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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham.

RtrUii lri^MmuMarkt ^1tod Jllustrirtes Sonntagsblatt.

M 138.

Erscheint täglich außer an Werttagm nach Sonn- und Feiertagen. Quartal-AbomiementS-PreiS bei der Expe­dition 2 M., bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. (ejfl. Bestellgeld). JnsertionSgebühr für die gespalten« Zeile »der deren Raum 10 $fq.. Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Marburg

Mittwoch. 16. Juni 1897.

8ne«g«H nimmt entgegen di« Expedition diese» Blatte«, sowie di« Lnnonttn-Burtaux von Hsafrustrin * * Vogler in Krt a. M., Laffel, Magdeburg und Wim; Rudolf i Frankfurt a. M., BerÜn, Münchm u. Köln, C. L.

Donb« * Lo, in Frankfurt a. M., Berliu, Haouover, Pari«.

UM. Jahrg.

Reformen im Strafvollzüge.

Hine bei den maßgebenden Kreisen wiederholt Wfältig in Erwägung genommene Frage ist die der tzrbesserung des Strafvollzugs im Rahmen der be­henden Gesetzgebung. In Preußen kosten die suasanstalten jährlich 17 200 000 Mk., wovon z Millionen Mark Arbeitsverdienst der Gefangenen rigchen, wozu aber die Kosten für die Aufseher an ja kleinen Gefängnissen, die Kosten der Recht- hrechung selbst usw. hinzutaten. Für daS ganze Mutsche Reich einschließlich der Schutzgebiete find die Zirafvollstreckungskosten auf jährlich 100 Millionen $orf zu veranschlagen Trotz dieses riefigen Auf- «udes vermehren sich die Verbrechen. Die Ursache hierfür liegt zunächst in einer Zunahme der kriminalisti- $t!t Nervosität des Publikums, das heute überall Staatshilfe verlangt. Jährlich mflffen 3738 Proz. illn eingegangenen Denunciatione» von der Staats- swaltschaft zurückgewiesen werden, weil sie so unbe- Mdet find, daß nicht einmal die richterliche Mit- etiung anzurufen war. Als Rückschlag zeigt sich euch am Richtertische ein Anschwellen des Kriminalitäts- Oankens, so beim groben Unfug, dem Urkuudenbe- M, dem untauglichen Versuche, der Jrrthumslehre, km Vorsatze, dem Religionsvergehen, der Majestät?- Beleidigung, dem Betrüge usw. Zu dieser Erweiterung kr Kriminalisirung durch die Rechtsprechung tritt eine wßerordentliche Ueppigkeit der Gesetzgebung; so ver- nsachte die Gewerbeordnungsnovelle eine Zunahme ki Bestrafungen wegen Gewerbevergehungen um 70 Prozent. Endlich erzeugt sogar der Strafvollzug Äst neue Verbrechen. Wir sind so weit gekommen, kB nichts Seltenes ist, wenn Jemand seine hmdertste Strafe erhält.

Es hat diese Verhältnisse wiederum sehr eingehend I der schönen Neckarstadt Heidelberg jüngst die 5. lastsche Landesversammlung der kriminalistischen Ver- migung berathen. Geh. Justizrath Professor Dr. ömffert-Bonn meinte, bei diesen lÄngangs geschilderten Zuständen sei es dringend nothwendig, die Frage «ch dem Zwecke der Strafe zu revidiren; allein man Äme zur Zeit an den Gesetzgebungsapparat des Deutschen Reiches nicht mit Vertrauen herantreten. Dcßhalb muß man sich innerhalb des geltenden Rechtes damit behelfen, daß als obersten Grundsatz A Strafausmaß- und Strafvollstreckung die Be- chchichtigung der Individualität des Verurthellten an ste Spitze tritt. Es sind zu verhängen: Abschreckungs- Mfen Geld, Haft, Gefängniß von 2 Wochen ist 3 Monaten bezw. 2 Jahren, kürzere Zuchthaus­

strafen gegen Augenblicksverbrecher, welche Strafen grundsätzlich in Einzelhaft zu vollziehen sind; Er­ziehung«- und Besserungsstrafen längeres Ge­fängniß und Zuchthaus gegen Zustandsverbrecher, d. h. im Wesentlichen mehrmalig Rückfällige; Sicherungsstrafen, die im allgemeinen immer auf das Sttaftnaximum zu bemeffen sind, gegen Unverbesserliche. Sehr bedauerlich, so führte Geh. Reg.-Rath Krohne- Berlin aus, ist es, daß man den Richtern nicht die Zeit zum nothwcndigen Studium des Menschen ge­währt. Eine Verminderung der Zahl der Straf« Prozesse muß herbeigeführt werden und trotzdem eine Vermehrung der Zahl der Richter. Was man jetzt von den Richtern verlangt, können diese unmöglich leisten. Außerdem können aber die gesammten Straf« gesetze in den Papierkorb geworfen und von den Sttafurthellen ein Autodafe gemacht werden, wenn es nicht gelingt, gute Strafvollzugsbeamle zu ge­winnen, die Herz und Verstand haben. Den Straf­anstaltsdirektor hat man noch bis vor Kurzem als den höher» Aufseher angesehen, auf dem das Odium des alten Kerkermeisters lastete. Aufgabe des Voll­zuges der Freiheitsstrafen ist, durch den Ernst der Strafe den Rechtsbrecher unter die Rechtsordnung zu beugen und ihn zu einem geordneten, gesetzmäßigen Leben nach der Entlassung zu erziehen. Dabei laufen die Zwecke der Abschreckung, Besserung, Sicherung usw. so durcheinander, daß in der Praxis sich besondere Abschreckungsstrafev, Besserungsstrafen, Sicherungs- sttafen gar nicht durchführen lassen. Das würde die reine Schablone werden, welche die nothwendige Jndi- vidualifirung unmöglich macht.

Es hat schließlich die Versammlung nachstehende Leitsätze einstimmig angenommen: 1. Bei der richterlichen Bestimmung der Strafen und bei der Strafvollstreckung (Verordnung und Reglement, Voll­zug im einzelnen) ist auf die Individualität der Ver- urtheilten Rücksicht zu nehmen, soweit das Gesetz dies ermöglicht.

1L Zu unterscheiden find 1. Augenblicks« (Ge- legenheüs«) Verbrecher; 2. solche Verbrecher, bei denen die That und das Vorliben erkennen lassen, daß infolge mangelhafter Veranlagung oder Erziehung oder infolge späterer Einflüsie die Fähigkeit der Schuldigen, sich den bestehenden Normen zu unter­werfen, erheblich geschwächt ist, und bei denen die Gefahr als begründet erscheint, daß bei ihnen Geld­oder kürzere Freiheitsstrafen ohne ausreichende Wirkung bleiben; 3. Verbrecher, deren Einordnung in das gesetzmäßige gesellschaftliche Leben nicht mehr erwartet wird.

III. Für die Strafzumessung empfehlen sich folgende Grundsätze: 1. Für Augenblicks- (Gelegen- heits«) Verbrecher ist, soweit das Gesetz es zuläßt und die Schwere des Rechtsbruches oder die Indi­vidualität des Schuldigen nicht eine Freiheitsstrafe erfordert, vorwiegend Geldstrafe anzuwenden. Muß auf Freiheitsstrafe erkannt werden, so ist sie, wenn nicht be­sondere Umstände eine mildere Strafe bedingen, auf mindestens eine Woche zu bemessen. 2. Für die unter II, 2 und 3 genannten find die Freiheitssttafen regel­mäßig mit jeder neuen Verurtheilung eventuell bis zum Höchstmaße zu steigern: mildernde Umstände sind nur ausnahmsweise zuzubilligen.

IV. empfiehlt eine Reihe von Grundsätzen für den Vollzug der Freihettsstrafen und verlangt zm indivi­duellen Behandlung der Gefangenen namentlich ein tüchtiges, für feinen Beruf vorgebildetes Beamten- peisonal, und Einrichtungen, wie sie sich nur in größeren Anstalten taffen lassen. Die kleinem Ge- sängniffe seien daher als Strafgefängnisse aufzugeben oder nur zum Vollzüge ganz kurzer Strafen zu be­nutzen, sofern sie darin in Einzelhaft vollzogen werden können. Im Dienste der Fraueugefänguisse sollen thunlichst nur Frauen verwandt werden.

V. zur Sicherung eines zweckmäßigen Sttafvoll- znges haben in regelmäßiger Wiederkehr an den Conferenzen der Oberbeamten in ben größeren Ge- sängnissen und Sttafanstalten von der Oberaufsichts- behörde abgeordnete Vertrauensmänner theilzunehmen; unter Frauengefängnissen sind auch Frauen abzuordnen. Die abgeordneten Personen haben das Recht, die Ge­fangenen ohne Zeugen zu besuchen. Sie haben namentlich bei den Beschlüssen über Strafunterbrechung, vorläufige MMaMng mid Begnadigung mitzuwirken.

Nach kürzererer Besprechung gelangte darauf eine Schlußthese, VI, zur Annahme, welche die Grund­sätze für die Wiedereinordnung des Bestraften in die Gesellschaft darlegt.

Umschau.

Die Zahl der verdienten Männer, die in emften und großen Zeiten dem ersten deutschen Kaiser be­sonders nahegestanden unb sich durch Rath und That große Verdienste um das Vaterland erworben haben, wird immer kleiner; abermals ist einer der tüchtigsten und verdienstvollen unter ihnen, der General der Kavallerie z. D. und Generaladjutant Emil von A l b e d y l l, dahingeschieden. Nur verhältniß- mäßig kurze Zeit hat er im Frontdienst gestanden;

(Nachdruck verboten.

Erloschene Sterne.

Roman aus der Gegenwart von O. Aster.

(Fortsetzung.)

»Sie sagten schon/ fuhr Professor Schäffler v Ottilie fort,daß Ihre Mutter meinen Rath schmähte, wenn sie nun hört, daß ich zu ihr wmen will, wird sie es nicht erlauben/

Ottilie senkte traurig das Haupt. Sie erinnerte urst welcher Heftigkeit ihre Mutter ben Ge- Hülfe bei bem Professor Schäffler zu zurückgewiesen hatte unb fürchtete, baß sie jetzt auf bei Weigerung beharren würbe.

. »Lor Allem ist es nöthig/ fuhr bet Professor ff» »Ihrer Mama jebe Aufteguug zu ersparen, umssen also schon zu einer kleinen unschulbigen t; unsere Zuflucht nehme». Ich werbe mich unter em anbereu Namen bei ihr einzuführen suchen .. /

_ »Wie soll ich Ihne» beim bauten, Herr Pro- ichoi . , /

»3ch werbe mit Doktor Winter sprechen. In /*atI Absicht lag es, mich einige Wochen hier anf- w)alten, ich verfolge einen bestimmtm Zweck mit Reise, hoch davon später! Sie werben in nächste» Tage» von mir höre», Fräulein wenn ich mit Doktor Winter zu Ihrer 5-"Tbe- ta Sfe mi*

»Gewiß nicht, Herr Profeffor/ entgegnete Ottilie Thräne» in ben Augen.

--.»Hub nun leben Sie wohl für heute, liebes Muleiu. Wir sehen uns halb Bieber und ber V8a®tI gebe, baß ich Ihrer Mama helfm kann." fc«me tiefe Stimme bebte leise. Er bot ihr bie

Hänbe unb ste legte aufschluchzenb ihre Hänbe in bie seinige».

Dank, tausenb Dank/ flüsterte fie.

Er brückte sanft ihre Hänbe, strich bann leise mit ber rechten Hanb über ihr lichtbraunes welliges Haar, sprach ein weichesAuf Wiedersehm bei Ihrer Mama* unb entfernte sich rasch.

Mit großem, starren Auge blickte Ottilie bem Davonschrestenbe» nach, bis er im Walbe ver­schwunden war. Dann sank sie auf bie Bank zurück, eine Fluth von seltsamen Gebauten unb Gefühlen bnrchwallte ihr Herz nnb wogte stürmisch in ihren Adem auf und ab. Sie wußte nicht, was ihr vorgegangen war; fie hätte aufjubeln mögen und doch perlten Thränen unaufhaltsam über bie Wangen. Aber es war so süß dieses Weinen, dies glück- liche Weinen!--M

p.""

Es war ein rührendes Bild stillen ergebungs­vollen Leidens und treuer kindlicher Liebe, bie beiben Frauen, Mutter unb Tochter, in ben schattigen Laubengängen bes ©artens ber Villa Fahrenbrink auf unb ab toanbeln zu sehen. Die blinbe Frau Fahren brint stützte sich nur leicht auf ben Arm ihrer braunlockigen Tochter, bie nicht ganz bie stattliche Größe ber Mutter erreichend, einem schlanken Reh aus ben grünen Wäldern des Harzes glich.

Fra» Ottüie, bie Wittwc des reichen Holz- Händlers Wllhelm Fahrenbrink, war trotz ihrer erloschenm starren Augen und des leidenden Aus- druckes ans dem Men blaffen Gesichte noch eine schöne Erscheinung. Das kastanienbraune Haar, welches sich schlicht und einfach um die weiße Stirn schmiegte und nur im Nacken einige krause Löckchen zeigte, war allerdings hier und da schon durch Wenige

Silberfäden durchzogen, aber die üppige Fülle der Jugend hatte es noch nicht verlorm, gleich einer goldig glänzenden Krone bedeckte es das stolz ge- tragene Haupt, das ebensowenig wie bie hohe kräftige Gestalt, durch bie langen Leidensjahre nicht gebeugt wordeu war. Nur bas blaffe Gesicht, bie fest zu- sammengepreßten Lippen, der schmerzliche Zug um ben feingeschnittenen Munb, um bie edel geformte gerade Nase, verriethen das tiefe Leid, welches das Lebm dieser Frau erfüllt haben mußte. Am selt- samstm berührten die ftarren glanzlosen, großen Augen, die gleich erloschmen Steinen ix dem stille» Antlitz ftanben nnb ben Wiederschein des Sonnen lichtes nicht mehr zurückzumfe» im Staube waren. Die bunfle Kleidung hob noch mehr das blasse Ge­sicht und die abgemagerte aber immer noch schöne und kräftige Gestatt berbor.

Ottüie, ober Otti, wie sie liebtofenb von ber Mutter genannt würbe, war ihr verjüngtes Ebenbilb. Jugendlich zarter und schöner war ihr rosig über­hauchtes Antlitz, jugendlich schlanker unb rnnber bie zierliche Gestalt unb au8 ben leudjtenben Augen glänzren Jugendlust, schelmischer Frohsinn und finnige Träumerei.

Otti war wenig aus bem stillen Harzstäbtchen herausgekommen. Nur ein Jahr lang hatte sie ein Pensionat in einer größeren Stabt besucht, sonst hatte sie still an ber Seite ber Mutter gelebt, bie ihr, so weit fie es vermochte, eine sorgsame Erziehung an« gebeihen ließ. In bem Stäbchen befanben sich eine Bergakademie und ein Gymnasium. Es waren mit­hin gute Lehrkräfte genug vorhanden, welche die geistige Ausbildung Ottilims leiten konnten. Das Herz und Gemüth des jungen Mädchens gediehen aber unter der liebevollen Pflege der Mutter mehr, als in den großstädtischen Erziehungsinstituten, Otti

von 1843 bis 1859 hat er dem 2. (Pommerschen) Kürassier - Regiment Königin zu Pasewalk angehött, 1869 hat er drei Monate lang die 7. Kürassiere in Halberstadt geführt, vom 7. August 1888 bis zum 3. Juni 1893 war er der beliebte und hochangesehene Kommandeur des 7. Armeekorps in Münster. Währmd seiner ganzen übrigen Dienstzeit hat er durch alle Stufenleitern militärischer Hierarchie hin­durch vom Rittmeister bis zum kommaudirenden General die persönlichen Angelegenheüen des preußi­schen Heeres bearbeitet, zuerst unter Frecherm von Manteuffel, bann unter bem ihn jetzt überlebenben General v. Tresckow, eublich seit bem 26. Februar 1871 dem Tage der Unterzeichnung der Friedens« Präliminarien 171/2 Jahre selbständig. Was die Abtheilung der persönlichen Angelegenhettm unseres Heeres für die Schlagfertigkeit desselben und für die Friedenssicherheit unseres Vaterlandes bebentet, ist genugsam bekannt. Albebyll hatte sich baS vollste Verttauen seines Kriegsherm unb nicht minber das Vertrauen des Heeres erworben; er war von uner­müdlicher Arbeitskraft, von scharfem Verstände, von großer Thatkraft, er verband liebenswürdigen Humor mit reichern diplomatischen Geschick und großer per­sönlicher Herzensgüte; sein Gedächiniß war sprich­wörtlich unb beherrschte bie kleinsten Einzelheiten zur Bewunderung aller Offiziere, die dienstlich mit ihm zusammenkarnen. Daß nach seinem Weggänge bas preußische Offizierkorps rasch unb nachbrücklich ver­jüngt werben mußte, war nicht ihm anzurechnen; man weiß, wie außerobmtlich schwer es bem greisen Kaiser fiel, stch von feinen altöerbienten Generälen zu trennen, und im Heere wie im Volke verstand man diese schöne Eigenschaft der tauen Anhänglichkeit wohl zu würdigen.

Professor Schmollers Vorttag über die Ent­wickelung des Mittelstandes in unserer Zeit am letztest Tage des evangelisch-sozialen Kongresses hebt fich durch seine mhige Objekttvität von manchen Leistungen anderer Redner sehr günstig ab. Er wurde in diesem Vortrage auch der Bedeutung der Spitzen der Gesellschaft und des Erwerbslebens für den kulturellen Fortschritt durchaus gerecht, und es macht beinahe den Eindruck, als habe er unwillkürlich durch die nachdrückliche Betonung dieses Momentes den Eindruck früherer, nicht eben einwandfreier Aeußer- ungen über die bevorzugte Minderheit der Gesellschaft verwischen wolle». I» der Hauptsache wird man, so meint diePost", ihm darin Recht geben können, daß zur Zeit eine bedenkliche Abnahme des Mittel­

sehnte fich auch niemals fort ans ihrer waldurn- kränzten, schönen Heimath; fie hing inniger Siebe an der Mutter, deren sorgsame Pflegerin fie geworden war. Niemals hörte fie von der Mutter ein hartes, herbes Wort, niemals war fie mit der großen, rauhen Wett da draußen in Berührung ge­kommen, fie glich der frischen Waldblume, die im Schattm ber Berge und Wälder, geküßt von dem Sttahl der anfgehmdm Sonne, fich zm herrlichm Blüthe entfallet.

Wurde nicht soeben die Gartenthür geöffnet?" ftagte Frau Fahrmbrink in dem Spaziergang inne» haltend und in bie Feme lauschenb.

Auch Otti hatte bas Oeffnen ber Thür ver­nommen. Ihr Herz pochte in rascheren Schlägen, wie bie letzten Tage stets, wenn Jemand ben stille» Garte» betrat. Glaubte fie boch stets, bie hohe Ge­stalt des Professors Schäffler eiuttete» zu sehen. Sie hatte feit ihrer Segnung im Walde da droben am Bergeshang nichts wieder von dem berühmten Arzt »emommen, aber fie hegte des feste Sertrauen in sein Wort, daß er kommen werde, nm ihrer armen Mutter zu helfen.

Sie vermochte ihren Gedankm keine andere Richtung zu geben. Das Bild des emften Ge­lehrten stand vor ihrm seelische» A«gm und chr trämnenbeS Herz glaubte noch immer ben sonoren Klang seiner mhigm Sttrnrne zu hören. Vergeblich hatte fie bie Tage hinburch auf ihn gewartet, auch j tzt seufzte sie leicht unb enttäuscht auf, als sie statt seiner bie alte, knorrige Gestalt bes Hegemeisters unb Forstaufsehers Klingebiel durch de» ©arten kommen sah.

(Fortsetzung folgt.)