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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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Telephon 55.
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ig 6« zur Bekämpfung der Sozialdemokratie folgende beste, LeiSheit zum Besten giebt:
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Nach Stettiner Berichten tourbe am Freitag die Kleinbahn Stolp-Dargorese-Schmolsi» eröffnet. Der Feier wohnte auch der Operpräfident von Pommern, v. Puttkamer, und der Präsident des preußischen Abgeordnetenhauses und des pommerschen Provinziallandtages, v. Köller, bei. Bei der Festfahrt brachte Herr v. Puttkamer den Trinkspruch auf den Kaiser aus und sagte dabei u. A.: „Wir verlangen vom Staate nichts, als daß er jene gesetzlichen Schranken beseitigt, die der energischen Bethätigung der Selbsthilfe entgegenstehen, und das ist durch das Kleinbahngesetz geschehen. Es ist heutzutage leider eine gewisse politische Richtung tat Schwünge, welche die Behauptung aufstellt, daß die Landwirthe im Osten Deutschlands oder wie sie in einem gewissen Rotwelsch sagen: die Ostelbier, also wir im Osten, nicht imstande seien, den wirthschaftlichen Calamträten zu begegnen. Run, wir haben hier den Gegenbeweis geführt, wir haben bewiesen, daß es uns weder an
Sozialdemokraten unsere deutschen Bauern halten. Da heißt es in dem Nugblatte:
„In der kommenden Gesellschaft wird alles wohl geregelt werden. Da wird zuerst die Nachfrage nach Getreide festgestellt, bevor der Bauer den Pflug führt und die Sichel schwingt. Und kein Schweiß- ttopfen fließt vergebens, weil jedes Korn und jeder Halm einen Abnehmer findet!"
Es ist zu vermuthen, daß, je näher die 1898 er Reichstagswahl kommt, auch diese Art sozialdemokratischer Versprechungen um so alberner werde. Wir haben aber die Ueberzeugung, daß diese dummdreisten sozialdemokratischen Vorspiegelungen bet den aufgeklärten Landleuten auch nicht einen Gläubigen finden wird!
Statt aber, wie es Sache der Demokraten wäre, die sich immer das Monopol der wahren „Volksfreundschaft" vindicsten, die Landleute vor solch unsinnigen sozialdemokratischen Schwindeleien zu warnen, unterstützen sie, wie gesagt, in jedmöglichster Weise die ihnen so wahlverwandten „Genoffen". Besonders thueu sich hierin die demokratische „Franks. Ztg." und ihr Anhang hervor. Haben diese Löb Sonnemannschen Herren Zeitungsschreiber zur Rettung der angegriffenen Sozialdemokratie nichts Sachliches übrig, so bezeichnen sie den betreffenden Angriff eines Ordnungsblattes einfach als „lächerlich", wie es vorgestern die „Frankfurter Zeitung" mit einer ungemein richtigen Auslassung der „Hamb. Nachr." zum Kampfe gegen die Sozialdemokratie that. Das öfter von Fürst Bismarck benutzte Hamburger Blatt hatte geschrieben:
Vor Allem gilt er, die in Deutschland herrschende Be- griffSverwtrrung zu beseitigen, unter welcher es dahin gekommen ist, daß ein großer Theil selbst der Gebildeten in der Sozialdemokratie lediglich die Vertretung der Interessen der Arbeiter erblickt. E» ist das die beklagenSwertheste Folge des Wegfalls des Sozialistengesetzes, und nur die Rückkehr zu einer ähnlichen Gesetzgebung kann verhüten, daß di« bürgerliche Gesellschaft in Deutschland durch ihren eigenen Jrrthum allmählich der revolutionären Ueberfluthung unterliegt. ES muß wieder volle Klarheit darüber hergeftellt werden, daß die berechligten Forderungen der Arbeiter von allen Darteien verrieten werden, baß da» Charakteristische der Sozialdemokratie aber ihr ausdrücklich erklärtes Streben nach Beseitigung der bestehenden staatlichen und gesellschaftlichen Ordnung ist, einschließlich alle» deffen, was wir als die höchsten und heiligsten Güter unserer Kultur betrachten Nur ein Reichs gesetz, welches der revolutionären Bethätigung der Sozialdemokratie nicht nur in Versammlungen und Vereinen, sondern namentlich auch in der Presse einen Riegel vorschiebt, wird dem Urtheil des Volkes wieder eine fest« Richtschnur geben. Selbstverständlich sind in einem solchen Gesetze Sozialdemokratie und Anarchismus durchaus auf gleichem Fuß« zu behandeln. Der von sozialdemokratischer Seite behauptete himmelweite Unterschied zwischen beiden ist
Marburg
Freitag, 20. August 1897.
auf die Naivetät der den Deutschen innewohnenden Gelehrten- natur berechnet; praftisch kommt für den bestehenden Staat nur in Betracht, daß Sozialdemokraten wie Anarchisten den Umsturz wollen und sich nur in der Taktik unterscheiden.
Die „Frankfurter Zeitung" »enut das, was mit dieser Auslassung bezweckt sei, „tat Interesse des Junkerthums dafür sorgen, daß eine dauernde Verständigung zwischen Bürgerthum nnd Arbeiterschaft nicht zu Stande komme, weil sie gleichbedeutend sei mit der Vernichtung der junkerlichen Vorherrschaft. Und da jene Schreiberseelen (der „Hamb. Nachr.") im Dienste eines Mannes (des Fürsten Bismarck) stünden, der zestlebenS eine echte, rechte Junkernatur war und daher die Kaste der „unvergleichlichen Kammerherren" zu erhalten wünscht, darum suchen sie immer vom Neuem Zwiespalt zu säen zwischen den Schichten der Bevölkerung, auf denen die Zukunft Deutschlands beruht — zwischen Bürgerthum und Arbeiterschaft."
Wenn mau obige Auslassung der „Hamb. Nachr." und dann diese Sätze der „Franks. Ztg." liest, so sieht man, wie diese demokratischen Schreiberseelen ä la „Frankfurter Zeitung" die Wahrheit ein- fach geradezu auf den Kopf stellen! Die Sozialdemokratie will die Arbeiterschaft von der Bürgerschaft trennen, um sie zur Ausbeutung mittelst der Arbeftergroscheu für die gut lebenden Führer, als Stimmvieh und eventuell als revolutionäre Kämpfer zu benutz«. Die Auslaffungen der „Hamb. Nachr." aber bezwecken, die Arbeiterschaft von der Sozialdemokratie, die sie nur bethört, zu trennen und in den Reihen des ordnungsliebenden, gesitteten Bürgerthums zu erhallen! Das Frankfurter Blatt schließt mit der Phrase: „Freiheit und Gleichhell, aber nicht Polizeiknüppel und Lockspitzel werden uns besseren Zeiten entgegen führen!" Diese von der Frankfurterin gemeinte Freiheit und Gleichheit nebeneinander sind ein Unsinn aus dem sozialdemokrattschen „Zukunstsstaate", der in Bezug auf die Gleichheit Aller nur durch den denkbar schärfsten Polizeizwang für kurze Frist in's Leben treten könnte!
Umschau.
Die „Neue Freie Preffe" erhält jetzt aus der bekannten Quelle Mittheilung über neuerliche Aeußer- ungen des Fürsten Bismarck. Man sprach über die deutschen National-Eigeuthümlichkeiteu. Der Fürst bemerkte u. A., die Deutschen seien eigentlich immer noch eine Unteroffiziers-Nation, jeder sei auf die Tressen erpicht. DurchschnMich habe jeder im öffent
Die Sozialdemokratie,
Bestrebungen in neuester Zell in noch mehr irficht als sonst den Schutz und die Unterstützung t radikalen Demokratie finden, ist eifrig an der die Landbevölkerung für die kommen-
Reichstagswahlen zu bearbeiten. Während radikalen Agitatoren persönlich aufs Land ziehen den Bauern und den Knechten ein „völlig ««schenullwürdiges, bedrücktes" Dasein vormalen, pshrend die fteisinnige „Voss. Ztg." gerade so, als 6 Zuckerwasser das beste Mittel gegen die Cholera
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Quartal-Abonnements-Preis bei der Expedition 2 Mr., bei allen Postämtern 2 M. 25 Pfg. (exkl. BestellgeldJnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
lichen Leben Stehende nur das Maß von Selbstgefühl, das seiner staatlichen Abstempelung, seinen staatlichen Rang- und OrdenSverhällniffen entspreche. Ausnahmen seien rühmlich, aber selten. Weiter führte der Fürst aus, daß die heutigen Parteien in Deutschland doch kaum noch das vorhandene Bedürfniß deckten, weil dies vorwiegend wirthschaftlicher und sozialpolllischer Natur sei. Auch auf den jüngsten Besuch des Vorstandes des Bundes der Landwirthe kam dabei die Rede. Der Fürst bestättge dabei, daß er seine Ueberzeugung dahin zusammengefaßt habe: II faut que la recherche de la fraction soit interdite. Wenn man etwas auf wirthschaft- lichem Gebiete erreichen wolle, muffe man die politischen Unterschiede, die etastwellen nicht in Bettacht kämen, zurückstelle» für spätere Zeiten. Wenn der Landwitth etwas erreichen wolle, dürfe er den, der ihm zu helfen bereit sei, nicht erst fragen: Welcher politischen Fraktion gehörst du sonst an? Das müsse ihm zunächst gleichgiltig sein, „davon nach neune, wie die Berliner sagen." Ueberhaupt muß man zwischen den einzelnen Mllgliedern, die die Fraktion bilden, und der letzte« als solcher unterscheiden. DaS ist so, wie es das bekannte Wort ausdrückt, das einmal ein Königlicher Herr ausgesprochen hat, als er in kritischen Zeiten unmittelbaren Verkehr mit Parlamentariern gehabt hatte: „Wenn man mit dem Einzelnen spricht, ist es jedesmal ein ganz vernünftiger Kerl, mit dem man sich verständigen kann und mit dem auszukommen ist, sowie sie aber zu- sammeukommen, find es Racker."
MPtzweck hervor, daß eine Schicht der Bevölkerung iit allen Mitteln gegen die andere aufgewiegelt wird. 3 wird in diesem Flugblatte den Bauern u. A. . Ädriuglich vorgeredet, daß fie der himmelschreienden ivvaltthättgkellen der „Junker" und der „herzkalten Gleichgiltigkeit der Regierungen" gedenken sollen. Die «steuliche Einigkeit der „Kleinen und Großen" in 60 Landwirthschast steht der sozialistischen Agitation ..., ® Meisten im Wege. „Der Bauer", sagen die slM dozialdemottaten in ihrem Flugblatte kurz und bündig, vor allem endlich die Bundesbrüderschast zu h ei» Meißen, die ihn an die konservative Junkerpartei ' Mpft! Ueberdies muß man lesen, wie „naiv" die
bchen die Sozialdemokaten, die zum Thell auf altigck km Laude persönlich recht „herbe" Erfahrungen ge- ttze«. wicht haben, ihren Zweck durch Flugblätter [4891 p erreichen, die jetzt wieder in vielen Gegenden auf
• i Eine solche Agitationsschrift richtet sich übrigens Ctl N lediglich gegen die konservative Landbevölkerung ob es prangt über diesem Flugblaüe die lieber» W: „Die wahren Freunde und Feinde des ?wml." Es ist in diesem neuesten sozialdemo- ,, Fetischen Flugblatte sonderbarer Weise kein Wort »m den ländlichen Arbeitern, von der Gesindeordnung, /(Ui B1 btren sofortige Aufhebung die „Genossen" in den ^1 Wten sich vegeistern, enthalten. Man will i ™ die „dickköpfigen Bauern" nicht vor den Kopf oßen und behält deßhalb den Thell des ProgammS, das t Hotz W für ihre Ohren geeignet erscheint, in der Tasche. ,.£). & tritt aber in diesem Flugblatt wieder deutlich der
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition diese» Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein & Vogler in YYVIT CV Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf AaÄII.
Moss« in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln, C. L. ~ KS
Daube L Co. in Frankfutt a. M.. Berlin. Lannover. Vari». Telephon 55.
ockeiki .Nie soll.vergessen werden, daß Polizei und Straf» ipfSeiL1 «chttpslege nicht die Mittel sind, mit denen man auf tont bessere Zustände begründen kann, sondern daß diese ----- Hiitel nur gefunden werden können in der Begründung eßmr Einrichtungen und in der Verbreitung besserer Er-
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(Nachdruck verboten.)
„Baroneßchen." Original-Roman von Ida John-Arnstadt.
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[flfl Sylvesterabend I Erinnerung und Hoffen ttllt e 1 k.t-IUt8 auf die Schwelle der Jahreswende; das ,,07j Öfterste Gemüth regt sich unter dem Gefühl - Zither Erwartung; eS bebt ja ein Lebewohlruf pr, «H Willkommen-Grüßen zugleich in jenem Klang!
. Da Baron trat an das Fenster und öffnete
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Flügel: aus der Stadt herauf hallte Glockm- j?*?' Schieß« und das Zuruf« vergnügt« Elchen. Tante Almuth hatte ihre schöne Nichte H«z gezogen und küßte fie unter Thränen, die Herren schüttelten sich die Hände, nach Männn- > ie; dann beglückwünschte Graf Chewsky die $®en. Ein Glück, daß der Baron und feine wefter sich der verlassenen Pnnschdowle annahmen, waten sie doch nicht sehen, wie der Graf bei 2"® galanten Handkuß den blitzend« Valobungs- u® 01 Muths Finger schob und wie fie auf- ^wrie bei der Berührung 1 Die Gläser klangen Mm«; aber noch ehe Chewsky ausgettunken,
(Fortsetzung.)
, .-Wirst Du mir auch täglich schreiben, wenn Du ? der Residenz bist?" sagte Graf Chewsky zu seiner «tlobt«.
»Ich Wade jeden Brief beantworten." Sie noch etwas sag«, aber da ging die Thür, J* und Tante traten ein, — endlich. Der trug einige dickleibige Flaschen, Tante Almuth
Was mochte vorgefall« sein? Mh wollte auf fie zugeh«, da schlug es Zwölf «Uternacht.
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hatte fie den Reifen abgestreist und in ber Kleibertasche geborgen, die kleine Fessel drückte auch gar zu sehr!
Haus und Bärbe ttaten herein, um der Herrschaft Glück zu wünsche»; auch da Graf stieß mit ihn« an und drückte jedem ber Selben ein Geldstück in bie Hand. „Trinkt einmal auf unser — auf des gnädige» Fräuleins Wohl," sagte a dabei.
„Papa, wo ist Stephan? Konnte « nicht morgen reif«, mit »nS?"
Verlege» blickte da Baron auf Muth; ihre Frage schi« ihm ungelegen zu komme», „eS ließ sich nicht andaS etarichten," wefter sagte er nichts, so forschend auch die baühmten Blauaugen seines Lieblings auf seinen Zügen ruhte. Eine Aufregung ohne Gleichen arbeitete wieder in seiner kaum beruhigt« Seele, schon seit ChewskhS Eintritt: War da Graf wirklich Käufa da Pracksburg oda war er es nicht? Vergeblich hatte er dies Thema mit seiner Schwester besprach«, im Kella, bei den Fäffe« und Flasch«, bis Fräulein von Prack gebet« hatte, „wozu das Grübeln und Rath«? Laß es gut sein. Hi» ist hin und es ist einerlei, wer unS heimathloS gemacht hat. Walther, Walther, w«n unser Vatn wüßte, was. . . aus unsam stolzen Erbe geworden ist! Was soll nun aus Dir und dem Kinde werd«?"
An sich hatte fie nicht gedacht, die Selbstlose, und Baron Walther hatte sie angesehen mti dem Blicke, d« alle fürchtet«, die ihn kannten, hatte ein schweres Faß umklammert, es mit beiden Armen emporgehoben und wieder niedergesetzt, so jäh und gewaltig, daß da Steinbod« erdröhnte und aus- genifen: „Laß mir das Kind aus dem Spiel; ich weiß, was ich thue!" Dann waren sie ganz still geword«, Beide, und hatten schweigend die Seki-
Flasch« zur Verbesserung ihra Sylvestn - Bowle ausgesucht.--
Nun war Graf Chewsky fort, schon seit einer halb« Stunde, Tante Almuths Zimmer stand lea und dunkel, nur auf d« Teppich fielen einzelne Mondlichtgrüße, und die wes«losen Reste von Weta- ge«ch und Ciganenduft zogen an d« Wänden hin. In die lautlose Stille hinein klang es fast unheimlich, als Fräulein Almuth etatrat, noch völlig angekleidet. Sie seufzte tief auf und setzte sich in eine ber Fensternischen; es wäre ihr unmöglich gewesen, jetzt die Lampe anzuzünden. Gegenüber im Atelier war es desto Heller; da drüben wandelte ber ruhelose Bruba »lieber auf unb ab, ohne Rast. Wie ost in all' b« Jahren war es so gewesen! Und a hatte sich ihr nicht anoertraut, die das Unglück doch abgetoenbet hätte mit klugem Rath unb opferwilliger, starka That! Wamm nur hatte er feine Sorgen unb Pläne so geheim gehaltm, er, ba un- praktische Künstler, ba stets alles verkehrt angefangen hatte, was Geld« imd Geschäftliches betraf! Nun freilich war es zu spät; nicht ein Ziegel auf dem Dache gehörte ihnen mehr; ab« die Ehre war gerettet, Sott sei Dank! Und auch für Muth war gesorgt, wenigstens auf ein Jahr, dann konnte fie standesgemäß heirath« oda als Hofdame in der Residenz verbleib«. Sarum also hatte der Baron Pension und Stundengeld vorausbezahlt, auf ein Jahr; Muth sollte nicht «fahren, wie arm fie Alle geworden waren.
Fräulein Almuth hob den thränenvollen Blick; wie imm« wollte fie sich Kraft und Trost holen ba oben bei ben Stern«; ab« fie kam nicht bis in diese Höhe; ein ander« Schimmer lenkte ihre ganze Seele ab von dem Gott d« Siebe und seinem Himmel: Links ab lag der Seitenflügel mit dem
Ahnensaal; Läden deckten seine Fmst«; seit Jahr« hatte ihn Niemand 'berieten und nun drangen auf einmal helle Lichtstreif« durch bie breiten, klaffenb« Spalt« heraus. Ihr erster Gebauke waren Einbrecher, ihr zwetter unb bestimmter — Muth. Gewiß, das Kind befand sich drüben, Abschied zu nehm« von all dm still«, wund«lich abgebilbet« Pracks; es sah ihr ähnlich, diesem Untanehmen die heilige Nachrinhe zu opfern. Bei dies« Wtaterkälte! Schnell wie ein Gedanke befand sich Tante Almuth in ihrem Pelz und auf dem kürzest«, ben Corribor- wege nach jenem Flügel; im Dahineilen schon zünbete fie ihr Haublatemchen an, jede Minute war kostbar, denn Krankheit unb Tob konnten ihren Liebling schon berührt hab« in dem kalten, hohen, abgelegenen Raume.
UntawegS suchte fie mti ihren Gedanken alle möglichen Thee's zusammen, die sie dem leichtsinnige» Mädchen koche» und einfilriiren wollte; dazu ächzt« die alte», nie mehrbetretenen Treppen, kreischten verrostete Thürangeln und widerstandstückische Schlöfl«; es war zum Bnzweifel». Endlich stand die Äthern- lose vor d« letzten, der Saalthür: Wirklich, die schwer« Eichenholzflügel war« nur angelehnt und auf der staubbedeckten Treppe vom Hof h«auf Muths kleiner Fußsohlenabdmck deutlich zu seh«. Wie lange war hi« nicht gefegt Worben! Das war augenblicklich Fräulein Almuths größt« Kummer. Beim ersten Thauwetter sollte Bärbe h«auf mit Scheuer-Eimer unb Schrupper.
Subern sie sich bas grimmige Gesicht der entsetzten Köchin bei dieser Zunmthung vorstellte, schlüpfte sie in den Saal, lautlos, denn fie wollte nicht gehört sein.
(Fortsetzung folgt.)