MOM 3i’ilitiii|
Barlt
igen ui : 2.
Marburg
Mittwoch, 4. August 1897.
>en geb. en- (4 rftani
Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg nnd Kirchhain.
Redaktion xnb Eg-edition: Markt 21. ~ Jllustrirtes Lonntagsblatt. Verantwortlich für den allgemeine» Theil: Redakteur M. Hartmann,
__— Mr den Iaseratentheil: Joh. Sag. Koch, beide in Marburg.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition diese» Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein & Vogler in VYVTT Frankfurt a. M., Gaffel, Magdeburg und Wien; Rudolf AAaII. ,3(11)1(1. Moss« m Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln, C. L. „
Daube & To. in Frankfurt a. M.. Berlin. Hannover, Vari». Telephon 55.
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Ifi 1 Qft Feiertagen. — Ouartal-Abonnements-Preis bei der Erpe-
i'l* 1OV. bitten 2 Mc., bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. (exill.
MtöhoB 55 Bestellgeld,. Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile
Leiepyon b .oder deren Raum 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
eutzy
W
der Besuch des russischen KaiscrpaareS durch unseren
liser und die Kaiserin die Erwiderung des russischen tsuchs.. Aber schon der Umstand, daß die höchsten tichswürdenträger des auswärtigen Ressorts im nche mit nach Petersburg gehen, und überdies die igt der Dinge im Orient lassen dieser Reise deS stschen Kaisers auch eine weiter tragende Be-
Kaiser Wilhelms Besuch in Petersburg.
Heute tritt Kaiser Wilhelm nebst der Kaiserin in
49
l h ezleitung des Reichskanzlers Fürsten Hohenlohe und ' S Staatssekretärs des Auswärtigen v. Bülow, ge- llltlll 6tm e* * * * * * *nem imposanten deutschen Geschwader, die
* . tise nach St. Petersburg an. An und für sich Ällung der Besuch des russischen Kaiserpaares durch unseren
Wie immer bei solchen Gelegenheiten werden auch wächst von einem Theil der deutschen Presse, Ml Reporter das Gras wachsen hören müssen, i für diese Sorte Zeitungen geeignet zu sei», g )riginal"-Nachrichten aus St. Petersburg, Kron-
. in und Krasnoje - Szelo veröffentlicht, welche tlllSls» g das zwischen den beiden Kaisern „Abgemachte" S bester Quelle, wie sie sagen, vorsetzen werden, es hat natürlich ganz denselben Werth, als die agften Gerüchte über die Reise der Minister von quelle iquel und von der Recke nach Kiel. Sestdem man
ins H witzige Reporter nicht einmal mehr als Schornstein-
Mächte ungünstig einwirken zu lassen, sind es
ingell
10
n
rau R.
Mk.
M. 21 k., Lrj st. 101 Pp.5^ K. 31 ft. 1 i
I. 3 ». i i ?• s 1
^uuißvollen Fremden denken, nach welchem fragen durste. War es wirklich der Teufel wie Hans und Bärbe sagten — natürlich
' ae”n Stephan es nicht hörte?
ttlot* lige Sf ib;uge>
i
1 6 * * * *.0^' wie auf die Beziehungen der Monarchen und
\en® $ untereinander beim heutigen Antritt der Reise r land scres Kaisers zum Zaren ist einfach und klar. In i m S- politischen Verhandlungen, die im Orient zur lc, Be istechterhaltung des Friedens und zur Schaffung eS-b" türkisch - griechischen Friedens-Vertrages führen nch Ben, besteht generaliter die Einigkeit der Mächte tkkkti« titer. Freilich blicken zwei Staaten etwas weniger rk quitt Eich auf die jetzige Ausgestaltung der Dinge EiM r Griechenland und die Türkei, das find England as tto Frankreich. Aber gerade deßhalb, um hier nicht Von £ «lderinteressen auf das bestehende allgemeine Coucert
(Nachdruck verboten.)
„B a r o n e ß ch e n."
. Original-Roman von Ida John-Arastadt.
(Fortsetzung.)
Bon jener Stunde an wurde alles anders auf Pracksburg. Levy ging wieder fleißig ein und 1 L. ,nF’ Arbeiter und Bauleute lärmten umher, und ,50 G stille, verschlosfene Atelier schlug seine Läden „ Lichte auf.
T. 1 T Muth wurde täglich nachdenklicher. Dahin war ^köstliche Freiheit; sie durfte nicht mehr thu» und M, was sie wollte, sondern mußte gehorchen -- Arbeiten, wo fie sonst nur getändelt hatte. etnaH 7^ Almuths Unterricht sollte auf einmal nicht --- « ausreichen, und so sehr die Kleine protestirte, 'Wf nichts; ihr lustig flatterndes Gelock wurde ^lvt dicken Zopf geflochten und fie mußte in die «le, wo alles nach Plan und Stunde ging. O, , x schrecklich 1
»2onie Almuth tröstete so gut sie konnte mü dem E? b°"gen Herzen; doch wenn Muth aufschluchzte, sie: „sei still, mein Liebling, daß Papa Dich Mü i Jäzt'U Da lief sie hinaus in den Wald, hob
• 'Arme und den Lockenkopf verzweifelt empor — ___E 'wurde ruhig, ganz ruhig. Der Waldesathem >erlvt «e wie Erlösung auf ihre Kinderseele und um- bzug.i Me mü lieblichen Traumen. Seltsam: die triSj Tannen und der Bach rauschten auf, wie mkak gehörte, vergessene Menschenstimme, und Cobl2 r11 mit den Wolken zog ein Menschengeficht, so MiD 1° schön ' Muth mußte dabei jedes Mal des
nf. 1 sich für den Werth der zu gewärtigendenPeters- 1*8 tg-Kronstädter Mittheilungen jener Blätter völlig , Mack «ich, ob fie stch dieselben erst noch für Geld aus -----7 chland telegraphiren lassen oder auf dem Redaktions- N u «au selbst aus der Feder saugen — irgend einen U ..’J «sächlichen Hintergrund haben fie nicht.
. Die Situation in Bezug auf die politische Lage
verkleidet in die Oeffen gelangen und dann im lschwt ™in ber betreffenden Zimmer lauschen läßt, bleibt
die drei Kaiser, welche' die führende Stelle bei den Verhandlungen übernommen haben. Dabei dürfte der Einfluß des Deuffcheu Kaisers auf den Englischen Hof und den Sultan, des Oesterreichischen Kaisers auf die Balkanstaaten und der des Zaren auf das Rußland „zu Füßen liegende Frankreich" und auf Griechenland Factoren sein, die bisher auf das Glücklichste von den für Berlin, Wien und Petersburg arbeflenden Diplomaten benutzt worden sind. In diesem Sinne und in keinem anberat werden sich die kurzen mündlichen Unterhandlungen bewegen, welche demnächst wieder in Petersburg der deutsche stnd der russische Kanzler führen werden. Auch die beiden Kaiser werden, wie es unlängst Kaiser Franz Josef auch seinerseits in Petersburg gethan hat, zur Orient« Politik der Mächte sich in erster Reihe über all' die weiteren Mittel und Wege einigen, welche die Einigkeit der europäischen Staaten festigen können. Im Nebligen ist der jetzige Petersburger Besuch unseres Kaisers eine neue Bekräftigung der guten Beziehungen, welche zwischen ihm und dem Zaren bestehen und die man zum Leidwesen gewisser französischer Schreier aufrichtig freundschaftliche nennen kann.
Wir möchten dem Wunsche hier Ausdruck geben, daß des deutschen Kaisers mtb des deutschen Reiches Beziehungen zu Rußland zu jeder Zeit so gut bleiben mögen, wie sie zur Zeit augenscheinlich find. Es entspricht dies im vollsten Maße von deutscher Seite aus der letzten politischen Mahnung, die einst Wilhelm der Große vor seinem Ableben dem Enkel, unserem jetzigen Kaiser, gegeben: es nie mü Rußland zu verderben. Es entspricht aber auch dem so oft wiederholten Wunsche unseres größten deutschen Staatsmannes, unseres allverehrten Herrn Altreichskanzlers in Friedrichsruh, und wie Kaiser Wilhelm II. dem großen Kaiser, so werden in seinem und Fürst Bismarcks Sinne ein Fürst Hohenlohe und Herr v. Bülow auch wirke», deß find wir gewiß l
Umschau.
Wie neuerdings üblich geworden, hat man in der Presse auch an die jüngste Reise des Vizepräsidenten des Staatsministeriums und des Ministers des Innern zu Sr. Majestät dem Kaiser nach Kiel allerlei Gerüchte und natürlich auch solche über bevorstehende oder schwebende Krisen geknöpft. Schon der Ursprung dieser Gerüchte läßt erkennen, daß, wie wir zu versichern in der Lage find, ihnen jeder thatsäch- liche Hintergrund fehlt.
„Du kannst es glauben, Muthchen," hatten fie ihr gar oft anvertraut, wenn fie in.'Küche oder Garten die Beiden ausgeforscht, „er hat kein Wort gesprochen auf dem langen Wege von der Pracksburg bis zur Station und Schritte gemacht, wie ein Riese, dann hat er drei Mal gewinkt und ist verschwunden gewesen, tote weggeblase», und der Zug ist hinter ihm drein gebraust mü feurigen Rädern und Fahnen, schrecklich zu hören und zu sehen."
Tante Almuth hatte fteilich jedes Mal tüchtig gescholten, wenn Muth es ihr wiedererzähltc, ja fie hatte die beiden treuen Dienstboten fortschicken wollen, auf der Stelle, auch Stephan war „fuchswild" geworden; aber wer der fremde Herr gewesen, das wußten sie doch nicht, bis heute nicht, und sie fragte auch nicht mehr danach, nicht einmal den alten Tabert, der doch alles wußte von Teufeln und Engeln, von Elfen und Feeen; er sagte jedes Mal, „wenn's der gnädige Papa nicht wünschen, dürfen wir nicht davon sprechen." Das war dumm von dem asten gvtat Freund, den fie doch so lieb hatte, so lieb l
Dicht bei der Schule lag das Stift St. Markus, ein langes, nüchtan aussehendes Gebäude, darin aste, arme Bürger von unbescholtenem Ruf ihre» Lebensfeierabend zubrachten. Dahin flüchtete sich Muth in vielen selbstgeschaffenen Zwischenstunden. Wie hätte fie so lange still fitzen können, Füßchen, Bücke nnd Gedanken auf einem Fleck? Nein, das konnte doch fein Mensch verlangen, auch der Papa nicht!
Die Herren Lehrer waren zwar sehr klng und lebenswurdig, und manche Miffchülerinnen entzückend lustig, doch beim alten Tabert war es, wie m Himmel.
Der „Badischen Landeszeitung" zufolge richtete der Großherzog von Baden, an den 18. Abgeordnetentag des badischen Militär- Vereins, der in Wertheim tagte, und mit welchem zugleich die Enthüllung eines Kaiser Wilhelm - Denkmals verbunden war, ein Schreiben, in welchem er auf das Heer als B i l d u n g s - und E r - ziehungsmittel hinweist, welches uns befähige zur Bekämpfung so mancher Versuche, die Ordnung des Staates nnd den Frieden der Familie zu zerstören. Solcher Kampf müsse zum Siege führen, denn er habe als ehrenvolles Ziel die Wahrung von Ruhe und Sicherheit. Zum Schluß weist der Großherzog darauf hin, daß man sich die Interessen des Reiches und des Landes nicht im Gegensatz denken dürfe. Wenn es gelte, das Ansehen des Reiches in der Welt zu stärken, müsse das Land dafür einstehen zu eigenem Schutz.
Die Kündigung der Handelsverträge Großbritanniens mit Deuffchland und Belgien erregt in Brüssel um so größeres Aufsehen, als die Lage Belgiens gegenüber dem Vereinigten Königreich nicht so günstig ist, wie diejenige des deuffchen Reichs für den Fall, daß es darauf ankommen sollte, etwas als Ersatz für die canadische Vorzugsklausel zu erwirken, was indes angesichts der Einfachheit des britischen Zolltarifs nicht ganz leicht sei» wird. Belgien hat nämlich im vergangenen Jahre für 343 Millionen Franken von England eingeführt und für 564 Millionen nach England ausgeführt. Der Durchgangsverkehr ist jedoch in Belgien sehr bedeutend und es ergießt sich, wenn man davon absieht, ein Specialhaudel von 205,6 Millionen bei der Einfuhr aus dem Vereinigte» Königreich und von 291,2 Millionen bei der Ausfuhr, sodaß sich eine Handelsbilanz von rund 85 Millionen zu Gunsten Belgiens ergießt. Bei der Ausfuhr kommen hauptsächlich folgende Maaren in Betracht (Spezialhandel): Wollgarne 25,3 Millionen, Leinengarne 23,8, rohe Wolle 24,5; Schmiede- und Walzeisen 5,1, Rohzink 13,6; Papier 8,8; Rohzucker 13,7, gereinigter Zucker 13,4; Glaswaaren 30,4 Millionen. Da Belgien in so hohem Maße an dem festländischen Handel mit dem Vereinigten Königreich detheiligt ist, wird sich vielleicht die Möglichkeit einer Verständigung mü dem deutschen Reich für die ßeiberfeitigen Unterhandlungen ergeben, oder, wenn fie fehlschlagen sollten, eines gleichlaufenden Vorgehens zum Schutz der heimischen Interessen. Die Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und England find von einer solchen Bedeutung, daß nichts
„Komm Du nur herein, Baroneßchen," sagte
der, wenn fie aus der Schule herübergelaufen kam, „ich habe heute schon zwei Mäuse gefangen, die
muß ich Dir zeigen, und der gnädige Herr Papa tobt wieder und zerschlägt die weißen Figuren. Da
ist es besser bei mir; es giebt Kümmel-Kartoffeln
und Häring."
Da war Muth geblieben. Ringsum grünten
die Epheuwände, und kleine Waldvögel flogen frei
umher; vier dicke Kreidestriche theilten die Zelle in
Stube und Kammer, Küche und Bibliothek und
wurden von dem fäußeren alten Eigenthümer im blauen Frack und ledernen Kniehosen sehr streng respektiri.
Muth lachte und schwatzte mü ihm, half ihm die Mausefallen aufstellen und aß mü an feinem schimmernd weißgedeckten tannenen Tisch; er erzählte vom Baron-Großvatzkr und dem tobten Mütterchen und rieb dabei die blitzenden.Goldknöpfe" an Frack und Weste noch blanker, bürstete sein noch ganz dunkles Lockeutoupet über der schmalen gelben Stirn, so hoch es möglich war.
Ach, wenn der Papa „tobte", war es zu nn- gemüthlich daheim! Da ging Tante Almuth in Filzschuhen umher und mü rothgeweinten Augen, die „Leute" zankten sich und zu Mittag gab es nur ein Gericht, denn der Schloßherr kam nicht zu Tisch; Muth durste den aufgeregt Wandernden auch nicht umarmen und küssen wie sonst, wenn fie bei ihm im Atelier ihre Schularbeiten machte. O die schöne» mühsam mobellirten unb gemeifelten Köpfe und Glieder, die edlen, weißen Gesichter, die ihm dem Fremde», alle so ähnlich sahen und doch lauter Frauenköpfe waren! Sie wurden alle zu Scherben!
„Tabert. warum zerstört nur Papa all seine
verkehrter 'und schädlicher wäre, als in die Frage, welche Regelung der weiteren Beziehungen an die Stelle der bisherigen treten soll, die Gegensätze hineinzutragen, die bereits den Ausgleich der inländischen Interessen so sehr erschwert. England wird sich an die Thatsache zu halten haben, daß es, soweit die gesetzgebenden Körperschaften und die Haltung der Regierung bisher in Frage komme», nicht de» mindeste» Anlaß hat, an der Stetigkeü der deutschen Zölle, zunächst bis zum Ablauf der bestehenden Handelsverträge mit den Continentalstaaten, zu zweifeln. Daher sind ausschließlich in englischen Erwägungen und Hoffnungen die Gründe der Kündigung zu suchen, und sie wo anders suchen heißt die künftige Regelung der deutsch-englischen Veikehrsbe- ziehungen erschweren, aber nicht erleichtern. So sehr Zollbruchswünsche zu verurtheilen sind, kann man deutscherseits nicht zugeben, daß ein ausländischer Staat auf solche Bestrebungen, die von den leitenden Ministern mit kühler Handbewegung als nicht ernst zu beantwortende Eingabe „Privater" behandelt worden, anders als auf einen Vorwand zurückgreist, der amtlich und diplomatisch als berechtigt nicht anerkannt werden kann. Niemals hat die englische Politik sich von andere» Erwägungen leiten laffen, als dem an sich durchaus berechtigten, kühl abwägenden Egoismus. Hierin, in den handelspolitischen Zukunftsplänen Englands, wird man die Gründe suchen müssen, die eine andere Regelung des Handelsverkehrs mü Deutschland nahegelegt haben. Weit mehr fallen in Betracht die Agitationen in England, die mit dem Worte „made in Gennany“ sich in Erinnerung bringen, einschließlich der Klagen über angebliche Konkurrenz deutscher Gefängnißarbeü und der Versuche, unter dem Vorwande, deutsche Arbeiterschutzvorrichtungen kennen zu lernen, in Bethätigung unlauterster Konkurrenz hinter die Betriebsgeheimnisse vertrauender deutscher Gewerbetreibender zu kommen. Zur besonnenen Behandlung der Dinge auf beiden Seiten räth schließlich auch die von uns gestern a» dieser Stelle veröffentlichte Zollstatistik.
. Der wegen feiner Stellungnahme zum Vereins- gesetz wider seinen Willen aus der natiouallibeialen Fraktion des Abgeordnetenhauses ausgeschiedene Abg. Schoos richtete aus diesem Anlaffe eine Zuschrift an die „Hann. Tagesnachr.", welche über deren Inhalt u. a. mütheilen: „Was die Vorgänge in der Frastion anbetrifft, so hat Herr Schoof den Stand- punst B er treten, den er schon vor längeren Jahren dem Kollegen Lasker gegenüber vertheidigte, daß
Arbeüen wieder?" fragte das kleine Kind das große und erhielt jedes Mal dieselbe Antwort: „ich weiß es nicht Baroneßchen; früher thaten das der gnädige Herr nicht."
Tabert hätte es nach Muths Meinung wissen können, denn er hatte schon zu Großpapas Lebzeiten die Botengänge und leichten Gartenarbeiten auf der Pracksburg besorgt unb war seit des Barons Rückkehr wieder täglich droben. Ein bischen schwach im Kopf war er freilich, doch was er bei der gnädigen Herychast sah und hörte, vergaß er sicher nicht. Unb wenn Abends Tante Almuth ohne Hut und Handschuhe, angstvoll und verstört, in das Spüal kam, das Kind abzuholen, sagte fie dasselbe, fie, des Vaters leibliche Schwester! Ihre Hand zitterte, wenn sie die Kleine heünführte burdj Felb, Garten unb Hinterthür, wie auf der Flucht; bie alte wackelige Wenbeltreppe knarrte in allen Fugen, nnd jahrhunbertalte Wanbschränke bunkelten fie an auf den heimlichen Schleichwegen nach Tantes Stübchen; aver Hauptthor unb Freitreppe zu benutzen, wagten ie doch nicht: im Atelier gegenüber waren ja sämmt- liche Fenster hell erleuchtet, und dahinter erschien dann unb wann, wie ein irrenber Schatten, des Barons Gestatt.
Muth blickte hinüber in staunendem Fragen, bis ich zwei weiche liebe Hände auf ihre Augen legten, mb Tante Almuths sanfte Stimme sagte: laß hn nur, mein Liebling; morgen ist ja Alles toieber gut."
Ja, es war immer toieber gut geworben, all' die Jahre!
(Fortsetzung folgt.)