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öchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg «nd Kirchhain. Jllnftrirtes Sonntagsblatt.

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Marburg

Freitag, 3. September 1897.

Adrigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux vou Haasenstein & Vogler in YYYI1 cy Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf AAÄU.

Moste in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln, 6. L. q-.r.nünn 55

Daube & Co. in Frankfurt a. M.. Berlin. Hannover, Vari«. Lelepyon ot>.

Sedan.

Je ferner wir vom 2. September 1870 kommen, vso«ehr wird die Feier des Sedantages aus der Biten Oeffentlichkeit in die Stille rücken. Umsomehr 1 üt es aber auch, jene glorreiche Heldenzeit unseres 1 Inlandes unserem Volke in der Erinnerung stets zu halten. Wessen wir unS dabei erinnern, «8 ist weniger die Niederwerfung und Besiegung t8 Erbfeindes, als vielmehr die Erstehung des ätschen Reiches, die an jene glorreichen Siege sich «schloß. Ohne Sedan kein deutsches Reich. Das 8 und bleibt ja doch die größte Freude jedes Vater- Mfteurides, daß wir nun wirklich sind ein einig Bolf von Brüdern, die nimmer sich trennen, in keiner ich und Gefahr. Der Grund zu dieser Einheit ist tf dm Schlachtfeldern Frankreichs durch Blut und Wen gelegt worden. Unter den gemeinsam errungenen 1 Siegen steht aber obenan der Sieg von Sedan.

Eine raschlebige Zeit vergißt schnell. Daß unser «erlaub im Rath der Weltmächte ein gewichtig tat mitzureden hat und hervorragend an der Ge- «lümg der Weltpolitik betheiligt ist, das dünkt uns «te selbstverständlich. Daß Industrie und Handel 1 ungeahnter Weise zu ungeahnter Höhe sich ent- litfelt haben, das meinen wir heute, könnte gar nicht Oers sein. Daß der Wohlstand des Volkes sich b allgemeinen gehoben hat, gehört für viele heute hm zu den Platten Alltäglichkeiten, die man kaum nhr der Erwähnung werth findet. Daß wir im tatrn des Reiches eine soziale Fürsorge haben, wie m Reich der Welt, daS will fast vergessen werden «1 lauter Kritik au der Gestaltung dieser Fürsorge, iaz alle deutschen Stämme nun bald ein einheitliches rrgerliches Recht umschließen wird, daß dies ein bvouireudes Zeichen der inneren Einheit Deutschlands Erstellen wird, wird schon jetzt hinter die Meiuungs- \ «erschiedenheiten zurückgestellt. Und doch die große, 1 Krliche Entwicklung, in der wir stehen, die vielen । ^verständlich scheint — wäre sie möglich ge- j vrieu in den deutschen Landen ohne den Tag von küau? Niemals. Darum deutsches Volk, vergiß des kedantages nicht!

Aber vergiß auch nicht, was damals zum Siege taholfen hat. Es war ein Dreifaches: Gottes- «rcht, Königstreue und Vaterlands­liebe. In dieser Dreiheit lag die Sicherheit des kieges, auf diesem dreifachen Grunde ist das neue ätsche Reich gestellt, auf diesem dreifachen Grund Ean wird es erhalten. Wir stehen mitten in der Mtwicklung. Unsere Macht und Größe nach außen

muß festen Rückhalt bekommen durch die innere Größe. Groß wird ein Volk auf dem Fundament der Gottes­furcht. Die Pflege der Religiosität als eines der edelsten Güter der Nation führt zu sittlicher Größe. Wo es gelingt, unser Volk zu sittlicher Größe empor­zuheben, da werden dann die Aufgaben der sozialen Fürsorge, wie der sozialen Versöhnung um so lftchter gelöst werden können, und aufgehalten wird die Spaltung in Klassen, deren eine die andere nimmer versteht. Denn sittliche Größe ist undenkbar ohne die Macht heilender Liebe.

Die andere siegreiche Macht des großen Krieges war die Königstreue. Der König voran, ihm nach seine Getreuen. So ging'S von Sieg zu Sieg. Zu sieghafter Höhe kann unsere innere Entwicklung nur kommen, wenn es auch hier geht nach dem Lied: Der König rief, und alle, alle kamen. Jeder komme zum Throne unseres Kaisers, jeder komme zum Throne seines Fürsten und bringe sein Bestes mit für die Wohlfahrt des Reiches. Deutschlands äußere wie innere Größe ruht auf der Festigkeit seiner Fürstenthrone. Darum ruft jeder Sedantag das deutsche Volk heran an die Throne seiner Fürsten und seines Kaisers. Mit unseren gottbegnadeten Fürsten arbeiten wir an des Reiches Größe, sie haben uns zum Sieg geführt im Kampfe draußen, sie werden uns zum Siege führen in den inneren Nöthen. Wer sein Vaterland lieb hat, der kann nicht anders als: Mit Gott für König und Vaterland 1 Ja, Vaterlandsliebe — daß wir sie denen ins Herz gießen könnten, denen sie durch Verführung und Druck auS dem Herzen entwichen ist! Wenn eist die Vater­landsliebe in allen deutschen Herzen erglüht, wenn's durch die Massen brausend zieht, „Deutschland, Deutschland über Alles", dann wird auch unsere innere Entwicklung zu jener sieghaften Höhe empor­steigen, daß man bewundernd ausrufen wird: Das Volk der Deutschen ist ein Volk von Gottes Gnaden.

Dazu aber frischen wir alle Jahre die Erinnerung an den Tag von Sedan auf, daß sich unser Volk die führenden Siegesmächte stets vor Augen halte: Gottesfurcht, Königstreue, Vaterlandsliebe. Diese drei Mächte haben das deutsche Reich geschaffen, sie allein erhalten es auch.

Der Kaisertag zu Würzburg.

W. Würzburg, 1. September.

Zu dem bereits kurz gemeldeten Empfange der gestern Abend eingetroffenen Fürstlichkeiten waren der

Regent und Prinz Ludwig auf dem Bahnhof er­schienen. Der Regent wurde in seiner schwarzen württembergischen Artillerie - Uniform kaum vom Publikum erkannt. Der Sonderzug des Königs von Württemberg traf kurz nach 8 Uhr ein. Der König, in der Uniform seines 4. bayerischen Regiments, statt des früheren Vollbarts bloß noch den Schnurrbart ttagend, umarmte und küßte den Regenten und fuhr nach kurzem Cercle im Königssalon mit dem Regenten zur Residenz. Der Großherzog von Hessen, der vor dem König von Württemberg eintreffen sollte, langte mit dem gewöhnlichen Postzug und mit halbstündiger Verspätung an, wegen des gestern Nachmittag um V/z Uhr vorgekommenen Eisenbahnunfalles bei Karlstadt, wo der München-Aschaffenburger Schnellzug auf einen rangirenden Güterzug auf« gefahren war. Dcßhalb mußte die Strecke seitdem eingeleisig bettieben werden. Der Großherzog von Hessen wurde vom Prinzen Ludwig empfangen und zur Residenz geleitet. Der gestrige Tag war vom Regenten und den übrigen Prinzen zur Besichtigung allerlei Würzburger Neuheiten benutzt worden. Der Regent zeigte und beschrieb seiner Schwiegertochter Prinzessin Ludwig den neuen Brunnen vor der Residenz und nahm dann, wie stets, wenn irgend angängig, ein Schwimmbad. An der Tafel in der Residenz nahmen sämmtliche Prinzen, der Minister­präsident v. Crailsheim und General Xylander theil. Der König von Württemberg und der Großherzog von Hessen speisten Abends in den Gemächern des Regenten.

Betreffs der Manöver ist mitzutheilen, daß die Entscheidung innerhalb des Dreiecks Hanau-Gelnhauftn- Aschaffenburg erwartet wird. Die Operationen sollen im Großen und Ganzen eine Wiederholung der Be­wegungen von 1866 darstellen. Die Bayern werden voraussichtlich nach einem anfänglichen Vorstoß vor der Uebermacht der durch Flaggenbataillone imaginär verstärkten Preußen zurückweichen.

Nachdem das K a i s e r p a a r heute ftüh, wie schon berichtet worden, auf dem Bahnhofe vom Prinzregenten und Prinzessin Ludwig anf's Herz­lichste begrüßt worden, und nach der Vorstellung der •jum Empfang Befohlenen (die meisten anderen Herrschaften waren direkt zum Paradefeld gefahren) erfolgte die Fahrt zum Paradefelde. Die Eskorte für den Wagen, in dem der Kaiser und der Prinz­regent saßen, stellte das 1. Ulanen-Regiment, während das 1. schwere Reiter-Regiment den Wagen eskortirte, in welchem die Kaiserin und die Prinzessin Ludwig Platz genommen hatten. Eine vieltausendköpfige

Menschenmenge, welche sich auf den Straßen ange­sammelt hatte, brachte den Allerhöchsten Herrschaften begeisterte Ovationen dar.

Während Würzburg im Wesentlichen von Ein- quartirung frei geblieben ist, wimmelt es in den süd­ostwärts gelegenen Ortschaften von Truppen aller Waffengattungen, deren Offiziere erwartungsvoll dem friedlichen Kriegsspiel mit den norddeutschen Bundes- brüdern entgegensehen. Besonders viel macht der dem Führer der Westarmee, General v. Häseler, vorausgehende Ruf äußerster Schneidigkeit von sich reden. Viel besprochen wird auch der gute Einfluß der Einführung einer gemeinsamen Kokarde, deren Wirkung größer sein soll, als man in nichtmili­tärischen Greifen sich träumen läßt. Jene Zeitungen, auf welche das Wort „Preuße" die bekannte Wirkung des rothen Tuches ausübt, haben aus der Thaffache, daß sich die Manöver in einem Gelände, wo 1866 zwischen Preußen und Bayern gekämpft worden ist, ja sogar in jenen winzigen Landzipfelchen, die 1866 von Bayern losgetrennt worden sind, abspieleu würden, politisches Kapital herauszuschlagen versucht. Wie aber neuerdings verlautet, wird das rund 50 000 Mann zählende bayerische Manöverheer, ob­wohl es westwärts vom Spessart und Rhöngebirge die erste Aufstellung nimmt, weiterhin über die eigenen Landesgrenzen hinaus bis in die Gegend von Hanau und Friedberg vorrücken. Für den Regenten selbst, deffen Kräfte in Anbettacht seines Alters nicht allzu sehr in Anspruch genommen werden dürfen, schließt das Programm mehrfache Ruhetage in sich. Der bayerische Höchstkommaudirende aber, der mit einer Tochter des Kaisers von Oesterreich vermählte zweite Sohn der Regentin, besitzt bei größerer Jugend (48 Jahre) jene zähe widerstandsfähige Natur, die seinen Vater selbst im hohen Alter noch immer zu Hochgebirgsjagden befähigt. Für den Regenten, der aber einem Theile der Manöver im Wagen folgen wird, sind aus dem Münchener Marstall seine alt­gewohnten 15 bis 18 Jahre zählenden Reitpferde hierher gebracht worden, auf denen der hohe Herr, wenn er in München weilt, seine täglichen Morgen­ritte durch den englischen Garten zu machen pflegt.

Der Weg nach dem großen Paradefeld, das etwa 2 Stunden östlich von Würzburg gelegen ist, war buchstäblich besät mit Wagen, Reitern und Fuß­gängern, die alle zu dem militärischen Schauspiel hinauszogen. Die Tribünen waren leider sehr weit von der ersten Paradeaufstellung entfernt, so daß man selbst mit Zuhilfenahme eines Glases nur wenig erkennen konnte. Auch war das zweite Treffen der

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(Nachdruck verboten.)

„B a r o n e ß ch e n."

Original-Roman von Ida John-Arnstadt.

(Forffetznng.)

Saron von Prack und Mariano de Velho ritten ” ganze Nacht hindurch; erschöpft warfen sie sich * das hohe Pampasgras und lösten die Siegel von ^anna Josephas Gabe. Ein Zettel von ihrer Hand, ? ihrer Sprache geschrieben, theitte ihnen mit, daß bas Fieber habe und sich von ihrem Lager stehle,

oroyucyeu Eingebung

fc?1 von der Pracksburg, — und ging feinen ^Eein, einen dunklen, beschwerlichen Weg, aber iö» und Segen. Von zu Haus, von seiner

8ta' südlichen Heimath, von der Mutter und den

?ü)mmen, wie sie versprochen. Sie habe ihren ^vahl auf den Knieen angefleht, ihr zu sagen, er Sylva gebracht. „In Sicherheit!" Wetter fte nichts erfahren, weiter nichts und nun be- sie den Baron, sich Marianos anzunehmen, ^stets Nachricht vom jeweiligen Aufenthalte zu £”8 und Sylva treu zu bleiben; hoffentlich könne > bald Sich'res berichten von ihrer unglücklichen Mer. Eine große Summe in Banknoten war dem sichte beigeschloffen, und so waren die Beiden • ? Deutschland gereift, in J>e8 Barons schöne viiNath.

. Unterwegs schon lernte Mariano den zur Ver- Miduug und Leichtlebigkett geneigten Sttm des kennen, und als er diesem gar feierlich ge- mußte, niemals etwas von ihren Erlebnissen

i7 seinem Verhäluiß zu Sylva zu verrathen, — - et plötzlich, was er zu thun hatte; da sagte los von seinem Freund und Retter — auf wie er meinte — er floh, wie wir wissen, l. plötzlichen Eingebung folgend, in Nacht und

Schwestern hatte er lange nichts gehört; all' feine Briefe schienen verloren zu gehen, oder kamen als unbestellbar zurück, bis die Gerichte ihm den Tod seines Sttesvaters anzeigten und fein Vermögen aus­lieferten. Die Adreffe seiner Mutter erfuhr er aber doch nicht, ttotz aller Anfragen beim Konsulat. „Verzogen, AufeuthaÜ unbekannt," lautete die letzte Drathuachricht vor zwei Monaten.

Jetzt stand Mariano im neunnndzwanzigsten Lebensjahre, überall ausgezeichnet und verehrt, wo er erschien, — um seiner edlen Gesinnung, seines Geistes Willen. Er gehörte zu den Bahnbrechern der Wissenschaft, aber er wußte es nicht. Rührend einfach und bescheiden, lebte er bald da, bald dort in den deutschen Universitätsstädten, ohne sich für einen eigentlichen Fachberuf zu entscheiden, — ein einsamer und doch so begehrter Mann; beliebt bei Hoch und Niedrig, bei Arm und Reich. Seine schrankenlose Wohühätigkett, immer im Mantel des Geheimvisier, führte ihn in Hütten und Spelunken; seine geniale Richtung und bedeutende Rednergabe an die Throne der Wissenschaft und der Regenten.

V.

Am Morgen nach jener Nacht, in der Muth in das Geheimniß ihres Vaters eingeweiht worden war, lag Sylva noch im Schlummer, als Muth sich erhob; sie hatte nicht schlafen können, nicht eine Minute laug. Was sollte dieser Tag alles bringen. ChewSky wollte ganz früh kommen, sie noch einmal zu sehen, bevor er abreiste und bei dem Baron in aller Form um ihre Hand anhiell. „Wenn ich ihn treffe," hatte er freilich gesagt und sie dabei so eigen angesehen: ließ sich der arme Vater auch vor dem Grasen verleugnen? Ach, jetzt kannte sie den Grund seiner Trauer, hatte den Schlüssel zu

allen dunklen Räthseln: Sein Haß gegen de Velho, das machtlose Kämpfen gegen sich selbst und seine Kunst, alles wurzelte in dem einen, in dem unglück­lichen, jäh zerrissenen Verhaltniß zu der schönen ftemden Mädchenblume. Nun mußtt alles, alles gut werden. Oder doch nicht? Levy fiel ihr plötzlich ein und die geheime Abend-Conferenz mit Tante Almuth nn Atelier. Unmöglich konnte fie mit dieser Ungewißheit im Herzen heim reifen. Sylva mußte noch Geduld haben bis ein Brief kam von der Pracksburg oder von Tabert, der ihr sagte, wie es stand zu Haus. Was hätte fie auch vor Frau Doftor, vor Fräulein Schneider und den Anderen angeben sollen als Grund einer so plötzlichen Abreise zu Zweien? Des Vaters ängstlich behütetes Geheimniß durfte sie doch nicht berühren, nicht mit einem Worte! Ach — und das Schlimmste: Mtt dem Mittagszuge reifte Doktor de Velho wieder ab, für immer, er hatte es selbst gesagt. Er war auf diesen Vormittag zehn Uhr zum Frühstück hierher ein geladen, sie mußte ihn noch einmal sehen und sprechen, so schwer es ihr auch wurde. Wie hätte sie, des Grafen Chewsky glückliche Braut, sich zurüchiehen können! ES war unmöglich. Allein ihr zu Ehren gab ja das Pensionat die kleine Festlichkeit; schon jetzt, da eS noch dunkel war, regten sich fleißige Hände in Küche und Keller; Tante Dina hatte ein ganz besonders feines Menu ausgedacht mit Frau Doktor, gestern Abend noch und einen wahren Sturm unter den Dienstleuten in Scene gesetzt; unmöglich durfte Muth an der Tafel­runde fehlen, schon um Sylva'S willen nicht, — und ganz heimlich in der tiefsten Tiefe ihres Herzens wachte die Sehnsucht, noch einmal, zum allerletzten Mal, in Mariano's braune Augen zu blicken — auf Nimmerwiedersehen.

Natürlich gestand sich Muth diese Schwäche nicht

ein. Der Selbstbettng spiett eine so große Rolle im Menschenleben, er wirst sich in das Kleid der Wahrheit, zwingt seine Stimme zu süß lockenden Lauten und um» schmeichelt das arglose Wollen, bis es sich überrumpeln läßt und zu spät erkennt, daß diese Stimme nicht echt war: Muth sagte sich vor, Doftor de Velho habe gestern Abend ihren Bräutigam entweder falsch ver­dächtigt oder es gäbe in Chewskys Leben wirklich eine dunkle Stelle; nm beider Möglichketteu Willen mußte sie de Velho sprechen: Sie hatte den Grafen zu vertheidigen und den Verleumder seiner Ehre zur Rechenschaft zu ziehen oder fie mußte wiffen, welchen Zug seines Charakters fie fortan zu fürchten habe, denn neben Chewsky leben, sein Weib werden mußte sie, selbst wenn er ein Verbrecher war. Es gab keine Wahl.

Wie aus der Ferne her umwehten fie Sylva's ruhige Athemzüge; fie schlich zu der Schlafenden hin, gleich der „Meerschaumentstiegenen", so gart und weiß lag fie auf dem Kiffen; ihre schwarzen Locken mischten sich mit dem Spitzevgewirr an ihrem Nacht­kleid, die Hände hoben sich in rosiger Kleinheit von der blauseidenen Steppdecke und ein leises, glückliches Lächeln umspielte ihre halbgeöffeteu Lippen. Gar zu gern hätte Much einen Kuß auf diesen Mund ge­drückt, aber fie bezwang fich; je länger Sylva schlief, desto besser war es für ihre Ruhe: um acht kam ja der Postbote und heute mußte sie die Nachricht bekommen von daheim!

Acht Uhr schlug es wohl, und der Briefträger kam auch, aber einen Brief für Muth hatte er doch nicht abgegeben.

(Fortsetzung folgt.)