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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Jllustrirtes Sonntagsblatt.
M 140.
Erscheint täglich anßer an WerVagen nach Sonn- und Feiertagen. — Quartal-Abonnements-Preis bei der Expedition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 M. 25 Pfg. (exll. Bestellgeld). JnsertionSgebühr für die gespalten« Zeile »der deren Raum 10 Pfg., Reklamen für die Zeil» 25 Pfg.
Marburg
Freitag, 18. Juni 1897.
Inede« nimmt entgegen die Expedition dies« Blatt«, l»wi« di« Annoncm-Bureaux von Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M., Lafiel, Magdeburg und Men; Rudolf M»fs« in Frankfurt a. M., Berlin, München n. Köln, T. L. •wik *•». ta Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Pari».
Das Ende der Berliner Winkelbörse.
Am 1. Januar 1897 trat das neue Börftugesez ■a Kraft, von dem die Herren Börsianer nur insofern ggtij nahmen, als sie das Lokal wechselten, auS der Me nach dem Feenpalast wanderten, jedoch nach vor die vom Gesetze verbotenen Termingeschäfte Mckelten und den Fiskus noch obendrein um die Stempelsteuer schädigten. Als dieses gesetzwidrige treiben bereits über ein viertel Jahr fortgcdauert M, reichte der Bund der Landwirthe am 11. Apri tat Denkschrift beim Reichskanzler, Handels- und Mdwirthschaftsminister ein, worin die Durchführung der Börsengesetzes gefordert wurde. Vier Wochen Wer, am 11. Mai, fühlte sich dann der Herr Handels- uwistcr bewogen, von dem Vorstand des Vereins Miner Getreide- und Produktenhändler die Ein- rcichmig einer Börsenoidnung zu verlangen, indem ti ihm dazu eine dreiwöchentliche Frist stellte. Die Mfianer aber, denen der Kamm allmählich mächtig geschwollen war und die sich nachgerade als sacrosanct a Deutschen Reiche zu fühlen begannen, legten gegen te Verordnung des Handelsministers Berufung beim Oderverwaltungsgericht ein und — terminhandelten Wg weiter. — Ta, nach abermals vier Wochen, w 11. Juni, hat bekanntlich der Polizeipräsident m Windüeim auf Veranlassung des Handelsministers « einer Verfügung an den Vorstand des Vereins ta Berliner Getreide- und Produktenbörse S. Pincus die Fortsetzung der nicht genehmigten Börsenversamm- iwgen im Feenpalast untersagt und für den Fall st: Zuwiderhandlung gegen diese Verfügung unmittel- stren Zwang angedroht. Diese Verfügung hat denn «ch die Folge gehabt, daß die Herren Jobber ihre .Arbeit" im Feenpalast eingestellt, aber auch gleich- zeitig beschlosien haben, ausnahmslos wie bisher von - str Produktenbörse fern zu bleiben.
In der Presse der Börsianer und des Freisinns duscht nun großes Lamento. Allen voran geht als hwptbörsenorgan die „Frankfurter Zeitung". Sie chrnbt dazu:
Nicht die Regierung allein und nicht dar Agrarierthum dein sind verantwortlich, sondern alle die Parteien, die für Löisengesttz in seiner jetzigen Form gestimmt haben 3» diesen gehören aber auch die Nattonalliberalen und das «Urum und es ist gut, desien eingedenk zu bleiben. Volle Mikennung verdient das Verhalten der Berliner Pro- mtenhändler, die den aufgedrungenen Kamps mannhaft auf« Rommen haben ohne Rücksicht auf die nächstliegenden »«eiiellen Jnteresien Das moralische Recht ist auf j® Seite, auf der Seite der bürgerlichen Pflichterfüllung. Khren sie — woran wir nicht zweifeln — den Kampf mit kicher Entschlossenheit Wetter, werden sie auf ihrem Weg
nicht nur die Anerkennung der Oeffentlichkeit, sondern fdjHefe- lich auch den Sieg finden!
Woher das Blatt des Herrn Sonnemanu für die verbotene Terminfixerei mit Papiergetreide auch noch das „moralische" Recht leidet, bleibt unerfindlich.
Der Regierung werden in den Börsenblättern und vom Freisinn wegen ihres Nachgebens den Agrariern gegenüber die bittersten Vorwürfe gemacht, den Agrariern wird geweifsagt, daß sie selbst an ihrem eigenen Leibe die verderblichen Wirkungen dieser Maßnahmen spüren würden, kurz die Folgen des Verbots der Feenpalastzusammenkünfte werden grau in grau ausgewalt. „Es bleibt abzuwarten", orakelt die „Voss. Ztg.", „wie sich der Handelsminister zu dem Frühmartt stellen wird, den die Bündlerpresse ebenfalls als Börse behandelt wissen will. Vielleicht giebt die Regierung auch in diesem Punkte Herrn v. Plötz und seinen Blättern Recht und läßt es darauf ankommen, daß der Frühmarkc das Schicksal der Produktenbörse und der Feenpalastversammlung theile und aufgelöst werde. Aber dann wird die Zeit um so eher kommen, wo die Landwirthe selbst die Wiederherstellung der Produktenbörse dringend verlangen und auch die Aufhebung des Verbots des Getreideterminhandels im eigenen Interesse fordern. Sie werden erkennen, daß sie eine Waffe geschmiedet haben, mit der sie sich in das eigene Fleisch schneiden." Nein, das werden die Landwirthe wohl schwerlich jemals erkennen. Diese Prophezeiung wird, wie fast alle, die die „Voss. Ztg." aus den Karten, aus dem Kaffeesatz oder sonst wo herausliest, nicht in Erfüllung gehen. Wenn sie weiter sagt, daß die Kaufleute einstweilen ausharren und abwarten werden, da sie erklärt hätten, daß ihre Ehre (?!) ihnen den Widerstand gebiete und da sie den festen Glauben hätten, auf dem Boden des Rechts zu stehen, so stimmt das nicht ganz mit der seinerzeitigen dankenswerth offenen Erklärung derselben „Voff. Ztg.", daß die Börsenjobber sofort wieder in der Börse leere Hallen zurückkehren würden, wenn sie glaubten, dort mehr verdienen zu können als im Feen Palast.
Wir glauben auch entschieden, daß, sobald die Börsenjobber erst sehen, daß die Regierung wirklich gewillt ist, Ernst zu machen, sie klein beigeben und die Hand zu einer Verständigung auf dem Boden des Gesetzes und unter voller Berücksichtigung der den Landwirthen gesetzlich zustehenden Reckte bieten werden. Wenn auch das Ullstein'sche Blatt droht, daß der Kampf Seitens der Kaufmannschaft bis zu Ende gefochten werden wird und das „Organ für Jedermann" behauptet, daß weder Herr von
Windheim noch die Regierung bezweifeln dürfe, daß der Kampf nach dieser Kriegserklärung der Regierun; ausgenommen werden wird, so braucht man alle diese Drohungen gewiß nicht allzu tragisch zu nehmen. Es find eben noch letzte Versuche, die Regierung einzuschüchter», sie in ihrem energischeren Vorgehen gegen die Jobber aufzuhalten. Sollten letztere aber wider Erwarten in ihrer Starrköpfigkeit verharren, dann wird man eben der Frage näher treten müssen, ob man den Getreidehandel, deflen heutige Vertreter dann ihre volkswirthschaftliche Aufgabe nicht mehr erfüllen, nicht gänzlich ausschaltet, indem man den Handel mit Brodgetreide verstaatlicht oder indem die Landwirthe sich zu festen genossenschaftlichen Organisationen zusammenschließen und ihre Produkte direkt an die Konsumenten, d. h. au die Mühlen absetzen. Es würden also bei einem ferneren fortgesetzten Widerstand der Börsianer nicht, wie der „Börsen-Courier" meint, die Landwirthe, sondern die Händler die Koste» dieser jedenfalls nicht billiger Zeche zahlen müssen. Also lieber bei Zeiten klein beigegebe». Recht muß und wird doch schließlich immer Recht bleiben.
Umschau.
Der „Hamb. Korresp." meldet aus Berlin, die Ernennung des Kontre-Admirals Tirpitz zum Staatssekretär des Reichsmarine- Amts sei vorgestern vollzogen worden. Der „Hamb. Korresp." ist ein nur angeblich offiziöses Organ. Verbürgt ist noch garnichts. Die „Nat. Ztg." erblickt natürlich im angeblichen Rück- trttt des Herrn von Bötticher, wie erwünscht ihm selbst eine andere Wirksamkeit auch sein möge, „ein Anzeichen nahender Erfolge der agraiisch-reaktionären Bestrebungen". Jedes Thier'chen hat seine Plai- sirchen. Besondere Spürnase» ä la Leckert in Berlin bracht n in etliche Blätter die Berfion, daß es Herrn v. Bötttcher nicht nur verübelt worden sei, daß er auf Richters mehrfach erwähnte Reichstagsrede zum Reichsvereinsnothgesetz nicht geantwortet hat, sondern daß es auch peinlich berührt habe, daß Herr v. Bötttcher bei dem AnSfluge von Bundesraths- »nd Reichstagsmitgliedern in Hamburg eine Rede hieft, obwohl vorher kein Hoch auf den Kaiser ausgebracht worden war. Die „Kreuzztg." glaubt auch an den späteren Rücktritt des Staatssekretärs Frhrn. v. Marschall; fie schreibt: An einen Rücktritt des Reichskanzlers Fürsten Hohenlohe ist jedenfalls nicht zu denken. Seine ganze Persönlichkest ist eine solche, daß fie für
unsere auswärtigen Beziehungen schwer durch einen Anderen zu ersetzen ist. Dagegen wäre es nicht ausgeschlossen, daß ihm ein a n d e r e r, im auswärtigen Dienst gründlich erfahrener Staatssekretär über fttrg oder lang an die Seite träte". Die „Berl. N. Nachr." feiern schon Herrn Miquel, fie schreiben: „Fürst Hohenlohe und Herr von Miquel haben in ihren Mannesjahren als treue Mttarbeiter des Fürsten Bismarck das Reich schaffen helfen und überzeugungstreu an seiner Wiege gestanden; möge es ihnen am Abend ihres Lebens vergönnt sein, das kostbare Erbe einer glorreichen und opfervollen Zett durch viele ernste Fährlichkeiten in eine gesicherte Zukunft hinüber zu führen!" Staatssekretär Graf Posadowsky ist hierher zurückgekehrt. — Wft unsererseits können nur sagen, daß wir uns über Herrn von Böttichers und über Henn von Marschalls Rücktritt nicht grämen würden.
Die deutsche Sozialdemokratte hat allein für das Preßorgan der „polnischen sozialdemokrattsche» Partei", für die „Gazeta Rabotnicza" in den drei Jahren 1891 bis 1893 über 12 000 Mk. bezahlt. Die Subvention der „Schwesterpartei" aber dauert noch fort, so daß die sozialdemokrattsche» Polen den deutschen „Genoffen" recht viele Arbeiterqroschen kosten. Dafür haben die Herren Polen auf ihrem letzten Parteitage, der in der „polnischen" Hauptstadt Berlin stattgefunden hat, den Antrag, die polnischen „Ge- nosien" sollten sich lediglich auf die sozialdemokratische Propaganda unter den Polen beichränken, die nationalen Bestrebungen aber ablehnen, mit Entrüstung zurückgewiesen und den Anhängern dieses Antrages anheimgestellt, entweder zu widerrufen ober aus der Partei auszutreten. Wie man sieht, unterstützt die internationale Sozialdemokratie nicht die sozialdemokratische Bewegung unter den Polen, sondern deren nationalpolitische Besttebungen mit dem Gelbe beutscher Arve ter. Ueberall wo zersetzende Elcmen e an dem B. staube des Deutschen Reiches nagen, werben sie von der „ganz ungefährlichen" Sozialbemokratte unterstützt unb geförbert.
Belgische Blätter sprechen sich, anläßlich bet am vergangenen Sonntag stattgehabten Eröffnung ber deutschen Sektion auf ber Brüsseler Ausstellung, in ehr anerfennenber Weise über bie vielseitige Leistungsfähigkeit bei deutschen Industrie aus. Ihre Aufzählung beS reichen Inhalts der beutschen Abtheilung, in welcher fast
(Nachdruck verboten.
Erloschene Sterne.
: 1 Roman ans der Gegenwart von £>. Elster.
(Fortsetzung.)
Wilhelm Fahrenbrink liebte seine Gattin ans F Zärtlichste, that Alles, was in seinen Kräften «d, um sie zufrieden und glücklich zu machen, er l ”®c für sie das hübsche Landhaus unter dem Plößberg, damtt fie nicht in der geräuschvollen ^gcmühle zu wohnen brauchte, und überhäufte sie Geschenken aller Art. Dennoch erzählte man A daß bie junge Frau nicht glücklich sei. Sie 7te in vollkommener Zurückgezogenheit, theilte bie Vergnügungen ihres Mannes nicht und «Miete sich ganz ber Pflege und Erziehung ihres ferchens. Mü den Jahren trat eine Eut- T’Mttnfl zwischen den Gatten ein, die um so größer als Wilhelm Fahrenbrink immer häufiger Reise» unternahm und oft Monate lang von r*8'6, abwesend war. Auf einer solchen Reise starb - wie fein Vater, an einem Schlaganfall, er wurde S, großem Gepränge in dem Fahrenbrink'scheu ^vegräbuiß beigesetzt. Frau Ottilie verkaufte die ^^lühle und den Holzhandel an einen jungen ^swann Paul Bernitz und zog sich ganz in die ^samkett ihres Landhauses zurück. Ihr Augen- ging nach und nach in vollständige Blindheit gF unb man hätte fie wohl ganz unb gar ver- l™' wenn sie nicht stets eine offene Hand für ^«rmen und Kranke» des Ort« und ber Um« gehabt hätte.
h >*, halbvergessene Geschichten, Herr Dottor," der alte Hegemeister Klingebiel seine Er- als er am Abend, von seinem Wege nach ‘ c‘aki zurückgekehrt, mit seinem Gast unter ber
breitästigen Linde am Eingang ber Försterei an dem Scharffeustein saß. „Alte halbvergeffene Geschichten, an bie sich wohl nur »och wenige Menschen erinnern. Unser alter Doktor Winter unb ich, wir sind allein übrig geblieben von den Freunden des Revierförsters. Doktor Winter kann Ihne» wohl noch mehr erzählen, denn er stand dem alten Wendelin näher, als ich, und war auch der Hausarzt des alten Fahrenbrink. Es ist mir immer, als müsse »och ein Geheimniß in dieser traurigen Familiengeschichte malten, ein Geheimniß, das der Doktor Winter unb auch Frau Fahrenbrink ängstlich hüten. Ich bin nicht neugierig, Herr Dottor, unb was man mir nicht freiwillig mittheilt, danach ftage ich nicht. Aber daß unsere ftöhliche, lustige, singende Lerche, die Otti Wendelin, so still und unglücklich in ihrer Ehe ward, daß sie so viel weinte, bis ihrer Augen Licht erlosch — das muß seine eigene Bewandtniß habe». Ihr Mann paßte wohl nicht recht für fie, aber Du lieber Himmel, in der Ehe schleifen fich manche Gegensätze ab, wenn es nur beide Theile ehrlich meinen und fich anftichttg lieb haben."
„Ja, wenn sie fich anftichttg lieb haben —" entgegnete der Arzt, indem er gedankenvoll in den von ber Abenbbämmernng erfüllten Wald hinauS- schaute.
„Es soll da noch eine Liebesgeschichte mitge- fpielt haben," fuhr ber alte Förster fort, „zwischen Ottilie unb einem Stubevten, dem Sohn des Pastors in Hüttenrabe, zwei Stnuben von hier. Ob diese Liebe der armen Ottilie noch im Herzen saß, als fie den Wilhelm Fahrenbrink hettathete, ich weiß es nicht, aber es scheint mir fast so."
„Wie hieß der Pastor von Hüttenrade?" „Schäffler, wenn ich nicht irre, Herr Dottor.j
Doch er ist seit langen Jahren tobt Es müssen fast zwanzig sein. Seine Familie ist verzogen, ich weiß nicht wohin."
Eine Pause trat in dem Gespräch ein. Der Doktor saß in Gedanken versunken da, während der Förster fich eine frische Pfeife anzündete unb dichte Dampfwolken in bie laue Abendlust hinauspaffte.
„Verzeihen Sie, Herr Doktor," Hub der Förster nach einer Weile wieber an, „wenn ich Sie mit ber alten Geschichte langweile . . .'
»Sie langweilen mich nicht tot Geringsten, lieber Freund. Ich bin Ihnen dankbar für die Erzählung, "nn wenn ein Arzt einem Leidende» helfe» will, so st es 6on großem Nutze», wenn er besten Lebenschicksale genau kennt."
„So wollen Sie Fran Fahrenbrink helfen?!" „Wenn ich es vermag — allerbivgs. Ich werde morgen zu Dottor Winter gehe», um zu erfahien, ob er mich bei Frau Fahrenbrtok etoführen kann."
„Wenn Sie der armen Fran das Augenlicht »übergeben könnten ..."
»So weit find wft noch nicht. Ich muß zuerst ehe», was dem Auge fehlt. Aber wir wollen hoffen, daß ich ihr Hülfe bringen kann."
Der Förster wurde durch einige Waldarbeiter abgerufen, die fich ihren Lohn hotten. Proseffor Robert Schäffler, oder Dottor Ehlers, wie er sich I)ier nannte, blieb allein zurück. Er tteuzte die Arme über bie Brust unb strich mit ber Hand den langen Barth, wie er zu thun pflegte, wenn er fich mit einem Gegenstand in Gedanken lebhaft be- chäftigte. Auf feinem Antlitz lagerte ein sinnender Ernst, in seinen Augen stieg ein feuchter Hauch auf, gleich dem Nebel der Eltonemng an längst verschwundene Zeiten.
Er sah fich wieder als fröhlicher Jüngling, als lebenslustiger Sohu der Musen mtt dem Rucksack auf der Schulter, den derben Wanderstab in der Haud bie Forsten, Berge nnb Schluchten des Harzes burchstreifend, er sah wieber bie schlanke, braunlockige Jungfrau errötheud vor fich stehen, zaghaft unb boch so zärtlich ihre Beine schmale Hand in die setoige chmiegend, er fühtte wieber bas Glück, die Seelig- kett, beu süßen Schmerz uub bie überquellende Hoffnung der ersten Liebe, er empfand wieder bie herbe Enttäuschung, die Qual der zerstörten Siebe, der vermißten Hoffnung unb tief sank sein Haupt herab und ein Seufzer entfloh seinen Lippen.
Wie die Zett vergangen war! Die Liebe, der Schmerz, bie Enttäuschung, bie zerstörte Lebensfreude — alles, alles lag so wett, so wett hinter ihm, bem ernsten Manne, dem Gelehrten, bem Forscher auf bem harte» Dornenwege der Wiffenichaft, bem Arzt, der so manches Elend, so manchen Jammer in Dorf und Stadt, Schloß und Hütte gesehen hatte — es lag so wett, so mbeiweit hinter ihm und boch fühlte er eine Leere, eine Oede in bem Herzen, eine Schwermuth in der Seele, die ihm, dem gereiften Manne fast die Thränen in die Augen trieb.
Niemals hatte ihn dieses Gefühl so überwältigt, wie hier in de» Bergen seiner Jnqendheimath, die er wahrlich nicht ausgesucht, nm alten Eriunei ungen nachzuhängen. Er stand auf den Höhen des Lebens, der Wisst nschast. Sei» Name ward ehrend genannt in der ganzen Welt, die Schüler bei Heilkunde lauschten begierig seinen Worten und folgten aufmerksam seinen geschickten Händen bei den schwierigen Operationen.
(Fortsetzung folgt.)