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Redaktion mb Expedition: Markt 21. 2'rt s Jlluftrirtes Sonntagsblatt

Telephon 56.

Wir sprechen uns heute an leitender Stelle über die Preß - Polemik aus, welche leider zwischen der Konser. Korresp." und derKorresp. des Bundes der Landwirthe" ausgebrochen ist. Zu ihr finden wir heute in derKonserv. K o r r e s p. eine mit besonderem Druck hervorgehobene partei-offiziöse Kund­

aller Etagen und des Daches bergenden Schutthaufen umgaben. Ebenso war es mit der Kirche. Hier war der Thurm der Glocke durch das zer­schossene Dach in das Innere gestürzt, und durch­schossen standen nur noch die vier kahlen Wände des Gotteshauses. Innerhalb derselben aber bot sich dem Beschauer ein eigenartiger, mächtig ergreifender An­blick: Mitten aus den Trümmern an der einstigen Thurmsette ragte em herrlicher Mamorsarkophag, zu dessen beiden Setten zwei prachtvolle Engel, in KindeSgröße aus weißem Mamor dargestellt, betend kauten. Mau möchte es fast eia Wunder nennen, daß, obgleich vou der ganzen Kirche kein Stein mehr auf dem andern stand, diesen Engeln auch nicht ein Haar gekrümmt worden. Der also geschmückte Sarkophag bildete das Erbbegräbniß der Schloßherrschast und Erbauer der Kirche, der Familie »es Grafen 2._ Die leicht religiös erfaßten Franzosen wallfahrteten später vielfach zu jenen Engeln, und als wir hlukamen, standen an dem Grabmal zwei chwarzverhüllte schluchzende Frauen, während am Ausgang des Schloßparkes eine Equipage mit zwei trotz der Pariser Hungersnoth prächttg genährten Fuchsen hielt, vor der ein gallonirter Diener die Damen erwartete. Unser Lieutenant hatte sich, während ich mich mit dem Diener, einem schon ge- etzteren Manne, unterhalten, den Dame» genähert, die sich mit ihm in ein kurzes Gespräch einließen, und die er schließlich nach dem Wagen geleitete. Es toaren, wie ich sehen konnte, eine ältere und eine junge Dame, die sehr iuteresiant schien. Unser Lieutenant war ein blutjunger, bildhübscher Offizier, »effeu blasses Gesicht und melancholische Züge ich als fesselnd wohl im Gedächtuiß behalte». Stummer als sonst,. litt er von Drancy mit uns an jenem Tage zurück nach Aulney. Ehe wtt vou dort nach

Unterlassungssünde gegen sich sselbst,^ wenn er dem Bunde der Landwirthe" nicht Beitritt. Der Betritt hat aber mit der parteipolitischen Gesinnung unserer Landwirthe nicht das Geringste zu thun, sie irgendwie beeinflussen zu wollen, liegt der Bundesleitung völlig fern.

Welcher Partei der Landwirth anzugehören Hai, nun das muß er wissen, wenn er in Betracht ziehen will, was die Paiteien in dem deutschen Reiche un > in Preußen für seinen Stand gethan haben. Sozial­demokrat wird der biedere, ehrliche Landwirth über­haupt nicht, das widerspricht zu kraß seinem innersten Wesen. Diese» revoluttonär Gesinnten bleibt er natürlich Feind. Auch den Demokraten, den Be­schützern der Börse, der Margarine, der Handels- verttäge, des Freihandels, der goldenen Internationale muß er Feind bleiben aus dem einfachen Grunde der Selbstei Haltung. Denn die Politik dieser Leute ist sein Ruin. Es bleibe« ihm also noch die gemäßigt liberale» Parteien, das Centrum und die Konser­vativen. Zieht der deutsche Landwirth in Bettacht, welche von diesen Parteien sich am wärmsten und erfolgreichsten der Landwirthschaft angenommen hat, so kann er bei gerechtem Urtheil garnicht anders, als diese Anerkennung der konservativen Partei zu zollen. Der lluge deutsche Landwirth besitzt eine ganz be­sondere Feinfühligkeit darin, wer für imb wer wider sein landwirthschastliches Standes-Jnteresse ist. Der Bund der Landwirthe" ist eine rein wirthschaftliche Interessengemeinschaft, der eS wahrlich niemals in den Sinn kommen kann und wird, den Bauer vou der­jenigen polittschen Richtung abzutreunendie der deutschen Landwirthschaft am tteuesten zur Seite steht!

Konservative uni) Bund der Landwirthe.

Mr find unsererseüs bisher auf eine Reihe von vcinandersetzusgen nicht eingegangen, welche in per Zett dieCorresp. des Bundes der Landwirthe" ß dieEonserv. Korrespondenz" gegen einander Mestlicht habe». Es scheint uns absolut auch h Anlaß vorzuliegeu, der Sache besondere Be- Dwg beizulegen; aus solchen Zwistigkeiten den Weeg zu finden, kann ja nicht schwer sein, und er ! wohl auch eher gefunden werden, als es unsere der Landleute gemeinsame Gegner möchten.

8 herauskommen müßte, wenn die Konservativen . der Bund sich bei dm Wahlen bekriegen würden, :für jeden Einsichtigen zu Tage. Selbst ange- »en, der Bund der Landwirthe könnte es erreichen, Wahl von 20 bis 30 Konservativen zu ver­ein was noch sehr zweifelhaft ist, würden .Mitglieder des Bundes, beziehentlich seine Kandi- l etwa selbst diese Sitze gewinnen s Keineswegs 1 den Plätzen der Konservativen würden sich selbst- midlich lediglich Freisinnige oder Sozialdemottate» ilassen, bekanntlich die Todfeinde der Landwirth- t Zu gewinnen haben die Landwirthe in dem pfe mit den Konservattven rein gar nichts, zu eien aber recht viel! Unsere Landwirthe in « wissen das auch recht gut, hier ist auch eine renz durchaus nicht airfgetaucht.

Dem Landwirth ist der Weg, den er in Bezug L den Bund und in seiner Stellung zu den Hervativen zu gehen hat, klar vorgezeichnet. Das isavative steckt, wie in des Deutschen, so nament- i euch in unseres hessischen Landmannes Brust, er F seinen König und sein Vaterland, für deffen F er die besten Soldaten stellt, er steht fest zu F und Reich, hängt an der heimischen Scholle * an allen lieben althergebrachten guten Sitten, d Gott die Ehre und bestellt rastlos und fleißig 6 Wirtschaft und sein Feld So konservattv l unser hessischer Bauer schon längst in guten und ® Tagen, längst ehe es denBund der Land- che" gab, der an diesem seinem Wese» nichts 101 wird und absolut auch nichts ändern will. k.Bund der Landwirthe" ist eine witthschaftliche, u aber parteipolitische Vereinigung, die durch ihre "W bisher schon in glänzendster Weise die Wahr- des Wortes erwiesen hatEinigkeit macht stark." ' halten es _ heute für jeden selbständigen Land- $ tot Deutschen Reiche offen gesagt für eine

(Nachdruck verboten.) Der dritte Engel von Drancy. r ®toe Erinnerung aus dem Feldzuge 1870/71.

I.

^letzte Stunde des 26. Januar 1871 neigte Ende zu. Ich stand nördlich von Aulney ^Paris Wache bei zwei auch Nachts auf der Wt verbleibende» Geschützen unserer sächsischen ^weren Batterie. Es war ein denkwürdiger denn mit Mitternacht sollte die actuelle der großen Seinestadt durch Waffenruhe j\. Rechts von uns krachten nochmals im ft S' bk Schafft der von Hauptmann Drews ^ndmm stralsunder 24-Pfünder-Batterie, und Fäa&en im raschesten Tempo die großm Be- Msbaüerien des Park du Raincy und von g* °te letzten mächtigen Geschützsalvm ab, gegm wich die Feuerschlünde der Forts ihre ge- k^en Projecttle im beschleunigten Tempo hinaus

Pariser Ostebme schlmdettm. Auf einmal P/* ®onner überall einer uns stemdarttgen Ruhe, Waffenruhe fett 4 Monatm, dem Vorbotm genannte Stralsunder Batterie hatte ein jtoa .Royon der französischen Vorpostm be- ^,Dorf Drancy bombardirt, und es war leicht Rs ba& mein Lieutenant, mehrere Kameraden in den nächsten Tage» aufmachtm, um St?8 der preußischen Projectile in unmittel- tz. ^he zu bettachtm. Es war ein furchtbares gswerk,^ das sie angerichtet. Von dem M^.chksse standen nur noch vier kahle, Wände, welche einen großen, die Trümmer

Umschau.

DerReichs-Anzeiger" schreibt:Das zeitwettige Getreide-Einfuhrverbot, dessen Erlaß in der an den Reichskanzler gerichtet! Eingabe des Bundes der Landwirhe" beantragt wird, würde mit den bestehenden Handels­verträgen nicht vereinbar sein, und es wird dem Anttage schon dieserhalb nicht stattgegeben werden können."

MchM Leitung

Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

5ÄÄÄ$am" ,th N *Ä M« & rf II. I Mutter Schulter und birgt de» Kopf an der Brust

Noch Nnd das Dorf, Schloß und Kirche in Drancy Veilchen, Vergißmeinnicht und to^ifeen^infm tieft S Z?ge» lenes furchtbaren Zerstörungswerkes. Wir dort:Le 29 Janker 1871 f V

folgen von hier aus im Geiste der Equipage der!

Gräfin L. in das Innere der großen Seinestadt.! IH.

Sie führt uns über eine der regbelebten Brücken,! Wieder find Jahre verfloffe» Gräfin 9 w unter benen hinweg die Seine in ewig gleicher Ruhe! längst ihre Befitzthümer in der Normandie das ftaht a,"9 amtb Begräbniß-Erbe der Tochter und das Palais im Haitier

kH Ft. Denis entgegensuhrt, in das prachtvolle St. Germain verkaufen lassen Sie hat bm ^«üer M. Germain. Hier hält fi- vor einem Drängen des StinbeSnaSen, S« b« Lieb! ber stattlichsten Paläste, es entsteigt ihr eine tief in Litt Tochter brach ihr chauvinistischer alter Adelsftol, ^eÄtn^bet Laa? L" Sie /wohnt tVreM^

btr Belttage fitzt bte inngel Dresdens gelegene Villa: Gabnelle ttänkeü mehr Griffi» L., Thrane» fallen ihr auf die Stickerei,!und mehr. Als 1878 der Früblina dieses berrlicke welche sie beim Anblick der Mutter, sich erhebend, bei! Stückchen Erbe in Wald, Gärten imb Flur neu be- ®.1 c »Dem Vater, Kind," sagt die Comteffe,! lebte, ba fangen für sie bie Nachtigallen das inbem pe zärtlich bie Hand über das dunkle Haupt-! Abschiedslied. Da trugen zunächst im Städtchen R.

""cht «nter bei Dresden trauernb? Kamerun in Httrn uud bat b^ftS/B^t '"nem letzten Augenblicke Schärpe den mtt den höchsten Ehrenzeichen aus d!m

' ^abrielle gedacht, der Feldzuge bedeckten Sarg, der die irdischen Ihbenefte

Clfcenb<? etne§ »Üftanzöfischm Ge-1 eines treuen Kameraden, des so jungen und hoff« Elches heitt em unbegreiflicher Verirrung eine» I nungsvollen Premierlieutenants E. barg, zur letzt« Cntr Qämtc tt-bt, deren Ruhestätte. Bald aber auch öffntte sich obm Vandalismus vor wenigen Jahre» auch Deinen I THeil des schwarzen Sarkophags einer neu erhmtftn mShPft9 ^' drancy, zerstörte. Wie! und doch schon alten Kirche ^in der Ostebene von

wurdest Du lein Andenken ehren, Gabnelle, könntest! Paris: als die letzte ihres Stammes bttt-Ü Ou jenen unglückseligen Plan aufgeben, der Dich! die junge Gräfin L. als dritten Engel amt tbm entfremdete, der Dich selbst dem Mutterherzenibis zur Auferstehung in bie un« S^lafe

entfremben broht." - Die dunklen Ange» des sehrte» bebfit,te

Müdcheus find thranenleer geworben, allzuviel Leib! Grafen L. im Gotteshaus/zu Drancy. b<8

Verantwortlich für den allgemeinen Thett: Redakteur M. Hartmann für den Atseratentheil: Joh. Ang. Koch, beide in Marburg.

gebung, m welcher auf nachstehende Stelle in einerlgesetznovelle beschlossen werben soll, steht nun Entzegnung der Korresp. des Bundes der Land-!nahe bevor. Selten hat eine Berathimg unserer ttnrtbe hmgewiesen wird: I preußischen zweüen Kammer in solchem Maße die

Und zum Schluß fordert dieKonserv. Konesp." die | Aufmerksamkeit aller Wett auf sich gezogen, wie komervatwen Bundesmitglieder auf, das nicht längerldie bevorstehende; fetten waren auch die Ausfichten ÄÄÄÄ S ättÄßÄÄ? T »w » * ater unserer konservativer Mitglieder so sicher, daß wir I *7mert tote diesmal. Wir haben wlederholl unsere glauben sagen zu dürfen, sie würden unbedingrlMeinnng dahin ausgesprochen, daß es das beste und ®HfereUn?e« Lh* J 61sr ei;nf^aI äbe?,nerett Frieden förderlichste wäre, wenn die

der MlionalliLnaln, graton I,«» Mr. zwischenbündlerisch' undtonfet»ati»"!8 lcbern ,n btefcr Sache volle Freiheit bei der Ab- - kommen sollte!" Istimnmng geben wollte. Was nützt eine durch außer-

Hierzu bemerkt dieKonserv. Korresp.":!siEwöhnlichen Druck herbeigeführteEinmüthigkeit"?

Es ist nicht ganz klar, welchen Zweck hier bie 2krJz?e 8e? häufig halb genug in bie Brüche, guirfung ber Begriffegouvernemental" und nun aller Augen gespannt auf das Verhalten konservativ" haben soll. Auf die konservative!"^,^Nationalliberalen sich richten, so wird diesmal Partei darf ber Ausbruckgouvernemental" doch I mit Sroßer Spannung auf bie Regierung ge-

ehrlicher Weise nicht angewenbet werben; beim deren I ^"f das bestimmteste ist wohl zu ertoarten, Führer sowohl im Reichstage als auch im Herren-I °te*e eS °» der höchst nothwendigen Entschieden­hause und im Hause ber Abgeordneten haben bis in Ibettnb. Energie nicht fehlen lassen wirb. Nachdem die letzte Zeit bewiesen, daß sie auch oppositionell!?^ Regierung sich entschlossen, die hn Herrenhause auszutteten gewM sind, wenn ihrer Ueberzeugung I hErgestellte Fassung als ihre eigene Vorlage im Ab- nach bie Regierung sich in falschen Bahnen bewegt, geordnetenhanse zu vertteten, ist, so schreibt bte Versteht aber bie Bundeskorrespondenz unter einerh®0"'0- Corresp.", zu erwarten, baß fie im Fall nichtgouvernementalen Partei eine solche, bie grunb-!b^ Ablehnung auch bie erforderlichen Konse- sätzlich opponirt, so muß demgegenüber betont!8"^» ziehen und die Auflösung des Abge­werben, baß bie konservativen Führer auf das ent-!"ro»etenhauses aussprechen werbe.

schiebenste stets hervorgehoben haben, baß bie konser-! -------------

vative Partei niemals prinzipielle Opposition! Der Flua der ff S'Ä.' Ältj « S?® ?

«n» SaB, ? AM,e WI*ne»«* »d, w-hrknd ÄS SHeder ,°ne,lt 'bB ti'A.'.b»*» «-».L

8 4 . tnu8,l8ut »Her fremben Sachverständigen find« Deuticke

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unsererseits verweisen auf unseren heutigen Leitartikel Russi che und deuttche FüMickkttt?/

M der Sache, als dessen inhaltliche Bestätigung wir Zeughäuser uns rettK suchen unsere gSSSSOKSs 8 * _____________ ! werden wir zu spät die Tollheit dieser Freihandelsart

I nationaler Vertheidignng einsehen.

Die ensscheidende Sitzung des Abgeordneten-!

Hauses, in der über das Schicksal der Vereins-! -----------

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und

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