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Wöchentliche Beilage«: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Jllustrirtes Sonntagsblatt. * iZ"''
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Telephon 55.
Erscheint täglich' außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Quartal-Abonnements-Preis bei der Expedition 2 M., bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. (exll. Bestellgeld >. Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.. Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
Marburg
Freitag, 17. September 1897.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieser Blatter, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg nnd Wien; Rudolf Messe in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln, C. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.. Berlin. Hannover. Paris.
XXXII. Jahrg.
Telephon 55.
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Erstes Blatt.
Die Bekämpfung des Alkohol- Mißbrauchs.
Auf der 22. Versammlung des deutschen 8ereins für öffentliche Gesundheits- pslege hielt am 14. d. M. in Karlsruhe Herr Medicinalrath Professor Dr. Tnczek von hier einen sehr interessanten Vortrag über „die Kekämpfung des Alkoh o lmißbr auch s". Die Trunksucht stelle, so führte er laut „Köln. Zig." ou8, bei ihrer großen Verbreitung in sittlicher, ge- pmdheitlicher und wirthschaftlicher Beziehung eine »ihre Gefahr für das Volkswohl dar. Die Trunksucht untergrabe die Gesundheit, Sittlichleit und den Wohlstand des Volkes, sie stehe als verheerende Seuche mit der Tuberculose und der
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Syphilis auf einer Linie. Die Trunksucht begünstige Krankheiten aller Art, erhöhe die Sterblichkeitsziffer inb vermindere die körperliche Widerstandsfähigkeit. Der Trinker werde frühzeitig siech und alt, er wirke durch Vererbung verheerend auf seine Nachkommen mb komme nothwendigerwetse in seinen Vermögens-, bezw. Erwerbungsverhältnissen zurück. Die Trunksucht führe zu Verrohung, Unzucht, Selbstmord, sowie verbrechen und Lastern aller Art. Die Trunksucht verschulde einen nicht geringen Theil all des sozialen Aeuds, das in den Massenerscheinungen des Müßig- Wgs, der Bettelei und Landstreicherei, der Armuth Md Unwissenheit, der Verwilderung und Verwahr- lchmg der Jugend, des häuslichen Elends und Familien spalts in die Erscheinung trete. Den Schwerpunkt bei allen Volkskrankheiten müsse man auf deren Verhütung legen. Erst in zweiter Linie sei auf Heilung Bedacht zu nehmen. Eine voll- -wdige Ausrottung des Alkoholgenusses werde sich sohl nicht erreichen laffen. Dagegen dürfte sich eine Verminderung des Lasters herbeiführen lassen, indem für höhere Löhne, bessere Arbeitsbedingungen und Wz besonders für gute Wohnräume und gutes kräftiges Essen der Arbeiter gesorgt werde. Es sei kein Zweifel, daß schlechte Löhne, lange Arbeitszeit, schlechte Wohnräume, schlechtes Eflen u. s. w. das Wstthshausleben begünstigen und mithin die Trunksucht befördern. Viel könnten zur Verminderung der Trunksucht Belehrung, sogenannte Reformrestaurants, i» denen keine alkoholischen Getränke verabreicht üxrden, Wärmehallen, Errichtung von Wasser- und
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(Nachdruck verboten.)
„Baroneßchen." Original-Roman von Ida Johu-Arustadt.
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(Fortsetzung.)
„Thränen ?" fragte Mariano de Velho so leise sei alles ein schöner Traum, den das laute «ort jäh verscheuchen könnte.
, Muth sprang auf; „o, nicht auch das noch, Var Doktor, nicht Ihr Mitleid! Ich verdiene es «cht. Laffen Sie mich allein!"
Der tieferregte Manu hatte sich mit ihr zugleich Hoben; er hielt ihre Hände jetzt fest in den seinen bemühte sich, in ihre Augen zu blicken, vergeb- sie hielt die Lider tief gesenkt.
„Hatte ich recht, als ich warnte?" fragte er ^tlich, „Gott sei Dank, daß daS ttotzige Herzchen ten vornehmen Verstand so siegreich bekämpft hat!" . „3m Gegentheil! — Gerade rntt dem Verstände logte ich mir, daß ich dieser Aufgabe nicht gewachsen ”, ich gab dem Herrn mein Wort zurück."
Muth hatte jetzt den Kopf erhoben und die «lauaugen groß und schön aufgeschlageu.
De Velho lächelte ein wenig, „und wenn der ^orr nicht darauf eingeht? Wenn er auf feinem Mm Rechte besteht?"
Sie entzog ihm ihre Hände und fuhr auf: -Welches Recht? Ich habe mich zn nichts verpflichtet, “W schriftlich, nicht mündlich. Der Fremde hat gar nicht gesehen, zumal er wohl eine Aeltere, Almuth, erwartete.... Sehen Sie, da oruben fähtt er eben hin . . ."
„Ist das auch ganz gewiß?"
»Freilich; ganz gewiß! Sie haben e8 ja selbst Attu: er betonte es sogar zweimal in seinem Briefe an Taute Almuth, daß er mit dem Schnell
Selterhallen, passende Sitzgelegenheiten für Dienstleute und Droschkenkutscher, Volksbäder u. s. w. beitragen. Arzneien und Geheimmittel zur Bekämpfung der Trunksucht seien vollständig zu verwerfen. Bedauerlich sei es, daß selbst in gebildeten Kreisen die Trunksucht vorwalte. Die Trinkgelage der Studenten seien um ihrer selbst willen und des schlechten Beispiels wegen auf's eifrigste zu bekämpfen. Kirche, Schule, Staat, Gemeinde und die freiwillige Vereinsthätigkeit könnten wesentlich zur Verminderung der Trunksucht beitragen. In der öffentlichen Meinung müsse die Trunksucht fort und fort als grobes Laster bezeichnet werden. Viel können auch die abstinenten Vereine zur Bekämpfung des Lasters wirken. Im weitern sei es vothwendig, die Konzession zum Branntweinausschank möglichst zu beschränken. In dieser Beziehung dürfte die Sonntagsruhe sehr wohlthätig wirken. Die Trunkenheit dürfte nicht als sttas- mildernd gelten, ärgernißerregende Ausschreitungen von Trinkern müßten stets bestraft werden. Ferner sei es nothwendig, die Branntweinproduktion gesetzlich zu beschränken und nicht dabei fiskalische oder andere Rücksichten zu üben. Der Redner empfahl im weitern die Unterbringung der Trinker in Trinkerasylen und führte aus, daß die möglichst geringe Verwendung von Alkohol in Arzneien, obwohl selbstverständlich, doch immer von neuem betont werden müsse. Der Redner empfahl schließlich, unter großem Beifall der Versammlung, eine Zahl von Leitsätzen, in denen es u A. heißt:
„Die Verhütung und Beseitigung der sozialen Folgen der Trunksucht bedarf der tzaatlicheu Intervention: Unterbringung der Trinker in geeignete Anstalten, Entmündigung derselben, Zwangserziehung der Kinder von Ii intern, Bestrafung der öffentlichen ärgernißerregenden Trunkenheit. Die Trunksucht als solche kann nicht Gegenstand der Bestrafung sein; delikte Trunksüchtige sind forensisch von Fall zu Fall zu beurtheilen. Zum Zweck der Heilung der Trinker ist die Errichtung von Trinkerheilanstalten unter staatlicher Aufsicht und ärztlicher Leitung erforderlich. Die Aufnahme in dieselben muß unter ausreichender Garantie auch gegen den Willen der Trinker tzattfinden können und darf von der voraufgegangenen Entmündigung nicht abhängig g. macht werden. Die Trinkeiasyle dürfen nicht als Straforte behandelt werden. Geheilte Tttnker müffen für alle Zeiten sich des Alkohols vollständig enthalten; ferner ist die absolnte Abstinenz nöthig für Kinder und für alle diejenigen, welche aus Gründen krankhafter Anlage den Alkohol schlecht vertragen und bald die Kraft verlieren, dem Reizmittel zu entsagen. Weitergehende Forderungen totaler Enthaltsamkeit gehen über das Gebot der Hygieine hinans. Die Mitwirkung der Gesetzgebung bei der Bekämpfung des Alkoholmißbrauchs ist unentbehrlich nnd hat sich bewährt. Die in Deutschland geltenden gegen die Trunkiucht gerichteten gesetzlichen Bestimmungen sind nicht ausreichend. Ein Gesetz zur Bekämpfung deS Alkoholmißbrauchs und
zuge weiter fahren müsse: sonst wäre er doch zu uns auf die Pracksburg gekommen."
„Das wollte er aus guten Gründen nicht."
„So kennen Sie ihn, Herr Doftor?"
„Wie mich selbst; es ist mein bester Freund, und ich weiß, er ist nicht abgereist."
„Nicht? Und Sie kennen ihn! . . . Ah, dann hatten Sie auch einen ernstlichen Grund, mir abzn- rathen. Er ist noch jung?"
„Genau so alt wie ich."
Muth erröthtte wieder über und über. „O Herr Doktor, warum sagen Sie mir das alles erst heute? Wie unrechtt"
„Sieh mich nicht so an, mein tapferes, stolzes Mädchen; ... ich konnte nicht anders, wollte ich Dich nicht verlieren."
„Mich?" Muth wich erbleichend zurück; sie gitterte so heftig, daß sie sich an eine der umstehenden, knorrigen Gchen lehnen mußte; einzelne'der dürren Blätter fielen au8 der Baumkrone auf fie herab; fie blickte ihnen gedankenvoll nach, wie fie vollends zur Erde sanken, und fragte rathlos, „was soll ich nun thun? Wollen Sie rntt Ihrem Freunde sprechen?"
„Das mußt Du selbst thun, mein Kind, aber ich werde Dir sagen, wie Du am besten reden wirst; komm'!"
Muth gab ihm vertrauensvoll den Arm, stn Begriff mit ihm nach dem Bahnhof hinüber zu wandern, zu seinem Freunde; bis an das Ende der Welt wäre fie mit Doktor de Velho gegangen. Bewundernd blickte fie jetzt in sein edles blasses Ge- ficht; er hatte die Pelzmütze abgenommen und von sich geschleudert, in das nächste, beste Sttauchwerk hinein: auf seiner Sttrn, über dem schwarzwelligen Haar, lag Helle Frühlingssonne; der lichte Glanz
feiner Folgen sollte alle einschlägigen Bestimmungen, mögen fie auf dem Gebiete der Gewerbeordnung, der Verwaltung, der Sanitätspolizei, des Straf- und CivilrechtS liegen, zusammenfassen. Ein Reichsgesetz dieser Art ist zu erstreben, unbeschadet der Bestimmungen durch Landesgesetz und Statut."
In der Diskussion über diese Leitsätze wies Prof. Dr. Karl Fränkel- Halle darauf hin, daß man in der Bekämpfung der Trunksucht einen Bundesgenossen haben müsse, nämlich ein Getränk, das man an die Stelle des Alkohols setzen könne. Er habe auf dem Aerztekongreß in Rußland ein Getränk kennen gelernt, den Kwaß, den er als geeignet erachte, den Alkohol zu ersetzen. Ober - Ingenieur Meyer- Hamburg war der Meinung, daß man kein Getränk aus Rußland brauche, habe man doch noch unfern Rheinwein. (Heiterkeit.) Dr. Aschaffenburg-Heidelberg verlangte, daß die Entmündigung eines Trunkfälligen erst eintteten dürfe, wenn sein Aufenthalt in einem Trinkerasyl sich als nutzlos erwiesen habe. Baumeister Hartwig-DreSden: Er sei der Meinung, daß die Sucht nach Alkohol ganz besonders die jungen, unverheiratheten Arbeiter vielfach veranlasse, mit schlechten billigen Wohnräumen vorlieb zu nehmen, um möglichst viel Geld zum Kauf von Branntwein u. s. w. zu haben. Es seien also nicht immer die schlechten Löhne, die den Alkohol- mißbrauch begünstigten. Dr. Jordy - Bern empfahl ebenfalls, den Kwaß als Ersatzgetränk einzuführen. Dr. Führer-Eberbach trat für vollständige Ausrottung des Alkoholgenusses ein und empfahl die Errichtung von Trinkerasylen, die jedoch, um ihnen jeden gehässigen Charakter zu nehmen, nicht unter staatlicher Aufsicht stehen dürften. Er verspreche sich von den Trinkerasylen 75 Procent Heilerfolge. Der Referent Medizinattath Professor Dr. Tuczek-Marburg hält dafür, daß die Trinkerasyle der staatlichen Aufsicht nicht werden entbehren können, und äußert, nach unserer Ansicht nur mit vollstem Rechte, sein Bedauern, daß Ober-Ingenieur Meyer-Hamburg die vorliegende Frage in humoristischem Sinne behandelt habe. Die Oeffentlichkeit könne in Folge dessen die Verhandlungen nicht ernst nehmen. Von einer Beschlußfassung über die Leitsätze wurde Abstand genommen.
Umschau.
Zn der im Interesse der Flöttenfrage von der Abtheilung Berlin der deutschen Kolonialgesell- schast in daS Architektenhaus berufenen öffentlichen Versammlung, deren Beschlüsse wir schon mit- getheitt haben, war eine stattliche Menge von Männern
aber, .der aus seinen braune» Augen leuchtete, bedeutete mehr, war ein Schimmer hoffnungsvoller, innigster Liebe. Er bog nicht in den Weg ein, sondern zog das erglühende Mädchen wieder neben sich auf die Steinbank nieder. „Bitte höre mich an," bat er dabei, „und wiederhole dann dem Glück- liche» die folgenden Wotte."
Muth blickte ihn aufmerksam an; in wankenden Tönen sprach er weiter, „ich, die Baroneffe von Prack, schwöre, daß ich mein Versprechen nicht brechen werde, daß ich tteulich in dem Hanse, an dem Herde walten will . . ."
„Halten Sie ein!" protestitte Muth mit versagender Stimme, „Sie quälen mich. Wie kann ich das Ihrem Freunde sage»! Ich will es nicht; ich kann es nicht. Doftor de Velho! Nie, nie! Laffen Sie mich! Ich werde selbst mit ihm reden: ich werde dem Herrn sagen ..."
„Und wenn er Dich fußfällig bittet?"
„Unsinn!" Muth hatte sich von de Velho's Arm frei gemacht, hoch und zürnend, mit sprühenden Augen stand fie da; „sosott will ich mit dem Fremden reden; wo finde ich ihn?"
Doktor de Velho hielt beide Arme auSgebreitet, „er steht vor Dir, Muth, ewig, ewig Dein!"
„Sie?" jubelte die Baroneffe. „Hier bin ich, für immer! O Mariano!" Ihr stolzes Köpfchen lehnte fich fest an seine Brust, umschlossen von seinen Händen. Zatt hob er es zu sich empor und küßte die adlige Stirn, Mund und Augen. „Du konntest ja Deinem Schicksal nicht entgehen. Liebling; mein mußtest Du werden; es ist Dtt so bestimmt, meine süße Braut," sagte er mit feiner weichen, süßen Stimme; tiefverschämt und doch selig schlug sie die schönen Augen zu ihm auf, zu ihm, dem Herrlichsten von Allen, und er zog das alte Brillen
ans allen Bernfsfteisen, namentlich eine Anzahl von höher» Marine-Offiziere» und Offizieren der Armee erschienen. Der Vorsitzende der Kolonialgesellschaft, General z. D. v. Poser und Groß-Nüdlitz, eröffnete die Versammlung. Der preußische Gesandte z. D. Wirft. Geheimrath v. Kusserow sühtte aus, die deutsche Flotte stehe hinter den schon durch den Flottengründungsplan des norddeutschen Bundes vom Jahre 1867 vorgezeichneten Zielen weit zurück, sie könne ihre Ausgabe zur Zeit nicht erfüllen. Die deuffche Kolonialgesellschaft wolle die Flottenfrage aus dem Parteikampfe herausheben, fie zu einer nationalen machen. Sie könne in der Flottenfrage zum Ziele kommen, wenn die Begeisterung für das Vaterland das Parteigötzenthum überwinde. Die deutsche Flotte müsse sich nach Maßgabe der Leistungsfähigkeit der deutschen Werften und der deutschen Finanzen stettg entwickeln. Der Handel folge der Flagge. Das Vertrauen in die deutsche Kriegsflagge ziehe den Aufschwung des Handels nach sich. Deutschland sei die zweite Handelsmacht der Wett. Um fich diese Stellung zu erhalten, zum Schutze der nationalen Arbeit, bedürfe Deutschland einer Flotte. Keine Nation sei werth, eine Nation genannt zu werden, die außer Stande ist, ihre Ehre Überall zu vertheidigen oder zu erkämpfe». Kapitänlieutenant z. D. Bruno Weyer zeigte an der Hand von Wandtafeln, die die Entwicklung der deutschen Flotte im Vergleich mit derjenigen der andern Großmächte zur Anschauung brachten, wie weit die deuffche Flotte in der Zahl und technischen Ausrüstung ihrer Schiffe hinter denen der andern Staaten zurückgeblieben ist. Von „uferlosen Flottenplänen" könne hei unserer obersten Marine- Verwaltung nicht die Rede sein; deren Bestreben sei allein darauf gerichtet, eine Flotte zu bekommen, die des deutschen Reiches würdig und fähig ist, die deutschen Interesse» wirksam zu schützen. Dr. Neubaur besprach die Flottenftage vom handelspolitischen Gesichtspunkte auf Grund seiner Ersahrungcn, die er während seiner Reisen durch fast alle Länder der Erde gemacht hat. Er wies darauf hin, daß der Werth deS deutschen Handelsverkehrs von 1881 bis 1894 von 6300 Millionen im Jahre auf 7448 Millionen, d. h. um 1150 Millionen Mark gestiegen, während in der gleichen Zeit der englische Welthandel nur um 800 Millionen Mark, der ftanzöstsche um 600 Millionen Mark, der russische um 3000 Mill. Rubel gewachsen und der italienische auf derselben Ziffer geblieben fei. Wenn solche Interessen über See vorhanden seien, so habe das deutsche Reich auch
gestell heimlich hervor und legte es sanft auf ihr feines Näschen. „Ist es der Rechte, Muth?" Aber fie nahm Tabert'S Andenken, die Gemeindebrille von Wachelsee, mit raschem Griffe herab, barg fie in ihrer Kleidertasche und lachte; „Daß fie Dich finden half, Mariano, daS war ihre höchste Bestimmung; fie verdient einen Reliquienschrei»!"
„Der soll ihr auch werden, Muth, in unserem künftigen Heim; und nun schnell zu meiner Mutter und Nina; fie fahren draußen auf und ab, die neue Gesellschafterin zu begrüßen. Hast Du den „geistreichen" Brieffchreiber auch wirftich lieb? . . . Es war doch gut, daß er vorsichtig war und seine» Name» nicht »»ter das Schreiben setzte; sonst wärst Du vielleicht doch nicht gekommen, Du Stolze!"
„9He!"
Doktor de Velho küßte seiner Braut das ttotzige Wort von de» Lippe». „Mama nnd Nina haben mich nämlich überrascht mtt ihrem Kommen," erzähtte er im Hinschretten und hielt dabei Muths Arm und Hand so fest, als könne ihm fein Glück jeden Augenblick wieder entfliehen, „nur Sylva war im Komplotte. Nein, diese Fra»! Wie hat die aufgejubett, als ein Fräulein vo» Prack fich auf unsere Annonce in der Zeitung meldete! Und ich! Daß Du mir fteilich in das Netz gehen würdest, stolzer Edelfalke, daS hatte ich mir nicht träumen laffen. Damals hatte ich für Sylva die Pracksburg schon gekauft; sie wollte ihren Walther damit überraschen, denn, siehst Du, ich habe ihn nicht aus den Augen verloren. Deinen Vater, in all den Jahren."
(Schluß folgt.)