verzierung von solchen Einzelheiten ablenkt, so sei nur daran erinnert, daß das Maß zum Harnisch vom Schneider herrührte. Ein alles getragenes Wams wurde eingeschickt. Auf solche Maße bauten fich die Kunstwerke auf, die wir heute bewundern. Mit diesem Ausflug in das Gebiet des Plattner - Kunstgewerbes hoffen wir den Beweis erbracht zu haben, daß von den anatomischen Kennt­nissen des Kunstgewerbes überhaupt nicht gering­schätzig gesprochen werden darf. Ohne genaue Kenntniß und Abschätzung der verschiedenen Wachs­formen konnte kein passender Harnisch und kein Unter­kleid hergestellt werden."